Truda befand sich in einem wunderschönen Garten. Nein, eigentlich war es kein Garten. Vielleicht war es ein Wald. Falls es ein Wald war, dann war es der allerschönste Wald, den sie jemals gesehen hatte. Da waren fremdartige, hohe Bäume mit silbrig grünen, in der Brise flirrenden Blättern. Etwas unterhalb des Hanges, an dem sie saß, schimmerte und funkelte Wasser, ein großer See wohl. Überall im Schatten der Bäume blühten duftende Kräuter und seltsame, bunte Blumen, wie das Mädchen sie noch nie gesehen hatte, zumindest nicht in den Gärten und Beeten, die ihr nördlich des Montazíel vertraut waren. War das hier vielleicht Forétern, die mystischen Wälder weit im Süden? Ach, Unfug! Wie sollte sie dorthin gekommen sein?
Nur die Blumen, die sie ganz und gar umrankt hielten, die erkannte sie. Das waren die weißen Blumen, die Tíjnje pflegte, die in tönernen Töpfen im ganzen Zimmer verteilt standen. Aber die Pflanzen hatten sie ganz und gar umwachsen. Es war nicht unangenehm, im Gegenteil. Truda fühlte sich behaglich, wie unter einer warmen, weichen Decke. Aber sie hätte nicht aufstehen können, ohne die Ranken zu zerreißen. Also tat sie es nicht. Sie schaute auf das Wasser, genoss die Wärme, die von irgendwo her kam und fühlte sich ganz sonderbar, so als sei sie gar nicht wirklich in diesem wunderschönen Wald mit den vielen Blumen. Es war eher, als schaute sie ihn sich durch ein Fenster an. Aber da war kein Fenster.
Truda lächelte gedankenlos. Wie schön es hier war, wie friedlich. Wie leicht hier alles zu sein schien.
Ganz in der Nähe spielte Raýneta. Die kleine Schwester trug ein hübsches Kleidchen, aber sie war barfuß. Sie lief lachend zwischen den Bäumen herum, hinter Schmetterlingen und kleinen flinken Windninchen her, die sich um die Blumen herum tummelten. Sie sah so glücklich aus.
Wieso war Raýneta hier? Truda runzelte die Stirn. Die Schwester konnte doch unmöglich hier bei ihr sein. Der Vater war ermordet, und die Kleine verschleppt, und wo sollte man nach ihr zu suchen beginnen in all der Not?
Wo war Raýneta? Wo war sie? Was war das hier für ein Ort?
Wie seltsam, dachte Truda verwundert und das Wohlbefinden trübte sich ein. Da war etwas, das nicht wirklich sein konnte.
„Raýneta!“, rief Truda aus. Es kostete sie Mühe, Worte hervorzubringen, ganz so, als sei ihr die Zunge festgeklebt und der Kiefer zugebunden. „Raýneta …“
Raýneta blieb stehen. Sie wandte sich ihr zu und strahlte über das ganze Gesicht. Sie kam nicht näher, aber sie winkte ihr ausgelassen zu.
„Truda“, rief sie. Ihr schien es keine Mühe zu bereiten. „Schau, mein schönes Kleid! Ich freu mich so auf das Fest!“
„Raýneta!“, presste Truda verstört hervor, viel zu leise, als dass das Kind es auf die Entfernung hätte hören können. „Raýneta! Wo … sind wir?“
„Mach dir keine Sorgen“, antwortete Raýneta fröhlich. „Alles wird gut. Alles wird wieder gut!“
„Raýneta!“ Truda konnte nur mühevoll ächzen, ihre Stimme war wie eingefroren. „Bist … du in … Ordnung?“
„Vater ist hinter den Träumen. Aber das ist richtig geschehen!“
„Schwesterchen!“ Es kostete Truda unglaubliche Anstrengung. Sie kämpfte, mit Erfolg! Mit jedem Wort kam mehr Stimme heraus.
„Du bist in Gefahr!“
„Mach dir keine Sorgen! Ein guter Mann passt auf mich auf!“
„Raýneta!“
Aber da war wieder der Schmetterling und lockte das Kind. Es jauchzte übermütig und rannte leichtfüßig hinterdrein.
Truda versuchte, sich zu bewegen, aber ihr ganzer Körper war wie aus Stein. Nicht das kleinste Gelenk in ihrem Leib schien sich bewegen zu lassen. Das junge Mädchen nahm alle Kraft zusammen, aber es war gefangen in der Starre, in der tröstenden Umarmung, in einem Netz aus Blütenranken. Sie kämpfte, aber sie spürte nichts dabei. So reglos …
„Hör auf“, sprach sie jemand an, der hinter ihr stand.
Trudas Herz tat einen schmerzhaften Satz vor Schreck. Sie atmete flach und trotz der schönen Wärme stellten ihr sich die Härchen auf der Haut auf, wie unter einem kalten Hauch. Aber die Kälte kam aus ihr selbst, aus ihrem Inneren, und widersprach der Schönheit um sie herum und hatte nichts damit zu tun.
„Bleib ruhig. Kämpf nicht dagegen an.“ Es war ein Mann, eine warme, sanfte Stimme. „Du musst dich nicht bewegen. Das ist kein Ort für dich. Lass deinen Geist fallen, wie ein Blatt von einem Baum, der aufs Wasser fällt. Kannst du dir das vorstellen?“
„Wer ist da?“, wimmerte sie. „Wer spricht da?“
„Kannst du dir das vorstellen?“, wiederholte der Mann hinter ihr. „Versuch es! Lass dich fallen. Lass dich treiben. Du hast hier keinen Körper!“
Er sagte das mit Nachdruck, nicht wie einen Befehl. Es klang besorgt.
„Ich hab Angst“, wisperte sie. „Was ist das hier?“
„Lass dich fallen! Keine Angst. Dir kann nichts geschehen, solange du dich an diesem Ort nicht an deinen Körper klammerst.“
„Wo ist Raýneta?“
„Ein guter Mann passt auf sie auf. Jedenfalls sagt sie das.“
„Was hat das zu bedeuten?“
„Ich weiß es nicht. Aber wenn sie es sagt, wird es stimmen.“
„Wo ist meine Schwester?“
„Sie ist wieder fort.“ Die Stimme näherte sich. „Wie ein kleiner Schmetterling, der ziellos umherflattert, wie ein flinkes Windninchen, hierhin und dort.“
Ein Schattenwurf legte sich neben ihr auf das Gras. Sie konnte den Kopf nicht wenden, sah nur aus den Augenwinkeln, dass er sich zu ihr hinab neigte. Dann erspähte sie flüchtig eine schlanke Hand und ein Stück von einem schwarzen Ärmel, als er die Blütenranke auf ihrer Schulter berührte.
„Hab keine Angst. Hier kann dich nichts zustoßen. Aber du solltest nicht hier sein. Ich habe auf jemand anderen gewartet.“
„Wo bin ich?“
„Du bist Truda Emberbey“, sagte er. „Du bist unter den Blumen eingeschlafen. Du hast Botschaften für mich.“
„Was meint Ihr? Und woher wisst Ihr, wer ich bin?“
„Lass dich fallen“, wiederholte er sanft. „Der einzige Weg hinaus aus meinem Traum ist, in den deinen zurückzukehren. Lass deine Gedanken frei, damit ich verstehe. Lass mich schauen.“
Sie fühlte sich plötzlich benommen. Das wispernde Laub über ihr flimmerte kräftiger, schneller. Das sanfte, lichte Silbergrün wurde heller und heller und schließlich strahlend hell. Es löschte den Wald und das Wasser und den Mann mit dem schwarzen Ärmel aus und wurde zu einer sanften, tröstenden Schwärze.
Kaum war die Süßspeise serviert, erhob Manjév sich vom Tisch. Sie hatte nicht einmal den letzten Bissen heruntergeschluckt.
„Majestät?“, fragte Ólefá Tjiergroen.
„Nehmt es mir nicht übel“, sagte Manjév. „Aber es war ein langer Tag. Ich bin müde.“
„Aber der Abend ist doch noch nicht halb verstrichen!“, begehrte die mit dem Geschmeide auf, die sich als yarlaranda von Valfrontír entpuppt hatte.
Die Vorwitzige aus dem Haus Valiése schien ebenso erschrocken. „Majestät, es gibt doch noch Musik und Geschichten, und …“
„Genießt all das. Ich wünschte, ich könnte Euch Gesellschaft leisten. Morgen bin ich sicher erholter. Ich hatte einen anstrengenden Tag.“
Sie rückte eigenhändig ihren Stuhl ab, lächelte den drei verdatterten Mädchen zu und schritt dann hinüber zu ihren Eltern.
„Manjév?“, fragte Asgaý von Spagor verwundert. Der teirand hatte sich in angeregtem Gespräch mit yarl Lebréoka befunden.
„Ich bin müde, Vater. Ich will mich zurückziehen.“
„Aber Kind! All die Gäste …“
„Die unterhalten sich sicherlich prächtig, auch ohne meine Anwesenheit.“
Kíaná von Wijdlant warf der Tochter einen sanft tadelnden Blick zu. „Kind. Du brüskierst all die hochedlen Damen und Herren. Die Gäste sind alle deinetwegen hier.“
„Bitte, Mama“, wisperte Manjév. „Ich kann wirklich nicht mehr.“
Asgaý von Spagor lächelte entschuldigend in die Runde. „Verzeiht“, bat er. „Sicher fehlen meiner Tochter heute ihre Hofdamen. Es war ein anstrengender Tag.“
„Ganz recht“, fügte Manjév an und zwang sich ein herzliches Lächeln aufs Gesicht. „Es wäre ein Verrat, wenn ich mich heute vergnügte, ohne dass meine liebsten Freundinnen sich an dem Fest ergötzen könnten.“
„Und Eure liebsten Freunde wohl auch, nicht wahr?“, kam es von Benjus von Valvivant. Die Stimme des alten teirand war zittrig, verwaschen, und es mangelte ihm an einigen seiner Zähne. Der alte Mann hatte eine etwas feuchte Aussprache. Abgesehen davon wirkte er leutselig und gut gelaunt. Offenbar gefiel ihm das Bankett und der Weinpudding hatte wohl gut gemundet.
„Majestät?“
„Nun“, nuschelte der teirand, „was ist ein solch schönes Fest wohl nur ohne den schmucken jungen Herrn an Eurer Seite?“
„Majestät, ich weiß wirklich nicht …“, brachte Manjév unbehaglich hervor.
„Nun, so hold ihr errötet, hochedle teirandanja, es ist jammerschade, dass der junge Merrit Althopian das Bankett versäumt hat. Ich erinnere mich gut an ihn, von meinem großen Prachtturnier. Was für ein Reiter! Was für ein Meister der Fechtkunst! Da können die jungen Herren hier sich noch einiges abschauen!“
„Oh.“ Manjév wandte sich den jungen Rittern zu, die am anderen Ende des hohen Tisches neben ihren Vätern saßen und aufmerksam lauschten. „Merrit Althopian. Ja, dass er ein tauglicher Kämpfer ist, das ist wohl wahr. Was das andere betrifft … da ist das Wort noch nicht gesprochen.“
Kíaná von Wijdlant lächelte, mit Unbehagen. Einer der jungen Männer, der yarlandor von Valfrontír oder Valeísé – Manjév konnte beides nie auseinanderhalten – hatte seinen Löffel noch halb erhoben und war in der Bewegung erstarrt.
„Nun“, sagte yarl Tjiergroen bedacht und mit einem Blick auf einen der Junker, wahrscheinlich seinem Sohn. „Das ist eine Neuigkeit.“
„Meine Herren? Hochedle Damen?“ Manjév verneigte sich und wollte sich abwenden.
„Majestät!“ Der yarlandor ließ seinen Löffel fallen und sprang eifrig auf. „Erlaubt mir, Euch zu Eurem Ziel zu geleiten!“
Auch der yarlandor von Lebréoka war auf den Beinen, offenbar mit demselben Ansinnen. Tjiergroen gab seinem Sohn ein ungeduldiges Zeichen. Der junge Mann erhob sich.
Manjév schaute die drei Junker bestürzt an. Das waren doch wohl nicht die Gegenstücke zu den plappernden Jungfern, denen sie gerade zu entkommen versuchte?
„Bemüht Euch nicht“, wiegelte sie ab und schenkte jedem ein strahlendes Lächeln. „Das ist yarl Moréavals Aufgabe.“ Sie schaute sich suchend nach dem Ritter um und entdeckte ihn, wie er unten bei den anderen Edlen am Tisch saß. Er teilte seiner Dame ein Küchlein ein Häppchen und reichte ihr Stück um Stück an. Offenbar war man bester Laune. Sogar Altabete und Grootplen, deren hýardorae noch nicht da waren, überspielten den Ernst der Dinge. Tíjnjes Mutter war arglos. Sie genoss die liebevolle Zuwendung ihres hýardor. Keiner am Tisch sah aus, als betrauere man den ermordeten yarl Emberbey.
„Herr Jóndere!“, rief Manjév flehentlich über das Lachen, Schwatzen und Becherklirren hinweg, bevor sich jemand anders besinnen konnte.
„Kind, bitte“, mahnte Kíaná von Wijdlant.
„Bitte, Mama“, flüsterte Manjév. „Ich kann nicht mehr …“
„Moréaval!“, rief Asgaý von Spagor. Nun wurde der Ritter aufmerksam. Er erhob sich ertappt und warf seiner Dame einen entschuldigenden Blick zu. Manjév grüßte die Gäste aus Valvivant, winkte auch den Mädchen noch einmal huldvoll zu. Dann eilte sie Moréaval entgegen. Unter den neugierigen Blicken und verstohlenem Raunen einiger Gäste verließen sie den Saal.
„Vergebt mir, Herr Jóndere“, sagte sie, während sie den Burghof überquerten. Fackeln und Feuerschalen spendeten Wärme und Licht. Hier und da standen Leute beisammen, plauderten und tranken aus groben Tonbechern. In einer Ecke des Hofes bereiteten sich Musikanten auf ihren Auftritt in der Halle vor. „Ich musste die Kerle loswerden.“
„Welche Kerle? Die Grünschnäbel aus Valvivant?“
Sie lächelte müde. „Ich benehme mich arrogant und eitel, nicht wahr?“
„Ihr macht das gut, indem Ihr morgen einen Besuch im Turnierlager macht. Das wird die Gemüter besänftigen.“
„Danke, Herr Jóndere. Ich werde darüber nachdenken.“
Er brachte sie sicher zu ihrem Gemach. Truda lag dort immer noch unter den Ranken, hatte sich aber etwas freigestrampelt. Mehrere Blüten lagen auf dem Bettvorleger. Manjév nahm die Blume aus ihrem Haar und warf sie müde dazu.
Dann setzte sie sich ans Fenster und beobachtete das Treiben auf dem Hof, lauschte der Musik und dem Gelächter aus der Halle, ohne selbst ein Licht zu entzünden. So war sie von unten nicht zu erkennen.
Nur einmal hörte sie Truda im Schlaf etwas murmeln.
„Wie ein Blatt“, klang es unter den Blumenranken hervor. „Wie ein Blatt auf dem Wasser, Schwesterchen. Schau, wie es schwimmt.“
Im Süden, schon fast in Sichtweite der Burg Althopian, kuschelte sich Raýneta Emberbey an Galéon und träumte. „Keine Angst“, wisperte sie. „Ich hab keine Angst. Ein guter Mann gibt auf mich Acht!“
Galéon strich ihr sanft über das schmutzige, unordentliche Haar. Dies war die letzte Nacht, in der er sie behüten würde. Ob ihr ein Traum von flauschigen Windninchen auf einer Sommerwiese gefallen würde?
Im Westen schaute Osse Emberbey ins Feuer. Schlafen konnte er nicht. Zu sehr kreisten seine Gedanken um das, was ihn in Wijdlant erwarten würde. Was würde er sagen, der Vater, wenn er die Zeugnisse, die Empfehlungen, die Lobesschreiben las, die er aus der Ferne mitgebracht hatte? Wäre er zufrieden? Vielleicht sogar stolz?
Merrit schlief, aufrecht sitzend, angelehnt an den Baumstamm. Ohne Eisenzeug, doch das blanke Schwert in Händen. Was immer sie hier angreifen konnte, und sei es eine streunende Katze, der Ritter würde ihn beschützen. Osse seufzte und wünschte sich, er könne es dem Freund vergelten, den er so vermisst hatte.
Nur einmal zuckte der junge Mann aus dem Schlaf hoch, ohne aufzuwachen. Osse schaute verwirrt zu ihm hinüber.
Hatte Merrit gerade tatsächlich nach seiner Mutter gerufen?
Ebenfalls im Westen, aber eine weite Strecke nebenher, lagen Tíjnje Moréaval und Jándris Altabete in ihren Herbergsbetten wach. Die Geschichte, die der báchorkor ihnen erzählt hatte, ging ihnen nicht aus dem Kopf. Sie kam ihnen so … bekannt vor.Auch Láas Grootplen, draußen in der Scheune, schlief nicht. Das wäre Verschwendung gewesen. Tridna sah das ähnlich. Wahrscheinlich würden sie beide es am nächsten Tag bitter bereuen, wenn sie völlig übernächtigt in Wijdlant eintrafen. Die sonderbare Geschichte hatten sie beide verpasst. Aber das war es wert.
Im Turnierlager südlich der Burg schnarchte Rolk vor sich hin. Sie beide hatten sich einen großen Krug Bier gegönnt und gefeiert, yarl Altabete erfolgreich losgeworden zu sein. Aber etwas trübte die Freude, subtil und nicht greifbar. Kárar Ferocrivé versuchte, das Schnorcheln und Prusten seines Knappen zu ignorieren, und presste sich sein Kissen auf die Ohren. Wo er ohnehin wach lag, ließ er seine Gedanken schweifen. Dass er den naiven jungen Ritter nicht aus dem Weg geräumt hatte, wurmte ihn. Solange der junge Mann in Wijdlant eingekerkert war, kam er nicht an ihn heran, um die Sache zu beenden. Aber was konnte er tun? Und hatte er nicht eigentlich wichtigere Dinge zu tun? Ihm war, als habe er seit der Begegnung mit dem jungen Tölpel ohne Wappen etwas Entscheidendes aus den Augen verloren.
Und dann traf ihn, völlig unvorbereitet, eine Eingebung, die unter dem Ärger über yarl Ycelia, der Gier nach dem Pferd und dem Ärger über die begriffsstutzige yarlaranda begraben gelegen hatte.
„Rolk“, rief Kárar Ferocrivé. Und noch einmal: „Rolk!“
Mit einem Schnarcher fuhr der Knappe hoch. „Herr?“
„Sag, erinnerst du dich an das, was du vor zwei Tagen beobachtet hast?“
„Nein, Herr.“ Der Knappe gähnte. „An was denn?“
„An den Ritter mit den zwei Weibsbildern, den du auf der Lichtung gesehen hast.“
„Ach so. Ja, die waren so schön … ich meine, das war ganz schön verdächtig.“
„Erinnerst du dich noch, wie der Ritter aussah?“
„Denke schon, Herr. War ein schmucker junger Herr. Den Damen gefällt er offenbar auch, wo er doch gleich zwei davon …“
Kárar Ferocrivé fiel ihm ins Wort. „Würdest du ihn erkennen?“
„Ich glaube schon. Gestern dachte ich sogar, ich hätte ihn gesehen.“
„Was?“ Der Ritter setzte sich ruckartig auf. „Wann?“
„Na, der junge Herr, dem wir das Pferd abgenommen haben. Also der, dem ich das Pferd verkauft habe.“
„Und das fällt dir jetzt erst ein, Kerl?“
„Ihr habt ja nicht gefragt, Herr!“, verteidigte Rolk sich hastig, als Kárar Ferocrivé aufsprang. Mit einem großen Schritt war er als drohender Schatten an seinem Bett. „Und war er ja auch nicht!“
„Bist du dir sicher?“
„Ganz sicher, Herr! Weil, der Ritter mit den beiden Damen hatte ganz langes blondes Haar. Wie ein Mädchen. Und ein Rüstzeug aus Gold! Den würde ich unter Hunderten wiedererkennen!“
Kárar Ferocrivé beschloss, nicht zu schreien. Er bezwang sich gerade noch rechtzeitig, nicht zu seiner Axt zu greifen und an Rolk zu vollenden, was er an dem mysteriösen Wappenlosen versäumt hatte. Dem Ritter, der offenkundig mit der yarlara von Emberbey paktierte.
Vielleicht war das nun sogar noch viel besser als alles, was er sich zurechtgelegt hatte. Man musste es nur richtig drehen.
Und während im Weltenspiel gefeiert, gewacht, geliebt, geträumt und intrigiert wurde, trug ein geflügeltes Tier seine Reiter weit, weit nach Norden. Kein einziger Magier schlief in dieser Nacht. Nicht einer im ganzen Weltenspiel.
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