{"id":4667,"date":"2026-01-07T20:00:34","date_gmt":"2026-01-07T19:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4667"},"modified":"2026-01-07T20:00:34","modified_gmt":"2026-01-07T19:00:34","slug":"056-auf-farbenspiels-faehrte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2026\/01\/07\/056-auf-farbenspiels-faehrte\/","title":{"rendered":"056: Auf Farbenspiels F\u00e4hrte"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>D\u00fdamir\u00e9e hatte ihm davon abgeraten, sich dem Ritterlager zu n\u00e4hern. Diesen Rat h\u00e4tte er beherzigen sollen, gewiss. Aber, dachte sich Advon Ir\u00edsolor, als er mit finsterer Miene durch den Wald stapfte, zu dem Zeitpunkt hatte sie nicht wissen k\u00f6nnen, dass Farbenspiel andere Pl\u00e4ne hatte.<\/p>\n<p>Advon hatte keine Zeit verloren, nur das Eisenzeug hatte er ganz abgelegt und verborgen. In dieser Verkleidung hatten ihn bei den Ritterzelten zu viele Leute gesehen. Also war es besser, sich unauff\u00e4llig als einfacher Unkundiger im Lager umzusehen. Mit schlichter Tunika, Mantel und Kapuze konnte er sich vielleicht unter die Knechte und Turnierhelfer mischen, ohne erkannt zu werden. Dank eines ganz einfachen Einf\u00e4rbezaubers nun braungrau und unauff\u00e4llig gewandet, eilte er vorw\u00e4rts. Wenn D\u00fdamir\u00e9e das alte Eisenzeug bei den goldenen R\u00fcstungsteilen fand, w\u00fcrde sie sich denken k\u00f6nnen, dass er etwas Wichtiges zu erledigen hatte.<\/p>\n<p><em>Ach was<\/em>, dachte er. <em>Allein wenn Farbenspiel nicht da ist, wo er sein sollte, wird sie genau wissen, was passiert ist. <\/em><\/p>\n<p>Und wenn das Einhorn sich eigenm\u00e4chtig entfernt hatte, musste er handeln, egal, was D\u00fdamir\u00e9e davon halten mochte. Nicht auszudenken, wenn Farbenspiel von den Unkundigen erblickt wurde! Nicht nur alle Diskretion und Tarnung w\u00e4re dahin. Der schiere Anblick des Hengstes w\u00fcrde unter den Menschen ungeb\u00e4rdige Unruhe ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Dass Farbenspiel schnurstracks zum Zeltlager unterwegs war, stand au\u00dfer Frage. Was Farbenspiel in die N\u00e4he der Menschen trieb, das konnte der junge Magier sich denken. Daheim, beim Ciel\u00e1stel, da gaben die <em>arcaval\u2019ay<\/em> sorgsam darauf acht, dass die Einh\u00f6rner geb\u00fchrenden Abstand von Pferden hielten. Wenn sie zu gewissen Zeiten die gew\u00f6hnlichen Tiere witterten, lie\u00df sich den Tieren kaum mit Vernunft beikommen. Wenn der wappenlose Ritter so leichtsinnig war, die Stute selbst zu behalten, dann musste es f\u00fcr Farbenspiel dort bei den Rittern nun verlockender duften als jede Nascherei.<\/p>\n<p>Advon dankte Patagh\u00edu im Stillen, dass das Tier zumindest so verst\u00e4ndig gewesen war, sich auf dem Boden voran zu bewegen. Seine Trittsiegel auf dem Waldboden waren zwar nicht zu \u00fcbersehen. W\u00e4ren J\u00e4ger unterwegs, sie h\u00e4tten einen monstr\u00f6sen Hirsch daraus geschlossen und sich sicherlich unwohl gef\u00fchlt. W\u00e4re Farbenspiel jedoch am helllichten Tag \u00fcber das offene Festgel\u00e4nde geflogen, h\u00e4tte es einen Tumult gegeben.<\/p>\n<p>Nun, vielleicht w\u00fcrde es ihm gelingen, das Einhorn auf seinem Alleingang einzufangen und zur\u00fcck zum Versteck zu bringen, bevor D\u00fdamir\u00e9e aus der Burg zur\u00fcckkehrte. Er durfte es nur nicht riskieren, dem wappenlosen Ritter und seinem Knappen ausgerechnet jetzt \u00fcber den Weg zu laufen. Das musste er sich f\u00fcr ein anderes mal aufheben. Denn die Sache auf sich beruhen zu lassen \u2013 das kam gar nicht infrage!<\/p>\n<p>Er n\u00e4herte sich dem Ende des Waldst\u00fcckes, wo das Ritterlager aufgeschlagen war. Dort verlor sich die Spur des Einhorns, denn Farbenspiel war auf den Pfad gesto\u00dfen, der best\u00e4ndig von Reitern und Fuhrwerken benutzt wurde. Unter all den Huf- und Radspuren verwischten die Klauenabdr\u00fccke des Einhorns. War Farbenspiel in seiner Erregung etwa dem Pfad gefolgt?<\/p>\n<p>Advon blieb einen Moment ratlos auf dem Weg stehen. Das war unwahrscheinlich. Farbenspiel mochte ungehorsam sein, aber er wusste genau, dass er sich von Menschen fernzuhalten hatte. Aber zwischen den B\u00e4umen h\u00e4tte er auch nicht auffliegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein Karren n\u00e4herte sich von hinten. Zwei Ochsen stapften gem\u00fctlich in Richtung Lager. Das Gef\u00e4hrt war hoch mit Heu beladen und wurde von einem \u00e4lteren Mann gelenkt. Advon trat beiseite, um ihn durchzulassen.<\/p>\n<p>\u201eDanke! Wohin des Weges? Willst du zum Turnierlager?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, genau.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWillst du mitfahren? Ich muss da auch hin! Oder hast du es eilig?\u201c<\/p>\n<p>Das kam wie gerufen! Nach dem weiten Fu\u00dfweg konnten Advons F\u00fc\u00dfe eine Rast gut brauchen. Abgesehen davon: Vielleicht sah man etwas erh\u00f6ht auf dem Wagen besser, wo neben dem Weg Spuren wieder begannen.<\/p>\n<p>\u201eWenn es dir keine Umst\u00e4nde macht?\u201c<\/p>\n<p>Der Bauer hielt an. \u201eIwo\u201c, sagte er. \u201eMuss ich die Fahrt nicht allein machen.\u201c<\/p>\n<p>Der Magier zog sich die Kapuze in die Stirn und kletterte dankbar auf den Wagen hinauf. Der Bauer setzte hinzu: \u201eUnd ich brauche wen, der nachher mit dem Heu hilft. Das geht schneller dann. Wird ja langsam dunkel.\u201c<\/p>\n<p>Advon l\u00e4chelte. Was f\u00fcr ein Schelm. Aber umso besser \u2013 das gab ihm den perfekten Vorwand, sich unauff\u00e4llig unter die Leute zu mischen.<\/p>\n<p>\u201eBringst du all das Heu ins Lager?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJo. Schon m\u00e4chtig, was all die G\u00e4ule am Tag so fressen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eLohnt es sich?\u201c<\/p>\n<p>Der Bauer lachte. Er schaute ausgesprochen zufrieden sein. \u201eDas kann man wohl sagen, junger Mann! Bringt mir einen fetten Zuverdienst, diesen Herbst. Haben uns auch m\u00e4chtig M\u00fche gegeben?\u201c<\/p>\n<p>\u201eM\u00fche?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJo. Haben besonders gutes Heu gemacht. Soll keiner zu meckern haben von den hohen Herren. Alles f\u00fcr das Fest unserer <em>teirandanja<\/em>! Soll keiner darben! Die G\u00e4ule nicht, und die G\u00e4ste auch nicht.\u201c<\/p>\n<p>So erfuhr Advon, dass nach dem Winter alle Bauern der <em>yarlm\u00e1lon<\/em> von Wijdlant und Spagor angehalten gewesen waren, einen gr\u00f6\u00dferen Anteil von allem bereitzustellen und anzupflanzen, was ben\u00f6tigt wurde, um so viele G\u00e4ste zu beherbergen. Nat\u00fcrlich gegen eine gro\u00dfz\u00fcgige Entlohnung f\u00fcr alles, was \u00fcber die \u00fcbliche Versorgung der Burgen hinaus ging.<\/p>\n<p>\u201eHab eigens eine Wiese mehr gemacht, nur f\u00fcrs Turnier\u201c, plauderte der Bauer. \u201eUnd im Herbst vorher sogar noch von den guten Kr\u00e4utern einges\u00e4t, die den teuren G\u00e4ulen so gut schmecken. Jeder tr\u00e4gt was bei f\u00fcr das Fest. Das wird pr\u00e4chtig! Ich freu mich auf das gute Bier aus Grootplen! Hab die gro\u00dfen F\u00e4sser schon gesehen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWomit bezahlen die <em>teiranday<\/em> wohl all die Kosten f\u00fcr die Bewirtung?\u201c, fragte Advon. Dass Geld f\u00fcr Unkundige ein wichtiges Thema warm, hatte er nach dem unerquicklichen Pferdehandel begriffen. Vom Wert der M\u00fcnzen hatte er immer noch keine Vorstellung.<\/p>\n<p>\u201eMeine <em>h\u00fdardora<\/em> sagt\u201c, belehrte der Bauer ihn verschw\u00f6rerisch, \u201ewas die <em>teiranday<\/em> f\u00fcr das <em>vaspos\u00e1r<\/em> l\u00f6hnen m\u00fcssen, bringen all die edlen Herren wieder zur\u00fcck. Geschenke bringen sie der <em>teirandanja<\/em>, das sag ich dir! Teure Sachen, und haufenweise Edelsteine und so\u2019n Zeug. Da k\u00f6nnen sie auch gutes Heu f\u00fcr ihre G\u00e4ule erwarten.\u201c<\/p>\n<p>Interessant, dachte Advon. Er sp\u00e4hte \u00fcber die R\u00fccken der Ochsen links und rechts den Weg entlang, w\u00e4hrend der Bauer ihm wortreich die Kunst des Heumachens darlegte. Dann erhielt sich das <em>vaspos\u00e1r<\/em> also mehr oder weniger selbst. Manj\u00e9v musste nur all die Geschenke abgeben, die sich wieder in Geld tauschen lie\u00dfen. Aber was tat sie, wenn sie Dinge erhielt, die eigens f\u00fcr sie gefertigt waren?<\/p>\n<p>Er schreckte auf, als der Bauer fragte: \u201eBist nicht von hier, ne?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Ich bin \u2026 ich geh\u00f6re zum Gefolge eines der Ritter.\u201c<\/p>\n<p>\u201eZu welchem Herrn denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eZu \u2026 <em>yarl<\/em> Ycelia\u201c, behauptete Advon. Das war der erste Name, der ihm einfiel. Der des Ritters, der dem Wappenlosen das Eichh\u00f6rnchen abgeluchst hatte.<\/p>\n<p>Der Bauer musterte ihn \u00fcberrascht. \u201eDaf\u00fcr siehste aber ziemlich bescheiden aus. Bei so einem pro\u2026 prunkvollen Herrn.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin ein Tagel\u00f6hner\u201c, redete Advon sich heraus. \u201eF\u00fcr die ganz einfachen Aufgaben. Pferde versorgen und so.\u201c<\/p>\n<p>Der Bauer grinste. \u201eSind die Herren aus dem Eis sich zu fein f\u00fcr, was? Na, scheinst ein netter Kerl zu sein. Ich verrat dir was. Nimm f\u00fcr deinen Herrn von dem Heu ganz unten. Ist besonders gutes.\u201c<\/p>\n<p>Advon dankte und wollte weiter reden, doch da fiel ihm rechts, an einem stachligen Brombeerrankenverhau, etwas ins Auge. Es war winzig, aber so strahlend blau, dass es im herbstfarbenen Wald nicht zu \u00fcbersehen war, sofern man darauf achtete. Ein duftiges B\u00fcschel Schweifhaare.<\/p>\n<p><em>Hab ich dich!<\/em> Advon l\u00e4chelte finster. Allerdings \u2013 nun einfach abspringen und querfeldein weiterlaufen, das ging nun nicht. Der redselige Bauer h\u00e4tte Fragen gestellt. Oder, noch schlimmer, sp\u00e4ter von dem seltsamen Kerl erz\u00e4hlt, der sich urpl\u00f6tzlich in die B\u00fcsche schlug.<\/p>\n<p>\u201eWir sind gleich da\u201c, sagte der Bauer und bog nach ein paar Karrenl\u00e4ngen in den Wald ab, just in die richtige Richtung. Hier war kein befestigter Weg, aber es gab Tritt- und Fahrspuren, so als h\u00e4tte sich hier j\u00fcngst spontan ein neuer Pfad gebildet. Die B\u00e4ume standen weit genug auseinander f\u00fcr ein Fuhrwerk, und das Gel\u00e4nde war eben. \u201eWir fahren sofort zu den Pferchen.\u201c<\/p>\n<p>Advon war das nur recht. Tats\u00e4chlich hatte er sich bei den vorangegangenen Aufenthalten im Turnierlager nur bei den Zelten aufgehalten. In Ermangelung eines eigenen Pferdes hatte es f\u00fcr ihn noch keinen Grund gegeben, sich die improvisierten Stallungen anzuschauen. Nun roch er die Pferde, noch bevor sie aus dem dichten Wald heraus waren.<\/p>\n<p>Vor ihnen \u00f6ffnete sich eine Lichtung mit einigen verstreuten B\u00e4umen darauf. Dahinter befand sich eine weitl\u00e4ufige Weide, die man mit einfachen Mitteln, aber gro\u00dfem Aufwand als behelfsm\u00e4\u00dfiges Stallgel\u00e4nde hergerichtet hatte. Mit mannshohen Gattern waren kleine Parzellen abgeteilt, jeweils versehen mit einem gro\u00dfen verspannten Segel, das bei Regen einen trockenen Unterstand hergab. Der Heuwagen war wohl schon erwartet worden, Pferdeknechte und junge M\u00e4nner in den Farben ihrer Herren eilten herbei. In ihren Pferchen wurden die Pferde unruhig, \u00fcberall scharrte und schnaubte es. Das eine oder andere Ross wieherte ungeduldig.<\/p>\n<p>\u201eLos!\u201c, rief der Bauer, als Advon zu lange ern\u00fcchtert starrte. \u201eDie G\u00e4ule haben Hunger! Nimm dir ne Forke und mach zu!\u201c<\/p>\n<p>Advon kletterte auf das Heu und begann, die duftende Last unter den von allen Seiten herbei strebenden Pferdeknechten zu verteilen. Traget\u00fccher und Kiepen wurden ihm entgegengestreckt. \u201eEin Bund!\u201c, rief ihm hier einer zu, \u201eIch brauch gleich drei\u201c der n\u00e4chste und irgendwo in der Menge beschwerte sich einer, dass am Vortag zu viel Staub im Heu gewesen sei.<\/p>\n<p>Heustaub wirbelte auf und kitzelte Advon in der Nase. Er kam kaum nach damit, die vorbereiteten Heub\u00fcndel so schnell zu verteilen, wie die Pferde sie einforderten und die Knechte sich damit sputeten. Der Bauer feixte und strich derweil kleine M\u00fcnzen von den Knechten ein.<\/p>\n<p>Erst als der Wagen sich deutlich gelehrt hatte und Advon die Arme schmerzten wie nach einer harten Kampf\u00fcbung, kam er dazu, sich genauer umzuschauen. Er sch\u00e4tzte, dass es drei Dutzend Pferche waren, in denen sich mindestens ein oder zwei gro\u00dfe Turnierpferde befanden, manche zusammen mit eleganten Zeltern oder Rennern. An jedem Pferch hing ein sorgsam gestaltetes Wappen, das den jeweiligen Besitzer auswies.<\/p>\n<p>Als das Heu bis auf ein paar B\u00fcschel abgeladen und alle Pferdeknechte bedient waren, ergriff Advon die Gelegenheit, sich davonzustehlen. Der Bauer erwiderte seinen Abschiedsgru\u00df nur zerstreut. Er z\u00e4hlte mit vergn\u00fcglicher Miene das Geld in seinen Beutel. \u201eVergiss das Heu nicht\u201c, sagte er noch. \u201eUnd meinen Gru\u00df an <em>yarl<\/em> Ycelia!\u201c<\/p>\n<p>Der Magier raffte einen Armvoll Heu zusammen und schlenderte neugierig an den Pferchen entlang. Nun, da die Pferde sich \u00fcber das Heu hermachten und ihre pers\u00f6nlichen Knechte ihre Aufgabe erledigt hatten, konnte der Magier sich in Ruhe umsehen. Ein Gatter fand er, das kein Wappen trug. Der Schimmel des ruchlosen Ritters und ein bereits etwas mitgenommen wirkender staubfarbener Renner, vermutlich das Reittier des Knappen Rolk, trabten dahinter ungeduldig hin und her. Offenbar f\u00fchlte sich heute niemand f\u00fcr ihr Futter zust\u00e4ndig. Advon schaute sich um. Niemand achtete auf ihn, und so schob er das Heu zu den hungrigen Tieren hindurch und ging weiter. Das gestohlene Pferd, die sch\u00f6ne blonde Stute war also nicht hier verborgen. Nun, das w\u00e4re auch zu dreist gewesen. Aber was zog dann Farbenspiel hierher?<\/p>\n<p>Am Ende der Pferche trennte ein Baumstreifen die Weide von einer benachbarten Streuobstwiese. Advon wollte bereits umkehren, als er zwischen den B\u00e4umen Pferde wiehern h\u00f6rte, erst eines, dann noch ein zweites. Er horchte, ging weiter und fand sich schlie\u00dflich vor einem weiteren Zaun, der ihm bis zur Brust ging. Er umfriedete ein St\u00fcck Gel\u00e4nde, das wahrscheinlich im Sommer ein Getreidefeld war, nun aber mit Stroh und S\u00e4gemehl ausgestreut\u00a0 und mit verspannten Seilen unterteilt war. Auch hier waren Knechte und Knappen damit besch\u00e4ftigt, die Tiere zu versorgen. Allerdings bedienten die Tiere sich von mittig aufgeschichteten Heuhaufen. Advon schaute staunend umher und versuchte gar nicht erst, zu z\u00e4hlen.<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten\u201c, murmelte er.<\/p>\n<p>Ein Knappe mit einem bunten Gewand und einem gr\u00fcnen Wappen mit einer goldenen Blume darauf h\u00f6rte das.<\/p>\n<p>\u201eWor\u00fcber staunst du?\u201c, fragte er in Advons Richtung und kam n\u00e4her. Ihm schien kalt zu sein, denn \u00fcber seinem vornehmen Wappenkleid trug einer einen Wollmantel, den er wie eine Decke um sich gerafft hatte.<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber die Menge! Das sind ja wohl mehr als sieben Dutzende!\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut gesch\u00e4tzt\u201c, lachte der junge Mann.<\/p>\n<p>\u201eIch habe noch nie so viele Pferde gleichzeitig gesehen. Warum sind die hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, denkst du, die Herren schleppen ihr Gep\u00e4ck und ihre Zelte auf dem Streitross mit sich? Die Pack- und Zugpferde sind das. Einige Herren haben ihren Hausrat mit einem Wagen mitgef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd welches geh\u00f6rt wem? Bringt ihr die alle wieder auseinander?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSch\u00f6n w\u00e4r\u2019s. Aber unsere Eigenen, die erkenne ich. Sind n\u00e4mlich die besten von allen!\u201c Der Junge grinste breit. \u201eBeste Feuerbl\u00fcter, selbst die Packtiere. Da hinten, die drei Schwarzen. Und der Fuchs dort dr\u00fcben. Prachttiere, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eRecht sch\u00f6n\u201c, gab Advon zu, aber er blickte nicht zu den feinen Rappen hin. So sehr er sich umschaute und es unter Patagh\u00edus sinkendem Glanz noch ausmachen konnte \u2013 die Stute war nicht zu sehen.<\/p>\n<p>\u201eIch mag solche mit hellem Fell lieber\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>\u201eTats\u00e4chlich? Ich finde, die sind immer so schnell schmutzig, wenn es im Sommer staubt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Sandfarbenen, die sind herrlich\u201c, redete Advon weiter. \u201eSolche mit einer blonden M\u00e4hne und wei\u00dfen F\u00fc\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas stimmt\u201c, best\u00e4tigte der Junge arglos. Von Pferden verstand er schlie\u00dflich etwas. \u201eSieht man selten, dass die M\u00e4hne heller ist als das Fell.\u201c<\/p>\n<p>Advon seufzte. \u201eHast du hier schon so eines gesehen? Eine Stute vielleicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, lachte der Junge. \u201eSo eines w\u00e4re mir aufgefallen.\u201c Er grinste. \u201eF\u00fcr wen arbeitest du?\u201c<\/p>\n<p>Warum l\u00fcgen? \u201eF\u00fcr Manj\u00e9v von Wijdlant\u201c, behauptete er. \u201eIch bin ein Bote und habe im Lager zu tun.\u201c<\/p>\n<p>Der Junge stie\u00df einen anerkennenden Pfiff aus und nickte Advon respektvoll zu. \u201eAlle Achtung! F\u00fcr die <em>teirandanja<\/em> h\u00f6chstselbst! Na, das ist ja eine Ehre. Da kommen wir nicht mit. \u201c<\/p>\n<p>Advon grinste. \u201eNett, mit dir gesprochen zu haben. Ich muss weiter.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKommst du zum Umtrunk im Turnierlager?\u201c, fragte der Junge rasch. \u201eWir w\u00fcrden uns freuen. Du hast bestimmt viel vom Hof zu berichten!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht\u201c, sagte Advon unbehaglich. Von Umtr\u00fcnken hatte er vorerst genug.<\/p>\n<p>\u201eAch komm\u201c, bat der Knappe. \u201eWir aus Iva\u00e1l sind ein netter Haufen, und sogar die aus Ycelia sind gar nicht so hoff\u00e4rtig, wie sie aussehen. Ist doch ganz sch\u00f6n, mal was ohne unsere Herren \u2026\u201c<\/p>\n<p>Weiter kam er nicht. Bei den Ritterpferden wurde es unruhige. Drei, vier, sicherlich ein Dutzend der teuren R\u00f6sser begann, so schrill zu wiehern. Immer mehr Pferde begannen, kehlig zu r\u00f6hren und schmetternde Laute auszusto\u00dfen. Nun mischten sich auf aufgeregte Rufe der Pferdeknechte dazwischen. Irgendwo bearbeiteten Hufe Holzbretter.<\/p>\n<p>\u201eNicht schon wieder\u201c, seufzte der Knappe aus Iva\u00e1l mit einem besorgten Blick auf die Packpferde. Jedes Einzelne hatte aufgeh\u00f6rt, zu fressen. Alle Blicke waren dem Wald zugewandt, alle Ohren aufmerksam nach vorn gerichtet.<\/p>\n<p>Dann stie\u00df eine der Stuten ein entz\u00fccktes, fast gl\u00e4sernes Quietschen aus, und sofort waren auch die Packpferde in hellem Aufruhr. Schweife peitschten aufgeregt hin und her und hier und dort erleichterte sich ein Tier pl\u00e4tschernd ins Stroh. Einige Wallache waren anwesend. Manche stampften, anderes wirkten fast verzagt und fra\u00dfen stoisch weiter.<\/p>\n<p>\u201eSchon wieder?\u201c, fragte Advon, denn dass er das Get\u00f6se nicht hinterfragte, konnte verd\u00e4chtig erscheinen.<\/p>\n<p>\u201eSeit heute Mittag geht das so\u201c, erkl\u00e4rte der Knappe. \u201eSind rossige Stuten hier, und all die Hengste nebenan\u2026 wenn sich da nur keines von den Turnierpferden verletzt, wenn die aneinandergeraten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHeute Nacht passiert da nichts\u201c, versprach Advon und wandte sich ab. Wenn er jetzt zu lange z\u00f6gerte, war die Chance vertan. \u201eMit dem Unfug ist jetzt Schluss.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c, fragte der Knappe mit dem Bl\u00fctenwappen verwirrt. Aber der Magier antwortete ihm schon nicht mehr. Advon ging zur\u00fcck in den Streuobsthain und wirkte grimmig einen Zauber, der Menschenblicke von ihm abprallen lie\u00df. Dann begann er, zu rennen. Diesmal w\u00fcrde Farbenspiel ihm nicht entwischen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4667","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4667","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4667"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4667\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4671,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4667\/revisions\/4671"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4667"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4667"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}