{"id":4496,"date":"2025-09-22T00:45:59","date_gmt":"2025-09-21T22:45:59","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4496"},"modified":"2025-11-15T19:13:09","modified_gmt":"2025-11-15T18:13:09","slug":"040-ein-peinliches-erwachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/22\/040-ein-peinliches-erwachen\/","title":{"rendered":"040: Ein peinliches Erwachen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Als Venghi\u00e1r Emberbey die Augen \u00f6ffnete, war es hell. Zu hell. Patagh\u00edus Glanz stand offenbar schon eine Weile hoch am Himmel. Zu hoch. Der morgendliche Hahnenschrei war nicht zu ihm vorgedrungen, und von unten hallten Alltagsger\u00e4usche hinauf in die Stube. Die Fensterl\u00e4den standen weit offen. Wahrscheinlich hatte er sich in der Nacht einfach nicht mehr damit abgegeben, er entsann sich nicht.<\/p>\n<p>Der junge Mann gab ein unwilliges Grunzen von sich, griff nach der Bettdecke und drehte sich noch einmal um. Sei es drum. Es war eine lange Nacht gewesen, die zweite in Folge, die viel zu viel Aufregung gebracht hatte. Auch in den N\u00e4chten zuvor hatte er auch bei weitem nicht genug Schlaf abbekommen. Aber nun, nun war er der Burgherr und  konnte tun und lassen, was ihm beliebte. Wer es nun wagte, ihn zu st\u00f6ren, dem sollte es nicht gut bekommen.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r w\u00e4lzte sich herum und fand die andere H\u00e4lfte seiner Matratze belegt vor. Hevstrid war zerzaust und auf ihren Lippen lag ein ganz merkw\u00fcrdiges L\u00e4cheln. Sie schnarchte, ganz leise und anmutig, wie ein K\u00e4tzchen.<\/p>\n<p>Schlagartig war Venghi\u00e1r hellwach und schnellte aus den Kissen herauf.<\/p>\n<p>\u201eGuten Morgen\u201c, begr\u00fc\u00dfte ihn jene wohlt\u00f6nende Stimme, die er nie wieder zu h\u00f6ren gehofft hatte. Entsetzt wandte er den Kopf, ganz z\u00f6gerlich und langsam. Er ahnte bereits, was er zu Gesicht  bekommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>\u201eWie kommt Ihr her?\u201c, fragte der junge Mann matt und ebenso verst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Schwarzgewandete sa\u00df entspannt in Alsg\u00f6r Emberbeys Sessel und hatte die Beine \u00fcbereinandergeschlagen. In den H\u00e4nden hielt er die leere Metflasche. Er spielte damit.<\/p>\n<p>\u201eDurch das Fenster\u201c, antwortete der Magier schlicht. \u201eDas erschien mir am bequemsten.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r raffte hastig die Decke an sich und entbl\u00f6\u00dfte Hevstrid dabei mehr, als es schicklich war. Bei den M\u00e4chten, was war passiert? Wie war es zugegangen, dass er mit einem nackten Weibsbild zusammen im Sterbebett des Gro\u00dfonkels gelandet war? Und das vor den Augen dieses unheimlichen Kerls! Was war passiert, woran er sich beim besten Willen nicht erinnern konnte?<\/p>\n<p>Die Gedanken des jungen Mannes rasten in seinem Kopf hin und her wie M\u00e4use in einem K\u00e4fig. Das letzte, woran er sich bewusst entsann, war das brennende Totenflo\u00df. Sein Bogen lag auf dem Boden vor dem Bett, neben seinen Gew\u00e4ndern. Hevstrids Kleid hing, achtlos drapiert oder einfach hingeworfen, halb \u00fcber der Sessellehne, ohne dass es den Magier zu st\u00f6ren schien.<\/p>\n<p>\u201eIch kann das erkl\u00e4ren\u201c, behauptete er hastig.<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00fcrde mich wundern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht so, wie es aussieht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr braucht Euch nicht zu rechtfertigen. Ihr seid jung, strotzt vor Manneskraft und seid sicherlich den Reizen der <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> nie abgeneigt. Nicht verwunderlich bei einer so liebreizenden jungen Gespielin.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r runzelte verwirrt die Stirn. Hevstrid schlief derweil und tr\u00e4umte gewiss von etwas sehr Erfreulichem.<\/p>\n<p>\u201e<em>Wie lange<\/em> seid Ihr schon hier?\u201c, fragte er besch\u00e4mt. \u201eWas habt Ihr mit angesehen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWollt Ihr das wirklich wissen?\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r streckte die Hand nach dem M\u00e4dchen auf und wollte es wachr\u00fctteln, aber der Schwarzmantel sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eLasst sie. Es w\u00e4re ihrem Verstand nicht zutr\u00e4glich, wenn sie meiner ansichtig w\u00fcrde.\u201c Er lachte, ein wenig anz\u00fcglich. \u201eEs liegt mir fern, Euch mit meiner Gegenwart in ihrer Gunst auszustechen. Ich bin vielmehr hier, um mit Euch die n\u00e4chsten Dinge zu besprechen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber wenn sie aufwacht und uns h\u00f6rt, dann \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie wird nicht aufwachen. Nicht, solange <em>ich<\/em> es nicht will. G\u00f6nnen wir ihr die Ruhe, nachdem sie Euch so viel Vergn\u00fcgen bereitet hat. Aber es kann sicherlich nicht schaden, wenn Ihr Euch etwas anzieht.\u201c<\/p>\n<p>Wie bet\u00e4ubt stand Venghi\u00e1r auf und b\u00fcckte sich nach Hemd und Hose. Mit zitternden H\u00e4nden hob er beides auf und streifte es sich \u00fcber. Sein Kopf f\u00fchlte sich wattig an, wie nach einer wild durchzechten Nacht, aber ohne die \u00dcbelkeit und den Schwindel. Der Schwarzgewandete beobachtete ihn unverwandt aus schimmernd silbrigen Augen.<\/p>\n<p>\u201eIhr habt Euch des Leichnams entledigt\u201c, redete er dabei weiter. \u201eGut gemacht. Dann gibt es nun nichts mehr, was Euch hier an Ort und Stelle h\u00e4lt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNicht ganz. Meine Gehilfen sind noch nicht zur\u00fcckgekehrt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWollt Ihr Euer <em>yarlm\u00e1lon<\/em> tats\u00e4chlich von diesen beiden Dummk\u00f6pfen abh\u00e4ngig machen, wo Ihr doch zwischenzeitlich eine so reizende Statthalterin engagiert habt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch muss die beiden zumindest anweisen, ihr zu gehorchen. Von einem Weib w\u00fcrden sie sich im Leben nichts sagen lassen.\u201c<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger seufzte tief. \u201eWelche Torheit. Hat sich nicht oft genug gezeigt, um wie viel umsichtiger und gestrenger kluge Frauen Dinge zu regeln wissen, an denen tumbe Mannsbilder sich in Stolz und Sturheit zum Narren machen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs \u00e4ndert nichts daran, dass meine Knechte alles verderben k\u00f6nnten, solange sie keine klaren Anweisungen haben. Von mir. Von niemand anderem.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun gut. Kann einer der beiden lesen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch \u2026 glaube schon.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann schreibt ihnen eine Liste als Gedankenst\u00fctze und stellt Eurer lieblichen  <em>h\u00fdardora<\/em> jemanden beiseite, der ihre Autorit\u00e4t best\u00e4rkt. Der Waffenknecht, den Ihr aus Rodekliv bestellt hattet, sollte taugen. Hier habt Ihr keine Zeit zu verlieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist nicht meine <em>h\u00fdardora<\/em>!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs geht mich nichts an, wie Ihr ihr diesen Umstand zu erkl\u00e4ren gedenkt. Sie ist immerhin eine ehrbare <em>f\u00e1njula<\/em>. Kein wohlfeiles Freudenm\u00e4dchen, das Ihr mit ein paar M\u00fcnzen abspeisen k\u00f6nntet.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r seufzte ungl\u00fccklich. Unter seinen Kleidern hatte das Schwert des Gro\u00dfonkels gelegen. Einen Augenblick lang z\u00f6gerte er. Dann g\u00fcrtete er es sich um. Der Schattens\u00e4nger lehnte sich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eW\u00e4hrend Ihr Euch hier fleischlichen Reizen hingegeben habt\u201c, fuhr er fort, \u201ehabe ich mich auf die F\u00e4hrte Eurer kleinen Weitbase begeben. Sie ist mit dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> weit gekommen. Wenn niemand die beiden vom Weg pfl\u00fcckt und sie nicht rasten, gelangen sie sp\u00e4testens in der Nacht an die Burg von Althopian.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas? Warum? Ich meine \u2026 warum habt Ihr sie nicht aufgehalten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht so, dass ich es nicht versucht h\u00e4tte. Aber etwas hat meine Pl\u00e4ne gest\u00f6rt. Etwas, womit ich mich nicht l\u00e4nger abgeben konnte.\u201c<\/p>\n<p>Nun h\u00e4tte Venghi\u00e1r fast gegrinst. Etwas, was dem Schwarzgewandeten misslungen war? War das denn die M\u00f6glichkeit? Aber er hatte sich schnell unter Kontrolle. Bei n\u00e4herem Nachdenken war die Sache alles andere als heiter.<\/p>\n<p>\u201eUnd was machen wir? Was stellt Ihr Euch vor? Sollen wir sie gerade noch einholen mit Euren Zauberkr\u00e4ften?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Wir machen uns geradewegs auf den Weg nach Wijdlant. Dort werden wir sie erwarten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber die kleine Kr\u00f6te darf nicht bei Herrn Wa\u00fdreth anlangen!\u201c, protestierte Venghi\u00e1r.<\/p>\n<p>\u201eWieso denn nicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSeid Ihr bei Sinnen? Sie werden ihm doch alles verraten!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas sollten sie ihm verraten? <em>Habt<\/em> Ihr Euren Gro\u00dfonkel ermordet?\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r stutzte. \u201eNein\u201c, sagte er dann. \u201eAls ich kam, war er bereits dahin.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHabt Ihr eure Weitbase mit dem Tod bedroht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa \u2026 nein.\u201c Der junge Mann setzte sich auf die Bettkante. Hevstrid rekelte sich lasziv im Schlaf. Beil\u00e4ufig warf er die Decke \u00fcber sie. \u201eIch meine \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr <em>wolltet<\/em> sie aus dem Weg r\u00e4umen, ich wei\u00df. Aber war es nicht so, dass sie bereits mit dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> im Sattel war, als ihr mit dem Bogen ihre Kammer betreten habt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWoher \u2026 ach, was soll es. Ja. Wie immer Ihr das wissen k\u00f6nnt, ja, Ihr habt recht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas bleibt dann also f\u00fcr eine Geschichte, die sie und der <em>b\u00e1chorkor<\/em> <em>yarl<\/em> Althopian auftischen k\u00f6nnten? So sehr Euch das \u00fcberraschen mag, Herr Venghi\u00e1r: Ihr seid <em>unschuldig<\/em> an allem, was das verwirrte Kind Euch aus \u00fcberbordender Fantasie heraus vorwerfen k\u00f6nnte. Mehr noch: Euer gesamter Hausstand hier kann bezeugen, wie besorgt Ihr um das M\u00e4gdelein wart.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe diesen dreckigen Lumpenkerl angeschossen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWelcher liebende Verwandte h\u00e4tte nicht versucht, das Kind vor einem Unhold zu besch\u00fctzen? Alles, was Ihr tatet, war, den Entf\u00fchrer aufhalten zu wollen. Ungl\u00fccklicherweise vergebens.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn der <em>b\u00e1chorkor<\/em> redet?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWor\u00fcber? Noch einmal, Herr Venghi\u00e1r, so langsam, dass selbst Ihr es versteht: Ihr <em>habt<\/em> nichts verbrochen. Allenfalls k\u00f6nnte man Euch f\u00fcr Eure Gedanken und Pl\u00e4ne anklagen. Aber wer w\u00e4re je f\u00fcr eine Tat belangt worden, die die Fantasie gar nicht erst verlassen hat?\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r dachte verbl\u00fcfft nach. Wie \u00fcberraschend, wie gut es sich anf\u00fchlte, ein so sauberes Herz zu haben.<\/p>\n<p>\u201eAbgesehen davon\u201c, fuhr der Schwarzgewandete fort, \u201eist l\u00e4ngst nicht gesagt, dass der <em>b\u00e1chorkor<\/em> \u00fcberhaupt das Risiko eingeht, das Kind in Althopians Burg zu begleiten. Viel wahrscheinlicher ist, dass er die Kleine das letzte St\u00fcck allein laufen l\u00e4sst. Wahrscheinlich hat er es ebenso eilig, nach Wijdlant weiterzureisen. Dass er das Kind mitgenommen hat, d\u00fcrfte nicht von Beginn seine Absicht gewesen sein. Es m\u00fcsste vielmehr in seinem Interesse sein, es schnellstm\u00f6glich loszuwerden und in Wijdlant in der Menge von seinesgleichen unterzutauchen. Dort wird sich seine Spur verwischen. Oder denkt Ihr, die <em>teiranday<\/em> k\u00f6nnten es sich leisten, gerade zum <em>vaspos\u00e1r<\/em> auf Verdacht die versammelten <em>b\u00e1chorkoray<\/em> festsetzen und verh\u00f6ren zu lassen? Wie s\u00e4he das denn aus, ein so gro\u00dfes Fest ohne Lieder und Geschichten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch verstehe das alles nicht.\u201c Venghi\u00e1r schaute sich nach seinen Stiefeln um. Einen fand er unter dem Bett. Den anderen reichte der Schattens\u00e4nger ihm zu; er hatte neben dem Sessel gestanden. \u201eWer ist dieser <em>b\u00e1chorkor<\/em> eigentlich? Und was hat er mit dem Amtssiegel vor?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, n\u00fcchtern betrachtet <em>ist<\/em> er der M\u00f6rder Eures geliebten Gro\u00dfonkels. Was er mit seinem Diebesgut vorhat, werde ich noch herausfinden. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas ist, was nach alledem noch eine Bedeutung h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber was \u2026\u201c<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger hob energisch die Hand und brachte ihn zum Schweigen. Venghi\u00e1r verstummte.<\/p>\n<p>\u201eIch erwarte, dass Ihr Euch nun sputet. Ich gebe Euch noch die Zeit, etwas zu essen, Euch dem Anlass angemessen zu kleiden und Eure Sachen zu packen. Macht die Anweisungen f\u00fcr Eure beiden Spa\u00dfmacher fertig und nehmt Abschied von Eurer entz\u00fcckenden Herzensdame hier. Man erwartet Euch zum Turnier.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber \u2026 so schnell? Meine Helfer m\u00fcssen doch noch packen, und \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr <em>braucht<\/em> keine Helfer. Die werden sich in Wijdlant finden. <em>Ich<\/em> werde Euch welche finden. Ich hole euch ab, sobald Nokt\u00e1mas Schleier von S\u00fcden aufzieht. Derweil habe ich selbst noch etwas zu tun. Habt Ihr noch Fragen?\u201c<\/p>\n<p>Der junge Ritter schwieg eingesch\u00fcchtert. Die dunkle Samtstimme war streng und schneidend geworden, duldete keinen Widerspruch. Hevstrid schlummerte, von alledem unbeeindruckt. Und immer noch <em>l\u00e4chelte<\/em> sie, so sonderbar, fast verst\u00f6rend. Fast, als bereite Ihr etwas eine Menge Genugtuung.<\/p>\n<p>Der Schwarzmantel wartete.<\/p>\n<p>\u201eMeister\u201c, murmelte Venghi\u00e1r schlie\u00dflich, \u201eDie hier, das M\u00e4dchen \u2026 wie ist das passiert? Ich erinnere mich nicht. Es ist ausgel\u00f6scht aus meinem Ged\u00e4chtnis. Habt Ihr damit zu tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Das war ganz allein Euer Unverstand. Zugegeben \u2013 am\u00fcsant ist es schon.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber wieso bin ich mit ihr im Bett gelandet? Das habe ich doch gar nicht gewollt! Ich wollte doch nur \u2026 was soll ich denn jetzt mit Ihr <em>anfangen<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>Nun lachte der Schattens\u00e4nger, ausgesprochen am\u00fcsiert. Er warf Venghi\u00e1r die Glasflasche zu, sodass der geistesgegenw\u00e4rtig zuschnappen musste.<\/p>\n<p>\u201eIst Euch bewusst, was Ihr und sie da so sorglos getrunken habt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEinen alten Met, was sonst? Etwas anderes war hier gestern nicht zur Hand.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAus der Mitgift Eurer Gro\u00dftante, wenn mich nicht alles t\u00e4uscht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, und?\u201c<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger erhob sich. \u201eDenkt dar\u00fcber nach. Was k\u00f6nnte man sich in Ov\u00e9stola wohl dabei gedacht haben, der Dame einen Trunk mitzugeben, den sie mit einem Mann teilen sollte, der doppelt so alt war wie sie? Eine Dame, deren einzige Aufgabe es war, ihm wenigstens einen tauglichen Nachkommen zu schenken? Hat man nicht auch in Rodekliv \u00fcber die gewissen Tr\u00e4nke getuschelt, die findige <em>doayra\u00e9<\/em> zu brauen verm\u00f6gen, um die Lust zu entfachen und den Verstand zu bet\u00e4uben? \u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r schaute ihn verst\u00e4ndnislos an. Dann begriff er und lie\u00df die Flasche erschrocken fallen. Scherben spritzten \u00fcber den Boden.<\/p>\n<p>\u201eSchade\u201c, sagte der Schwarzmantel. \u201eDas war recht h\u00fcbsches Glas.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber \u2026 wartet! Die Flasche war unangetastet und verkorkt! Sie haben davon nicht getrunken!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Vielleicht war da doch etwas mehr zwischen ihnen als \u2026 Pflichtbewusstsein. Vielleicht ist zwischen der Sch\u00f6nen dort und Euch nun auch mehr als blinde Lust.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein! Nein, ich <em>will<\/em> das nicht! Ich will doch nicht mit der da \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr nicht. Aber vielleicht will <em>sie<\/em>? W\u00e4re das nicht recht und billig, nachdem, was Ihr ihren armen Eltern angetan habt?\u201c<\/p>\n<p>Der Magier l\u00e4chelte und legte dem verst\u00f6rten Ritter aufmunternd die Hand auf die Schulter. \u201eSagt mir, Herr Venghi\u00e1r &#8230; wie steht es mit Euch? <em>Genie\u00dft<\/em> Ihr die Macht?\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r schauderte. Die Gegenwart des Schattens\u00e4gers f\u00fchlte sich seltsam an. Ihm war, als h\u00fclle sich ein leichtes Fieber um ihn und etwas Kaltes stiege ihm auf den Knochen empor. Aber das war nur ganz kurz. Ein, zwei Lidschl\u00e4ge, und dann war da wieder nur goldenes Herbstsonnenlicht, und im Hintergrund schnurrte Hevstrid im Schlaf. Vielleicht tr\u00e4umte sie etwas Wundersch\u00f6nes.<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, wisperte er.<\/p>\n<p>\u201eSehr sch\u00f6n. Wollt Ihr mehr davon?\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r nickte. \u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWunderbar. Dann verliert jetzt keine Zeit. Wir brechen bald auf.\u201c<\/p>\n<p>Mit diesen Worten trat der Magier auf das offene Fenster zu, stieg hindurch und lie\u00df sich in die Tiefe fallen. Venghi\u00e1r machte sich nicht die M\u00fche, nachzuschauen, ob er sich dabei zu Tode st\u00fcrzte. Darauf brauchte er nicht zu hoffen. Und drau\u00dfen erhob sich ein gro\u00dfer Rabe in die Luft und schwang sich in den Himmel hinauf. Die kreischenden M\u00f6wen stoben vor ihm davon.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4496","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4496","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4496"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4496\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4582,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4496\/revisions\/4582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4496"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}