{"id":4707,"date":"2026-04-03T19:16:29","date_gmt":"2026-04-03T17:16:29","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4707"},"modified":"2026-04-03T19:16:29","modified_gmt":"2026-04-03T17:16:29","slug":"065-nachtflug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2026\/04\/03\/065-nachtflug\/","title":{"rendered":"065: Nachtflug"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Der Wind hatte sie ein wenig vom direkten Weg abgetrieben. Advon hatte nie gelernt, sich wie ein <em>keptyen<\/em> an der Anordnung der Sterne auf Nokt\u00e1mas Schleier zu orientieren. Wozu auch? Warum sollte ein Regenbogenritter ausgerechnet in der Nacht eine weite Reise tun? Doch auch am Boden gab es wenig, woran sie sich zurechtfinden konnten, abgesehen davon, dass sie nicht auf die andere Seite des R\u00edflu\u00edr wechseln durften. Den konnten sie aus der H\u00f6he sehen. Als dunkles, gl\u00e4nzendes Band str\u00f6mte er dem Meer entgegen, um sich mit dessen Wasser zu vereinen. So hielten sie sich an das \u00f6stliche Ufer und \u00fcberflogen Felder, Weiden und W\u00e4lder. Hier und da schienen kleine Lichtpunkte am Boden, Lagerfeuer von Hirten vielleicht. Vielleicht einzelne H\u00e4user von Geh\u00f6ften und D\u00f6rfern, wo aus irgendeinem Grund zu dieser Tageszeit noch Licht ben\u00f6tigt wurde. Aber all das nahm D\u00fdamir\u00e9e nur mit ihren nachtsichtigen Augen wahr. F\u00fcr Advon war es kaum zu erkennen. Er konzentrierte sich darauf, Farbenspiel die Richtung vorzugeben, die er f\u00fcr richtig hielt.<\/p>\n<p>Einmal sah D\u00fdamir\u00e9e ein ganz kleines Licht in der Tiefe, das ihr an einem seltsamen Ort zu sein schien und ein ungew\u00f6hnliches Feuer war. Aber es blitzte nur kurz zwischen den herbstlichten Kronen eines Waldst\u00fccks auf und war so schnell vor\u00fcber, dass sie es nicht genauer betrachten konnte. Ein St\u00fcck davon entfernt entdeckte sie eine Burg auf einer Anh\u00f6he, \u00fcber dem Wald und umgeben von weiten, ebenen Weisen. Es war eine kleine Burg, mit einem trutzigen Turm und wehrhaften Mauern. Mehr war in der Nacht nicht zu erkennen. Das musste die Burg derer von Althopian sein. Bis Emberbey war es also nicht mehr weit.<\/p>\n<p>Sie redeten nicht viel, es w\u00e4re zwecklos gewesen. Farbenspiels Fl\u00fcgelschlag und der Wind, der ihnen hier oben entgegen blies, waren viel zu laut und h\u00e4tten Worte nur davon geweht. Von Gedanke zu Gedanke hatte D\u00fdamir\u00e9e berichtet, was sie \u00fcber den Tod von Alsg\u00f6r Emberbey erfahren hatte, welchen Verdruss dies den Unkundigen nun gerade in diesem Moment bereitete und wie sehr sie Mitleid mit ihnen versp\u00fcrte, vor allem mit Truda, die um den Vater trauerte. Aber auch mit Manj\u00e9v. In ihrem Geist focht die <em>teirandanja<\/em> einen Kampf gegen sich selbst aus. Nicht wie gegen einen Feind, hatte D\u00fdamir\u00e9e Advon erkl\u00e4rt. Eher als versuche sie, einem inneren Feuer zu entfliehen. Aber solange sie nicht wisse, was es sei, habe sie keine Ahnung, womit sie es l\u00f6schen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Advon hatte ihr von seinem Abenteuer mit dem wappenlosen Ritter erz\u00e4hlt, und von dem Unfug, den Farbenspiel nahe der Pferdepferche getrieben hatte. Er hatte sie damit aufheitern wollen, aber D\u00fdamir\u00e9e war noch etwas besorgter geworden.<\/p>\n<p>Sie waren beide viel zu nahe daran, von den Unkundigen bemerkt zu werden.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich waren sie beide verstummt, denn vor ihnen tat sich in der Entfernung das Meer auf, so gewaltig und ewig und tief. Etwas westlich von ihrem Kurs war mehr Lichtschein in der Nacht, viel mehr. In Virhav\u00e9t wurde es offenbar nie ganz dunkel. Die Stadt ruhte, aber sie schlief nicht g\u00e4nzlich. Auf den hohen T\u00fcrmen links und rechts der M\u00fcndung des Flusses und des Hafendamms loderten Signalfeuer.<\/p>\n<p>Advon schauderte und lenkte Farbenspiel nach rechts. Nun lag die Stadt hinter ihnen und unten erschreckte sich zwischen K\u00fcste und Meer ein mal breiter, mal schmalerer heller Streifen aus Kies, der schlie\u00dflich in einen breiten Strand \u00fcberging. Dort z\u00fcngelten Wellen in Richtung hoher D\u00fcnen, als wolle das Meer mit einem Happs vom Land abbei\u00dfen. Dar\u00fcber wachte eine gr\u00f6\u00dfere Burg, die aussah, als sei sie aus Steinkl\u00f6tzen zusammengesetzt, seltsam glatt und eckig und fremd anzuschauen. Das war die Burg von Asga\u00fd, dem <em>teirand<\/em> von Spagor, Manj\u00e9vs Vater. Die <em>teirandanja<\/em> hatte D\u00fdamir\u00e9e einmal anvertraut, dass sie das Haus des Vaters nicht besonders mochte. Die eigentliche, urspr\u00fcngliche Burg sei viel sch\u00f6ner gewesen, sie habe alte Zeichnungen davon gesehen. Aber dann waren die Chaoskriege gekommen und hatten das Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt, als sei es aus Sand gebaut. Vielleicht hatte das sogar den Tatsachen entsprochen. Immerhin, die neue Burg sei schwer einzunehmen und b\u00f6te Platz f\u00fcr all die Schutzbefohlenen. Falls doch noch einmal ein Krieg kommen sollte, was die M\u00e4chte verh\u00fcten mochten.<\/p>\n<p>Von Spagor aus war es durch die Luft nur noch eine kurze Strecke. Die D\u00fcnen gingen in felsiges Land \u00fcber, das Gel\u00e4nde stieg an. Aus flachem Strand wurde zuerst eine Steilk\u00fcste und schlie\u00dflich Klippen, mit einem Plateau unter rauen Salzwiesen und mit nur wenigen B\u00e4umen. An der steilsten Stelle thronte eine Burg mit einem hohen Wohnturm und engen Mauern \u00fcber der nat\u00fcrlichen Bucht wie ein uralter W\u00e4chter. Das Meer hatte sich hier seit Urzeiten so fest am Fels gerieben, dass ein nat\u00fcrliches Becken entstanden war. Wie in einem stillen tiefen Spiegel gl\u00e4nzte der Widerschein von Nokt\u00e1mas Juwel darin. Dort, wo die Wellen an den Felsen brandeten, brodelte das Wasser wie in einem Kochtopf. Doch auf der westlichen Seite war ein Streifen Kiesstrand.<\/p>\n<p>Auf dem Burgturm brannte kein Leuchtfeuer, so wie es eigentlich h\u00e4tte sein sollen. Die Burg lag im Dunkeln, abgesehen von etwas Flammenschein hinter einem der oberen Fenster. Vielleicht war da ein Kaminzimmer.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e bedeute Advon, auf dem Kiesst\u00fcck zu landen. Der Regenbogenritter schauderte und lenke Farbenspiel dann in den Sinkflug. Sie flogen eine kleine Schleife \u00fcber das offene Wasser. Die Klauen des Einhorns setzten kurz auf den Wellen auf und spritzen Wasser hoch. Dann erreichte der Hengst den rettenden Strand. D\u00fdamir\u00e9e rutschte von seinem R\u00fccken herab und t\u00e4tschelte lobend seinen Hals. Sie erlaubte sich einen Moment des Entz\u00fcckens, bewunderte das in der Mitte so stille, unterhalb der Burg so aufgest\u00f6rte Wasser. Dann zog sie kurzerhand ihre Schuhe aus und watete ein paar Schritte hinein. Die Wellen brachen sich pl\u00e4tschernd an Steinen und rollten raschelnd \u00fcber den Kies aus. Es erschien der Schattens\u00e4ngerin h\u00f6chst bemerkenswert, dass das Meer seit Anbeginn der Zeit in diesem Lied nicht verstummt war.<\/p>\n<p>\u201eWas machst du da?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist Wasser! Ich will es sp\u00fcren. Ich war nie zuvor in der Nacht hier.\u201c<\/p>\n<p>Advon schwang sich aus dem Sattel und trat zwei Schritte zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eWie sch\u00f6n\u201c, sagte sie ehrf\u00fcrchtig. \u201eEs sieht fast so aus wie unser See im Boscarg\u00e9n. Aber es ist salzig, wie Tr\u00e4nen. Und \u2026 so alt. Es ist viel tiefer, als es aussieht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann komm lieber da heraus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHast du Angst?\u201c, neckte sie ihn.<\/p>\n<p>\u201eJa. Das wei\u00dft du ganz genau.\u201c<\/p>\n<p>Sie lachte \u00fcberm\u00fctig, nahm eine Handvoll Wasser und spritzte damit in seine Richtung. Advon schnaubte \u00e4rgerlich und zog sich noch einen Schritt zur\u00fcck. \u201eLass das! Damit scherzt man nicht! Was sollen wir hier unten?\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e schloss einen Moment die Augen. Das dunkle Wasser war so gut. Es mochte klirrend kalt sein, aber es verband sich mit ihrer <em>maghiscal<\/em> und f\u00fchlte sich herrlich weich und erfrischend ab. Altes Wasser. Ein besonderer Ort. Wie schade, dass Unkundige das niemals sp\u00fcren w\u00fcrden. Ein Jammer, dass sie es nicht einmal Advon zeigen konnte. Sie b\u00fcckte sich nach dem Meerwasser, tunkte ihre Finger hinein und zog im Mondschein glitzernde Tropfen in die Luft, wie Ketten aus klaren Perlen.<\/p>\n<p>\u201eD\u00fdamir\u00e9e! H\u00f6r auf, mit dem Wasser zu spielen. Daf\u00fcr haben wir keine Zeit.\u201c<\/p>\n<p>Sie seufzte und legte sich die Wasserperlen um Hals und Arme wie ein Geschmeide. Vielleicht war es wirklich nicht recht, sich an etwas zu erfreuen, was Advon so viel Unbehagen bereitete.<\/p>\n<p>\u201eHier unten bemerken sie uns nicht\u201c, erkl\u00e4rte sie und kam wieder an Land. \u201eSolange es dunkel ist, kann Farbenspiel auf uns warten. Es ist unwahrscheinlich, dass jemand gerade jetzt die Klippe herunter schaut.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd was tun wir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir gehen rauf in die Burg und finden heraus, was Venghi\u00e1r treibt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDenkst du, er sitzt da drin und wird es dir freiwillig erz\u00e4hlen? Wie willst <em>du<\/em> dich ihm \u00fcberhaupt n\u00e4hern?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo, wie ich es immer mache. Ich verwandele mich und horche auf das, was gesprochen wird.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer soll um diese Zeit etwas sprechen? Die <em>schlafen<\/em> bestimmt alle.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe Licht in einem Zimmer gesehen. Da schaue ich nach. Ich werde schon etwas finden.\u201c<\/p>\n<p>Der Regenbogenritter nickte. Er h\u00e4tte ja doch nicht widersprechen k\u00f6nnen. Und was h\u00e4tten sie auch anderes unternehmen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>\u201eDenk nur daran, dass du dich nicht wieder einfangen l\u00e4sst. Und bitte, sei vorsichtig. Versteck dich gut. Ich glaube nicht, dass Eichh\u00f6rnchen hier so h\u00e4ufig sind wie in Wijdlant. Der n\u00e4chste Wald ist weit entfernt. Die Leute werden sich wundern, wo du her kommst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch werde unsichtbar sein wie ein Schatten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Und was mache ich derweil?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu kommst mit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu klopfst am Tor und begehrst Einlass. Denk dir etwas aus. Die Leute hier kennen dich nicht. Du kannst dich als Wanderer ausgeben. Frag, ob sie dir etwas zu essen verkaufen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMitten in der Nacht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie du gerade selbst sagtest: Wir haben keine Zeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir gehen zusammen\u201c, entschied er.<\/p>\n<p>Sie l\u00e4chelte. Das hatte sie von ihm h\u00f6ren wollen. \u201eDann los.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNicht so schnell. W\u00e4hrend du baden warst, habe ich mich hier umgeschaut. Hier ist etwas Interessantes gewesen.\u201c<\/p>\n<p>Sie schaute ihn fragend an. Er grinste, ganz offensichtlich zufrieden, dass er ihr einmal etwas vorauswusste. \u201eHier war Feuer. Ein gro\u00dfes Feuer. Es sind Spuren von Dornbeeren\u00f6l und Rauch und Flammen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eZeig es mir.\u201c<\/p>\n<p>Advon hob die Hand und wirkte lautlos einen Zauber.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e staunte. Dort hinten, wo es aufs offene Meer ging, z\u00fcgelten Flammen auf, aber nicht hei\u00df und grell und lodernd. Es war hell, das wohl, aber es war, als blicke sie durch einen Dunst, einen Schleier, nein, durch mehrere Lagen Schleier. Es war kein echtes Feuer. Es war das <em>Phantom eines Feuers<\/em>. Es schwamm auf dem Wasser und verblasste vor ihren Augen, verglomm wie eine Kerzenflamme.<\/p>\n<p>\u201eWann war das?\u201c, fragte sie?<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde sagen, vergangene Nacht. Es war gerade noch so viel, dass ich die Reste bemerkt habe. Morgen fr\u00fch h\u00e4tte ich es nicht mehr gesp\u00fcrt. Dann w\u00e4re es erkaltet gewesen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd was war das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch vermute, sie haben Herrn Alsg\u00f6r dem Meer \u00fcbergeben. Ich habe einmal in einem Buch gelesen, dass es hier am Meer so Brauch ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch verstehe nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie machen ein Feuer auf einem Flo\u00df und verbrennen den K\u00f6rper, damit er mit dem Wasser eines wird.\u201c<\/p>\n<p>Sie schauten beide schweigend eine Weile aufs Wasser. Dann sagte Advon: \u201eDa hatte es jemand sehr eilig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie meinst du das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie <em>yarlay<\/em> haben Truda erz\u00e4hlt, es sei ein Mord gewesen, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, das haben sie.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVor drei Tagen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas stand wohl so in dem Brief, ja.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann haben sie den alten Mann, m\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen frei von Sorgen sein, dem Meer gegeben, bevor irgendjemand sich den Leichnam genauer anschauen konnte. Geschweige denn, dass Truda oder Osse Abschied von ihrem Vater h\u00e4tten nehmen k\u00f6nnen. Ich kenne die Gesetze der Unkundigen nicht. Aber ich w\u00fcrde mich wundern, wenn es so rechtens w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu meinst, jemand wollte Spuren verbergen?\u201c<\/p>\n<p>Advon deutete zur Felswand hinter ihnen. \u201eLass es uns herausfinden. Da f\u00fchrt eine Treppe hinauf. \u201c<\/p>\n<p>Er wies Farbenspiel an, sich brav zu benehmen und sich bis zum Sonnenaufgang nicht zu r\u00fchren. Das Einhorn war m\u00fcde von Flug und schien keine Einw\u00e4nde zu haben. Es faltete die Fl\u00fcgel zusammen und machte es sich an einer windgesch\u00fctzten Stelle hinter einem kleinen Felsvorsprung bequem. Die Schnauze verbarg es in den Federn und schloss die Augen.<\/p>\n<p>\u201eBestimmt tr\u00e4umt er jetzt von diesem Pferd\u201c, sagt Advon, w\u00e4hrend er hinter D\u00fdamir\u00e9e die steile, in Stein gehauene Treppe hinausstieg. Zwar gab es am Felsen einen Handlauf aus einem dicken Tau, aber die Stufen waren schl\u00fcpfrig und ungleichm\u00e4\u00dfig hoch.<\/p>\n<p>\u201eW\u00e4re das schlimm? Es ist doch nichts Ungew\u00f6hnliches dabei, wenn etwas Magisches Gefallen an Magielosem findet. Bei unseren Eltern war es so.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOb das Pferd das auch so sieht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDarum k\u00fcmmern wir uns sp\u00e4ter. Wenn der Wappenlose es gestohlen hat, dann kann er es nicht fortbringen, nicht jetzt. Wir finden es wieder.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4707","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4707","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4707"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4707\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4715,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4707\/revisions\/4715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}