{"id":4544,"date":"2025-10-06T00:15:56","date_gmt":"2025-10-05T22:15:56","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4544"},"modified":"2025-12-15T20:33:10","modified_gmt":"2025-12-15T19:33:10","slug":"042-rolk-und-das-verdoppelte-pferd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/10\/06\/042-rolk-und-das-verdoppelte-pferd\/","title":{"rendered":"043: Rolk und das verdoppelte Pferd"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>\u201eRolk?\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 stapfte durch den Wald und wurde mit jedem Schritt ungehaltener. Nicht nur, dass Andri\u00e9r Altabete im schlechtestm\u00f6glichen Moment aufgetaucht war. Er hatte ihn auch noch viel zu lange aufgehalten mit seinen unbequemen Fragen. Das hatte Zeit gekostet, viel zu viel Zeit, in der Rolk viel Unfug h\u00e4tte anstellen k\u00f6nnen. Durch den wachsamen <em>yarl<\/em> hatte er den naiven jungen Ritter nicht schnell und in aller Stille aus dem Weg r\u00e4umen k\u00f6nnen. Was, wenn die Heiler in Wijdlant es tats\u00e4chlich fertig brachten, den Dummkopf wieder auf die Beine zu bringen? Wenn es dem jungen Mann irgendwie gelang, Altabete seine Version der Dinge vorzutragen?<\/p>\n<p>H\u00e4tten sie \u00fcberhaupt die Zeit, sich dieser Tage bei all dem Trubel eingehender mit einem Pferdedieb zu besch\u00e4ftigen?<\/p>\n<p>Riskieren wollte K\u00e1rar das nicht. Andererseits war nicht daran zu denken, zu dem Gefangenen vorzudringen und den Todessto\u00df nachzuholen. Das machte die Situation unberechenbar. Das war nicht gut, doch noch schlechter w\u00e4re es, nun keinen k\u00fchlen Kopf zu bewahren. Wer nerv\u00f6s wurde, machte Fehler. Fehler k\u00f6nnten seine Teilnahme am <em>vaspos\u00e1r<\/em> gef\u00e4hrden, und das durfte unter gar keinen Umst\u00e4nden geschehen!<\/p>\n<p>Verflucht! Warum waren die M\u00e4chte ihm nicht gewogen? Es war ein so guter Plan gewesen!<\/p>\n<p>Mit geschickten Worten und in allen Details hatte K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 Altabete geschildert, wie er dem fremden Ritter begegnet und wie dieser zu dem Pferd und es anschlie\u00dfend zum Zweikampf im Wald gekommen war. Makellos und schl\u00fcssig war das gewesen. Ebbmo Ferocriv\u00e9, dachte K\u00e1rar sich, w\u00e4re sicher stolz auf seine Geistesgegenwart und \u00dcberzeugungskraft gewesen. Ja, seinem Vater wollte und w\u00fcrde er keine Schande machen.<\/p>\n<p>Dennoch: Andri\u00e9r Altabete schien nicht so ganz \u00fcberzeugt gewesen zu sein. Streng und sachlich hatte er zugeh\u00f6rt. Einige kritische Zwischenfragen hatte er gestellt, denen K\u00e1rar so elegant ausgewichen war wie ein Aal. Dann war der Gehilfe des <em>yarl<\/em> mit einem Fuhrwerk herbeigeeilt und man hatte den Besinnungslosen rasch verladen und mitsamt seinem verbliebenen Eisenzeug abtransportiert.<\/p>\n<p>Er m\u00f6ge sich bereithalten, hatte Altabete noch gesagt. Er w\u00fcrde sich sp\u00e4ter am Tag erneut zum Turnierlager begeben und w\u00fcnsche, dort mit ihm zu reden.<\/p>\n<p>Er freue sich \u00fcber den Besuch des hochedlen <em>yarl<\/em> der hoheitlichen Gastgeberin, hatte K\u00e1rar gelogen, und st\u00fcnde jederzeit zu Diensten. Dann hatte mit Ungeduld so lange gewartet, bis die M\u00e4nner mit dem ohnm\u00e4chtigen Trottel auf dem Karren au\u00dfer Sicht waren. Als die Luft endlich rein war, war er tiefer in das Waldst\u00fcck hineingeeilt, grob in die Richtung, in der Rolk weggegangen war, weg vom Lager und von der Stra\u00dfe. Es eilte! Er musste sich sputen.<\/p>\n<p>Das Pferd musste verschwinden. Unverz\u00fcglich!<\/p>\n<p>\u201eRolk!\u201c<\/p>\n<p>Jemand antwortete aus einiger Entfernung. K\u00e1rar bahnte sich erleichtert den Weg durch Unterholz und kn\u00f6cheltiefes, feuchtes Herbstlaub einen Hang hinab und entdeckte endlich die kr\u00e4ftige Farbe von Rolks Gew\u00e4ndern zwischen den B\u00e4umen. Der Knappe kam ihm eilig entgegen. Sein Wams war ziemlich fleckig, dort wo er sich die H\u00e4nde abgewischt hatte, und seine Finger sahen aus, als habe er in Erde gew\u00fchlt.<\/p>\n<p>\u201eHerr! Ich hab Euch nicht kommen sehen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eBist du fertig?\u201c<\/p>\n<p>\u201eFertig? Ach so, fertig mit dem Pferd! Kommt, Herr, schaut es Euch selbst an!\u201c<\/p>\n<p>Er winkte, ihm zu folgen, und f\u00fchrte den Ritter an eine Stelle, an der junge Buchen dicht beieinanderstanden und mit ihren herbstwelken Bl\u00e4ttern eine lichte Wand bildeten. Jemand, der sich oben auf dem Weg bewegte, konnte beim fl\u00fcchtigen Schauen nicht sehen, was sich dahinter verbergen mochte. Der Junge schl\u00fcpfte hindurch.<\/p>\n<p>\u201eIch hoffe, du hast alles so gemacht, wie wir es besprochen hatten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich, Herr. Und das Pferd hat es sich ganz brav gefallen lassen. Schaut nur.\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar strich ein paar \u00c4ste beiseite und betrachtete Rolks Arbeit. Die Stute wandte ihren Kopf nach ihm und stellte aufmerksam die Ohren auf. Sie war an einem der jungen B\u00e4ume angebunden und schien sich \u00fcber das Treiben des J\u00fcnglings zu wundern. Aber wenn es etwas gab, worin Rolk ein gewisses Talent vorweisen konnte, dann war es sein Umgang mit R\u00f6ssern.<\/p>\n<p>\u201eSeid Ihr zufrieden, Herr?\u201c, fragte Rolk begierig.<\/p>\n<p>\u201eEs wird reichen\u201c, sagte K\u00e1rar knapp, um ihm nicht allzu stolz zu machen. Tats\u00e4chlich war er beeindruckt, wie umsichtig sein Knappe mit dem, was zur Verf\u00fcgung stand, getan hatte, was n\u00f6tig war. Um das Pferd herum lagen lauter blonde Str\u00e4hnen auf dem Herbstlaub. Da das Geschenk von Mad\u00fdc Yceliar nicht so reichlich war, dass sie verschwenderisch damit umgehen konnten, hatte Rolk M\u00e4hne, Schweif und sogar die K\u00f6tenhaare so kurz gestutzt, wie es gerade noch akzeptabel aussah. Was stehen geblieben war, gl\u00e4nzte nun noch etwas feucht und grauschwarz wie Asche. Eine Farbe, die K\u00e1rars Meinung nach, der <em>teirandanja<\/em> ohnehin nicht besonders gut gestanden h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Mit der \u00fcbrig geblieben Farbe hatte Rolk wohl gerade noch ein Abzeichen auf die Pferdestirn malen wollen, denn am Boden stand das Tiegelchen mit der Farbe und dem K\u00e4mmchen, das ebenfalls in Ycelias Gastgeschenk enthalten gewesen war.<\/p>\n<p>\u201eBist du sicher, dass dich niemand beobachtet hat?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher, Herr. Zuerst dachte ich, ich h\u00e4tte es einmal im Unterholz knacken h\u00f6ren. Aber das war wohl nur ein Waldschwein oder ein Hirsch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSehr sch\u00f6n\u201c, sagte K\u00e1rar. Er nahm den Tiegel an sich, denn wer konnte ahnen, wie viel davon sie ben\u00f6tigen w\u00fcrden? Der Junge musste nicht mehr verwenden als n\u00f6tig. \u201eUnd jetzt h\u00f6r mir zu. Sieht zu, dass du die Haare hier im Laub vergr\u00e4bst. Sobald die Haarfarbe trocken ist, nimmst du das Pferd, l\u00e4ufst damit ein St\u00fcck durch den Wald und bringst es zum Turnierlager. Sieh zu, dass du von S\u00fcden herankommst und dich m\u00f6glichst viele Leute dabei sehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas kann ich mir merken, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Bring das Pferd zu den Pferchen. Du musst es ganz den Regeln nach beim <em>maedlor<\/em> anmelden. Sag, ich h\u00e4tte dich losgeschickt, um mein Ersatzpferd herzubringen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMach ich, Herr. Was sage ich, wenn jemand fragt, wo ich es hergenommen habe? Also, warum wir es nicht gleich dabei hatten?\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 hob die Brauen. Rolk \u00fcberraschte ihn schon wieder. Der Junge dachte mit!<\/p>\n<p>\u201eSag, wir h\u00e4tten es f\u00fcr einige Tage bei einem Bauern n\u00f6rdlich von hier untergestellt. Sag ihnen, es habe sich kurz vor der Burg vertreten und brauchte Ruhe, um den Weg fortzusetzen.\u201c Die Idee war gut. Eine kurzzeitige Lahmheit lie\u00df sich schwer widerlegen. Zudem hatte Rolk keine Gelegenheit gehabt, in den letzten beiden Tagen Bekanntschaften innerhalb des Turnierlagers zu schlie\u00dfen. Kaum jemandem w\u00e4re wohl aufgefallen, ob er eine Weile ab- oder anwesend gewesen war. Wer von den hochn\u00e4sigen <em>yarlay<\/em> und ihren Leuten achtete auf einen heruntergekommenen Knappen eines namenlosen Ritters? Bei den M\u00e4chten, nicht einmal der gro\u00dfm\u00e4ulige Ycelia hatte ihn am Vorabend gesehen! Es war perfekt.<\/p>\n<p>\u201eDas ist eine gute Idee\u201c, sagte Rolk eifrig. Etwas zu eifrig.<\/p>\n<p>\u201eErz\u00e4hl das aber nur, wenn jemand ausdr\u00fccklich danach fragt. Nicht, dass dich deine Fantasie mitrei\u00dft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVerstanden, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Dann noch etwas. Es ist gut m\u00f6glich, dass dich <em>yarl<\/em> Altabete fragt, ob du das Pferd gesehen hast.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, dieses hier.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann antworte ich ihm, dass ich es bei einem Bauern \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein! Altabete interessiert sich einen Dreck f\u00fcr dieses Pferd hier. Das geh\u00f6rt jetzt mir.\u201c<\/p>\n<p>Rolk runzelte verwirrt die Stirn. K\u00e1rar seufzte.<\/p>\n<p>\u201ePass auf, Rolk. Es sind jetzt zwei Pferde. Das hier, mit der dunklen M\u00e4hne. Und das Blonde, das es zuvor war. F\u00fcr das, und nur daf\u00fcr, interessiert sich der <em>yarl<\/em>. Und dem wirst du erz\u00e4hlen, dass es dir entsprungen und in den Wald gehetzt ist, nachdem der junge Ritter es dir anvertraut hatte.\u201c<\/p>\n<p>Rolk dachte sichtlich \u00fcberrascht nach. Dann erhellte sich sein Blick. \u201eIch verstehe. Das Pferd des Ritters hat sich hier im Wald in Euers verwandelt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMit deiner Hilfe, Rolk, ganz recht. Nun ist es nur wichtig, dass du unter gar keinen Umst\u00e4nden das alte und das neue Pferd durcheinanderwirfst. Altabete muss nur wissen, dass der Ritter das blonde Pferd bei sich hatte und es dir verloren ging. Mit was f\u00fcr einem Gaul ich hier bin, geht ihn einen feuchten Kehricht an. Das dunkle Pferd wird ganz nach den Regeln am Turnier teilnehmen.\u201c<\/p>\n<p>Der Junge nickte. Die Stute hob den Kopf. Ein leises Wiehern lie\u00df sie h\u00f6ren. Rolk streichelte ihr beruhigend die Nase und hinterlie\u00df dabei einen grauen Abdruck, zum Gl\u00fcck an einer Stelle, wo es als Staub durchging.<\/p>\n<p>\u201eWoran erkenne ich, wem ich was erz\u00e4hlen soll?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAm besten kommst du sofort zu mir, sobald du die Stute angemeldet hast, und weichst mir nicht mehr von der Seite. Ich werde genau achtgeben, mit wem du \u00fcber was redest, Du musst dich nicht sorgen, dass du dabei einen Fehler machst. Daf\u00fcr sorge ich wohl.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDanke, Herr. Da bin ich m\u00e4chtig froh dr\u00fcber.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSollte Altabete dennoch schneller wieder da sein, als ich annehme: Er tr\u00e4gt einen gr\u00fcnen Waffenrock mit einem Schafbock im Wappen. Jemand hat ihm einst seine Wange zerschlitzt. Die Narbe ist nicht zu \u00fcbersehen. Du kannst ihn nicht verwechseln.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch merk mir das, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut.\u201c K\u00e1rar schloss den Tiegel und steckte ihn ein. \u201eDann spute dich jetzt und verlier keine Zeit. Und mache blo\u00df keine Dummheiten, Kerl. Mit etwas Gl\u00fcck machen sie sich auf die Suche nach dem Pferd und bereiten uns keine Scherereien.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Ich z\u00e4hle auf dich.\u201c K\u00e1rar wollte sich abwenden, warf einen letzten Blick auf seinen diensteifrigen Knappen und bemerkte gerade noch rechtzeitig, was nicht stimmte. \u201eUnd Rolk &#8230; bevor du losgehst, kehre dein Hemd auf die Innenseite und mach deine dreckigen H\u00e4nde sauber. Es muss nicht jeder sehen, wie du herumgeschmiert hast.\u201c<\/p>\n<p>Rolk err\u00f6tete, nickte und zog sich verlegen das beschmierte Geand \u00fcber den Kopf. Ob er alles wirklich richtig verstanden hatte? Aber es war nun keine Zeit, Rolk genau zu erkl\u00e4ren, was vorgefallen war. Das musste er sp\u00e4ter in Ruhe tun. Wichtig war nun, dass er Altabetes R\u00fcckkehr nicht verpasste. Gru\u00dflos wandte der Ritter sich ab und trat hinter den Buchen hervor. Schnell zur\u00fcck zum Turnierlager.<\/p>\n<p>Er erklomm den Anhang und strebte wieder auf den Waldweg, der Burg und Turnierlager verband. Still war es hier. Warmgoldenes Sonnenlicht drang durch die bunten Baumkronen. Ab und zu trommelte ein Specht oder ein kleineres Tier huschte durch das Laub. Einmal glaubte K\u00e1rar, etwas Gr\u00f6\u00dferes geh\u00f6rt zu haben, aber als er sich umschaute, war nichts zu sehen. Vielleicht wirklich ein Waldschwein.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich w\u00e4re es das beste, im Turnierlager sofort zu den Pferchen zu gehen und Rolk zu erwarten. Solange er selbst ein Auge darauf hielt, w\u00fcrde zumindest das wohl gutgehen. Das sch\u00f6ne Pferd, das war nun leider verschandelt. Aber das tat der Sache f\u00fcr den Moment keinen Abbruch. Schweif und M\u00e4hne w\u00fcrden nachwachsen. Wenn es nur nicht ausrechnet in den n\u00e4chsten Tagen anfinge, zu regnen.<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9s Laune besserte sich, je n\u00e4her er dem Turnierlager kam. Warum sollte etwas schiefgehen? Der Plan war gut. Altabete w\u00fcrde vergebens den Wald nach einem entlaufenen Pferd absuchen lassen, wenn es neben all den wichtigen Dingen \u00fcberhaupt den Aufwand wert war. Selbst wenn der junge Ritter ihm die Geschichte vom n\u00e4chtlichen Pferdekauf auftischte \u2013 wer w\u00fcrde ihm glauben? Und wer w\u00fcrde damit rechnen, dass die kostbare Beute unter aller Augen offen verwahrt wurde?<\/p>\n<p>Als die Zelte in Sicht kamen, summte K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 bereits wieder vergn\u00fcgt vor sich hin. Dass es Rolk ein wenig \u00dcberredung kostete, die Stute schlie\u00dflich wegzuf\u00fchren, das bekam der Ritter nicht mit. Das Tier schien keine Lust zu haben, den Wald zu verlassen. Doch am Ende gehorchte es dem Menschen, so wie sie es gelernt hatte.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Als die beiden M\u00e4nner fort waren, regte sich etwas in einem dichten Schlehenbusch oberhalb der Senke. Farbenspiel trat vorsichtig aus seinem Versteck hervor und folgte mit bebenden N\u00fcstern dem lieblichen Geruch. Es duftete so gut nach dem fl\u00fcgellosen Pferdetier, das sein Herr von den Unkundigen mitgebracht hatte! Hier war sie gewesen. Er hatte sie nicht aus den Augen gelassen.<\/p>\n<p>Das Einhorn scharrte die Haarstr\u00e4hnen wieder unter dem Laub hervor und schnupperte. Die Menschen hatten ihr also das Haar abgeschnitten und sie mit einer Farbe bemalt. Sein Herr hatte ebenfalls seine eigenen Haare gestutzt und sich zwar nicht angemalt, aber seltsames klobiges Metallzeug angelegt, das seltsam an ihm aussah. Ob beides denselben Grund hatte?<\/p>\n<p>Und, was viel wichtiger war: Wo war er? Wo war Advon Ir\u00edsolor, sein Herr? Wieso hatten die beiden fremden Unkundigen nun die sch\u00f6ne Stute, und warum waren sie in unterschiedliche Richtungen davongegangen?<\/p>\n<p>Hier hatte sie gestanden, die Liebliche, eine ganze Weile. In der Luft hing ihr s\u00fc\u00dfer Geruch, einer, der besser war als die Pflanzen in den Beeten der Unkundigen, besser als das Fr\u00fcchtebrot und das Honiggeb\u00e4ck, die sein Herr oft aus der Tasche holte und ihm schenkte.<\/p>\n<p>Farbenspiel witterte und flehmte. Ohne sich dessen bewusst zu sein, \u00f6ffnete er seine Fl\u00fcgel und bem\u00fchte sich, imponierend und stark auszusehen, auch wenn sie ihn gar nicht sehen konnte.<\/p>\n<p>Dort war sie entlang gegangen, gemeinsam mit dem jungen Menschen. Sollte er ihr folgen?<\/p>\n<p>Der Hengst war unentschlossen. Es war schon nicht recht gewesen, dass er gegen den Willen seines Meisters das Versteck verlassen hatte. Aber was hatte der Meister auch f\u00fcr eine Ahnung, wie herrlich das fl\u00fcgellose St\u00fctchen duftete.<\/p>\n<p>Der andere Mensch, der trug ebensolches Eisenzeug wie sein Herr. Ob beide sich an einem Ort getroffen hatten, an dem viele M\u00e4nner mit Eisenzeug sich versammelten? Ob es in dieser Richtung eine Herde von Eisenm\u00e4nnern gab, \u00e4hnlich wie die Goldger\u00fcsteten daheim bei der bunten Burg, wo sein Stall war?<\/p>\n<p>Menschen durften ihn nicht sehen. Das hatte sein Herr ihm unmissverst\u00e4ndlich gesagt. Es war nicht leicht, sich zu verbergen, wenn man so gro\u00df und bunt und unwiderstehlich war wie er, Farbenspiel. Der Hengst flatterte, wirbelte Laub und Haar auf. Einen Moment lang \u00fcberlegte er, was zu tun war. Dann machte er sich auf den Weg.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4544","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4544","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4544"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4544\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4625,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4544\/revisions\/4625"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4544"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4544"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4544"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}