{"id":4248,"date":"2025-09-08T00:15:16","date_gmt":"2025-09-07T22:15:16","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4248"},"modified":"2025-09-08T21:13:47","modified_gmt":"2025-09-08T19:13:47","slug":"034-rot-gegen-schwarz-und-viele-scherben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/034-rot-gegen-schwarz-und-viele-scherben\/","title":{"rendered":"034: Rot gegen Schwarz und viele Scherben"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Ra\u00fdneta kleines Herz klopfte, als sie in den Garten zur\u00fcckrannte. Der Schattenmann war in der Herberge! Wenn sein Pferd im Stall stand, dann war er ganz bestimmt da. Vielleicht war er gerade nicht in der Gaststube, sondern in einer Kammer und schlief. Oder er lief hier drau\u00dfen herum und hatte sie l\u00e4ngst entdeckt.<\/p>\n<p>Der Schattenmann war b\u00f6se. Er wollte das Schwert haben. Das Schwert zu ber\u00fchren, das hatte Gal\u00e9on ihr verboten. Aber er hatte ihr nicht verboten, es woanders hinzubringen. Aber wie?<\/p>\n<p>Einmal hatte Ra\u00fdneta sich an einer sch\u00f6nen Blume die Finger verletzt. Da war sie noch sehr klein gewesen. Sie hatte das feine Bl\u00fcmchen gar nicht brechen, nur zu sich heranbiegen wollen, um es genau anzuschauen. Und das hatte so weh getan.<\/p>\n<p>Osse hatte den Schmerz damals sanft weggepustet und abgewaschen. Vorsichtig m\u00fcsse sie sein, hatte er erkl\u00e4rt. Auf dem St\u00e4ngel der sch\u00f6nen blauen Stahlblume seien viele winzige spitzige Stacheln, wie Scherben von feinem Glas. Das war, damit kleine Kinder die Blumen nicht einfach abrissen. Ob das Schwert auch an den H\u00e4nden schmerzte?<\/p>\n<p>Aus der K\u00fcche der Herberge duftete es immer noch so gut. T\u00f6pfe und Pfannen \u00fcber den Feuern waren immer hei\u00df. Wenn daheim die K\u00fcchenknechte hei\u00dfes Metall anr\u00fchren mussten, dann nahmen sie immer dicke Lappen. Damit blieben die Finger heil.<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta hatte eine Idee. Vielleicht war die Idee gut, vielleicht nutzlos. Vielleicht w\u00fcrde Gal\u00e9on schimpfen. Aber sicher war es besser, wenn sie ungehorsam war, anstatt das der b\u00f6se Mann das Schwert bekam.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen dachte an die hei\u00dfen T\u00f6pfe und an die Blume. Dann faltete es den Samtbl\u00fctenstoff auseinander und wickelte ihn so vorsichtig um das Schwert, als h\u00fclle es eine gl\u00fchend hei\u00dfe Scherbenblume damit ein.<\/p>\n<p>\u201eKomm mit\u201c, sagte Ra\u00fdneta zu dem Grauen. \u201eWir m\u00fcssen Gal\u00e9on holen. Und herausfinden, wo der b\u00f6se Schattenmann ist. Und das Schwert verstecken.\u201c<\/p>\n<p>Das Pferd trottete ihr M\u00e4dchen brav aus dem Obstgarten heraus durch die Nacht hinterher, \u00fcber das leere Feld, auf die Feuerk\u00f6rbe vor der Herberge zu. Sie f\u00fchrte es hin\u00fcber zu den Pferchen und sch\u00fcttete den Rest aus dem den Strohbeutel. \u201eHier! Friss das, friss so viel, wie du schaffst. Und warte auf mich!\u201c<\/p>\n<p>Das Pferd senkte den Kopf und bediente sich. Ra\u00fdneta eilte hin\u00fcber zum Fenster und sp\u00e4hte hinein. Da Leute sa\u00dfen immer noch an den Tischen, blickten nun aber kreuz und quer durch den Raum. Offenbar erz\u00e4hlte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nun gerade nicht. Der Schattenmann war nirgends zu sehen. Gut so! Dann konnte sie das Schwert verbergen.<\/p>\n<p>Sie tat es, ohne dass jemand sie aufgehalten h\u00e4tte. Und nun? Sollte sie einfach anklopfen, um Einlass bitten und Gal\u00e9on hinausholen? Fast war sie daran, es so zu tun, als ihr einfiel, dass der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nicht gewollt hatte, dass man sie beide zusammen sah. Aber das war gewesen, bevor er gewusst hatte, dass der Schattenmann hier war.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen schaute vom Pferd zur T\u00fcr und wieder zur\u00fcck. Wie schade, dass das Pferd kein Maultier und sie kein Bauernkind in schlichtem Kittelchen war. \u00c4rgerlich schaute sie an sich hinab. Ihr Kleidchen war zwar schmutzig und zerknittert. Aber sie sah damit gewiss nicht aus wie die Nichte eines <em>b\u00e1chorkor<\/em>, sondern wie ein wirklich verwahrlostes Edelkind. Die Leute w\u00fcrden Fragen haben. Besser, sie schauten nicht so genau hin.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>In der Gaststube verstummten die G\u00e4ste nach und nach. Fast so, als wollten sie besser h\u00f6ren k\u00f6nnen, was gesprochen wurde.<\/p>\n<p>War das da etwa ein Kind, das sich Geh\u00f6r verschaffte?<\/p>\n<p>\u201e\u2026 mein Oheim. Ich bin ganz sicher, dass er hier ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie sieht er denn aus?\u201c, fragte ein Erwachsener. \u201eUnd wo kommst du so allein her!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr hat rotes Haar\u201c, sagte das Kind. \u201eUnd rote Kleidung hat er an. Er wollte nur ganz kurz hier herein und \u2026 und dann hat er mich einfach drau\u00dfen stehen gelassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo ein Lump!\u201c, emp\u00f6rte sich eine Frau. \u201eSo ein kleines Kind drau\u00dfen alleine in der K\u00e4lte!\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on k\u00e4mpfte. Seine Lippen f\u00fchlten sich an wie zugen\u00e4ht.<\/p>\n<p>\u201eWirt!\u201c, mischte sich jemand ein, \u201ebring etwas zu essen f\u00fcr die Kleine! Geht auf meine Zeche!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas magst du denn haben, M\u00e4dchen?\u201c, mischte sich wohl ein Schankm\u00e4dchen ein. \u201eEs sind frische Eierkuchen mit K\u00e4se fertig, und vom Mus und der Suppe ist auch noch da \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eDanke, nein. Ich will nichts haben. Ich will nur meinen Oheim.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber hier ist kein Rothaariger, Kleines.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber er ist doch hier hineingegangen, und \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchau doch, Kleines. Hier ist niemand!\u201c<\/p>\n<p>Die Magie des Schwarzgewandeten funktionierte also tats\u00e4chlich \u2013 ganz ohne dass er gegenw\u00e4rtig war. Wie m\u00e4chtig dieser Magier sein musste!<\/p>\n<p>\u201eWie verwirrt sie aussieht\u201c, sagte jemand ganz in der N\u00e4he. \u201eDas arme Kind.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht ist sie verloren gegangen und sucht am falschen Ort \u2026\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta war nicht hier gewesen, als der Bann gewirkt wurde. Gal\u00e9on nahm alle Kraft zusammen, konzentrierte seine <em>maghiscal<\/em> und befreite mit einem Ruck seinen Mund.<\/p>\n<p>\u201eV\u00f6gelchen!\u201c, rief er. \u201eV\u00f6gelchen! Unter der Treppe!\u201c<\/p>\n<p>\u201eGa- \u2026Oheim!\u201c<\/p>\n<p>\u201eKind! Was ist?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch h\u00f6re ihn! Er ruft nach mir!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa ist nichts!\u201c \u2013 \u201eIch hab auch nichts geh\u00f6rt!\u201c \u2013 \u201eBei den M\u00e4chten, die Kleine redet wirr! Vielleicht der Hunger?\u201c \u2013 \u201eWirt, eine kr\u00e4ftige Suppe und gutes Brot f\u00fcr das Kind, und K\u00e4se!\u201c<\/p>\n<p>\u201eV\u00f6gelchen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eOheim? Oheim! Wo bist du!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Treppe! Lauf unter die Treppe! Falls du eine Wand siehst, lauf hindurch!\u201c<\/p>\n<p>Und Ra\u00fdneta Emberbey lief los. Blo\u00dfe Kinderf\u00fc\u00dfchen patschten \u00fcber den Holzboden.<\/p>\n<p>\u201eHalt, Kleine! Wo willst du hin!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas Kind ist irregeworden!\u201c<\/p>\n<p>\u201eHe! Pass doch auf, wohin \u2026\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta rannte. Die Leute im Gastraum raunten auf, einige lachten.<\/p>\n<p>Und dann verging der Vorhang aus Magie in einem grellen Silberblitz. Ra\u00fdneta hatte die Barriere durchbrochen. Verwirrt purzelte sie \u00fcber den umgesto\u00dfenen Hocker und in Gal\u00e9ons Scho\u00df.<\/p>\n<p>\u201eWas geht hier vor?\u201c, rief jemand aus. \u201eWo ist sie hin?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGal\u00e9on!\u201c Sie sprang auf, zerrte an ihm. \u201eKomm! Komm! Der Schattenmann!\u201c<\/p>\n<p>\u201eV\u00f6gelchen\u201c, stie\u00df Gal\u00e9on hervor, \u201eich liege in Fesseln. \u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta schaute sich verwirrt um. Sie hatte sich einen Sack \u00fcbergestreift, in den sie L\u00f6cher f\u00fcr Kopf und Arme gerissen hatte und ein St\u00fcck Kordel um den Leib, mutma\u00dflich aus dem Stall. Sie sah aus wie ein wirklich sehr schlecht verkleidetes Bauernkind.<\/p>\n<p>Vor der Treppe standen, wie hinter einer beschlagenen Eisscheibe, verst\u00f6rte Menschen, vor deren Augen gerade ein Kind verschwunden war.<\/p>\n<p>\u201eWas f\u00fcr Fesseln?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Schale. Das Sch\u00e4lchen auf dem Tisch. Bring es weg! Raus aus dem Haus!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie?\u201c<\/p>\n<p>\u201eFrag nicht! Schnell!\u201c<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta riss die Schale an sich und durchtauchte die Barriere. Pl\u00f6tzlich war sie wieder sichtbar vor den Augen der Herbergsg\u00e4ste und wetzte an der verwirrten Wirtin, der Schankmaid und ein paar Schaulustigen vorbei, auf die T\u00fcr zu. Die wurde genau in diesem Moment von au\u00dfen ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Zugleich griff jemand nach dem Kind, um es einzufangen. Die Sch\u00fcssel glitt ihr aus den H\u00e4nden und traf den Neuank\u00f6mmling klatschend vor die Brust. Das Mus tropfte an dem honiggelben Stoff herab und besudelte das Wappen mit den Fischen. Und der Bann zerbrach zusammen mit dem Tonsch\u00e4lchen auf der steinernen Schwelle.<\/p>\n<p>Schlagartig war es still in der Gaststube. Man h\u00e4tte eine Nadel fallen h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta starrte erschrocken zu dem gro\u00dfen schwarzhaarigen Mann auf. Fast verbl\u00fcfft fasste dieser nach der klebrigen Masse, die da von ihm auf den Boden abtropfte.<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten!\u201c, rief der Wirt aus und eilte dienstbeflissen mit einem Tuch heran. \u201eHerr! Ich bin untr\u00f6stlich!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist nichts schlimm\u201c, antwortete der Mann im gelben Wappenrock. \u201eGenau nach der Kleinen habe ich gesucht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr?\u201c<\/p>\n<p>Er kam n\u00e4her. Leute, die in seiner N\u00e4he standen, wichen unwillk\u00fcrlich zur\u00fcck. Die Frau, die Ra\u00fdneta am Oberarm hielt, begann zu zittern. Fiebrig blickte sie zu dem Ank\u00f6mmling auf und gab es leises St\u00f6hnen von sich. Doch er interessierte sich nicht daf\u00fcr.<\/p>\n<p>\u201eDas ist Ra\u00fdneta Emberbey\u201c, sagte er laut \u201eIch bringe sie nach Hause.\u201c<\/p>\n<p>\u201eRa\u00fdneta Emberbey?\u201c, murmelte es hier und da. \u201eDie <i>yarlaranda<\/i>? Wieso?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu bist b\u00f6se\u201c, sagte Ra\u00fdneta trotzig. \u201eMit dir gehe ich nicht mit!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch glaube nicht, dass ich dir diesmal die Wahl lasse. Hat man dich nicht gelehrt, Erwachsenen zu gehorchen?\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on sprengte die H\u00fclle des Zaubers ab. Das Kind musste aus der Reichweite des Schwarzen Meisters, bevor etwas Schreckliches geschehen konnte! All die Unkundigen befanden sich in \u00e4u\u00dferster Gefahr. Um hier einzugreifen, blieb ihm keine Wahl. Er musst schneller sein!<\/p>\n<p>\u201eV\u00f6gelchen! Lauf!\u201c Gal\u00e9on stolperte unter der Treppe hervor, taumelte, versuchte, seine Glieder wieder unter Kontrolle zu bringen. Quer durch den Saal, zwischen den Tischen und Leuten hindurch bis zur T\u00fcr waren es etwa zwanzig Mannsl\u00e4ngen. Genug, um die <em>maghiscal<\/em> zu entfachen.<\/p>\n<p>Der Schwarze Meister blickte auf. Seine Magie z\u00fcngelte empor. Aber die \u00dcberraschung war auf Gal\u00e9ons Seite. Sein Bann war wie ein massiver Windsto\u00df, fegte Menschen und M\u00f6bel beiseite, aus dem Nahbereich des Schattens\u00e4ngers. Sie stie\u00df den Magier zu Boden und Ra\u00fdneta ins Freie. Das Kind kreischte schrill, und im Gastraum flutete eine Schockwelle zwischen die Mauern. Menschen schrien und Geschirr ging zu Bruch.<\/p>\n<p>Gal\u00e9on sprang \u00fcber den Schwarzen Meister hinweg, bevor der sich aufrappeln konnte, und st\u00fcrzte hinaus.<\/p>\n<p>\u201eKomm! Komm!\u201c Gal\u00e9on riss das Kind unsanft im Vorbeirennen auf die F\u00fc\u00dfe. \u201eLauf! Lauf um dein Leben!\u201c<\/p>\n<p>\u201eRechts! Das Pferd \u2026 ich hab das Pferd \u2026\u201c<\/p>\n<p><em>\u201eYal!\u201c<\/em><\/p>\n<p>Silbrige Magie, irgendwo zwischen eiskalt und \u00e4tzend, traf Gal\u00e9on in den R\u00fccken. Er riss das Kind an sich, ertrug den Schmerz, sah das t\u00e4nzelnde, verst\u00f6rt stampfende Pferd und rannte darauf zu.<\/p>\n<p>\u201eRotgewandeter!\u201c, schrie der Schattens\u00e4nger, stie\u00df den Wirt beiseite und setzte ihm nach. Der Trugzauber verwehte in der Luft. Schlagartig war er wieder in seinem schwarzen Ornat. \u201eRotgewandeter!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchnell!\u201c Gal\u00e9on schob das M\u00e4dchen in den Sattel, duckte sich unter einem weiteren Zauber weg und zog sich selbst hinauf. Mochten die M\u00e4chte dieses brave, geduldige Pferd einst belohnen f\u00fcr seine Nerven! Ein wahres Kampfross, tauglich f\u00fcr wagemutige Ritter!<\/p>\n<p>Silbermagie umschlang ihn, zerrte an ihm. Er zerschmetterte sie w\u00fctend, als sei es m\u00fcrbes Laub. Das Pferd galoppierte los, noch ehe er richtig im Sattel war. Der n\u00e4chste Schattenzauber haschte nach dem Ross, aber das war schnell, zu schnell. Um Haaresbreite sprang es aus dem Bannkreis des Schwarzgewandeten.<\/p>\n<p>Gal\u00e9on wusste sp\u00e4ter nicht zu sagen, wie er selbst es auf den R\u00fccken des Grauen geschafft hatte. Das Pferd flog \u00fcber die Stoppelfelder durch die Nacht, einsein Galopp ein Mittelding aus trampelnder Zerst\u00f6rung und schwerelosem Wind. Ra\u00fdneta kauerte sich in seinem Arm zusammen und wimmerte, klammerte sich am Sattelhorn fest und ihre Angst war hei\u00df und ziellos.<\/p>\n<p>Und nun wurden sie verfolgt. Kaum hatten sie das Gel\u00e4nde des Gasthofs hinter sich gelassen, war der Schwarzgewandete auf seinem Rappen hinter ihnen. Viel zu nahe hinter ihnen. Zweifellos zwang er das arme Gesch\u00f6pf unter seine Magie.<\/p>\n<p>\u201eV\u00f6gelchen\u201c, rief Gal\u00e9on ihr zu. \u201eWas ist vern\u00fcnftiger? Soll ich das Pferd st\u00e4rken, so wie er es mit dem seinen tut?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will nach Hause!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, das willst du nicht! Du willst <em>leben<\/em>! Du willst zu deinem Bruder! Du willst nach Althopian!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDahin verfolgt er uns!\u201c<\/p>\n<p>\u201eSag mir: Weglaufen? Oder k\u00e4mpfen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr ist st\u00e4rker als du, nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Aber ich bin <em>motivierter<\/em>!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas hei\u00dft das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVertraust du mir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGal\u00e9on \u2026 lass mich nicht allein.\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on z\u00fcgelte den Grauen, der beinahe st\u00fcrzte, aber es ging gut. Und der Rappe n\u00e4herte sich in v\u00f6llig absurder Geschwindigkeit.<\/p>\n<p>Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> klopfte dem Grauen den verschwitzten Hals. Dann schaute er sich suchend um.<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten, V\u00f6gelchen \u2013 das Schwert! Wo ist mein Schwert?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVersteckt\u201c, murmelte Ra\u00fdneta. \u201eGut \u2026 versteckt.\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on seufzte auf. \u201eDann vergib mir, was ich nun tue.\u201c<\/p>\n<p>Sie schaute erschrocken zu ihm auf. Aber z\u00f6gern durfte er nicht. So sanft, wie es ihm m\u00f6glich war, nahm er ihr Bewusstsein und schickte sie in den tiefsten Schlaf.<\/p>\n<p>Der Rappe war halb irre vor Anstrengung und Angst. Keuchend und prustend kam er vor dem Grauen zum Stehen.<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger und der Lichtw\u00e4chter schauten einander schweigend an. \u00dcber ihnen neigte sich Nokt\u00e1mas Juwel langsam dem Meer entgegen, und Wind strich sacht landeinw\u00e4rts.<\/p>\n<p>\u201eEin ganz sch\u00f6nes Durcheinander hast du veranstaltet. Der halbe Gasthof liegt in Scherben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist es wert. Keinen von den Unkundigen dort geh\u00f6rte heute dem Licht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs scheint, dieses kleine M\u00e4dchen ist ein rechter Gl\u00fccksbringer f\u00fcr dich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch vermute, die M\u00e4chte haben Gro\u00dfes mit diesem Kind vor. Vielleicht etwas, das nicht in  Euer Mosaik passt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun. Solange sie ein kleines Kind ist, wird sie mir allenfalls \u00e4rgerlich, nicht aber gef\u00e4hrlich werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd nun? Dass Ihr mich nicht t\u00f6ten k\u00f6nnt, das wisst ihr. Auf Eure Seite bewegt habt Ihr mich noch nicht. Wir k\u00f6nnten uns nun hier pr\u00fcgeln und einander misshandeln. Das br\u00e4chte Euch allenfalls Schmerzen und Blessuren, mich jedoch nicht hinter die Tr\u00e4ume. Einerlei, was Ihr anstelltet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo ist dein Schwert?\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on hob die Schultern. \u201eKeine Ahnung. Offenbar ist es mir bei diesem v\u00f6llig unn\u00f6tigen Pferderennen hierher aus der Scheide geglitten. Ich habe eben erst bemerkt, dass es fort ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie bitte?!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe es nicht bei mir. Schaut selbst. Es w\u00e4re schwer, es zu verbergen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd das willst du nicht bemerkt haben?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Ich war viel zu besch\u00e4ftigt damit, mich um das Kind zu k\u00fcmmern! Ihr seht doch, wie zerbrechlich und schwach es ist. Ich behalte es kaum bei Bewusstsein, bei all diesem Schrecken.\u201c<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger schaute verwirrt. Dann lenkte er sein Ross um den Grauen herum, bis er es wohl glaubte.<\/p>\n<p>\u201eDu hast deine Gedanken versiegelt. Warum, wenn du doch die Wahrheit sprichst?\u201c<\/p>\n<p>\u201eGewohnheit. Wo k\u00e4me ich hin, wenn mir jemand meine Geschichten stehlen k\u00f6nnte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun\u201c, sagte der Schattens\u00e4nger. \u201eF\u00fcr diesmal ist es ins Leere gelaufen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa. Das ist es wohl. Darf ich Euch daran erinnern, dass Ihr es, solltet Ihr es finden, nicht ber\u00fchren solltet, es sei denn, ihr seid auf Euren eigenen Tod aus?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas d\u00fcrfte eine sehr interessante letzte Begegnung zwischen uns werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn ich es denn bin, dem Ihr als Letztem begegnet. Denn ich bin nicht der, dem Eure gr\u00f6\u00dfte Sorge gelten sollte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWem sonst?\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on hob die Schultern. \u201eIch denke, es ist Angelegenheit von Euresgleichen, Euch wieder dorthin zu bannen, wo ihr hervorgekrochen seid. Eine Angelegenheit unter Nokt\u00e1mas Dienern.\u201c<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger nickte.<\/p>\n<p>\u201eWer?\u201c, fragte er.<\/p>\n<p>\u201eMeister Yalomiro. Yalomiro Lagoscyre. An ihm m\u00fcsst Ihr Euch messen. Nicht an mir, dem dem\u00fctigen Sch\u00fcler dessen, den ihr einst aus Eitelkeit gebrochen habt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eLagoscyre. Nun, aus welcher l\u00e4cherlichen Meisterlinie auch sonst. Ich habe den Namen schon einmal geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann horcht weiter darauf und begegnet ihm in Demut.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann sag mir noch eines, Rotgewandeter. Dieser Yalomiro Lagoscyre \u2013 kann <em>dein<\/em> Schwert ihn f\u00e4llen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6glicherweise.\u201c<\/p>\n<p>Der Schattens\u00e4nger wendete den Rappen und preschte ohne ein weiteres Wort hinaus in die letzten Schatten. Gal\u00e9on schaut ihm nach, w\u00e4hrend er mitsamt Pferd in der Dunkelheit verschmolz.<\/p>\n<p>Als er sich sicher war, dass der Schattens\u00e4nger fort war, brachte er Ra\u00fdneta sanft ins Bewusstsein zur\u00fcck. Das M\u00e4dchen blinzelte mit blaugrauen Augen zur Morgend\u00e4mmerung auf. Dann erschrak sie und schnellte in die H\u00f6he. \u201eGal\u00e9on!\u201c<\/p>\n<p>\u201eGanz ruhig, V\u00f6gelchen. Er ist weg.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch \u2026 ich hab sein Pferd gesehen. Und da wusste ich, dass er da ist \u2026 und da wollte ich \u2026 da musste \u2026 ach. Gal\u00e9on, ich hab das Schwert genommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eRuhig, V\u00f6gelchen. Es l\u00e4sst sich nicht mehr \u00e4ndern. Es \u00e4ndert nichts, au\u00dfer dass es uns beide nun aneinander bindet in unserem Schicksal.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hab das Metall nicht angefasst. Ich hab das Samtbl\u00fctentuch drum herum gewickelt. Das war doch richtig, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas war sehr klug, V\u00f6gelchen. Aber wo ist es denn? Wo hast du es hingelegt?\u201c<\/p>\n<p>Sie setzte sich auf. Das M\u00e4dchen zitterte vor Anspannung, vor gerade erst begriffener Furcht. Beruhigend dr\u00fcckte er sie an seine Brust.<\/p>\n<p>\u201eIm Stall. Im Stroh\u201c, wisperte sie. \u201eIn dem Verschlag, wo sein Pferd stand. Ich dachte mir, gerade da wird er es nicht suchen.\u201c<\/p>\n<p>Gal\u00e9on konnte es nicht unterbinden. Das war k\u00f6stlich und so absurd, dass so sehr lachen musste, dass ihm die Tr\u00e4nen kamen.<\/p>\n<p>Ra\u00fdneta musterte ihn verwirrt. Dann wagte auch sie ein vorsichtiges Grinsen.<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4248","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4248","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4248"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4248\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4318,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4248\/revisions\/4318"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4248"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4248"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4248"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}