{"id":4254,"date":"2025-09-08T00:09:16","date_gmt":"2025-09-07T22:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4254"},"modified":"2025-09-08T00:09:16","modified_gmt":"2025-09-07T22:09:16","slug":"028-kopfschmuck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/028-kopfschmuck\/","title":{"rendered":"028: \u00a0Kopfschmuck"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Patagh\u00edus Glanz war schon so weit im Norden den Himmel hinab gesunken, dass es drau\u00dfen langsam dunkel wurde. Als Manj\u00e9v endlich die Laube verlassen konnte, waren sogar schon ein oder zwei der besonders hellen von Nokt\u00e1mas Juwelen zwischen den losen Wolkenschleiern hervor geblitzt.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v ging hin\u00fcber zum Wohngeb\u00e4ude. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant folgte ihr nicht. Sicher wollte die <em>teiranda<\/em> nicht den Anschein erwecken, ihrer Tochter nachzulaufen, auf die sie so lange vergebens eingeredet hatte. Mit sanften, freundlichen und doch versteckt so mahnenden Worten, dass Manj\u00e9v nun ein schweres Gewissen hatte.<\/p>\n<p>Bei den M\u00e4chten, sie alle meinten es so gut mit ihr. Wenn sie doch nur reden, alles erkl\u00e4ren k\u00f6nnte! Aber eben das war unm\u00f6glich. Sie wusste doch selbst nicht, was sie erz\u00e4hlen sollte. Sie hatte selbst keine Ahnung, warum sie alle ringsum, die eigenen Eltern und vielleicht auch eine Anzahl m\u00e4chtiger Leute in fernen <em>teirandon<\/em> so in Ratlosigkeit und Unruhe st\u00fcrzte.<\/p>\n<p>Auf dem Innenhof war es schon k\u00fchl. Hier und da hatten die Eltern Feuerschalen aufstellen lassen, in denen es allerdings noch nicht glomm. Kalt waren die Abende und N\u00e4chte, und es waren bereits G\u00e4ste in der Burg, hochrangige Herren und Damen, denen man den mangelnden Komfort eines Zeltlagers nicht zumuten konnte. In der Burg war viel Platz. In der Schankstube in einem der Nebengeb\u00e4ude h\u00f6rte Manj\u00e9v Stimmengewirr und Gel\u00e4chter. Offenbar hatten sich dort schon vor dem Abendessen Menschen zusammengefunden.<\/p>\n<p>Die <em>teirandanja<\/em> warf einen Blick zum Turm empor und schauderte. Das Abenteuer, das sie dort erlebt hatten, sie, T\u00edjnje und die Knaben, nun alle stolze junge Ritter, war mit den Wintern in ihrer Erinnerung immer und immer mehr verschwommen, verfilzt und verworren in einen diffusen Schlier. Manchmal lichtete der sich in ihren Tr\u00e4umen, und dann wachte sie schwei\u00dfgebadet und erschrocken auf. Manchmal h\u00f6rte sie T\u00edjnje in ihrem Bett nebenan wimmern und st\u00f6hnen. Ob sie dieselben Tr\u00e4ume hatten? Ob die J\u00fcnglinge, ob die Eltern auch noch davon heimgesucht wurden, was damals geschehen war? Und \u2026 ja \u2026 was war es eigentlich gewesen? Manj\u00e9v hatte den Verdacht, dass sie alle sich fragten, ob dieses unkenntliche Traumgewebe sie alle miteinander verband. Aber niemand wagte, den anderen darauf anzusprechen.<\/p>\n<p>Einige Monde nach der Sache im Turm, da war sie mit ihren und T\u00edjnjes Eltern, der <em>opayra<\/em> und einigen anderen Damen auf einem Ausritt gewesen. Die erwachenden Obstg\u00e4rten hatten sie besichtigen wollen. Nat\u00fcrlich waren auch einige Wachleute dabei gewesen. Als die Schar am Mittag unter B\u00e4umen gerastet hatte, auf denen wei\u00dfe und rosa Bl\u00fcten prangten wie Seifenschaum, war es den Kindern gelungen, sich heimlich fortzustehlen. Die Gespr\u00e4che der Erwachsenen waren langweilig gewesen, und sogar der <em>b\u00e1chorkor<\/em>, den sie bei sich gehabt hatten, hatte nur hohe Poesie vorgetragen, mit vielen Worten, die nicht einmal L\u00e1as, der \u00e4lteste unter ihnen, begriffen hatte.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v blieb stehen und schaute empor. Den oberen Teil des Turmes betrat niemand mehr. Das Dach war repariert worden. Das Gemach ganz oben im Turm auszur\u00e4umen, das hatte niemand gewagt. Alles, was dort an M\u00f6beln und Kram gestanden hatte, war unangetastet. Asga\u00fd von Spagor hatte lediglich verf\u00fcgt, die T\u00fcr auszuh\u00e4ngen. Sicherheitshalber war sie verbrannt worden.\nAn den Fensterscharten hatte man nun jedoch die Banner der yarlay des <em>teirandon<\/em> Wijdlant aufgeh\u00e4ngt, und die der G\u00e4ste, die bereits eingetroffen waren. Manj\u00e9v kniff die Augen zusammen und versuchte, sich an die Erl\u00e4uterungen des <em>mestar<\/em> zu erinnern, der ihnen die Familienzeichen hatte erkl\u00e4ren wollen. Viel davon gemerkt hatte Manj\u00e9v sich nicht. Wozu gab es Osse? Ab \u00fcbermorgen w\u00fcrde Osse Emberbey ihr nicht mehr von der Seite weichen. Er w\u00fcrde ihr alles erl\u00e4utern, was sie wissen musste, und ihr Rat geben, wenn sie ihn fragte. Das Banner von Emberbey prangte bereits am Turm. Die drei Fische auf Honiggelb hingen Seite an Seite mit dem silbernen Pferd auf leuchtendem Blau.<\/p>\n<p>An jenem Tag im Obstwald war es auch Osse gewesen, der die anderen drei gewissenhaft ermahnt hatte, nicht einfach davonzulaufen, ohne nicht wenigstens jemandem Bescheid zu geben. Osse ging bereits in Virhav\u00e9t zur Schule. Dass er mit seinem Vater einige Tage in Wijdlant war, kam viel zu selten vor.<\/p>\n<p>Ob er denn unbedingt wolle, dass die <em>opayra<\/em> ihnen mitgeschickt w\u00fcrde?, hatte J\u00e1ndris gefragt. Man k\u00f6nne der hochedlen Dame doch nun wirklich nicht zumuten, ihnen auf den B\u00e4umen hinterdrein zu klettern. Oder \u00fcber die Wassergr\u00e4ben zwischen den G\u00e4rten zu h\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Bevor Osse darauf etwas Vernunftvolles hatte entgegnen k\u00f6nnen, hatten die Jungs sich schon davongemacht, die kleine T\u00edjnje jauchzend hinterher. Truda war damals noch nicht bei ihnen gewesen.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v musste unwillk\u00fcrlich l\u00e4cheln, als sie sich daran erinnerte. Sie hatte kurz gezweifelt, was richtig und vern\u00fcnftig zu tun sei, und einen fragenden Blick mit Osse gewechselt. Wie deutlich erinnerte sie sich an seine ernsten Augen hinter den runden Brillengl\u00e4sern. Sie hatte einander angeschaut, zugenickt und waren dann den wilden Knaben gemeinsam nachgerannt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich waren sie alle am Ende von den Erwachsenen getadelt und ausgeschimpft worden, denn nat\u00fcrlich hatte man ihr Verschwinden schnell bemerkt, gerade als sie alle die Zerisienb\u00e4ume erklommen hatten, um dich die sch\u00f6nen duftenden Bl\u00fcten aus der N\u00e4he anzuschauen. <em>Yarl<\/em> Altabete hatte J\u00e1ndris schwere Vorw\u00fcrfe gemacht. Nat\u00fcrlich nahm man bei allem Unfug, an, J\u00e1ndris sei der Anstifter. In den allermeisten F\u00e4llen traf das zu.<\/p>\n<p>Was ihm denn eingefallen w\u00e4re, die <em>teirandanja<\/em> in Gefahr zu bringen? Was, wenn seine junge Herrin in einen Graben oder vom Baum gest\u00fcrzt w\u00e4re?<\/p>\n<p>Und er, Osse Emberbey, hatte Herr Alsg\u00f6r mit gro\u00dfer Entt\u00e4uschung den eigenen Sohn gefragt. Ob er diesen gef\u00e4hrlichen Ausflug denn nicht besser bedacht h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Osse wollte uns aufhalten, hatte J\u00e1ndris den j\u00fcngeren Knaben in Schutz genommen. Er k\u00f6nne nichts dazu und verdiene keine Strafe.<\/p>\n<p>Doch, die verdiene er, hatte Osse widersprochen. Schlie\u00dflich sei er mitgelaufen.<\/p>\n<p>Es hatte damit geendet, dass J\u00e1ndris und Merrit sich einige Tage in den Pferdest\u00e4llen hatten schwer abrackern m\u00fcssen, Wasser geschleppt, ausgemistet und Lederzeug gereinigt. L\u00e1as, der \u00c4lteste und St\u00e4rkste, hatte dem Schmied und Osse dem <em>mestar<\/em> zur Hand gehen und einige wichtige Unterlagen kopieren m\u00fcssen, in Sch\u00f6nschrift. T\u00edjnje hatte darauf beharrt, auch ihre Unbedacht abzugelten. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatte dem kleinen M\u00e4dchen schlie\u00dflich nachgegeben und den G\u00e4rtner angewiesen, sie Unkraut rupfen zu lassen.<\/p>\n<p>Und sie, Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor?<\/p>\n<p>Ich bin auch mitgegangen, hatte sie zu ihren Eltern gesagt, als die anderen und ihre Eltern fort waren.<\/p>\n<p>Du h\u00e4ttest sie aufhalten m\u00fcssen, hatte Asga\u00fd von Spagor gemahnt. Du bist die <em>teirandanja<\/em>. Du kannst ihnen befehlen. Sie m\u00fcssen dir gehorchen.<\/p>\n<p>Wir wollten nur die sch\u00f6nen Blumen sehen, hatte Manj\u00e9v leise zugegeben. Wir wollten nichts Gef\u00e4hrliches tun.<\/p>\n<p>Kind, hatte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant gesagt, noch sind die vier nicht so weit, dass sie dich besch\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Besch\u00fctzen? Aber vor wem denn?<\/p>\n<p>Darauf hatte sie keine Antwort bekommen, den r\u00e4tselhaften Blick aber wohl bemerkt, den Vater und Mutter ausgetauscht hatten. Und dann war sie in die Kleiderkammer gegangen, hatte sich dort von einer erstaunten Magd ein Arbeitskittelchen geben lassen. Damit angetan war sie am folgenden Tag in die K\u00fcche hinabgestiegen und hatte der nicht minder verwirrten K\u00fcchenmeisterin befohlen, ihr eine Aufgabe zu erteilen, die sie erledigen konnte, solange ihre Getreuen anderswo in der Burg besch\u00e4ftigt waren.<\/p>\n<p>Und so hatte Manj\u00e9v in der K\u00fcche gesessen, zwischen gesch\u00e4ftig umherlaufenden Schutzbefohlenen, zwischen brodelnden Kesseln und zischenden Pfannen, und hatte mit gro\u00dfem Ernst Gem\u00fcse geschnitten, N\u00fcsse geknackt und Teig geknetet. Sehr zum Befremden und zur anf\u00e4nglich m\u00fchsam verborgenen Belustigung der Kinder, die in der K\u00fcche besch\u00e4ftigt waren.<\/p>\n<p>Die Eltern hatten es nie ausgesprochen. Doch Manj\u00e9v war sehr stolz darauf gewesen, wie beeindruckt die Erwachsenen von der Loyalit\u00e4t schienen, die die f\u00fcnf Kinder untereinander verband.<\/p>\n<p>\u201eMajest\u00e4t?\u201c<\/p>\n<p>Es war <em>yarl<\/em> Grootplen, der die <em>teirandanja<\/em> aus ihren Gedanken riss. Der beleibte Ritter war seit den letzten Wintern immer h\u00e4ufiger nur noch im Wappenrock gekleidet. T\u00edjnje fl\u00fcsterte, dass ihr Gro\u00dfvater nicht mehr in sein Eisenzeug passte, seit ihn das Alter langsam vom Pferd in die Amtsstube zog.<\/p>\n<p>\u201eHerr Daap? Wie sch\u00f6n, Euch zu sehen. Ist alles nach Plan bei den Vorbereitungen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch unterrede mich gerade mit dem <em>arbidror <\/em>aus Pian\u00e1rdent. Ein beeindruckender Mann und Kenner der Wettstreiter. Ihr solltet ihn zu einem Gespr\u00e4ch empfangen. Ich sah Euch hier stehen und fragte mich \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eMacht einen Termin morgen daf\u00fcr und lasst es mich durch Truda oder Herrn J\u00f3ndere wissen, sp\u00e4ter nach dem Essen. Ist alles beim Rechten auf bei unseren G\u00e4sten im Lager?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNichts, was Anlass zur Sorge b\u00f6te, Majest\u00e4t. Der <em>maedlor<\/em> berichtet nur von den kleinsten \u00c4rgernissen.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00c4rgernisse?\u201c<\/p>\n<p>\u201eOffenbar hat jemand das Zelt des <em>yarl<\/em> von Ycelia besudelt. Ich gehe von einem ungl\u00fccklichen Missgeschick aus.\u201c Daap Grootplen l\u00e4chelte. Augenscheinlich wurde in der Schankstube schon etwas Kr\u00e4ftigeres gereicht. \u201eNachts, im Dunklen, und wenn es eilt \u2026 nun. Das ist nichts f\u00fcr die Ohren einer Dame.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v l\u00e4chelte. Sie mochte den Ritter mit dem eisgrauen Schnauzbart sehr. Um den Hals trug er stolz die Amtskette, anhand derer ihn auch Leute als <em>mynstir<\/em> der <em>teiranda<\/em> erkannten, die ihn noch nicht von Angesicht kannten. \u201eIst das Bett f\u00fcr Eure <em>h\u00fdardora<\/em> schon in Euer Gemach gestellt worden?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHeute fr\u00fch wurde es gebracht. Ich danke Euch, Majest\u00e4t.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch freue mich, Eure <em>h\u00fdardora<\/em> wieder einmal zu Gesicht zu bekommen. Es ist viel zu lange her.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas, wenn nicht Euer <em>vaspos\u00e1r<\/em>, w\u00e4re eine passende Gelegenheit f\u00fcr eine solche Reise.\u201c Er verneigte sich und f\u00fcgte hinzu: \u201eIch w\u00e4re so \u00fcbergl\u00fccklich, wenn L\u00e1as zu diesem Anlass sein Gl\u00fcck f\u00e4nde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOh.\u201c Manj\u00e9v zuckte zusammen. Dass L\u00e1as bereits eine <em>f\u00e1njula<\/em> gefunden hatte, deren Herz im Takt mit dem seinen pochte, hatte sich bis zu seinen Eltern noch nicht herumgesprochen. Manj\u00e9v und ihre Hofdamen wussten nat\u00fcrlich davon. Aber vor dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> sollte niemand davon erfahren. Das hatten sie alle dem h\u00fcnenhaften Jungritter versprochen, zumal es sich bei der jungen Frau nicht um eine <em>yarlara<\/em> handelte. \u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte geben, dass mein Fest viele Menschen gl\u00fccklich zusammenbringt. Bitte, entbietet dem <em>arbidror <\/em>meine Gr\u00fc\u00dfe. Ich habe es nun eilig. Ich muss mich noch umziehen. Bis sp\u00e4ter zum Essen, Herr Daap.\u201c<\/p>\n<p>Sie nickte ihm zu und lie\u00df ihn stehen, bevor er sie noch in ein tieferes Gespr\u00e4ch verwickeln konnte. Den Weg zur\u00fcck in ihr Gemach legte sie so schnell zur\u00fcck, dass sie gerade eben nicht lief, aber doch keine Zeit verlor, bevor sie noch <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval oder sonst jemanden in den Weg geriet.<\/p>\n<p>In der Burg wurde noch gearbeitet. Gesinde schleppte Stoffe, Matten, Bretter und Leisten umher. Alle geeigneten Zimmer abseits der herrschaftlichen R\u00e4ume sollten als G\u00e4stegem\u00e4cher f\u00fcr jene genutzt werden, denen ein Zelt nicht mehr zuzumuten war. Man bem\u00fchte sich, gr\u00f6\u00dfere Zimmer zu unterteilen, sodass man mehrere Personen unterbringen konnte. Aber die Gesch\u00e4ftigkeit kam langsam zum Erliegen. Es wurde zu dunkel.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v schritt mit einem kurzen Gru\u00df an den Wachen vorbei, die den Korridor zu ihrem Gemach beaufsichtigten. Als sie in die Kemenate schl\u00fcpfte, fand sie Truda wieder am Fenster vor. Das M\u00e4dchen nutzte das letzte Tageslicht f\u00fcr seine Lekt\u00fcre.<\/p>\n<p>\u201eDu wirst Dir noch die Augen verderben. Dann brauchst du eine Brille, wie dein Bruder.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist grade so spannend! Ich will doch unbedingt wissen, ob die Rosendame den Smaragdritter erh\u00f6rt oder ob er voller Liebesgram in die Fremde zieht.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v lie\u00df sich auf Ihrem Bett nieder. \u201eIn den Romanen ist das alles zu einfach.\u201c<\/p>\n<p>Truda legte das B\u00e4ndchen zwischen die Seiten und klappte ihr Buch zu. \u201eWar es schlimm?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas \u00dcbliche. Merrit hier, Merrit da. Sie verstehen einfach nicht, dass\u2026 Ach. Auch wir m\u00fcssen nicht immerfort dar\u00fcber reden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs will einfach niemandem in den Kopf, warum das f\u00fcr dich so eine schwere Sache ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMan sollte meinen, ich h\u00e4tte bei meinem eigenen <em>vaspos\u00e1r<\/em> die freie Auswahl\u201c, grollte Manj\u00e9v. Dasselbe, nur in sehr viel verbr\u00e4mteren und vorsichtigeren Worten hatte sie die Mutter in der Laube wissen lassen.<\/p>\n<p>\u201eWenn er w\u00fcsste, dass du so redest\u201c, sagte Truda und stellte ihr Buch zur\u00fcck in das Regal \u00fcber ihrem Bett, \u201edann w\u00fcrde er sich wohl mit dem Smaragdritter zusammentun und in die Ferne ziehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n<p>Truda sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNa, Dummheiten, wie die M\u00e4nner sie anfangen, wenn sie etwas anderes verwundet hat als die Klinge eines Feindes. Der Smaragdritter zum Beispiel w\u00fcrde vor Liebesweh ausziehen, um gef\u00e4hrliche Drachen zu jagen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs gibt keine Drachen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber es gibt Gefahren. Erst k\u00fcrzlich habe ich geh\u00f6rt, wie Herr Andri\u00e9r sich mit deinem Vater unterhalten hat. Es sind wohl Werber unterwegs, die junge M\u00e4nner beschwatzen f\u00fcr eine Reise in die Eislande. Und das alles nur, weil sie nach einem anderen Herrn geschaut hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTruda, du redest wirr. Wen meinst du?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Rosendame.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v seufzte. Offenbar vermengte sich in Trudas jungem Kopf gerade das echte Weltenspiel mit einer uralten Erz\u00e4hlung. Aber irgendetwas sprengte sich von Trudas Worten an und blieb an Manj\u00e9vs Gem\u00fct haften, wie eine Staubfluse. Eine von der Art, die man lange Zeit unbemerkt am R\u00fccken auf dem Mantel tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Das j\u00fcngere M\u00e4dchen z\u00f6gerte einen Moment. Dann ging sie hin\u00fcber zu T\u00edjnjes Kleidertruhe und hob den Deckel an.<\/p>\n<p>\u201eWas willst du an T\u00edjnjes Sachen? Das geh\u00f6rt sich nicht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will dir nur was zeigen. Und das auch nur, weil sie gerade nicht da ist, um es selbst zu tun. Schau!\u201c<\/p>\n<p>Truda nahm ein flauschiges, kunterbuntes Ding aus der Truhe und gab es Manj\u00e9v in die Hand. Es war ein Strau\u00df aus schillernden Prachtvogelfedern, lang wie Manj\u00e9vs Unterarm mitsamt Hand. Im unteren Bereich, \u00fcber einer metallenen Fassung, waren die Federfasern sorgf\u00e4ltig zerzaust und mit goldenen und silbernen F\u00e4den und kleinen schimmernden Metallpl\u00e4ttchen durchwirkt.<\/p>\n<p>\u201eIst das eine Helmzier f\u00fcr J\u00e1ndris?\u201c, fragte Manj\u00e9v beeindruckt, denn der Schmuck war wirklich sehr gut gelungen. Wenn er auch ein wenig zu sehr nach T\u00edjnjes Geschmack glitzerte, als es zu dem feschen jungen Ritter passte.<\/p>\n<p>Truda nickte.<\/p>\n<p>\u201eWo hat sie die Fassung her? Und wann \u2013 oder besser: Wo hat sie das gemacht, ohne dass es jemand bemerkt hat?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Fassung hat ihr Merrit besorgt. Und gebastelt hat sie in seiner Stube. In der Truhe liegt es jetzt nur, weil unten in den Kammern zu viele Leute herumkramen.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v lie\u00df den Federbusch in ihren Scho\u00df sinken. \u201eWarum zeigst du mir das, Truda?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch dachte, du solltest wissen, dass Merrit wei\u00df, dass einige von uns sich sehr sorgf\u00e4ltig f\u00fcr das Turnier interessieren. Ich w\u00fcrde mich nicht wundern, wenn sogar dieses Schankm\u00e4dchen von L\u00e1as ein Geschenk f\u00fcr ihn h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu meinst, wenn ich nichts bringe, was Merrit sich an den Helm stecken kann, werden Leute tuscheln?\u201c<\/p>\n<p>Truda seufzte und lie\u00df sich neben Manj\u00e9v nieder.<\/p>\n<p>\u201eWillst Du wirklich, dass er mit nacktem Helm in das Turnier zieht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eTruda, du kennst seinen Turnierhelm. Der hat einen Helmschmuck, in silber und blau. Wie es sich geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>Truda nahm ihrer Herrin den glitzernden Federschmuck wieder ab und legte ihn zur\u00fcck in die Truhe. Gerade noch rechtzeitig, denn es klopfte. Asga\u00fd von Spagor begehrte h\u00f6flich Einlass. In der Hand trug er ein kleines Paket, eingeschlagen in wei\u00dfes Tuch. Er war in Begleitung eines Mannes in schlichten Gew\u00e4ndern aus teurem Tuch. Der verneigte sich tief, blieb aber auf dem Flur stehen.<\/p>\n<p>\u201ePapa?\u201c, fragte Manj\u00e9v erstaunt. Dass der <em>teirand<\/em> so kurz vor dem Abendessen noch ins Zimmer der M\u00e4dchen kam, war ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>\u201eIch habe etwas f\u00fcr dich, Kind. Eigentlich solltest du es noch nicht sehen, aber deine Mutter meinte, es ist vern\u00fcnftiger, wenn du es kurz anprobierst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJetzt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs wurde gerade eben gebracht.\u201c Der <em>teirand<\/em> reichte ihr das P\u00e4ckchen und nickte in Richtung des Mannes auf dem Flur. Der hielt seine M\u00fctze in H\u00e4nden und schaute Manj\u00e9v erwartungsvoll an.<\/p>\n<p>\u201eEin Geschenk?\u201c, fragte die <em>teirandanja<\/em>. \u201eVon wem?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVon uns. Von K\u00edan\u00e1 und mir.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v betastete das Tuch. Etwas Massives, Schmales was darin. Etwas Ringf\u00f6rmiges.<\/p>\n<p>\u201eIst das etwa \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eMach es auf.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v wickelte den Stoff auf und hielt den Kronreif ehrf\u00fcrchtig in die H\u00f6he. Breit wie zwei Finger war er und gefertigt aus einem d\u00fcnnen Band Gold. Das Licht reichte nicht aus, dass Manj\u00e9v jedes Detail erkennen konnte. Die vordere H\u00e4lfte war mit Perlmutt und feinen Perlen besetzt. Die andere H\u00e4lfte des Rings verj\u00fcngte sich und war mit feinen silbernen aufgelegten Dr\u00e4hten verziert.<\/p>\n<p>Vorn an der Stirn prangte ein einzelner Edelstein. Ein Opal, der in allen Farben schimmerte, als Manj\u00e9v ihn gegen die letzten Sonnenstrahlen hielt. Die <em>teirandanja<\/em> erschauerte. Diesen Stein kannte sie.<\/p>\n<p>Asga\u00fd von Spagor erahnte ihre unausgesprochene Frage.<\/p>\n<p>\u201eDu sollst ihn haben, den angeglichen Zauberstein\u201c, sagte er. \u201eEr hat zwar nicht bewirkt, was versprochen war. Aber h\u00fcbsch und wertvoll ist er allemal.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie sch\u00f6n!\u201c, freute Truda sich. \u201eSetz es auf, Manj\u00e9v! Mach schon!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn sie nicht passen sollte, nimmt der Goldschmied sie wieder mit und passt sie an. Setz sie auf und schau, wie sie dir steht.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v erhob sich und ging zu ihrem Spiegel. Die Krone passte wie angegossen.<\/p>\n<p>Staunend betrachtete sie ihr Abbild. Wie fremd sah sie aus! Wie sch\u00f6n gl\u00e4nzten die Perlen im Gold auf ihrem blonden Haar. Wie seltsam schimmerte der Stein auf ihrer Stirn. Wie schwer war das Metall.<\/p>\n<p>\u201eDas hast du hervorragend gearbeitet\u201c, lobte sie den Goldschmied. \u201eSie passt wie angegossen.\u201c<\/p>\n<p>Der Mann er err\u00f6tete vor Stolz und Freude. Tief verbeugte er sich.<\/p>\n<p>Sie schaute sich anl. War sie das wirklich? War sie das, mit dem Zeichen ihrer Macht?<\/p>\n<p>\u201eManj\u00e9v?\u201c<\/p>\n<p>Sie schrak auf. Wie lange hatte sie in den Spiegel gestarrt? Ihr Vater stand neben ihr.<\/p>\n<p>\u201eGib sie mir zur\u00fcck. Noch ist es nicht so weit. Offiziell bekommst du sie nach dem <em>vaspos\u00e1r<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich.\u201c Manj\u00e9v nahm die Krone bedauernd ab und gab sie ihm in die Hand. \u201eDanke, Papa.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir hoffen, dass sie dir und dem teirandon Gl\u00fcck bringen wird.\u201c Asga\u00fd von Spagor packte die Krone wieder ein. \u201eWie erwachsen du geworden bist, Kind. Eine gro\u00dfe und gerechte Herrscherin sollst du sein.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v nickte. Asga\u00fd von Spagor neigte sich vor und ber\u00fchrte ihre Stirn mit der seinen. Manj\u00e9v erwiderte die Z\u00e4rtlichkeit.<\/p>\n<p>Ob der Goldschmied wohl schon eine Krone in Arbeit hatte, die auf Merrits Kopf passte?<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4254","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4254"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4266,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4254\/revisions\/4266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}