{"id":4258,"date":"2025-09-07T23:58:54","date_gmt":"2025-09-07T21:58:54","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4258"},"modified":"2025-09-07T23:58:54","modified_gmt":"2025-09-07T21:58:54","slug":"023-yalomiro-ist-besorgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/07\/023-yalomiro-ist-besorgt\/","title":{"rendered":"023: Yalomiro ist besorgt"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Es war ungewohnt, dass D\u00fdamir\u00e9e nicht bei uns im Eta\u00edmalon war. Nat\u00fcrlich war sie zuweilen tageweise unterwegs, meist mit Advon am anderen Ende der Welt, bei den Regenbogenrittern im Ciel\u00e1stel. Warum auch nicht? Im Gegensatz zu mir und Yalomiro konnte sie sie sich im Heiligtum von Patagh\u00edu aufhalten. Aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden war sie gegen Gold gefeit geblieben, nachdem ihre <em>maghiscal<\/em> erwacht war. Sie konnte im Ciel\u00e1stel ein- und ausgehen, ohne dass die der Ort sie schw\u00e4chte oder ihr Schmerzen bereitete. Sie verstand sich au\u00dferdem ausgezeichnet mit Advons Mutter, der<em> faj\u00eda<\/em> Elos\u00e1l, und seinem Vater C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor, dem Goldenen, dem Anf\u00fchrer der Farbenmagier. D\u00fdamir\u00e9e genoss diese Ausfl\u00fcge. Es gab dort so viel mehr zu sehen und andere Dinge zu lernen als hier, in unserer magischen Idylle.<\/p>\n<p>Das Portal unweit der gl\u00e4sernen Burg am Rande der W\u00fcste zu unserem Wald nahe dem Montaz\u00edel hatten Yalomiro in Elos\u00e1l gemeinsam geschaffen. Ein Geschenk f\u00fcr die Kinder war es gewesen, eine M\u00f6glichkeit, die gro\u00dfe Entfernung mit einem Schritt zu \u00fcberbr\u00fccken. Doch die Mittagspforte war mehr als das. Ohne dass es jemand laut ausgesprochen hatte, war diese geheime Passage zwischen der Magie des Tages und der Nacht ein Versprechen, ein Symbol f\u00fcr die Freundschaft und das B\u00fcndnis, das die Schattens\u00e4nger und Regenbogenritter durch unsere Nachkommen verband.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich war Advon kein beh\u00fcteter, artiger kleiner Junge mehr. Zu einem charmanten junger Mann war er herangewachsen. Aus der Kinderfreundschaft war l\u00e4ngst viel mehr geworden. Ich mutma\u00dfte, dass es Yalomiro zuweilen verdross, es den beiden <em>zu leicht<\/em> gemacht zu haben.<\/p>\n<p>Aber diesmal waren die beiden nicht an einem Ort, an dem ihnen nichts zusto\u00dfen konnte. Zwar hielten Advon und D\u00fdamir\u00e9e Kontakt zu Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor und ihrem engsten Gefolge. Aber das geschah in gro\u00dfer Heimlichkeit und meist in der Nacht. Nicht einmal Manj\u00e9vs Eltern wussten von den heimlichen Zusammenk\u00fcnften, die unter einer Menge magischer Sicherheitsvorkehrungen stattfanden, im wesentlichen extrem m\u00e4chtiger Willenszauber, die C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor diskret aus der Entfernung wirkte. Unkundige sollten nicht bemerken, wie nah ihnen die Magie ab und zu in Gestalt von Kindern kam. Yalomiro bef\u00fcrchte, das k\u00f6nne Menschen beunruhigen. Elos\u00e1l stimmte ihm dabei zu. Beide hatten recht. Ich versuchte oft, mir vorzustellen, wie es in meiner Welt ausgesehen h\u00e4tte, wenn sich dort ein magiewirkendes Wesen offenbart h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Was die Kenntnis \u00fcber die Alltagswelt der Unkundigen betraf, war Advon klar im Vorteil. Wir wussten, dass er sich zuweilen heimlich in die Stadt Aur\u00f3p\u00e9a schlich. Eigentlich war das nicht erlaubt. Die Unkundigen der gro\u00dfen W\u00fcstenstadt verbaten sich jegliche Einmischung der Magier mit ihrem allt\u00e4glichen Leben, es sei denn, ein Notfall erfordere es. Dann war ihnen Magie willkommen. Aber D\u00fdamir\u00e9e &#8230;<\/p>\n<p>Drei Tage waren die beiden zwischenzeitlich fort. Auf Farbenspiels R\u00fccken war die Reise nach Wijdlant nicht der Rede wert. Im Schutze der Nacht bestand auch nur ein geringes Risiko, von Beobachtern am Boden entdeckt zu werden. Aber seit sie unterwegs waren, hatten wir von D\u00fdamir\u00e9e nichts geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u201eAdvon wird auf sie achtgeben wie auf ein rohes Ei\u201c, sagte ich zu Yalomiro.<\/p>\n<p>\u201eDas will ich ihm dringend geraten haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eD\u00fdamir\u00e9e wei\u00df, dass sie vorsichtig und bedacht sein muss. Sie neigt nicht zu Leichtsinn. Bestimmt nicht.\u201c<\/p>\n<p>Yalomiro hob die Brauen und warf mir einen merkw\u00fcrdigen Blick zu. Es sah aus, als sei er nicht ganz sicher, ob ich scherze.<\/p>\n<p>\u201eAls <em>ich<\/em> in ihrem Alter war\u201c, sagte er, \u201emusste mein Meister mich alle paar Tage streng zur Ordnung rufen. In der Regel, weil er mich f\u00fcr verantwortungsvoller gehalten hatte, als es in meiner Natur lag.\u201c<\/p>\n<p>Er fuhr mit seiner Arbeit fort. Es war Nachmittag, und wir kontrollierten die Pflanzen rund um den Eta\u00edmalon und am Ufer des Sees. Immer, wenn Farbenspiel dort geweidet hatte, war viel verbissen und verzehrt. Sofern von den Pflanzen Wurzeln und etwas lebendiges Gr\u00fcn \u00fcbrig waren, konnte Yalomiro sie nachwachsen lassen. Er beschwor die Pflanzen, sehr bed\u00e4chtig und mit einer gewissen Geistesabwesenheit.<\/p>\n<p>\u201eWenn ich seinerzeit ungehorsam war, gab es daf\u00fcr in aller Regel zwei Gr\u00fcnde\u201c, fuhr er fort. \u201eEntweder, ich war schlicht \u00fcberm\u00fctig. Oder etwas <em>zu<\/em> interessiert an den Unkundigen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAdvon und D\u00fdamir\u00e9e waren schon mehr als einmal in Wijdlant. Das ist keine Reise ins Unbekannte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber sie sind immer unter meiner oder Meister C\u00fdel\u00fas Aufsicht dort gewesen, um sich mit der <em>teirandanja<\/em> zu treffen. Nicht, um auf eigene Faust nach Hinweisen auf eine unklare Bedrohung zu suchen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eYalomiro\u201c, mahnte ich ihn, \u201eist dir nicht bewusst, wie <em>m\u00e4chtig<\/em> D\u00fdamir\u00e9e ist? Selbst wenn Advon nicht an ihrer Seite w\u00e4re, w\u00fcrde sie Bedrohung sofort bemerken und ausweichen. Und wie stark Advon ist, hast du doch am eigenen Leib gesp\u00fcrt. Sie hat einen unfehlbaren Leibw\u00e4chter bei sich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMachst du dir etwa keine Sorgen? Nimmst du es schwerer, sie auf einen Baum, klettern zu sehen als dass sie au\u00dfer Sicht ist?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist Unsinn, Yalomiro. Mir ist auch nicht wohl dabei, dass wir nicht wissen, was die beiden gerade anstellen. Aber D\u00fdamir\u00e9e ist l\u00e4ngst kein Kind mehr. Du kannst nicht st\u00e4ndig \u00fcber sie wachen. Und ich auch nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs w\u00e4re unsere Pflicht, das zu tun.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Yalomiro. Ich kann nicht f\u00fcr Advon sprechen, aber Elos\u00e1l und C\u00fdel\u00fa lassen ihm genau den Raum, den junge Leute ben\u00f6tigen. Glaub mir. Es tut niemandem gut, st\u00e4ndig \u00fcberwacht zu werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist nicht dasselbe. Advon ist nicht gef\u00e4hrlich f\u00fcr Unkundige. Aber D\u00fdamir\u00e9e &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie beiden sind keine leichtsinnigen Kinder mehr.\u201c<\/p>\n<p>Er seufzte und lie\u00df einen dornigen Brombeerstrauch neu austreiben. Ausgerechnet diesem wuchernden Gew\u00e4chs h\u00e4tte Farbenspiels Appetit gutgetan. Yalomiro bemerkte nicht, dass er einen bedrohlichen Dornenverhau heraufbeschwor.<\/p>\n<p>\u201eWarum hat sie uns nicht im Traum angesprochen?\u201c, fuhr er fort. \u201eSie sollte doch wissen, wie besorgt wir sind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas kann ganz harmlose Gr\u00fcnde haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd welche?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun ja. Vielleicht haben die beiden schlicht nicht geschlafen. Vielleicht haben sie zusammen Wichtigeres unternommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWichtigeres?\u201c Wieder huschte eine Spur argw\u00f6hnischer Aufmerksamkeit \u00fcber seine silberfunkelnden Augen. Das w\u00e4re am\u00fcsant gewesen, h\u00e4tte \u00fcber alldem nicht ernste Sorge gelegen.<\/p>\n<p>\u201eWenn sie mit der <em>teirandanja<\/em> Kontakt aufgenommen haben\u201c, beschwichtigte ich ihn, \u201ewann sollten sie das sonst tun als mitten in der Nacht? Sie werden kaum am helllichten Tag in die Burg hineingegangen sein. Nachts ist die <em>teirandanja<\/em> mit ihren Hofdamen allein und D\u00fdamir\u00e9e muss sich nicht verkleiden. Selbst Advon f\u00e4llt in der Dunkelheit auch nicht so sehr auf wie am Tag. Von Farbenspiel ganz zu schweigen. Ich frage mich, wie sie den verstecken wollen.\u201c<\/p>\n<p>Yalomiro wandte sich der n\u00e4chsten zerrupften Pflanze zu. \u201eEs gibt noch eine M\u00f6glichkeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht haben sie etwas vor, das sie uns nicht verraten wollen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso sollten sie uns etwas verschweigen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeil wir es nicht guthei\u00dfen k\u00f6nnten. Was wir nicht wissen, k\u00f6nnen wir nicht verbieten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas traust du D\u00fdamir\u00e9e zu?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. Ohne Verbot sind die beiden nicht ungehorsam.\u201c Er l\u00e4chelte fl\u00fcchtig. \u201eDas war auch meine Logik.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd die hat sich bew\u00e4hrt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeistenteils.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAdvon wird sie von Leichtsinn abhalten\u201c, beeilte ich mich zu sagen. Ganz \u00fcberzeugt war ich allerdings pl\u00f6tzlich selbst nicht mehr. Bei n\u00e4herem Nachdenken neigte Advon allzu oft dazu, sich D\u00fdamir\u00e9es Einf\u00e4llen zu f\u00fcgen. Bei all seiner Willenskraft war er selbst zu gutm\u00fctig, um ihr zu widersprechen. Vielleicht war <em>das<\/em> ein Teil von D\u00fdamir\u00e9es nat\u00fcrlicher Magie.<\/p>\n<p>\u201eSalghi\u00e1ra, mir ist \u2026 unwohl. Es r\u00fchrt sich etwas am Rande meiner Gedanken. So als sei etwas \u2026 nicht <em>ganz<\/em> so, wie es mir gefallen w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eYalomiro, Advon ist \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs geht nicht um Advon. Es ist \u2026\u201c Er tat eine unbestimmte, ratlose Geste. \u201eEs ist wie ein kleiner Missklang, eine Resonanz.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie meinst du das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eStell dir vor, du st\u00fcndest am Ufer des Sees und in dessen Mitte taucht ganz langsam ein gro\u00dfer Fisch auf. Wie lange dauert es, bis du die Wellen sp\u00fcrst, die er aufst\u00f6rt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHaben diese Wellen mit der Vision zu tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht. Sie sind noch nicht bei mir angekommen.\u201c<\/p>\n<p>Ich tastete nach seiner Schulter. Er lie\u00df von der Pflanze ab, nahm mich in den Arm und legte seufzend seine Stirn an meine. Eine Weile kuschelten wir uns aneinander. Ich sp\u00fcrte ganz deutlich, er war unruhig, rastlos. Es trieb ihn, sich selbst zu \u00fcberzeugen, dass die jungen Leute die Sache im Griff hatten. Ich verschmolz meine <em>maghiscal<\/em> mit der seinen. Es betr\u00fcbte mich, wie geschw\u00e4cht er nach wie vor war. Es tat uns beiden gut, hier Herzschlag an Herzschlag zu stehen und den anderen zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>\u201eWann ziehen wir beide los?\u201c, fragte ich leise.<\/p>\n<p>\u201eDu meinst also auch, dass wir besser nachschauen sollten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUm durch die Schatten von hier bis nach Wijdlant zu gehen, brauchen wir zwei Tage.\u201c<\/p>\n<p>Wir h\u00e4tten in einem halben Tag fliegen k\u00f6nnen, wurde mir schmerzlich bewusst. Wenn ich mir nur die M\u00fche gegeben h\u00e4tte, zu erlernen, wie man einen Tierk\u00f6rper anlegte. Es lag also nur an mir. Andererseits: Wir mussten so lange wie m\u00f6glich im Eta\u00edmalon bleiben. Das Heiligtum durfte nicht zu lange ohne H\u00fcter sein, nicht angesichts der Vision. Es war noch viel zu tun. Schutzb\u00e4nne zu wirken, magische Grenzen zu ziehen, und \u2026<\/p>\n<p>Yalomiro aber sagte: \u201eWenn wir heute Nacht nicht mit D\u00fdamir\u00e9e tr\u00e4umen\u201c, beschloss er und beschwor eine weitere Ranke hinauf, \u201ebrechen wir morgen auf.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p>Zeit verging. Advon wusste sie zu nutzen, es blieb ihm ja auch wenig anderes \u00fcbrig. Wenn D\u00fdamir\u00e9e sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, gab es wenig, was sie aufhalten konnte.\u00a0 Trotzdem, es war ihm nicht wohl dabei, dass die Schattens\u00e4ngerin sich ganz allein ins Ritterlager begeben hatte. Wer konnte denn ahnen, wer sich dort alles bereits eingefunden hatte?<\/p>\n<p>\u201eIch mag es nicht, wenn sie so etwas macht\u201c, sagte er zu Farbenspiel. \u201eSelbst in Tiergestalt k\u00f6nnte ihr alles M\u00f6gliche zusto\u00dfen. Es muss nicht einmal \u00fcble Absicht von jemandem dabei sein. Was, wenn einer einen Jagdvogel mitgebracht hat?\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel schnaubte unverbindlich. Der Regenbogenritter seufzte. Er wusste wohl, dass das Tier den Sinn seiner Worte nicht verstand. Gefl\u00fcgelte Einh\u00f6rner waren h\u00f6chst intelligente Tiere, weit kl\u00fcger als Pferde. Ihm Rat geben oder ihm zumindest zustimmen konnte der Hengst allerdings nicht.<\/p>\n<p>Wenigstens musste Advon keine Selbstgespr\u00e4che f\u00fchren, w\u00e4hrend er sich um seine Ausr\u00fcstung k\u00fcmmerte. Das verbeulte, rostige Metall gl\u00e4nzte zwischenzeitlich wie frisch poliert. Das Schwert und die \u00fcbrigen Waffen, die sie aus dem alten Verlies unter dem Turm geholt hatten, waren scharf wie frisch aus der Schmiede. Nat\u00fcrlich war es weiterhin schn\u00f6des Eisenzeug und von der Machart so, dass es vermutlich in den Tagen der Chaoskriege im Kampf getragen worden war.\u00a0 Der junge Mann warf einen bedauernden Blick auf seine elegante, goldene R\u00fcstung, die in der Mittagssonne gl\u00e4nzte.<\/p>\n<p>\u201eDie muss ich verstecken\u201c, erkl\u00e4rte er seinem Reittier. \u201eIch lege sie in ein Geb\u00fcsch und lege einen Schutzzauber darauf, damit niemand das Gold- und Lederzeug findet. Du bleibst in der N\u00e4he, f\u00fcr alle F\u00e4lle. Und du wirst gerade nicht von diesem Busch fressen!\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel schaute ihn so unschuldig an, wie es mit gelben Reptilienaugen eben ging. Advon zauste ihm die federzarte Flauschm\u00e4hne. \u201eBei Patagh\u00edu\u201c, murmelte er, \u201eein Pferd und Sattelzeug brauche ich ja auch noch! Wo soll ich das denn so schnell hernehmen?\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel schnaufte. Fast ein wenig beleidigt klang das.<\/p>\n<p>\u201eNein, mein Guter, du kannst mich nicht tragen, nicht in diesem Turnier. Das erlaubt schon der <em>maedlor<\/em> nicht, der die Sache beaufsichtigt. Es soll doch unauff\u00e4llig zugegen. Nun, lass mich nachdenken. Ob ich Manj\u00e9v um ein Pferd bitten kann? Fragt sich, ob sie mir eines beschaffen k\u00f6nnte. So ein Turnierpferd ist ja nun etwas anderes als ein ausrangierter Helm.\u201c<\/p>\n<p>C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor legte stets Wert darauf, dass sein Sohn den Ciel\u00e1stel nicht ganz ohne Geld in den Taschen verlie\u00df. Zwar hatte Advon bei seinen Besuchen im Eta\u00edmalon niemals Geld ben\u00f6tigt, aber vielleicht kam ihm das nun zupass.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich fand er in seiner B\u00f6rse eine Handvoll von M\u00fcnzen aus dem besonderen Gold, das Menschen f\u00fcr ihren Handel ben\u00f6tigten. Er z\u00e4hlte und \u00fcberlegte, ob sein Taschengeld ausreichte, um ein taugliches Pferd zu erwerben. Vorausgesetzt, er w\u00fcrde eines finden. Ihre Pferde kauften die Ritter n\u00f6rdlich des Gebirges am liebsten aus den Herden des <em>yarl<\/em> Althopian. Das waren mindestens f\u00fcnf bis sechs Tagesritte von hier. Selbst, wenn er die eine Strecke fliegen w\u00fcrde, w\u00fcrde das zu viel Zeit kosten, denn wie sollte er ein Pferd durch die Luft transportieren?<\/p>\n<p>Advon stapelte die M\u00fcnzen spielerisch zu einem T\u00fcrmchen und betrachtete die Pr\u00e4gung, auf der kunstvoll das Siegel des <em>konsej<\/em> von Aur\u00f3p\u00e9a abgebildet war.<\/p>\n<p>Wenn er ein Ritterpferd brauchte, musste er bei den Rittern fragen. Ganz sicher hatten einige der Herren f\u00fcr alle F\u00e4lle ein \u00fcberz\u00e4hliges Ross mitgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u201eFarbenspiel, ich werde versuchen, im Zeltlager ein Pferd zu kaufen.\u201c<\/p>\n<p>Der Hengst faltete seine Fl\u00fcgel zusammen und trottete davon. Advon versuchte, sich das R\u00fcstzeug anzulegen, um es auszuprobieren und wenn n\u00f6tig so zu ver\u00e4ndern, dass es an seinen K\u00f6rper passte. Das war nicht einfach, und er h\u00e4tte gerade jetzt D\u00fdamir\u00e9es Hilfe gut gebrauchen k\u00f6nnen, um all die H\u00e4kchen und Schnallen zu erreichen. Wo blieb sie nur? So lange konnte es doch nicht dauern, sich das kleine Zeltlager anzuschauen. Es waren doch erst wenige G\u00e4ste eingetroffen!<\/p>\n<p>Beim Brust- und R\u00fcckenzeug wusste er sich nicht anders zu helfen, als es locker zusammen zu schnallen und dann hineinzukriechen wie in ein Hemd.\u00a0 Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck, dass ihn niemand bei diesen unw\u00fcrdigen Verrenkungen beobachtete! Als es endlich gelungen war, in das R\u00fcstzeug zu schl\u00fcpfen und alle Schienen anzulegen, war er beinahe mehr au\u00dfer Atem als nach einem Gepl\u00e4nkel mit seinem Vater oder den Regenbogenrittern. Immerhin, das Eisenzeug sa\u00df und war weniger unbequem, als er bef\u00fcrchtet hatte.<\/p>\n<p>Kritisch betrachtete er die sonderbare Ausstattung in seinem eigenen blanken Goldschild, den er als Ankleidehilfe an einen niedrigen Ast geh\u00e4ngt hatte. Nein, so richtig gefiel es ihm nicht, was er sah. Das war kein Wettk\u00e4mpfer f\u00fcr das <em>vaspos\u00e1r<\/em>, das war ein Regenbogenritter mit einem schlechten Kost\u00fcm.<\/p>\n<p>Das schillernd bunte Untergewand war das geringste Problem. Advon zauberte seine Gew\u00e4nder so um, dass sie in bescheidenen Farben erschienen und aus gr\u00f6berem Tuch gemacht erschienen. Das war schon besser. Farbenspiel beobachtete das seltsame Treiben seines Herrn und beschnupperte die fremdartige R\u00fcstung.<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte dich so verzaubern, dass die Unkundigen dich f\u00fcr ein Pferd halten. Aber das w\u00e4re viel zu gro\u00dfer Aufwand. Beim Turnier sind zu viele Menschen. Die kann ich nicht unter meinem Willen halten und zugleich bei ihren Kampfspielen mitmachen.\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel legte gro\u00dfen Kopf auf Advons Schulter. Die Spitze seines Horns hinterlie\u00df einen kleinen Kratzer auf dem Schild. Der junge Magier schaute nachdenklich sein Spiegelbild an.<\/p>\n<p>\u201eIch sehe l\u00e4cherlich aus, nicht wahr? Ich geh\u00f6re nicht zu ihnen. Sie werden es sofort bemerken. Und dann werden sie Fragen stellen. Eine Flut von L\u00fcgen und Vertuschung wird das ausl\u00f6sen, wie eine Lawine, die von einem Berg ins Tal st\u00fcrzt. Bei den M\u00e4chten, was f\u00fcr eine dumme Idee! Als ob das hier genug Maskerade w\u00e4re!\u201c Er seufzte und setzte sich den Helm auf. Wer genau hinsah, der bemerkte den Goldschimmer seiner Augen hinter dem Visier. Halten w\u00fcrde diese T\u00e4uschung jedoch nur, solange ihn nicht seine urspr\u00fcngliche Aufgabe dazu zwang, zu zaubern. Mochte Patagh\u00edu verh\u00fcten, dass wirklich etwas Unheilvolles hinter Meister Yalomiros Vision steckte und Nokt\u00e1ma geben, dass es wirklich nur um irgendwelche Albernheiten und Streitigkeiten der Unkundigen ging.<\/p>\n<p>Farbenspiel brummte. Es klang nach Zustimmung. Advon setzte den Helm wieder ab und betrachtete sich noch eine Weile nachdenklich. Nein, so konnte er nicht zu den lagernden Rittern gehen und sich dort nach einem Pferd und D\u00fdamir\u00e9es Verbleib erkundigen. Was war das, was ihn so anders aussehen lie\u00df als die unkundigen M\u00e4nner, die er gesehen hatte? Waren es wirklich nur die golden-blauen Augen? Das Erbe seiner Mutter, der <em>faj\u00eda<\/em> Elos\u00e1l Ir\u00edsolor, dem er sein gef\u00e4lliges \u00c4u\u00dferes verdankte?<\/p>\n<p>Er lie\u00df die Schultern h\u00e4ngen. Nun, wenn er sich unerkannt unter die Turnierk\u00e4mpfer mischen musste, um Merrit Althopian vom Sieg und m\u00f6gliche Gegner, magisch oder nicht, von Niedertrachten abzuhalten, lie\u00df es sich wohl nicht vermeiden. Um nicht als Regenbogenritter erkannt zu werden, musste er ein Opfer bringen.<\/p>\n<p>Und so zog Advon Ir\u00edsolor seinen Dolch und schnitt sich entschlossen die langen blonden Haare ab.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4258","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4258"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4261,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4258\/revisions\/4261"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}