{"id":4534,"date":"2025-10-04T22:22:12","date_gmt":"2025-10-04T20:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4534"},"modified":"2025-10-04T22:22:12","modified_gmt":"2025-10-04T20:22:12","slug":"042-merrit-hat-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/10\/04\/042-merrit-hat-angst\/","title":{"rendered":"042: Merrit hat Angst"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>\u201eIch frage mich, ob wir eine Dummheit begangen haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie meinst du das?\u201c<\/p>\n<p>Osse zuckte die Achseln. Er wusste nicht so recht, wie er es formulieren sollte. \u201eDieser V\u00fdnrath hat uns nicht die ganze Wahrheit gesagt. Vielleicht h\u00e4tten wir ihn doch nicht laufen lassen sollen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann m\u00fcssten wir jetzt einen Gefangenen mit uns herumschleppen. Das kostet uns Zeit, und wir w\u00fcrden uns in lauter Widerspr\u00fcche verwickeln, wenn wir in Wijdlant aufkreuzen. W\u00fcrdest Du riskieren wollen, dass jemand misstrauisch wird? Wenn er bei einem Verh\u00f6r wahrheitsgem\u00e4\u00df aussagen w\u00fcrde, wir h\u00e4tten ihn in Grootplen aufgegriffen, wenn ich doch in Althopian h\u00e4tte sein sollen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu hast ja recht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich.\u201c Merrit grinste. \u201eEr w\u00fcrde T\u00edjnjes ganzen sch\u00f6nen Plan in Unordnung bringen. Und das auch noch, w\u00e4hrend sie mit dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> genug zu tun haben. Und, ganz ehrlich: F\u00fcr uns \u00e4ndert sich nichts. Der falsche Bote, der richtige Brief.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie willst du verhindern, dass dein Vater sich wundert, dass du eben nicht bei ihm warst, um das Pferd zu holen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs wird ihn niemand fragen. Wenn mein Vater mit deinem Vater gemeinsam reist, sind wir vor ihm da. Ich bringe das Pferd mit. Warum sollte jemand nachforschen, unter welchen Umst\u00e4nden ich mir ein Ross aus dem eigenen Stall geholt habe und vor ihm zur\u00fcckgeeilt bin? Die haben alle genug Wichtigeres zu tun.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn es kein Pferd aus euren St\u00e4llen ist?\u201c<\/p>\n<p>Nun lachte Merrit. \u201eDenkst du, daran h\u00e4tte T\u00edjnje nicht gedacht? Sie wird wohl nicht gerade einen krummen Klepper von irgendeinem Gaulschacher gew\u00e4hlt haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn nun gegen alle Umsicht und Wahrscheinlichkeit doch jemand Verdacht sch\u00f6pft?\u201c<\/p>\n<p>Merrit sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eOsse, ein wenig Risiko ist bei allem dabei, was man tut. Du machst dir zu viele Gedanken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist meine Aufgabe. Ein <em>mynstir<\/em> muss f\u00fcr alles, was geschehen k\u00f6nnte, einen Plan bei sich haben. So gering auch die Wahrscheinlichkeit ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eManj\u00e9v wird sehr zu sch\u00e4tzen wissen, dich an ihrer Seite zu haben. Wei\u00dft du, bei allem Respekt f\u00fcr Herrn Daap \u2013 der hat sich wirklich langsam die Ruhe verdient, \u00fcber seine \u00c4cker hier zu wachen, ganz gem\u00fctlich von seiner kleinen Burg aus.\u201c<\/p>\n<p>Ja, die \u00c4cker. Osse schaute sich um. Wie dienlich w\u00e4re es ihnen gewesen, die eine oder andere Abk\u00fcrzung nehmen zu k\u00f6nnen. Aber die Felder am Wegesrand konnten sie nicht mehr betreten, denn hier war bereits Winterroggen ausgebracht, die Erde bereits von einem ganz feinen gr\u00fcnen Schimmer bedeckt. Osse fragte sich, wie gut die Ertr\u00e4ge wohl gewesen waren. Nun, in ein paar Tagen w\u00fcrde er die Aufzeichnungen der <em>spreghenay<\/em> zu sehen bekommen. In diesem Winter w\u00fcrde ihn Daap Grootplen wohl noch beraten, wie sie die Ernte gerecht im <em>teirandon<\/em> verteilen und mit den \u00dcbersch\u00fcssen handeln konnten. In einigen Monden w\u00e4re dies dann auch seine Sache. Was das betraf, war Osse zuversichtlich. Er hatte sich in seinen Lektionen \u00fcber geschickten und gerechten Handel zur gro\u00dfen Zufriedenheit seiner Lehrer anstellig gezeigt.<\/p>\n<p>Aber nun dr\u00e4ngten sich andere Dinge in sein Bewusstsein. Merrit hatte aus freien St\u00fccken die <em>teirandanja<\/em> erw\u00e4hnt. Wann, wenn nicht jetzt, k\u00e4me wohl noch einmal die Gelegenheit, wie zuf\u00e4llig, frei und ohne Zuh\u00f6rer zu reden? Den zwielichtigen Begleiter waren sie nun immerhin l\u00e4ngst los.<\/p>\n<p>\u201eMerrit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHm?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWirst du das Turnier gewinnen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch werde mir M\u00fche geben. Aber leicht wird das nicht. Man hat mir respekteinfl\u00f6\u00dfendes \u00fcber die Ritter aus Valvivant erz\u00e4hlt. Und diesen Bj\u00f6ngsten Robst\u00e9nar, den hast du ja selbst gesehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch glaube nicht, dass <em>yarl<\/em> Robst\u00e9nar mit dir um die Gunst der <em>teirandanja<\/em> streiten wird.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, ganz bestimmt nicht. Der will mir nur die Knochen brechen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00fcrde der <em>teirandanja<\/em> das Fest verderben.\u201c<\/p>\n<p>Merrit seufzte. Urpl\u00f6tzlich sah er gar nicht mehr so selbstsicher aus. Es versetzte Osse einen Stich, wie verletzlich der junge Ritter pl\u00f6tzlich schien.<\/p>\n<p>\u201eWas bedr\u00fcckt dich, Merrit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMich? Es ist alles in Ordnung.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu musst mich nicht t\u00e4uschen. Wir sind unter uns. Nur die Tiere h\u00f6ren uns zu, und die interessieren sich nicht f\u00fcr unsere Dinge.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist wirklich nichts.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMerrit. Erinnerst du dich nicht, damals, als wir miteinander in der Rosenlaube sa\u00dfen, am ersten Tag, an dem wir uns begegneten?\u201c<\/p>\n<p>Merrit l\u00e4chelte matt. \u201eIch erinnere mich, wie wir zusammen unter dem Tisch festsa\u00dfen, w\u00e4hrend unsere V\u00e4ter und der <em>teirand<\/em> sich berieten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd konnten wir nicht seit diesem Tag zusammen \u00fcber alles reden? Nur wir beide, nur zwischen uns? Das hat sich nicht ge\u00e4ndert, zumindest, was mich betrifft. Auch, wenn ich lange nicht hier war.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will dich nicht mit Dingen belasten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will dir tragen helfen.\u201c Osse warf ihm einen aufmunternden Blick zu. \u201eIch mag nicht die Kraft haben, um Eisen zu tragen, aber schwere Gedanken nehme ich dir gern ab.\u201c<\/p>\n<p>Merrit l\u00e4chelte. Osse musste dennoch eine Weile auf eine Antwort warten. Aber sie hatten Zeit.<\/p>\n<p>\u201eIch \u2026 nun ja. Ich wei\u00df nicht recht, wie ich es sage, ohne wie ein erb\u00e4rmlicher Feigling zu klingen. Ich f\u00fcrchte mich vor dem <em>vaspos\u00e1r<\/em>. Nicht vor dem Turnier, vor dem Wettstreit. Das ist was f\u00fcr Wiegenkinder.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie ruhmreichsten K\u00e4mpfer kommen nicht wegen Kinderkram aus allen Winkeln des Weltenspiels heran.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDoch, es ist Kinderkram, im Vergleich mit dem, was mir im Kopf und im Herzen herumgeht, Osse. Ich muss mich nicht vor den anderen Rittern beweisen, sondern vor Manj\u00e9v.\u201c<\/p>\n<p>Ob er das vor den anderen, vor L\u00e1as und J\u00e1ndris jemals ausgesprochen hatte? Nun, neugierige Nachfragen zu stellen w\u00e4re vielleicht ungeschickt. Aber vielleicht versp\u00fcrte Merrit selbst den Wunsch, sich Verschwiegenes von der Seele zu reden. Osse schaute auf den Hals seines Maultieres hinab, das geduldig neben Merrits Streitross her zockelte. Das Pferd des falschen Boten f\u00fchrten sie am langen Z\u00fcgel nach. Der Himmel \u00fcber den Feldern war strahlend blau. Mehrere Greifv\u00f6gel teilten ihn sich und zogen hoch \u00fcber ihnen ihre Kreise.<\/p>\n<p>\u201eAm Abend vor dem Turnier\u201c, redete Merrit nach einer Weile weiter, \u201ebevor das Fest beginnt, da bringen wir Manj\u00e9v unsere Geschenke dar. So, wie es die Sitte verlangt. Und sie wird uns am Morgen ebenfalls beschenken und uns Gl\u00fcck f\u00fcr das Turnier w\u00fcnschen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df\u201c, sagte Osse, der die alten Zeremonien auswendig kannte. \u201eWir werden wohl auch ein drittes Mal vom Brot essen, das sie uns reicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn ich es verderbe\u201c, antwortete Merrit leise, \u201edann brauche ich gar nicht erst anzutreten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas sollst du denn daran verderben? Du bist der Favorit der <em>teirandanja<\/em>!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie hat in den letzten Dutzend Monden nicht mit mir geredet. Das hei\u00dft, nicht unter vier Augen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKein einziges Wort. Ich habe es so oft versucht, Osse, regelrecht aufgelauert habe ich ihr, nur f\u00fcr ein paar Herzschl\u00e4ge mit ihr allein. Aber sie <em>war<\/em> nie allein. Entweder waren L\u00e1as und J\u00e1ndris in der N\u00e4he, oder sie hatte Truda und T\u00edjnje bei sich. Meist alle beide.\u201c<\/p>\n<p>\u201eH\u00e4ttest du sie nicht um eine Unterredung bitten k\u00f6nnen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas habe ich getan, als ich einmal sicher wusste, dass die M\u00e4dchen mit einem Auftrag abgelenkt waren. Manj\u00e9v hatte zugesagt. Aber als ich zu ihrem Gemach ging, war die <em>opayra<\/em> bei ihr. Du wei\u00dft, an der <em>opayra<\/em> kommt niemand vorbei. Die ist wachsamer als Herr J\u00f3ndere. Ganz offensichtlich will Manj\u00e9v nicht mit mir allein sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher hat sie ihre Gr\u00fcnde, und die werden ganz harmlos sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs macht mich ganz irre. Nie habe ich irgendetwas getan, was unartig oder anma\u00dfend gewesen sein k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat sie dich denn einmal ger\u00fcgt oder verspottet?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Niemals. Wenn jemand dabei ist, redet sie mit mir wie mit allen anderen auch. Aber sie ist so \u2026 fern. Wenn ich ihr Favorit w\u00e4re, so wie es alle behaupten\u201c, erz\u00e4hlte Merrit bitter, \u201edann sollte sie versessen darauf sein, Zeit mit mir zu verbringen. In jedem seichten Roman, in jeder schw\u00fclstigen Geschichte der schlechtesten <em>b\u00e1chorkoray<\/em> ist das so. Bei den M\u00e4chten, sogar Truda plaudert im Privaten mit \u2026 mit Leuten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas f\u00fcr Leute?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas \u2026 dar\u00fcber habe ich nicht geredet.\u201c Merrit err\u00f6tete. \u201e\u00dcber die Tugend deiner Schwester gibt es keinen Zweifel.\u201c<\/p>\n<p>Osse sch\u00fcttelte fl\u00fcchtig den Kopf, sagte aber nichts, obwohl er gerne N\u00e4heres gewusst h\u00e4tte. Trudas Angelegenheiten hatten hier nun wirklich keinen Platz. Das konnte er mit ihr pers\u00f6nlich besprechen.<\/p>\n<p>\u201eWas, wenn Manj\u00e9v mein Geschenk missf\u00e4llt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMagst du mir verraten, was es ist?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Nein, ich will, dass du es mit eigenen Augen siehst, bevor du es mir wom\u00f6glich noch ausreden kannst. Morgen Abend, in Wijdlant, in meiner Kammer, da zeige ich es dir. Und ich will deine ehrliche Meinung dar\u00fcber h\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas klingt nicht nach einem neuen Geschmeide oder teuren Salben und Seifen.\u201c Zu solchen h\u00e4tte Merrit m\u00fchelos Zugang gehabt. Ein Brief an seine Tante in Iva\u00e1l h\u00e4tte ausgereicht, um das Beste vom Besten nach dem Geschmack der vornehmen Frauen zu besorgen.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr wie einfallslos h\u00e4ltst du mich? Nein, es ist etwas \u2026 was garantiert kein anderer ihr darbringen wird.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd warum bist du dann so zweiflerisch?\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter schwieg wieder. Osse bef\u00fcrchtete bereits, keine Antwort mehr zu erhalten, aber Merrit hatte wohl nur nach Worten gesucht.<\/p>\n<p>\u201eOsse \u2026 ich habe keinen gr\u00f6\u00dferen Wunsch, als in ihrer N\u00e4he zu sein, sie zu besch\u00fctzen und zu verehren. Es ist ein Verlangen in meinem Herzen, eine Sehnsucht, f\u00fcr die ich gar keine rechten Worte finde. Immer, wenn ich versuche, dar\u00fcber nachzudenken, wird mir ganz wirr im Kopf und in meiner Brust wird es ganz hei\u00df. Mir ist zumute wie einem Erfrierenden, der ein Feuer vor sich sieht, eingeschlossen in einem Eisbrocken. Ich erreiche diese W\u00e4rme nicht.\u201c<\/p>\n<p>Diese Wortwahl kam Osse \u00e4u\u00dferst bemerkenswert vor. Es erschien ihm nicht mehr so erstaunlich, dass Merrit sich angeblich an Gedichten versucht hatte.<\/p>\n<p>\u201eWas stimmt nicht, Osse? Wie kann es sein, dass in mir so ein \u00dcberma\u00df an Sehnsucht ist und mich erstickt? Ist es m\u00f6glicherweise gerade das, wovor sie zur\u00fcckschreckt? Was mache ich falsch, dass sie mir nicht einmal zu verstehen gibt, <em>ob<\/em> ich ihr etwas wert bin?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHast du ihr das denn so schon einmal gesagt oder geschrieben?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWann denn?\u201c, knurrte Merrit unwirsch. \u201eWenn die <em>opayra<\/em> daneben steht? Oder Herr J\u00f3ndere? Oder die <em>teiranday<\/em>? Die M\u00e4dchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch verstehe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn Manj\u00e9v mein Geschenk nicht gef\u00e4llt\u201c, murmelte der Ritter, \u201ewarum sollte ich dann \u00fcberhaupt beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> antreten? Warum sollte ich \u00fcberhaupt noch M\u00fchen und Gefahren auf mich nehmen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeil du es nicht nur tust, um die <em>teirandanja<\/em> zu beeindrucken\u201c, mahnte Osse sanft. \u201eWeil es deine Pflicht ist, den <em>teiranday<\/em> und allen Schutzbefohlenen gegen\u00fcber. So wie es meine Pflicht ist, an ihrer Seite zu sein und meine Meinung und Ratschl\u00e4ge kundzutun. Egal, ob sie auf mich h\u00f6ren wird oder nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu hast leicht reden.\u201c Merrit seufzte gereizt. \u201eEs ist ja nicht dein Herz, das sich ins Feuer st\u00fcrzen will wie ein toll gewordener Nachtschmetterling.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWoher willst du das wissen? Nur, weil ich es nicht auf der Zunge trage?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeil du es mir vorgestern selbst gesagt hast.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd das reicht dir, um zu glauben, ich verst\u00fcnde nicht, was <em>dich<\/em> umtreibt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will nicht mit dir streiten, Osse.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch streite nicht. Ich bin dein Freund. Ich will dir helfen, wenn ich es kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMir kann niemand helfen!\u201c, rief Merrit so unerwartet aus, dass sogar sein Pferd zusammenzuckte. \u201eVerflucht, ich wei\u00df nicht einmal, wer mein Gegner in dieser Sache ist!\u201c<\/p>\n<p>Damit versank er wieder in Schweigen, trabte an und zog V\u00fdnraths Pferd mit sich. Osse lie\u00df ihn eine Weile in Ruhe und hielt Abstand. Hier, auf offener Stra\u00dfe, konnte er ihn nicht aus den Augen verlieren.<\/p>\n<p>In Iva\u00e1l und Aur\u00f3p\u00e9a hatte Osse nicht nur die wichtigen Dinge \u00fcber Geschichte, Diplomatie und Zahlenwerke gelernt. Im waren auch die Abhandlungen kluger <em>forscoray<\/em> \u00fcber das Wesen des Bundes zwischen <em>h\u00fdardoray<\/em> begegnet. N\u00fcchterne, theoretische Texte, die versuchten, die Unergr\u00fcndlichkeit der Liebe in Formeln und Regeln zu b\u00e4ndigen. Der junge Mann hatte solche Dinge mit einer faszinierten Abscheu studiert. Es war ihm auf eine sonderbare Weise fast l\u00e4sterlich vorgekommen, ein so hohes Geschenk der M\u00e4chte bis ins letzte erkl\u00e4ren zu wollen wie eine n\u00fcchterne \u00a0Rechenaufgabe. Bald hatte er sich wieder den Dingen zugewandt, die er f\u00fcr den Verstand zu bew\u00e4ltigen hielt, statt ein Wunder kleinzureden.<\/p>\n<p>Und doch: Das was Merrit ihm berichtete, das passte sich eher in die Lehren der <em>forscoray<\/em> ein denn in die sch\u00f6nen Worte und Lieder der <em>b\u00e1chorkoray<\/em>. Es klang nach einem Fehler in der Gleichung. Nach einer falschen Variable. Die Rechnung ging nicht auf, und das war nicht gut. Ein kleiner Irrtum konnte so gro\u00dfen Schaden anrichten, wenn er beispielsweise einem Baumeister oder Navigator unterlief.<\/p>\n<p>Er spornte das Maultier an und holte an Merrits Seite auf. Der Ritter schien erleichtert, als er wieder mit ihm gleichzog.<\/p>\n<p>\u201eIch wollte dich nicht anfahren\u201c, sagte er. \u201eIch habe nur so gro\u00dfe Angst davor, verstehst du? Ich habe Angst, ihrer nicht w\u00fcrdig zu sein. Ich w\u00fcrde lieber gegen ein Dutzend Robst\u00e9nars zugleich fechten als zu riskieren, als vor all den anderen um ihre Gunst flehen zu m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eW\u00fcrde es dich erleichtern, wenn es niemanden gebe, den sie f\u00fcr w\u00fcrdiger befinden w\u00fcrde? Als reines Gedankenspiel, versteht sich?\u201c<\/p>\n<p>Merrit nickte nachdenklich. \u201eIch vermute, es t\u00e4te dann nicht ganz so weh.\u201c<\/p>\n<p>Nun. Das sollte sich doch einrichten lassen. Sofern ihnen genug Zeit blieb.<\/p>\n<p>\u201eSchau\u201c, sagte Osse und deutete voraus. \u201eDas Feld da. Da waren R\u00fcben, und es ist leer geerntet. Lass uns den festen Weg verlassen.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4534","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4534","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4534"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4534\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4535,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4534\/revisions\/4535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4534"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4534"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4534"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}