{"id":4249,"date":"2025-09-08T00:14:35","date_gmt":"2025-09-07T22:14:35","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4249"},"modified":"2025-09-09T03:08:54","modified_gmt":"2025-09-09T01:08:54","slug":"033-dieselbe-nacht-eine-andere-herberge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/033-dieselbe-nacht-eine-andere-herberge\/","title":{"rendered":"033: Dieselbe Nacht, eine andere Herberge"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Die Zuh\u00f6rer waren aufmerksam. Gal\u00e9on hatte das gro\u00dfe Gl\u00fcck, an diesem Abend der einzige <em>b\u00e1chorkor<\/em> zu sein, der in dieser Herberge vorgesprochen hatte. Nicht einmal ein Musikant oder Gaukler machte ihm Konkurrenz, was er als sehr angenehm empfand. Wahrscheinlich waren die Fahrenden l\u00e4ngst allesamt auf dem Weg nach Wijdlant und ihm wenigstens einige Tage voraus. Kein <em>b\u00e1chorkor<\/em>, der bei klarem Verstand war, w\u00fcrde sich die Gelegenheit entgehen lassen, das Spektakel beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> zu vers\u00e4umen und sp\u00e4ter ins Weltenspiel herauszutragen.<\/p>\n<p>Die meisten Anwesenden waren Durchreisende in gesch\u00e4ftlichen Dingen, H\u00e4ndler und wandernde Handwerker, die aus Virhav\u00e9t kamen oder dorthin wollten. Nur wenige waren auf dem Weg zum <em>vaspos\u00e1r<\/em>. Ein einziger yarl mit kleinem Gefolge und seiner jungen Tochter war dabei. Vielleicht w\u00fcrde in den n\u00e4chsten zwei Tagen Venghi\u00e1r Emberbey hier einkehren. Eigentlich musste es sogar tun, wenn er sich nicht allzu sehr versp\u00e4ten wollte.<\/p>\n<p>Einen guten Vorsprung hatte Gal\u00e9on mit dem Kind erreicht. Und so wie es aussah, war die Nachricht von Alsg\u00f6r Emberbeys Tod ausgerechnet hier noch nicht angekommen. Vielleicht h\u00e4tte tats\u00e4chlich die ungl\u00fcckliche Taube, die Beute des Falken geworden war, hier in dieser Wegestation landen sollen. Aber zu lange ausreizen durfte Gal\u00e9on sein Gl\u00fcck nicht. Wie schnell konnte die Nachricht, die falsche Anklage, ihnen nun aus der anderen Richtung entgegenkommen.<\/p>\n<p>An ein Nachtlager in der Herberge war also nicht zu denken. Aber das Pferd, das musste versorgt werden. Ra\u00fdneta Emberbey w\u00fcrde sich gut darum k\u00fcmmern, solange er die Leute lange genug ablenkte. Das Kind war klug und verantwortungsbewusst. Mochten die M\u00e4chte geben, dass nie etwas ihr kleines klares Herz eintr\u00fcbte und einst eine g\u00fctige und gerechte <em>yarlara<\/em> auf Emberbey waltete.<\/p>\n<p>Gal\u00e9on war gern eingelassen worden und hatte den im Gastraum versammelten Menschen seine Geschichten angeboten. Er hatte in all der Zeit so viele spannende, lustige und romantische Erz\u00e4hlungen gesammelt, dass f\u00fcr den Geschmack aller Anwesenden genug dabei war. Nachdem das <em>vaspos\u00e1r<\/em> ein Thema war, das sie alle interessierte, hatte er die Leute mit einer erstaunlichen Geschichte um einen tollk\u00fchnen Handwerksburschen entschieden. Eine, die den jungen Mann durch eine Kette von Zuf\u00e4llen und Verwechslungen unter die Wettk\u00e4mpfer bei einem Turnier verschlug und der das Herz einer adligen <em>h\u00fdardora<\/em> gewann.<\/p>\n<p>Die Leute waren am\u00fcsiert und lauschten aufmerksam. Das brachte ihm eine warme Mahlzeit ein. Der <em>yarl<\/em> und ein spendabler Tuchh\u00e4ndler aus For\u00e9tern, der dem Hochedlen nicht Nachstehen wollte, hatten ihm sogar ein paar Kupferm\u00fcnzen zugesteckt. Die Leute wollten mehr h\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eLass ihn eine Weile!\u201c, hatte die gutm\u00fctige Gastwirtin sich Geh\u00f6r verschafft und ein Tablett mit Brot, einem Rest K\u00e4serand und ein Mus aus Hafer und R\u00fcben und f\u00fcr ihn herangeschafft. \u201eEr ist sicher den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und muss sich st\u00e4rken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr sollt mehr bekommen\u201c, versprach Gal\u00e9on in die Runde. \u201eWenn ihr wollt, weihe ich euch in heimliche Begebenheiten ein, die sich in der l\u00fcsternen Hitze in Aur\u00f3p\u00e9a zutragen. Sobald Patagh\u00edu seinen Blick f\u00fcr die Nacht abwendet.\u201c<\/p>\n<p>Diese Aussicht gefiel den meisten. \u201eHe!\u201c, rief einer der vendyray. \u201eGebt dem Burschen einen Krug gutes Bier, dass ihm die Stimme daf\u00fcr nicht eintrocknet!\u201c<\/p>\n<p>Die Leute lachten und eines der Schankm\u00e4dchen eilte mit einem Humpen herbei. Gal\u00e9on dankte und zog sich mit dem Essen und Getr\u00e4nk zur\u00fcck. Etwas abseits, unter der Treppe, die in das obere Stockwerk der Herberge f\u00fchrte, war neben ein paar kleinen F\u00e4ssern, T\u00f6pfen und anderem Kleinkram ein Tischchen mit zwei Hockern abgestellt. Einer davon etwas wackelig, der andere mit einer abgeschlagenen Kante an der Sitzfl\u00e4che. Hier konnte er sich zur\u00fcckziehen, ungest\u00f6rt essen und einen Moment aus der Aufmerksamkeit der Leute entweichen.<\/p>\n<p>Das Brot duftete gut und war fast noch etwas warm vom Ofen. Der K\u00e4se war hart und von Salz beschlagen, aber ohne Schimmel. Man versuchte also nicht, ihm hier Verdorbenes unterzuschieben. Gal\u00e9on trank einen Schluck, schaute sich dann vorsichtig um und f\u00f6rderte ein sauberes T\u00fcchlein aus seinem G\u00fcrtelbeutel hervor, um beides f\u00fcr Ra\u00fdneta einzupacken.<\/p>\n<p>Als Gal\u00e9on wieder aufblickte, war er nicht mehr allein am Tisch.<\/p>\n<p>Der Schreck fuhr ihm durch Geist und Glieder wie ein eisiger Blitz. Doch hier, unter der Treppe, mit all den arglosen Menschen ringsum \u2013 was konnte er tun, au\u00dfer seine W\u00fcrde zu wahren?<\/p>\n<p>\u201eWo kommt Ihr her?\u201c, fragte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eAus dem Schatten. Woher denn sonst?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe Eure Gegenwart nicht bemerkt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun\u201c, antwortete der Schwarze Meister, \u201eIch habe gelernt, mich anzuschleichen. Lautlos wie eine Eule und unauff\u00e4llig wie ein Wiesel.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd bescheiden wie ein Prachtvogel, wie ich sehe.\u201c<\/p>\n<p>Der Schwarze Meister l\u00e4chelte und neigte sich \u00fcber den Tisch. \u201eBist du nachtragend, Rotgewandeter?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeil Ihr mir einen Pfeil durch den Leib gezogen habt? Nein. Ich habe schon weit gr\u00f6bere Behandlung erfahren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Dann k\u00f6nnen wir wohl ungest\u00f6rt miteinander reden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn einem Wirtshaus voller unkundiger Menschen? In einem Raum, in dem Frauen anwesend sind, denen Euer Anblick den Verstand versengt?\u201c<\/p>\n<p>Der Schwarze Meister warf mit nachl\u00e4ssiger Geste einen Zauber in den Raum. Gal\u00e9on konnte wahrnehmen, wie Magie von der Treppe hinab glitt, wie ein sanfter Wasserfall. Wie ein Vorhang senkte sie sich vor unkundigen Blicken und verbarg, was unter der Treppe geschah.<\/p>\n<p>\u201eNichts liegt mir ferner, diese Leute mit meiner Anwesenheit zu behelligen. Aber die Neugierde treibt mich in diese \u00d6ffentlichkeit. Ich habe Fragen.\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on musterte sein Gegen\u00fcber misstrauisch. Hier, im schummerigen Licht der Gaststube, konnte er den Schattens\u00e4nger besser erkennen als in der vergangenen Nacht auf der Salzgraswiese. Was er sah, befremdete ihn. Es weckte eine Erinnerung, ganz zart und tief versch\u00fcttet in seinem Bewusstsein. Wie anziehend und ebenm\u00e4\u00dfig er war, wie elegant und bestrickend sein Gehabe. Der warme, bet\u00f6rende Klang seiner Stimme. Wie <em>erschreckend<\/em> er jemand anderem \u00e4hnelte.<\/p>\n<p>\u201eWenn ich Euch Auskunft geben kann\u201c, sagte Gal\u00e9on und griff vorsichtig nach seinem Humpen, \u201edann fragt einfach zu.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas mich am meisten umtreibt, ist Folgendes: Wer bei allen M\u00e4chten bist du?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMan nennt mich Gal\u00e9on. Was ich bin, scheint Ihr zwischenzeitlich zu wissen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBist du ein Meister?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Aber Ihr m\u00fcsst Euch dessentwegen nicht die Zunge verrenken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu wei\u00dft, wer ich bin?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHaltet Ihr mich f\u00fcr einf\u00e4ltig?\u201c<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger schaute nachdenklich auf die Mussch\u00fcssel. \u201eNein. Nein, ganz im Gegenteil. Es bedarf gro\u00dfer Diszplin, Magie so zu verbergen, dass selbst ich mich t\u00e4uschen lie\u00df. Ich bin beeindruckt.\u201c<\/p>\n<p>Das muntere Geplapper und Gel\u00e4chter aus der Gaststube klang dr\u00f6hnend laut und doch irgendwie ged\u00e4mpft unter die Treppe. Irgendwo au\u00dferhalb der Mauern klaubte ein kleines M\u00e4dchen Heu f\u00fcr ein gestohlenes Pferd zusammen. Gal\u00e9on verfluchte sich. War es wirklich so klug gewesen, sie allein zu lassen?<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger griff beil\u00e4ufig nach der Musschale und wedelte sich mit der Hand den Duft zu. \u201eDas riecht gut. Vielleicht sollte ich mir auch eine Portion davon bringen lassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas? Ihr seid hungrig?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum nicht? Aber zun\u00e4chst zu Wichtigerem. Du faszinierst mich, Rotgewandeter. Wer war dein Meister? Wessen Schwert f\u00fchrst du fort?\u201c<\/p>\n<p>\u201eLasst das Schwert aus dem Spiel. Und warum sollte ich meinen Meister an Euch verraten? Er ist jenseits der Tr\u00e4ume.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWelchen Grund hast du dann, dar\u00fcber zu schweigen? Hinter den Tr\u00e4umen ist er sogar vor mir sicher.\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on z\u00f6gerte. Wie wahrscheinlich war es, dass der Schattens\u00e4nger nicht zumindest ahnte, wessen Sch\u00fcler er war?<\/p>\n<p>Der Schwarzgewandete stellte die Sch\u00fcssel zur\u00fcck. \u201eLass uns ehrlich miteinander sein. Wenn du ein Lichtw\u00e4chter bist und kein von <em>yarl<\/em> Ferocriv\u00e9 bezahlter Meuchelm\u00f6rder \u2013 dann bist du gekommen, um <em>yarl<\/em> Emberbey hinter die Tr\u00e4ume zu geleiten. Weil es seine Zeit war?\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnter anderem.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnter was anderem?\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on schaute sich um. Ohne das Schwert sa\u00df er in der Falle. Ausweichen und fortlaufen, das war keine Option. Nicht vor all diesen arglosen, unbeteiligten Menschen. Auf gar keinen Fall durfte der Schattens\u00e4nger sich f\u00fcr jemand anderen interessieren als f\u00fcr ihn.<\/p>\n<p>\u201eEs w\u00fcrde Euch nichts n\u00fctzen, es zu wissen. Aber vielleicht gebe ich Euch einen kleinen Hinweis, wenn Ihr nun mir auch einige Fragen beantwortet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht bin ich in der Laune dazu.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGut. Was habt Ihr mit Venghi\u00e1r Emberbey vor? Was treibt Euch aus den Tiefen der Zeit zur\u00fcck ins Weltenspiel, um einen rangniederen Provinzadligen zu verf\u00fchren?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher warst du auf deinen Reisen einmal im fernen Iva\u00e1l, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas hat das mit dem Haus Emberbey zu tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIn Iva\u00e1l gibt es dieses kurzweilige Spiel mit Mosaiken. F\u00fcr jeden Spieler ergeben die Steine ein anderes Bild, wenn man sie in der rechten Weise gegeneinander verr\u00fcckt. Venghi\u00e1r Emberbey ist ein solcher Stein, der an eine andere Stelle muss, damit mir das Bild gef\u00e4llt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch kenne das Spiel. Aber f\u00fcr wen und warum schiebt Ihr die Steine?\u201c<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr wen tust du es? Und was f\u00e4llt dir ein, das Kind zu stehlen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eH\u00e4tte ich zulassen sollen, dass ihr ungest\u00fcmer Weitvetter sie in kopfloser Wut ermordet?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMitgef\u00fchl? Von einem Rotgewandeten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn Ihr es so nennen wollt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd nun h\u00e4ngt die Kleine an dir wie ein Fu\u00dfblock und hindert dich am Fortkommen. Es scheint, dass es auf ein kleines Wettrennen hinausl\u00e4uft, was immer du dir am Ziel versprichst. Da ist so ein Klotz am Bein nat\u00fcrlich hinderlich. Und dabei k\u00f6nnte es so einfach sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201e<em>Was<\/em> k\u00f6nnte einfach sein?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMachen wir uns nichts vor. Und schwindeln wir einander nicht an. Du siehst mich \u00fcberrascht, einen von deinesgleichen in dieser Zeit, in dieser Sph\u00e4re anzutreffen. Ich war davon ausgegangen, deinesgleichen ausgel\u00f6scht zu haben. Offenbar ist mir doch noch jemand entkommen, von dem ich nicht wusste und von dem ich nichts ahnte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas wird wohl so sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGor Lucegath ist also hinter den Tr\u00e4umen?\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on zuckte zusammen. Fest umschloss er den Humpen mit beiden H\u00e4nden, damit kein Fingerzittern ihn verriet.<\/p>\n<p>\u201eWie kommt Ihr ausgerechnet auf Meister Gor?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr ist der Einzige, dem ich zutrauen w\u00fcrde, sich einen Sch\u00fcler heranzuziehen, vor dem selbst <em>ich<\/em> mich in Acht nehmen m\u00fcsste. Und er war, je mehr ich dar\u00fcber nachdenke, der Einzige, dessen Leichnam ich seinerzeit nicht mit eigenen Augen gesehen habe.\u201c Der Schattens\u00e4nger l\u00e4chelte. \u201eSeine Spur verlor sich damals in den Weiten von Soldes\u00e9r. Ich nahm an, die W\u00fcste oder das Chaos habe sich seiner angenommen. \u2013 Dein Mus wird kalt. Es st\u00f6rt mich nicht, wenn du isst, w\u00e4hrend ich dir mein Angebot unterbreite.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAngebot?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNur einmal angenommen, du <em>bist<\/em> der Sch\u00fcler von Gor Lucegath, der unversehens meinen Weg gekreuzt hat. Bist du nicht frei in dem, was du tust und entscheidest?\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch mag es, wenn ich die M\u00e4chtigen auf meiner Seite habe statt gegen mich. Gor hat das begriffen. Er war ein ausgesprochen intelligenter Mann und beeindruckender Magier. Schade, dass er sich auf so unsch\u00f6ne Art von mir losgesagt hat. Wir h\u00e4tten gemeinsam Vortreffliches bewirken k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAngenommen, ich <em>w\u00e4re<\/em> der Sch\u00fcler von Gor Lucegath. Angenommen, mir w\u00e4re es einerlei, mit wem ich paktiere und was ich ignoriere und zulasse. Was ist Euer Ziel? Was wollt Ihr mit dem Verschieben von Menschenmosaiken diesmal erreichen? Das Widerwesen ist ins Chaos verbannt und Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar ist endg\u00fcltig besiegt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIst er das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Ich kann es bezeugen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchade. Aber Menschen tun Menschendinge. Ach \u2026 welch <em>n\u00fctzliche<\/em> Dinge k\u00f6nnen selbst unkundige, Dummk\u00f6pfe wie Venghi\u00e1r Emberbey vollbringen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIhr seid ein Magier\u201c, sagte Gal\u00e9on. \u201eUnd ein Schattens\u00e4nger noch dazu. Was an Menschendingen gibt es, was Euch reizt? Reichtum kann es nicht sein. Lust und Liebe noch viel weniger. Macht? Bleibt etwas anderes als Macht? Aber wor\u00fcber? Und zu welchem Zweck?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs gef\u00e4llt mir, dass ich offenkundig dein Interesse geweckt habe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMein Interesse vielleicht, aber noch lange nicht mein Wohlwollen. Euer Freund und Verb\u00fcndeter werde ich auf diese Weise nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch danke dir f\u00fcr deine Ehrlichkeit, Gal\u00e9on, Sch\u00fcler von Gor Lucegath. Bedauerlich, dass ich dich unter diesen Umst\u00e4nden nicht am Leben lassen kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum denn nicht?\u201c<\/p>\n<p>Der Schwarzgewandete erhob sich. \u201eGanz einfach. Ich m\u00fcsste st\u00e4ndig bef\u00fcrchten, dass du mir quer durch mein Mosaik stolperst und das ganze Bild ruinierst.\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9ons Herz klopfte bis zum Hals. Aber das durfte er sich nicht anmerken lassen. Betont gelassen nahm er die Sch\u00fcssel und den L\u00f6ffel zur Hand. Das Mus schmeckte gut, scharf und s\u00e4mig. Er lie\u00df sich Zeit und a\u00df ein paar Mundvoll. Der Schwarzgewandete beobachtete ihn ohne Ungeduld. \u201eIhr solltet wissen, dass Ihr mich nicht t\u00f6ten k\u00f6nnt. Habt Ihr den Pfeil schon vergessen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMit einem Pfeil kann ich dich nicht t\u00f6ten, das stimmt. Aber das Werkzeug, das ich dazu brauchte, das kann ja nicht weit weg sein. Oder denkst du, ich k\u00f6nnte mir nicht zusammenreimen, was es damit auf sich hat?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas\u2026\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eYal!\u201c <\/em><\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger hatte es nur gewispert und dabei sacht die Hand gehoben, aber der Bann flutete von seiner <em>maghiscal<\/em> aus wie eine Stichflamme. Gal\u00e9on hatte keine M\u00f6glichkeit, auszuweichen. Der Bann schleuderte ihn mitsamt dem Hocker gegen die Unterseite der Treppe und in den Winkel.<\/p>\n<p>Geh\u00f6rt oder gesehen hatte das niemand. Das muntere Plaudern und Klappern von Tellern und Kr\u00fcgen klang ohne Aussetzer weiter. Niemand bemerkte, was hinter dem Vorhang aus Magie geschah. Gal\u00e9on zuckte lautlos am Boden. Jeder Muskel an seinem K\u00f6rper war bretthart und steif.<\/p>\n<p>\u201eKeine Sorge\u201c, sagte der Schwarze Meister. \u201eIch wei\u00df genau, was ich tue. Solange mein Zauber diesen Bereich umspannt, wird sich niemand daran erinnern, dass du da bist. Ich bin mir sicher, dass dir das kleine M\u00e4dchen nicht abhandengekommen ist. Sie wird wissen, wo dein Schwert ist. Das werde ich finden. Du solltest die Zeit nutzen, dich den M\u00e4chten zu befehlen. Bis dahin wirst du wohl bei Venghiar Emberbey in besten H\u00e4nden sein!\u201c Er neigte den Kopf. Eine Welle pulste \u00fcber seine <em>maghiscal<\/em> hinweg und legte einen Zauber \u00fcber seine Kleidung. \u00dcber das elegante schwarze Gewand mit dem silberbestickten Mantel legte sich ein Trug, in grober Wolle und Leinen in gedecktem Gelb. Das Wappen der Familie Emberbey mit den drei Fischen war nicht zu \u00fcbersehen. Sogar aus dem breitkrempigen Hut wurde f\u00fcr unkundige Augen eine einfache Kapuze.<\/p>\n<p>\u201eWie \u00fcberraschend\u201c, sagte der Schwarze Meister, \u201eden dreisten Verbrecher hier vorzufinden, noch bevor ich meine Botschaft \u00fcberbringen konnte.\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on nahm alle Kraft zusammen. So leicht sollte der Schwarze Meister es nicht haben. Mit aller Macht versuchte er, den Bann zu sprengen. Aber es gelang nicht.<\/p>\n<p>\u201eStreng dich nicht allzu sehr an. Der Zauber ist verankert wie eine Kette an der Wand. Ich lasse dich nicht entwischen. Aber ich muss es vor Zeugen tun.\u201c<\/p>\n<p>Er verneigte sich und verschmolz mit dem Dunkel unter der Treppe.<\/p>\n<p>Gal\u00e9on seufzte auf und schloss die Augen. Wie ein kleines Kind hatte er sich \u00fcberrumpeln lassen. Nun war Ra\u00fdneta dem Schattens\u00e4nger ausgeliefert. Wahrscheinlich w\u00fcrde er sie nicht einmal dazu zwingen m\u00fcssen, ihm Antworten zu geben. Jeder Schattens\u00e4nger konnte Gedanken h\u00f6ren. Und diesmal wusste Ra\u00fdneta, wo das Schwert war. Gal\u00e9on h\u00e4tte vor Wut schreien wollen und sich selbst ohrfeigen. Aber nicht einmal das war m\u00f6glich. Der Bann des Schattens\u00e4ngers umklammerte ihn wie Eisenschellen.<\/p>\n<p>In der Schankstube schien sich niemand an die frivolen Geschichten aus Iva\u00e1l zu erinnern und danach zu verlangen. Aber wie hatte der Schattens\u00e4nger es vollbracht, Magie an den Ort zu heften?<\/p>\n<p>Gal\u00e9on starrte zum Tisch. Dort stand die Sch\u00fcssel und dampfte noch ein wenig.<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4249","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4249","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4249"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4249\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4367,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4249\/revisions\/4367"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4249"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4249"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4249"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}