{"id":4682,"date":"2026-02-12T00:16:06","date_gmt":"2026-02-11T23:16:06","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4682"},"modified":"2026-02-12T00:16:06","modified_gmt":"2026-02-11T23:16:06","slug":"061-geschichten-fuer-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2026\/02\/12\/061-geschichten-fuer-morgen\/","title":{"rendered":"061: Geschichten f\u00fcr morgen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Der Wald war still. Jedenfalls, solange man von n\u00e4chtlichen Kreaturen wie den Fahlf\u00fcchsen und den Eulen absah, die auf der Jagd nach kleinem Getier waren, lautlos und diskret. Das Feuer knisterte, spendete W\u00e4rme und hatte die Kastanien in kleine hei\u00dfe K\u00f6stlichkeiten verwandelt. Gal\u00e9on beobachtete belustigt, wie Ra\u00fdneta davon a\u00df. Sie war hungrig und h\u00e4tte die ungewohnte K\u00f6stlichkeit genauso gut herunterschlingen k\u00f6nnen. Aber das tat sich nicht. Sie knibbelte mit spitzen Fingern die hei\u00dfe, leicht verbrannte Schale fort. Sie a\u00df so manierlich, als habe sie eine edle Speise vor sich, von der man mit feinen Manieren a\u00df. Vielleicht das seltsame Gem\u00fcse, dass einem gro\u00dfen Tannenzapfen \u00e4hnelte und von dem man Schuppen zupfen musste.<\/p>\n<p>\u201eNimm.\u201c Er fischte die letzten Baumfr\u00fcchte aus der Glut. \u201eSolange sie hei\u00df sind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber du hast kaum gegessen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe genug. Du musst noch wachsen. Ich werde ohnehin nicht mehr gr\u00f6\u00dfer.\u201c<\/p>\n<p>Sie z\u00f6gerte, konnte dann aber doch nicht widerstehen und griff zu.<\/p>\n<p>\u201eMorgen um diese Zeit sitzt du an der Tafel von <em>yarl<\/em> Althopian. Da gibt es wieder wei\u00dfes Brot und warme Suppe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGanz sicher?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir sind bereits auf seinem Land. Nur noch etwas Geduld, bis es hell wird.\u201c<\/p>\n<p>Sie h\u00f6rte auf zu kauen und schaute zu ihm hin\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eIch bin froh, wenn du bei ihm bist. Er bringt dich sicher zu deinem Bruder und deiner Schwester. Dann bist du in Sicherheit und nicht mehr auf der Flucht.\u201c<\/p>\n<p>Sie schluckte herunter und schien \u00fcber etwas nachzusinnen.<\/p>\n<p>\u201eNun l\u00e4chle doch\u201c, forderte er sie auf. \u201eBald ist alles gut. Freust du dich denn etwa nicht, wieder unter freundlichen Menschen zu sein? Unter deinesgleichen? Unter Leuten, die an Tischen sitzen und in Betten schlafen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa ja\u201c, sagte sie bedachtsam und sch\u00e4lte die letzte Kastanie. \u201eEin bisschen vermisse ich es schon, von einem Teller zu essen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd du bekommst dein Festkleidchen. Auf dem Fest der <em>teirandanja<\/em> werden all die vornehmen Leute dich anschauen und sich fragen, wer wohl diese liebreizende kleine <em>f\u00e1njula<\/em> ist. Und dann werden deine Geschwister stolz berichten, dass du ihre geliebte und liebreizende Schwester bist. Wer wei\u00df? Vielleicht darfst du beim Turnier sogar neben der <em>teirandanja<\/em> sitzen.\u201c<\/p>\n<p>Sie l\u00e4chelte, ganz kurz, erlaubte sich vielleicht tats\u00e4chlich diesen kleinen, unschuldigen kindlich-eitlen Gedanken. Aber es lenkte sie nicht lange genug von dem ab, wor\u00fcber er nicht sprechen wollte.<\/p>\n<p>\u201eIch will, dass du mit mir zum <em>vaspos\u00e1r<\/em> kommst\u201c, sagte sie schlie\u00dflich.<\/p>\n<p>\u201eNein. Es w\u00e4re zu gef\u00e4hrlich, euch zu begleiten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber <em>yarl<\/em> Althopian ist ein guter Mann! Er war so oft bei uns. Mein Vater hat ihn sehr gern gemocht. Der freut sich bestimmt, wenn du mit uns kommst. Er h\u00f6rt sicher auch gern sch\u00f6ne Geschichten und gibt dir gute Sachen daf\u00fcr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Unsere Wege m\u00fcssen sich trennen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn der Schattenmann zur\u00fcckkommt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann k\u00f6nnte mir <em>yarl<\/em> Althopian auch nicht beistehen. Wenn ich allein weiter reise, dann wird der Schattenmann sich nicht um euch k\u00fcmmern. Es ist besser so. Ich locke ihn von der Burg fort und von allen, die du lieb hast.\u201c<\/p>\n<p>Sie machte ein Gesicht, so entt\u00e4uscht wie ein kleines M\u00e4dchen nur aussehen konnte, wenn ihm ein Wunsch verweigert wurde. Aber da war mehr als Missvergn\u00fcgen. Gal\u00e9on nahm kindliche Sorge wahr, Mitgef\u00fchl. Unbehagen.<\/p>\n<p>\u201eIch hab dich aber auch gern\u201c, erkl\u00e4rte sie. Das r\u00fchrte ihn auf eine Weise an, die ihn besorgte.<\/p>\n<p>\u201eDu bist sehr tapfer, V\u00f6gelchen. Ich werde auf meinen Reisen viele Geschichten von dir erz\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVon mir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVon dir. Ich werde ganz viel von der mutigen <em>yarlaranda<\/em> erz\u00e4hlen, die einen gef\u00e4hrlichen Feind mit einer Breisch\u00fcssel abgeworfen hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas war doch nun Zufall.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa und? Alle Kinder finden so etwas lustig. Sie werden dar\u00fcber lachen, wie du das Schlimme l\u00e4cherlich gemacht hat. Die Erwachsenen werden respektvoll schaudern. Und wer wei\u00df? Vielleicht wirst du eines Tages einen anderen <em>b\u00e1chorkor<\/em> in deiner Halle empfangen. Und der wird deinen S\u00f6hnen und T\u00f6chtern von dem meisterhaften Sch\u00fcsselwurf der tapferen <em>yarlaranda<\/em> erz\u00e4hlen. Und du wirst du voller Stolz offenbaren, dass du mit ebendieser <em>yarlaranda<\/em> sehr gut bekannt bist und jedes Wort die volle Wahrheit ist.\u201c<\/p>\n<p>Sie runzelte die Stirn und dachte nach. Dann sch\u00fcttelte sie den Kopf. \u201eNein. Ich glaube, ich bin schon zu alt f\u00fcr diese Geschichten. Und das Schlimme l\u00e4sst sich mit Brei nicht besiegen.\u201c<\/p>\n<p>Er verkniff sich ein Grinsen, aber sie bemerkte es und schenkte ihm einen missf\u00e4lligen Blick. Dann warf sie die Schalen ins Feuer. Es loderte kurz auf und brannte wieder auf die sp\u00e4rlichen Flammen herab, die sie mit feuchtem Reisig und etwas Laub zustande gebracht hatten. Dass er das j\u00e4mmerliche Feuerchen unauff\u00e4llig frei von Qualm und z\u00fcngelnd zauberte, konnte sie nicht wissen. Aber es w\u00e4rmte kaum \u00fcber die nat\u00fcrliche Glut heraus, und das war zu wenig.<\/p>\n<p>Das Pferd fra\u00df vom Herbstlaub, das reichlich hier unter dem B\u00e4umen lag. In der N\u00e4he raschelte ein gr\u00f6\u00dferes Tier.<\/p>\n<p>\u201eDu solltest versuchen, eine Weile zu schlafen. Es war ein anstrengender Tag.\u201c<\/p>\n<p>\u201ePasst du auf mich auf?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Aber ich glaube nicht, dass der Schwarze Meister uns heute behelligt. Ich denke, er ist mit etwas Wichtigerem besch\u00e4ftigt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWomit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer wei\u00df?\u201c<\/p>\n<p>Sie schauderte. Dann stand sie auf und tappte um das Feuer herum auf ihn zu. Wortlos und demonstrativ setzte sie sich neben ihn.<\/p>\n<p>\u201eDu sollst auch in Sicherheit sein\u201c, sagte sie leise. \u201eDu sollst mitkommen. Ich will das so!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu musst dich nicht um mich sorgen. Sobald ich wei\u00df, was der Schwarze Meister vorhat, kann ich ihm begegnen. Aber ich brauche Hilfe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHilfe? Von wem?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs gibt \u2026 andere. Meinesgleichen, wenn auch von anderer Art. Sie m\u00fcssen erfahren, was sich in Emberbey zugetragen hat und dass er zur\u00fcckgekehrt ist. Ich bin nicht allein, V\u00f6gelchen. Ich muss die anderen nur finden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo sind die anderen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht schon n\u00e4her, als man denken mag. Wahrscheinlich haben sie ihn l\u00e4ngst bemerkt.\u201c<\/p>\n<p>Sie schaute zweiflerisch zu ihm auf. Dann r\u00fcckte sie nahe an ihn heran und lehnte sich an seinen Arm, bevor er ihr ausweichen konnte. \u201eEs ist kalt\u201c, klagte sie. \u201eDas Feuer ist nicht warm genug.\u201c<\/p>\n<p>\u201eFeuer geh\u00f6rt zu Pataghi\u00fa. Besser kann ich es nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch friere.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin warmes Bett\u201c, beschwor er sie. \u201eWarmes Essen. Bestimmt auch ein warmer Badezuber mit duftender Seife. Halt nur noch bis zum Morgen durch. Und nun schlie\u00df die Augen und hab keine Angst. Tr\u00e4um etwas Gutes. Sonst wird der Schlaf knapp.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber die Tiere rascheln. Die machen zu viel L\u00e4rm. Und was, wenn ein Wildwolf kommt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWildw\u00f6lfe kommen nicht ans Feuer. Ich passe auf.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchl\u00e4fst du nicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSp\u00e4ter.\u201c<\/p>\n<p>Sie fr\u00f6stelte. Das Feuer gen\u00fcgte tats\u00e4chlich nicht, um sie zu w\u00e4rmen, war gerade genug gewesen, um die Kastanien zu r\u00f6sten. Gal\u00e9on z\u00f6gerte. Aber wieso eigentlich? Hier war doch niemand, der auf alberne Regeln achtete. Hier im Wald, wo allenfalls die Waldschweine und das Hochwild sie sahen, war Stand und Herkunft doch v\u00f6llig egal. Sie war eine <em>yarlaranda<\/em>, aber vor allem war sie ein Kind, das fror. Sanft legte er seinen Arm um sie. So konnte sie sich an ihm w\u00e4rmen. Als ob sie darauf gewartet hatte, schmiegte sie sich zutraulich an.<\/p>\n<p>\u201eWillst du eine Geschichte, V\u00f6gelchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, bitte. Eine sch\u00f6ne mit einem guten Ende.\u201c<\/p>\n<p>Er begann ein M\u00e4rchen. Eines von einem tapferen M\u00e4dchen, das Abenteuer zu bestehen hatte, um seine Geschwister aus gro\u00dfer Gefahr zu retten. Ra\u00fdneta horchte auf seine Stimme, ohne recht bei der Sache zu sein. Sie kuschelte sich an ihn. Nach und nach sank sie zusammen und die Augen fielen ihr zu. Noch bevor er zu einem Ende kam, war sie eingeschlafen.<\/p>\n<p>Gal\u00e9on unterbrach die Geschichte. Aufstehen und sich bewegen konnte er sich jetzt nicht mehr. Sie hatte ihren Kopf auf sein Bein gebettet und tr\u00e4umte sanft. Er seufzte lautlos und strich \u00fcber ihr zerzaustes, schmutziges Haar. Ihre sch\u00f6n geflochtenen Z\u00f6pfe hatten sich l\u00e4ngst gel\u00f6st.<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6gest du jemandem begegnen, der dich besser besch\u00fctzt als ich, V\u00f6gelchen\u201c, sagte er sanft.<\/p>\n<p><em>Halte sie besser aus deinem Herzen heraus,<\/em> empfahl das Traumphantom.<\/p>\n<p>Gal\u00e9on schaute auf. Aber er konnte seinen geisterhaften Mentor kaum sehen. Er war kaum mehr als ein Zittern, eine kleine Unsch\u00e4rfe in der Dunkelheit.<\/p>\n<p>\u201eWarum sollte ich?\u201c, fragte er trotzig. \u201eIch habe sie gern.\u201c<\/p>\n<p><em>Weil es dir wehtun wird, sie zu verlieren. <\/em>Das Traumphantom kam n\u00e4her, wurde etwas greifbarer.<em> Es ist nicht gut f\u00fcr uns, unser Herz mit etwas Sterblichem zu belasten.<\/em><\/p>\n<p>Gal\u00e9on antwortete nicht sofort. Dem Traumphantom schien die Stille zu missbehagen.<\/p>\n<p><em>Du h\u00e4ttest sie nicht mitnehmen d\u00fcrfen.<\/em><\/p>\n<p>\u201eDann h\u00e4tte ihr Weitvetter sie ganz beil\u00e4ufig umgebracht, ohne dar\u00fcber nachzudenken. Das konnte ich nicht zulassen.\u201c<\/p>\n<p><em>Das war deine eigenm\u00e4chtige Entscheidung.<\/em><\/p>\n<p>\u201eNein. Das Licht hat mir die Wahl gelassen. Das solltest du verstehen.\u201c<\/p>\n<p><em>Ich? Wieso?<\/em><\/p>\n<p>\u201eWeil du es warst, der damals mich gerettet hat.\u201c<\/p>\n<p><em>Das war etwas anderes. Bei dir war es eine Laune, das Kind zu beh\u00fcten. F\u00fcr mich war es ein Zeichen, ein Geschenk, dessen ich nicht w\u00fcrdig war. <\/em><\/p>\n<p>\u201eUnd? Am Ende habe ich nichts anderes getan als du.\u201c<\/p>\n<p><em>Du irrst dich. Sie ist ein unkundiger Mensch. Du bist das nicht. Das ist ein gewaltiger Unterschied.<\/em><\/p>\n<p>\u201eUnd wenn ich ein ganz schlichtes Menschenleben gewollt h\u00e4tte, mit einer <em>h\u00fdardora<\/em>? Wenn ich gerne eine Tochter gehabt h\u00e4tte, genau so eine wie sie hier?\u201c<\/p>\n<p><em>Diese Wahl hattest du nun einmal nicht. Und ich, nebenbei bemerkt, auch nicht.<\/em><\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, sagte Gal\u00e9on m\u00fcde. \u201eDie Entscheidung hast du mir abgenommen.\u201c<\/p>\n<p><em>H\u00e4ttest du damals schon den Verstand zu so einer Wahl gehabt, h\u00e4ttest du allen Ernstes anders gew\u00e4hlt?<\/em><\/p>\n<p>\u201eH\u00e4ttest du mich ernsthaft gefragt?\u201c<\/p>\n<p>Er erwartete, dass das Traumphantom ihn f\u00fcr diese Bemerkung r\u00fcgen, ihm Undankbarkeit vorwerfen w\u00fcrde. Aber das tat es nicht. Es kam n\u00e4her und neigte sich \u00fcber das Kind. Es betrachtete es pr\u00fcfend. Und offenbar fand es nichts auszusetzen.<\/p>\n<p>\u201e<em>Habe<\/em> ich einen Fehler gemacht?\u201c, fragte Gal\u00e9on. \u201eOder habe ich mir letztlich nur selbst wehgetan?\u201c<\/p>\n<p><em>Es ist nicht klug von unseresgleichen, sich zu sehr mit den Unkundigen einzulassen. Mehr sage ich nicht dazu.<\/em><\/p>\n<p>\u201eAber ist es nicht gerade das, was von mir erwartet wird?\u201c<\/p>\n<p><em>Du wirst es begreifen, wenn es so weit ist. Mehr darfst du nicht wissen.<\/em><\/p>\n<p>\u201eWarum?\u201c<\/p>\n<p><em>Weil jedes Wort in dieser Sache dich verwirren k\u00f6nnte. <\/em>Das Traumphantom richtete sich auf. Es schien mitten im Feuer zu stehen. Die Flammen z\u00fcngelten um es herum und sch\u00e4rften seine geisterhafte Gestalt. <em>Ich kann und darf nicht werten oder dir raten. Es ist nicht meine Aufgabe. Ich hatte die meine, und ich hatte meine Zeit.<\/em><\/p>\n<p>\u201eIch will dich etwas fragen.\u201c<\/p>\n<p><em>Nun?<\/em><\/p>\n<p>\u201eIst es nicht gro\u00dfes Unrecht, was geschehen wird? Wer bin ich, dass ich das Recht oder auch nur einen Grund h\u00e4tte, das Herz der <em>teirandanja<\/em> anzur\u00fchren? Und das des jungen Mannes zu brechen? Was soll das alles bringen au\u00dfer Leid und Leere?\u201c<\/p>\n<p><em>Du wirst es begreifen, wenn es so weit ist.<\/em><\/p>\n<p>\u201eUnd wenn ich es einfach nicht will? Wenn ich es <em>ablehne<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>Das Traumphantom l\u00e4chelte nachsichtig. <em>Was du willst, das spielt keine Rolle. Du hast keine Wahl. Du hast eine Mission. Warum str\u00e4ubst du dich pl\u00f6tzlich so sehr?<\/em><\/p>\n<p>\u201eWas ist mit dem Schwarzen Meister? Ist er auch Teil des r\u00e4tselhaften Planes?\u201c<\/p>\n<p><em>Nicht, bis er sich entscheidet, mitzuspielen. Und wenn das geschieht, dann ist mehr in Gefahr als das Leben des kleinen M\u00e4dchens oder das Herz einer <\/em>teirandanja<em> und ihres Ritters. Im Augenblick ist das f\u00fcr ihn nichts als Gepl\u00e4nkel. Wie leicht k\u00f6nnte es beginnen, ihn zu interessieren.<\/em><\/p>\n<p>Gal\u00e9on strich Ra\u00fdneta geistesabwesend \u00fcbers Haar.<\/p>\n<p>\u201eWo ist er? Hat er tats\u00e4chlich aufgegeben? Verfolgt er uns noch?\u201c<\/p>\n<p><em>Ja. Aber nicht gerade jetzt. Er besch\u00e4ftigt sich gerade mit einem anderen Spielzeug.<\/em><\/p>\n<p>\u201eMit Venghi\u00e1r Emberbey? Mit einem einfachen Unkundigen?\u201c<\/p>\n<p><em>Die machen ihm das gr\u00f6\u00dfte Vergn\u00fcgen. Aber das sollte dich nicht in Sicherheit wiegen. Sobald der junge Mann ihn langweilt, wird er sich an dich erinnern. Du musst deine Aufgabe vollenden, bevor er dich daran hindern kann.<\/em><\/p>\n<p>Gal\u00e9on nickte geistesabwesend. Das Traumphantom wartete.<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn ich es nicht tue?\u201c, fragte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. \u201eWenn ich es ablehne? Wenn ich einfach nicht hingehe?\u201c<\/p>\n<p>Du kannst nicht weglaufen. Du kannst es versuchen. Aber dann wirst du scheitern. Wohin du auch fl\u00fcchtest, du kannst nichts an dem \u00e4ndern, was passieren wird. Du machst es dir nur selbst zur Qual.<\/p>\n<p>\u201eDann z\u00e4hlt mein eigener Wille nichts?\u201c<\/p>\n<p><em>Es geht nicht um deinen Willen. Du kannst wollen und tun, was du willst. Aber es wird nichts an dem \u00e4ndern, was vorbestimmt ist. <\/em><\/p>\n<p>\u201eVorbestimmt\u201c, sagte Gal\u00e9on bitter. \u201eHaben die M\u00e4chte den Menschen nicht den Willen gegeben, um ihnen gef\u00e4llig zu sein.\u201c<\/p>\n<p><em>Den Unkundigen,<\/em> sagte das Traumphantom sanft. <em>Nicht unseresgleichen. Nicht dir.<\/em><\/p>\n<p>Gal\u00e9on schwieg. Das Traumphantom verwehte in der Dunkelheit. Zur\u00fcck blieben das schlafende Kind und das knisternde Feuer.<\/p>\n<p>Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> horchte. Er h\u00f6rte die Eulen, die Waldschweine und die Wildw\u00f6lfe, wie sie in der Nacht ihren Gesch\u00e4ften nachgingen. Nicht weil entfernt schlug eine Finserteule ein Windninchen und riss ihm das Herz heraus.<\/p>\n<p>Der Schwarze Meister war wichtig. Der geh\u00f6rte nicht hierher, nicht ins Weltenspiel. Der musste besiegt werden. Das mussten die Magier tun.<\/p>\n<p>Aber was konnte so wichtig sein, dass man die Unkundigen mit hineinziehen musste? Wenn das Kind so nebens\u00e4chlich war, dass das Traumphantom ihn deswegen bel\u00e4chelte, wie konnte die <em>teirandanja<\/em> im selben Weltenspielplan so unverzichtbar sein?<\/p>\n<p>Er versank in tiefe Gedanken, malte sich das eine und andere aus und hinterfragte alles, was er dachte und gesehen hatte und was das Traumphantom ihn in all der Zeit gelehrt hatte.<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht richtig\u201c, murmelte er wieder und wieder zu sich selbst.<\/p>\n<p>Als das Feuer heruntergebrannt war, hatte er einen Entschluss gefasst.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4682","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4682"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4682\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4689,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4682\/revisions\/4689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}