{"id":4664,"date":"2026-01-07T19:57:18","date_gmt":"2026-01-07T18:57:18","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4664"},"modified":"2026-01-07T19:57:18","modified_gmt":"2026-01-07T18:57:18","slug":"053-cro-ungro-und-der-schattenreiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2026\/01\/07\/053-cro-ungro-und-der-schattenreiter\/","title":{"rendered":"053: Cr\u00f3, Ungro und der Schattenreiter"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Patagh\u00edus Glanz war bereits unter seinen Zenit gesunken. Es wurde k\u00e4lter. Die Luft roch noch nicht salzig genug, das Ziel war also noch fern. Die Landschaft ringsum war eint\u00f6nig. Karges Weideland, im Sommer fett und gr\u00fcn, nun d\u00fcrr und farblos, wechselte sich mit Ackerfl\u00e4chen ab, die teils brach lagen, teils bereits winzigen gr\u00fcnen Flaum trugen.<\/p>\n<p>Cr\u00f3 und Ungro waren denkbar schlechter Laune. Noch mindestens einen Tag w\u00e4ren sie unterwegs, immer querfeldein, abseits von den Stra\u00dfen, genau so wie Venghi\u00e1r es ihnen geboten hatte. Das war der k\u00fcrzeste Weg, aber auch der, der nachts keinerlei Schutz bot und kein vern\u00fcnftiges warmes Essen. Auf den beiden ersten Dritteln ihres Weges hatten sie sich \u00fcber die Anordnung ihres Herrn hinweggesetzt und waren auf der Stra\u00dfe geblieben. Dadurch hatten sie zeitraubende Umwege in Kauf genommen, um die Pferde einzusammeln, die Venghi\u00e1r bei den Bauern in der Ein\u00f6de verteilt hatte. Eines fehlte ihnen noch, und so die M\u00e4chte auch mit Kerlen wie ihnen gn\u00e4dig waren, w\u00fcrden sie obendrein noch etwas zum Essen bekommen. Ob der Kerl, der das letzte Pferd h\u00fctete, es wollte oder nicht.<\/p>\n<p>Jeweils zwei Handpferde f\u00fchrten die beiden Knechte mit sich. Das war anstrengend, denn die Tiere hatten ihre eigenen K\u00f6pfe und lie\u00dfen sich schwer antreiben, w\u00e4hrend die beiden M\u00e4nner mit ihren eigenen Reittieren zu k\u00e4mpfen hatten. Immer wollte eines stehen bleiben, um herbstm\u00fcdes Gras zu zupfen, ein anderes eine Rast einlegen oder keinesfalls Schritt mit den Artgenossen halten. Es war m\u00fchsam und l\u00e4stig.<\/p>\n<p>\u201eWeisste, was wir h\u00e4tten machen solln?\u201c, fragte Ungro.<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNach S\u00fcden abhauen und die Zossen verkaufen. Gibt bestimmt &#8216;n Markt daf\u00fcr, in Wijdlant.\u201c<\/p>\n<p>Cr\u00f3 dachte tats\u00e4chlich einen Moment dar\u00fcber nach. Aber es war Unfug.<\/p>\n<p>\u201eLohnt sich nicht. So gut sind die G\u00e4ule auch wieder nicht. W\u00fcrde schwer zu erkl\u00e4ren, woher wir sie haben. Und bis nach Virhav\u00e9t damit \u2013 ne. Da h\u00e4tten wir sofort umdrehen m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst noch nicht zu sp\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann hau doch ab mit deinen Viechern. Kommst aber auch nicht ins Warme damit, bevor\u2019s Nacht wird.\u201c<\/p>\n<p>Ungro schnaubte unwillig. Er sah aber doch ein, dass es schlauer war, den Auftrag zu Ende zu bringen, auch wenn es eine weitere unbequeme Nacht mitten auf dem Feld bedeutete.<\/p>\n<p>Sie trabten weiter. Der Feldpfad, nach dem sie sich richteten, w\u00fcrde sie geradewegs zu dem kleinen Geh\u00f6ft bringen, wo das f\u00fcnfte Pferd wartete; ein grober rotwei\u00dfer Schecke, wie Cr\u00f3 sich entsann. Den hatten sie bei der Hinreise zu der Herberge an der Grenze nach Altabete als Erstes abgeliefert, denn er hatte sich vertreten. Nicht schlimm, aber Venghi\u00e1r Emberbey hatte entschieden, dass das Pferd ein paar Tage Ruhe brauchte, bevor er es im Galopp ben\u00f6tigen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Der Knecht lie\u00df seinen Blick \u00fcber die vier anderen Pferde schweifen. Irgendetwas, dachte er, war sonderbar. Aber er konnte nicht benennen, was es war.<\/p>\n<p>\u201eWenn der Winter um is&#8217;\u201c, redete Ungro weiter, \u201ebin ich weg.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWohin?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWei\u00df nich&#8217;. Weg von dem Giftwurm. Is&#8217; zu kalt hier. In Aur\u00f3p\u00e9a, da war\u2019s warm.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, Aur\u00f3p\u00e9a.\u201c Cr\u00f3 nickte. Das waren Zeiten gewesen. Ihr damaliger Herr, der gef\u00fcrchtete <em>sinor<\/em> \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9, war kein St\u00fcck angenehmer als der junge Edelmann, f\u00fcr den sie sich jetzt abrackerten. Aber der Wein war besser gewesen, das Klima wirtlicher. Und es hatte mehr anschmiegsame Weiber gegeben. Nun ja. Solange sie genug Geld gehabt hatten. Aber diese Zeit, die war vorbei. Die Frauen hier, im <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Emberbey, die waren viel zu tugendhaft. Einmal hatte eine Ungro eine Ohrfeige gegeben, obwohl es dem eine M\u00fcnze wert gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>\u201eHab geh\u00f6rt, Iva\u00e1l ist auch nicht schlecht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn Fr\u00fchling ist\u201c, beschloss Cr\u00f3, \u201esetzen wir uns \u00fcber den R\u00edflu\u00edr ab. Vielleicht nach Valvivant, f\u00fcrs Erste. Soll auch recht nett sein. Ho! Benimm dich, Zosse!\u201c<\/p>\n<p>Eines der Handpferde war kurz stehengeblieben und hatte den Kopf hochgereckt. Cr\u00f3 zog unwillig am Z\u00fcgel und es setzte sich wieder in Bewegung. Doch dabei blieb es nicht lange. Nach und nach wurden auch die anderen Pferde, einschlie\u00dflich ihrer Reittiere unruhig. Alle sechs R\u00f6sser begannen, zu schnauben, zu prusten und zu t\u00e4nzeln.<\/p>\n<p>\u201eHe! Mistbiester! Wollt ihr wohl spuren?\u201c<\/p>\n<p>Auch Ungro k\u00e4mpfte mit den F\u00fchrz\u00fcgeln. Sein Gaul scherte aus und sch\u00fcttelte unwillig den Kopf. \u201eWas soll das, Drecksvieh\u201c Er versetzte dem Tier einen unwilligen Tritt und brachte es zur Raison. Dann konzentrierte er sich wieder auf den Weg. \u201eSchau mal. Da kommt wer!\u201c<\/p>\n<p>Cr\u00f3 blickte auf. Er hatte nicht damit gerechnet, dass um diese Tageszeit au\u00dfer ihnen in dieser Ein\u00f6de noch jemand unterwegs war. Aber tats\u00e4chlich, da bewegte sich jemand auf dem verlassenen Feldweg geradewegs auf sie zu. Ein Reiter war es, aber zwei Pferde.<\/p>\n<p>\u201eWo will der denn hin?\u201c, wunderte sich Cr\u00f3. \u201eIn der Richtung kommt er heute nirgends mehr an.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGanz sch\u00f6n eilig hat der\u2019s. \u2013 He! Wollt Ihr wohl!\u201c<\/p>\n<p>\u201eBiester!\u201c<\/p>\n<p>Sie versuchten, die Pferde zu kontrollieren, von denen die H\u00e4lfte nun nach links, die andere nach rechts ausbrechen wollte. Die Tiere unter den S\u00e4tteln konnten sich nicht f\u00fcr eine Richtung entscheiden. Ungros Reittier blieb pl\u00f6tzlich wie angewurzelt stehen und begann, unruhig zu scharren.<\/p>\n<p>\u201eVerflucht!\u201c Cr\u00f3s Stute begann, zu bocken. Er versuchte, sie anzutreiben, aber das Pferd begann, r\u00fcckw\u00e4rts zu laufen, riss den Kopf hoch und wieherte schrill.<\/p>\n<p>Als h\u00e4tten sie auf dieses Signal gewartet, gerieten alle Pferde au\u00dfer Rand und Band. Jedes zog in eine andere Richtung, sie stampften und schnaubten und eines keilte in die leere Luft aus.<\/p>\n<p>\u201eHalt fest!\u201c, rief Cr\u00f3 aus. \u201eWenn die G\u00e4ule abhauen, bringt der Giftwurm uns um!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch halt ja schon!\u201c Allerdungs tat Ungro sein Bestes, \u00fcberhaupt im Sattel zu bleiben. Die sechs Pferde waren in h\u00f6chster Unruhe, buckelten und scharrten, wieherten gellend und w\u00e4hren in alle Richtungen davongestoben. Allerdings &#8211; keines von ihnen kam so recht von der Stelle. Es war, als pferche ein unsichtbares Gatter sie alle zusammen.<\/p>\n<p>\u201eVerflucht! Bei den M\u00e4chten! Was soll das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie sind bl\u00f6d geworden!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber hier ist doch nichts!\u201c Cr\u00f3 schaute sich verwirrt nach dem um, was die Pferde h\u00e4tte scheu machen k\u00f6nnen. Weit und breit war nur plattes, herbstersch\u00f6pftes Land. Kein flatternder Vogel, kein Windninchen, das durchs Gras gehuscht w\u00e4re. Nicht einmal ein Windzug strich durch die hohen Salzgrasb\u00fcschel und trockenen Stauden.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich war der Reiter nahe an sie herangekommen, bis auf einige Schritt hin zu den panischen R\u00f6ssern und ihren beiden H\u00fctern. Seine eigenen Pferde lie\u00dfen sich von der Unruhe nicht mitrei\u00dfen. Auf einem sa\u00df er, l\u00e4ssig wie in einem bequemen Sessel, das andere f\u00fchrte er an einem locker h\u00e4ngenden Halfter.<\/p>\n<p>\u201eBraucht ihr Hilfe?\u201c, fragte der Mann interessiert. Aus seiner sanften Stimme stach ohne Zweifel unverhohlene Belustigung hervor.<\/p>\n<p>\u201eAus dem Weg!\u201c, fauchte Cr\u00f3 und zerrte an Z\u00fcgeln und F\u00fchrstricken, w\u00e4hrend sein Pferd unter ihm auf der Stelle buckelte. \u201eWollt Ihr unter die Hufe?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeg!\u201c, schloss sich Ungro an. Er hielt sich kaum noch richtig oben. \u201eWeg, die G\u00e4ule drehen durch!\u201c<\/p>\n<p>Der Ank\u00f6mmling lachte. Dann hob er seine Hand und gab er eine kurze, wortlose Melodie von sich, drei oder vier T\u00f6ne nur.<\/p>\n<p>Schlagartig erstarrten alle Pferde, fast als w\u00e4ren sie aus Holz.<\/p>\n<p>Ungro verlor beinahe den Halt und w\u00e4re fast aus dem Sattel gerutscht. Cr\u00f3s Reittier stand so ruckartig still, dass es ihm wie ein Sto\u00df durch den R\u00fccken fuhr.<\/p>\n<p>\u201eSo\u201c, sagte der Reiter, \u201eist es wohl besser.\u201c<\/p>\n<p>Cr\u00f3 \u00e4chzte und sch\u00fcttelte sich. Nun erst fand er die Zeit, den fremden Reiter genauer anzuschauen. Ein schlanker Mann in schwarzen Gew\u00e4ndern, mit einem breitkrempigen Hut auf dem Kopf. Viel mehr erkennen konnte man nicht, denn Patagh\u00edus sinkender Glanz stand genau in seinem R\u00fccken, sodass er f\u00fcr den Moment erschien wie merkw\u00fcrdig scharfer Schattenriss. Sein Ross war ein pr\u00e4chtiges Feuerblut mit pechschwarzem Fell, gegen das das Handpferd an seiner Seite regelrecht stumpf und m\u00fcde wirkte. Ein roter Schecke war es, den der Mann in Schwarz da am Z\u00fcgel f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Cr\u00f3 runzelte misstrauisch die Stirn. Den Schecken kannte er doch?<\/p>\n<p>\u201eWie habt Ihr das gemacht?\u201c, staunte Ungro und hangelte sich wieder in einen aufrechten Sitz.<\/p>\n<p>\u201eEs ist gelungen\u201c, sagte der Schwarzgewandete am\u00fcsiert. \u201eDas sollte Euch reichen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir haben keine Zeit zu verlieren. Ich komme im Namen von Venghi\u00e1r Emberbey. Der w\u00fcnscht seine unverzichtbaren Knechte unverz\u00fcglich auf seiner Burg zu sehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201e<em>Seine<\/em> Burg?\u201c, fragte Cr\u00f3 verdutzt.<\/p>\n<p>\u201eNachdem Herr Alsg\u00f6r nun hinter den Tr\u00e4umen ist \u2026 ja.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDen alten Fisch hat\u2019s erwischt?\u201c<\/p>\n<p>Der Schwarzgewandete wandte sich Ungro zu. \u201eM\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen nicht mehr f\u00fcr Verdruss sorgen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEndlich\u201c, sagte Ungro herzlich. \u201eDas wird Herrn Venghi\u00e1r m\u00e4chtig freuen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHalt den Mund!\u201c, fauchte Cr\u00f3 ihn an. Konnte man denn wissen, wie der unheimliche Kerl zu <em>yarl<\/em> Emberbey stand? Eine Taktlosigkeit konnte sich schnell r\u00e4chen. Und an die schwarze Gestalt gewandt fragte er: \u201eUnd wer seid Ihr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch? Ich bin ein guter Vertrauter von Herrn Venghi\u00e1r. Der ist zurzeit auf der Burg unabk\u00f6mmlich. Nichtsdestoweniger w\u00fcnscht er, endlich jeden und das seine <em>unverz\u00fcglich<\/em> wieder in seinen Mauern zu wissen. Sowohl euch zwei als auch die Pferde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEines fehlt uns noch!\u201c, rief Ungro.<\/p>\n<p>\u201eNein.\u201c Der Fremde deutete auf den Schecken. \u201eDen Weg habe ich Euch schon abgenommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber woher \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eLasst die unn\u00fctzen Fragen\u201c, r\u00fcgte der Schattenriss. \u201eEs ist h\u00f6chste Eile.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir waren auf direktem Weg unterwegs zu Herrn Venghi\u00e1r\u201c, erkl\u00e4rte Cr\u00f3 rasch.<\/p>\n<p>\u201eAber noch nicht seit Langem. Erwartet nicht, dass Herr Venghi\u00e1r Euch Eure Auslagen erstattet. Und nun kommt mit.\u201c<\/p>\n<p>Er wendete sein Pferd und lenkte es nordw\u00e4rts, auf das sinkende Licht zu. Der Schecke trottete gehorsam hinterdrein. Einen feinen Mantel trug der unheimliche Reiter, mit einer merkw\u00fcrdigen Stickerei aus Silberf\u00e4den auf dem R\u00fccken.<\/p>\n<p>\u201eHe!\u201c, rief Cr\u00f3. \u201eIhr seid uns schon eine bessere Erkl\u00e4rung schuldig!\u201c<\/p>\n<p>\u201eJetzt gleich? Ich es euch nicht mehr wichtig, die Nacht in einem Bett unter einem Dach zu verbringen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber \u2026\u201c<\/p>\n<p>Der Reiter winkte ihnen ungeduldig. \u201eKommt! Solange Ihr mir nachreitet, verlieren wir keine Zeit. Auf! Herr Venghi\u00e1r wartet!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa dann\u201c, murmelte Ungro und trieb seinen Gaul an. Zu Cr\u00f3s gro\u00dfer \u00dcberraschung setzte das gerade noch so aufgebrachte Pferd sich brav in Bewegung. Brav, aber irgendwie ungelenk. Schleppend. Die Handpferde taten es ihm nach und zockelten steifbeinig hinterdrein.<\/p>\n<p>Cr\u00f3 schauderte. Dann spornte auch er sein Pferd wieder an. Es gehorchte und trabte los.<\/p>\n<p>Es tat genau das, was es sollte, ohne Zaudern und Widerstand. Das war zwar angenehm, aber es f\u00fchlte sich \u2026 nicht ganz richtig an.<\/p>\n<p>Wo Venghi\u00e1r Emberbey diese seltsame Gestalt wohl aufgelesen hatte? Ob das auch einer seiner Freunde oder Vorgesetzten aus Rodekliv war? Immerhin: Er hatte das f\u00fcnfte Pferd bei sich, musste also \u00fcber den fehlgeschlagenen Plan im Bilde sein. Aber wie hatte er sie hier, mitten in der Ein\u00f6de, so gezielt aufsp\u00fcren k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>\u201eBeeilt euch\u201c, forderte der Reiter. \u201eIch habe keine Geduld mehr, l\u00e4nger zu warten, als dass Nokt\u00e1mas Schleier aufgezogen ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnm\u00f6glich! Selbst wenn wir die Nacht durchreiten, brauchen wir mindestens bis mittags nach Emberbey!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas\u201c, lachte der Reiter, \u201elasst nur meine Sorge sein.\u201c<\/p>\n<p>Er trieb sein Pferd weiter, ohne weiter auf die beiden M\u00e4nner zu achten.<\/p>\n<p>Ungro warf Cr\u00f3 einen beunruhigten Blick zu. Offenbar hatte er endlich gemerkt, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmte.<\/p>\n<p>\u201eCr\u00f3\u201c, zischte er halblaut, \u201eder Kerl ist unheimlich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr ist mit dem Giftwurm im Bunde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSoll\u2019n wir abhauen? Pferde loslassen und ab daf\u00fcr?\u201c<\/p>\n<p>Cr\u00f3 biss sich auf die Lippen. Lange nachdenken musste er nicht.<\/p>\n<p>\u201eKannste vergessen\u201c, sagte er dann. \u201e<em>Dem<\/em> entkommen wir nicht.\u201c<\/p>\n<p>Die vielen Pferde folgten dem schwarzen Reiter, brav wie eine von unsichtbaren Hunden gelenkte Schafherde. Die M\u00e4nner h\u00f6rten den Fremden beunruhigend heiter vor sich hin summen.<\/p>\n<p>Kalt war es geworden. Und aus den Wiesen zog Nebel auf.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Advon beneidete D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p>Wenn sie es eilig hatte, verwandelte sie sich einfach in einen Vogel und flatterte davon. Wenn sie es <em>sehr<\/em> eilig hatte, tauchte sie in den Schatten und kam an anderer Stelle wieder zum Vorschein. Er aber, er musste die Strecke von der Burg bis zum Versteck im Wald beim Turnierlager zu Fu\u00df zur\u00fccklegen, ganz ohne Reittier. Das kostete Zeit, die er anderswo besser h\u00e4tte nutzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Kaum war er weit genug von der Burg entfernt, zerrte der Magier sich \u00e4rgerlich die Bandagen vom Kopf. Das war gar nicht so einfach, denn Isan war eine Meisterin darin, einen Verband sicher anzulegen. Das Eisenzeug in dem Sack klirrte bei jedem Schritt. Menschen kamen Advon auf der Stra\u00dfe entgegen, einmal sogar ein Ritter in Begleitung eines j\u00fcngeren, der m\u00f6glicherweise sein Sohn war. Der Junge blickte ungl\u00fccklich drein, w\u00e4hrend sein Vater streng auf ihn einredete. Im Vorbeigehen schnappte Advon auf, dass es darum ging, wie man sich vor der <em>teirandanja<\/em> zu betragen habe, um seiner Familie keine Schande zu machen.<\/p>\n<p>Advon achtete kaum darauf. Zu sehr kreisten seine Gedanken um den Betrug, dessen Opfer er geworden war. Wenn Andri\u00e9r Altabete die Wahrheit gesagt hatte \u2013 und warum sollte er l\u00fcgen? \u2013 hatte der wappenlose Ritter ihn auf eine unfassbar dreiste Art hereingelegt. Er hatt das sch\u00f6ne Pferd f\u00fcr sich stehlen und sich sogar noch daf\u00fcr bezahlen lassen. Advon wusste nicht, wor\u00fcber er erz\u00fcrnter sein sollte: \u00dcber die Niedertracht, die ihm widerfahren war, oder seine eigene Arglosigkeit und Einfalt.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hatte diese Episode ihn einen Teil des Eisenzeugs gekostet, sicherlich auch die Waffen, die nach dem \u00dcbungskampf im Wald zur\u00fcckgeblieben waren. Daf\u00fcr mussten sie nun Ersatz beschaffen, erneut heimlich in den Turmkeller schleichen und die alten, defekten Ausr\u00fcstungen nach Brauchbarem durchsuchen. Zeug von M\u00e4nnern, die vor Generationen einmal f\u00fcr Wijdlant gek\u00e4mpft hatten.<\/p>\n<p>Advon tr\u00f6stete sich mit dem Gedanken, dass D\u00fdamir\u00e9e sicher daran denken w\u00fcrde, dass er sich nachr\u00fcsten musste. Wenn sie in der Nacht gleich mit Manj\u00e9v eine Auswahl traf, w\u00fcrde er sich darum nicht k\u00fcmmern m\u00fcssen. Aber ob die M\u00e4dchen jetzt Gedanken daf\u00fcr hatten?<\/p>\n<p>Der Magier erreichte die Stelle, an der er von der Stra\u00dfe herunter und durch den Wald abk\u00fcrzen musste, um zum urspr\u00fcnglichen Versteck zu gelangen. Er schaute sich um, vergewisserte sich, dass niemand in der N\u00e4he war, und schlug sich leise in die B\u00fcsche. Ganz so lautlos, wie er es sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte, ging es nicht, denn der Sack mit dem sperrigen Inhalt behinderte ihn und blieb immer wieder an Zweigen h\u00e4ngen.<\/p>\n<p><em>Ich raschele so laut wie ein gro\u00dfes Waldschwein<\/em>, dachte Advon finster. <em>Was w\u00fcrde Mama, was w\u00fcrde Papa denken, wenn sie mich nun sehen w\u00fcrden? So peinlich ist das alles, ich muss mich h\u00fcten, es niemandem zu erz\u00e4hlen!<\/em><\/p>\n<p>Und Meister Yalomiro? D\u00fdamir\u00e9es Vater? Der durfte nie und nimmer von der Pechstr\u00e4hne erfahren, die im anhaftete. Der Schattens\u00e4nger w\u00fcrde sich k\u00f6stlich <em>am\u00fcsieren<\/em>. Meisterin Salghi\u00e1ra w\u00fcrde Verst\u00e4ndnis haben und ihn vielleicht sogar aufmunternd zusprechen. Meister Yalomiro aber w\u00fcrde sich \u2013 und das zu Recht! \u2013 Gedanken darum machen, ob seine Tochter an der Seite eines so einf\u00e4ltigen Tropfes tats\u00e4chlich gut aufgehoben w\u00e4re.<\/p>\n<p>Advon seufzte. Das war eine Niederlage, f\u00fcr den Meister C\u00fdel\u00fa ihn schelten w\u00fcrde. Oder, was noch schlimmer w\u00e4re: Wovon er zutiefst <em>entt\u00e4uscht<\/em> gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Unter solchen Gr\u00fcbeleien erreichte er die Stelle, an der sie das goldene R\u00fcstzeug und Advons eigene Waffen versteckt und in Farbenspiels Obhut zur\u00fcckgelassen hatten.\u00a0 Advon l\u00f6ste den Zauber \u00fcber dem Versteck und warf den Sack mit lautem Geschepper daneben.<\/p>\n<p>\u201eFarbenspiel? Komm her! Du musst dich nicht verstecken.\u201c<\/p>\n<p>Aber der Hengst war nirgends zu sehen. Advon runzelte die Stirn und schaute sich verwundert um.<\/p>\n<p>\u201eFarbenspiel?\u201c<\/p>\n<p>Ein kleiner Laubfuchs, der in der N\u00e4he vorbei schn\u00fcrte, hielt inne und schaute den Magier wachsam an. Dann flitzte er weiter und verschwand zwischen den B\u00e4umen.<\/p>\n<p>Advon sp\u00fcrte ein Gef\u00fchl in sich aufsteigen, das er nur sehr selten hatte. Unbehagen. Er ging einige Schritte weiter in den Wald und fand tats\u00e4chlich Spuren, dort wo Farbenspiel den Boden aufgescharrt und weitr\u00e4umig Geb\u00fcsch und junge B\u00e4ume verbissen hatte.<\/p>\n<p>\u201eFarbenspiel! Das ist nicht spa\u00dfig! Zeig dich!\u201c<\/p>\n<p>Ein Specht h\u00e4mmerte, irgendwo hoch oben in den Wipfeln. Ansonsten blieb es ruhig. Es lie\u00df sich nicht leugnen. Das Einhorn war verschwunden. Den riesigen hell schimmernden K\u00f6rper zu \u00fcbersehen, war schlicht nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Advon fluchte. Das hatte ihm nun noch gefehlt.<\/p>\n<p>\u201eFarbenspiel! Ich <em>will<\/em>, dass du herkommst! Augenblicklich!\u201c<\/p>\n<p>Aber auch der strengste Zauber, den Advon in Gedanken auf das Einhorn richtete, brachte es nicht wieder zum Vorschein. Das konnte nur bedeuten, dass Farbenspiel nicht in der N\u00e4he war. Ein solcher Ungehorsam jedoch passte nicht zu ihm. Wenn der Hengst seinen Platz verlassen hatte, dann musste er einen sehr guten Grund daf\u00fcr gehabt haben.<\/p>\n<p>\u201eWomit habe ich das verdient\u201c, murmelte Advon und rieb sich die Schl\u00e4fe. Sein Kopf schmerzte, und das war nicht allein eine Nachwirkung des Schlages, den der Wappenlose ihm beigebracht hatte.<\/p>\n<p>Einen Moment stand er da, haderte mit seinem Los und w\u00fcnschte sich nichts sehnlicher, als D\u00fdamir\u00e9e an seiner Seite zu haben. Vorzugsweise weit fort von hier, in den herrlichen G\u00e4rten auf den H\u00fcgeln unweit des Ciel\u00e1stel. Doch es half nichts. Nicht auszudenken, wenn das Tier Menschen unter die Augen kam!<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem \u00c4rger und noch gr\u00f6\u00dferer Sorge begann Advon, den Boden abzusuchen, so lange, bis er im weichen Waldboden Trittspuren fand, tiefe Abdr\u00fccke von m\u00e4chtigen, gespaltenen Klauen. Spuren, die geradewegs auf das Ritterlager hinter dem anderen Ende des Waldst\u00fccks zu f\u00fchrten.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4664","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4664"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4668,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4664\/revisions\/4668"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4664"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4664"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4664"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}