{"id":4683,"date":"2026-02-12T00:16:53","date_gmt":"2026-02-11T23:16:53","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4683"},"modified":"2026-02-12T00:16:53","modified_gmt":"2026-02-11T23:16:53","slug":"062-kurzweil-am-abend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2026\/02\/12\/062-kurzweil-am-abend\/","title":{"rendered":"062: Kurzweil am Abend"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Der Tag war anstrengend gewesen. W\u00e4re es nach T\u00edjnje gegangen, w\u00e4ren sie trotzdem den Rest des Weges und die Nacht hindurch weitergeritten. Jeder Herzschlag, der sie n\u00e4her nach Wijdlant gebracht h\u00e4tte, w\u00e4re ihr recht gewesen.<\/p>\n<p>Aber das war nat\u00fcrlich unvern\u00fcnftig und r\u00fccksichtslos. Die jungen Leute aus Grootplen kamen ohnehin kaum noch mit. Niemand von ihnen war zuvor eine so weite Strecke in so kurzer Zeit zu Fu\u00df gegangen. Was am ersten Tag noch eine Anstrengung gewesen war, zu der sie alle gute Miene gemacht hatten, hatte sich am zweiten Tag ger\u00e4cht. Kaum einer war unter dem Fu\u00dfvolk, der nicht \u00fcber wunde F\u00fc\u00dfe und schmerzende Beine klagte. Nein, sie mussten einkehren und eine Weile ruhen. Nicht auszudenken, wenn sie morgen vor lauter Lahmheit gar nicht mehr vorankamen! Sie waren jetzt schon sp\u00e4t dran, hatten das letzte St\u00fcck des Weges bereits im Dunkeln zur\u00fcckgelegt. Als endlich das Etappenziel in Sicht kam, atmete T\u00edjnje auf.<\/p>\n<p>Die letzte Herberge an der Stra\u00dfe vor Wijdlant war etwas kleiner als die vom Vorabend. Sie wurden bereits erwartet, die Gastleute begr\u00fc\u00dften die <em>eld-yarlara<\/em> und ihr Gefolge gesch\u00e4ftig. Auf das Essen mussten sie auch nicht mehr lange warten, es duftete bereits gut aus der K\u00fcche. Auch f\u00fcr die Tiere war gesorgt, Hafer und Heu f\u00fcr die Pferde, Gr\u00fcnschnitt von B\u00fcschen und B\u00e4umen f\u00fcr die Packziegen.<\/p>\n<p>Sie \u00fcberlie\u00dfen die Tiere den Herbergsknechten und geleiteten die <em>eld-yarlara<\/em> in den Gastraum, wo sich nur etwa ein Dutzend weiterer Reisender aufhielt. Landvolk, vielleicht Handwerker. Keine Ritter, keine Edelleute mehr. Wahrscheinlich waren alle Turnierg\u00e4ste, die in nord\u00f6stlicher Richtung unterwegs waren, l\u00e4ngst in Wijdlant angekommen. Drei Wagenr\u00e4der mit darauf montierten \u00d6llampen hingen unter der Decke und spendeten schummriges Licht. Am hinteren Ende des schlichten Saals, hinter den Reihen von Tafeln und B\u00e4nken, war ein Schanktisch vor einer Durchreiche zu einem Nebenraum, vielleicht dem K\u00fchlkeller. Ein Mann stand dort mit einem Humpen in der Hand und missmutiger Miene. Als die Gesellschaft hereinflutete, hob er den Kopf.<\/p>\n<p>\u201eHerr Bj\u00f6ngsten?\u201c, wunderte sich J\u00e1ndris. \u201eIhr hier? Seid Ihr allein?\u201c<\/p>\n<p>Bj\u00f6ngsten Robst\u00e9nar nahm einen tiefen Schluck. Erst dann kam er auf die Ank\u00f6mmlinge zu.<\/p>\n<p>\u201eHochedler Herr!\u201c, freute sich die <em>eld-yarlara<\/em>. \u201eWie sch\u00f6n, Euch wiederzusehen!\u201c<\/p>\n<p>Er gr\u00fc\u00dfte sie mit aller gebotenen H\u00f6flichkeit. Dann wandte er sich zerknirscht den Rittern, seiner Schwester und T\u00edjnje zu.<\/p>\n<p>\u201eSeid Ihr allein?\u201c, fragte T\u00edjnje aufgeregt.<\/p>\n<p>\u201eIch habe die beiden nicht gefunden\u201c, gestand der <em>yarl<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eWieso nicht?\u201c, rief L\u00e1as aus.<\/p>\n<p>\u201eWoher soll ich das wissen? Ich hab meinem Ross keine Pause geg\u00f6nnt! Das wird sich r\u00e4chen beim Turnier, wenn es zuvor nicht genug zu Kr\u00e4ften kommt. Dreimal h\u00e4tte ich <em>yarl<\/em> Emberbey und das Gro\u00dfmaul \u00fcberholen m\u00fcssen. Aber nichts!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun\u201c, sagte J\u00e1ndris trocken. \u201eZumindest habt ihr sie nicht irgendwo am Wegesrand im Graben gefunden.\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje versetzte ihm einen r\u00fcgenden Sto\u00df auf sein Armzeug. \u201eWir danken Euch f\u00fcr Eure M\u00fche, Herr Bj\u00f6ngsten. Sicherlich gibt es eine Erkl\u00e4rung, wo die beiden abgeblieben sind.\u201c<\/p>\n<p>Sie setzten sich. Nur T\u00edjnje blieb unschl\u00fcssig stehen. Die Gastleute hatten f\u00fcr die Damen einen h\u00fcbsch geschm\u00fcckten Tisch bereitet. Frau V\u00e1lgundra hatte nur ein Nicken f\u00fcr ihren Bruder \u00fcbrig gehabt, und bereits dort Platz genommen. Die H\u00f6flichkeit gebot, dass sie sich zu ihrer Gro\u00dfmutter und der weit gereisten Dame setzte. Andererseits waren es die M\u00e4nner, die jetzt etwas Interessantes zu erz\u00e4hlen hatten. Wenn sie sich mehr als zwei Schritte von ihnen entfernte, w\u00fcrde sie nicht mehr mith\u00f6ren k\u00f6nnen. Die eigene Gefolgschaft machte nun zu viel L\u00e4rm, als sie sich an die B\u00e4nke setzten. Und schon eilten die K\u00fcchenknechte an und brachten N\u00e4pfe, gro\u00dfe dampfende Schalen und K\u00f6rbe mit Brot.<\/p>\n<p>\u201eIch zeig Euch was\u201c, sagte Herr Bj\u00f6ngsten und winkte sie hin\u00fcber zu der Theke, wo sogleich ein \u00e4lterer Mann sich eilig daran machte, den hinzugekommen M\u00e4nnern Bier einzuschenken. Aber Robst\u00e9nar hatte etwas anderes im Sinn. Neben der Theke war eine Holzplatte an der Wand befestigt. T\u00edjnje hatte sie beim Hereinkommen zun\u00e4chst f\u00fcr eine T\u00fcr gehalten. In Wirklichkeit war es aber eine grob geschnitzte Landkarte. Darauf war das Gebiet von Wijdlant abgebildet, mitsamt den Randbereichen der angrenzenden <em>yarlm\u00e1lon<\/em>. Im Norden hatte gerade so noch die Burg Althopian Platz gefunden. T\u00edjnje staunte, so etwas hier in einem Speisesaal zu sehen, aber es ergab Sinn. Sicher brieten sich hier oft Durchreisende \u00fcber die weitere Wegstrecke und mochten sich bei der d\u00fcrftigen Beleuchtung nicht mit papierenen Landkarten plagen.<\/p>\n<p>\u201eHier\u201c, sagte Robst\u00e9nar und tippte auf einen Punkt im linken unteren Viertel des Brettes. \u201eDas ist die Herberge von gestern. Hier verl\u00e4uft der Weg.\u201c Er fuhr mit seinem gepanzerten Finger eine dicke Linie entlang, die die Hauptstra\u00dfe darstellen sollte. \u201eUnd ungef\u00e4hr hier, da habe ich die Spur verloren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine Spur gab es also?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEtwa hier, auf H\u00f6he des H\u00fcgelkamms, erinnerte sich ein umherstrolchender <em>b\u00e1chorkor<\/em> noch, die beiden gesehen zu haben. Danach bin ich an die Geh\u00f6fte heran geritten. Bei einem waren sie wohl tats\u00e4chlich aufgetaucht, aber danach hat niemand etwas bemerkt. Sie m\u00fcssen irgendwo zwischen hier und hier verschwunden sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch ja, der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Habt Ihr dem gesagt, er solle sich uns anschlie\u00dfen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat er das getan?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAuf Euren Rat, ja.\u201c<\/p>\n<p>Robst\u00e9nar zuckte die Achseln. \u201eWas h\u00e4tte ich machen sollen? Ich hatte nun wirklich keine Zeit, mir sein Geplapper anzuh\u00f6ren. Ist er bei Euch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIrgendwo da bei unseren Leuten sitzt er.\u201c<\/p>\n<p>L\u00e1as nahm einen Schluck aus seinem Humpen. Dann tippte er auf einen anderen Punkt und fuhr mit dem Finger hin\u00fcber zur Burg von Wijdlant. Die war auch bei dem geringen Licht gut zu erkennen, denn eine kleine Krone aus Goldblech war daneben angenagelt.<\/p>\n<p>\u201eWenn ich mir denke, was Herr Merrit sich denken w\u00fcrde, dann hat er wahrscheinlich eine Abk\u00fcrzung genommen. Hier, quer hin\u00fcber. Da ist ein kleiner Talverlauf, kaum zu bemerken, wenn man nicht wei\u00df, dass man drauf achten kann. Vater sagt, das war wahrscheinlich vor ewigen Zeiten mal ein kleiner Flusslauf, der nun trocken liegt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo\u201c, brummte Robst\u00e9nar abf\u00e4llig. \u201eBraucht das eitle J\u00fcngelchen also eine Landmarke, der er nachstolpern kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHabt Ihr das denn nicht bemerkt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch musste ja nicht darauf achten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber warum sollte Merrit die Stra\u00dfe verlassen? Sie hatten doch genug Zeit. Er wird doch sein Pferd nicht bei einem Gel\u00e4nderitt riskieren?\u201c<\/p>\n<p>\u201eYarl Robst\u00e9nar\u201c, mischte T\u00edjnje sich ein, \u201eIhr sagt, auch die Bauern hatten beide gesehen? Herrn Merrit und Herrn Osse?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVon zwei Reitern war die Rede, ja.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann sind sie den verd\u00e4chtigen Vogel irgendwie losgeworden. Den M\u00e4chten sei es gedankt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHoffentlich hat Merrit ihn nicht niedergemacht\u201c, unkte L\u00e1as. \u201eWenn der Kerl etwas Krummes versucht hat, dann ist es ihm schlecht ergangen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher hat er es mit der Angst bekommen, also ihm klar wurde, mit wem er sich abgegeben hat\u201c, grinste J\u00e1ndris. Der hatte sich auch einen Becher beschafft und schien zufrieden mit den Neuigkeiten.<\/p>\n<p>Robst\u00e9nar sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eAngst? Vor dem gro\u00dfspurigen J\u00fcngelchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eT\u00e4uscht Euch nicht und nehmt Merrit Althopian nicht zu unachtsam.\u201c L\u00e1as grinste. \u201eEs geh\u00f6rt einiges dazu, unsern Freund zu erz\u00fcrnen. Aber wenn ihn einmal die Wut packt \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eL\u00e1as!\u201c, mahnte T\u00edjnje. Der Ritter verstummte gehorsam, warf Robst\u00e9nar aber noch einen bedeutungsvollen Blick zu.<\/p>\n<p>\u201eT\u00edjnje!\u201c, rief die <em>eld-yarlara<\/em>. \u201eNun lass doch die Herren unter sich sein! Komm, leiste uns Gesellschaft, Kind!\u201c<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen seufzte. Dann legte sie J\u00e1ndris die H\u00e4nde auf die Schultern und beugte ihn zu sich her. Sacht ber\u00fchrten sie einander Stirn an Stirn.<\/p>\n<p>\u201eHalte durch, meine Holde. Ach, so begehrt bist du, wohin man schaut \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, du und dein Mundwerk,\u201c neckte sie ihn. Der junge Mann l\u00e4chelte, und sie eilte davon.<\/p>\n<p>Weit kam sie nicht. Als sie an der Tafel vorbei ging, wo das junge Burgvolk sa\u00df und a\u00df, erhob sich Tridna von der Bank, viel zu eilig, als es ein Zufall sein konnte.<\/p>\n<p>\u201eHerrin! Ein kurzes Wort!\u201c, wisperte das dralle M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>\u201eGanz kurz, Tridna! Ich wurde gerufen, ich muss eilen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer <em>b\u00e1chorkor<\/em>\u201c, sagte Tridna. \u201eDer ist \u2026 komisch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKomisch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, aber nicht lustig. Ich bin bei meinem Esel.\u201c Tridna senkte den Blick und verneigte sich vor ihr. Dann ging sie fort und aus dem Saal, so rasch, als m\u00fcsse sie sehr eilig ins Freie. T\u00edjnje schaute sich suchend um. Ja, da war er ja, der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Aber er sa\u00df nicht mit den anderen an einem Tisch. Er hatte seinen Suppennapf mit sich genommen und sich damit in einen Winkel zur\u00fcckgezogen, ganz am \u00e4u\u00dfersten Ende einer Bank. F\u00fcr einen Geschichtenerz\u00e4hler wirkte er nicht sonderlich gesellig.<\/p>\n<p>\u201eT\u00edjnje!\u201c, rief die <em>eld-yarlara<\/em>. \u201eNun lass doch unsere liebe Freundin hier nicht warten und dich nicht immerzu bitten!\u201c<\/p>\n<p>Aha? Eine liebe Freundin war Frau V\u00e1lgundra also schon geworden. Offenbar war die Dame sehr verst\u00e4ndig darin, sich zu pr\u00e4sentieren. Nun, da war es wohl besser, ein Auge darauf zu haben. Das M\u00e4dchen setzte sich an die Seite seiner Gro\u00dfmutter. Die \u00e4ltere Edeldame lie\u00df ihren Blick liebevoll \u00fcber ihre jungen Schutzbefohlenen schweifen, die sich im Saal an Brei und Brot labten. Ersch\u00f6pft waren sie alle und lange nicht so lebhaft wie in der vorangegangenen Nacht.<\/p>\n<p>\u201eHaltet Ihr all diese Leute aus?\u201c, fragte V\u00e1lgundra Robst\u00e9nar. Man hatte ihr blauen Wein in einem Glasbecher gebracht. Das Trinkgef\u00e4\u00df war sehr schlicht, geh\u00f6rte aber sicher zum Vornehmsten, was die Herberge zu bieten hatte.<\/p>\n<p>\u201eApfelwein, bitte\u201c, bat T\u00edjnje den wartenden Schankknecht und streckte die Beine unter dem Tisch aus, soweit es nicht unschicklich war. Viele lieber h\u00e4tte sie sich einen Augenblick irgendwo niedergelegt. Das Ges\u00e4\u00df tat ihr vom langen Reiten weh. V\u00e1lgundra Robst\u00e9nar schien diesbez\u00fcglich keine Probleme zu haben. T\u00edjnje nahm sich vor, morgen in der fr\u00fch unauff\u00e4llig den Sattel der Dame zu inspizieren. Entweder war der \u00e4u\u00dferst raffiniert gepolstert, oder die Dame hatte eine gest\u00e4hlte Kehrseite.<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich\u201c, verriet die <em>eld-yarlara<\/em>. Die Dame hatte in ihrem Wagen die bei Weitem komfortabelste Reise gehabt. \u201eWie oft im Leben haben die jungen Leute denn die Gelegenheit, an so etwas teilzuhaben?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist \u00fcberaus gro\u00dfz\u00fcgig von euch. Allein die Verpflegung und Unterkunft wird Euch ein Verm\u00f6gen kosten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs h\u00e4lt sich in Grenzen. Mein <em>h\u00fdardor<\/em> hat schon im vergangenen Winter eine Absprache mit einem Bauern au\u00dferhalb der Burg getroffen. Unsere Leute kommen in einer Scheune unter. Das ist besser, als in der \u00fcberf\u00fcllten Burg oder in Zelten zu n\u00e4chtigen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine ganze Scheune? M\u00e4dchen und J\u00fcnglinge zusammen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie halbe Scheune. Es werden auch Schutzbefohlene aus dem <em>yarlm\u00e1lon<\/em> des <em>h\u00fdardor<\/em> meiner Tochter erwartet. Und aus Altabete kommen auch welche zum fest der <em>teirandanja<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie kurios.\u201c V\u00e1lgundra Robst\u00e9nar lie\u00df nicht durchblicken, ob sie wohlwollend oder befremdet war. \u201eAm Ende des Festes werden sich wohl viele neue Paare gefunden haben. Das halbe <em>teirandon<\/em> wird sich miteinander vermischen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst das nicht der Sinn eines <em>vaspos\u00e1r<\/em>? Es ist f\u00fcr die jungen Leute. Und die Liebe.\u201c Die <em>eld-yarlara<\/em> l\u00e4chelte. \u201eIch selbst habe meinen <em>h\u00fdardor<\/em> bei einem Turnier gefunden. Nun, es war kein <em>vaspos\u00e1r<\/em>. Aber ich erinnere mich so gut an diesen Tag. Es war-\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas erhofft <em>Ihr<\/em> Euch auf dem Fest?\u201c, fragte T\u00edjnje, bevor die Gro\u00dfmutter ihre wehmutsvollen Erinnerungen ausbreiten konnte. \u201eSucht Ihr nicht auch Euer Gl\u00fcck? Oder seid Ihr nur hier, um Euren Bruder zu h\u00fcten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr habt eine sehr kecke Zunge, T\u00edjnje Mor\u00e9aval.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVergebt mir. Ich wollte Euch nicht in Verlegenheit bringen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eT\u00edjnje!\u201c, mahnte die <em>eld-yarlara<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eEs ist gut\u201c, sagte Frau V\u00e1lgundra rasch. \u201eEs gef\u00e4llt mir, wenn eine junge Dame ihre ungest\u00fcme Rede f\u00fchrt. Ist die <em>teirandanja<\/em> auch so forsch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch werde nicht \u00fcber meine Herrin tratschen\u201c, antwortete T\u00edjnje hoheitsvoll. Wie \u00e4rgerlich! Da war ihr die Dame elegant eine Antwort schuldig geblieben.<\/p>\n<p>\u201eSchade.\u201c Die Dame l\u00e4chelte belustigt. \u201eSo ein bisschen Tratsch heitert doch das Tischgespr\u00e4ch ungemein auf.\u201c<\/p>\n<p>Aus der K\u00fcche w\u00fcrde Brot und Mus herbeigebracht. Es war auf besseren Tellern als unten im Saal, und es waren etwas mehr Gew\u00fcrze und geriebener K\u00e4se daran. Aber im Prinzip a\u00dfen sie dasselbe wie die Schutzbefohlenen. Unter denen schien sich zunehmend Schl\u00e4frigkeit auszubreiten. Aber nat\u00fcrlich w\u00fcrde sich niemand in einen der Schlafs\u00e4le zur\u00fcckziehen, solange die <em>eld-yarlara<\/em> noch speiste.<\/p>\n<p>T\u00edjnje beobachtete. L\u00e1as, J\u00e1ndris und Herr Bj\u00f6ngsten hatten sich an einem kleinen Tisch nahe des Schanktisches niedergelassen, in der schr\u00e4g gegen\u00fcber liegenden Ecke des Saales. Sie a\u00dfen, aber L\u00e1as schien keinen gro\u00dfen Appetit zu haben. Er leerte seinen Napf, wechselte dann ein paar Worte mit den beiden anderen und verlie\u00df den Saal. J\u00e1ndris grinste ihm geradezu respektlos nach. Tridna war derweil nicht wieder zur\u00fcckgekehrt. Nun, dachte T\u00edjnje, wenn sie sp\u00e4ter den einen suchte, w\u00fcrde sie wohl beide finden. Robst\u00e9nar schien nicht zu durchblicken, was vorging. Er begann, sich mit J\u00e1ndris zu unterhalten. Vielleicht wollte er mehr \u00fcber das Turnier herausfinden.<\/p>\n<p>Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sa\u00df abseits und blickte finster drein. Vielleicht schmeckte ihm das Bier nicht, das man ihm gebracht hatte.<\/p>\n<p>\u201eLangweilt Ihr Euch?\u201c, fragte T\u00edjnje.<\/p>\n<p>\u201eWie k\u00f6nnte ich mich langweilen, wenn ich doch so angenehme Tischgesellschaft habe?\u201c, gab V\u00e1lgundra Robst\u00e9nar zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eIhr k\u00f6nnt es ruhig sagen. Vielleicht haben wir Abhilfe. Ich f\u00fcr meinen Teil h\u00e4tte jetzt Lust auf eine Geschichte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOh ja!\u201c Die <em>eld-yarlara<\/em> strahlte. \u201eIch habe schon l\u00e4nger keine Geschichte geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje erhob sich. \u201eHe!\u201c, rief sie in den Saal. \u201e<em>B\u00e1chorkor<\/em>! Komm her!\u201c<\/p>\n<p>Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schrak auf, aber es war merkw\u00fcrdig. Es schien f\u00fcr einen Herzschlag, als f\u00fchle er sich nicht angesprochen. Doch dann stand er hastig, zu hastig auf und kam zu ihnen. Wie merkw\u00fcrdig. Was mochte seine Gedanken so beanspruchen?<\/p>\n<p>J\u00e1ndris erhob sich. Er lie\u00df sich seinen Humpen nachf\u00fcllen und schlenderte dann hinter dem Geschichtenerz\u00e4hler her.<\/p>\n<p>\u201eHerrinnen?\u201c, fragte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> knapp.<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00f6chten eine Geschichte h\u00f6ren. Erz\u00e4hl und etwas, uns und unseren Leuten.\u201c<\/p>\n<p>Der Mann schaute T\u00edjnje mit einem seltsam blanken Blick an. Es sah aus, als habe ihm ein Windsto\u00df s\u00e4mtliche Gedanken aus dem Kopf geweht.<\/p>\n<p>\u201eEine Geschichte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs muss nichts Langes sein.\u201c Die <em>eld-yarlara<\/em> nickte ihm ermunternd zu. \u201eNur etwas, das uns ein wenig zerstreut nach der anstrengenden Reise.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine Geschichte\u201c, wisperte jemand nahebei am Tisch. \u201eWir bekommen eine Geschichte!\u201c<\/p>\n<p>Kurz wurde getuschelt. Dann waren auch die jungen Leute ganz Ohr.<\/p>\n<p>\u201eIch \u2026 es ist sp\u00e4t, edle Damen. Wollte Ihr Euch die Geschichte nicht besser f\u00fcr morgen aufheben? F\u00fcr den Weg?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch bitte!\u201c, rief eines der jungen M\u00e4dchen aus. \u201eNur eine ganz kleine!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs darf auch etwas Einfaches sein\u201c, sagte T\u00edjnje. \u201eWas f\u00fcr Kinder. Ein sch\u00f6nes M\u00e4rchen f\u00fcr etwas Zerstreuung. F\u00fcr eine gro\u00dfe Erz\u00e4hlung hat hier heute wohl niemand mehr die Aufmerksamkeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber\u2026 ich bin ersch\u00f6pft, Herrinnen. Meine Zunge ist schwer, und \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie kurios\u201c, sagte J\u00e1ndris. Er stand nun direkt neben dem <em>b\u00e1chorkor<\/em>. \u201eDa muss ich erst hier mitten ins Nirgendwo reisen, um so eine Seltenheit zu sehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, einen <em>b\u00e1chorkor<\/em>, der sich die Gelegenheit auf einen so einfachen Lohn entgehen l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Ein paar Leute im Saal kicherten. Darunter auch die anderen Herbergsg\u00e4ste, die wohl auch auf eine Erz\u00e4hlung hofften.<\/p>\n<p>Der Weinschenk, der gerade den Apfelwein brachte, stellte den Krug nieder und winkte aufgeregt in Richtung der K\u00fcchent\u00fcr. Zwei junge K\u00fcchenm\u00e4gde und eine rundliche Frau mit einer Kochm\u00fctze kamen heran, und ein Junge, der mit einem Tuch eine Servierplatte abtrocknete.<\/p>\n<p>\u201eIch \u2026 brauche keinen Lohn\u201c, behauptete der Erz\u00e4hler.<\/p>\n<p>\u201eIch hab schon sch\u00f6ne Geschichten um ein St\u00fcck trockenes Brot von deinesgleichen geh\u00f6rt\u201c, sagte <em>yarl<\/em> Robst\u00e9nar, den es nicht allein am Ecktisch hielt. Er klang nicht so, als w\u00fcrde er Widerworte von einem <em>b\u00e1chorkor<\/em> akzeptieren.<\/p>\n<p>\u201eIch frage mich, auf wessen Kosten du hier gespeist und getrunken hast\u201c, mahnte nun auch Frau V\u00e1lgundra.<\/p>\n<p><em>F\u00fcrwahr<\/em>, dachte T\u00edjnje. T<em>ridna hat recht. Der Mann ist sonderbar. Er sieht als, als w\u00fcrde er am liebsten weglaufen. Aber an J\u00e1ndris und Robst\u00e9nar kommt er nicht vorbei. Nun, vielleicht ist er wirklich nur m\u00fcde und schlecht gelaunt.<\/em><\/p>\n<p>\u201eBitte\u201c, sagte sie laut. \u201eWir h\u00e4tten so gerne eine Kostprobe von deiner Kunst. Wei\u00dft du, auf dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> muss auch jemand die <em>teirandanja<\/em> und ihre G\u00e4ste unterhalten. Es w\u00e4re nicht schlecht, wenn ich dem <em>mynstir<\/em> einen <em>b\u00e1chorkor<\/em> empfehlen k\u00f6nnte, der zu gefallen wei\u00df. Es w\u00fcrde ihm die Auswahl erleichtern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDem <em>mynstir<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDem <em>mynstir<\/em> meiner Herrin. Ich denke, sich um diese kurzweiligen Dinge zu k\u00fcmmern, wird die Sache von <em>yarl<\/em> Emberbey sein.\u201c<\/p>\n<p>Schlagartig waren wieder Gedanken im Hirn des <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Jedenfalls wurde sein Blick fest, fast entschlossen.<\/p>\n<p>\u201eEin M\u00e4rchen, ja?\u201c<\/p>\n<p>\u201eOder ein Abenteuer, wie es dir beliebt\u201c, verlangte die <em>eld-yarlara<\/em> arglos.<\/p>\n<p>\u201eNur keine Fl\u00fcstergeschichte.\u201c J\u00e1ndris schmunzelte. \u201eEs sind tugendsame kleine M\u00e4dchen im Raum.\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje zeigte ihm ihre Zungenspitze, aber er reagierte nicht darauf. Er hatte begriffen, was sie vorhatte.<\/p>\n<p>\u201eGut\u201c, sagte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> zu ihrer \u00dcberraschung. \u201eDann kommt n\u00e4her, damit ich nicht so schreien muss. Ich hab eine Geschichte f\u00fcr euch. Von \u2026 von einem Ritter. Einem, der auszog, um Vergeltung zu finden.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4683","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4683"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4683\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4690,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4683\/revisions\/4690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}