{"id":4712,"date":"2026-04-03T19:20:19","date_gmt":"2026-04-03T17:20:19","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4712"},"modified":"2026-04-03T19:20:19","modified_gmt":"2026-04-03T17:20:19","slug":"070-zorn-und-zuegel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2026\/04\/03\/070-zorn-und-zuegel\/","title":{"rendered":"070: Zorn und Z\u00fcgel"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Die Burg der <em>yarlay<\/em> von Althopian stand auf einer Anh\u00f6he, einem Hochplateau mit flachem Boden und sehr viel Grasland, das aus dem Wald hervor z\u00fcngelte und sich dar\u00fcber erhob. Sie wachte \u00fcber Weiden und Wipfel, \u00e4hnlich wie die Burg daheim die Bucht und das weite Meer h\u00fctete. Aber Wa\u00fdreth Althopians Haus war anders. Die Mauern waren aus braunem und sandfarbenem Stein errichtet und nicht vom Seewind verwittert und gesalzen. Die Burg hatte nur einen eckigen hohen Turm und hohe Mauern mit schindelgedeckten D\u00e4chern \u00fcber dem Wehrgang. Sie kam Ra\u00fdneta kleiner vor, als sie sich entsann. Als ganz kleines Kind hatte der Vater sie einst hierher mitgenommen. Damals war die Burg riesig gewesen, hatte das Kind aber nicht halb so sehr interessiert wie die vielen sch\u00f6nen Pferde. Davon gab es links und rechts des Weges einige, manche auf eingez\u00e4unten Weiden, andere auf Wiesen. Einmal erblickte sie eines, das dem lieben wei\u00dfen Pferdchen \u00e4hnlich sah, und wandte sich rasch ab, bevor es ihr im Herzen wehtat. Pferdehirten in mit lederbesetzten Gew\u00e4ndern achteten darauf, das keines entwischte. Sie winkten, gr\u00fc\u00dften mit ihren M\u00fctzen zu ihrem Herrn und seinen Jagdgehilfen hin\u00fcber. Sogar einige Stuten mit staksigen Fohlen waren bei den Herden dabei. In jedem anderen Moment w\u00e4re Ra\u00fdneta entz\u00fcckt gewesen. Nun aber hatte sie keine Augen daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Wa\u00fdreth Althopian hatte vorsichtig versucht, sie auszufragen, das aber schnell wieder aufgegeben. Ra\u00fdneta konnte sich auch gar nicht auf seine ruhigen, freundlichen Worte konzentrieren. Sie blickte bang auf den <em>b\u00e1chorkor<\/em>, der immer noch nicht wieder zu Bewusstsein gekommen war. Es war so schrecklich, wie er da zwischen den toten Tieren lag. Das war falsch. Er sollte doch neben dem Pferd herlaufen und Geschichten erz\u00e4hlen!<\/p>\n<p>Die Burg war alt, eng und wehrhaft, aber nicht abweisend. An mehreren Stellen der Au\u00dfenmauern rankten Kletterrosen auf, hatten aber jetzt im Herbst nur noch wenige duftende Bl\u00fcten. Das Tor stand weit offen und f\u00fchrte auf einen kleinen, sonnigen Hof. An die Innenseite der Mauern schmiegten sich Unterst\u00e4nde und kleine Geb\u00e4ude an die Mauer unterhalb des Wehrganges, wo unter anderem ein Schmied und ein T\u00f6pfer ihre Arbeit verrichteten. Dem Tor gleich gegen\u00fcber war das steinerne Wohngeb\u00e4ude, zu dessen Eingang eine steinerne Treppe hinauff\u00fchrte. Es war zwischenzeitlich so hell, das gesch\u00e4ftiges Treiben herrschte. Die Burgbewohner gingen ihrem Tagwerk nach, unterbrachen es aber, als die J\u00e4ger einritten.<\/p>\n<p>Der Einzug des <em>yarl<\/em> mit seinen M\u00e4nnern erregte Aufsehen. Man hatte wohl nicht mit einer so fr\u00fchen R\u00fcckkehr ihres Herrn gerechnet. Stalljungen nahmen die Pferde entgegen und stutzten \u00fcber den Grauen mit ihr, dem schmutzigen, durchgefrorenen Kind in seinem viel zu gro\u00dfen Sattel.<\/p>\n<p>Andere Burgleute blieben auf Abstand, aber sie alle starrten und tuschelten. Neugierig schauten sie, was der Herr aus dem Wald mitgebracht hatte, ganz abgesehen von den Rehen und Waldschweinen, die rasch abgeladen wurde.<\/p>\n<p>Den <em>b\u00e1chorkor<\/em> zerrte einer der J\u00e4ger vom Packpferd herunter und warf ihn achtlos zu Boden. Beim Verladen des Wildes war er im Weg. Daf\u00fcr kamen als Althopians Wink die beiden Waffenknechte vom Tor herbeigeeilt.<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta war schneller. Sie wartete nicht, bis ihr jemand vom Pferd half, hangelte sich aus dem Sattel, lie\u00df sich fallen, plumpste schmerzhaft auf das Steinpflaster und hastete zu dem Wehrlosen.<\/p>\n<p>\u201eWach auf!\u201c, flehte sie und r\u00fcttelte an seinem Arm. \u201eGal\u00e9on, wach auf!\u201c<\/p>\n<p>Er st\u00f6hnte, ganz leise, hatte aber wohl nicht die Kraft, die Augen zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>\u201eBitte\u201c, flehte sie und schubste ihn mit aller Kraft. \u201eWach auf! Du musst ihnen alles erkl\u00e4ren!\u201c<\/p>\n<p>Und schon hatte sie einer der W\u00e4chter am Arm und zog sie fort.<\/p>\n<p>\u201eWeg da, Kleines! Bleib zur\u00fcck!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr Wa\u00fdreth!\u201c Ra\u00fdneta riss sich los, wurde aber gleich wieder gepackt. \u201eHerr Wa\u00fdreth, bitte!\u201c<\/p>\n<p>\u201eLass sie los!\u201c Der <em>yarl<\/em> war seinerseits abgestiegen und befreite das Kind ruhig aus dem festen Griff seines Knechtes. \u201eDas ist Ra\u00fdneta, <em>yarlaranda<\/em> von Emberbey. Wir haben sie im Wald aufgelesen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas verschleppte Kind!\u201c, wisperte eine Frau im allgemeinen Getuschel.<\/p>\n<p>Der W\u00e4chter trat rasch einen Schritt zur\u00fcck. Besch\u00e4mt \u00fcber seine Respektlosigkeit verneigte er sich tief vor ihr. \u201eHerrin!\u201c, brachte er verlegen hervor. \u201eVergebt mir. Ich konnte nicht wissen\u2026\u201c<\/p>\n<p>Das interessierte sie nicht. Flehend griff sie nach Althopians Arm. \u201eBitte, Herr! Bitte, lasst den <em>b\u00e1chorkor<\/em> in Ruhe! Er hat niemandem ein Leid angetan!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, wer ist der da?\u201c, wollte der andere W\u00e4chter wissen.<\/p>\n<p>\u201eEs scheint, dass uns der Verbrecher ins Netz gegangen ist, der in Emberbey gesucht wird,\u201c erkl\u00e4rte der <em>yarl<\/em> seinen Leuten.<\/p>\n<p>\u201eNein!\u201c, z\u00fcrnte Ra\u00fdneta und stampfte fest auf. \u201eNein, das ist nicht wahr!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie bitter\u201c, sagte der andere J\u00e4ger und deute dem zweiten Waffenknecht, ihm zu helfen. \u201eWie sehr muss er das Kind ver\u00e4ngstigt haben!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst das etwa der Lump, der den yarl ermordet hat?\u201c, fragte ein Hinzukommender, der \u00e4hnlich gewandet war wie der <em>maedlor<\/em> daheim.<\/p>\n<p>\u201eVerschleppt hat der die junge <em>yarlaranda<\/em>. Im Wald ist sie ihm wohl entkommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWiderlicher Lump!\u201c, z\u00fcrnte eine Frau in einem K\u00fcchenkittel und einer Kochhaube auf dem Haar. Einen Korb mit S\u00fc\u00dfkohl und R\u00fcben hatte sie im Arm. Wahrscheinlich kam sie gerade aus dem Gem\u00fcsegarten. Ein gro\u00dfes, mit Erde verschmiertes Messer hatte sie in der Hand und sah aus, als sei sie bereit, es zu benutzen.<\/p>\n<p>\u201eWas ist los?\u201c, klang es von der anderen Seite.<\/p>\n<p>\u201eHerr Wa\u00fdreth hat die Tochter von yarl Emberbey gerettet!\u201c, rief ein nahebei Stehender zur anderen Seite des Hofes, sodass es niemandem entgehen konnte, der gerade in der Vorburg oder an einem Fenster war. \u201eUnd den M\u00f6rder hat er ergriffen.\u201c<\/p>\n<p>\u201ePfui!\u201c, lie\u00df sich eine \u00e4ltere Frau h\u00f6ren. Ein halbgerupftes Huhn hatte sie so fest gepackt, als wolle sie es vor Emp\u00f6rung g\u00e4nzlich zerfetzen. \u201eSchande \u00fcber den Mistkerl!\u201c<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte seine Seele ausl\u00f6schen!\u201c, verlangte der vermeintliche <em>maedlor<\/em> gewichtig und voller emp\u00f6rter Abscheu.<\/p>\n<p>\u201eDer Unhold!\u201c, erz\u00fcrnte sich eine Frau irgendwo hinter den Pferden. Und dann konnte Ra\u00fdneta die Worte nicht mehr voneinander unterscheiden. Alle gerieten in Bewegung, und ein Gewirr aus Stimmen verschmolz zu einem Brei, aus dem Mitleid und noch viel mehr Feindseligkeit herauszuschmecken war. Es war fast wie vorhin im Wald, nur mit viel mehr Menschen.<\/p>\n<p>Die Waffenknechte nutzten ihre Wut und ihr Amt und den Gefangenen bei den Armen. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> hing wehrlos und so zerbrechlich zwischen ihren kr\u00e4ftigen H\u00e4nden, seine Beine knickten unter ihm weg. Er war ihnen so ausgeliefert, dass es Ra\u00fdneta Angst und Bange wurde.<\/p>\n<p>\u201eMordbube!\u201c, h\u00f6rte sie einzelne Worte. \u201eDreckskerl!\u201c \u201eAbschaum!\u201c Und: \u201eEin Ende damit!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa!\u201c, stimmten andere ein. \u201eEin Ende mit dem Scheusal.\u201c<\/p>\n<p>Was redeten die Leute da? Sie taten ja, als sei der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wildes Ungeheuer aus einem Schauerm\u00e4rchen, ein b\u00f6ser Mordkrieger aus den ganz alten Zeiten!<\/p>\n<p>\u201eHerr Wa\u00fdreth!\u201c, rief Ra\u00fdneta in Angst. \u201eIhr habt es versprochen! Die d\u00fcrfen ihm nicht wehtun!\u201c<\/p>\n<p>Wa\u00fdreth Althopian hob sie auf seinen Arm und trat mit einem machtvollen Schritt zwischen die Waffenknechte und die aufgebrachten Burgleute. Einige davon hielten Dinge in H\u00e4nden, mit denen sie gerade noch unschuldig gearbeitet hatten, die sich aber sicherlich auch f\u00fcr anderes eigneten. Ein kr\u00e4ftiger Mann mit ru\u00dfgeschw\u00e4rzter Ledersch\u00fcrze lie\u00df ertappt den Hammer sinken, den er schon halb geschwungen hatte,<\/p>\n<p>\u201eZur\u00fcck!\u201c, rief der <em>yarl<\/em> seinen Leuten gebieterisch zu. \u201eDas keiner mir den Kerl anr\u00fchrt! Hier wird niemand ohne Urteilsspruch gerichtet. Oder seid ihr alle irrsinniges M\u00f6rderpack?\u201c<\/p>\n<p>Das wirkte sofort. Die Schutzbefohlenen blieben gehorsam stehen.<\/p>\n<p>\u201eIhr denkt nicht nach\u201c, schalt der Ritter. \u201eWenngleich ich verstehe, dass gerechter Zorn lauter ist als Vernunft. Es ist nicht an uns, Vergeltung f\u00fcr den Tod meines Freundes zu \u00fcben. Aber es ist meine Pflicht, es seiner Familie zu erm\u00f6glichen. Der hier wird eine Menge Fragen zu beantworten haben, aus freien St\u00fccken oder nicht. Fragen, die <em>ich<\/em> stellen werde. Sp\u00e4ter.\u201c<\/p>\n<p>Das schienen die Leute einzusehen, wenn auch einige leise murrten.<\/p>\n<p>\u201eUnd nun bringt ihn fort, bis ich Zeit f\u00fcr ihn finde! Hier ist viel zu tun! Das Wild muss versorgt und f\u00fcr den Transport nach Wijdlant vorbereitet werden. Los, tummelt euch! Jeder, der dabei mittun kann, der lasse alles andere stehen. Die anderen sind mit einem Hirsch ein St\u00fcck hinter uns. Das eilt. Wir haben das Fleisch nicht genommen, damit es verdirbt!\u201c<\/p>\n<p>Diese Anweisung schien zumindest einen Teil der Leute abzulenken. Einige schienen ganz fr\u00fch, sich entfernen zu k\u00f6nnen. Ra\u00fdneta las in den Blicken einiger anderer, dass sie so strenge Rede wohl kaum gewohnt waren.<\/p>\n<p>Sie sp\u00fcrte sacht, beschwichtigend die Hand des Ritters auf ihrer Schulter.<\/p>\n<p>\u201eEin Bad f\u00fcr die <em>yarlaranda<\/em>\u201c, wandte er sich an die umstehenden M\u00e4gde. \u201eUnd zu essen. Und jemand schaffe eine frische Matratze in die Stube meines Sohnes. Der <em>yarlaranda<\/em> darf es an nichts fehlen nach allem, was sie durchgemacht hat! Worauf wartet ihr?\u201c<\/p>\n<p>Die Frauen verneigten sich und eilten tuschelnd fort. Die W\u00e4chter aber standen immer noch unschl\u00fcssig da, den <em>b\u00e1chorkor<\/em> unter den Achseln gepackt. Sein Kopf hing kraftlos herab.. Es zerriss Ra\u00fdneta das Herz. Sie hatte gesehen, wie der <em>b\u00e1chorkor<\/em> mit dem b\u00f6sen Schattenmann gek\u00e4mpft hatte, wie er <em>gezaubert<\/em> hatte. Warum tat er nichts dergleichen? Das hier waren keine m\u00e4chtigen Magier, das waren doch einfach nur normale Leute auf einer Burg. Mit Sicherheit w\u00fcrde er sich freizaubern k\u00f6nnen. Oder war er zu schwer verletzt?<\/p>\n<p>\u201eBitte\u201c, wisperte Ra\u00fdneta.<\/p>\n<p>\u201eKeine Sorge\u201c, beschwichtigte der Ritter. \u201eWir sperren ihn nur ganz sicher ein, damit er uns nicht wegl\u00e4uft.\u201c Er strich ihr \u00fcbers Haar und nickte dann seinen Knechten zu. \u201eIn den Keller. Eine T\u00fcr sollte gen\u00fcgen, um so einen schm\u00e4chtigen Burschen zu halten. Beeilt euch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr Wa\u00fdreth \u2026\u201c, bettelte Ra\u00fdneta matt.<\/p>\n<p>\u201eGanz sicher\u201c, wiederholte er. \u201eHinter einer dicken T\u00fcr. Wie ein Schild. Er kommt nicht heraus, und <em>niemand hinein<\/em>. Einverstanden?\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta verstand. Ja, ein Schild. Hinter einem Schild war man sicher. Da schlug nie ein Pfeil hindurch.<\/p>\n<p>\u201eDanke, Herr Wa\u00fdreth\u201c, sagte sie leise.<\/p>\n<p>\u201eGut. Und nun beruhige dich. Du bist in Sicherheit. Ab jetzt soll dich nichts mehr erschrecken und bedrohen.\u201c Er l\u00e4chelte. \u201eEs ist gut, dass du hergefunden hast, Ra\u00fdneta Emberbey.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, murmelte sie. \u201eAllein h\u00e4tte ich das nicht geschafft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWorauf wartet ihr? Hier gibt es nichts mehr zu bereden. In den Keller. Und kein Wort zu ihm, bevor ich nicht gesprochen habe.\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta schaute den beiden nach, wie sie den <em>b\u00e1chorkor<\/em> \u00fcber den Hof hin\u00fcber zum Wohnturm schleiften. Dann bemerkte sie, wie sich jemand an dem Grauen zu schaffen machte.<\/p>\n<p>\u201eDas Schwert!\u201c, rief sie aus und strampelte sich aus Althopians Griff heraus. \u201eDas ist <em>meines<\/em>!\u201c<\/p>\n<p>Der Pferdeknecht, der das Gep\u00e4ck hatte abladen wollen, fuhr \u00fcberrascht zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eNiemand nimmt es dir weg!\u201c, beteuerte der <em>yarl<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eAber niemand soll es anfassen!\u201c Sie packte die lederne Scheide und versuchte, die Waffe des <em>b\u00e1chorkor<\/em> vom Sattel zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>\u201eHerr?\u201c, fragte der Knecht zaghaft. Wa\u00fdreth Althopian sch\u00fcttelte den Kopf und trat neben sie hin. Schweigend l\u00f6ste er die Riemen vom Sattel. Das Kind packte das Schwert fest und umklammerte es.<\/p>\n<p>\u201eDas hier ist auch deines, nehme ich an?\u201c Der Ritter schnallte das Kuscheltier und die mit bunten Borten und Bl\u00fcmchen verzierte Tasche ab.<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, sagte Ra\u00fdneta leise. \u201eUnd das Tuch. Das ist n\u00e4mlich mein Festkleid, m\u00fcsst ihr wissen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlles andere geh\u00f6rt dem <em>b\u00e1chorkor<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNehmt es ihm nicht fort. Er besitzt so wenig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSehe ich aus, als h\u00e4tte ich es n\u00f6tig, einen <em>b\u00e1chorkor<\/em> zu bestehlen?\u201c<\/p>\n<p>Sie sch\u00fcttelte den Kopf. Ganz m\u00fcde und leer f\u00fchlte sie sich pl\u00f6tzlich. Aber das war egal. Alles war egal, solange niemand das Schwert nahm.<\/p>\n<p>Althopian nahm die Habe des <em>b\u00e1chorkor<\/em> an sich. Ein Knecht f\u00fchrte den Grauen fort. Die paar Burgleute, die noch in der N\u00e4he waren, kamen n\u00e4her. Die blanke Wut war weg. Stattdessen erntete Ra\u00fdneta mitf\u00fchlende Blicke.<\/p>\n<p>\u201eDie arme Kleine\u201c, raunte jemand im Glauben, sie k\u00f6nne es nicht h\u00f6ren. \u201eWie durcheinander und ersch\u00f6pft muss sie sein!\u201c<\/p>\n<p>Althopian breitete das halb zugeschnitte und zum Teil gen\u00e4hte Kleid aus. Im Wald hatte es ein Tragek\u00f6rbchen ersetzt. Die klebrigen Reste zermatschter Beeren perlten vom Stoff ab wie Wasser von einem Seerosenblatt.<\/p>\n<p>\u201eIst es dir recht, wenn eine flei\u00dfige N\u00e4herin es vollendet, Ra\u00fdneta Emberbey? Damit du es endlich anziehen kannst?\u201c<\/p>\n<p>Das war ein so sch\u00f6ner, wohliger Gedanke. Das sch\u00f6ne Kleid. Auf dem gro\u00dfen Fest w\u00fcrde sie es tragen. Und Osse w\u00fcrde ihr sagen, wie gut es ihr stand, und vielleicht w\u00fcrde Truda sie darum beneiden. Sie versuchte ein L\u00e4cheln und nickte Althopian zu.<\/p>\n<p>Eine der j\u00fcngeren M\u00e4gde kam herbei. Wortlos nahm sie den Stoff entgegen.<\/p>\n<p>Die K\u00f6chin stellte den Gem\u00fcsekorb beiseite und legte das Messer hinein. Freundlich streckte sie Ra\u00fdneta die Hand entgegen. \u201eKommt, junge Herrin. Ich bringe Euch hin\u00fcber zur Badestube. Nur einen Moment Geduld. Ich hab hei\u00dfes Wasser in der K\u00fcche, das k\u00f6nnen wir hernehmen. Kommt die Suppe heute eben etwas sp\u00e4ter.\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta wich unwillk\u00fcrlich zur\u00fcck und umklammerte das Schwert.<\/p>\n<p>\u201eDas\u201c, erkl\u00e4rte Wa\u00fdreth Althopian, \u201eist das Andenken ihres Vaters. Es t\u00e4te ihrem Geist nicht gut, wenn sie nun davon lassen m\u00fcsste.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann nehmen wir es mit zum Zuber\u201c, mischte sich eine andere Magd ein. \u201eIhr habt es immer im Blick. Keiner fasst es an. Ihr d\u00fcrft es selbst tragen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, murmelte Ra\u00fdneta. Das Schwert in ihrem Arm f\u00fchlte sich pl\u00f6tzlich ganz seltsam an. Es war fast, als w\u00fcrde es sie umarmen, nicht umgekehrt. Ganz bestimmt tat es das. Sie konnte sich nicht erkl\u00e4ren, was das zu bedeuten hatte. Aber es musste so sein.<\/p>\n<p>\u201eIhr habt Gl\u00fcck\u201c, plauderte die junge Magd weiter. \u201eErst letzte Woche war ein Seifenh\u00e4ndler hier. Ganz feine sch\u00f6ne D\u00fcfte. Was m\u00f6gt ihr lieber, Herrin? S\u00fc\u00dfe Blumen oder w\u00fcrziges Kraut?\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta blinzelte. Seife. Badewasser. Selbst daheim war das kein allt\u00e4gliches Vergn\u00fcgen. Vielleicht nickte sie gerade ein und begann, fein zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<p>\u201eAranzien\u201c, sagte sie dann scheu. \u201eMeine Mama hat Aranzienseife aus For\u00e9tern so gern gehabt, hat mein Vater oft erz\u00e4hlt. Mein Bruder sagt, sie machen den Duft nicht aus der Frucht, aber aus der bitteren Schale.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAranzien\u201c, l\u00e4chelte die Magd freundlich. \u201eNa, dann kommt. Schauen wir, ob wir davon auch haben.\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta nickte und schleppte das Schwert zu der freundlichen jungen Frau hin\u00fcber. Einmal sah sie sich noch nach Wa\u00fdreth Althopian um. Aber der hatte sich bereits abgewandt und trug das Reiseb\u00fcndel des <em>b\u00e1chorkor<\/em> hin\u00fcber in das Wohnhaus.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4712","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4712","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4712"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4712\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4720,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4712\/revisions\/4720"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4712"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4712"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4712"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}