{"id":4256,"date":"2025-09-08T00:06:33","date_gmt":"2025-09-07T22:06:33","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4256"},"modified":"2025-09-08T00:07:52","modified_gmt":"2025-09-07T22:07:52","slug":"026-moewen-und-pferde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/026-moewen-und-pferde\/","title":{"rendered":"026: M\u00f6wen und Pferde"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Patagh\u00edus Glanz senkte sich dem Meer entgegen. Es w\u00fcrde noch eine Weile dauern, bis er den Horizont ber\u00fchrte. Aber wenn es so weit war, dann w\u00fcrde das Feuer des Himmels das Wasser aufgl\u00fchen lassen, wie Honig oder fl\u00fcssiger Bernstein w\u00fcrde das f\u00fcr einige Augenblicke aussehen. Ein Spektakel, welches nur an dieser Stelle der K\u00fcste in dieser Form zu sehen war. Alsg\u00f6r Emberbey hatte es gern betrachtet, wenn er auf seiner Burg anwesend war. Und sogar die Mutter, die in Rodekliv geblieben und auf gute Kunde von Ihrem Sohn wartete, hatte zuweilen das goldene Wasser erw\u00e4hnt: Obwohl sie selbst es nur aus den Erz\u00e4hlungen der Gro\u00dfmutter kannte. Jener Mejra Emberbey, die er selbst nicht kennengelernt hatte.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r Emberbey wischte den Gedanken beiseite. Die nutzlose Sch\u00f6nheit des Meeres war weit weniger interessant als die Bucht und die Burg und das Ansehen. Und was tat es? Alsg\u00f6r Emberbey w\u00fcrde den Anblick ohnehin nicht mehr genie\u00dfen, zumindest nicht von dieser Seite der Tr\u00e4ume aus.<\/p>\n<p>\u201eWas treibt ihr da?\u201c, herrschte Venghi\u00e1r die beiden Frauen und den Mann an, auf die er auf dem Weg an den Strand aufmerksam geworden war. Um zu der in den Stein gehauenen Treppe zu gelangen, musste man die Wiese hinter der n\u00f6rdlichen Mauer \u00fcberqueren. Hier war vor vielen Wintern noch ein kleiner Blumengarten gewesen. Solange Damen auf der Burg gelebt hatten, war dies ein kleiner Zufluchtsort der Sch\u00f6nheit gewesen. Nachdem Herrn Alsg\u00f6rs <em>yarlara<\/em> hinter die Tr\u00e4ume gegangen war, hatte niemand mehr die Blumen gepflegt. Einige kr\u00e4ftigere Stauden und Str\u00e4ucher verwilderten vor sich hin, waren aber bereits herbsttrocken und d\u00fcrr. An einem \u00fcbermannshohen Metallbogen rankte eine verwahrloste Kletterrose empor. Einige Schritte dahinter h\u00f6rte der Boden auf. Dort st\u00fcrzte die Klippe steil in die Tiefe.<\/p>\n<p>Als Venghi\u00e1r sich n\u00e4herte, erkannte er den Mann. Es war der W\u00e4chter, der schon immer zur Burg geh\u00f6rte. Sein eigener Mann aus Rodekliv wachte am Burgtor.<\/p>\n<p>\u201eWarum seid ihr Weiber nicht unten am Strand?\u201c, z\u00fcrnte Venghi\u00e1r. \u201eUnd du? Was hampelst du hier herum? Was macht ihr alle hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, sagte der Wachmann und nahm mit seiner Glefe Haltung an. Gerade eben noch hatte er damit \u00fcber den Rand des Abgrunds gestochert, als r\u00fchre er in einem Suppenkessel. \u201eIch \u2026 ich halte Wache. Wie Ihr es befohlen habt.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r schaute die Frauen an, eine etwas j\u00fcnger als er selbst, die andere mehr als doppelt so alt. Er kannte ihre Namen nicht, aber ihre Gesichter waren ihm nicht fremd. Wahrscheinlich geh\u00f6rten sie zur K\u00fcche oder waren Waschweiber. Zurzeit trugen beide Strohbesen in der Hand, mit denen sie die Luft vor der Klippe gekehrt hatten. Ger\u00f6tete Augen hatten beide, das M\u00e4dchen tr\u00e4nenfeuchte Wangen. Die Miene des Weibes h\u00e4tte ihn beinahe eingesch\u00fcchtert, so erf\u00fcllt von m\u00fchsam beherrschter Wut war sie.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r kam mit raschen Schritten heran und w\u00e4re dabei fast \u00fcber das Seil gestolpert, das vom Rosenbogen aus durch das kn\u00f6chelhohe Gras f\u00fchrte, in Richtung Klippe.<\/p>\n<p>Im selben Moment schoss kreischend etwas vom Turm hinab, und kurz darauf war ein Dutzend M\u00f6wen zur Stelle. Die Frauen fuhren herum und begannen wieder, mit den Besen zu fuchteln und die Tiere anzuschreien. Der Wachmann wagte nicht mehr, ihnen zu helfen. Seinem Herrn gegen\u00fcber musste er gehorsam sein.<\/p>\n<p>\u201eIch verstehe.\u201c Venghi\u00e1r trat dicht an die Klippe heran, verschr\u00e4nkte die Arme und neigte sich vor. Turmtief unter ihm brodelte und spritzte die Gischt. Schr\u00e4g gegen\u00fcber, wo das Meer flache Felsen blank geschliffen und der Wind feines Ger\u00f6ll angetragen hatte, war das Burgvolk von Emberbey damit besch\u00e4ftigt, das Totenflo\u00df vorzubereiten, mit dem der <em>eld-yarl<\/em> bald seine letzte Fahrt tun w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Etwa drei\u00dfig Schritt \u00fcber dem Wasser und ein gutes St\u00fcck mehr als eine Arml\u00e4nge unter ihm hing der <em>maedlor<\/em>, mit Gurten um Bauch und Brust gefesselt, leblos wie ein Schinken am Haken. Offenbar war er ohnm\u00e4chtig. Sein Kopf war vorn\u00fcbergesunken und er schrie und strampelte nicht vor Panik, obwohl die M\u00f6wen ihn umkreisten und versuchten, auf ihm zu landen. Es gelang ihnen allenfalls f\u00fcr Lidschl\u00e4ge, so energisch wehrten die Frauen sie V\u00f6gel mit ihren Besen ab.<\/p>\n<p>\u201eWann darf ich ihn wieder herauf holen?\u201c, fragte der Wachmann. Venghi\u00e1r zuckte zusammen. Die Stimme des Mannes war viel zu dicht hinter ihm. Wie unachtsam von ihm. Wie leicht h\u00e4tte man ihn sto\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eSobald mein Gro\u00dfonkel dem Meer \u00fcbergeben ist.\u201c Er trat von dem Mann mit der Glefe und dem Felsabsturz zur\u00fcck. \u201eUnd ich bin nicht in der Stimmung, es mir anders zu \u00fcberlegen.\u201c<\/p>\n<p>Der W\u00e4chter neigte den Kopf. Ein Gegenwort wagte er nicht, aber er brachte es auch nicht fertig, seinem Herrn in die Augen zu blicken.<\/p>\n<p>\u201eIhr Weiber!\u201c Venghi\u00e1r ging zu den M\u00e4gden hin. \u201eWas soll das hier? Was habt ihr hier herumzufuchteln, anstatt Eurem guten alten Herrn, m\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen in Frieden sein, den Weg zu bereiten wie alle anderen? Was soll dieser Ungehorsam?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, sagte die \u00e4ltere Frau und schlug auf eine dreiste M\u00f6we ein. \u201eWeil es Dinge gibt, die dringender zu erledigen sind!\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r haschte nach dem Besen und wand ihn ihr aus der Hand. Sie k\u00e4mpfte darum, aber gegen seinen eisernen Griff hatte sie keine Chance.<\/p>\n<p>\u201eDringender als mein Gebot?\u201c, fragte er ver\u00e4rgert. \u201eWas f\u00e4llt dir ein, Weib?\u201c<\/p>\n<p>Sie wich einen Schritt vor ihm zur\u00fcck. In ihren Augen brannte etwas Ungutes. Das am\u00fcsierte ihn. Er streckte langsam den Arm aus und lie\u00df den Besen achtlos die Klippe hinabfallen. Das M\u00e4dchen tat einen kleinen, entsetzten Aufschrei, so zaghaft, als habe man einem Scho\u00dfh\u00fcndchen auf den Schwanz getreten. Es erstarrte und umklammerte ihren Besenstiel so fest, dass seine H\u00e4nde verkrampften.<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, lie\u00df sich der W\u00e4chter zaghaft h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r ignorierte das. \u201eNun, Weib? Warum kehrst du hier die Luft, satt Reisig nach unten zu tragen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum?\u201c, schnappte sie und verga\u00df wohl ganz, wem sie gegen\u00fcber stand. \u201eWarum fragt Ihr? Weil er mein <em>h\u00fdardor<\/em> ist!\u201c<\/p>\n<p>So. Ihr <em>h\u00fdardor<\/em>. Wie interessant. War denn zu ahnen gewesen, dass dieser j\u00e4mmerliche, dickliche Federschubser jemals das Interesse eines Weibes hatte erregen k\u00f6nnen? Was f\u00fcr erstaunliche Fertigkeiten musste der J\u00e4mmerling beherrschen!<\/p>\n<p>\u201eUnd du? Was bist du dann?\u201c, wandte er sich an die verschreckte <em>f\u00e1njula<\/em>. \u201eSeine Tochter?\u201c<\/p>\n<p>Die junge Magd nickte \u00e4ngstlich. Den Besen hatte sie eng an sich gezogen, als k\u00f6nne sie sich dahinter verstecken. Nun, zumindest war sie recht ansehnlich. Und wie sie ihn anschaute, mit blassbraunen Augen und einer angenehmen Mischung aus Angst und Flehen, das gefiel ihm auch.<\/p>\n<p>\u201eIhr solltet den M\u00e4chten danken, dass die M\u00f6wen sich nicht an ihm festkrallen k\u00f6nnen wie die Raben. Dann w\u00fcrde euch euer Hausputz hier auch nichts n\u00fctzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDen M\u00e4chten ungef\u00e4llig ist das!\u201c, zankte die Frau furchtlos. \u201eUngerecht und herzlos!\u201c<\/p>\n<p>\u201eRede nur weiter.\u201c Venghi\u00e1r lehnte sich an den Rosenbogen und zog ohne Eile sein Schwert.<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, versuchte der Waffenknecht vorsichtig, sich einzumischen.<\/p>\n<p>\u201eWarum tust du mir den Weibsbildern mit? Bist du auch irgendwie mit dem <em>maedlor<\/em> verwandt?\u201c Venghi\u00e1r betrachtete beil\u00e4ufig die Klinge. Scharf geschliffen war sie nun. Wenn er sie nicht zwischendurch nutzen musste, dann w\u00fcrde sie f\u00fcr das Turnier wohl taugen.<\/p>\n<p>\u201eEr ist ein guter Freund, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr hat seine Strafe verdient. Ich <em>dulde<\/em> auf dieser Burg keinen Ungehorsam. Die Lage ist ernst. Die <em>yarlaranda<\/em> ist fort und der Strolch, der sie entf\u00fchrt hat, listiger als wir denken. Wie kann ich sicher sein, dass nicht einer von euch in die Sache verwickelt ist? Damit meine ich die alle.\u201c Er deutete mit dem Schwert in Richtung Strand, wo die anderen die Bestattung vorbereiteten.<\/p>\n<p>\u201eHerr, wie k\u00f6nnt Ihr so von uns denken?\u201c, begehrte der W\u00e4chter auf.<\/p>\n<p>\u201eWir flehen zu den M\u00e4chten, dass die junge Herrin wieder wohlbehalten zu uns zur\u00fcckkehrt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist l\u00f6blich. Trotzdem, ich will mir sicher sein, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht, bis die Angelegenheit sich gekl\u00e4rt hat. Bis meine \u00fcber alles geliebte Weitbase oder mein Weitvetter wieder ihren Fu\u00df durch das Burgtor gesetzt haben, werde ich die Dinge \u00fcberwachen.\u201c<\/p>\n<p>Die drei wechselten Blicke miteinander.<\/p>\n<p>\u201eWollt Ihr denn nicht zum <em>vaspos\u00e1r<\/em>, wie geplant?\u201c, fragte der W\u00e4chter dann vorsichtig.<\/p>\n<p>\u201eDoch. Sp\u00e4testens \u00fcbermorgen sollten hier meine Gehilfen eintreffen, denen ich die Burg f\u00fcr eine Weile anvertrauen kann.\u201c Eine Notwendigkeit, \u00fcber die Venghi\u00e1r nicht besonders gl\u00fccklich war. Aber was konnten Cr\u00f3 und Ungro schon gro\u00df verkehrt machen? Sicherzustellen, dass niemand die Burg verlie\u00df oder betrat, das sollten die beiden Dummk\u00f6pfe wohl hinbekommen. Der Waffenknecht aus Rodekliv w\u00fcrde sie \u00fcberwachen. Nur ein paar Tage musste das gl\u00fccken.<\/p>\n<p>\u201eIch denke schon, dass ich mich darauf verlassen kann, dass mir hier nicht noch einmal jemand solchen Kummer macht wie er hier.\u201c Venghi\u00e1r stie\u00df das Schwert vor seinen F\u00fc\u00dfen in den Boden, nur einen Fingerbreit von dem Seil entfernt. Das M\u00e4dchen gab wieder dieses drollige Quietschen von sich. Der W\u00e4chter packte seine Glefe fester. Venghi\u00e1r bemerkte das wohl, aber er lie\u00df es sich nicht anmerken. Nur vorsichtig! Ausreizen durfte er die Sache nicht. Das zornige Weib war unberechenbar. Und mit der Glefe war der W\u00e4chter nicht wehrlos. Auf den w\u00fcrde er ein Auge haben m\u00fcssen. M\u00f6glichst schnell sollte er ihn loswerden.<\/p>\n<p>J\u00e4h schrillte ein panischer Schrei auf. Nachdem die drei die M\u00f6wen eine Weile nicht abgewehrt hatten, war es den V\u00f6geln wohl gelungen, den <em>maedlor<\/em> wieder zu Besinnung zu bringen. Der Waffenknecht \u00fcberlegte nicht lange und griff an. Die V\u00f6gel stoben wieder auf, und der <em>maedlor<\/em> schrie und wimmerte. Wahrscheinlich konnten die Leute unten am Strand es h\u00f6ren. Hoffentlich war ihnen das eine Lehre.<\/p>\n<p>Das Weib fiel auf die Knie und neigte sich \u00fcber die Klippe. Sie rief ihrem <em>h\u00fdardor<\/em> beruhigende Worte zu, in einer solchen Panik und Aufruhr, dass es bestimmt nicht dazu langte, ihn zu tr\u00f6sten. Die Tochter stand starr wie ein verschrecktes Windninchen und wusste wohl nicht, was sie tun sollte. Wahrscheinlich f\u00fcrchtete sie, er k\u00f6nne ihr den zweiten Besen auch noch wegnehmen.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r zog das Schwert aus dem Boden. Das M\u00e4dchen erstarrte. Ihr Blick flehte stumm. Wahrscheinlich w\u00fcrde sie ihm alles geben, worum er bat.<\/p>\n<p>Warum auf eine solche Chance verzichten?<\/p>\n<p>Er l\u00e4chelte sie an und steckte das Schwert zur\u00fcck in die Scheide.<\/p>\n<p>\u201eGib deiner Mutter den Besen\u201c, sagte er. \u201eUnd komm mit mir. Ich denke, bevor es Nacht wird, habe ich etwas f\u00fcr dich zu tun.\u201c<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e war ver\u00e4rgert. \u00c4rger, das hatte sie von ihrem Vater gelernt, war eine Emotion, die Schattens\u00e4nger meistern mussten, solange sie unter Menschen waren. Ihre Mutter hingegen hatte ihr so oft versichert, dass es besser t\u00e4te, seinem \u00c4rger rechtzeitig Luft zu machen, bevor man daran erstickte. Und nun? Wessen Ratschlag sollte sie folgen?<\/p>\n<p>Die Schattens\u00e4ngerin seufzte innerlich und beobachtete aus halb geschlossenen Augen den Ritter, der da nachl\u00e4ssig und mit seinen Stiefeln auf dem Reisebett lag, die Arme hinter dem Kopf verschr\u00e4nkt und den Blick an die stockfleckige Zeltdecke gerichtet. Der Mann ruhte nicht. Er dachte nach. D\u00fdamir\u00e9e h\u00e4tte zu gern gewusst, wor\u00fcber. Aber er tat ihr nicht den Gefallen, Selbstgespr\u00e4che zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Sie hatte eine Weile versucht, aus dem Glaskrug herauszuklettern, allerdings ohne Erfolg. Das Material war zu glatt f\u00fcr ihre Krallen und die Form machte es unm\u00f6glich, einfach herauszuspringen. Vielleicht h\u00e4tte sie ihr Gef\u00e4ngnis sprengen k\u00f6nnen, indem sie sich einfach wieder in ihren menschlichen K\u00f6rper begab. Aber das h\u00e4tte den Ritter in Gefahr gebracht; nicht unbedingt so, dass er sein Leben, m\u00f6glicherweise aber den Verstand verloren h\u00e4tte. Und das hatte der Mann nicht verdient. Immerhin hatte er nichts getan, was nach einer Schurkerei aussah.<\/p>\n<p>Immerhin, vorerst war die Gefahr gebannt, zu einem albernen Helmschmuck verarbeitet zu werden. Wenn der Ritter seinen Knappen losgeschickt hatte, um einen K\u00e4fig zu besorgen, hatten sie vor, sie am Leben zu lassen. Und was die jungen Damen betraf, die Eichh\u00f6rnchen possierlich fanden \u2026<\/p>\n<p>\u201eDie <em>teirandanja<\/em> ist eine dumme, einf\u00e4ltige Gans\u201c, sagte der Ritter pl\u00f6tzlich in ihre Richtung. \u201eAber vielleicht hat sie noch nicht genug Scho\u00dftierchen zur Gesellschaft. Du bist mein Passierschein zu ihr, Flohbeutel.\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e setzte sich emp\u00f6rt auf. Das war eine Unversch\u00e4mtheit, aber eine, \u00fcber die man hinwegsehen musste.<\/p>\n<p>\u201eDie wird mir noch dankbar sein.\u201c Der Ritter schwang die Beine \u00fcber die Bettkante und griff nach einem Trinkbecher, der in Reichweite stand. \u201eVerrat und Sabotage, im eigenen Haus, zum eigenen <em>vaspos\u00e1r<\/em>. Was f\u00fcr Zust\u00e4nde!\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e spitzte die Ohren. Aber er redete nicht weiter, sondern schenkte sich aus dem Krug ein, in den er zuvor die Reste des Starkbieres umgef\u00fcllt hatte.<\/p>\n<p>Was sollte das hei\u00dfen? Sabotage? Verrat? Wer in <em>Wijdlant<\/em> sollte Interesse daran haben, auf dem Turnier Unruhe zu stiften? War tats\u00e4chlich etwas an der Vision ihres Vaters gewesen, und auf dem Turnier braute sich etwas zusammen?<\/p>\n<p>\u201eDummes M\u00e4dchen, die <em>teirandanja<\/em>\u201c, murmelte der Ritter. \u201eNa, zumindest ist sie h\u00fcbsch.\u201c<\/p>\n<p>Er setzte den Becher an die Lippen, kam aber nicht dazu, zu trinken. Ein Schatten verdunkelte den Zelteingang.<\/p>\n<p>\u201eDa seid Ihr ja!\u201c, sagte er gut gelaunt. \u201eIch hoffe, Eure Einladung gilt noch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich! Kommt herein, setzt Euch!\u201c Der Ritter stellte den Becher auf den Boden und tat eine einladende Geste auf das Bett seines Knappen. \u201eIch sehe, jemand hat Euer Eisenzeug gerichtet?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer <em>yarlandor<\/em> aus Ghelazia war so freundlich, mir zur Hand zu gehen. Ein netter junger Mann. Etwas schweigsam, aber \u00fcberaus hilfsbereit.\u201c Der Besucher lie\u00df sich auf dem gegen\u00fcberliegenden Bett nieder und schaute sich neugierig im Zelt um. \u201eBis zum <em>vaspos\u00e1r<\/em> werde ich hoffentlich meine eigene hilfreiche Hand wiederfinden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher verdienen sich im Zweifel auch die Bauernknaben etwas dazu.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas wird wohl nicht n\u00f6tig sein. Was ich wirklich dringlicher brauche \u2026\u201c Er unterbrach sich.<\/p>\n<p><em>Was hast du mit deinen Haaren gemacht?,<\/em> fragte D\u00fdamir\u00e9e ersch\u00fcttert.<\/p>\n<p>\u201eIch \u2026\u201c Advon riss seinen Blick hastig vom Glaskrug weg und l\u00e4chelte seinen Gastgeber entschuldigend an. \u201eVerzeiht. Ich meine, ich komme, um mehr \u00fcber das Pferd zu h\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p><em>Du siehst aus wie eine Vogelscheuche nach einer Rauferei! <\/em><\/p>\n<p><em>Ich hatte noch nicht die Gelegenheit, einen Bartscherer zu suchen!<\/em><\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e musterte ihn mitf\u00fchlend. Dass Advon sich so verunstaltete, zeigte, wie ernst er Manj\u00e9vs Auftrag nahm.<\/p>\n<p>\u201eAh, das Pferd. Das l\u00e4sst Euch keine Ruhe.\u201c Der Ritter lachte. \u201eWas f\u00fcr ein Ungl\u00fcck, dass Euer Ross gerade jetzt auf der Strecke geblieben ist, und die Zeit so knapp, um Ersatz zu finden! Darf ich Euch einen Willkommenstrunk reichen?\u201c Er f\u00f6rderte einen zweiten Becher hervor, f\u00fcllte diesen ebenfalls und nahm einen kleinen Schluck, bevor er das Bier weiterreichte. Advon nickte dankend und nahm ihn h\u00f6flich entgegen. H\u00f6fische Manieren hatte dieser Ritter also, ungefragt die Unbedenklichkeit des Getr\u00e4nks zu beweisen.<\/p>\n<p>\u201eDas ist vorz\u00fcglich\u201c, lobte er. \u201eIn Eurem <em>yarlm\u00e1lon<\/em> gebraut?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein.\u201c Der namenlose Ritter lachte und bediente sich an seinem eigenen Becher. \u201eAus Ycelia. Da verstehen sie was von gutem Bier. So enttarnt Ihr mich nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Es ist auch mir daran gelegen, dass niemand vorschnell von mir erf\u00e4hrt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann lasst mich Euch nun zu einem Pferd verhelfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDarf ich Euch vorher eine andere Frage stellen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. Auch wenn ich Euch nicht garantieren kann, dass Ihr eine Antwort bekommt.\u201c<\/p>\n<p>Advon deutete auf den Krug. \u201eWarum f\u00fchrt Ihr ein Eichh\u00f6rnchen mit Euch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch das.\u201c Der Ritter grinste. \u201eDas hat mein nichtsnutziger Knappe geschnappt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEuer Knappe muss \u00fcberaus geschickt sein, ein so flinkes Tier im Wald zu greifen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs hatte sich ins Zelt verirrt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo.\u201c Advon trank. \u201eAlso ein leichtsinniges und <em>unvorsichtiges<\/em> Gesch\u00f6pf.\u201c<\/p>\n<p><em>Ich hatte einfach Pech,<\/em> murrte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p><em>Warum treibst du dich in den Zelten herum? Du wolltest doch nur schauen, wer sich hier im Lager aufh\u00e4lt.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich wollte herausfinden, wer der da ist! Ich dachte, das Zelt sei leer. Den Knappen hab ich nicht bemerkt!<\/em><\/p>\n<p><em>Wei\u00dft du, wie viel Sorgen ich mir gemacht habe? <\/em>Zu dem Ritter gewandt, fragte Advon: \u201eUnd was habt Ihr damit vor?\u201c<\/p>\n<p><em>Einen Helmschmuck wollten die aus mir machen, <\/em>petzte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p>\u201eIch hatte mir \u00fcberlegt, es der <em>teirandanja<\/em> zum Geschenk zu machen. Ich habe geh\u00f6rt, junge Damen sch\u00e4tzen die Gesellschaft possierlicher Tiere.\u201c Der Ritter lachte. \u201eMuss wohl ganz sch\u00f6n langweilig sein, den ganzen Tag herumzusitzen und nichts anderes zu tun zu haben als zu sticken und zu spinnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch glaube nicht, dass die <em>teirandanja<\/em> sich die Zeit so vertreibt. Aber, guter Herr, ich glaube, wilde Eichh\u00f6rnchen taugen nicht besonders als Scho\u00dftierchen. Sie treiben ziemlich viel <em>Unfug<\/em>.\u201c<\/p>\n<p><em>Ich habe keinen <\/em>Unfug<em> getrieben! Ich wollte schauen, ob er irgendein Erkennungszeichen bei sich hat!<\/em><\/p>\n<p>\u201eNun, dann kann der K\u00fcrschner immer noch einen Handmuff daraus machen. Der Winter naht. Dann ist das sicher hochwillkommen f\u00fcr die zarten Finger der Dame. Aber wollen wir nun \u00fcber Nagetiere reden oder \u00fcber das Pferd, das Euch beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> zum Sieg tragen wird?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut.\u201c D\u00fdamir\u00e9e erhaschte einen mahnenden Blick von Advon. Nun, er hatte recht. Was immer es mit diesem Pferd auf sich haben mochte, offenbar war es Advon gelungen, mit dem Ritter in vertrauteren Kontakt zu kommen. Die Schattens\u00e4ngerin entschloss sich, nicht allzu unnat\u00fcrlich zu wirken. Welches Interesse sollte ein Eichh\u00f6rnchen auch an Menschengespr\u00e4chen haben? Sie rollte sich zusammen und blinzelte unverwandt hinter ihrem Schwanz hervor.<\/p>\n<p>\u201eWo ist nun dieses Pferd? Und wie kommt es, dass es zum Verkauf steht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Stute ist in der Schmiede vom Dorf gleich nahebei nebenan. Ein pr\u00e4chtiges Tier. Kein starkes Kriegsross, aber f\u00fcr die Turnierspiele sicher mehr als tauglich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie k\u00f6nnte ein Schmied an ein Pferd gekommen sein, dass den Anspr\u00fcchen eines <em>yarl<\/em> gen\u00fcgen w\u00fcrde?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch kann mir gut vorstellen, dass der gute Mann das Pferd g\u00fcnstig bekommen konnte. Wenn er das Pferd unrechtm\u00e4\u00dfig bes\u00e4\u00dfe, dann st\u00fcnde es kaum offen auf dem Platz, nicht wahr? Die hiesigen <em>yarlay<\/em> w\u00fcrden Fragen stellen. Vielleicht hat er das Pferd als Bezahlung f\u00fcr irgendeinen Dienst bekommen, von einem <em>yarl<\/em>, der knapp bei Kasse war. Und nun nutzt er die Gelegenheit, es zu einem guten Preis zu ver\u00e4u\u00dfern. Ihr versteht, was ich meine?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDass das <em>vaspos\u00e1r<\/em> stattfinden wird, ist nicht erst seit gestern bekannt. Was denkt Ihr, wie viele der ausw\u00e4rtigen Wettk\u00e4mpfer bereits ein Auge auf das Pferd geworfen haben m\u00f6gen? Sie alle kommen in diesen Tagen an der Schmiede vorbei, sei es um ihrer eigenen Pferde willen, sei es um irgendwas an ihrem Eisenzeug fertigen zu lassen. Das Prachtross steht dort wie auf einem Pr\u00e4sentiertablett. Wer es haben will, wird nachfragen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWoher wisst Ihr das alles so genau?\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter neigte sich verschw\u00f6rerisch vor. \u201eNun \u2013 ich <em>habe<\/em> nachgefragt. Und da ihr mir ein rechtschaffener Herr zu sein scheint, weihe ich Euch ein.\u201c<\/p>\n<p><em>Und du k\u00f6nntest einfach bei Manj\u00e9v nachfragen, ob sie dir ein Pferd leihen kann, <\/em>warf D\u00fdamir\u00e9e ein.<\/p>\n<p><em>Was stellst du dir vor? Mehr als einen lahmen Klepper wird sie nicht im Geheimen, unter den Augen aller anderen beschaffen k\u00f6nnen. Und ich kann ein Pferd nicht in Form zaubern wie das rostige Eisenzeug.<\/em> Laut sagte Advon: \u201eNun gut. Aber warum sollte er ausgerechnet mir das sch\u00f6ne Pferd \u00fcberlassen?\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter f\u00fcllte seinen und Advons Becher wieder auf. \u201eVielleicht, weil Ihr ihm den besten Preis bietet? Wie viel w\u00e4re Euch das Pferd wert?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht. Drei\u00dfig Goldst\u00fccke?\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter prustete sein Bier aus. Einige Tropfen erreichten den Krug und rannen daran herab. Ungl\u00e4ubig glotzte der Mann sein Gegen\u00fcber an. \u201eDrei\u00dfig Gol- &#8230; ich meine: Vergebt mir. Ich muss mich verschluckt haben. Das ist mir \u00e4u\u00dferst peinlich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie viel habt <em>Ihr<\/em> denn geboten?\u201c, erkundigte Advon sich interessiert und wischte sich gesittet mit seinem Waffenrock die Wangen trocken.<\/p>\n<p>\u201eIch? \u00c4h \u2026 nun. Ein <em>bisschen<\/em> weniger, als Ihr vorhabt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDaraus schlie\u00dfe ich, dass meine Chancen auf das Pferd nicht schlecht stehen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde fast denken, das Pferd geh\u00f6rt Euch bereits.\u201c<\/p>\n<p>Etwas an der Miene des Ritters gefiel D\u00fdamir\u00e9e nicht. In seinen Augen schimmerte Verlangen. Das passte nicht zu der Gelassenheit, die er auf sein Gesicht zwang. Wie dumm, dass sie als Eichh\u00f6rnchen keine unkundigen Gedanken h\u00f6ren konnte! Kam Advon das Gehabe nicht auch verd\u00e4chtig vor?<\/p>\n<p>Offenbar nicht, denn er war geneigt, dem Mann zu glauben. Der junge Magier erhob sich. Etwas weniger grazi\u00f6s, als D\u00fdamir\u00e9e es von ihm gewohnt war.<\/p>\n<p>\u201eGut. Dann gehe ich gleich los. Wobei \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein! Nein, nicht sofort. So funktioniert das nicht. Ihr m\u00fcsst Euch <em>gedulden<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGedulden? Wie lange?\u201c<\/p>\n<p>\u201eBis zur sp\u00e4ten Nacht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchaut mich nicht so \u00fcberrascht an. Ich habe die Regeln nicht gemacht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs gibt Regeln, um Pferde zu kaufen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr kommt von weit her, scheint mir, lieber Freund. Lasst Euch einweihen, so wie ich eingeweiht wurde, als ich hier eintraf und mich nach einem guten Pferd erkundigte. Das hier ist kein Pferdemarkt. Und es w\u00e4re unter der W\u00fcrde der hochedlen Herren, \u00f6ffentlich mit einem einfachen Schmied um seinen Schatz zu feilschen. Heute Nacht, in der Zeit des h\u00f6chsten Standes von Nokt\u00e1mas Juwel und dem ersten Hahnenschrei, geht zur Schmiede und macht Euer Gebot. Der Anbieter wird vergleichen. Und wer wei\u00df, vielleicht bekommt Ihr den Zuschlag.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst das tats\u00e4chlich so \u00fcblich?\u201c, fragte Advon misstrauisch.<\/p>\n<p>\u201eNein, nat\u00fcrlich nicht. Aber das ist auch keine allt\u00e4gliche Lage. Denkt Euch, das einzige gescheite Pferd weit und breit, und so viele hochedle Herren, die es wohl gern h\u00e4tten. Wenn es offen zuginge, wie leicht k\u00f6nnte sich einer verschulden, nur um mit den anderen mitzuhalten? Wie leicht einen anderen besch\u00e4men, wenn es ihm an Geld mangelt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch verstehe. Diese Geheimniskr\u00e4merei ist ein eleganter Weg, um alle ihr Gesicht wahren zu lassen. Niemand wird erfahren, um wie viel der Schmied sein Wunderross fortgegeben hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch freue mich, wenn Euch mein beschiedener Hinweis auf den R\u00fccken eines tauglichen Rosses bringt.\u201c Der Ritter lachte leutselig. Vielleicht auch ein wenig angeheitert. \u201eEs w\u00e4re doch zu schade, wenn ihr auf einem Steckenpferd ins Turnier reitet, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>Selbst sein Lachen klang zwiesp\u00e4ltig. D\u00fdamir\u00e9e seufzte. Aber sie kam nicht dahinter, was diese Geschichte zu bedeuten hatte. Sie \u00e4rgerte sich. W\u00fcrde die Tiergestalt nicht ihre Magie blockieren, h\u00e4tte sie unzweifelhaft sp\u00fcren k\u00f6nnen, ob der Mann die Wahrheit sagte. Solange er sich nicht selbst offenbarte, hatte sie nun allenfalls Vorbehalte.<\/p>\n<p>Nun, dass Advon ein Pferd brauchte, das war unvermeidlich. Farbenspiels schierer Anblick w\u00fcrde ausreichen, die Pferde der anderen Ritter durchgehen zu lassen. Aber ob es den <em>teiranday<\/em> so recht war, wenn der Schmied auf diese Weise Gesch\u00e4fte machte?<\/p>\n<p><em>Keine Sorge, <\/em>h\u00f6rte sie ihn in ihren Gedanken. <em>Ich werde ihn dazu bringen, dich freizulassen. <\/em><\/p>\n<p><em>Nein! Nein, lass mich hier!<\/em><\/p>\n<p>Er senkte den Becher und schaute sie verbl\u00fcfft an. Kurz blitzte das Gold in seinen Augen auf, ohne dass der andere Ritter es bemerkte.<\/p>\n<p><em>Ich lass dich nicht zur\u00fcck!<\/em><\/p>\n<p><em>Advon, h\u00f6r zu! Der Ritter scheint etwas \u00fcber eine Verschw\u00f6rung an Manj\u00e9vs Hof zu wissen. <\/em><\/p>\n<p><em>Noch eine Verschw\u00f6rung?<\/em><\/p>\n<p><em>Das muss die Gefahr sein, die Papa in seiner Vision gesehen hat. \u2013 Wenn ich hierbleibe, dann erfahre ich vielleicht mehr dar\u00fcber, was er wei\u00df.<\/em><\/p>\n<p><em>Und wenn sie stattdessen doch einen Muff aus deinem Fell machen? <\/em><\/p>\n<p><em>Noch ist nicht Winter.<\/em><\/p>\n<p>\u201eIhr seid pl\u00f6tzlich so schweigsam\u201c, sagte der Ritter. \u201eIst Euch nicht wohl bei der Sache? Misstraut Ihr mir etwa?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber nein, nicht doch. Ich frage mich nur \u2026\u201c Advon schaute sich um und suchtewohl\u00a0 nach etwas, um das Gespr\u00e4ch aufrechtzuerhalten. Neben dem Bett entdeckte er ein offenes Flickk\u00e4stchen mit Schnallen und Riemchen. Er zeigte darauf. \u201eWo ist Euer Knappe eigentlich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eRolk? Den habe ich zu Besorgungen ausgeschickt. Wieso? Braucht Ihr etwas repariert?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Ich fragte mich nur, wann ich den jungen Mann wohl kennenlerne.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBald genug. M\u00f6chtet Ihr noch Bier?\u201c<\/p>\n<p>Advon reichte ihm den Becher. D\u00fdamir\u00e9e sah das mit leiser Besorgnis. Der Magier war starkes Bier nicht gewohnt. W\u00e4hrend sein Gastgeber einschenkte, wandten Advons Gedanken sich wieder der Schattens\u00e4ngerin zu.<\/p>\n<p><em>Versteh doch, Advon! Unauff\u00e4lliger zu lauschen geht doch gar nicht! Sie werden mich morgen in einen K\u00e4fig setzen und Manj\u00e9v schenken. Bis dahin bin ich ruhig und niedlich und spitze die Ohren. Vielleicht erfahre ich etwas. Wenn nicht, gelange ich in die Burg, ohne dass jemand misstrauisch wird. Sobald ich mit Manj\u00e9v und Truda allein bin, kann ich mich zur\u00fcckverwandeln. Und von dort aus kann ich dir helfen und Botschaften zutragen, w\u00e4hrend du dir dein Pferd besorgst. Manj\u00e9v m\u00fcsste nicht einmal erkl\u00e4ren, wo sie das neue Haustier her hat. Ich bin hier in Sicherheit.<\/em><\/p>\n<p><em>Nun gut. Aber bevor ich mich auf diesen Pferdekauf einlasse, statte ich Manj\u00e9v einen Besuch ab. Ich hole Farbenspiel und fliege vor der ersten Nachth\u00e4lfte \u00fcber die Mauern. <\/em><\/p>\n<p><em>Ja, zeig dich ihr. Und frag sie, wie du es anstellst, in deiner Verkleidung an den Hof eingelassen zu werden, an J\u00f3ndere Mor\u00e9avals gestrengem Auge vorbei. Advon?<\/em><\/p>\n<p><em>Ja?<\/em><\/p>\n<p><em>Stellen wir uns wohl geschickt genug an? <\/em><\/p>\n<p><em>Ich w\u00fcnschte, es werde nie jemand hiervon erfahren. Ich w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte es vergessen.<\/em><\/p>\n<p>Er hob seinen Becher und nickte seinem Gastgeber dankend zu. Der Ritter l\u00e4chelte mit leicht verwischtem Blick. Auch Advon schien der Alkohol ins Blut zu kriechen. Das Bier aus Ycelia war wirklich sehr stark.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4256","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4256","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4256"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4256\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4264,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4256\/revisions\/4264"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4256"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4256"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4256"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}