{"id":4525,"date":"2025-09-27T22:58:22","date_gmt":"2025-09-27T20:58:22","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4525"},"modified":"2025-09-27T23:58:31","modified_gmt":"2025-09-27T21:58:31","slug":"041-advon-hat-kopfweh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/27\/041-advon-hat-kopfweh\/","title":{"rendered":"041: Advon hat Kopfweh"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Als Advon erneut zu sich kam, hatte sich der Himmel \u00fcber ihm ver\u00e4ndert. Genau genommen war da kein Himmel mehr. Kein strahlendes Mittagsblau mit wei\u00dfen Wolkentupfern, wie sie zuvor \u00fcber ihm hinweg gezogen waren, unscharf und in doppelten Bildern. Nun war da \u00fcber ihm eine glatte, wei\u00dfe Fl\u00e4che, an der sich nichts bewegte. Advon blinzelte und versuchte, seinen Blick wieder zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wie war er hierher gekommen? Er entsann sich, im Wald einen heftigen Schlag gegen den Kopf bekommen zu haben. Ab diesem Zeitpunkt bestand seine ganze Erinnerung nur noch daraus, auf dem R\u00fccken gelegen zu haben, wobei sich herbstbunte Bl\u00e4tter, blauer Himmel und absolute Schw\u00e4rze abgewechselt hatten.<\/p>\n<p>Sein Kopf schmerzte so stark, wie er es noch nie zuvor erlebt hatte. Ihm war \u00fcbel und schwindelig. Wenn er nun versucht h\u00e4tte, aufzustehen, w\u00e4re es nicht gut ausgegangen. Und so war es halb so schlimm, dass er Arme und Beine nicht richtig bewegen konnte. Jemand hatte ihm H\u00e4nde und F\u00fc\u00dfe gefesselt.<\/p>\n<p>Advon seufzte benommen und schloss die Lider wieder. Die wei\u00df gekalkte Zimmerdecke \u00fcber ihm war einfach zu grell.<\/p>\n<p>Dann begriff er, dass er jemandes Gefangener sein musste, und war augenblicklich hellwach. Erschrocken wandte er den Kopf unter stechender Pein beiseite. Zwar konnte er nur verschwommen sehen, aber er gen\u00fcgte, um zu erkennen, dass er sich in einem ger\u00e4umigen, sauberen Zimmer befand. Sonnenlicht kam durch breite, bogenf\u00f6rmige Fenster im oberen Teil  der W\u00e4nde herein. In seinem Blickfeld befanden sich zwei einfache Liegen, ordentlich mit wei\u00dfem Tuch abgedeckt. Vermutlich lag er selbst auf einer dritten.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb seines Blickfeldes redeten Leute. Die Stimmen kamen n\u00e4her. Advon entschied sich, sich f\u00fcr den Moment bewusstlos zu stellen. Zumindest, bis er herausgefunden hatte, wo er war und warum man ihn festgebunden hatte.<\/p>\n<p>\u201e\u2026 und dabei hat Euer Turnier noch nicht einmal begonnen\u201c, sagte eine Frau. \u201eUnd schon gibt es die ersten Verletzten. Ihr k\u00f6nnt von Gl\u00fcck sagen, dass ich bereits eingetroffen war.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie jungen Leute\u201c, antwortete ein Mann. \u201eUnverantwortlich. Man sollte gut abw\u00e4gen, wem von denen man eine Waffe in die Hand gibt. Wie soll das beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> enden?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, wie ich sehe, hat Euer <em>doyaror<\/em> alles gut vorbereitet. Wenn nicht allzu viele zugleich hier eintreffen, sollte die Ausstattung reichen. Aber wir br\u00e4uchten mehr Wasser zur Hand und eine M\u00f6glichkeit, es zu erhitzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch werde es ihm gern so ausrichten, sobald er vom Ritterlager zur\u00fcckkehrt. Er bereitet dort alles f\u00fcr Notf\u00e4lle am Kampfplatz vor.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr habt gut daran getan, den da hierher zu bringen. Das h\u00e4ttet Ihr sowieso nicht an Ort und Stelle versorgen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Eine Hand tastete ihn an, f\u00fchlte seine Stirn. Finger legten sich an Advons Hals, wohl um zu pr\u00fcfen, ob das Blut noch pulsierte. Dann \u00f6ffneten dieselben Finger geschickt sein rechtes Auge. Etwas verwaschen erkannte er das Gesicht einer Frau, die sich \u00fcber ihn beugte. Sie mochte noch vor dem vierzigsten Sommer sein, kein junges M\u00e4dchen mehr. Ihr Haar war v\u00f6llig von einer strengen Haube bedeckt. Ihre Miene zeigte weniger Besorgnis als sachliches Interesse.<\/p>\n<p>\u201eWas ist mit ihm passiert?\u201c<\/p>\n<p>\u201eOffenbar hat er sich im Wald unbeobachtet einen Zweikampf mit einem anderen Wettstreiter geliefert. Mit schweren Waffen und ohne Helm.\u201c<\/p>\n<p>Die <em>doyara<\/em> untersuchte Advons linkes Auge, und w\u00e4hrenddessen trat ein Mann neben sie. Er war deutlich \u00e4lter, ein St\u00fcck vor dem sechzigsten Sommer vielleicht. Er trug einen tannengr\u00fcnen Waffenrock, aber sein Wappen war in Advons getr\u00fcbter Sicht nicht mehr als ein goldener Klecks. Etwas in seinem Gesicht war nicht ganz richtig. Eine h\u00e4ssliche Narbe \u00fcber seiner Wange, m\u00f6glicherweise, die der Bart nicht ganz verdeckte.Die Frau lie\u00df seine Lider wieder los. <\/p>\n<p>\u201eIch denke, es war ein heftiger Schlag gegen den Kopf. Wie oft habe ich meinen Sohn ermahnt, auch beim freundschaftlichen Gepl\u00e4nkel den Helm nicht abzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eReicht mir doch bitte einen Lappen und ein Sch\u00e4lchen Wasser, Herr Andri\u00e9r. Dort hinten auf dem Regal liegt genug davon. Er hat eine Wunde am Kopf, die ich s\u00e4ubern will.\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter entfernte sich, Advon h\u00f6rte, wie sein Eisenzeug leise klapperte. Dann legte sich die Hand der <em>doayra<\/em> \u00fcber seine Augen. \u201eHoffentlich\u201c, sagte sie, \u201ewacht er nicht vorschnell auf. Das Licht bekommt einem nicht gut, wenn das Hirn verr\u00fcckt wurde. Danke, Herr.\u201c<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Moment hatte Advon einen kalten, nassen Lappen \u00fcber dem Gesicht, von der Stirn bis zur Nasenspitze. Die Frau begann zugleich, dort herumzutupfen, wo ihn irgendetwas mit der Gewalt eines niederst\u00fcrzenden Felsens getroffen haben musste. Advon biss die Z\u00e4hne zusammen.<\/p>\n<p>\u201eSind die Fesseln n\u00f6tig?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist mir vorerst sicherer so. M\u00f6glicherweise haben wir es mit einem Pferdedieb zu tun.\u201c<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6glicherweise?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df noch zu wenig. Und, um ehrlich zu sein, ich traue der Sache nicht so ganz, die mir erz\u00e4hlt wurde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDarf ich fragen, weshalb?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch kenne zurzeit nur die eine Seite der Geschichte. Der ganze Vorfall ist sehr sonderbar, und wenn sich alles so zugetragen hat, dann w\u00e4re der junge Mann hier unfassbar <em>dumm<\/em>. Wie lange wird es dauern, bis ich ihn befragen kann?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht. Er atmet regelm\u00e4\u00dfig, das ist das Wichtigste, und seine Augen sind auch klar. Dass er beim Transport hierher immer wieder die Besinnung verloren hat, ist nicht verwunderlich. Aber ich denke, wenn er eine Weile still liegen kann, wird es nicht allzu lange dauern, bis er dauerhaft zu sich kommt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde der <em>teiranda<\/em> gern berichten, dass wir den vermeintlichen Pferdedieb festgesetzt haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTut das nur. Ich k\u00fcmmere mich derweil um seinen Kopf. Dem Knochen ist wohl nichts geschehen, aber die Wunde muss ich n\u00e4hen.\u201c<\/p>\n<p>Advon wollte zusammenzucken, aber es gelang ihm gerade noch, sich zu beherrschen. Die unkundige Frau wollte doch wohl nicht ernsthaft an ihm herumsticheln?<\/p>\n<p>\u201e<em>N\u00e4hen?<\/em>  Ich meine \u2026 ich verstehe. Ben\u00f6tigt Ihr Hilfe?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Er wird wohl lange genug stillhalten, und gut gesichert haben Eure Leute ihn bereits. Das schaffe ich allein.\u201c<\/p>\n<p>Sie erhob sich. Advon h\u00f6rte sie etwas abseits in Dingen kramen.<\/p>\n<p>\u201eOder m\u00f6gt Ihr mir dabei zuschauen, Herr Andri\u00e9r? Ich bin mit Nadel und Faden in Fleisch ebenso geschickt wie beim Kleidern\u00e4hen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Nein, wirklich nicht. Das ist nicht n\u00f6tig. Ich bin \u00fcberzeugt von Eurer Kunstfertigkeit, Frau Isan.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas seid Ihr pl\u00f6tzlich so bleich auf den Wangen, Herr Andri\u00e9r? Schaut, das feine Werkzeug, mit dem ich arbeite. Es wurde in Iva\u00e1l gefertigt und gleitet durch die Haut wie ein hei\u00dfes Messer durch Butter.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bleibe in der N\u00e4he, Frau Isan.\u201c Der Ritter klapperte eilig fort. \u201eRuft mich, wenn Ihr fertig seid.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMacht nur die T\u00fcr hinter Euch zu und sorgt daf\u00fcr, dass solange niemand hier hereinplatzt.\u201c<\/p>\n<p>Die T\u00fcr klappte h\u00f6rbar zu. Die <em>doyara<\/em> wartete ein paar Herzschl\u00e4ge lang und nahm dann das nasse Tuch weg.<\/p>\n<p>\u201eIhr k\u00f6nnt die Augen aufmachen\u201c, sagte sie sachlich. \u201eIch wei\u00df, dass Ihr bei Sinnen seid.\u201c<\/p>\n<p>Advon blinzelte. Seine Sicht kl\u00e4rte sich ein wenig. Die <em>doayra<\/em> l\u00e4chelte zufrieden.<\/p>\n<p>\u201eDu musst das nicht n\u00e4hen\u201c, sagte er zu ihr. \u201eSo schlimm ist das nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will das auch gar nicht tun. Ich wollte nur Herrn Andri\u00e9r loswerden. Erstaunlich, dass so gro\u00dfe furchtlose Kerle, die sich scharfe Klingen um die Ohren schlagen, beim Anblick eines N\u00e4delchens weiche Knie bekommen.\u201c Sie klappte ein K\u00e4stchen zu, das wohl ihre Werkzeuge enthielt und stellte es beiseite. \u201eWahrscheinlich hat seinerzeit ein St\u00fcmper seine Wange geflickt.\u201c<\/p>\n<p>Advon war erstaunt. Andri\u00e9r Altabete war das also gewesen. Das bedeutete, man hatte ihn nach Wijdlant gebracht. Aber was hatte das mit dem Pferdediebstahl auf sich?<\/p>\n<p>\u201eWieso wolltest du den <em>yarl<\/em> forthaben?\u201c, fragte er misstrauisch. Sein Sch\u00e4del f\u00fchlte sich an, als sei er zu klein f\u00fcr sein Gehirn, aber offenbar hatten sie wenig Zeit, um die Dinge zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>\u201eNun, ich war nicht sicher, ob es in Eurem Sinne ist, wenn er erf\u00e4hrt, dass er es mit einem Magier zu tun hat.\u201c<\/p>\n<p>Advon wollte sich alarmiert aufsetzen, aber das ging wegen der Fesseln nicht. Sollte er versuchen, sich mit Magie zu befreien? Allein der Gedanke daran machte ihn schwindelig. Besser nicht. Wer wusste, was er anrichtete, wenn er in diesem Zustand zauberte?<\/p>\n<p>\u201eWoher wei\u00dft du das nun?\u201c, fragte er, denn es erschien ihm unsinnig, es der <em>doyara<\/em> gegen\u00fcber leugnen zu wollen.<\/p>\n<p>\u201eWeil ich noch nie einen Verwundeten vor mir hatte, der <em>Gold<\/em> geblutet h\u00e4tte.\u201c Sie l\u00e4chelte schelmisch und hielt ihren Lappen hoch. Die Flecken darauf sahen aus, als habe sie fl\u00fcssige Bronze damit aufgewischt. \u201eWohl aber solche mit <em>silbernem<\/em> Blut. Ich vermute, Ihr seid von \u00e4hnlicher Art wie Meister Yalomiro und die seinen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin Advon Ir\u00edsolor\u201c, sagte er. \u201eSohn der <em>faj\u00eda<\/em> Elos\u00e1l und des Goldenen Regenbogenritters, C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor. Aber \u2013 das soll niemand wissen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso taucht ein Regenbogenritter in Verkleidung und im Geheimen hier auf und pr\u00fcgelt sich im Wald mit Menschen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas kann ich erkl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch h\u00f6re.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe nicht gesagt, dass ich es erkl\u00e4ren <em>darf<\/em>. Nicht vor der Zeit. Bitte, frag mich nicht aus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch rede nicht \u00fcber die Geheimnisse meiner Pfleglinge. Aber fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird jemanden die Farbe Eurer Augen Wunder nehmen.\u201c Sie holte einen frischen Lappen und tr\u00e4nkte ihn mit etwas aus einem kleinen Krug. Advon verzog zischend das Gesicht, denn es war Essig.<\/p>\n<p>\u201eDem kann ich vorbeugen\u201c, stie\u00df er hervor. \u201eUnter\u2026 normalen Umst\u00e4nden.\u201c<\/p>\n<p>Ihr Blick hellte sich auf, erleuchtet von aufflammender Neugierde. Das lie\u00df sie gleich viel j\u00fcnger wirken, als sie in Wirklichkeit war. \u201eDann seid Ihr unter <em>unnormalen<\/em> Umst\u00e4nden hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Sozusagen in geheimer Sache. So geheim, dass ich es nicht einfach mit dir teilen kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWei\u00df Meister Yalomiro davon?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, antwortete Advon. <em>Gr\u00f6\u00dftenteils<\/em>, setzte er in Gedanken hinzu.<\/p>\n<p>\u201eDas ist gut. Dann wei\u00df ich, dass Ihr wohl kein Schurke sein werdet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDazu gen\u00fcgt Euch das Vertrauen, das ein Schattens\u00e4nger in mich hat?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, nat\u00fcrlich.\u201c Sie fuhr damit fort, seine Schl\u00e4fe zu reinigen. \u201eIch kenne Meister Yalomiro und Meisterin Salghi\u00e1ra seit vielen Sommern. Mein Name ist Isan. Ich war die Hebamme, die beider Tochter D\u00fdamir\u00e9e ins Leben geholt hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin mit D\u00fdamir\u00e9e hier\u201c, rutschte es ihm heraus.<\/p>\n<p>\u201eWie sch\u00f6n! Ist D\u00fdamir\u00e9e Eure <em>h\u00fdardora<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>Diese direkte Frage verschlug Advon die Sprache. Die <em>doayra<\/em> h\u00f6rte auf, die Wunde auszutupfen und schaute ihn erneut mit diesem begeisterten, sensationsgierigen Blick an. Offenbar gen\u00fcgte ihr  als Antwort, wie er err\u00f6tete.<\/p>\n<p>\u201eWollt Ihr zum <em>vaspos\u00e1r<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir \u2026 das ist geheim!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa, ich glaube, Ihr werdet Euch nicht umsonst mit dem anderen Ritter geschlagen haben. Oder ging es um das Pferd?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe kein Pferd gestohlen\u201c, sagte er. \u201eDas muss ein gewaltiges Missverst\u00e4ndnis sein. Ich will das Herrn Andri\u00e9r klarstellen. Ich habe allerdings ein Pferd <em>gekauft<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDaf\u00fcr gibt es Zeugen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa nat\u00fcrlich. Ich frage mich nur, <em>wer<\/em> mich des Diebstahls bezichtigt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht der Ritter, der Euch so zugerichtet hat?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, unm\u00f6glich. Warum sollte er das tun?\u201c<\/p>\n<p>Die <em>doayra<\/em> zuckte die Achseln. \u201eIch wei\u00df auch nicht mehr als das, was Herr Andri\u00e9r mir erz\u00e4hlt hat. Das habt Ihr mitgeh\u00f6rt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlles, was hier im Raum geredet wurde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMehr war es nicht. Er begegnete mir knapp vor der T\u00fcr und sagte, er habe einen Kampfverletzten hergebracht. Ihr werdet das mit ihm kl\u00e4ren m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann hol ihn bitte her! Ich kann mich hier nicht lange aufhalten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eZun\u00e4chst einmal\u201c, sagte sie streng, \u201emache ich hier <em>meine<\/em> Arbeit zu Ende.\u201c Sie bediente sich an ihrem Regal und kam mit einem zusammengefalteten Streifen Stoff, einem M\u00f6rser und einem kleinen Tiegel zur\u00fcck. Advon beobachtete unschl\u00fcssig, wie sie aus ihrer G\u00fcrteltasche ein Fl\u00e4schchen hervorholte, das mit blaugr\u00fcnen Linsen gef\u00fcllt war. Das musste etwas sehr Kostbares sein, wenn sie es so sorgsam am K\u00f6rper trug. Die <em>doayra<\/em> sch\u00fcttete eine einzige in den M\u00f6rser, steckte die Flasche wieder ein und begann, die Zutat zu zersto\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eIch mische das unter die Salbe\u201c, erkl\u00e4rte sie. \u201eDas stoppt das Nachbluten und verhindert, dass es sich entz\u00fcndet. Herr Andri\u00e9r wird sich dann zumindest nicht \u00fcber Euer ungew\u00f6hnliches Blut wundern. Was Eure Augen betrifft, m\u00fcsst Ihr Euch etwas einfallen lassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSagtest du vorhin nicht, das Licht sei sch\u00e4dlich f\u00fcr mich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut.\u201c Sie r\u00fchrte das Pulver in die Salbe, die daraufhin herb und heilsam roch. \u201eIch bedecke Eure Augen. Was kann ich derweil noch f\u00fcr Euch tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKannst du versuchen, der <em>teirandanja<\/em> heimlich Bescheid zu geben, dass ich hier bin und was mir zugesto\u00dfen ist?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer <em>teirandanja<\/em>? Die <em>teirandanja<\/em> wei\u00df, dass Ihr hier seid?\u201c Nun war die Frau wieder ganz wissbegierig.<\/p>\n<p>\u201eDie <em>teirandanja<\/em> wird wissen, wo D\u00fdamir\u00e9e ist. Du musst es aber so anstellen, dass <em>nur<\/em> die <em>teirandanja<\/em> mith\u00f6rt. Es soll niemand wissen, dass wir hier sind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNiemand au\u00dfer der <em>teirandanja<\/em>? Dann ist sie eingeweiht? Hat sie Euch vielleicht sogar gerufen?\u201c<\/p>\n<p>Advon zischte, als sie die Salbe auftrug. Es brannte, aber gleich darauf breitete sich eine angenehme K\u00fchle aus, die sogar etwas dumpfe Linderung gegen das Pochen hinter seiner Stirn brachte. \u201eIch darf nicht mehr verraten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBestimmt hat sie das getan. Es l\u00e4ge ganz in ihrer Natur, im geheimen Dinge anzusto\u00dfen. Ich k\u00f6nnte Euch Geschichten erz\u00e4hlen, was man so \u00fcber die <em>teirandanja <\/em>berichtet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas\u201c, sagte sie resolut und begann, ihm den Verband um Stirn und Augen zu wickeln, \u201edarf ich nicht sagen.\u201c<\/p>\n<p>Advon seufzte. Nun versuchte sie wohl, zu handeln. \u201eKannst du mich denn wenigstens losbinden? Vielleicht kann ich im Gegenzug etwas <em>andeuten<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDamit Ihr Euch aus dem Staub macht und ich Herrn Andri\u00e9r erkl\u00e4ren muss, wo Ihr abgeblieben seid? Oh nein! Ihr habt Euch das irgendwie eingebrockt. Ich werde mich h\u00fcten, Euch da entgegenzukommen, bevor ich nicht wei\u00df, ob das in Ordnung w\u00e4re. Ich werde die <em>teirandanja <\/em>fragen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeinetwegen. Aber beeil dich. Ich kann mich nicht den ganzen Tag hier ausruhen.\u201c<\/p>\n<p>Sie wickelte die letzte Lage Stoff um seinen Kopf. Sehen konnte er nun nichts mehr.<\/p>\n<p>\u201eIch gehe und suche die <em>teirandanja<\/em>. Anschlie\u00dfend hole ich Herrn Andri\u00e9r herbei.  Solange m\u00fcsst Ihr Euch gedulden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber der <em>yarl<\/em> wartet doch, und ich bin in der Lage, mit ihm zu reden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist mir klar. Aber <em>ich<\/em> bin nicht in der Lage, mitzuh\u00f6ren, wenn ich ihn zu Euch lasse und gleichzeitig die <em>teirandanja<\/em> suche. Eines nach dem anderen.\u201c<\/p>\n<p>Er wollte aufbegehren, aber sie war schneller. Advon h\u00f6rte, wie die T\u00fcr sich \u00f6ffnete und sofort wieder schloss. Bei den M\u00e4chten, was f\u00fcr eine neugierige Person! Wie viel Zeit das jetzt kostete. Und was sollte dieser haneb\u00fcchene Vorwurf mit dem Pferd? Wenn man wenigstens den namenlosen Ritter herbeirufen konnte. Der hatte ihn zwar niedergeschlagen und w\u00fcrde sich daf\u00fcr rechtfertigen m\u00fcssen. Aber er musste doch bezeugen, dass er, Advon, kein Pferd zu stehlen brauchte. Immerhin hatte er gerade erst eines gekauft.<\/p>\n<p>Der junge Magier seufzte. Hoffentlich k\u00fcmmerte sich der Knappe gut um das sch\u00f6ne Ross.<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4525","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4525","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4525"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4525\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4532,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4525\/revisions\/4532"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4525"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4525"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4525"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}