{"id":4713,"date":"2026-04-03T19:21:08","date_gmt":"2026-04-03T17:21:08","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4713"},"modified":"2026-04-03T19:21:08","modified_gmt":"2026-04-03T17:21:08","slug":"071-das-geheime-wunderpferd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2026\/04\/03\/071-das-geheime-wunderpferd\/","title":{"rendered":"071: Das geheime Wunderpferd"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Rolk war froh darum gewesen, am fr\u00fchen Morgen endlich das Zelt verlassen zu k\u00f6nnen. Zwar konnte er sich nicht recht erkl\u00e4ren, womit er seinen Herrn so sehr ver\u00e4rgert hatte. Aber es war nicht zu leugnen, dass er \u00e4u\u00dferst schlechter Laune war.<\/p>\n<p>Wenn K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 missgelaunt war, hatte der Knappe keinen leichten Stand. Nicht, dass der Ritter seinen jungen Gehilfen allzu sehr misshandelt h\u00e4tte. Da war Rolk aus den Lernh\u00e4usern in Ferocriv\u00e9 ganz anderes gewohnt gewesen. Er hatte es damals als gro\u00dfes Gl\u00fcck angesehen, in die Dienste eines jungen <em>yarl<\/em> gestellt zu werden, eine Gelegenheit, die triste und wenig hoffnungsvolle Umgebung zu verlassen und etwas vom Weltenspiel zu sehen. Dennoch: War Herr K\u00e1rar ver\u00e4rgert, lie\u00df er den Jungen das sp\u00fcren. Mit nur wenigen, schroffen Worten und einer Schicht von Verachtung drum herum.<\/p>\n<p>Rolk war kein kluger Knappe, das wusste er selbst. Aber er stellte \u00dcberlegungen an, wie er das Wohlwollen seines Herrn zur\u00fcckgewinnen konnte. Mit untadeligem Verhalten und ungefragten Diensten etwa. Das hatte er sich vorgenommen, schon in seinem eigenen Interesse. Um nichts in der Welt wollte er seine Anstellung verlieren und wom\u00f6glich wieder zur\u00fcckgehen nach Ferocriv\u00e9, wo es lange nicht so sch\u00f6n war wie hier. Hier, inmitten der Leichtigkeit, des Prunks und der guten Verpflegung, die sie als G\u00e4ste der <em>teiranday<\/em> von Wijdlant und Spagor genossen, begann Rolk zu ahnen, wie angenehm das Leben sein konnte.<\/p>\n<p>Hier, wo sch\u00f6ne junge M\u00e4dchen nachts durch den Wald liefen wie Wesen aus einem M\u00e4rchen.<\/p>\n<p>Also war der Junge nur allzu eilfertig damit gewesen, sich mit dem ersten Hauch von Patagh\u00edus Glanz nach den Pferden zu schauen. Als es hell genug war, um nicht mehr \u00fcber die verspannten Zeltschn\u00fcre zu stolpern, war Rolk herausgeschlichen, ohne seinen Herrn zu wecken.<\/p>\n<p>Er hatte sich zuerst Herrn K\u00e1rars Streitross gewidmet, dem Schimmel, einem der besten Pferde, das in den St\u00e4llen der Burg Ferocriv\u00e9 aufzutreiben war. Ein hervorragendes, ein wunderbares Pferd, wie Rolk bislang gedacht hatte. Bis er hergekommen war und die R\u00f6sser der anderen Ritter gesehen hatte. Nun, immerhin war der Schimmel weiterhin ein ordentliches Pferd. Er hatte ihn noch nie angeschrien.<\/p>\n<p>Rolk beschaffte dem Hengst Futter, indem er auf dem Weg durch die Pferche den anderen stolzen Eisenr\u00fccken jeweils eine Faustvoll Heu aus ihren Krippen stahl. W\u00e4hrend der Schimmel fra\u00df, griff Rolk zu den B\u00fcrsten und striegelte ihn, bis kein St\u00e4ubchen mehr auf seinem Fell verblieb. Als nach und nach die Knappen und Knechte der anderen Ritter eintrafen, um dasselbe zu tun, war er mit seiner Arbeit schon fast zu Ende.<\/p>\n<p>Lose Gespr\u00e4chsfetzen drangen zu ihm hin. Knappen unterhielten sich, prahlten mit dem Ruhm ihrer Herren, manche lie\u00dfen sich zu spielerischen Raufereien zwischen den Pferchen hinrei\u00dfen. Ein junger Knappe mit einem bunten Wappen auf seinem Wams klagte \u00fcber Magengrimmen. Offenbar vertrug er die Gew\u00fcrze schlecht, mit denen man in Wijdlant kochte. Zwei andere fachsimpelten im Vorbeigehen dar\u00fcber, welche Spiele die <em>teirandanja<\/em> wohl f\u00fcr den ersten Tag ausw\u00e4hlen w\u00fcrde. Denn das war bislang ein Geheimnis geblieben, damit keiner der Wettstreiter schummeln konnte.<\/p>\n<p>Rolk h\u00e4tte gern mitgeredet. Aber er entschied, dass es besser war, zu schweigen. Das hatte Herr K\u00e1rar ihm scharf geraten, denn wie schnell konnte dem Jungen in all seiner Unschuld und T\u00f6lpelhaftigkeit ein falsches Wort \u00fcber Herkunft und die Mission seines Herrn entweichen.<\/p>\n<p>Rolk seufzte und konzentrierte sich auf das Lederzeug, \u00fcberpr\u00fcfte jede einzelne Schnalle und alle Riemen. Zweimal. Als er damit fertig war, war immer noch nicht genug Zeit verstrichen, um Herrn K\u00e1rars Unmut verfliegen zu lassen. Also packte Rolk die B\u00fcrsten zusammen und machte sich auf, um nach dem neuen, dem anderen Pferd zu sehen.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich war auch das Turnierlager belebter. Viele Menschen, Turnierg\u00e4ste und Helfer aus Wijdlant liefen gesch\u00e4ftig herum. Nur die Wettstreiter selbst schienen den Tag ruhiger angehen zu lassen. Ein Teil von ihnen war am Abend zuvor lange in der Burg gewesen, hatte Schlaf nachzuholen. Rolk konnte es ihnen nicht verdenken, so lange wie m\u00f6glich in den leidlich trockenen und warmen Zelten zu verharren, bis der Morgentau getrocknet war und der Glanz h\u00f6her am Himmel stand.<\/p>\n<p>Hier und da schnappte er viel Geschw\u00e4tz auf. Er h\u00f6rte so manche erleichterte Bemerkung dar\u00fcber, dass die Pferde mit der Abendd\u00e4mmerung endlich zur Ruhe gekommen waren. Was sie wohl die ganze Zeit so scheu gemacht haben mochte? Vielleicht ein Rudel Wildw\u00f6lfe oder eine Rotte Waldschweine im Wald? Nun, was immer sie gewittert hatten, offensichtlich war es weitergezogen.<\/p>\n<p>Rolk ging hin\u00fcber zu der anderen Koppel, wo all die Hand- und Lasttiere untergebracht waren.\u00a0 Herrn K\u00e1rars neue Stute d\u00f6ste und w\u00e4rmte sich das Fell in den Herbstsonnenstrahlen. Rolk t\u00e4tschelte ihr den Hals und steckte ihr eine halbe M\u00f6hre zu, die er bei den Streitr\u00f6ssern gefunden hatte. Dann schaute er sich sorgsam um. Niemand beachtete ihn. Kaum jemand hatte in seiner N\u00e4he zu tun, und die paar Leute ringsum hatten mit sich selbst und der Pflege der Tiere zu tun.<\/p>\n<p>Verstohlen zog er das Tiegelchen mit der kostbaren Haarfarbe hervor und verteilte mit der Fingerspitze davon etwas auf einer der B\u00fcrsten. Ein wenig nachf\u00e4rben musste er wohl. Und K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 w\u00fcrde ihn vielleicht f\u00fcr diesen umsichtigen, eigenen Gedanken loben.<\/p>\n<p>Es war angenehm friedlich hier. Rolk pfiff sich ein Liedchen, hing seinen Gedanken nach und b\u00fcrstete M\u00e4hne, Schweif und Beh\u00e4nge der Stute dunkel und gl\u00e4nzend. Den Neuank\u00f6mmling vorn am Zaun bemerkte er daher erst, als einer der Pferdeknechte ausrief: \u201eHerr! Welche Freude, Euch endlich hier zu sehen!\u201c<\/p>\n<p>Rolk blickte auf und sp\u00e4hte \u00fcber den R\u00fccken der Stute hinweg. Am Au\u00dfenzaun hatte ein junger Ritter auf einem pr\u00e4chtigen braunen Eisenr\u00fccken Halt gemacht. Er f\u00fchrte ein Handpferd bei sich und eines auf seinem Wappenschild, silbern auf blauem Grund.<\/p>\n<p>\u201eIst Herr Daap hier?\u201c, fragte der er den heraneilenden Knecht. \u201eOder Herr Andri\u00e9r?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr. Noch nicht. Die Herren werden wohl etwas sp\u00e4ter eintreffen, nach dem Empfang gestern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEmpfang?\u201c<\/p>\n<p>\u201eBenjus von Valvivant mit seinem Gefolge, Herr. Aber den <em>maedlor<\/em> und einen der beiden <em>arbidray <\/em>habe ich bereits gesehen. Soll ich nach ihnen schicken?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, lass nur. So wichtig ist es nicht, dass man jemanden damit von wichtigen Pflichten abhalten m\u00fcsste.\u201c Der Ritter sa\u00df ab. Ein gut aussehender Junker mit wei\u00dfblondem Haar war es, sicher nicht viel \u00e4lter als zwanzig Sommer. Dass die <em>yarlay<\/em>, nach denen er gefragt hatte, nicht zugegen waren, schien ihn nicht allzu sehr zu bek\u00fcmmern. Er \u00fcbergab dem Knecht die Z\u00fcgel des Handpferdes.<\/p>\n<p>\u201eHier\u201c, sagte er. \u201eSorg f\u00fcr den hier und bring meinen Braunen im Turnierlager bei den anderen unter. Der hat sich eine Rast verdient. Und ich brauche ein frisches Pferd, um zur Burg zu reiten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich, Herr\u201c, sagte der Knecht. Dann f\u00fcgte er fast etwas erstaunt hinzu: \u201eIst <em>das<\/em> das Pferd, das f\u00fcr euch angemeldet ist?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer ist f\u00fcr \u2026 mindere Aufgaben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo habt Ihr den her, Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGibt es ein Problem?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, nat\u00fcrlich nicht. Es ist nur ungewohnt, gemessen an dem, was Euch \u00fcblicherweise gef\u00e4llt..\u201c<\/p>\n<p>Nun wurde Rolk neugierig. Er schlenderte auf die andere Seite der Stute, von wo aus er einen besseren Blick hatte.<\/p>\n<p>An dem Pferd, das nun der Knecht am Z\u00fcgel hielt, war nichts Besonderes. Erdbraun war es, duldsam, etwas struppig und seichtbl\u00fctig. Neben dem gro\u00dfen, gepflegten Streitross wirkte es uninteressant wie ein Teller kalter Haferbrei.<\/p>\n<p>\u201eGib mir einfach einen Beleg, dass ich es hier eingestellt habe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun macht Ihr mich neugierig! Was kann der hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas sollte er k\u00f6nnen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, Ihr werdet doch nicht ohne Grund f\u00fcr so ein Ross die M\u00fche auf Euch genommen haben. Ihr doch nicht! Verratet Ihr mir das Geheimnis?\u201c<\/p>\n<p>Nun war Rolk ganz Ohr. Ein Geheimnis? Vielleicht w\u00fcrde das Herrn K\u00e1rar milde stimmen.<\/p>\n<p>\u201eGeheimnis? Es gibt kein &#8230;\u201c Der Ritter z\u00f6gerte. Dann endete er bedacht: \u201eNein, wenn ich es dir verrate, ist die \u00dcberraschung dahin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, Ihr kennt mich seit vielen Sommern! Ich habe mich immer untadelig um Eure Pferde gek\u00fcmmert! Ihr k\u00f6nnt mir vertrauen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas wei\u00df ich! Aber \u00fcber dieses Pferd w\u00fcnsche ich <em>absolutes Stillschweigen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Der Pferdeknecht machte ein entt\u00e4uschtes Gesicht und wandte sich dem Pferd zu, als hoffe er, etwas Neues daran zu entdecken. Das Tier schien zu d\u00f6sen.<\/p>\n<p>\u201eNoch etwas\u201c, sagte der Ritter. \u201eEs w\u00e4re mir eine kleine Zuwendung wert wenn \u2026 wenn niemand von dir erf\u00fchre, dass dieser brave Gaul meiner ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine Zuwendung, Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eW\u00fcrde eine Silberm\u00fcnze deine Lippen dar\u00fcber geschlossen halten?\u201c<\/p>\n<p>Der Pferdeknecht schien fassungslos. Dann erhellte sich seine Miene. \u201eEs ist eine \u00dcberraschung f\u00fcr die <em>teirandanja<\/em>, nicht wahr? Das muss es sein! Nat\u00fcrlich ist es das! Wie gro\u00dfartig!\u201c<\/p>\n<p>\u201e<em>Zwei<\/em> Silberm\u00fcnzen. Unter der Bedingung, dass vor allem Herr Daap und Herr Andri\u00e9r nichts von meinem \u2026 Zweitpferd erfahren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr k\u00f6nnt auf mich z\u00e4hlen, Herr!\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Dann bring jetzt den da zu einer guten Raufe Heu und beschaff mir ein Leihpferd. Ich will meine <em>teirandanja<\/em> nicht zu lange warten lassen. Peinlich genug, dass ich das Bankett f\u00fcr Benjus von Valvivant vers\u00e4umt habe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKeine Sorge. Ich bringe ihn pers\u00f6nlich fort und lasse Euch ein frisches Kurierpferd geben. Habt kurz Geduld. He!\u201c Er winkte einen anderen Stalljungen heran, der gerade mit einem Eimer Wasser des Weges kam. \u201eDu! K\u00fcmmer dich um das Ross! Bring ihn r\u00fcber zu den Hengsten!\u201c<\/p>\n<p>Der Knabe sauste heran und \u00fcbernahm das braune Streitross, mit heller Begeisterung, wie es Rolk schien.<\/p>\n<p>Rolk beobachtete mit gro\u00dfen Augen, wie der Ritter dem anderen tats\u00e4chlich zwei blanke M\u00fcnzen zusteckte. Der Turnierknecht zog seine Kappe, verneigte sich tief und f\u00fchrte dann das Pferd fort. Es folgte ihm mit schlurfenden Schritten und h\u00e4ngenden Ohren.<\/p>\n<p>Der junge Ritter, der nun warten musste, verschr\u00e4nkte die Arme und lie\u00df seinen Blick zerstreut \u00fcber die geringeren Pferde schweifen. Ausgerechnet auf der Stute verweilte er.<\/p>\n<p>Rolk duckte sich unter deren Hals hindurch und wollte sich fortstehlen. Aber es war zu sp\u00e4t. Der Ritter schl\u00fcpfte unter dem Absperrseil durch und kam geradewegs auf ihn zu.<\/p>\n<p>\u201eWas f\u00fcr ein h\u00fcbsches St\u00fctchen\u201c, sagte er anerkennend.<\/p>\n<p>\u201eEin h\u00fcbsches \u2026 Ja. Ja, Herr. Ein ganz feines Pferdchen. Findet mein Herr auch. Ist eine ganze Menge Gold wert!\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter musterte die Stute kundig mit seinen merkw\u00fcrdig klaren, blauen Augen. Auch das Tier schien Gefallen an ihm zu finden. Es streckte ihm die samtige Schnauze entgegen und schnaubte freundlich.<\/p>\n<p><em>Bei den M\u00e4chten, <\/em>dachte Rolk entsetzt. <em>Wenn er sie ber\u00fchrt, f\u00e4rbt sie gewiss ab! Nicht auszudenken, wenn er braune Flecken auf seinen Wappenrock bekommt!<\/em><\/p>\n<p>\u201eVorsicht, Herr\u201c, sagte er geistesgegenw\u00e4rtig. \u201eIst ein hinterlistiges Biest, das Pferdchen. Sie bei\u00dft!\u201c<\/p>\n<p>\u201eTats\u00e4chlich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Immerzu bei\u00dft sie. Tut ganz sch\u00f6n weh, Herr!\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter l\u00e4chelte belustigt. Aber er hielt Abstand.<\/p>\n<p>\u201eWem geh\u00f6rt sie? Wer ist dein Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKa\u2026 kann ich Euch nicht sagen, Herr. Mein Herr tritt mit verdecktem Wappen an. Sehr wichtig. Ein Geheimnis!\u201c Er legte die Finger an die Lippen und nickte gewichtig.<\/p>\n<p>\u201eSo. Verdecktes Wappen und bissiges Pferdchen. Das wird sicher ein Spa\u00df bei den Spielen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGanz recht, Herr.\u201c<\/p>\n<p>Der junge Ritter grinste gutm\u00fctig und setzte zu einer weiteren Frage an. Aber da kam schon ein Pferdejunge herbeigelaufen, einen fuchsfarbenen Feuerblutwallach am Z\u00fcgel. Der Ritter war ganz offensichtlich in Eile, denn er schwang sich ohne viel Aufhebens in den Sattel. Er nickte Rolk und dem Knaben zu und trabte davon.<\/p>\n<p>Rolk wartete, bis er au\u00dfer Sicht war und schlenderte dann fort, in die Richtung, in die der so gro\u00dfz\u00fcgig bezahlte Turnierknecht mit dem m\u00fcden Pferd verschwunden war. Er fand ihn auf einer der hinteren abgez\u00e4unten Weiden, die man vom Hauptweg aus nicht so gut einsehen konnte. Das Pferd stand nun zwischen einigen h\u00fcbschen Damenpferden und einem Maultier und kaute sehr gem\u00e4chlich an frischem Heu. Der Turnierknecht hatte die Silberm\u00fcnzen noch in der Hand, aber sie schienen ihn kaum zu interessieren. Daf\u00fcr betrachtete er den braunen Wallach so fasziniert, als habe er ein edles Feuerblut vor sich.<\/p>\n<p>\u201eHe\u201c, sprach Rolk ihn an. \u201eWas ist das mit dem Pferd da?\u201c<\/p>\n<p>Der Knecht schrak auf und lie\u00df das Geld schnell verschwinden. \u201eWas? Mit dem da?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHab gesehen, wie der Ritter damit ankam. Wer war denn das?\u201c<\/p>\n<p>Der Pferdeknecht r\u00e4usperte sich und schaute sich um. \u201eIch wei\u00df nicht, wovon du sprichst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Blonde mit dem braunen Eisenblut. Blausilbernes Wappen mit \u2019nem Gaul drauf. Hat dir Geld gegeben. Wer war das?\u201c<\/p>\n<p>Der Knecht runzelte die Stirn. \u201eDas solltest du dann doch wissen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWoher denn? Bin ich ein <em>arbidrar<\/em>? Der junge Herr hat nach meinem Herrn gefragt. Also muss ich es wissen.\u201c<\/p>\n<p>Der Pferdeknecht seufzte. Dann holte er eine seiner Silberm\u00fcnzen hervor. \u201eEin Silber daf\u00fcr, dass du dar\u00fcber schweigst, dass das Pferd da Herrn Merrit geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Rolk schnappte nach der M\u00fcnze, bevor der Knecht es sich anders \u00fcberlegen konnte, \u201eGeht klar. Wer ist Herr Merrit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, du bist wohl nicht von hier? Das war Herr Merrit, der <em>yarlandor<\/em> von Althopian.\u201c Der Turnierknecht grinste. \u201eGegen den wird dein Herr sich ganz sch\u00f6n tummeln m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlthopian?\u201c Dieser Name kam Rolk bekannt vor. Ja, nat\u00fcrlich. In Ferocriv\u00e9 fiel er \u00fcberraschend oft. Das <em>yarlm\u00e1lon<\/em> im Westen, im Hochland hinter den S\u00fcmpfen von Palud\u00e1ra, das schon so viele Unzufriedene angezogen hatte,<\/p>\n<p>\u201eUnser k\u00fcnftiger <em>teirand<\/em>\u201c, f\u00fcgte der Turnierknecht hinzu und erg\u00e4nzte bescheiden: \u201eSo die M\u00e4chte es auch wollen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd warum hat er ein geheimes Pferd?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas wei\u00dft du auch nicht? Das Haus Althopian z\u00fcchtet die besten Pferde n\u00f6rdlich des Montaz\u00edel. Er war eigens so kurz vor dem Turnier noch unterwegs, um ein Turnierpferd zu besorgen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAha.\u201c Rolk schaute hin\u00fcber zu dem langweiligen braunen Pferd, das am guten Heu m\u00fcmmelte. \u201eDas da?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo muss es sein. Wenn einer der jungen Herren etwas von Pferden versteht, dann ist es Merrit Althopian. Wenn er dieses Pferd geheim halten will, dann muss das ein ganz au\u00dferordentliches Ross sein. Bestimmt hat es etwas Besonderes damit auf sich! \u2013 Du kannst doch schweigen, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich\u201c, beteuerte Rolk und versenkte sich selbst in den Anblick des Pferdes. Er konnte beim besten Willen nichts daran erkennen, was es von einem gew\u00f6hnlichen Packpferd unterschied. Aber vielleicht t\u00e4uschte er sich. Vielleicht war der Wallach einfach nicht ausgeruht und so schmuddelig nach der weiten Reise. Vielleicht verbarg sich unter dem struppigen Fell etwas, was all die Ritter beim Turnier das F\u00fcrchten und Staunen lehren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Verstehen musste er das nicht. Aber das musste er auch nicht. Den Verstand, den hatte schlie\u00dflich Herr K\u00e1rar.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4713","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4713","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4713"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4713\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4721,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4713\/revisions\/4721"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4713"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4713"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4713"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}