{"id":4251,"date":"2025-09-08T00:11:25","date_gmt":"2025-09-07T22:11:25","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4251"},"modified":"2025-09-08T00:11:25","modified_gmt":"2025-09-07T22:11:25","slug":"031-das-flammende-floss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/031-das-flammende-floss\/","title":{"rendered":"031: Das flammende Flo\u00df"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Venghi\u00e1r hatte zwar angenommen, mit Hevstrid ein leichtes Spiel zu haben. Aber er wurde dar\u00fcber hinaus angenehm \u00fcberrascht. Das M\u00e4dchen war nicht dumm. Nicht gerissen und weitdenkend genug, dass er sie als seiner ebenb\u00fcrtig angesehen h\u00e4tte. Doch sobald das zuvor so ver\u00e4ngstigte M\u00e4dchen begriffen hatte, dass er sie nicht f\u00fcr ein kurzes Vergn\u00fcgen, sondern f\u00fcr etwas Gr\u00f6\u00dferes brauchte, war es zusehends selbstsicher geworden. Bis zu einem Punkt, an dem es versucht hatte, mit ihm zu handeln.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Moment war er dar\u00fcber fast erbost gewesen, aber er hatte sich lang genug beherrschen k\u00f6nnen, um einzusehen, wie n\u00fctzlich ihm selbst das sein w\u00fcrde. Nun, bei n\u00e4herem Nachdenken, imponierte es ihm beinahe. Er lie\u00df ihr ihren Willen, sie war ihm zu Willen. Hervorragend.<\/p>\n<p>Er hatte ihr von Cr\u00f3 und Ungro berichtet, die sp\u00e4testens am \u00fcbern\u00e4chsten Tag mit den restlichen Pferden auftauchen w\u00fcrden. Er hatte ihr erkl\u00e4rt, dass die beiden brauchbare und treue Knechte seinen, denen er aber doch die Burg nicht g\u00e4nzlich \u00fcberlassen wollte. Solange er sich in Wijdlant um das \u00dcberbringen der traurigen Botschaft und die Regelung der Familienangelegenheiten k\u00fcmmere, brauche er Hilfe. Hilfe von jemand Klugem und Loyalen, der f\u00fcr ihn ein Auge auf seine Gehilfen hielt und sie an ihre Pflichten erinnerte.<\/p>\n<p>Er k\u00f6nne sich auf sie verlassen, hatte sie ihm geschworen, fast etwas zu wenig \u00fcberrascht \u00fcber sein Ansinnen. Aber daf\u00fcr m\u00fcsse er ihr entgegenkommen.<\/p>\n<p>Was sie sich erlaube?, hatte er gefragt, halb zornig, halb am\u00fcsiert.<\/p>\n<p>Es sei sehr einfach, sich Feinde im eigenen Haus zu machen, hatte sie nur geantwortet. Ob er denn nicht wisse, wie man ihn in der Burg Emberbey f\u00fcrchtete, aber sicher nicht auf die Weise, die einem hochedlen Herrn gut anst\u00fcnde.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r hatte ihr mehr von dem Met aus des Gro\u00dfonkels so wert gehaltener Flasche gegeben. Ein seltsames Zeug war das. Es schmeckte k\u00f6stlich, aber obwohl es so schwer, fast etwas \u00f6lig auf der Zunge blieb, brachte es nicht das Gef\u00fchl, dass er von Met gewohnt war. Nun, vielleicht war mit der langen Zeit der Geist verflogen. Umso besser. Nicht, dass ihm beim Schuss nachher die Hand zitterte.<\/p>\n<p>Ob sie denn nicht f\u00fcrchte, f\u00fcr solche Anma\u00dfung an Leib und Leben bezahlen zu m\u00fcssen?<\/p>\n<p>Schon, hatte sie gesagt. Aber es w\u00fcrde ihm schon schwerfallen, zu erkl\u00e4ren, wie ihr Blut an seine H\u00e4nde gelangt sein sollte. Schlie\u00dflich sei er vor Zeugen mit ihr fortgegangen.<\/p>\n<p>Bei den M\u00e4chten, wie verschwendet war dieses M\u00e4dchen an den Dienst an K\u00fcche und Waschbottich!<\/p>\n<p>Als die Flasche schlie\u00dflich ausgetrunken und die Dinge besprochen waren, war die Sonne im Meer versunken. Das Schauspiel des goldenen Wassers war vor\u00fcber, ohne dass einer von ihnen Notiz davon genommen hatte.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r begleitete das M\u00e4dchen zur Klippe, nachdem er sich den Langbogen aus seinem Gemach geholt hatte. Sie hatte nicht versucht, die Gelegenheit zur Flucht zu nutzen und brav auf ihn gewartet. Sehr gut.<\/p>\n<p>Unten am Strand standen sie bereits mit lodernden Fackeln und umringten das Flo\u00df. Nun, ohne ihn w\u00fcrde das Spektakel ohnehin nicht anfangen, also hatte er Zeit. Als sie am Rosenbogen ankamen, war der altgediente W\u00e4chter mit seiner Glefe nicht mehr allein. Der Waffenknecht aus Rodekliv hatte sich mit einer eigenen Fackel hinzugesellt. Als er Venghi\u00e1r bemerkte, nahm er l\u00e4ssig Haltung an. Sein Kamerad schaute mit blankem Blick und versteinertem Gesicht.<\/p>\n<p>Hevstrids Mutter sa\u00df ersch\u00f6pft und verheult nahe der Klippe im Gras, den Besen fest umklammert. Die M\u00f6wen hatten nun Ruhe gegeben, aber der Tag war ihr wohl lang geworden. Dass sie dadurch daran gehindert worden war, ihrer Tochter beizustehen, hatte sie wohl verwirrt und verzweifelt. Vom <em>maedlor<\/em> war kein Geschrei mehr zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r am\u00fcsierte sich. Er griff nach Hevstrids Hand und f\u00fchrte sie so galant, wie er es bei einer edlen Dame getan h\u00e4tte. Das M\u00e4dchen stutzte und lie\u00df sich das kurz gefallen, aber der verst\u00e4ndnislose Blick der Frau brachte es zur Besinnung.<\/p>\n<p>\u201eKind!\u201c, rief das Weib aus, rappelte sich auf, der Besen entglitt wunden H\u00e4nden. Hevstrid lie\u00df ihn stehen und fiel der Mutter um den Hals. Die Frau heulte erneut, wie ein Wasserfall, und umschlang die Tochter innig und so fest, als fiele eine Last von ihr ab. \u201eKind! Kind!\u201c<\/p>\n<p>\u201eBeruhige dich, Mama\u201c, wehrte sie die \u00e4ltere Frau sanft ab. \u201eHerr Venghi\u00e1r ist gut zu uns!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHolt den Kerl herauf\u201c, befahl Venghi\u00e1r und sp\u00e4hte an den Strand hinunter. \u00dcber das Klatschen und Brodeln der Wellen in der Tiefe meinte er, vom Strand Weinen und Jammern emporklingen zu h\u00f6ren, ganz leise. Waren diese Leute tats\u00e4chlich so getroffen vom Ende des Alten? Waren sie dem freudlosen, verbitterten Greis wirklich so zugetan gewesen? Weinten sie um <em>ihn<\/em> oder \u00fcber die Dinge, die sich hier bald \u00e4ndern w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Die Waffenknechte zogen den <em>maedlor<\/em> am Strick hinauf auf die Klippe. Venghi\u00e1r kam mit seiner Fackel n\u00e4her heran, um besser sehen zu k\u00f6nnen. Der Mann lebte, sah aber arg geschunden aus. Er hatte blutige Schrammen \u00fcberall dort, wo die M\u00f6wen ihn mit Schn\u00e4beln und Krallen erwischt hatten und der Wind ihn gegen die Felsen gesto\u00dfen hatte. Seine Hose war feucht und er starrte mit weit aufgerissenen Augen hinauf zu Nokt\u00e1mas juwelenbesetztem Schleier, sicherlich ohne etwas zu sehen. Stumm zitterten seine Lippen.<\/p>\n<p>Die Frau lie\u00df ihre Tochter los und schluchzte \u00fcber der Brust ihres <em>h\u00fdardor<\/em> weiter.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r lie\u00df das einen Moment zu. Dann trat den maedlor sacht in die Rippen. \u201eKannst du mich h\u00f6ren?\u201c<\/p>\n<p>Der Blick des Mannes zuckte zu ihm hin. Sein Gesicht verzerrte sich, als s\u00e4he er einen Chaosgeist vor sich. Er hauchte, stotterte etwas. Unverst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>\u201eVater\u201c, sagte Hevstrid und kniete neben ihm nieder. \u201eVater, alles ist gut. Alles ist vorbei. Du bist in Sicherheit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMacht ihn los\u201c, befahl Venghi\u00e1r den M\u00e4nnern. \u201eUnd du,\u201c wandte er sich an den Waffenknecht aus Rodekliv, \u201edu sorgst mir daf\u00fcr, dass mir die beiden augenblicklich aus den Augen kommen. Ich will sie auf Lebzeiten in Emberbey nicht mehr sehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr!\u201c, begehrte die Mutter auf, aber er lie\u00df sie nicht zu Wort kommen.<\/p>\n<p>\u201eDu hast Zeit, solange alle anderen unten am Strand Herrn Alsg\u00f6r betrauern, aus euren Gem\u00e4chern zu holen, was euch geh\u00f6rt und du mit zwei H\u00e4nden tragen kannst. Pack ein, was du f\u00fcr wichtig h\u00e4ltst. Er hier\u201c, er deutete auf den rodeklivschen Wachmann, \u201ewird aufpassen, dass dir nicht noch andere Sachen einfallen. Ist das klar?\u201c<\/p>\n<p>Sie nickte hastig. \u201eJa. Ja, Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBesitzt er ein eigenes Pferd?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer <em>eld-yarl<\/em>, m\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen in Frieden sein, hatte ihm ein Maultier geschenkt. F\u00fcr seine immer treuen Dienste \u2026 Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas kann ich nicht brauchen. Nehmt es mit. Es passt mir nicht, aber ich sehe ein, dass dein <em>h\u00fdardor<\/em> die n\u00e4chste Zeit auf eigenen Beinen nicht so schnell laufen k\u00f6nnte, wie es n\u00f6tig ist. Ich verbanne euch aus Emberbey.\u201c<\/p>\n<p>Die Mutter schaute verbl\u00fcfft erst auf ihn, dann zweifelnd zu Hevstrid.<\/p>\n<p>\u201eKind\u201c, wisperte sie.<\/p>\n<p>\u201eIch bleibe hier, Mutter. Herr Venghi\u00e1r wird zufrieden mit mir sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber \u2026 Hevstrid!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu hast es in der Hand, Weib\u201c, sagte Venghi\u00e1r. \u201eEntweder, du nimmst deinen <em>h\u00fdardor<\/em>, deinen Kram und dein Leben, oder ich \u00fcberdenke die Sache. Das w\u00e4re l\u00e4stig.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHevstrid\u201c, brachte der <em>maedlor<\/em> kr\u00e4chzend hervor. \u201eMein Kind &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist alles in Ordnung, Vater.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber Herr\u201c, begehrte die Mutter auf, \u201ewohin sollen wir denn gehen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie es der Zufall so will\u201c, fuhr Venghi\u00e1r fort, \u201ewei\u00df ich, dass am Hof von <em>yarl<\/em> Ferocriv\u00e9 schreibkundige und dem\u00fctige Knechte gefragt sind. Wenn Ihr Herrn Ebbmo sagt, dass <em>ich<\/em> euch geschickt habe, werdet ihr ein Auskommen finden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNach Ferocriv\u00e9?\u201c, \u00e4chzte der <em>maedlor<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein gro\u00dfz\u00fcgiges Angebot von mir. Und es ist mein Einziges.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch werde morgen bei Tagesanbruch erneut Reiter ausschicken, um nach Ra\u00fdneta zu suchen. Und wenn einer von denen euch in Richtung Althopian oder Virhav\u00e9t aufgreifen sollte, dann wird euer braves T\u00f6chterlein es zu schmecken bekommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTut, was Herr Venghi\u00e1r sagt\u201c, bat Hevstrid und schaute zu Boden. \u201eNehmt das Maultier und das N\u00f6tigste. Ich komme zurecht.\u201c<\/p>\n<p>Die Mutter griff nach dem Gesicht des M\u00e4dchens und schaute sie flehend an. \u201eKind! Kind!\u201c<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r seufzte und wandte sich an den Waffenknecht mit der Glefe. Der war ihm hier oben zu gef\u00e4hrlich, zu unberechenbar. \u201eKomm du mit mir. Das hier wird mir zu r\u00fchrselig. Unten warten sie. Hevstrid \u2013 was immer ihr noch zu reden habt \u2013 denk daran: Es w\u00e4re ungeheuerlich, wenn du dich nicht ebenfalls von meinem Gro\u00dfonkel verabschieden w\u00fcrdest. Reiz meine Langmut nicht aus. Und du\u201c, er richtete die Spitze seines Bogens auf den Mann aus Rodekliv, \u201esorg daf\u00fcr, dass ich nicht zu lange auf sie warten muss.\u201c<\/p>\n<p>Er gab dem immer wortlosen W\u00e4chter die Fackel in die Hand. Einen viel zu langen Moment z\u00f6gerte der Mann. Dann neigte er sich herab und umarmte den <em>maedlor<\/em>, seinen Freund, zum Abschied.<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte mit euch beiden sein\u201c, h\u00f6rte Venghi\u00e1r ihn wispern. \u201eBitte, verzeih mir.\u201c<\/p>\n<p>Der <em>maedlor<\/em> antwortete nicht, war auch viel zu steif, um seine Arme zu heben. Das Weib richtete ihn auf. Die drei ber\u00fchrten einander kurz mit den Stirnen.<\/p>\n<p>\u201eIch spute mich, Herr\u201c, versprach Hevstrid.<\/p>\n<p>Dann ging der W\u00e4chter rasch voran, bevor Venghi\u00e1r ihn noch einmal ermahnen konnte.<\/p>\n<p>Er dirigierte ihn mit dem Bogen weiter, in Richtung der in den Stein gehauenen Treppe, die die Klippe hinab an den Strandstreifen f\u00fchrte. Schweigend gingen die beiden die groben Stufen in die Tiefe, die vor Urzeiten einer der Vorfahren des hoch ber\u00fchmten Herrn Thorgar Emberbey in den Stein hatte hauen lassen. Ein Handlauf aus einem dicken, salzverkrusteten Seil bot ein wenig Sicherheit.<\/p>\n<p>Der Streifen Kiesstrand an der Ostseite der Bucht war nicht besonders breit, aber doch so erhaben, dass die heranrollenden Wellen ihn nicht \u00fcbersp\u00fclten. Da standen die Schutzbefohlenen von Emberbey im Halbkreis um das Flo\u00df. Von zwei Ruderbooten w\u00fcrde es an die M\u00fcndung der Bucht gezogen werden. Sie hatten einige Fackeln ringsum gesteckt und am Rand der Bahre einige kleine t\u00f6nerne Lichter befestigt, die sp\u00e4ter das Ziel markieren sollten. Als die Leute sein Kommen bemerkten, wandten sie sich ihm zu. Schweigsam waren sie. Keiner wagte ein Wort. Hier und da schluchzte jemand auf. Aber die meisten Gesichter waren starr und voller beherrschter Feindseligkeit.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r trat an die Bahre auf dem Flo\u00df heran. Das Fass mit dem Dornbeeren\u00f6l stand bereit. Die M\u00e4gde, die den alten Alsg\u00f6r hergerichtet hatten, waren sehr kunstreich gewesen. Das Gesicht des Toten schien edel, milde, erhaben, weit mehr, als es zu Lebzeiten gewesen war. Seinen alten Wappenrock hatten sie ihm angezogen, den, mit dem er vor vielen Wintern ins Turnier geritten sein mochte. Den mochte er mitnehmen. Das Schwert in seinen H\u00e4nden nicht. Ver\u00e4rgert zog Venghi\u00e1r es weg.<\/p>\n<p>\u201eHerr!\u201c, protestierte eine der Frauen aus den Reihen der Burgbewohner. Er meinte, die Stimme der <em>opayra<\/em> zu erkennen, konnte es aber nicht zweifelsfrei sagen.<\/p>\n<p>\u201eWas? Das ist gutes Eisen! Keine Verschwendung! Er wird es nicht mehr brauchen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist kein Sohn da, der es erben w\u00fcrde\u201c, sagte jemand anderes.<\/p>\n<p>\u201eDas ist trotzdem kein Grund, es zu verschwenden. Ist es meine Schuld, dass mein Weitvetter niemals eine Waffe f\u00fchren wird? Was ist das f\u00fcr ein albernes Tuch \u00fcber seiner Schulter?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer Schleier seiner <em>h\u00fdardora<\/em>\u201c, sagte jemand anderes, mit eisiger Stimme.<\/p>\n<p>Einen kurzen Moment f\u00fchlte Venghi\u00e1r sich versucht, auch das bestickte zarte Gewebe fortzunehmen, einfach nur, weil er es gekonnt h\u00e4tte. Im letzten Moment besann er sich. Eine <em>h\u00fdardora<\/em> \u2026 nun, nach allem, was er wusste, war die Geschichte des alten Alsg\u00f6r und seiner <em>h\u00fdardora<\/em> alles andere als leidenschaftlich gewesen. Eine viel j\u00fcngere Dame hatte er sich geholt, um einen Erben zu zeugen. Immerhin, drei B\u00e4lger hatten sie hinbekommen, der alte Mann und die ungl\u00fcckliche Dame aus Ov\u00e9stola. Und w\u00e4re die Dame nicht \u00fcber die Geburt der kleinen Kr\u00f6te verreckt, vielleicht h\u00e4tten sie es weiter versucht. Und dann st\u00fcnde nun vielleicht ein Knabe hier an seiner Stelle und w\u00fcrde den greisen Vater betrauern. Und er, Venghi\u00e1r, der letzte m\u00e4nnliche Spross der Emberbeys, er w\u00e4re in Rodekliv versauert. Nun, so weit war es nicht gekommen. Die M\u00e4chte mochten daf\u00fcr gepriesen sein.<\/p>\n<p>Ach, was sollte es. Mochte der Alte den Schleier mit sich ins Feuer nehmen. Venghi\u00e1r nahm Schwert und Bogen in eine Hand und sch\u00f6pfte mit der anderen ein Schalchen Dornbeeren\u00f6l aus dem Fass. Schweigend sch\u00fcttete er \u00fcber den Leichnam, trat zur\u00fcck und dr\u00fcckte dem Waffenknecht das Gef\u00e4\u00df in die Hand.<\/p>\n<p>\u201eLasst uns das rasch hinter uns bringen\u201c, sagte er. \u201eEs ist sp\u00e4t, und der Tag wird anstrengend.\u201c<\/p>\n<p>Sie reihten sich auf, einer nach dem anderen. Der Wachmann sch\u00f6pfte \u00d6l, trat an die Bahre heran, goss es aus und murmelte den Totengru\u00df f\u00fcr seinen Herrn. Dann \u00fcbergab er die Schale dem n\u00e4chsten in der Reihe und trat zur\u00fcck.<\/p>\n<p>So nahm einer nach dem andern Abschied von Alsg\u00f6r Emberbey. Venghi\u00e1r achtete nicht darauf. Er griff nach den bereitliegenden Pfeilen, alle sorgf\u00e4ltig pr\u00e4pariert. F\u00fcnf St\u00fcck hatten sie vorbereitet. L\u00e4cherlich. Als ob er nicht schon mit dem ersten Schuss treffen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Hevstrid stieg die Treppe hinunter und reihte sich schweigend ein. Auch sie benetzte den Leichnam mit \u00d6l. Dann trat sie, wie zuf\u00e4llig, an seine Seite und nickte ihm zu. Es war etwas in ihrem Blick, das Venghi\u00e1r beunruhigend und erregend zugleich erschien.<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner griffen zu, um das Flo\u00df ins Wasser zu schieben. Wenige Augenblicke sp\u00e4ter wiegten die Wellen Alsg\u00f6r Emberbeys Leichnam. Die Ruderer zogen es in Richtung Meer, auf die von Nokt\u00e1mas Juwel versilberten Wellen.<\/p>\n<p>Niemand sprach ein Wort. Die Leute r\u00fcckten zu einer stummen, schweigenden Menge zusammen.<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r gab sich einen Ruck. Das ganze Gewese ging ihm schon zu lang. Beil\u00e4ufig entz\u00fcndete er einen Pfeil an einer der Fackeln, legte an, zielte und schoss.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gelang es auf Anhieb. Das Dornbeeren\u00f6l lie\u00df die Flammen auflodern, regelrecht explodieren und machte das Totenflo\u00df binnen weniger Herzschl\u00e4ge zu einer lichterlohen Fackel.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr ein Meisterschuss!<\/p>\n<p>Venghi\u00e1r f\u00fchlte ein merkw\u00fcrdiges Gl\u00fccksgef\u00fchl in sich aufwallen. Einen Lidschlag lang war das kein Totenflo\u00df mehr. Das war ein lichterloh brennendes Schiff, und das Meer stand in Flammen! So musste Thorgar Emberbey, der legend\u00e4re Ahnherr, sich gef\u00fchlt haben, als er die Schiffe des <em>teirand<\/em> versenkte!<\/p>\n<p>Als er den Bogen sinken lie\u00df, fing er Hevstrids Blick auf. W\u00e4hrend alle anderen gebannt beobachteten, wie Feuer und Meer den K\u00f6rper des alten Alsg\u00f6r Emberbey in Empfang nahmen, hatte sie nur Augen f\u00fcr ihn, seltsam fiebrige Augen. Und ihm wallte etwas durch die Adern, als h\u00e4tte das Feuer noch etwas ganz anderes in ihm entflammt.<\/p>\n<p>Er blickte aufs Meer, auf die Ruderboote, die zur\u00fcck zur Bucht fuhren.<\/p>\n<p>\u201eIch habe meinen Teil erf\u00fcllt\u201c, fl\u00fcsterte er ihr zu. \u201eWie steht es mit dir?\u201c<\/p>\n<p>Sie schaute zu ihm auf und l\u00e4chelte auf eine ganz und gar befremdliche Weise. \u201eDu sollst zufrieden mit mir sein.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4251","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4251"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4269,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4251\/revisions\/4269"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}