{"id":4247,"date":"2025-09-08T00:16:44","date_gmt":"2025-09-07T22:16:44","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4247"},"modified":"2025-09-08T21:38:24","modified_gmt":"2025-09-08T19:38:24","slug":"035-merrit-wird-misstrauisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/035-merrit-wird-misstrauisch\/","title":{"rendered":"035: Merrit wird misstrauisch"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Patagh\u00edus Glanz erhob sich sacht im S\u00fcden. Als es endlich hell genug war, um den Weg zu erkennen, l\u00f6schten sie die kleinen Reiselaternen, die sie aus der Herberge mitgenommen hatten. Das darin verbliebene Dornbeeren\u00f6l w\u00fcrde noch f\u00fcr die kommende Nacht ausreichen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der Mann, der sich V\u00fdnrath nannte und den T\u00edjnje als geheimen Boten angeworben hatte, ritt dicht an ihrer Seite. Zu dicht, als dass Merrit und Osse sich h\u00e4tten unterhalten k\u00f6nnen, ohne dass er es mitgeh\u00f6rt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Osse schaute sich um. Das Morgengrauen offenbarte ihm nichts anderes als der Tag zuvor: Abgeerntete \u00c4cker, wohin man schaute. Ab und zu in der Ferne, abseits der der Stra\u00dfe, ein gr\u00f6\u00dferes Geh\u00f6ft, von dem aus die umliegenden \u00c4cker bestellt wurden. Das n\u00e4chste Dorf, das verriet ihnen ein Wegestein, den sie passierten, war noch ein gutes Wegst\u00fcck entfernt und abseits ihrer Wegrichtung.<\/p>\n<p>Schweigsam war der Bote gewesen. Merrit hatte anfangs beharrlich versucht, ihn auszufragen, aber er hatte sich wortkarg gegeben und sie unentwegt zur Eile ermahnt. Immerhin: Er schien in der Tat pflichtbewusst und gewissenhaft zu sein. Keinen Schritt wich er von der Stra\u00dfe ab. Seine Kapuze hatte er tief in die Stirn gezogen.<\/p>\n<p>Osse schaute zu Merrit hin\u00fcber. Nun, da es nicht mehr finster war, konnten sie einander mit Blicken verst\u00e4ndigen.<\/p>\n<p>\u201eHe!\u201c, sagte Merrit. \u201eWo kommst Du eigentlich her?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch? Aus einem Dorf westlich von Grootplen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVersiehst du oft Botendienste f\u00fcr die <em>yarlaranda<\/em>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAb und zu\u201c, kam es knapp von dem Mann.<\/p>\n<p>\u201eWas ist dein Handwerk? Bist du ein <i>maedlor<\/i>?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr. Ich bin ein Kurier. Ich komme weit herum.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd was ist dein n\u00e4chster Botengang?\u201c<\/p>\n<p>Der Mann drehte sich dem Ritter zu. \u201eWie meint Ihr das, Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn du ein Kurier der <em>eld-yarlara<\/em> bist, erwartet sie dich nicht zur\u00fcck?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr.\u201c<\/p>\n<p>Osse wechselte einen Blick mit Merrit. Der junge Ritter zuckte die Achseln.<\/p>\n<p>\u201eWir danken dir f\u00fcr deine Dienste\u201c, sagte Osse. \u201eAber du musst dich nicht noch weiter abm\u00fchen. Wir finden den Weg nach Wijdlant nun auch ohne dich. Wenn du etwas zu tun hast \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eHabe ich nicht, Herr Osse.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie\u201c, fragte Merrit. \u201eKeine <em>h\u00fdardora<\/em>, keine Kinder, zu denen es dich zur\u00fcckzieht? Nun, da du deinen Auftrag erf\u00fcllt, nichts weiter zu tun hast und wir deine M\u00fchen nicht mehr ben\u00f6tigen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr. Frau T\u00edjnje w\u00fcnscht, dass ich <em>Euch<\/em> begleite.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber warum denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, Herr \u2026 wenn die Verfolger Euch auflauern, die Spione und folgen \u2026 es ist meine Pflicht, Euch zur Hand zu gehen, wenn es zum \u00c4u\u00dfersten kommt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eV\u00fdnrath\u201c, gab Osse zu bedenken, \u201ein Begleitung von Herrn Merrit bin ich sicherer, als wenn mich ein ganzes Heer begleiten w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Merrit grinste geschmeichelt. Aber beschwichtigen lie\u00df er sich nicht. \u201eVerfolgt hat uns keiner, so viel steht fest. Und anschleichen kann sich auch niemand, auf diesem platten Land.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir kommen bald in bewaldete Gegenden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten, man m\u00fcsste ja fast f\u00fcrchten, dass hinter jedem Baum ein Meuchelm\u00f6rder versteckt ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht solltest du ein St\u00fcck vorausreiten\u201c, schlug Merrit vor. \u201eAls unser Sp\u00e4her.\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath schaute sich verwirrt um.<\/p>\n<p>\u201eWir bleiben brav auf dem Weg. Schlie\u00dflich haben wir dasselbe Ziel. Aber ich w\u00fcrde es sch\u00e4tzen, wenn ich einen Moment mit Herrn Merrit allein reden k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eYarl Emberbey, ich \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist nicht f\u00fcr jedermanns Ohren bestimmt\u201c, sagte Osse streng. \u201eEs sind Dinge, die nur ihn, mich und die <em>teirandanja<\/em> betreffen und die gekl\u00e4rt sein m\u00fcssen, bevor wir in Wijdlandt eintreffen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber Herr \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIm Wald brauchen wir dich an unserer Seite. Also?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, ich bin verschwiegen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd ich bin der k\u00fcnftige <em>mynstir<\/em>. Selbst <em>yarl<\/em> Grootplen w\u00e4re mir unterwiesen. Also?\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath neigte gehorsam den Kopf. \u201eWie Ihr w\u00fcnscht, Herr. Aber nur, solange wir in offenem Gel\u00e4nde sind.\u201c Dann lie\u00df er sein Pferd antraben und brachte etwas Entfernung zwischen sich und die beiden jungen M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Merrit z\u00fcgelte seinerseits seinen Braunen, bis der nur noch trottete. Osses Maultier hielt Schritt mit dem wuchtigen Hengst.<\/p>\n<p>\u201eMit dem Kerl stimmt etwas nicht\u201c, sagte Merrit und beobachtete den Begleiter skeptisch.<\/p>\n<p>\u201eDer Kerl ist nicht echt\u201c, stimmte Osse zu. \u201eIch bin fast g\u00e4nzlich sicher.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso?\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcberlegt doch nur. W\u00fcrde T\u00edjnje einen Boten w\u00e4hlen, der ihrer Gro\u00dfmutter wohlbekannt ist? Wieso sollte ein Dienstmann aus Grootplen uns einen Brief aus Wijdlant bringen?\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcberhaupt nicht. Du hast recht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs h\u00e4tte nur dumm laufen m\u00fcssen, sodass die <em>eld-yarlara<\/em> ihn zu Gesicht bekommen h\u00e4tte. Der ganze Plan w\u00e4re dahin gewesen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAlso l\u00fcgt er?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin nicht sicher. Immerhin hat er den Brief bei sich gehabt, und der war unzweifelhaft echt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas passt nicht zusammen.\u201c Merrit lie\u00df die Z\u00fcgel los und verschr\u00e4nkte die Arme. Sein Ross stapfte noch ein paar Schritte geradeaus und schwenkte dann an den Ackerrand. Dort pl\u00e4tscherte ein Rinnsal in einem Bew\u00e4sserungsgraben. Das Pferd begann, zu saufen. \u201eUnd warum ist er so erpicht darauf, mit uns zu reiten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht hat T\u00edjnje einfach den n\u00e4chstbesten Dienstmann beauftragt, der ihr \u00fcber den Weg lief? Vielleicht will er die Gelegenheit nutzen, dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> beizuwohnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Unm\u00f6glich. Wir reden von T\u00edjnje. Ein so gro\u00dfer Fehler oder Leichtsinn w\u00e4re ihr nie untergekommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMerrit,da ist noch etwas.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch kann mir nicht helfen. Aber irgendwie kommt der Bursche mir bekannt vor.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas sagst du da?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin nicht ganz sicher. Heute Nacht, im Dunklen, mit seinem Mantel \u2026 aber wenn ich ihn  so bei Tageslicht vor mir sehe, wie er da im Sattel sitzt, bin ich mir fast sicher, ihn schon einmal gesehen zu haben. Aber ich bringe ihn nirgends unter.\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath hatte bemerkt, dass die beiden jungen M\u00e4nner angehalten hatten. Er hielt an und drehte sich im Sattel um. Aber solange das Pferd und das Maultier tranken und Gras aus dem Graben zupften, hatten sie Zeit.<\/p>\n<p>\u201eDie Botschaft\u201c, sagte Merrit, \u201epasst nicht zum Boten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber du hast den Brief gesehen. Es war Manj\u00e9vs Handschrift und das Siegel der <em>teiranday<\/em>. Was gesehen sollte, ist geschehen: J\u00e1ndris und L\u00e1as werden der<em> eld-yarlara<\/em> den Brief zeigen, der uns entschuldigt. Genau, wie es geplant war.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTrotzdem. Je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachsinne, desto lieber w\u00e4re ich unseren neuen Freund los. Und wei\u00dft du was?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSag es mir.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch denke auch schon eine Weile, dass ich ihn irgendwo schon einmal unter den Augen hatte. Der junge Ritter lachte unfroh. \u201eVielleicht werden wir tats\u00e4chlich verfolgt, oder zumindest beobachtet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd nun? Ist das die schnellste Stra\u00dfe nach Wijdlant?\u201c, erkundigte Osse sich. \u201eK\u00f6nnten wir ihn irgendwie abh\u00e4ngen, den Verfolger?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist der direkte, sicherste Weg. Wir k\u00f6nnten allenfalls den Wald umgehen, indem wir hier querfeldein nach Osten abk\u00fcrzen.\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u00dcber die \u00c4cker?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa, genau. Aber das t\u00e4te ich ungern. \u00c4cker sind unantastbar.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df. Aber es ist geerntet und noch nicht neu ges\u00e4t. Wir w\u00fcrden kein Getreide umtreten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas schon. Aber ich kann es mir nicht erlauben, wenn mein Pferd sich in einer Furche oder einem Mausebau vertritt. Und dein Maultier ist sicher auch nicht der schnellste Renner.\u201c<\/p>\n<p>Das war ein berechtigter Einwand. Osse schaute sich zu V\u00fdnrath um. Der wartete gehorsam, aber es war nicht zu \u00fcbersehen, wie ungeduldig er wurde.<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn er mit den Schurken und Spionen, die er sich einbildet, unter einer Decke steckt?\u201c<\/p>\n<p>Die beiden Freunde schwiegen einen Augenblick lang ratlos. Dann spornte Merrit seinen Braunen wieder an. Das Maultier zuckelte hinterdrein, noch bevor Osse etwas tun musste.<\/p>\n<p>\u201eHabt Ihr Eure Unterredung beendet, edle Herren?\u201c, fragte V\u00fdnrath h\u00f6flich.<\/p>\n<p>\u201eWir sind uns etwas uneins, V\u00fdnrath\u201c, sagte Merrit leutselig. \u201eWei\u00dft du, dieses <em>vaspos\u00e1r<\/em>, das geht uns allen im Kopf um und um und herum. Ich selbst bin so aufgeregt, dass ich an gar nichts anderes denken kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas kann ich mir gut denken, edler Herr. Gerade nach dem, was Euch nach Eurem Triumph beim Turnier als s\u00fc\u00dfer Lohn erwarten wird.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVorsicht!\u201c Merrit hob warnend den Finger. \u201eGratuliere mir nicht zu fr\u00fch. Es treten die besten <em>yarlandoray<\/em> von nah und fern an. Es ist lange nicht gesagt, dass ich aufrecht den Platz verlassen werde.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber Herr! Euer Ruhm eilt euch voraus, bis in die hintersten Winkel von\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eJa? Bis wohin\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch meine &#8230; selbst in Aur\u00f3p\u00e9a hat man schon von Euch geh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo. Ich sollte aufh\u00f6ren, so viel Geld f\u00fcr Lobhudeleien an <em>b\u00e1chorkoray<\/em> zu verschwenden. Die Kerle neigen allzu sehr zur \u00dcbertreibung. Einer erfindet zum n\u00e4chsten  etwas hinzu, und am Ende staunt man \u00fcber die eigenen Ruhmestaten.\u201c<\/p>\n<p>Osse verkniff sich ein Grinsen. V\u00fdnrath schien verunsichert.<\/p>\n<p>\u201eHerr \u2026 was habe ich damit zu tun?\u201c, fragte er vorsichtig.<\/p>\n<p>\u201eNun, wir fragten uns, welche der hochedlen Damen am Hof der <em>teirandanja<\/em> wohl die meisten Herzen der <em>yarlandoray<\/em> zum ergl\u00fchen bringt.\u201c<\/p>\n<p>Osse hob \u00fcberrascht die Brauen, aber Merrit redete schneller weiter, als dass er etwas einwenden konnte.<\/p>\n<p>\u201eNun, ich sprach gerade mit Herrn Osse dar\u00fcber, welche der Damen wohl liebreizender ist. Die hochedle Truda Emberbey oder die nicht minder edle T\u00edjnje Mor\u00e9aval.\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath blinzelte verdutzt. \u201eWie bitte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, Herr Osse, wie w\u00fcrdet Ihr zwischen den beiden entscheiden?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs erscheint mit unschicklich, den Liebreiz der Damen zu vergleichen wie &#8230; wie Zierrat\u201c, sagte Osse befremdet. Merrit hatte etwas vor, das war klar. Aber wie kam er auf solche dreiste und anz\u00fcgliche Rede?<\/p>\n<p>\u201eVerzeiht mir, Herr Osse. Selbstverst\u00e4ndlich werdet Ihr im Geheimen selbst im Vergleich mit der <em>teirandanja<\/em> die Tugend und Sch\u00f6nheit Eurer eigenen Schwester am h\u00f6chsten halten. Nun ja. Vielleicht wird Frau T\u00edjnje nichtsdestoweniger einen jungen Herrn entz\u00fccken. Es w\u00e4re ihr zu w\u00fcnschen. Sie ist ja allzu leicht zu \u00fcbersehen unter den blumensch\u00f6nen Damen, mit ihren braven blonden Z\u00f6pfen. Findest du nicht auch, Osse?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Sehr brav und sittsam ist sie. Denn was ist die Sch\u00f6nheit auch f\u00fcr ein verg\u00e4ngliches Gut gegen ein lauteres Herz.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber Ihr m\u00fcsst zugeben, eine Stimme hat sie, wie eine erk\u00e4ltete Kr\u00e4he. Es schrillt in den Ohren, wenn sie lacht.\u201c Merrit verzog das Gesicht und sch\u00fcttelte sich. \u201eWie gut, dass ich mir <em>darum<\/em> keine Gedanken machen muss.\u201c<\/p>\n<p>Osse dankte den M\u00e4chten, dass T\u00edjnje nicht anwesend war.<\/p>\n<p>\u201eWie kommst du damit zurecht, V\u00fdnrath?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch &#8230; achte nicht darauf und lasse es mir nicht anmerken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist l\u00f6blich. Dann k\u00f6nnen wir nun ja weiter.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00e4re mir sehr recht, Herr.\u201c<\/p>\n<p>Merrit trabte an, aber nur ein paar Pferdel\u00e4ngen voraus. Dann blieb er schon wieder stehen. \u201eAch, wie \u00e4rgerlich!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas gibt es, Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, an meinem Lederzeug ist etwas verrutscht. Ich h\u00f6re einen Riemen knarren. W\u00fcrdest du nachschauen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde Herrn Osse fragen. Aber der kennt sich wohl nicht aus mit einem solchen komplizierten Sattel. Aber er h\u00e4lt sicher gern dein Ross derweil. Nicht wahr?\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath z\u00f6gerte. Aber der junge Ritter schaute ihm so erwartungsvoll entgegen, dass er keine Wahl hatte. Er sa\u00df ab, reichte Osse die Z\u00fcgel an und ging hin\u00fcber zu Merrits braunem Streitross.<\/p>\n<p>\u201eWo knarrt es, Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAn der Kruppe. Vielleicht hat sich etwas am Hintergurt verheddert.\u201c<\/p>\n<p>Der Mann begutachtete das Lederzeug. Merrit nutzte die Gelegenheit, sein Schwert zu ziehen und die Spitze V\u00fdnrath zwischen die Schultern zu dr\u00fccken. Der erstarrte.<\/p>\n<p>\u201eKommt mit dem Pferd her, Herr Osse. Hier, an meine rechte Seite. Und du, Bursche, von dir w\u00fcsste ich gern, wie es sein kann, dass du getreuer Knecht den Liebreiz deiner Gebieterin nicht gegen meine frechen Worte verteidigt hast.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, brachte V\u00fdnrath gepresst vor. \u201eIch wei\u00df nicht, wovon ihr redet! Was soll das?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu willst es mir nicht sagen? Dann sagt Herr Osse es dir umso lieber.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMan kommt nicht umhin, dass du die Dame, die dich mit dem Brief zu uns schickte, wohl nie von Angesicht gesehen hat. Du warst etwas wenig \u00fcberrascht \u00fcber Herrn Merrits L\u00e4stereien.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr, es steht mir doch nicht an, das Urteil eines <em>yarls<\/em> anzuzweifeln, so unsittlich es ist!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas \u00e4ndert nichts daran, dass T\u00edjnje Mor\u00e9aval braungelocktes Haar hat und eine Stimme, lieblich wie ein zwitscherndes V\u00f6glein. Wer bist du, Kerl, wenn du ganz offensichtlich nicht Frau T\u00edjnje Diener bist?\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath schnaubte.<\/p>\n<p>\u201eHeraus damit. Wer bist du? Und wie bist du an den Brief gekommen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeinen Namen hab ich gesagt. Der ist echt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd der Brief? Wo ist der wirkliche Bote, der ihn \u00fcberbringen sollte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSprich. Wir wollen uns nicht lange mit Ratespielen aufhalten.\u201c Merrit gab seinen Worten mit dem Schwert Nachdruck. \u201eDas hier ist frisch geschliffen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten, lasst es gut sein. Ja, ich hab dem Boten den Brief gestohlen, mitsamt seiner Tasche.  Einen halben Tagesritt von Grootplen entfernt. In so einer kleinen Dorfschankstube.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wo ist der Bote?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWoher soll ich das wissen? Denkt ihr, ich hab danebengestanden und gewartet, bis der mich ertappt? Abgehauen bin ich, mit Brief und den paar M\u00fcnzen, die er im Beutel hatte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann bist du also ein ganz gew\u00f6hnlicher Beutelschneider?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSoll ich es leugnen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNa wunderbar, \u201c seufzte Merrit. \u201eDas wird den alten Herrn Daap aber gar nicht freuen, nun doch echtes Raubgesindel in seinem <em>yarlm\u00e1lon<\/em> zu haben! Und wo kommst du her?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAus dem Norden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAus dem Norden?\u201c Osse sp\u00e4hte an Merrit vorbei auf den zerknirscht dreinblickenden Mann hinab.<\/p>\n<p>\u201eHab ich doch gesagt! Bin am Meer geboren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGeht es etwas genauer?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAus Rodekliv. Bin weggelaufen. Kein gutes Leben da f\u00fcr einen wie mich. Sind schnell mit dem Strick bei der Hand.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat dich jemand geschickt?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas meint Ihr, Herr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu bist nicht etwa im Auftrag meines Weitvetters hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWelcher Weitvetter? Auf dem Weg zum <em>vaspos\u00e1r<\/em> bin ich. Aber nicht wegen der Weiber. Sollen viele reiche Leute dort sein, sagt man sich.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd was machst du dann hier mit uns und nicht l\u00e4ngst auf dem Weg zum Fest?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch war neugierig. Hab den Brief gelesen und gesehen, was drin stand. Und dann dachte ich \u2026\u201c Er z\u00f6gerte, ganz kurz, bed\u00e4chtig, bevor er weiter sprach. \u201eIch dachte, was f\u00fcr ein unversch\u00e4mtes Gl\u00fcck! Wenn ich mit den edlen Herren zusammen reise, da guckt mir doch keiner in den Geldbeutel.\u201c<\/p>\n<p>\u201eZeig her.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>\u201eZeig her. Ich will sehen, was du an Reicht\u00fcmern mit dir f\u00fchrst.\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath nestelte seinen Geldbeutel auf und sch\u00fcttete einige M\u00fcnzen in seine Hand. Vorsichtig drehte er sich zu Merrit um und hielt ihm das Geld entgegen. Ein bisschen Kupferklein und zwei Silberm\u00fcnzen waren dabei. Und vier aus blankem Gold. Viel zu viel, um zur Barschaft eines einfachen Gauners zu geh\u00f6ren. Gepr\u00e4gt waren drei davon in Virhav\u00e9t und eine in Aur\u00f3p\u00e9a.<\/p>\n<p>\u201eHab Gl\u00fcck gehabt\u201c, erkl\u00e4rte V\u00fdnrath eilig. \u201eReiche <em>vendyray<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSo. Du raubst rechtschaffene Handelsleute und geheime Boten aus und glaubst, unter unseren Fittichen den n\u00e4chsten Beutezug beginnen zu k\u00f6nnen? Sch\u00e4mst du dich nicht, vor dir und den M\u00e4chten? Und schau mir ins Gesicht, wenn du deine Taten bekennst!\u201c<\/p>\n<p>Er zog die Klinge hoch und der scharfe Stahl zerschnitt die Wollkapuze, so geschickt, dass V\u00fdnrath weder Haut noch Haar geritzt wurde. Aber der Schreck l\u00e4hmte den Mann. Er erstarrte und wich dann hastig einen Schritt zur\u00fcck, aus Merrits Reichweite.<\/p>\n<p>Und so, als wolle er es daselbst enth\u00fcllen, stieg just in diesem Moment das erste Leuchten von Patagh\u00edus Glanz im Norden \u00fcber den Grat des Montaz\u00edel und die Morgend\u00e4mmerung erhellte sich, als fiele ein Schleier nieder.<\/p>\n<p>\u201eIch erkenne dich!\u201c, rief Osse best\u00fcrzt aus. \u201eDer Reisende aus Hethrom!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr hatte ein anderes Pferd und sich den Bart wegrasiert und einen Teil der Haare! Aber ich erkenne ihn! Dann war also tats\u00e4chlich etwas verd\u00e4chtig an ihm.\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath ging weitere zwei, drei Schritte r\u00fcckw\u00e4rts.<\/p>\n<p>\u201eNun, da Ihr es sagt, Herr Osse \u2026 ja, ich erinnere mich. Der Hitzkopf, der sich mit der ber\u00fcchtigten maskierten R\u00e4uberbande anlegen wollte, ist also selbst ein solcher. Wie kurios!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist daran kurios?\u201c, schnaubte V\u00fdnrath. \u201eIn so einer Reiseschar ist gutes Geld zu machen. Bis zum Ziel w\u00e4re ich reich gewesen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd wie lange h\u00e4ttest du dieses Spielchen hier noch fortgef\u00fchrt? Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter h\u00e4tte Herr Osse dich bei aller Maskerade erkannt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht. Vielleicht auch nicht\u201c, entgegnete der enttarnte Bote.<\/p>\n<p>\u201eUnd was sollte dieses Gefasel von den versteckten Spionen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDringlich wollte ich es machen. Und nun? Ich habe wohl mein Gl\u00fcck \u00fcberstrapaziert. Und jetzt? Was wollt ihr tun? Mir den Kopf abschlagen mit Eurem feinen Turnierschwert? F\u00fcr ein paar l\u00e4cherliche M\u00fcnzen und eine kleine Dreistigkeit mit Eurem Brief?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir befinden uns noch auf den L\u00e4ndereien von <em>yarl<\/em> Grootplen\u201c, sagte Osse. \u201e\u00dcber diese Dinge hat er zu entscheiden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd ich habe keine Lust, mir mein Schwert an einem wie dir zu besudeln.\u201c Merrit steckte die Klinge ein. \u201eDaf\u00fcr ist es nicht bestimmt. Yarl Emberbey, was denkt Ihr hierzu?\u201c<\/p>\n<p>Osse lenkte sein Maultier um das Pferd herum und streckte die Hand hinab. \u201eDas Geld. Gib mir das Gold und Silber. Ich nehme es in Verwahrung. Sobald das <em>vaspos\u00e1r<\/em> vorbei ist und ich die Zeit dazu habe, werde ich versuchen herauszubekommen, wem du es gestohlen hast. Ich kenne die Namen einiger Leute aus der Reiseschar, die es bezeugen k\u00f6nnen sollten.\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath stutzte. Dann gab er dem jungen Mann die sechs M\u00fcnzen.<\/p>\n<p>\u201eUnd wir nehmen dein Pferd mit\u201c, fuhr Osse fort. \u201eAuch das ist nicht das, mit dem du gekommen bist. Hast du es aus dem Stall der Herberge?\u201c<\/p>\n<p>Der Dieb zuckte die Achseln. Das sollte wohl eine Antwort sein. Osse gab sich damit zufrieden. \u201eAuch das schicken wir mit der n\u00e4chsten Reiseschar, die uns begegnet, zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd was geschieht mit mir?\u201c<\/p>\n<p>\u201eLauf\u201c, antwortete Merrit. \u201eWir haben nicht die Mu\u00dfe, uns nun mit einem Halunken wie dir abzugeben. Preise die M\u00e4chte, dass wir uns so viel angenehmeren Dingen zuwenden wollen, sobald wir in Wijdlant sind. Schau, wie schnell du zu Fu\u00df hier aus dieser Gegend kommst. Was sage ich, aus der Gegend \u2013 in keinem <em>yarlm\u00e1lon<\/em> von Wijdlant solltest du dich mehr sehen lassen, wenn du einer gerechten Strafe entgehen willst!\u201c<\/p>\n<p>Nun war V\u00fdnrath sprachlos.<\/p>\n<p>\u201eIhr lasst mich laufen? Einfach so?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir lassen dich nicht laufen \u2013 wir <em>versto\u00dfen<\/em> dich aus dem Reich unserer <em>teirandanja<\/em>. Hier soll es keinen Betrug und keine Diebereien geben! Die paar M\u00fcnzen \u2013 m\u00f6gest du dich besinnen und fortan ehrlich und tugendsam sein. H\u00e4ttest du ein Menschenleben daf\u00fcr genommen, w\u00e4re es dir weniger gut bekommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann h\u00e4tten wir uns die Zeit genommen, dich nach Wijdlant mitzuschleppen. Du hast Gl\u00fcck, V\u00fdnrath \u2013 falls du wirklich so hei\u00dft \u2013 dass wir hier auf offenem Feld wirklich nichts mit dir anfangen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>V\u00fdnrath starrte zu den beiden auf, vom einen zum anderen. Dann besann er sich, fiel auf die Knie und begann, vor Dankbarkeit zu schluchzen.<\/p>\n<p>\u201eDank!\u201c, rief er aus. \u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte Euch f\u00fcr Eure Gnade belohnen! M\u00f6gen Patagh\u00edu und Nokt\u00e1ma Euer Amt und Euer Gl\u00fcck festigen, und m\u00f6gen die sch\u00f6nsten <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> Euch geneigt sein! M\u00f6gen &#8230;\u201c<\/p>\n<p>\u201eKommt, Herr Merrit! Das wird mir zu peinlich\u201c, sagte Osse und spornte sein Maultier an. Das Pferd des enttarnten Gauners trabte ihm brav nach.<\/p>\n<p>Merrit grinste. \u201eUnd du\u201c, wandte er sich dann unheilvoll an V\u00fdnrath, \u201ewenn du Osse Emberbey noch einmal auf Sicht nahekommst \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eSicher nicht, Herr! Ganz bestimmt nicht! M\u00f6ge die <em>teirandanja<\/em> Euer Werben erh\u00f6ren! M\u00f6get Ihr der m\u00e4chtigste <em>teirand<\/em> aller Zeiten werden! M\u00f6ge \u2026\u201c<\/p>\n<p>Merrit wendete und galoppierte s\u00fcdw\u00e4rts, seinem Freund nach.<\/p>\n<p>V\u00fdnrath erhob sich und klopfte sich den Stra\u00dfenstaub ab.<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6gen Euch die Chaosgeister holen\u201c, zischte er ver\u00e4rgert. \u201eAlle beide!\u201c<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Farbenspiel war neugierig. Die Einh\u00f6rner kamen in Aur\u00f3p\u00e9a immer nur aus der Entfernung in Kontakt zu gew\u00f6hnlichen Pferden, und meist waren die Pferde wenig begeistert davon. Doch Einh\u00f6rner waren ihnen \u00e4hnlich genug, sodass sie nicht in nicht mehr zu b\u00e4ndigende Panik gerieten. \u00dcblicherweise reagierten Pferde ohne jedes Imponiergehabe mit dem Kl\u00fcgsten, was sie tun konnten: Sie unterwarfen sich und versuchten, den gro\u00dfen Gef\u00fcgelten nicht zu nahe zu kommen.<\/p>\n<p>Die Stute war nicht ver\u00e4ngstigt, aber sehr vorsichtig. Sie hatte die Ohren aufmerksam aufgestellt, stand stocksteif und hatte den Hals hochgereckt. Ihre N\u00fcstern bebten. Farbenspiel zeigte sich von seiner manierlichsten Seite. Seine Fl\u00fcgel hatte er fest angelegt und sah in der Morgend\u00e4mmerung f\u00fcr fl\u00fcchtige Blicke nun aus wie ein etwas unf\u00f6rmiges, \u00fcbergro\u00dfes Pferd. Wie bunt er war und wie Furcht einfl\u00f6\u00dfend seine Z\u00e4hne und Klauen waren, verdeckte das graue, morgendliche D\u00e4mmerlicht noch. Er schnaubte der Stute freundlich und sehr <em>interessiert<\/em> entgegen.<\/p>\n<p>\u201eFreundet euch nicht zu sehr an\u201c, mahnte Advon und wandte sich seinem neuen Ross zu. \u201eIch denke, ich bringe dich zu den anderen Pferden im Ritterlager. Da wirst du besser versorgt und bewacht als hier im Wald. Ich versuche, Sattelzeug f\u00fcr dich aufzutreiben. Vielleicht kann unser neuer Bekannter uns auch dabei behilflich sein.\u201c<\/p>\n<p>Der Hengst brummte, klang fast entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>\u201eDu bewachst weiterhin meine Sachen. Es ist mir nicht recht, dass ich alles hier ablegen muss.\u201c Advon klopfte Farbenspiel den Hals. \u201eUnd du, mein Guter, wie ich dich l\u00e4ngere Zeit verstecken kann, das wei\u00df ich auch nicht. Bei den M\u00e4chten, wenn doch nur diese Geheimniskr\u00e4merei nicht n\u00f6tig w\u00e4re. Noch so einen Vorfall wie den heute Nacht im Garten brauche ich nicht noch einmal. Warte hier auf mich. Bis zum Mittag bin ich wieder bei dir.\u201c<\/p>\n<p>Advon schwang sich auf den R\u00fccken der Stute. Aus dem Halfter und F\u00fchrstrick hatte er einen provisorischen Zaum gekn\u00fcpft, der f\u00fcr seine Zwecke ausreichend war. Das Pferd war gef\u00fcgig und setzte sich brav in Bewegung. Farbenspiel schaute ihnen nach, schnaubte bedauernd und trottete dann in das W\u00e4ldchen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der junge Ritter genoss, dass es endlich wieder hell wurde. Mit der Sonne w\u00fcrde nun auch wieder etwas Herbstw\u00e4rme kommen. Im Ciel\u00e1stel, am Rand der W\u00fcste, wurde es niemals wirklich kalt. Schnee hatte der junge Mann erstmals gesehen, als er die Schattens\u00e4nger im Boscarg\u00e9n besucht hatte. Wie es wohl in Ghelazia oder Ycelia sein mochte, wo der Sommer zu kurz war, um Obst zum Reifen zu bringen?<\/p>\n<p>Eine gewisse Eile war dabei. Wenn der namenlose Ritter ihm mit dem Pferd helfen sollte, musste er das tun, bevor er selbst zur Burg aufbrach. Mochten die M\u00e4chte geben, dass D\u00fdamir\u00e9e derweil nicht irgendein Missgeschick widerfuhr. Auf diese Wiese ganz ohne Heimlichkeiten in Manj\u00e9vs N\u00e4he zu gelangen, das war gut. Aber dass so viele ahnungslose Unkundige an der Sache beteiligt waren \u2013 das gefiel Advon nicht.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Lager kam Advon ein Reiter entgegen, ausgerechnet jener, zu dem er auf dem Weg war.<\/p>\n<p>\u201eGuten Morgen!\u201c, rief der unbekannte Ritter ihm entgegen. \u201eIch sehe, Ihr habt einen guten Handel gemacht!\u201c<\/p>\n<p>Advon ritt heran und brachte die Stute dann neben dem Schimmel des Ritters zum Stehen. \u201eGuten Morgen. Ja, wahrhaftig. Ein pr\u00e4chtiges Tier. Ihr habt nicht \u00fcbertrieben. Allerdings \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas? Ist etwas nicht zu Eurer Zufriedenheit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Umst\u00e4nde des Handels kamen mir ausgesprochen seltsam vor. Der Schmied hat seinen jungen Sohn vorgeschickt, das Gesch\u00e4ft zu machen. Angeblich war sein Vater anderenorts besch\u00e4ftigt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist daran ungew\u00f6hnlich? Schmiede, Lederer und Schneider haben gerade alle H\u00e4nde voll zu tun. So viel kann besch\u00e4digt werden, auf diesen langen Reisewegen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMitten  in der Nacht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eAusruhen kann er sich nach dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> noch lange genug. Wohin des Weges mit dem feinen Pferdchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eZum Lager zur\u00fcck. Ich will es dort in Verwahrung geben. Und Ihr? Das ist doch nicht der Weg zur Burg? Wolltet Ihr nicht die <em>teirandanja<\/em> mit dem kleinen Eichh\u00f6rnchen erfreuen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hat sich erledigt.\u201c<\/p>\n<p>Advons Herz setzte einen Schlag aus vor Schreck. \u201eWie bitte? Ich meine \u2026 warum?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe einen guten Tausch gemacht. Mit <em>yarl<\/em> Ycelia.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas hat der <em>yarl<\/em> mit dem Tier vor?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas werdet Ihr pl\u00f6tzlich so kreidebleich im Gesicht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun. Es interessiert mich.\u201c<\/p>\n<p>Der namenlose Ritter grinste. \u201eAls ich ihn vorhin sah, war er im Begriff, in gro\u00dfem Prunk und mit Gefolge zur Burg aufzubrechen. Mit dem Eichh\u00f6rnchen in einem geschm\u00fcckten K\u00f6rbchen.\u201c<\/p>\n<p>Advon atmete auf. Dann schien sich wohl am urspr\u00fcnglichen Plan nicht viel ge\u00e4ndert zu haben. Aber was machte der fremde Ritter dann jetzt und hier?<\/p>\n<p>\u201eWohin f\u00fchrt Euch der Weg so fr\u00fch? Habt Ihr im Dorf zu tun?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein. Um ehrlich zu sein, ich wollte nach Euch sehen. Ich vermutete, dass Ihr mit Eurem neuen Schatz hier entlang kommen w\u00fcrdet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDaf\u00fcr steht Ihr vor dem Morgengrauen auf? Ihr hattet das Pferd doch bereits gesehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas stimmt. Eine \u00dcberraschung ist es nicht. Aber \u2026\u201c Der Ritter schaute sich verschw\u00f6rerisch um. \u201eEs kann sicherlich nicht schaden, wenn Ihr mit dem Prunkross nicht allein bleibt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBesteht die Gefahr, dass jemand es stehlen will?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMan munkelt so einiges im Lager. Dinge verschwinden spurlos. Gestern ein Krug Bier, heute ein Pferd? Je n\u00e4her das vaspos\u00e1r r\u00fcckt, desto begehrlicher k\u00f6nnten Halunken werden. Und ich f\u00fchle mich f\u00fcr Euch verantwortlich, nachdem ich Euch auf dieses Gesch\u00e4ft gebracht habe. Kommt mit mir!\u201c<\/p>\n<p>Advon hatte keine Veranlassung, das freundliche Angebot abzulehnen. Die beiden M\u00e4nner trabten auf das Zeltlager zu, wo noch kaum jemand auf den Beinen zu sein schien. Vor dem prunkvollen Zelt des <em>yarl<\/em> Ycelia waren zwei sehr junge Knaben damit besch\u00e4ftigt, das Zeug aufzur\u00e4umen, das ihr Herr mit seinem Gefolge bei seinem Aufbruch hinterlassen hatte. Den beiden Reitern schenkten sie keine Beachtung.<\/p>\n<p>Der Ritter schwang sich aus dem Sattel. \u201eRolk! Rolk, du Faulpelz! Steh auf!\u201c, rief er und l\u00fcftete die Zeltplane ein St\u00fcck. \u201eDu wirst gebraucht.\u201c Und zu Advon gewandt, erkundigte er sich: \u201eIch darf Euch doch auf einen Becher mit Bittersamensud und ein St\u00fcck Zwiebelbrot einladen? Die <em>teiranday<\/em> haben eine hervorragende Versorgung f\u00fcr uns sichergestellt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBittersamensud?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin sehr vornehmes und anregendes Getr\u00e4nk, wie es in Iva\u00e1l beliebt ist. Ihr seht aus, als h\u00e4ttet ihr eine ganze Weile noch nichts zu Euch genommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will Eure Geduld und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit nicht \u00fcberbeanspruchen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, nicht doch. Ich freue mich doch, wenn das <em>vaspos\u00e1r<\/em> mir nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch freundliche Bekanntschaften bringt.\u201c Er lachte. \u201eNicht, dass mich das daran hindern w\u00fcrde, Euch im Turnier in den Staub zu werfen.\u201c<\/p>\n<p>Advon nickte h\u00f6flich. Derweil kam Rolk, der Knappe des gro\u00dfz\u00fcgigen Ritters aus dem Zelt hervor. Wie sein Herr trug er Gew\u00e4nder ohne ein Wappen oder auff\u00e4llige Farben. Advon sch\u00e4tzte ihn auf vierzehn, f\u00fcnfzehn Sommer. Sein sandbraunes Haar war zerrauft und seine Augen m\u00fcde. Unverhohlen g\u00e4hnte der Junge. Wahrscheinlich war er sp\u00e4t zum Schlaf gekommen und nun viel zu rasch wieder geweckt worden. Artig, aber etwas nachl\u00e4ssig verneigte er sich vor Advon.<\/p>\n<p>\u201eHier. Nimm die Pferde und versorg sie. Und bring auf dem R\u00fcckweg ein gutes Fr\u00fchst\u00fcck mit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSofort, Herr K\u00e1\u2026 Herr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd gib gut acht, dass du es richtig machst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch bin schon unterwegs, Herr.\u201c Rolk wartete, bis Advon abgesessen war.<\/p>\n<p>\u201eKommt in mein Zelt, junger Freund!\u201c Der Ritter schob einladend die Plane beiseite. \u201eRolk versteht sich ausgezeichnet auf Pferde. Das Eure ist bei ihm in besten H\u00e4nden. Ach, Rolk?\u201c<\/p>\n<p>Der Junge war mit den Pferden schon losgegangen, blieb aber noch einmal stehen. Sein Herr warf ihm einen kleinen Beutel aus bunt besticktem Stoff zu. Rolk hob ihn auf, err\u00f6tete und f\u00fchrte den Schimmel und die Stute fort.<\/p>\n<p>Advon schaute ihm nach und schl\u00fcpfte dann ins Zelt. Rolks Bettstatt war unordentlich. Ein grober Wollumhang, den der Junge wohl als Decke nutzte, lag zusammengekn\u00fcllt halb auf dem Boden, neben der gro\u00dfen, nun leeren Glaskanne. Er setzte sich.<\/p>\n<p>\u201eWann werdet Ihr der <em>teirandanja<\/em> einen Besuch abstatten?\u201c, erkundigte er sich.<\/p>\n<p>\u201eIch denke, sobald es ganz hell geworden ist und <em>yarl<\/em> Ycelia wieder zur\u00fcckgekehrt ist. Ich m\u00f6chte nicht, dass sein Auftritt durch mein Hinzukommen geschm\u00e4lert wird. W\u00fcrdet Ihr mir derweil eine Freude und Ehre bereiten? Als kleine Geste zum Pferdekauf?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWomit kann ich Euch dienen?\u201c<\/p>\n<p>Der fremde Ritter hob den Helm auf, der neben seinem Bett am Boden stand. Er war \u00e4hnlich altmodisch wie der, den Advon sich aus dem Ausschusslager der Burg mitgenommen hatte.<\/p>\n<p>\u201eWas haltet Ihr von einem kleinen Waffengang, sobald wir unser Fr\u00fchst\u00fcck zu uns genommen haben? Nur zur \u00dcbung. Damit wir beide nicht einrosten wie unser Eisenzeug und uns beim Turnier sogleich zu Narren machen.\u201c<\/p>\n<p>Advon stutzte. Mit so einer Bitte hatte er nicht gerechnet. Aber die Anfrage war legitim. Immerhin waren sie alle hier, um sich in einigen Tagen vor Manj\u00e9v im Kampf zu messen. Und es konnte nicht schaden, sich mit der Art vertraut zu machen, mit der die unkundigen Ritter k\u00e4mpften.<\/p>\n<p>\u201eMit gro\u00dfem Vergn\u00fcgen\u201c, sagte er. \u201eIch bin dabei.\u201c<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4247","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4247","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4247"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4247\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4319,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4247\/revisions\/4319"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4247"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4247"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4247"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}