{"id":4255,"date":"2025-09-08T00:08:33","date_gmt":"2025-09-07T22:08:33","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4255"},"modified":"2025-09-08T00:08:33","modified_gmt":"2025-09-07T22:08:33","slug":"027-hevstrid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/027-hevstrid\/","title":{"rendered":"027: \u00a0Hevstrid"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Das M\u00e4dchen war ihm gehorsam in die Burg gefolgt. Nicht freiwillig, das war klar. Aber er hatte sie unter seiner Kontrolle, auf eine andere Weise als die, mit der er sich die Loyalit\u00e4t von Cr\u00f3 und Ungro sicherte. Die beiden Idioten aus Aur\u00f3p\u00e9a waren bereit, f\u00fcr Geld alles zu tun, und solange er ihnen regelm\u00e4\u00dfig gab, was ausgehandelt war, machten sie keinen \u00c4rger.<\/p>\n<p>Dieses M\u00e4dchen w\u00fcrde er nicht bezahlen. Der Zufall hatte ihm eine viel bessere Idee eingegeben.<\/p>\n<p>Sie tappte ihm wie bet\u00e4ubt nach, ganz in ihr Schicksal ergeben. Oder besser: in das Schicksal ihres anma\u00dfenden Vaters. Wahrscheinlich vermutete sie ganz richtig, dass er, sollte sie ihm weglaufen, ohne viel Aufhebens zur Klippe zur\u00fcckgehen und das Seil durchhauen w\u00fcrde, an dem das Leben des <em>maedlor<\/em> hing.<\/p>\n<p>Er f\u00fchrte sie durch die r\u00fcckw\u00e4rtige Pforte. Das schwere Holztor, das nach Norden zeigte, stand selten offen, um nicht unn\u00f6tig den starken Wind in den Burghof zu lassen, der vom Meer auf die K\u00fcste traf. Aber in einen der schweren hohen T\u00fcrfl\u00fcgel hatte vor langer Zeit einer der Herren von Emberbey eine kleine Pforte hineins\u00e4gen lassen, gerade breit und hoch genug f\u00fcr eine Person.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r trat beiseite und wies das M\u00e4dchen mit einer einladenden Geste an, einzutreten. Sie schlug stumm der Blick nieder und gehorchte ihm.<\/p>\n<p>Nun ging er hinter ihr her. Wie gef\u00e4llig sie aussah und wie dem\u00fctig sie war. Ganz anders als das Schankm\u00e4dchen, das am Vorabend in dem Gasthaus versucht hatte, mit ihm anzubandeln.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r gestattete sich ein paar unkeusche Gedanken. In der Burg war er mit ihr nun ungest\u00f6rt. Das gesamte Gesinde war unten am Strand gesch\u00e4ftig mit dem Totenflo\u00df zugange. Abgesehen von dem Wachmann am Haupttor, der beim Anblick seines Herrn ein anma\u00dfend wissendes Grinsen wagte, war es wie ausgestorben.<\/p>\n<p>Vorz\u00fcglich. Aber \u00fcberm\u00fctig und unvorsichtig werden durfte er nicht.<\/p>\n<p>Im Wohnhaus schlug sie, ohne dass er etwas gesagt h\u00e4tte, brav den Weg in Richtung seines Gemaches im Nebengeb\u00e4ude ein.<\/p>\n<p>\u201eNicht dort entlang. Hin\u00fcber in den Wohnturm.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr?\u201c, fragte sie \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>\u201eIn die Stube des <em>yarl<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Sie schaute verwirrt. Ein wenig einf\u00e4ltig sah das aus. Aber das mochte t\u00e4uschen.<\/p>\n<p>Er scheuchte sie weiter. \u201eLos, ich habe nicht den ganzen Abend Zeit. Herrn Alsg\u00f6r st\u00f6ren wir dort nicht mehr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber \u2026 der gute Herr ist gerade erst hinter den Tr\u00e4umen, und \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu sagst es. Es interessiert den Alt- \u2026 den <em>eld-yarl<\/em> nicht mehr, was in seiner Kammer geschieht. Nun mach schon!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, ich \u2026\u201c<\/p>\n<p>Er verlor die Geduld und schubste sie mit der flachen Hand vorw\u00e4rts. Das schien sie zu Besinnung zu bringen. Brav eilte sie die Treppe empor.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r stieg ihr kopfsch\u00fcttelnd nach. Dummes M\u00e4dchen. Wie bl\u00f6d w\u00e4re er, jetzt mit ihr in seiner Stube zu verschwinden, wo eine aufgebrachte, aufm\u00fcpfige und unberechenbare Mutter ihn zu allererst vermuten w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Oben angekommen, z\u00f6gerte sie erneut.<\/p>\n<p>\u201eHerein da. Da ist niemand dran, den es st\u00f6rt \u2013 und der uns st\u00f6ren w\u00fcrde,\u201c<\/p>\n<p>Sie gab einen verzweifelten, aber unterdr\u00fcckten Seufzer von sich. Wie oft mochte sie in ihrem Leben dieses Zimmer schon betreten haben, um Alsg\u00f6r Emberbey etwas zu bringen oder ihn zu bedienen? Was machte ihr denn nun diese T\u00fcrschwelle so gro\u00dfe Angst?<\/p>\n<p>Er wartete. Sie gab sich einen Ruck und trat ein. Er zog die T\u00fcr hinter ihnen zu.<\/p>\n<p>Die schweren Vorh\u00e4nge vor den Fenstern waren zur\u00fcckgezogen. Das Abendlicht erf\u00fcllte sanft den Raum. Das Bett, in dem der alte <em>yarl<\/em> gestorben war, hatten die Zimmerm\u00e4gde abger\u00e4umt, Kissen und Decken entfernt. Nur ein frisches Leinenlaken war auf die Matratze gezogen. Die Unordnung, die er selbst in der Nacht gemacht hatte, war zurechtger\u00fcckt. Einen kleinen Blutfleck auf dem Bettvorleger hatten die Frauen \u00fcbersehen. Der war zwischenzeitlich braun verf\u00e4rbt, eingetrocknet und fiel nur ins Auge, wenn man wusste, wonach zu schauen war.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r schaute sich um. Auf einer Truhe im Winkel standen auf einem Tablett zwei nicht besonders wertvolle, aber geschmackvolle Trinkkelche. Auf dem Regal, wo der alte Mann seine wenigen Kostbarkeiten aufbewahrt hatte, stand eine verkorkte und versiegelte, schlanke Flasche aus dunkelblauem Glas. Venghi\u00e1r hatte seinen Gro\u00dfonkel einmal nach diesem ungew\u00f6hnlichen Gef\u00e4\u00df und seinem Inhalt gefragt. Met sei darin, hatte Alsg\u00f6r Emberbey knapp erkl\u00e4rt. Kostbarer Met f\u00fcr einen besonderen Anlass.<\/p>\n<p>Wie bedauerlich, dass der alte Mann seinen fl\u00fcssigen Schatz selbst nicht mehr hatte kosten k\u00f6nnen. Venghi\u00e1r nahm die Flasche an sich, trug sie zu den Kelchen und brach mit seinem Dolch das Siegel am Korken auf. Das Wappen des <em>teirandon<\/em> Ov\u00e9stola war dort fein eingepr\u00e4gt gewesen.<\/p>\n<p>\u201eWie hei\u00dft du?\u201c, fragte Venghi\u00e1r das M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>\u201eHevstrid, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wie alt bist du?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSechzehn Sommer, Herr.\u201c<\/p>\n<p>Die Klinge knirschte am Rand des Flaschenhalses. Der Korken gab nach. Ein paar Kr\u00fcmel gerieten in die Fl\u00fcssigkeit, aber das war nicht schlimm. Kaum war die Flasche offen, entwich ein bet\u00f6render, s\u00fc\u00dfer Duft in den Raum. Der junge Mann legte den Dolch beiseite, schnupperte und schenkte dann in die beiden Kelche ein. Hevstrid schaute versch\u00fcchtert zu Boden.<\/p>\n<p>\u201eHier. Trink das.\u201c Er reichte ihr einen der Becher an. Das M\u00e4dchen aber wagte nicht, zuzugreifen. Er musste deutlicher werden. \u201eWirds bald? Oder denkst du, ich will dich vergiften?\u201c<\/p>\n<p>Sie nahm den Becher an sich. Ihre Hand zitterte. Venghi\u00e1r \u00e4rgerte sich. In einer Taverne in Rodekliv h\u00e4tte er bei einem solchen Angebot l\u00e4ngst eine willige <em>f\u00e1njula<\/em> auf dem Scho\u00df gehabt.<\/p>\n<p>\u201eStell dich nicht so ungelenk an, M\u00e4dchen. Es sollte dir eine Ehre sein, dass dein neuer Herr dich auf einen edlen Trunk einl\u00e4dt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDanke, Herr\u201c, hauchte sie.<\/p>\n<p>Er lie\u00df sich auf dem Sessel das alten <em>yarl<\/em> nieder. Weich gepolstert war der, sehr bequem. Die Schaffelle darauf rochen noch ein wenig nach dem Alten. Aber das w\u00fcrde ausl\u00fcften.<\/p>\n<p>\u201eSetz dich!\u201c, forderte er sie auf.<\/p>\n<p>Hevstrid schaute sich unbehaglich um. Es gab keinen zweiten Stuhl im Raum. Z\u00f6gerlich setzte sie sich auf die Bettkante und starrte auf den Teppich. Ihn direkt anzuschauen wagte sie nicht.<\/p>\n<p>\u201eDer Met wird nicht frischer.\u201c<\/p>\n<p>Sie nickte eilig und nippte daran. Endlich. Nun konnte auch er einen kr\u00e4ftigen Zug nehmen. Was f\u00fcr ein hervorragender Tropfen! Kaum zu glauben, dass er nach so langer Zeit noch so gut schmeckte.<\/p>\n<p>\u201eHevstrid\u201c, sagte er, \u201ees ist sehr imponierend, wie du und deine Mutter so beherzt deinen Vater verteidigen wolltet. Aber du musst verstehen \u2013 die Strafe hat er sich selbst zuzuschreiben. Er h\u00e4tte die Brieftauben nicht auflassen d\u00fcrfen, ohne es mit mir abzusprechen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, sagte sie leise, \u201eer hat es ganz gewiss nur aus Pflicht und Gehorsam getan.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGehorsam?\u201c<\/p>\n<p>Sie nickte. \u201eHerr Alsg\u00f6r selbst hat verf\u00fcgt, dass sofort Nachricht gegeben werden soll. Wenn \u2026 er hinter die Tr\u00e4ume geht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eM\u00e4dchen\u201c, sagte Venghi\u00e1r, \u201edas war vielleicht von Herrn Alsg\u00f6r gut gedacht, sich solcherma\u00dfen von den anderen <em>yarlay<\/em> und <em>teiranday<\/em> abzumelden.\u00a0 Wir haben hier jedoch einen <em>Mord<\/em> zu kl\u00e4ren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, Herr. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDieser erb\u00e4rmliche <em>b\u00e1chorkor<\/em> wird sicherlich nicht aus eigenem Antrieb gehandelt haben. Dass er meine geliebte Weitbase geraubt hat, zeigt doch, in welcher Kopflosigkeit der Schurke war. Und nun denke dir nur, wenn \u2013 was die M\u00e4chte verh\u00fcten m\u00f6gen \u2013 der Auftraggeber unter den Empf\u00e4ngern der Taubenbotschaft ist. Was dann?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann w\u00fcsste er, dass sein Knecht erfolgreich war.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r runzelte die Stirn. \u201eUnd dann?\u201c<\/p>\n<p>Sie schwieg einen Moment. Offenbar konnte sie sich gar nicht vorstellen, worauf er hinauswollte. Also gab er ihr eine Antwort.<\/p>\n<p>\u201eKannst du dir vorstellen, welchen Argwohn, welche Ger\u00fcchte es auf dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> der <em>teirandanja<\/em> sch\u00fcren k\u00f6nnte, erf\u00fchre man, dass Herr Alsg\u00f6r ermordet wurde? Wenigstens einige Tage Ruhe behalten, <em>das<\/em> w\u00e4re vern\u00fcnftig gewesen, M\u00e4dchen. Ich selbst h\u00e4tte es sein m\u00fcssen, der den <em>teiranday<\/em> die traurige Botschaft entgegentr\u00e4gt. Immerhin bin ich ohnehin unterwegs, um der <em>teirandanja<\/em> meine Ehre zu beweisen und meinem geliebten Weitvetter zu seinem neuen Amt zu gratulieren. Das verstehst du doch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr Osse wird daf\u00fcr sorgen, dass man die junge Herrin rettet und den <em>b\u00e1chorkor<\/em> ergreift. Und den Auftraggeber ausfindig macht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum Osse und nicht ich?\u201c<\/p>\n<p>Nun schaute sie erstaunt drein. \u201eAber Herr Osse ist doch der neue <em>yarl<\/em> von Emberbey.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst er das? Nun, so einfach ist das nun nicht mehr. Was, M\u00e4dchen, wenn es Herr Osse war, der den <em>b\u00e1chorkor<\/em> ausgesandt hat?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00fcrde er nie und nimmer tun!\u201c, entsetzte sie sich. \u201eWie k\u00f6nnt Ihr so reden?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie ich rede, M\u00e4dchen, ist meine Sache\u201c, gab er etwas ruppiger zur\u00fcck, als es m\u00f6glicherweise angemessen war. Als er sah, wie sehr sie erschrak, f\u00fcgte er sanfter hinzu: \u201eNat\u00fcrlich ist mein geliebter Weitvetter \u00fcber jeden Verdacht erhaben. Die Verd\u00e4chtigung jedoch muss er sich gefallen lassen. Alle <em>yarlay<\/em> m\u00fcssen sie sich gefallen lassen. So lange, bis die Sache gekl\u00e4rt ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch werde gleich morgen fr\u00fch aufbrechen. Es w\u00e4re doch sehr seltsam, w\u00fcrde der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nicht versuchen, Kontakt zu seinem Herrn aufzunehmen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, Herr.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r genoss ihre Furcht ebenso sehr wie den Met. Der legte ihm ein sonderbares, warmes und leichtes Gef\u00fchl ins Blut. Das M\u00e4dchen trank aus Verlegenheit. Die Wangen in ihrem ansonsten kreidebleichen Gesicht t\u00f6nten sich rosig.<\/p>\n<p>\u201eWillst du wissen, warum ich dich hergebracht habe?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr. Ich glaube, das wei\u00df ich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo. Sag, Hevstrid, hast du bereits einen <em>h\u00fdardor<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eW\u00fcrde Euch das hindern, Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht. Wer ist es?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs \u2026 gibt keinen\u201c, behauptete sie.<\/p>\n<p>\u201eUnd das l\u00fcgst du nicht, weil du bef\u00fcrchtest, ich lie\u00dfe ihn gleich neben deinem Vater an die Klippe h\u00e4ngen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00fcrdet Ihr also tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Schon allein um zu verhindern, dass mir von unerkannter Hand ein Unfall zust\u00f6\u00dft.\u201c<\/p>\n<p>Sie trank, eindeutig um Zeit zu gewinnen. Er wartete belustigt.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt wirklich keinen. Ich verleugne niemanden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas klingt beruhigend.\u201c<\/p>\n<p>Sie z\u00f6gerte. Er wartete. Der Met schien sie mutiger zu machen.<\/p>\n<p>Ob es leichtsinnig war, den Dolch auf der Truhe liegen zu lassen? Ach was. Bevor sie den an sich bringen k\u00f6nnte, h\u00e4tte er l\u00e4ngst sein Schwert gezogen. Nur aus den Augen lassen, das durfte er nicht.<\/p>\n<p>\u201eHerr, wie lange wollt Ihr noch warten? Man wird bald nach Euch suchen, wenn die Zeit f\u00fcr die Beisetzung kommt. Tut, wozu Ihr mich hier haben wolltet. Aber \u2026 tut meinem Vater nichts an. Er wird Euch nie wieder ungehorsam sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHevstrid, sag \u2026 kannst du lesen und schreiben?\u201c<\/p>\n<p>Sie lie\u00df den Becher sinken und schaute ihn so verdutzt an, dass es possierlich war. \u201eHerr, ich \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa oder nein?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, Herr. Nat\u00fcrlich. Mein Vater hat es mir beigebracht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeil \u2026 Herr, es geht doch nicht, dass die Tochter eines <em>maedlor<\/em> nicht lesen und schreiben kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas kannst du noch?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch kann ein wenig rechnen. Nicht mit den ganz gro\u00dfen Zahlen wie ein <em>mestar<\/em>. Aber so viel, dass ich die Hauswirtschaft verstehe. Und kochen und backen kann ich auch.\u201c<\/p>\n<p>Ein schlaues M\u00e4dchen also. Ehrlich. Und besorgt um den Mann, dem sie ihre Klugheit verdankte.<\/p>\n<p>\u201eSag, Hevstrid \u2026 du wirst Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr haben, dass ich deinen Vater nicht so einfach begnadigen kann. Aber es k\u00f6nnte mir in den Sinn kommen, ihm ein wenig Linderung zu verschaffen. Wie w\u00fcrde dir das gefallen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, wie meint Ihr das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, ich k\u00f6nnte mir vorstellen &#8211; vorausgesetzt, du tust, was ich von dir verlange \u2013 ihn von den M\u00f6wen zu erl\u00f6sen und an einem etwas komfortableren Ort unterzubringen. Vielleicht sogar in seiner Schreibstube. Unter Verschluss und Bewachung nat\u00fcrlich, aber immerhin mit festem Boden und ohne l\u00e4stiges Federvieh.\u201c<\/p>\n<p>Sie stellte den Becher auf dem Boden ab, erhob sich und ging auf ihn zu. So dicht, dass er sie bequem h\u00e4tte anfassen k\u00f6nnen, blieb sie vor ihm stehen. Sie duftete, nach Furcht und einfacher Seife. Aber in ihren blassbraunen Augen lag nun ein stolzer Ausdruck. Als er sich nicht regte, kniete sie vor ihm nieder, viel zu nahe, als es schicklich gewesen w\u00e4re. Mit zitternden Fingern \u00f6ffnete sie sogar die Verschn\u00fcrung an ihrem Kragen, zeigte ihm etwas von der Haut darunter.<\/p>\n<p>\u201eNehmt Euch, was Ihr von mir haben wollt, Herr. Wenn ich meinen Vater damit retten kann.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r verkniff sich ein Grinsen. Das lief ja ausgezeichnet. \u201eWomit willst du ihn retten? Mit deiner Ehrbarkeit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn ich meine Ehrbarkeit gegen das Wohl meines Vaters eintauschen kann?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu bist ein braves Kind, Hevstrid. Und jetzt steh auf, bevor du mich zu Unz\u00fcchtigkeit verf\u00fchrst. Sch\u00e4m dich!\u201c<\/p>\n<p>Sie erhob sich verst\u00f6rt und trat einen Schritt von ihm zur\u00fcck \u201eHerr, ich verstehe nicht \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas mag deine arme gute Mutter, die da drau\u00dfen so tapfer gegen die M\u00f6wen ficht, nur sagen, wenn sie erf\u00e4hrt, dass du deinen Herrn zu verf\u00fchren versuchst? Wenn Herr Alsg\u00f6r geahnt h\u00e4tte, dass so unkeusche Weibsbilder in seinen Mauern sind, es h\u00e4tte ihm das Herz sicher noch fr\u00fcher gebrochen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch verstehe nicht, Herr \u2026\u201c, stammelte sie. \u201eWolltest Ihr denn nicht \u2026 nun &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht meine Schuld, dass du junges Ding hier in der Abgeschiedenheit noch keinen\u00a0 <em>h\u00fdardor<\/em> gefunden hast, der deine Hitze lindern k\u00f6nnte. Und es beleidigt mich, dass du auch nur annimmst, ein ehrbarer Ritter wie ich k\u00f6nnte sich auf so ein billiges Angebot einlassen.\u201c<\/p>\n<p>Nun war sie v\u00f6llig verwirrt. Venghi\u00e1r h\u00e4tte fast gelacht. Diese Geschichte w\u00fcrde er bei n\u00e4chster Gelegenheit seinen Kameraden in Rodekliv zum Besten geben. Was f\u00fcr ein Spa\u00df! Aber darauf kam es jetzt nicht an.<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, stotterte sie, \u201edas muss ein Missverst\u00e4ndnis sein. Ich h\u00e4tte nie \u2026 Bei den M\u00e4chten! Was denkt Ihr von mir? Ich \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eSch\u00e4mst du dich?\u201c<\/p>\n<p>Sie senkte den Blick. \u201eJa,\u201c hauchte sie. \u201eVon ganzen Herzen und zutiefst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBrav. Lass es dir eine Lehre sein. Vielleicht werde ich vor deinen armen Eltern dar\u00fcber schweigen.\u201c<\/p>\n<p>Sie biss sich auf die Lippen. In ihren Augen gl\u00e4nzte es feucht. Sie k\u00e4mpfte mit Tr\u00e4nen. Das wurde ja immer besser!<\/p>\n<p>\u201eIch will nicht, dass du hier losheulst, M\u00e4dchen. Daf\u00fcr haben wir keine Zeit. Rei\u00df dich zusammen. Trink deinen Becher aus und h\u00f6r mir gut zu.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, Herr. Herr \u2026 was wollt Ihr von mir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, Hevstrid, mein liebes M\u00e4dchen. Wie ich vorhin sagte, werde ich \u00fcbermorgen nach Wijdlant aufbrechen. Ich werde einige Tage nicht hier in der Burg anwesend sein. Es werden Vertraute von mir kommen, die an meiner Stelle f\u00fcr Ordnung sorgen werden. Aber wei\u00dft du \u2013 wie wohl w\u00e4re mir, eine kluge und mutige <em>f\u00e1njula<\/em> hier zu wissen, die ein Auge auf die Burg und das Gesinde h\u00e4lt, solange der <em>maedlor<\/em> \u2026 verhindert ist. K\u00f6nntest du dir vorstellen, wo ich so ein kluges M\u00e4dchen finden k\u00f6nnte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6glicherweise. Ja, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSehr sch\u00f6n. Wei\u00dft du, ein kluges und wachsames M\u00e4dchen, das seine Sache gut macht, k\u00f6nnte zu gro\u00dfem Lob und Ansehen kommen. Hochedle Herren w\u00e4ren sicher erfreut, eine gute <em>maedlora<\/em> in ihren Haushalt zu bekommen. Ob ich mich in Wijdlant auf dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> umh\u00f6ren sollte, ob einer der Herren eine solche <em>f\u00e1njula<\/em> und ihre alten Eltern in seiner Burg willkommen hei\u00dfen w\u00fcrde? Fernab von dieser tristen Burg in dieser unwirtlichen Gegend, auf der ich f\u00fcr meinen Weitvetter fortan f\u00fcr \u2026 Gerechtigkeit sorgen muss? Denn so wird es kommen. Als <em>mynstir<\/em> in Wijdlant wird er schlie\u00dflich einen Statthalter brauchen, der auf Emberbey wirkt.\u201c Er nahm einen weiteren Zug aus dem Becher. \u201eWie w\u00e4re das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00e4re \u2026 sehr sch\u00f6n, Herr.\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r l\u00e4chelte und deutete auf den Becher am Boden. \u201eTrink, Hevstrid. Lass uns unsere Becher erheben zum Gedenken an Herrn Alsg\u00f6r \u2013 und auf unsere Abmachung.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4255","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4255","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4255"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4255\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4265,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4255\/revisions\/4265"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4255"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4255"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4255"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}