{"id":4259,"date":"2025-09-08T00:00:48","date_gmt":"2025-09-07T22:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4259"},"modified":"2025-09-08T00:00:48","modified_gmt":"2025-09-07T22:00:48","slug":"024-die-falbe-stute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/024-die-falbe-stute\/","title":{"rendered":"024: Die falbe Stute"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 war ungehalten, als er zum Turnierlager zur\u00fcck ritt. Sein Besuch in der Burg hatte ihn nicht weiter gebracht. Nun, vielleicht war es ihm gelungen, der <em>yarlaranda<\/em> von Emberbey zu verstehen zu geben, dass ihr Tun erkannt oder zumindest nicht unbemerkt geblieben war. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde sich das M\u00e4dchen nicht in die Karten schauen lassen. Und wenn sie im Geheimen handelte, im Auftrag von jemandem, in dessen Interesse es sein mochte, in das Turnier einzugreifen, dann tat sie das wirklich \u00e4u\u00dferst geschickt. Sie war ihm zwar eher verwirrt als ertappt vorgekommen, aber das war sicher nur Maske und Verstellung. Ahnungslosigkeit, hinter der sie sich verstecken konnte.<\/p>\n<p>L\u00e4stig war es gewesen, dass Asga\u00fd von Spagor, der <em>teirand<\/em>, nicht davon lassen konnte, ihn immer wieder \u00fcber seine Herkunft ausfragen zu wollen, so oft ihn seine <em>teiranda<\/em> auch ermahnte. Der Dame war es offenkundig unangenehm geworden, dass ihr <em>h\u00fdardor<\/em> so neugierig war und ihre Tochter, die Hauptperson, um die sich das ganze <em>vaspos\u00e1r<\/em> drehte, auf sich warten lie\u00df. Asga\u00fd von Spagor war zwar nicht minder beliebt bei seinen Schutzbefohlenen. Doch wo die Leute die Klugheit und Umsicht der <em>teiranda<\/em> r\u00fchmten, sch\u00e4tzte man seine Nahbarkeit und Leutseligkeit. Dass der Mann ein <em>teirand, <\/em>der Herr \u00fcber zwei <em>yarlm\u00e1lon <\/em>war, erkannte man zuvorderst an der Krone auf seinem Kopf. Weder in Ferocriv\u00e9 noch in Rodekliv nahmen die <em>yarlay<\/em> diesen <em>teirand<\/em> sonderlich ernst, zu klein, zu unbedeutend war sein Reich. Wenn man Virhav\u00e9t nicht Einhalt gebot, w\u00fcrde das <em>teirandon<\/em> Spagor fr\u00fcher oder sp\u00e4ter von der Stadt eingenommen werden. Und die beiden <em>yarlm\u00e1lon<\/em>, Emberbey und Althopian \u2026 nun, die waren in den vergangenen Wintern l\u00e4ngst zu Au\u00dfenposten geworden, die zu Wijdlant geh\u00f6ren. Noch. Denn mit Alsg\u00f6r Emberbey ging es zur Neige, wie man von diesem Spion h\u00f6rte, der dort vor Ort platziert war. Ferocriv\u00e9 hatte viel von diesem jungen Mann geh\u00f6rt, war ihm aber bislang nie pers\u00f6nlich begegnet.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die <em>teirandanja<\/em> weiterhin mit Abwesenheit gl\u00e4nzte, waren K\u00e1rar und den <em>teiranday<\/em> die Gespr\u00e4chsthemen ausgegangen. Verlegen hatten sie eine Weile einander zaghafte, oberfl\u00e4chliche Plaudereien zu geworfen. Die gute Organisation und die emsigen Aufbauarbeiten f\u00fcr die Turnierbahn hatte er gelobt und die sch\u00f6ne, wehrhafte Burganlage mitten auf der Ebene, mit dem Wassergraben ringsum und dem hohen Turm, der die Mauern so weit \u00fcberragte, bei den M\u00e4chten, so ein hoher, erhabener Turm! Das fruchtbare Ackerland und die wohlbestellten D\u00f6rfer. Die Zuvorkommenheit und Freundlichkeit der Schutzbefohlenen, die ihm und seinem Knappen begegnet waren.<\/p>\n<p>Den augenf\u00e4lligen Mangel an Wehrm\u00e4nnern, der sogar Rolk aufgefallen und ihn zum Staunen gebracht hatte, hatte K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 nicht angesprochen. Dass man die Schlagfertigkeit von Wijdlant nicht untersch\u00e4tzen durfte, unterstrich ganz beil\u00e4ufig die Anwesenheit von <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval. Der hielt sich im Hintergrund, aber alles an seinem Blick, seiner Haltung und seiner Aufmerksamkeit lie\u00df keinen Zweifel daran, wie ernst er seine Aufgabe nahm. K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 hatte sich eingestehen m\u00fcssen, dass er gez\u00f6gert h\u00e4tte, diesen Ritter ohne triftigen Grund herauszufordern.<\/p>\n<p>Vielleicht war es aber auch der Kontrast zu <em>yarl<\/em> Grootplen, dem <em>mynstir<\/em> der <em>teiranda<\/em>, der nach einer Weile aufgetaucht war und die Aufmerksamkeit des <em>teirand<\/em> erbeten hatte. Grootplen war ganz offensichtlich einmal ein beeindruckender Recke gewesen, aber die Zeit und das gute Essen am Hof, vielleicht auch das Bier, hatten ihn feist und weichlich gemacht. Nun, in wenigen Tagen w\u00fcrde sein Sohn seine Aufgabe in Wijdlant aufnehmen. Sein Schwert w\u00fcrde dann nicht mehr ben\u00f6tigt und er w\u00fcrde seinen Lebensherbst in aller Bequemlichkeit auf seiner eigenen Burg genie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Offenbar brachte Grootplen einen Bericht von den Aufbauarbeiten. Das hatte den <em>teirand<\/em> mehr interessiert als der Gast, der so wortkarg sein musste, dass keine rechte Unterhaltung m\u00f6glich war. H\u00f6flich hatte er sich entschuldigt, war mit dem alternden Ritter verschwunden und hatte seine <em>h\u00fdardora<\/em> mit ihrem Leibw\u00e4chter und ihm allein gelassen.<\/p>\n<p>Es folgte peinliches Schweigen.<\/p>\n<p>\u201eHerr J\u00f3ndere\u201c, hatte sie <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval schlie\u00dflich angesprochen, \u201eseid Ihr so gut und schaut nach, was meine Tochter so lange aufh\u00e4lt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMajest\u00e4t\u201c, hatte er h\u00f6flich eingewandt, \u201edazu m\u00fcsste ich den Raum verlassen. Ihr wisst, dass ich das nicht darf, solange \u2026.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist gut, Herr J\u00f3ndere. Ich bin mir sicher, dass Ihr mich mit unserem Gast unbesorgt eine kurze Weile allein lassen k\u00f6nnt. Oder\u201c, hatte sie sich scherzend an ihn gewandt, \u201ehabe ich von Euch etwas zu bef\u00fcrchten?\u201c<\/p>\n<p>Oh, diese Gelegenheit \u2026 K\u00e1rar Ferocriv\u00e9s Herz schlug schneller. Wie schade, dass sein Vater nicht zugegen war, um ihm eine Anweisung zu geben! Ebbmo Ferocriv\u00e9 h\u00e4tte nicht gez\u00f6gert, um aus dieser F\u00fcgung seinen Nutzen zu ziehen. Das hatte man ihn daheim gelehrt, das schnelle Denken ebenso wie das schnelle Handeln bei g\u00fcnstiger F\u00fcgung.<\/p>\n<p>\u201eNun gut, Majest\u00e4t. Sicher hat Euer weit gereister Gast wohl keine Bedenken, mir w\u00e4hrenddessen sein Schwert und seinen Dolch zu \u00fcberlassen?\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 schreckte aus seinen Gedanken auf. \u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVergebt mir, edler Herr.\u201c J\u00f3ndere Mor\u00e9aval streckte h\u00f6flich, aber fordernd die Hand aus. \u201eMein Amt verbietet mir, meine Herrin mit einem Bewaffneten allein in einem Zimmer zu lassen. Es ist eine Formalit\u00e4t, nichts Pers\u00f6nliches.\u201c<\/p>\n<p>Herr K\u00e1rar versuchte ein ungezwungenes Lachen. \u201eMisstraut Ihr mir etwa, <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval? Nichts liegt mir ferner, als der hochedlen Dame etwas \u00dcbles zu wollen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist mir klar. Aber mein bedingungsloses Vertrauen haben nur die Edlen und Schutzbefohlenen dieses Haushalts. Allen anderen habe ich mit Vorsicht zu begegnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr J\u00f3ndere\u201c, mahnte die <em>teiranda<\/em>. \u201eIhr bringt unseren Gast in Verlegenheit.\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 bem\u00fchte sich um Gleichmut. \u201eLass ihn nur, Majest\u00e4t. Die M\u00e4chte haben Euch da einen pflichtbewussten Wachhu-\u201c, er r\u00e4usperte sich, \u201eW\u00e4chter an die Seite gestellt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEure Waffen, bitte.\u201c Mor\u00e9aval war unger\u00fchrt. K\u00e1rar seufzte und schickte sich an, sein Wehrgeh\u00e4nge aufzuschnallen.<\/p>\n<p>Es war die <em>teirandanja<\/em> gewesen, die die Peinlichkeit unterbrach. Die junge Dame war mit ihrer zwielichtigen Hofdame in das Audienzzimmer eingetreten, hatte sich gr\u00fc\u00dfend ihrer Mutter zugewendet und ihm dann einen fragenden Blick zugeworfen.<\/p>\n<p>\u201eVergebt mir meine S\u00e4umigkeit\u201c, hatte sie dann gesagt, sich an der Seite von K\u00edan\u00e1 von Wijdlant auf dem Thronsessel ihres Vaters niedergelassen und <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval beiseite gewinkt. \u201eSeid mir herzlich willkommen, Herr \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eMajest\u00e4t, bis zum Ende des Turniers m\u00f6gt Ihr mich als <em>yarl<\/em> Unbekannt anreden. Mein Wappen bleibt solange verdeckt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun gut. Ihr m\u00f6gt Euren Grund daf\u00fcr haben. Was bringt Euch so fr\u00fch am Tag her?\u201c<\/p>\n<p>Fr\u00fch am Tag? Patagh\u00edus Glanz war ein gutes St\u00fcck an den Scheitelpunkt seiner Bahn gestanden. Wie tr\u00e4ge musste diese <em>f\u00e1njula<\/em> sein! Wie w\u00fcrde sich das auf ihre Herrschaft auswirken?<\/p>\n<p>\u201eMajest\u00e4t\u201c, begann er beflissen, \u201ewie ich euren Eltern soeben schon ausf\u00fchrte, war es mir ein Bed\u00fcrfnis, mich mit gr\u00f6\u00dfter Demut zu bedanken. F\u00fcr die Gelegenheit, an Eurem <em>vaspos\u00e1r<\/em> teilnehmen zu d\u00fcrfen und Teil dieses glanzvollen und ruhmreichen Festes sein zu d\u00fcrfen. Es ist mir und meinem Haus eine gro\u00dfe, eine unsch\u00e4tzbare Ehre.\u201c<\/p>\n<p>Die <em>teirandanja<\/em> l\u00e4chelte ebenso h\u00f6flich wie offenkundig gelangweilt. \u201eWir haben Euch zu danken, dass Ihr Euch zu diesem Anlass pr\u00e4sentiert. M\u00f6gen Euch die M\u00e4chte gewogen sein und Ihr ehrenvoll und geachtet unter allen Wettstreitern aus dem Turnier hervorgehen. M\u00f6get Ihr neue B\u00fcndnisse und Freundschaften finden, und wer wei\u00df, vielleicht auch eine Euch gem\u00e4\u00dfe <em>h\u00fdardora<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>Die <em>teirandanja<\/em> war eine <em>f\u00e1njula<\/em> von \u00fcberaus gef\u00e4lliger Gestalt. Nachdem er das yarlm\u00e1lon Ferocriv\u00e9 verlassen und die Sumpflande in weitem S\u00fcdw\u00e4rtsbogen umreist hatte, waren ihm unterwegs viele Geschichten \u00fcber ihren Liebreiz zu Ohren gekommen, sowohl von <em>b\u00e1chorkoray<\/em> als auch von Leuten, die sie tats\u00e4chlich einmal gesehen oder zumindest von ihr geh\u00f6rt hatten. Kein Wunder, denn das <em>vaspos\u00e1r<\/em> war seit Langem in aller Munde. Aber er war nicht hier, um sich an Weibern zu erg\u00f6tzen.<\/p>\n<p>\u201eIch werde ehrenhaft und ritterlich k\u00e4mpfen und mich von meiner tugendsamsten Seite zeigen. Ich hoffe, meine Mitstreiter haben denselben Vorsatz. Wie schade w\u00e4re es, wenn es auf diesem herrlichen Turnier zu \u2026 Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten k\u00e4me.\u201c<\/p>\n<p>Von der <em>yarlaranda<\/em>, die ihrem Amt gem\u00e4\u00df neben <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval hinter den Thronsesseln stand, fing er wieder einen verwirrten Blick auf. Ganz ausgezeichnet mimte das junge M\u00e4dchen seine Ahnungslosigkeit.<\/p>\n<p>\u201eWas meint Ihr mit <em>Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten<\/em>?\u201c K\u00edan\u00e1 von Wijdlant klang aufmerksam, interessiert. Gut so.<\/p>\n<p>\u201eNun, Majest\u00e4t, das <em>vaspos\u00e1r<\/em> ist kein Fest, das nur Kurzweil bringt. Jene Herren, die sich bew\u00e4hren, erstreiten nicht nur Ruhm f\u00fcr sich selbst. Welchem <em>yarl<\/em> \u2013 oder <em>teirand<\/em> \u2013 w\u00fcrde es nicht gefallen, den streitbarsten und unbezwinglichsten Ritter als erw\u00e4hlten Krieger in seinen Diensten zu haben?\u201c<\/p>\n<p>Die <em>teiranda<\/em> lachte. Es klang peinlich ber\u00fchrt. \u201eLieber <em>yarl<\/em> Unbekannt, warum so verbissen? Nat\u00fcrlich wird jeder <em>teirand<\/em> sich r\u00fchmen, erfolgreiche Streiter in diesem Turnier zu haben. Ich wei\u00df wohl, wie ehrgeizig allein die drei oder vier <em>yarlandoray<\/em> sind, die f\u00fcr unser <em>teirandon<\/em> antreten werden. Aber in erster Linie soll es doch ein Anlass zu Freude und Zusammenkunft sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas? Bin ich etwa zu einer <em>Spielerei<\/em> von so weit hergekommen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eKeine Sorge, Herr Unbekannt\u201c, schaltete sich <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval k\u00fchl ein. \u201eIhr m\u00fcsst keine Bedenken haben, dass die Darbietung Eurer Waffenk\u00fcnste zu kurz kommt. Wir haben dennoch kein Interesse daran, dass all die jungen M\u00e4nner schwer versehrt vom Platz getragen werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir haben zwei der erfahrensten <em>arbidray<\/em> [\u2248 Herolde, hier im Sinne von Turnier-Schiedsrichtern] kommen lassen. Der eine, der aus Pian\u00e1rdent ist sogar schon eingetroffen. Es wird alles nach den Regeln zugehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd Eure <em>arbidray<\/em> k\u00f6nnen sicherstellen, dass sich alle Teilnehmer an die Regeln halten, Majest\u00e4t?\u201c<\/p>\n<p>Nun war er zu weit gegangen. Unverhohlener Grimm erschien auf Mor\u00e9avals Gesicht. Die <em>teiranda<\/em> wirkte verlegen. Die <em>yarlaranda<\/em> von Emberbey verdrehte stumm die Augen, glaubte wohl, ihm entginge das. Und die <em>teirandanja<\/em> \u2026<\/p>\n<p>Nun, sie hatte hellblondes Haar und eine helle, der Schale eines zarten Samtapfels \u00e4hnelnde\u00a0 Haut. Doch war das etwa Wangenrot? Oder war ihr das Gespr\u00e4ch unangenehm?<\/p>\n<p>\u201eIhr k\u00f6nnt sicher sein, dass wir <em>sehr gut<\/em> auf die Regeln achtgeben werden\u201c, sagte Mor\u00e9aval. \u201eAber wenn Ihr Bedenken um Eure Unversehrtheit habt \u2013 die Teilnahme an dem Turnier ist g\u00e4nzlich freiwillig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe keinen Zweifel daran, dass Ihr alle daf\u00fcr Sorge tragt\u201c, versuchte Herr K\u00e1rar, das Gespr\u00e4ch zu wenden. \u201eBei dem, was offen auf dem Platz passiert. Woran ich nur dachte, ist dies: Was wenn jemand im Geheimen versuchte, dem Turnier eine Wendung in seinem Sinne zu geben?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr sprecht in R\u00e4tseln, Herr Unbekannt. Wenn Ihr etwas wisst, was wir wissen sollten \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch <em>wei\u00df<\/em> von nichts. Es ist nur \u2026 nun, nehmen wir einfach einmal an, es w\u00e4re so. Was dann?\u201c<\/p>\n<p>Die Zofe schaute immer noch so einf\u00e4ltig drein, als k\u00f6nne sie kein W\u00e4sserchen tr\u00fcben. Mor\u00e9aval wartete offensichtlich auf eine Anweisung seiner Herrin. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant schien tats\u00e4chlich nachdenklich zu werden.<\/p>\n<p>Die <em>teirandanja<\/em> setzte sich mit einem Ruck auf. \u201eHerr Unbekannt, es gibt nichts anzunehmen. Ihr m\u00f6gt versichert sein, dass auf meinem <em>vaspos\u00e1r<\/em> alles mit rechten Dingen zugeht. Verderbt mir die Freude daran nicht, indem Ihr Verschw\u00f6rungen und Zwist herbeiredet. Es sei denn nat\u00fcrlich, ihr h\u00e4ttet handfeste <em>Beweise<\/em>. Vielleicht sogar einen Namen. Also?\u201c<\/p>\n<p>K\u00edan\u00e1 von Wijdlant wandte sich \u00fcberrascht ihrer Tochter zu. K\u00e1rar schaute unverwandt zu der Zofe in dem honigfarbenen Kleid hin. W\u00fcrde sie nun endlich nerv\u00f6s?<\/p>\n<p>Nein. Sie verzog keine Miene. Sie hatte sich wirklich sehr gut im Griff.<\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, sagte er dann. \u201eIch redete lediglich \u00fcber erdenkliche Vorkommnisse. Vergebt. Ich habe wohl zu viele Geschichten von schlechten <em>b\u00e1chorkoray<\/em> geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann seid weiterhin so aufmerksam, Herr Unbekannt.\u201c K\u00edan\u00e1 von Wijdlant erhob sich. \u201eZu schade, dass wir noch nicht erfahren d\u00fcrfen, wer Ihr seid. Vielleicht w\u00fcrde das kl\u00e4ren, was Euer Misstrauen so n\u00e4hrt. Solltet Ihr tats\u00e4chlich von etwas Verd\u00e4chtigem Kenntnis erhalten, z\u00f6gert nicht, es an <em>yarl<\/em> Grootplen heranzutragen. Und nun entschuldigt uns. Yarl Mor\u00e9aval, begleitet unseren Gast ins Freie. Ihr findet uns anschlie\u00dfend im Garten bei der Laube.\u201c<\/p>\n<p>Die <em>teirandanja<\/em> schien es besonders eilig zu haben, ihrer Mutter zu folgen. Gr\u00fc\u00dfend nickte sie in seine Richtung, ohne ihn eines aufmerksameren Blickes zu w\u00fcrdigen. Die Zofe sputete sich, ihnen zu folgen. Die drei Damen verlie\u00dfen das Audienzgemach durch eine kleine Seitent\u00fcr.<\/p>\n<p>\u201eFolgt mir.\u201c Mor\u00e9aval deutete auf die Hauptt\u00fcr zum Flur. \u201eHier geht es heraus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch finde schon zur\u00fcck zu meinem Pferd. Bem\u00fcht Euch nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, es ist mir keine M\u00fche. Ich muss ohnehin ins Freie. Also?\u201c<\/p>\n<p>Zwar war es K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 ganz und gar nicht recht, so aus der Burg komplementiert zu werden. Trotzdem \u2013 sich mit dem pers\u00f6nlichen W\u00e4chter der Damen gut zu stellen, das konnte wahrlich nicht schaden.<\/p>\n<p>\u201eIch bedauere es, die Damen befremdet zu haben. Nichts lag mir ferner, als Dinge leichtfertig zu behaupten. Aber Ihr wisst selbst, wie das bei so vielen Turnieren zugeht, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Ich nehme an, Eure Bedenken r\u00fchren von pers\u00f6nlichen Erfahrungen her. Und gerade deshalb wird bei diesem hier so etwas nicht passieren. Die <em>teiranda<\/em> hat verf\u00fcgt, dass Zweik\u00e4mpfe nur mit gestutzten Waffen ausgetragen werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTats\u00e4chlich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie <em>teiranday<\/em> w\u00fcnschen die jungen M\u00e4nner am Ende des Turniers fr\u00f6hlich beim Tanz zu sehen, nicht mit zerschlagenen Gliedern auf einem Krankenlager. Aber selbst daran ist gedacht. Der <em>teirand<\/em> hat die beste <em>doayra<\/em> diesseits des Montaz\u00edel nebst ihren Gehilfinnen herbefohlen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eInteressant.\u201c<\/p>\n<p>Sie hatten den Ausgang auf den Burghof erreicht. Auf K\u00e1rars Wink eilte ein Stalljunge fort, um dessen Pferd zu holen. Mor\u00e9aval machte keine Anstalten, sich zu entfernen. Wahrscheinlich wollte der Ritter sich eigen\u00e4ugig versichern, dass er sich tats\u00e4chlich davon machte.<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde mich gerne bei der <em>teirandanja<\/em> f\u00fcr ihre Geduld erkenntlich zeigen. Ich hoffe, mein Geschenk wird ihr gefallen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist es denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas &#8230; soll ebenso eine \u00dcberraschung sein wie mein Name.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBis zum Fest sind es noch einige Tage. Und an dem Abend wird die <em>teirandanja<\/em> so viele Geschenke erhalten, das sei am Ende nicht mehr wei\u00df, was wessen war. \u00dcberlegt Euch etwas Originelles.\u201c<\/p>\n<p>Just in diesem Moment war der Stalljunge mit dem Pferd gekommen. Mor\u00e9aval hatte h\u00f6flich und gegr\u00fc\u00dft und war er fortgegangen. Wahrscheinlich, um im Garten mit den Damen \u00fcber ihn zu l\u00e4stern. Dieser widerw\u00e4rtige Wichtigtuer!<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 konnte sich gerade noch beherrschen, nicht vor den Augen des Stalljungen abf\u00e4llig auszuspucken. Er war aufgesessen und hatte sich auf den R\u00fcckweg gemacht, wenn auch nicht auf schnurgeradem Wege. Wenn er schon einmal hier war, dann konnte er auch gleich die Gelegenheit nutzen, sich die D\u00f6rfer in der Nachbarschaft anzusehen. Auszukundschaften. Wer wusste, wann er das brauchen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Er war nicht der einzige ausw\u00e4rtige Ritter, dem das einfiel. Gleich im ersten Ort traf er auf einen Herrn mit seinem Knappen, der sich mit Vorr\u00e4ten eindeckte. Hier und da hatten Frauen vor ihren H\u00e4usern kleine Auslagen mit haltbaren Speisen vorbereitet, die sie feilboten. Offenbar sehr erfolgreich, denn sie sahen aus, als liefen die Gesch\u00e4fte gut. Er kaufte ihnen etwas Brot, K\u00e4se und N\u00fcsse ab und sah sich schaugierig weiter um. Bei einem Weibsbild, das gef\u00fcllte Pasteten anbot, kaufte gerade ein Herr ein, der wohl gerade bei der Anreise war, denn im Zeltlager hatte Herr K\u00e1rar den noch nicht gesehen. Offenbar kamen der Ritter und seine beiden jungen Begleiter aus der N\u00e4he von Iva\u00e1l. Das Wappen auf seinem Schild, golden auf dunklem Gr\u00fcn, zeigte eine Blume, die aus kleineren symmetrischen Elementen zusammengesetzt war. Sein Eisenzeug war nicht weniger mit Gravuren dekoriert. Die groben wollenen M\u00e4ntel und Umh\u00e4nge, die die drei trugen, passen nicht zum Rest der farbenfrohen, goldbestickten Kleidung. Offenbar hatten sie auf der Reise nach Norden die K\u00e4lte untersch\u00e4tzt. Viel Prunk, dachte K\u00e1rar. Wahrscheinlich wenig dahinter.<\/p>\n<p>Er beobachtete interessiert, wie einer der Knappen gleich hungrig in eine Pastete biss, kaute, innehielt und seinen Herrn dann mit verzweifelt geweiteten Augen anschaute. Offenbar war ihm ein g\u00e4nzlich fremdes Gew\u00fcrz untergekommen. K\u00e1rar grinste und beeilte sich, weiter zu kommen, bevor man seine Schadenfreude bemerkte.<\/p>\n<p>Vor der Schmiede war Hochbetrieb. Offenbar nutzten einige Ritter die Gelegenheit, ihr Eisenzeug richten und R\u00f6sser neu beschlagen zu lassen. Der Schmied und seine Gehilfen h\u00e4mmerten, dass die Funken flogen. Etwas abseits, in einem Pferch neben dem Geb\u00e4ude stand ein Pferd und lie\u00df sich von einigen kleinen Kindern mit duftendem Heu f\u00fcttern. K\u00e1rar w\u00e4re fast achtlos daran vorbeigeritten, stutzte dann aber doch. Es war ein ausgesprochen feines Pferd mit sandfarben schimmerndem Fell und wei\u00dfer M\u00e4hne. Zwar kein wuchtiges Streitross, aber kr\u00e4ftiger als ein schneller Renner. Wahrscheinlich floss sogar etwas Feuerblut in seinen Adern. Ein sehr ungew\u00f6hnliches Pferd jedenfalls, eine Stute, die sicher nicht zur Schmiede geh\u00f6rte. Weit besser als das Tier, in dessen Sattel er gerade selbst sa\u00df.<\/p>\n<p>\u201eHe\u201c, rief er den Kindern zu und z\u00fcgelte seinen Schimmel. \u201eWem geh\u00f6rt die?\u201c<\/p>\n<p>Das \u00e4lteste Bauernbalg, ein etwa acht Sommer altes M\u00e4dchen, wusste es. Und es hatte keine Scheu, es ihm, dem fremden Ritter zu verraten.<\/p>\n<p>\u201eDer Herr Merrit holt sie morgen oder \u00fcbermorgen ab\u201c, erkl\u00e4rte es und lief unerschrocken heran, um auch das wei\u00dfe Ritterpferd zu streicheln. \u201eWir passen so lange darauf auf.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMerrit? Merrit Althopian?\u201c<\/p>\n<p>Sie nickte aufgeregt. \u201eDer Herr Merrit wird n\u00e4mlich unser neuer <em>teirand<\/em>. Mama sagt, die <em>teirandanja<\/em> w\u00e4hlt ganz bestimmt ihn aus.\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 sa\u00df ab und ging hin\u00fcber zum Zaun, um sich das kostbare Pferd aus der N\u00e4he anzuschauen. Ein gutes Auge f\u00fcr Pferde hatte er, der <em>yarlandor<\/em> von Althopian, selbstverst\u00e4ndlich. Ob das f\u00fcr sch\u00f6ne Damen auch zutraf?<\/p>\n<p>\u201eUnd der Herr Merrit w\u00e4re ein guter <em>teirand<\/em>, meinst du?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer hat immer s\u00fc\u00dfe Fr\u00fcchtewecken\u201c, sagte ein j\u00fcngeres M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>\u201eDie sind gut!\u201c, kr\u00e4hte das j\u00fcngste Kind, das vermutlich ein Knabe war. Es steckte in einem Kittelchen und hatte zerzaustes Haar.<\/p>\n<p>\u201eSo. Fr\u00fcchtewecken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eImmer, wenn Papa etwas f\u00fcr ihn schmiedet, bringt er uns etwas mit\u201c, erkl\u00e4rte die \u00c4lteste. \u201eUnd einmal durfte ich sogar auf seinem Pferd reiten, auf dem gro\u00dfen braunen Hengst. Das hat Spa\u00df gemacht! Er hat es am Z\u00fcgel einmal ums Haus gef\u00fchrt.\u201c<\/p>\n<p>Herr K\u00e1rar h\u00f6rte gar nicht richtig zu. Was ging es ihn an, wie dieser hochber\u00fchmte Merrit Althopians, Favorit des <em>vaspos\u00e1r<\/em>, sich bei fremden B\u00e4lgern einschmeichelte? Die falbe Stute hier, die war interessant.<\/p>\n<p>Und unerreichbar. Selbst, wenn er es mit Edelsteinen bezahlen w\u00fcrde, wenn das Tier f\u00fcr Althopian bestimmt war und das sogar die Kinder wussten, dann wusste es auch das ganze Dorf. Der Schmied konnte es nicht verkaufen. Er w\u00fcrde es nicht wagen, nicht einmal f\u00fcr den doppelten Wert.<\/p>\n<p>Ob es sich lohnte, Rolk des Nachts herzuschicken und es anders zu l\u00f6sen? K\u00e1rar verwarf den Gedanken mit Bedauern. Nein, das ging auch nicht. Dieses Ross war viel zu auff\u00e4llig. Jeder w\u00fcrde es erkennen.<\/p>\n<p>Er betrachtete den sch\u00f6nen Falben noch einen Moment bedauernd, lie\u00df die Kinder dann stehen und ritt weiter, zur\u00fcck zum Zeltlager.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich war es Nachmittag geworden. Rolk w\u00fcrde ihn langsam vermissen und wom\u00f6glich auf dumme Gedanken kommen.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zur\u00fcck traf er auf dem Weg nahe des Waldst\u00fccks auf einen Mann zu Fu\u00df, der offenbar dasselbe Ziel hatte. Beim N\u00e4herkommen stelle sich heraus, dass es sich um einen Ritter in Eisenzeug handelte, samt Schwert und einem wappenlosen Schild, den er auf seinem R\u00fccken trug. K\u00e1rar musterte den jungen Mann absch\u00e4tzig. Sein Rumpfzeug klapperte, war nur nachl\u00e4ssig verschnallt. Den Helm trug der Bursche unter dem Arm. Die Ausr\u00fcstung des Ritters war \u00e4hnlich veraltet wie die, mit der man ihn selbst losgeschickt hatte. Das am\u00fcsierte K\u00e1rar Ferocriv\u00e9. Immerhin ging es ihm noch besser.<\/p>\n<p>\u201eHe! Ihr da unten!\u201c, rief er und trabte heran. \u201eWas scheppert Ihr hier zu Fu\u00df einher?\u201c<\/p>\n<p>Der junge Ritter blickte auf. Er hatte merkw\u00fcrdig zerzaustes, goldblondes Haar und Kratzer an Kinn und Wangen. Entweder hatte er mit mangelndem Geschick versucht, sich zu rasieren, oder war mit dem Gesicht voran in ein Distelgestr\u00e4uch gest\u00fcrzt. Seine Augen waren von einem sonderbaren Blau. H\u00fcbsch war er, ausgesprochen gef\u00e4llig. Leicht zu beeindruckende <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> w\u00fcrden sicher Gefallen an ihm finden.<\/p>\n<p>\u201eIch hab kein Pferd.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas sehe ich. Wer seid Ihr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin \u2026 versteckt unterwegs. Und Ihr?\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar klopfte an seinen blanken Schild. \u201eWas f\u00fcr ein Zufall. Wir haben denselben Namen. Geht\u2019s zum Lager? Zum <em>vaspos\u00e1r<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eZum Lager will ich, in der Tat. Und sp\u00e4ter auch zum <em>vaspos\u00e1r<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa kommt ihr aber nicht weit. Was ist mit Eurem Ross geschehen? Mit Euren Begleitern? Und Eurem Gesicht?\u201c<\/p>\n<p>Der junge Mann brauchte einen Moment zum Antworten, so peinlich war ihm wohl die Sache. \u201eMein Ross \u2026 das musste ich zur\u00fccklassen. Es \u2026 war zum Turnier nicht mehr zu gebrauchen. Und meine Begleitung, nun \u2026 weggelaufen und verschwunden. Aber sie kann noch nicht weit fort sein! Und wenn ich sie finde, dann \u2026\u201c<\/p>\n<p>Er sprach nicht weiter. Vermutlich, weil er selbst \u00fcberlegen musste, wie er mit seinen untreuen Knappen umspringen sollte, die ihn im Stich gelassen hatten, nachdem sein Ross verungl\u00fcckt war. Fast konnte der arme Kerl einem leidtun.<\/p>\n<p>\u201eWenn Ihr Hilfe ben\u00f6tigt\u201c, erkl\u00e4rte er dem j\u00e4mmerlichen Fu\u00dfk\u00e4mpfer, \u201esolltet Ihr zur Burg gehen. Das ist in der anderen Richtung. <em>Yarl<\/em> Mor\u00e9aval wird es ein Vergn\u00fcgen sein, Euch zu helfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch brauche keine Hilfe\u201c, gab der junge Mann zur\u00fcck. \u201eIch brauche nur ein Pferd.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist Euer wichtigstes Anliegen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie Ihr selbst sagtet, ohne ein Ross komme ich nicht weit. Ich hoffe, im Lager h\u00e4tte jemand vielleicht ein \u00fcberz\u00e4hliges Tier zum Verkauf. Oder als Leihgabe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHabt Ihr denn Geld?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMehr als genug, denke ich.\u201c<\/p>\n<p>Interessant.<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6rt zu, junger Freund. Mag sein, dass im Lager jemand ein Pferd \u00fcbrig hat und es Euch verkaufen w\u00fcrde. Aber es gibt noch eine andere M\u00f6glichkeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df, wo ein gutes Pferd zu haben ist. Aber es ist nicht so einfach, heranzukommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas hei\u00dft das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr werdet darum handeln m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist kein Problem. F\u00fcr gew\u00f6hnlich bekomme ich stets das, was ich will.\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 frohlockte. Wie er es erwartet hatte: ein naiver Trottel. Wahrscheinlich trat er wappenlos an, weil seine Familie sich nicht mit ihm blamieren wollte.<\/p>\n<p>\u201eDann folgt mir. Seid mein Gast. Ich habe nur ein bescheidenes Zelt, aber ein gutes Bier und eine einfache Mahlzeit habe ich anzubieten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch danke Euch. Aber ich werde Eure Gastfreundschaft nicht \u00fcberstrapazieren. Lasst mich im Zeltlager schauen, ob ich ein Ross finde, und wenn nicht, erz\u00e4hlt mir von dem euren. Aber zun\u00e4chst muss ich nach meiner Begleitung Ausschau halten. Nicht unwahrscheinlich, dass auch sie auf den Gedanken kam, bei den edlen Herren Rat und Hilfe zu suchen.\u201c<\/p>\n<p>Er schritt ausdauernd neben dem Pferd her. K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 versuchte, den seltsamen Kerl auszuhorchen. Aber mehr, als dass er weit aus dem S\u00fcden kam, brachte er nicht aus ihm heraus. Immerhin, der junge Mann kannte sich aus und wusste, mit wem sie es beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> zu tun bekamen.<\/p>\n<p>Im Zeltlager angekommen, trennten sich ihre Wege. K\u00e1rar gab sein Pferd in die Obhut der Pferdeknechte, die bei den Pferchen f\u00fcr Ordnung sorgten. Dann beschrieb dem rosslosen Ritter noch, woran er sein Zelt erkannte. Der Blonde blieb bei einem Gr\u00fcppchen bestens gelaunter Ritter und minderem Volk stehen, die sich k\u00f6stlich \u00fcber ein windschiefes Prachtzelt am\u00fcsierten und \u00fcber das Geschrei, das ein hochedler Herr mit hochrotem Kopf \u00fcber zwei versch\u00fcchterte Knappen einprasseln lief. K\u00e1rar sah gerade noch, wie der junge Mann das Schauspiel einen Augenblick verwirrt betrachtete und dann sehr h\u00f6flich den <em>yarl<\/em> von Ycelia ansprach.<\/p>\n<p>Als er sich dem Zelt n\u00e4herte, h\u00f6rte er Rolk drin leise fluchen und dann laut aufschreien. Ein absonderliches Kreischen und Quietschen \u00fcbert\u00f6nte das Wehklagen des Knappen.<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 schob mit einem Sto\u00dfseufzer das Tuch beiseite, das den Zelteingang verschloss.<\/p>\n<p>\u201eWas ist hier los, Kerl?\u201c, fragte er unheildrohend und wollte gerade lospoltern, unterbrach sich aber verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p>Rolk sa\u00df breitbeinig am Boden und hielt dazwischen den Helm festgeklammert. Das Visier hatte er aufgeklappt. Offenbar versuchte er, etwas zu packen, das unter dem Helm sa\u00df und sich heftig zur Wehr setzte. Der Junge war nassgeschwitzt und sah aus, als habe er vor Schmerz sogar ein paar Tr\u00e4nen vergossen.<\/p>\n<p>Rolk zog die Hand aus dem Helm und klappte hastig das Visier zur\u00fcck.\u00a0 Tats\u00e4chlich, seine Finger waren zerschrammt und blutig. Unter dem Metall quietschte es dumpf. \u201eIch \u2026 hab was gefangen, Herr!\u201c, berichtete er aufgeregt.<\/p>\n<p>\u201eKlingt nach einer Ratte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr, viel besser! Es wird Euch gefallen. Ich bekomme es nur nicht raus. Es bei\u00dft!\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 setzte sich auf sein Bett und sch\u00fcttelte tadelnd den Kopf. Dann zog er sich seine eisenbeschlagenen Handschuhe aus und warf dem Jungen einen davon zu. \u201eVersuchs hiermit. Nun bin ich neugierig.\u201c<\/p>\n<p>Rolk streifte sich den Waffenhandschuh \u00fcber und klappte das Visier ganz vorsichtig beiseite. Nun gl\u00fcckte es. Strahlend vor Stolz zog der Knappe ein strampelndes, emp\u00f6rt keckerndes Tier hervor. Es versuchte, seine spitzen Z\u00e4hne in dem Handschuh zu versehen, aber das Eisen tat seinen Dienst.<\/p>\n<p>\u201eWas ist das?\u201c, fragte K\u00e1rar Ferocriv\u00e9. \u201eEin Eichh\u00f6rnchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht, Herr. Denke schon.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd was willst du damit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hab es f\u00fcr Euch gefangen, Herr!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd was soll <em>ich<\/em> damit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wollte Euch damit \u00fcberraschen. Wir k\u00f6nnten ihm das Fell abziehen, ausstopfen und einen\u00a0 Helmschmuck daraus machen.\u201c<\/p>\n<p>Das schwarze Tierchen kreischte erz\u00fcrnt. Es war wohl nicht mit Rolks Plan einverstanden.<\/p>\n<p>\u201eWann\u201c, fragte Herr K\u00e1rar und fragte sich, warum er ausgerechnet diesen Kerl als Gehilfen hatte zugeteilt bekommen, \u201ehast du zum letzten Mal einen Ritter mit einem r\u00e4udigen Nagetier auf dem Helm gesehen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist so flauschig! Sein Schwanz ist wie ein Federbusch.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, f\u00fcr einen Puppenhelm! Bei den M\u00e4chten, Kerl, wie viel Zeit hast du f\u00fcr diese Narretei verschwendet?\u201c<\/p>\n<p>Rolk schien ernsthaft entt\u00e4uscht. \u201eDann wollt ihr es nicht? Was soll ich denn jetzt damit machen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMir egal. Lass es frei oder schlag es tot, aber lass mich in Frieden mit diesem Unfug. Nachher kommt ein \u2026\u201c Er unterbrach sich und runzelte die Stirn. Eine gute Idee kam ihm in den Sinn. Nein: eine ausgezeichnete Idee. \u201eWarte. Halt es fest und lass es am Leben. Ich bin sofort wieder zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 schaute sich bei <em>yarl<\/em> Ycelia nach etwas Brauchbarem um. Das bunte Prachtzelt stand offen und war verwaist. Wahrscheinlich war zwischenzeitlich die ganze Schar der Wettk\u00e4mpfer nebst Gefolge um die Gauklernummer mit dem schiefen Zelt weiter vorn versammelt. In einer Ecke hatten der <em>yarl<\/em> und seine Leute einige bauchige Kr\u00fcge aus dickem, klaren Glas aufgestellt, gef\u00fcllt mit dem starken Bier, das sie daheim gegen die K\u00e4lte tranken. Einer der Kr\u00fcge war fast leer, sicher seit der Nacht zuvor. K\u00e1rar nahm sich den Krug und brachte ihn behutsam hin\u00fcber in sein eigenes Zelt.<\/p>\n<p>\u201eHier.\u201c Er sch\u00fcttete den Rest des edlen Starkbiers in einen der eigenen Kr\u00fcge und stellte den gestohlenen vor Rolk ab. \u201eRein mit dem Vieh.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn den edlen Krug? Habt Ihr den \u2026 erbeutet?\u201c<\/p>\n<p>\u201e<em>Ausgeliehen<\/em> hab ich ihn. Einen leeren Krug vermissen die T\u00f6lpel hoffentlich nicht so schnell. Mach schon!\u201c<\/p>\n<p>Rolk setzte das Eichh\u00f6rnchen auf den Boden des Kruges. Kaum hatte er es losgelassen, begann es, darin herumzuwirbeln, zu springen und zu kratzen. Einen Moment lang beobachteten sie, wie das Tier sich abm\u00fchte und dann aufgab. Das glatte Glas war un\u00fcberwindbar und der sich verj\u00fcngende Hals des Gef\u00e4\u00dfes machte es unm\u00f6glich, einfach herauszuspringen.<\/p>\n<p>\u201eEs ist wirklich niedlich, nicht wahr, Herr?\u201c, fragte Rolk nach einer Weile. \u201eMeine kleine Schwester hatte auch mal eines. Es war fast zahm.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Sehr niedlich. Genauso possierlich, wie junge Damen es lieben. Gut gemacht, Rolk.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTats\u00e4chlich, Herr?\u201c Rolk sah nahezu fassungslos aus. So selten wurde er gelobt.<\/p>\n<p>\u201eDas l\u00f6st mir in der Tat ein Problem. Du hast dir eine Belohnung verdient. Aber vorher machst du noch etwas anderes.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu gehst zur\u00fcck ins Dorf und versuchst, dort einen kleinen K\u00e4fig aufzutreiben. Komm nicht zur\u00fcck, bis du einen gefunden hast. Kannst du dir das merken?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich, Herr. Ich bin schon unterwegs!\u201c<\/p>\n<p>\u201eBrav.\u201c K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 streckte sich auf seiner Liegestatt aus. \u201eDann los. Und noch etwas. Im Dorf wirst du ein ungew\u00f6hnlich edles Pferd vorfinden. Merke dir gut, wo es sich befindet.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4259","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4259","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4259"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4259\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4262,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4259\/revisions\/4262"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4259"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4259"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4259"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}