{"id":4250,"date":"2025-09-08T00:13:45","date_gmt":"2025-09-07T22:13:45","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4250"},"modified":"2025-09-21T00:21:27","modified_gmt":"2025-09-20T22:21:27","slug":"032-aufruhr-im-garten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/032-aufruhr-im-garten\/","title":{"rendered":"032: Aufruhr im Garten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>\u201eWo warst du so lange?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr \u2026 was Ihr haben wolltet, ist gar nicht so einfach zu bekommen. Aber ich habe etwas mitgebracht!\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e setzte sich auf. Es war zwischenzeitlich dunkel und der namenlose Ritter immer nerv\u00f6ser geworden. Aus seinem unterdr\u00fcckten Fluchen und Schimpfen zu urteilen reute es ihn, seinen Knappen losgeschickt zu haben. Offenbar gab es viel Wichtigeres zu tun.<\/p>\n<p>Aufschlussreich war es nicht gewesen, ihm zuzuh\u00f6ren. Warum auch sollte er den Zeltw\u00e4nden mehr \u00fcber das preisgeben, was er plante? Aber auch wenn das Gedankenh\u00f6ren nicht funktionierte, war D\u00fdamir\u00e9e sich sicher, dass der Mann etwas Ungutes im Schilde f\u00fchrte. Nachdem Advon das Zelt verlassen hatte, sichtlich beschwingt und voller Tatendrang, war der Ritter eine Weile ausgezeichneter Laune gewesen. Nach und nach hatte sich das gelegt. D\u00fdamir\u00e9e hatte sich in ihrem Krug zusammengerollt und still verhalten. Wenn der Ritter gereizt war, musste sie nicht unbedingt seine Aufmerksamkeit auf sich leiten. Der Ritter hatte mit einer Laterne f\u00fcr bescheidene Beleuchtung gesorgt. Besonders hell wurde es dadurch nicht.<\/p>\n<p>Auch die Besitzer der Zelte ringsum begaben sich nun hinein. Offenbar waren die Ritter und ihre Knappen zufrieden mit dem Tag und den Speisen, die die <em>teiranday<\/em> den fr\u00fch angereisten G\u00e4sten anboten.<\/p>\n<p>Im Nachbarzelt war Stimmengewirr. Das h\u00f6rte sich nicht ganz so gesellig an.<\/p>\n<p>\u201eDas wurde aber auch h\u00f6chste Zeit.\u201c Nun, da Rolk zur\u00fcckgekehrt war, fiel dem Ritter ein Stein vom Herzen. \u201eZeig schon her!\u201c<\/p>\n<p>Rolk pr\u00e4sentierte stolz seine Beute. Ein kleiner Kasten war es, bei dem eine Seitenwand mit einem Drahtgeflecht ersetzt war. Der Deckel war mit einem Haken zu verschlie\u00dfen. D\u00fdamir\u00e9e seufzte. Nun, das sah bequemer und luftiger aus als dieser enge, stickige Krug, und \u00e4hnlich ausbruchssicher.<\/p>\n<p>\u201eTauglich\u201c, sagte der Ritter. \u201eWo hast du das her?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIm Dorf war ich. Ich dachte mir, ein Weidenk\u00e4fig ist nicht sicher genug. Wegen der scharfen Z\u00e4hne.\u201c Rolk zeigte mitleidheischend seine wunde Hand. \u201eUnd dann dachte ich, der Schmied hat vielleicht was mit Metallst\u00e4ben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHast du die pr\u00e4chtige Stute bemerkt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eStute?\u201c Rolk schien ernsthaft verwirrt und runzelte die Stirn. Dann erhellte sich sein Blick. \u201eJa, Herr. Ein sch\u00f6ner blonder Falbe, den meint Ihr doch?\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter \u00f6ffnete den K\u00e4fig und setzte ihn hochkant auf die Erde. \u201eKomm. Setz das Pelzvieh rasch hier hinein. Ich hab einen wichtigen Auftrag f\u00fcr dich.\u201c<\/p>\n<p>Rolk seufzte. \u201eGleich schon wieder? Ich bin doch gerade erst zur\u00fcck!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst es meine Schuld, wenn du so tr\u00f6delst? Los, beeil dich mit dem Viech.\u201c<\/p>\n<p>Der Knappe griff nach dem Krug. Ehe D\u00fdamir\u00e9e sich versah, hatte der Junge sie in den K\u00e4fig gesch\u00fcttelt. Der Ritter schlug das T\u00fcrchen zu und schloss den Haken.<\/p>\n<p>Im selben Moment tauchte jemand am Zelteingang auf.<\/p>\n<p>\u201eHe!\u201c, rief ein Mann. \u201eSeid Ihr da drin?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVerflucht\u201c, seufzte der Ritter. \u201eSchau, wer das ist.\u201c<\/p>\n<p>Rolk stellte den Krug ab und machte einen Schritt auf die Stimme zu. Aber der Ank\u00f6mmling schien nicht gewillt, sich zu gedulden. Mit einem Ruck strich er die Vorhangplane beiseite, schubste Rolk beiseite und stand dann in seiner ganzen beeindruckenden, gl\u00e4nzenden Pr\u00e4senz im Zelt. Ein wenig b\u00fccken musste <em>yarl<\/em> Madr\u00fdc Ycelia dazu.<\/p>\n<p>Dem namenlosen Ritter gelang es in einer geistesgegenw\u00e4rtigen Bewegung, den Krug mit einem sachten Tritt unter sein Bett zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>\u201eYarl Ycelia\u201c, rief er aus. \u201eWelch eine Ehre! Was f\u00fchrt Euch in mein bescheidenes Zelt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas kommt darauf an!\u201c Der reiche <em>yarl<\/em> schaute sich um, fand keine Sitzgelegenheit und lie\u00df sich unaufgefordert auf dem Bett des Knappen nieder. \u201eLasst es eine Warnung sein, so oder so. Es geht Diebsgesindel um im Lager.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDiebsgesindel?\u201c, fragte Rolk staunend.<\/p>\n<p>\u201eJa, Junge! Sobald es hell wird, werde ich beim <em>maedlor<\/em> Anzeige erstatten. Nicht nur, dass ein\u00a0 Unhold mein Zelt angeschissen hat \u2013 nun wurde mir auch noch frech etwas daraus gestohlen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch? Darf ich fragen, was Euch abhandenkam?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDoch nicht etwa etwas von Eurem herrlichen Eisenzeug?\u201c, fragte Rolk aufgeregt. \u201eDas w\u00e4re ja dreist!\u201c<\/p>\n<p>Madr\u00fdc Ycelia wandte sich dem Knappen zu. \u201eNein, Junge. So keck war der Dieb dann doch nicht. Nein, eine Kleinigkeit nur. Ein Krug aus Kaltkristall. F\u00fcnf Humpen h\u00e4tten hineingepasst!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUi\u201c, machte Rolk. \u201eDa hatte aber jemand Durst \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eHalt den Mund, Rolk!\u201c, knirschte der namenlose Ritter.<\/p>\n<p>\u201eWenn es nur das w\u00e4re! Fast leer war das Gef\u00e4\u00df. Aber das ist es ja! Wer w\u00fcrde einen leeren Krug aus einem geschlossenen Zelt stehlen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWar der Krug wertvoll?\u201c<\/p>\n<p>\u201eBeste Qualit\u00e4t. Fast unzerbrechlich und dabei leicht wie Ton. Dennoch, kaum so wertvoll, dass es einen Dieb reizen k\u00f6nnte. Um ehrlich zu sein \u2013 bei mir daheim nutzen wir das wie die Leute anderswo Tont\u00f6pfe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun\u201c, sagte der Ritter, \u201esicherlich wollte jemand Euch einen Streich spielen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht, vielleicht auch nicht. Der Krug ist auff\u00e4llig. So feines Zeug haben sie hier in Wijdlant nicht. Ich werde eine Belohnung auf die Wiederbeschaffung aussetzen. Und auf den Kopf des dreisten Diebes.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEuch ist hier in Eurem Zelt nichts abhanden gekommen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Nicht, dass ich etwas bemerkt h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEine Belohnung?\u201c, fragte Rolk interessiert.<\/p>\n<p>\u201eHast du nicht zu tun, Bursche?\u201c, fragte der namenlose Ritter barsch.<\/p>\n<p>\u201eIhr habt mir noch nicht gesagt, was Ihr von mir verlangt, Herr!\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter seufzte ungehalten. Zwischenzeitlich hatten sich die Augen von <em>yarl<\/em> Ycelia an die funzelige Beleuchtung des schlichten Zeltes gew\u00f6hnt.<\/p>\n<p>\u201eWas habt Ihr da in dem K\u00e4fig?\u201c, fragte er interessiert.<\/p>\n<p>Der Ritter hob den K\u00e4fig an und hielt ihm dem <em>yarl<\/em> entgegen. \u201eEin Geschenk f\u00fcr die <em>teirandanja<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin Eichh\u00f6rnchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd ein seltenes noch dazu. Habt ihr je eines mit so feinem schwarzen Fell gesehen? Wie man h\u00f6rt\u201c, plauderte der Ritter, \u201eist die <em>teirandanja<\/em> ganz besessen von possierlichen Tierchen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie niedlich\u201c, sagte der <em>yarl <\/em>interessiert. Seine gerade noch so polternde Stimme klang pl\u00f6tzlich ganz weich. Furchtlos steckte er seinen Finger durch den Draht.<\/p>\n<p>\u201eVorsicht!\u201c, rief Rolk hastig aus. \u201eEs bei\u00dft!\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e entschloss sich zu einem Schabernack. Sie fasste mit ihren Pfoten den Finger des <em>yarl<\/em> und lie\u00df sich von ihm am Ohr kraulen.<\/p>\n<p>\u201eMeine kleinen Nichten,\u201c verriet der <em>yarl<\/em>, dessen kampfgeh\u00e4rtete H\u00e4nde ganz erstaunlich vorsichtig waren, \u201ehaben daheim auch kleine Tierchen zur Gesellschaft.\u201c Er blickte nachdenklich auf. \u201eMeint Ihr, ich sollte der <em>teirandanja<\/em> meinerseits auch ein Tier darbringen, als Gastgeschenk?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher\u201c, sagte der Ritter. \u201eObwohl Ihr hier im Wald kaum etwas vergleichbar Drolliges finden werdet. Zumindest nicht auf die Schnelle.\u201c<\/p>\n<p>\u201eW\u00fcrdet Ihr tauschen?\u201c, fragte der <em>yarl<\/em> von Ycelia.<\/p>\n<p>\u201eTauschen? Wogegen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will Euch nicht zu nahe treten. Aber ich denke, es st\u00fcnde mir besser an, mit einem originellen Geschenk anzukommen \u2013 und Euch mit etwas Kostbarem. Schlie\u00dflich ist in Wijdlant weit bekannt, dass Ycelia wohlhabend und gro\u00dfz\u00fcgig ist. Bei Euch ist das alles im Augenblick ja etwas schwierig zu benennen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr w\u00fcrdet mein Gastgeschenk f\u00fcr die <em>teirandanja<\/em> mit mir gegen das tauschen, was Ihr hergebracht habt?\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e spitzte die Ohren. Was ging hier vor sich? Das gro\u00dfz\u00fcgige Angebot des reichen <em>yarl<\/em> war eine Wendung, sie ihr ganz und gar nicht gefiel.<\/p>\n<p>\u201eK\u00e4me Euch das entgegen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas w\u00e4re es denn?\u201c<\/p>\n<p>Yarl Ycelia lachte nachsichtig. \u201eSch\u00f6nheitskram\u201c, sagte er dann mit gro\u00dfer Geste. \u201eSalben. Seifen. Haarfarben. Alles, was ein eitles M\u00e4dchenherz sich w\u00fcnschen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter wirkte ern\u00fcchtert. Allerdings nur f\u00fcr einen Moment. \u201eHaarfarben?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr ahnt es nicht, wie unzufrieden die Damen allzu oft mit dem sind, was die M\u00e4chte ihnen gegeben haben.\u201c<\/p>\n<p>Der Ritter \u00fcberlegte nicht lange. Dann streckte er dem <em>yarl<\/em> die Hand entgegen. \u201eAbgemacht. Nehmt Ihr das Pelztier und gebt mir daf\u00fcr den eitlen Puderkram.\u201c<\/p>\n<p>Madr\u00fdc Ycelia nahm den K\u00e4fig an sich, noch bevor D\u00fdamir\u00e9e ihn ver\u00e4rgert h\u00e4tte bei\u00dfen k\u00f6nnen. \u201eAbgemacht. Ich schicke meinen Knappen, um Euch die Schatulle zu bringen.\u201c Er nahm den K\u00e4fig unter den Arm, erhob sich und verneigte sich knapp vor dem namenlosen Ritter.<\/p>\n<p>\u201eLass Euch Zeit. Keine Eile\u201c, sagte der Ritter. \u201eIch habe mit meinem Knappen noch zu reden. \u00dcber das Turnier. Morgen bin ich zu Euren Diensten.\u201c<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Advon vermutete dass er zwar nicht betrunken, aber doch nicht so n\u00fcchtern war, wie es die Situation erforderte. Seltsam leicht und wattig erschien ihm die Nacht ringsum, so als l\u00e4ge ein ganz hauchfeiner Dunst dar\u00fcber. Bei den M\u00e4chten, so viel hatte er doch gar nicht getrunken! In dem Krug war doch kaum noch mehr als ein Humpen drin gewesen, und den hatte er noch mit dem ungenannten Ritter geteilt.<\/p>\n<p>Aber davon durfte er sich nun nicht beirren lassen. Es waren viel wichtigere Dinge zu tun.<\/p>\n<p>\u201eD\u00fdamir\u00e9e wollte nicht mit mir kommen\u201c, berichtete er Farbenspiel. \u201eSie will Manj\u00e9v \u00fcberraschen, indem sie sich von diesem seltsamen Kerl verschenken l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiels gelbe Augen phosphoreszierten im Halbdunkel. Advon beschwor ein kleines Licht und schaute sich um. Seine eigene R\u00fcstung lag nach wie vor gut gesch\u00fctzt im Versteck, gut getarnt mit starker Magie und unter dichtem Gestr\u00e4uch. Das hatte D\u00fdamir\u00e9e beschworen und versichert, dass kein unkundiges Auge es dort finden w\u00fcrde. Der Hengst reckte den Kopf vor und beschn\u00fcffelte seinen Herrn mit bebenden N\u00fcstern. Dann zog er seine samtige Oberlippe hoch und flehmte. Seine Fangz\u00e4hne gl\u00e4nzten wei\u00df und scharf im Dunklen.<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, sagte Advon ungeduldig. \u201eIch wei\u00df. Ich habe Bier getrunken. Aber h\u00e4tte ich es ablehnen sollen? Es kann doch nur gut sein, wenn ich mich mit den unkundigen Rittern gut stelle.\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel schnaubte missbilligend, trat aber gehorsam aus dem n\u00e4chtlichen W\u00e4ldchen hervor. Advon tastete nach dem Steigb\u00fcgel, bekam ihn aber erst beim zweiten Versuch zu packen. Schwerf\u00e4llig erklomm der junge Magier den Sattel und \u00e4rgerte sich. Der Einhornhengst war nat\u00fcrlich weit gr\u00f6\u00dfer als ein Pferd. Aber dass er sich so m\u00fchsam auf seinen R\u00fccken hangeln musste, das war besch\u00e4mend.<\/p>\n<p>\u201eBring mich zur Burg\u201c, gebot er resigniert. \u201eIch muss mit Manj\u00e9v reden. Anschlie\u00dfend gehe ich ins Dorf. Da steht ein Pferd, das ich kaufen werde.\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel prustete. Advon bildete sich ein, dass das ziemlich ver\u00e4chtlich klang.<\/p>\n<p>\u201eBei Patagh\u00edu! Ich <em>kann<\/em> bei dem Turnier nicht mit dir antreten. Sogar, wenn wir dein Horn und die Fl\u00fcgel unsichtbar machen und dir ein einfarbiges Fell verpassen k\u00f6nnten. Und du wei\u00dft, dass das <em>nicht<\/em> meine Idee war.\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel trabte los. Sie verlie\u00dfen das W\u00e4ldchen in Richtung Burg. In einiger Entfernung lag zwischen den B\u00e4umen das Zeltlager der Ritter, das im Laufe des Tages noch um einige Zelte angewachsen war. Einige hatten kleine Lagerfeuer entz\u00fcndet, gr\u00f6\u00dfere Zelte waren innen hell von Laternen erleuchtet. Ab und zu trug der Wind Fetzen von Gel\u00e4chter heran. Es war ein friedlicher Anblick unter Nokt\u00e1mas dunkelblauem, glitzerndem Schleier. Das Einhorn flog lautlos wie eine Eule. Wer nicht zuf\u00e4llig in den Himmel blickte, w\u00fcrde es nicht bemerken.<\/p>\n<p>Kaum waren keine Baumkronen mehr im Weg, galoppierte Farbenspiel an und schwang sich mit zwei, drei kr\u00e4ftigen Fl\u00fcgelschl\u00e4gen in die H\u00f6he. Advon atmete auf. Erleichtert erlaubte er sich, einen Moment die Augen zu schlie\u00dfen. Aber der Flug war nur kurz. Schon ein paar Hundert Herzschl\u00e4ge sp\u00e4ter waren sie im Anflug auf die Burg. Farbenspiel buckelte in der Luft, um die Aufmerksamkeit seines Herrn zu erregen.<\/p>\n<p>\u201eDu wartest im Garten auf mich. Und es w\u00e4re gut, wenn du diesmal die Beete verschonen w\u00fcrdest. Nicht, dass am Ende die G\u00e4ste der <em>teiranday<\/em> deinetwegen darben m\u00fcssen. Du findest anderswo genug. Hast du verstanden?\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel schnaubte. Aber anstatt geradewegs in der Vorburg niederzugehen, schwenkte Farbenspiel zur Seite und galoppierte unterhalb der Mauerkrone die Au\u00dfenmauer entlang. Advon stutze kurz \u00fcber dieses Verhalten, begriff dann und schalt sich f\u00fcr seine Unkonzentriertheit. Bei den M\u00e4chten, es konnte doch nicht sein, dass Farbenspiel aufmerksamer war als er selbst! Fast h\u00e4tte er den Bann vergessen!<\/p>\n<p>\u201eIch <em>will<\/em>\u201c, murmelte er und sandte subtile Magie in Richtung der Burg, \u201edass uns niemand sieht. Schaut einfach woanders hin! Es ist alles in Ordnung. Keine Gefahr! Nichts zu sehen!\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel segelte an den Mauern vorbei, hielt sich auf H\u00f6he der Schie\u00dfscharten unterhalb der Zinnen. Aus den Augenwinkeln bemerkte Advon dort oben Nachtw\u00e4chter ihre Runden laufen, pflichtbewusst, aber nicht allzu alarmiert. Sein Wille, wenn auch nicht so konzentriert wie \u00fcblich, schien wie gew\u00fcnscht den ihren zu \u00fcberlagern. Die Unkundigen ignorierten das riesige, fliegende Tier und seinen Reiter.<\/p>\n<p>Zwei, drei Runden drehten sie um die Burg. Dann erschien die Luft rein genug und Advon \u00fcbernahm die Kontrolle \u00fcber Farbenspiels Flug. Sie setzten \u00fcber die hintere, niedrigere Mauer und landeten im Gem\u00fcsegarten.<\/p>\n<p>Farbenspiel kam in seinem geliebten Kohlbeet zum Stillstand, sacht und vorsichtig, ohne auch nur eine Pflanze zu besch\u00e4digen. Advon atmete auf.<\/p>\n<p>Und dann geschah etwas, was nie zuvor passiert war. Mit lautstarkem Gebell und scharfen Z\u00e4hnen schossen aus dem Schutz der Gem\u00fcsebeete mehrere <em>Hunde<\/em> auf das Einhorn zu.<\/p>\n<p>Farbenspiel br\u00fcllte. Seine messerscharfen, gespaltenen Klauen wirbelten durch die Luft und fuhren unmittelbar vor den Hunden in die weiche Erde. Der linke Vorderfu\u00df des Einhorns zerschmetterte einen S\u00fc\u00dfkohl zu grob geriebenem Kraut.<\/p>\n<p>Die Hunde wichen winselnd zur\u00fcck, aber nur knapp aus der Reichweite des gefl\u00fcgelten Unget\u00fcms. Dort geiferten und kl\u00e4fften sie Farbenspiel weiter an. Der Hengst schnaufte und trampelte. Ein zweiter Kohlkopf wurde dabei zu Krautsalat. Die Hunde sahen das, wahrten den Abstand, aber sie wichen nicht. Farbenspiel trampelte und schlug mit seinen riesigen Schwingen. Die Hunde stemmten sich gegen den Luftzug wie gegen eine Sturmb\u00f6, umringten das Einhorn, furchtlos. Farbenspiel buckelte, schwang sein Horn gegen die muskul\u00f6sen, pflichtbewussten Wachhunde. Die zeigten die Z\u00e4hne, knurrten und kl\u00e4fften, entbl\u00f6\u00dften ihre Z\u00e4hne.<\/p>\n<p>Advon hielt sich mit M\u00fche im Sattel. Er hatte nicht geahnt, dass es in der Burg von Wijdlant solche Unget\u00fcme gab, schon gar nicht, nachts im Gem\u00fcsegarten! Bei Patagh\u00edu, was nun? Den Willen von Menschen, den konnte er bezwingen, aber nicht den von unbestechlichen Tieren. Was w\u00fcrde geschehen, wenn Farbenspiel nun unter den Hunden ein Gemetzel anrichtete?<\/p>\n<p>\u201eBrave Hunde!\u201c, rief er aus. \u201eGanz brav! Und nun lasst uns! Kuscht euch! Macht Platz!\u201c<\/p>\n<p>Aber die Hunde h\u00f6rten nicht auf ihn. Warum auch? Der Anf\u00fchrer des Rudels, gro\u00df wie ein kleiner Widder, mit schwarzem Fell und schaumigen Lefzen, spannte seinen K\u00f6rper an und w\u00fcrde im n\u00e4chsten Moment auf Farbenspiel losspringen. Farbenspiel w\u00fcrde ihn aufspie\u00dfen, erschlagen oder mit seinen Klauen in St\u00fccke fetzen. Wenn ein Einhorn angegriffen wurde, dann kam ihm keine Flucht in den Sinn. Dann verteidigte es sich. Genau diese Wehrhaftigkeit war es, die die gefl\u00fcgelten Tiere ausmachte.<\/p>\n<p>\u201eNicht! Farbenspiel! Auf! Auf! Lass die Hunde!\u201c, rief Advon aus und versuchte, die Kontrolle wieder zu \u00fcbernehmen. Vergebens. Sein Wille prallte wirkungslos von Farbenspiels Instinkten ab. \u201eFlieg! Weg von hier!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHe!\u201c, rief da von irgendwo jemand. Der L\u00e4rm der Hunde rief Unkundige auf den Plan. \u201eHe, herbei! Da ist etwas im Garten!\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel prustete und ignorierte Advons Bem\u00fchungen, ihn zu lenken. Ein Hund jaulte auf,\u00a0 ein dumpfes Ger\u00e4usch, ein Aufschlag. Offenbar hatte der Hengst das Tier weggekeilt, als es ihn von hinten ansprang.<\/p>\n<p>\u201eFarbenspiel! Bei den M\u00e4chten! Auf! Flieg! Flieg doch einfach weg!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer ist da?\u201c Ein Mensch rannte vom Torbogen heran, der von der Innenburg in den Garten f\u00fchrte. \u201eHe! Was\u2026 bei den M\u00e4chten!\u201c<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Wimpernschlag sah Advon den Unkundigen, vielleicht den Zwingerw\u00e4rter, wer wusste das schon. Der Mann trug eine Laterne, sah im n\u00e4chtlichen Garten vielleicht etwas, hoffentlich nicht zu viel!<\/p>\n<p>\u201eIch <em>will<\/em>!\u201c, zauberte Advon kopflos. \u201eIch will, dass du mich <em>nicht erkennst!<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Der Mann erstarrte. Dicht war er bei seinen Hunden, zu nahe! Farbenspiel wich zur\u00fcck. Seine riesigen Schwingen fegten herbeist\u00fcrzende Hunde beiseite und schlugen sie nieder, dass sie winselnd in alle Richtungen davon sprengten.<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten!\u201c, rief der Mann entsetzt. \u201eChaosgeist!\u201c<\/p>\n<p>\u201ePferd!\u201c, zauberte Advon und hatte M\u00fche, seine <em>maghiscal<\/em> zu kontrollieren und sich dabei im Sattel zu halten. Farbenspiel geiferte, klapste mit den Fl\u00fcgeln und seine scharfen Klauen zischten durch die Luft. Um ein Haar h\u00e4tte er mit seinen Fangz\u00e4hnen einen der schweren Bluthunde erwischt. \u201eGro\u00dfes, verfressenes Pferd! Ritterpferd! Da ist es, was du siehst!\u201c<\/p>\n<p>Der Unkundige schrie in blankem Entsetzen.<\/p>\n<p>\u201eZur\u00fcck! Ruf die Hunde zur\u00fcck! Schnell! Bevor etwas passiert!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHe!\u201c, kreischte der Mann, allerdings nicht an die Hunde gerichtet. \u201eZu Hilfe! Zu Hilfe! Hierher!\u201c<\/p>\n<p>Advon zerrte an den Z\u00fcgeln. Unter Farbenspiels Klauen kl\u00e4ffte etwas und jaulte dann erbarmenswert auf. \u201eAuf! Auf! Schnell weg von hier!\u201c<\/p>\n<p>Endlich drang Advon zu Farbenspiel vor. Der Hengst fegte noch einen Hund beiseite und galoppierte an, direkt auf den Menschen zu. Der Unkundige tat einen entsetzten Notschrei und warf sich zur Seite.<\/p>\n<p>Advon gewahrte einen Wirbel aus zerfetzendem Laub und hochgewirbelter Erde um sich herum. Die Burgmauer raste heran. Und weitere Menschen kamen durch das Tor herbeigerannt.<\/p>\n<p>\u201ePatagh\u00edu\u201c, murmelte der Regenbogenritter,. \u201esteh uns bei!\u201c<\/p>\n<p>Im letzten Moment, knapp vor der Mauer, flatterte das Einhorn in die H\u00f6he, unbeholfen wie ein in die Ecke getriebenes Huhn. Advon wusste nicht, wie ihm geschah, als Farbenspiel mit einem l\u00e4cherlichen, strampelnden Hopser die Burgmauer \u00fcberwand und kl\u00e4ffende Hunde und schreiende Menschen endlich hinter sich zur\u00fccklie\u00df.<\/p>\n<p>Bei den M\u00e4chten, was f\u00fcr eine Katastrophe. Advons Herz raste. Er ballte seine maghiscal zusammen wie einen feurigen Schneeball, tr\u00e4nkte sie mit seinem Willen und schleuderte seinen Bann mitten hinein in den Garten, wo er zerbarst und alle Unkundigen, die Zeugen des Verfalls geworden war, schwindelig und f\u00fcr einen Lidschlag v\u00f6llig blank im Geist machte.<\/p>\n<p>Advon lie\u00df sich auf Farbenspiels Hals zusammensacken und seufzte abgrundtief. Die Burg von Wijdlant verschwand unter und hinter ihnen. Farbenspiel schraubte sich in den Nachthimmel empor. Weit im S\u00fcden wurden die Berggrate des Montaz\u00edel sichtbar.<\/p>\n<p>Der ganze Vorfall war Advon endlos vorgekommen. In Wahrheit waren nur ein paar Dutzend Herzschl\u00e4ge vergangen.<\/p>\n<p>Farbenspiels Atem pumpte, aber er wirkte nicht mehr panisch. Ruhig strebte er dem Gebirge zu. Advon aber brauchte eine kleine Weile, um zu sich zu finden.<\/p>\n<p>\u201eKehr um\u201c, bat der junge Ritter nach einer Weile. \u201eZur\u00fcck zum Zeltlager. Zur\u00fcck zum Dorf. Das Pferd \u2026 das Pferd wartet nicht auf mich.\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel wendete gehorsam. Advon beschwor erneut das Licht, lie\u00df es um das Einhorn herum schweben. War Farbenspiel verletzt? War es einem der Hunde gelungen, sein Reittier zu verletzen?<\/p>\n<p>Advon war vollkommen ern\u00fcchtert. Besorgt versuchte er, aus dem Sattel heraus Farbenspiels Zustand zu begutachten. Das war Blut, <em>beunruhigend<\/em> viel Blut und den Hinterl\u00e4ufen und am rechten Fl\u00fcgel. Farbenspiel aber flog, ohne zu zucken. Hundeblut musste das sein.<\/p>\n<p>Ihr M\u00e4chte, dachte Advon bedr\u00fcckt. Das habe ich nicht gewollt.<\/p>\n<p>Warum waren \u00fcberhaupt Hunde im Garten gewesen?<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden war es unm\u00f6glich, einen zweiten Versuch zu wagen, mit Manj\u00e9v Kontakt aufzunehmen. Diese Gelegenheit war vergangen. Wenn nicht jetzt, dann vielleicht auch f\u00fcr immer.<\/p>\n<p>Sie flogen schweigend. Advon dr\u00fcckte sein Gewissen. Der Hengst flog seinen Weg hin zu dem Dorf bei der Burg, ohne noch einmal mit den Ohren zu zucken oder sich zu Advon umzudrehen.<\/p>\n<p>Das Hauptdorf, unweit der Burg, lag in tiefem Schlummer. Die Nacht hatte ihren Mittelpunkt l\u00e4ngst erreicht. Hier schliefen die Leute tief und fest und sch\u00f6pfte Kraft f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Nun \u2013 wenn man dem namenlosen Ritter glaube, alle bis auf den Schmied, der des Nachts seinen diskreten Pferdehandel er\u00f6ffnete und auf Kunden wartete.<\/p>\n<p>Advon lie\u00df Farbenspiel am Dorfrand landen und untersuchte gewissenhaft die Glieder seines Reittiers. Zu seiner gro\u00dfen Erleichterung hatte das Einhorn tats\u00e4chlich nur fremdes Blut an sich. Mochten die M\u00e4chte geben, dass es keinen der pflichtbewussten Hunde get\u00f6tet hatte.<\/p>\n<p>\u201eFlieg zur\u00fcck, Farbenspiel. Dorthin, wo meine R\u00fcstung liegt. Ich werde nun ins Dorf gehen und dieses Pferd kaufen. Vor dir w\u00fcrde es sich erschrecken. Und ich kann nicht noch einmal riskieren, dass Unkundige dich sehen. Ich hab meine <em>maghiscal<\/em> fast aufgebraucht. Noch mehr T\u00e4uschung ist heute Nacht nicht mehr drin.\u201c<\/p>\n<p>Farbenspiel schnaubte. Seine gefiederten Ohren zuckten vor und zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eEs tut mir leid, mein Guter. Aber wer kann auch ahnen, dass sie ihr Gem\u00fcse mit scharfen Hunden verteidigen?\u201c<\/p>\n<p>Der Hengst stand einen Moment still und starr. Dann reckte er seinen gro\u00dfen Kopf vor und legte ihn Advon sacht auf dessen Schulterberge. Einen Moment lang verharrten sie Seite an Seite, Fell an Haut. Dann trabte Farbenspiel ohne Eile zur\u00fcck in Richtung Zeltlager.<\/p>\n<p>Advon wartete einen Augenblick, bis er weit genug entfernt war. Dann wandte er sich um und lief ins Dorf hinein, lautlos, um die Schlafenden in ihren adretten, ordentlichen H\u00e4uschen nicht zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Die Schmiede war schnell gefunden. Etwas abseits von den anderen H\u00e4usern lag das H\u00e4uschen, klug so gebaut, dass Feuer von der nun kalten Esse nicht so einfach \u00fcberspringen konnte.<\/p>\n<p>Hinter dem Haus war ein Pferch. Und tats\u00e4chlich, so wie der namenlose Ritter es berichtet hatte, stand dort eine Stute, die in der Tat eines Ritters mehr als w\u00fcrdig war. Das Tier hatte ged\u00f6st, bemerkte aber den Menschen, der sich ihm n\u00e4herte. Es hob den Kopf und schaute sich um.<\/p>\n<p>\u201eHallo\u201c, sagte Advon und streckte seine Hand nach dem Ross aus, lie\u00df es daran schnuppern. \u201eHast du Lust, mich zu tragen?\u201c<\/p>\n<p>Er ersp\u00fcrte das Pferd. Das Tier war neugierig auf ihn. Es schien zu f\u00fchlen, dass er mit guten Absichten kam. Wie h\u00fcbsch es war mit seinem hellen Fell und der wei\u00dfen M\u00e4hne.<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, sprach ihn jemand aus der Dunkelheit an. \u201eGef\u00e4llt Euch das Pferd?\u201c<\/p>\n<p>Advon schaute sich um. Aus dem Schatten eines benachbarten Geb\u00e4udes n\u00e4herte sich jemand in einem unauff\u00e4lligen Wollumhang.<\/p>\n<p>\u201eBist du der Besitzer?\u201c, fragte Advon verbl\u00fcfft. \u201eDu klingst sehr jung.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs geh\u00f6rt dem Schm\u2026 meinem Vater.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBin ich recht informiert, dass es zum Verkauf steht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, ganz recht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHast du auf mich gewartet? Bin ich der Erste, der auf dieses Tier bietet?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr. Viele vor Euch schon. Ach, ganz viele. In den N\u00e4chten haben sie hier schon Schlange gestanden f\u00fcr das Pferd. Aber es hat seinen Preis.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wie viel?\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnter drei\u00dfig Goldst\u00fccken darf ich es nicht weggeben, sagt &#8230; mein Vater.\u201c<\/p>\n<p>Advon stutzte. Was f\u00fcr ein Zufall.<\/p>\n<p>\u201eUnd woher hat dein Vater ein so feines Tier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch \u2026 \u00e4h \u2026 es ist alles mit rechten Dingen zugegangen, Herr. Bei den M\u00e4chten, ganz bestimmt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd du bist dir sicher, dass du es verkaufen sollst? Das ist mit deinem Vater so abgesprochen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich, Herr. Gebt mir nur die drei\u00dfig Goldst\u00fccke, und das St\u00fctchen ist Euers.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOhne dir zu misstrauen \u2013 es w\u00e4re mir wohler, wenn ich mit deinem Vater verhandeln k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer ist gerade \u2026 nicht da.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNicht da?\u201c Advon streichelte das Pferd. Das Tier schien ihn zu m\u00f6gen und lie\u00df sich gar nicht durch den Geruch irritieren, der ihm von Farbenspiel anhaften durfte.<\/p>\n<p>\u201eEr hat zu tun. Er repariert einem hochedlen Herrn das Eisenzeug.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEuer Feuer ist aus. Und ich h\u00f6re ihn nicht h\u00e4mmern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDoch nicht hier, Herr. Auf der Burg.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNachts?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs war so dringend! Und mein Vater ist so gut &#8230; einen anderen lassen die an die feinen Platten und Nieten gar nicht dran. Den ganzen Tag ist er schon dort!\u201c<\/p>\n<p>Advon \u00fcberlegte. So seltsam ihm die Sache vorkam, so harmlos mochte sie sein. Unkundige, das hatte er immer wieder zu h\u00f6ren bekommen, waren zuweilen \u00e4u\u00dferst wunderlich. Wenn einem der <em>yarlay<\/em> oder gar dem <em>teirand<\/em> zur Unzeit etwas an seiner R\u00fcstung entzweigegangen war, musste das gerichtet werden. Er versuchte, sich zu erinnern. Hatte er bei seinem erfolglosen Ausflug zu Manj\u00e9v Feuer gesehen, Metall geh\u00f6rt? Er entsann sich nicht. Nur f\u00fcr die Hunde hatte er Augen gehabt.<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht recht\u201c, sagte Advon. \u201eUnd wenn morgen ein <em>yarl<\/em> kommt und noch ein Goldst\u00fcck darauflegt?\u201c<\/p>\n<p>Der junge Mann schwieg einen Moment. Dann haspelte er: \u201eDas ist zu unsicher. Nun oder nie. Was sagt Ihr? Drei\u00dfig Goldst\u00fccke \u2013 oder lasst Ihr es bleiben?\u201c<\/p>\n<p>Advon dachte nach. Ein Pferd, das brauchte er. Ohne w\u00fcrde er am Turnier nicht teilnehmen k\u00f6nnen. Und die Stute war wirklich pr\u00e4chtig.<\/p>\n<p>\u201eIn Ordnung\u201c, sagte der Magier. \u201eDas Gesch\u00e4ft ist gemacht.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4250","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4250","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4250"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4250\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4488,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4250\/revisions\/4488"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4250"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4250"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4250"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}