{"id":4246,"date":"2025-09-08T00:17:25","date_gmt":"2025-09-07T22:17:25","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4246"},"modified":"2025-09-08T00:17:25","modified_gmt":"2025-09-07T22:17:25","slug":"036-geschenke-und-verbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/036-geschenke-und-verbrechen\/","title":{"rendered":"036: Geschenke und Verbrechen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>An diesem Morgen war Truda achtsam. Aber auch Manj\u00e9v h\u00fctete sich, noch einmal zu verschlafen. Die beiden M\u00e4dchen hatten eine unruhige Nacht hinter sich. Truda war aufgeregt. All der Trubel, die interessanten G\u00e4ste, das versetzte das j\u00fcngere M\u00e4dchen in allergr\u00f6\u00dftes Interesse. Noch im Halbschlaf plapperte Truda schw\u00e4rmerisch vor sich hin.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v hatte versucht, wach zu bleiben, denn sie rechnete fest damit, dass D\u00fdamir\u00e9e und Advon erscheinen w\u00fcrden. Aber sie hatte vergeblich gewartet \u2013 bis zum Tumult, der bis in die dem Innenhof zugewandten R\u00e4ume der Burg zu h\u00f6ren gewesen war.<\/p>\n<p>Truda war gerade damit fertig, Manj\u00e9vs Haar in Z\u00f6pfe zu legen, als <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval in Begleitung von zwei K\u00fcchenm\u00e4gden erschien. Nun, da noch mehr G\u00e4ste auf der Burg weilten, holten die <em>teirandanja<\/em> und ihre Hofdame sich ihr Fr\u00fchst\u00fcck nicht mehr wie \u00fcblich aus der K\u00fcche, sondern wurden in ihrer Kemenate bedient.<\/p>\n<p>\u201eHerr J\u00f3ndere\u201c, erkundigte Manj\u00e9v sich und lie\u00df sich duftenden Bl\u00fctensud einschenken, \u201ewas war das f\u00fcr ein L\u00e4rm heute Nacht?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir wissen es nicht, Majest\u00e4t. Die Hunde scheinen im Garten etwas aufgesp\u00fcrt zu haben. Aber es hat niemand etwas gesehen oder geh\u00f6rt, au\u00dfer dem Gekl\u00e4ff.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin Kaninchen wird es wohl nicht gewesen sein\u201c; sagte Truda und brach zierlich vom Kr\u00e4uterbrot ab.<\/p>\n<p>Der Ritter hob die Schultern. \u201eAlle W\u00e4chter, die drau\u00dfen und auf der Mauer unterwegs waren, wurden befragt. Die Hunde waren aufgeregt und lie\u00dfen sich kaum beruhigen. Zwei der Tiere sind verletzt worden, als h\u00e4tten sie sich mit einem gro\u00dfen Waldschwein angelegt. Aber was sie aufgest\u00f6rt hat \u2013 keiner kann es sagen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie armen Hunde!\u201c, rief Manj\u00e9v aus.<\/p>\n<p>\u201eSie leben beide und werden genesen, Majest\u00e4t. Es ist nicht ganz auszuschlie\u00dfen, dass sie versucht haben, sich im Eifer gegenseitig zu zerfleischen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie unheimlich!\u201c<\/p>\n<p>\u201eImmerhin ist diesmal kaum Gem\u00fcse verheert worden.\u201c Der Ritter schaute den M\u00e4dchen unverwandt beim Essen zu. \u201eMajest\u00e4t, ich will Euch nicht zur Eile dr\u00e4ngen. Aber es ist schon wieder ein Ritter zugegen, der Euch seine Aufwartung machen will.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch verstehe. Lasst mich nur diesen Becher in Ruhe austrinken. Wer ist es diesmal?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer yarl von Ycelia, Majest\u00e4t. Herr Mad\u00fdc.\u201c<\/p>\n<p>\u201eYcelia!\u201c, sagte Truda begeistert. \u201eVon so weit her! Wie interessant! Sagt, Herr J\u00f3ndere, stimmt es, dass es da fast die ganze Zeit so kalt ist wie bei uns im Winter?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum fragst du ihn nicht selbst?\u201c Manj\u00e9v st\u00fcrzte den Rest vom Getr\u00e4nk herunter. \u201eDann muss ich mir keine geistreichen Bemerkungen ausdenken und kann Euch zuh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht ist es wirklich nicht das Schlechteste, wenn Ihr den hochedlen Herrn auf andere Gedanken bringt.\u201c J\u00f3ndere Mor\u00e9aval verbarg es gut, aber es entging Manj\u00e9v nicht, dass er ungeduldig war.<\/p>\n<p>\u201eWieso?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist derjenige Herr, der gestern die Beschmutzung seines Zeltes beklagte. Und er f\u00fcgte dem vorhin erst noch einen kleinen Diebstahl hinzu. Herr Daap ist sehr unmutig deswegen. Aber trotz der Geringf\u00fcgigkeit ist es nicht gut, wenn sich unter den Rittern jemand befindet, der es mit Anstand und Eigentum nicht so genau nimmt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGeringf\u00fcgigkeit?\u201c, fragte Truda, begierig, mehr zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eEine kostbare Flasche.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso tr\u00e4gt der yarl zerbrechliches Glas \u00fcber so weite Strecken in ein Zeltlager?\u201c<\/p>\n<p>Mor\u00e9aval l\u00e4chelte. \u201eIn Ycelia, so hei\u00dft es, legt man noch weit mehr Wert auf kostbare und sch\u00f6ne Dinge als in Iva\u00e1l.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVerst\u00e4ndlich\u201c, meinte Truda, nahm noch einen Schluck aus ihrem Becher und erhob sich.\u00a0 \u201eWenn es da immer kalt und kahl ist, haben sie wenig anzuschauen au\u00dfer Schnee und Eis.\u201c.<\/p>\n<p>Die beiden jungen Damen folgten dem Ritter. Diesmal ging es nicht ins Audienzgemach, sondern hinunter in die Halle. \u201eEs sind zu viele Leute. Es w\u00fcrde eng\u201c, erkl\u00e4rte der Ritter. \u201eHerr Mad\u00fdc ist ein Freund gro\u00dfer Auftritte.\u201c<\/p>\n<p>Als er die M\u00e4dchen auf die Galerie f\u00fchrte, die auf H\u00f6he der ersten Etage die Halle umspannte, waren unten allerdings noch nicht viele Personen. K\u00edan\u00e1 von Wijdlant und Asga\u00fd von Spagor sa\u00dfen auf ihren geschm\u00fcckten Sesseln. Vor der Estrade standen Andri\u00e9r Altabete und Daap Grootplen. Letzterer wirkte bek\u00fcmmert. In Herrn Andri\u00e9r schien \u00c4rger zu schwelen.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v gr\u00fc\u00dfte die Eltern herzlich, verneigte sich vor den Herren und nahm dann auf ihrem Sessel Platz. Truda und Mor\u00e9aval bezogen ihre angestammten Pl\u00e4tze an ihrer Seite.<\/p>\n<p>\u201eIhr seht betr\u00fcbt aus, Herr Daap\u201c, sagte Manj\u00e9v. \u201eHerr J\u00f3ndere erw\u00e4hnte Unsch\u00f6nes aus dem Zeltlager. Ist es deswegen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn es nur diese Kleinigkeiten w\u00e4ren\u201c, klagte der \u00e4ltere Ritter. \u201eEs f\u00fchrt sich anderenorts fort.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir werden nichts unversucht lassen, den dreisten Dieb zu stellen\u201c, versprach Asga\u00fd von Spagor. \u201eDer wird uns nicht entkommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber es gibt keine Hinweise! Die Spuren f\u00fchren aus dem Dorf hinaus und verlieren sich auf der Stra\u00dfe. Ich habe schon ein Halbdutzend M\u00e4nner hinterhergeschickt. Weit weg kann der Bursche ja nicht sein.\u201c Andri\u00e9r Altabete war sichtlich aufgebracht. \u201eBei den M\u00e4chten! Ein dreister Pferdedieb! Gerade jetzt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas wurde denn gestohlen?\u201c, wunderte sich Manj\u00e9v. \u201eGing es nicht um einen Krug?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin Pferd, Majest\u00e4t. Eine Dame, die nicht genannt werden will, hat es im Hauptdorf einem Eurer Schutzbefohlenen zur Aufbewahrung anvertraut. Der arme Kerl ist untr\u00f6stlich und kann sich nicht erkl\u00e4ren, wie das passieren konnte. Er schw\u00f6rt bei den M\u00e4chten, dass er damit nichts zu tun hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eOh\u201c, machte Truda. Manj\u00e9v wusste, wieso und war genauso alarmiert.<\/p>\n<p>\u201eUnd es ist ganz sicher\u201c, erkundigte sich K\u00edan\u00e1 von Wijdlant, \u201edass das Tier nicht ausgebrochen ist oder beiseitegebracht wurde?\u201c<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr den Schmied lege ich meine Hand ins Feuer\u201c, sagte Altabete. \u201eDer ehrlichste Mensch unter Patagh\u00edus Glanz. Seit Ewigkeiten vertraue ich ihm meine Pferde und mein Eisenzeug an.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn jemand gerade jetzt und hier und jetzt so dreist ist, ein Pferd zu stehlen\u201c, \u00fcberlegte der <em>teirand<\/em>, \u201edann doch sicherlich, um es beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> zu nutzen. Oder zu diesem Zweck zu verkaufen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchwer denkbar. Der Beschreibung nach ist es ein sehr auff\u00e4lliges Pferd. Es w\u00fcrde augenblicklich auffallen, wenn es irgendwo auftauchte. Der Dieb kann nicht ganz bei Trost sein, wenn er denkt, damit ungesehen zu entkommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas soll das f\u00fcr eine Dame sein, die dem Schmied ein Pferd zur Aufbewahrung gibt? Und warum?\u201c, \u00fcberlegte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant.<\/p>\n<p>\u201eJa, wer k\u00f6nnte das nur sein?\u201c Manj\u00e9v glaubte, sich zu verraten, wenn sie noch ein Wort mehr sagte. Aber selbst Truda, die eines so lockere Zunge hatte, wusste wann es besser war, zu schweigen. Bei den M\u00e4chten! All die M\u00fche, die T\u00edjnje sich gegeben hatte \u2013 ruiniert durch einen sch\u00e4bigen Pferdedieb!<\/p>\n<p>\u201eHerr Andri\u00e9r\u201c, sagte Asga\u00fd von Spagor. \u201eIch vertraue Euch, dass Ihr die Angelegenheit schnell und ohne Aufsehen l\u00f6st. Nehmt Euch weitere Gehilfen, soviel abk\u00f6mmlich sind, und begebt Euch zun\u00e4chst zum Lager der Ritter.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht versucht jemand, das gestohlene Pferd einem Arglosen anzudingen, um sich zu bereichern. Sorgt daf\u00fcr, dass niemand auf die Sache hereinf\u00e4llt. Unsere lieben G\u00e4ste m\u00fcssen gewarnt werden.\u201c K\u00edan\u00e1 von Wijdlant sch\u00fcttelte bek\u00fcmmert den Kopf. \u201eWas f\u00fcr ein peinlicher Vorfall. Lasst verk\u00fcnden, dass, wer immer mit diesem Pferd vorgefunden wird, mit strenger Strafe zu rechnen hat. Vor aller Augen.\u201c<\/p>\n<p>Andri\u00e9r Altabete verneigte sich. Seine grimmige Miene lie\u00df keinen Zweifel daran, wie ernst er das Gebot seiner <em>teiranday<\/em> nahm.<\/p>\n<p>\u201eUnd wenn das Pferd verschwunden bleibt?\u201c, fragte Manj\u00e9v so beil\u00e4ufig, wie es ihr m\u00f6glich war.<\/p>\n<p>\u201eDann muss die ungenannte Dame sich wohl zu erkennen geben, damit sich die Sache regeln l\u00e4sst. Nicht wahr, Asga\u00fd?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch denke, <em>yarl<\/em> Althopian wird einen Ersatz stellen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v schloss die Augen. Mochten die M\u00e4chte geben, dass der ahnungslose Wa\u00fdreth Althopian nicht eines seiner eigenen Pferde ersetzen musste.<\/p>\n<p>\u201eGut. Nachdem nun diese Sache in die Wege geleitet ist, lasst uns unseren lieben Gast begr\u00fc\u00dfen.\u201c K\u00edan\u00e1 von Wijdlant erhob sich und klatschte in die H\u00e4nde. Die beiden W\u00e4chter an der Eingangst\u00fcr \u00f6ffneten, um die davor Wartenden einzulassen.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v blinzelte. Ein h\u00fcnenhafter Mann in vornehmem R\u00fcstzeug trat in die Halle ein, verneigte sich und kam selbstsicheren Schrittes auf die <em>teiranday<\/em>, die drei Ritter und die M\u00e4dchen zu. In den ersten Sonnstrahlen, die durch die Fenster drangen, blitzte und blinkte das Gewand \u00fcber seinem Eisenzeug. Es war mit vielen kleinen Spiegelpl\u00e4ttchen bestickt, sein Mantel mit zartflauschigem, schneewei\u00dfen Pelz verbr\u00e4mt. Unter dem Arm trug er einen Helm mit einem ebenso duftigen Schmuck. Gegen diese Pracht wirkten Grootplen, Altabete und Mor\u00e9aval in ihren schlichten bunten Waffenr\u00f6cken regelrecht bescheiden.<\/p>\n<p>Mit ihm traten sechs Knappen ein und folgten ihrem Herrn. Sie waren \u00e4hnlich, aber etwas dezenter gekleidet. Jeder trug etwas in der Hand, einen kleinen Korb, eine Schatulle oder ein kleines Gef\u00e4\u00df.<\/p>\n<p><em>Yarl<\/em> Ycelia kam vor der Estrade zu stehen, verneigte sich und zog sein Schwert. Formvollendet legte er es vor den <em>teiranda<\/em> auf dem Boden ab, trat einen Schritt zur\u00fcck und senkte artig den Blick.<\/p>\n<p>\u201eHerr Mad\u00fdc!\u201c K\u00edan\u00e1 von Wijdlant erhob sich, stieg von der Estrade hinab und reichte dem Ritter ihre H\u00e4nde. \u201eWillkommen! Welche Freude!\u201c<\/p>\n<p>Asga\u00fd von Spagor schloss sich an. \u201eSo weit seid Ihr gereist, um unser Fest zu beehren. Hocherfreut sind wir, Euch zu sehen!\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v zuckte zusammen, weil Truda sie sanft anstupste. Hastig erhob die <em>teirandanja<\/em> sich. \u201eHochedler Herr! Ich freue mich, Euch in Wijdlant willkommen zu hei\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHochedle <em>f\u00e1njula<\/em>, Herrin und Gebieterin \u00fcber Wijdlant und Spagor. Welche Ehre, welches Gl\u00fcck und welche F\u00fcgung, Euch von Angesicht zu begegnen!\u201c<\/p>\n<p>Er verneigte sich so tief vor ihr, dass es ihr unangenehm war. Huldvoll reichte sie ihm die Hand und war verwundert, wie vorsichtig er sie ergriff und einem kleinen Moment zu lang festhielt.<\/p>\n<p>\u201eHochedle <em>teirandanja<\/em>\u201c, sagte er, nachdem sie ihm ihre Finger sehr behutsam entzogen und sich wieder gesetzt hatte, \u201eerlaubt mir, Euch einige kleine Pr\u00e4sente aus meiner Heimat darzubringen.\u201c<\/p>\n<p>So vollendet, als h\u00e4tten sie einen Tanz einge\u00fcbt, trat ein Knappe nach dem anderen vor und pr\u00e4sentierte ihr das jeweilige Pr\u00e4sent. Truda trat vor und nahm die Geschenke entgegen, um sie an Manj\u00e9v weiterzureichen. Manj\u00e9v seufzte innerlich, sp\u00fcrte sie doch die erwartungsvollen Blicke der Eltern auf sich ruhen. Das \u00dcbliche war es, wenn auch sehr geschmackvoll verpackt und von \u00e4u\u00dferst erlesener G\u00fcte. Seifen und Duftw\u00e4sser, kostbare K\u00e4mme und Spangen und glitzernder Schmuck. Die <em>teirandanja<\/em> fragte sich, warum so viele der jungen Herren ausgerechnet Seife schenkten. Vermuteten sie etwa, sie w\u00fcrde sich zu selten waschen?<\/p>\n<p>Truda genoss die Aufmerksamkeit und hatte f\u00fcr jeden der jungen M\u00e4nner ein herzliches L\u00e4cheln. Ob einer der Knappen f\u00fcr sie bestimmt war? Manj\u00e9v wandte Herrn Mad\u00fdc zu. Nun ja \u2026 ein anst\u00e4ndiger, braver Mann schien das zu sein, m\u00f6glicherweise auch ein respektabler K\u00e4mpfer. Aber Hoffnungen machen \u2026 nein. Das wollte sie nicht. Das w\u00e4re nicht gut und das verdiente er nicht.<\/p>\n<p>Truda nahm das letzte Geschenk an und stutzte. Hilfe suchend wandte sie sich ihrer Herrin zu.<\/p>\n<p>\u201eWie interessant, Herr Mad\u00fdc\u201c, sagte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant. \u201eEin kleines Haustier? Aus Ycelia?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSeht doch nur\u201c, ging der <em>yarl<\/em> \u00fcber diese Frage hinweg. Offenbar war er hocherfreut dar\u00fcber, wie gebannt Manj\u00e9v war. \u201eWie h\u00fcbsch und drollig es ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGib mir den K\u00e4fig, Truda\u201c, forderte Manj\u00e9v. \u201eLass es mich n\u00e4her anschauen.\u201c<\/p>\n<p>Truda reichte Manj\u00e9v das vergitterte K\u00e4stchen an. Das schwarze Eichh\u00f6rnchen darin hielt sich mit seinen kleinen H\u00e4ndchen am Gitter fest und schaute ihr ruhig und Gesicht. Die dunklen Knopf\u00e4uglein schimmerten, als strahle Mondlicht in ihrer Tiefe.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v erstarrte. Wie konnte das sein? Wie kam D\u00fdamir\u00e9e in die Gewalt des <em>yarl<\/em>?<\/p>\n<p>\u201eManj\u00e9v?\u201c, fragte Asga\u00fd von Spagor.<\/p>\n<p>\u201eEs \u2026 ist niedlich\u201c, sagte Manj\u00e9v schnell. \u201eIch danke Euch, Herr Mad\u00fdc. Was f\u00fcr ein h\u00fcbsches Tierchen. Ist es zahm?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn Ihr ihm ein kleines Geschirr anlegt, wird es Euch sicher nicht entwischen.\u201c Ycelia war sichtlich erfreut. \u201eSchaut doch nur, das sch\u00f6ne schwarze Fell. Habt Ihr schon einmal ein <em>pechschwarzes<\/em> Eichh\u00f6rnchen gesehen? Sie sind sehr selten, und so selten ist das Fell so fein \u2026\u201c<\/p>\n<p>Manj\u00e9v hielt dem Tierchen ihre Fingerspitze entgegen. Das Eichh\u00f6rnchen griff durch das Gitter und legte sein Pf\u00f6tchen darauf.<\/p>\n<p>\u201eTruda\u201c, sagte sie. \u201eSei so gut. Bring dieses liebe kleine Tierchen gleich in mein Gemach. Und besorge eine Handvoll N\u00fcsse aus der K\u00fcche. Bestimmt hat es Hunger.\u201c<\/p>\n<p>Truda nahm den K\u00e4fig an sich. Sie schaute entt\u00e4uscht drein. Die Audienz nun zu verlassen, passte ihr nicht, das war offensichtlich. Vielleicht gefiel ihr tats\u00e4chlich einer der Knappen.<\/p>\n<p>\u201eUnd du, kleines Eichh\u00f6rnchen\u201c, setzte Manj\u00e9v hinzu, \u201elauf nicht weg. Ich denke, wir werden uns gut miteinander verstehen.\u201c<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Gerade erst hatte der Hahn gekr\u00e4ht und die Wirtsleute und ihr Gesinde daran gemahnt, dass Pataghi\u00fas Glanz sich \u00fcber den Montaz\u00edel erhob und die Helligkeit brachte, die f\u00fcrs Tagwerk vonn\u00f6ten war.<\/p>\n<p>T\u00edjnje hatte das ignoriert und sich wieder umgedreht. Nicht, dass sie noch einmal h\u00e4tte einschlafen wollen. Aber einen Moment l\u00e4nger rasten, bevor sie sich auf den Weg machten, das mochte doch wohl in Ordnung sein.<\/p>\n<p>Die <em>eld-yarlara<\/em> im Bett nebenan schlummerte noch friedlich. Wahrscheinlich hatte sie es l\u00e4ngst gelernt, den Hahnenschrei zu ignorieren. Oder sie war einfach zu ersch\u00f6pft von der ungewohnten weiten Reise.<\/p>\n<p>T\u00edjnje l\u00e4chelte. Bald, bald w\u00e4re der Gro\u00dfvater vom Hofdienst in Wijdlant befreit, vielleicht schon direkt nach dem vaspos\u00e1r. Dann w\u00e4re L\u00e1as der Gesandte des <em>yarlm\u00e1lon<\/em>, und die beiden alternden <em>h\u00fdardoray<\/em> h\u00e4tten keinen Grund mehr, sich lange voneinander zu trennen. Mochten die M\u00e4chte ihnen noch viele gute Sommer beieinander bescheren.<\/p>\n<p>Das junge M\u00e4dchen kuschelte sich ins Kissen, lange nicht so gut und bequem wie das gewohnte Nachtlager in Manj\u00e9vs Kemenate, aber sauber und angemessen. Sie legte die Arme um das mit gewaschener Schafswolle gestopfte Leinen und stellte sich vor, es sei J\u00e1ndris. Ob ihm der Helmschmuck gefallen w\u00fcrde? Hoffentlich gab Truda gut darauf Acht!<\/p>\n<p>\u00dcber diesen Gedanken d\u00f6ste sie tats\u00e4chlich noch einen Augenblick ein. Bis direkt vor dem Haus, nur wenig ged\u00e4mpft durch die h\u00f6lzernen Fensterl\u00e4den, jemand so laut schrie, dass es T\u00edjnje durch Mark und Bein ging. Sie schrak aus ihren Kissen auf.<\/p>\n<p>Nun war auch die <em>eld-yarlara<\/em> wach. Geschrocken sa\u00df die \u00e4ltere Dame stocksteif auf dem Bett.<\/p>\n<p>\u201eWas? Was ist das?\u201c, rief sie aus.<\/p>\n<p>T\u00edjnje war bereits auf den F\u00fc\u00dfen und riss das Fenster auf. Drunten standen Leute, Knechte des Gasthofes und einige fr\u00fche G\u00e4ste, die bereits mit dem Hahn aufgestanden waren. Neugierig gesellten sie sich zu den in schmutzige Kleidung gewandeten M\u00e4nnern, von denen einer eines der K\u00fcchenm\u00e4dchen st\u00fctzte. Das war wohl die, die geschrien hatte und der nun die Sinne zu schwinden drohten.<\/p>\n<p>\u201eT\u00edjnje!\u201c, rief die <em>yarlara<\/em> entsetzt aus. \u201eIm Nachtkleid! Vor aller Augen! Komm sofort weg vom Fenster!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa drau\u00dfen ist was los!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs schickt sich nicht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch will nachschauen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eKind! Vor all den Blicken!\u201c<\/p>\n<p>Es kostete T\u00edjnje mehrere Hundert Herzschl\u00e4ge, bis sie ihr Kleid so \u00fcbergeworfen hatte, dass sie den Raum verlassen konnte. Bis dahin hatte sich im Freien eine gro\u00dfe Schar Schaulustiger versammelt, allerdings nicht direkt am Haus, sondern etwas abseits, dort, wo die Aborth\u00fctte war. Dort machten sich mehrere Personen zu schaffen, und es stank.<\/p>\n<p>\u201eNicht, Herrin!\u201c Tridna sah die Edeldame heraneilen. \u201eKein Anblick f\u00fcr Eure Augen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eAber f\u00fcr deine etwa? Was ist los?\u201c<\/p>\n<p>Tridna senkte den Blick. \u201eEin Toter, Herrin! Sie haben einen Leichnam gefunden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAuf dem <em>Abort<\/em>?\u201c T\u00edjnje hob erstaunt die Brauen. \u201eWas f\u00fcr ein sonderbarer Moment, um hinter die Tr\u00e4ume zu gehen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eGewisserma\u00dfen. Oh, Herrin, es ist so schrecklich \u2026\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje stellte sich auf die Zehenspitzen und machte den Hals lang, um \u00fcber den Menschenpulk hinweg zu schauen. Ganz vorne war L\u00e1as dabei, der die meisten anderen M\u00e4nner \u00fcberragte. Da konnte J\u00e1ndris nicht weit sein. Sie setzte sich entschlossen in Bewegung und bahnte sich einen Weg durch die Menge, versuchte, aus dem Stimmengewirr etwas herauszuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>\u201eMacht Platz! Macht Platz f\u00fcr die <em>yarlaranda<\/em> von Mor\u00e9aval!\u201c, verschaffte sie sich schlie\u00dflich Geh\u00f6r, als sie auf eine Wand aus M\u00e4nnerr\u00fccken stie\u00df. \u201eWas geht hier vor?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerrin!\u201c Der Herbergswirt eilte herbei. \u201eHerrin, eine Ungeheuerlichkeit! Bleibt zur\u00fcck, um eures Gem\u00fctes Willen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hier ist Grund und Boden meines Gro\u00dfvaters!\u201c, versuchte T\u00edjnje, sich zu rechtfertigen. \u201eDie <em>eld-yarlara<\/em>, eure Herrin, w\u00fcnscht zu erfahren, was passiert ist!\u201c<\/p>\n<p>Die Gastwirtin und ein Teil des Gesindes kam dem Mann zu Hilfe. Als ob sie es einge\u00fcbt h\u00e4tten, dr\u00e4ngten sie das junge M\u00e4dchen vom Geschehen ab. Aus ihren bem\u00fchten, sehr vorsichtigen Worten erfuhr T\u00edjnje, was sich zugetragen hatte. Wie an jedem Morgen, etwa mit der ersten D\u00e4mmerung, hatten die Knechte, die dazu bestellt waren, den Abort zu leeren, den Toten vorgefunden. T\u00edjnje erfuhr, dass die M\u00e4nner die wenig geliebte, aber verantwortungsvolle Aufgabe hatten, den wertvollen Mist der Herbergsbesucher t\u00e4glich abzutransportieren, auf dass es guter Feldd\u00fcnger werde.<\/p>\n<p>\u201eM\u00f6gen der \u00c4rmste seinen Frieden hinter den Tr\u00e4umen finden\u201c, sagte T\u00edjnje betroffen. \u201eAber warum dieser Aufruhr? Wieso nicht ein wenig \u2026 Diskretion?\u201c<\/p>\n<p>Eine Frau, die sich ebenfalls unter die Schaulustigen gemischt hatte, wandte sich ihr zu. \u201eEs sieht ganz so aus, als sei der Ungl\u00fcckliche nicht ganz so friedlich hinter die Tr\u00e4ume gelangt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie meint Ihr das?\u201c<\/p>\n<p>Die Frau verneigte sich knapp. T\u00edjnje erkannte an ihrer wertvollen Kleidung, dass es sich um eine Edeldame handelte. Sie senkte ebenfalls h\u00f6flich den Blick.<\/p>\n<p>\u201eIch bin V\u00e1lgundra Robst\u00e9nar\u201c, gab die andere sich zu erkennen. \u201eEs scheint, dass ein geradezu abscheulicher Mord stattgefunden hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin Mord? Hier, im <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Grootplen? Verzeiht, hochedle Dame. Ich bin T\u00edjnje Mor\u00e9aval. <em>Yarl<\/em> Grootplen ist mein Gro\u00dfvater. Damit betrifft die Sache auch mich. Lasst mich durch.\u201c<\/p>\n<p>Frau V\u00e1lgundra ging einen Schritt beiseite. \u201eHe! Platz f\u00fcr die <em>yarlaranda<\/em>!\u201c, rief sie aus. Ihre Stimme klang, als sei sie das Befehlen gewohnt. Tats\u00e4chlich machten die Leute gehorsam Platz. T\u00edjnje trat vor, sah und bereute es sofort, denn der Anblick war ekelhaft.<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten\u201c, hauchte sie.<\/p>\n<p>\u201eT\u00edjnje!\u201c L\u00e1as wurde ihrer gewahr und trat ihr ins Blickfeld. \u201eDas ist nichts f\u00fcr deine Augen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist da geschehen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eOffenbar hat ihn jemand abgestochen und dann in der Grube verschwinden lassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie ekelerregend und wie schmachvoll!\u201c, sagte ein anderer Mann.<\/p>\n<p>\u201eJa\u201c, stimmte jemand anderes zu. \u201eBei den M\u00e4chten, wir hatten ja keine Ahnung!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie entw\u00fcrdigend!\u201c<\/p>\n<p>\u201eStellt Euch vor, wer wei\u00df, wer alles auf ihn gesch\u2026 nun. Im Dunklen hat es ja keiner gesehen \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201ePlatz\u201c, h\u00f6rte T\u00edjnje eine vertraute Stimme. J\u00e1ndris bahnte sich einen Weg durch die Menge, gefolgt von einem anderen Ritter in schwarz-rotem Waffenrock und ein paar anderen M\u00e4nnern. Alle trugen Eimer mit Wasser. \u201eTretet zur\u00fcck! Lasst uns die \u2026\u201c Er bemerkte, dass T\u00edjnje und die andere <em>yarlara<\/em> anwesend waren. \u201eLasst uns ihn s\u00e4ubern! Vielleicht erkennt ihn jemand! Geht beiseite!\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje lie\u00df ihn vorbei. \u201eErkennen?\u201c, fragte sie.<\/p>\n<p>Frau V\u00e1lgundra zuckte die Achseln. Sie sah nicht besonders betroffen aus, schien aber durchaus interessiert am Geschehen. \u201eEs wird wohl keiner von den G\u00e4sten vermisst.\u201c<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner leerten ihre Wassereimer \u00fcber dem Leichnam. Die Abortknechte hatten den K\u00f6rper nur rasch aus der Grube und ins Freie gezerrt, besudelt und stinkend, wie er war. Nun sp\u00fclte klares Wasser den gr\u00f6bsten Schmutz fort. Die Umstehenden starrten und tuschelten.<\/p>\n<p>Der Wirt trat n\u00e4her. Dann wandte er sich den Leuten zu und sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eVon <em>meinen<\/em> Leuten ist das keiner.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKennt jemand diesen Mann?\u201c, fragte L\u00e1as. \u201eWei\u00df jemand, wer das ist? Und warum ihn jemand den Hals aufgeschlitzt haben k\u00f6nnte? Hat jemand etwas Verd\u00e4chtiges beobachtet?\u201c<\/p>\n<p>Herbergsgesinde und G\u00e4ste begutachteten den Toten ratlos. Ein junger Mann, noch weit vor dem drei\u00dfigsten Sommer war es, rothaarig, sommersprossig und mit gro\u00dfen, hellen Augen, die weit aufgerissen in den Himmel starrten. Er sah im Tod fast verbl\u00fcfft aus.<\/p>\n<p>Aber niemand schien zu erkennen, wer es war. Zumindest meldete sich niemand zu Wort.<\/p>\n<p>\u201eGut\u201c, sagte L\u00e1as. \u201eWenn hier niemand etwas zur Sache zu sagen hat, dann geht nun und k\u00fcmmert euch um euren Kram. Das gilt auch f\u00fcr unser Gefolge. Haltet euch bereit. Sobald die <em>eld-yarlara<\/em> zum Aufbruch bereit ist, ziehen wir weiter. Wir k\u00fcmmern uns darum, dass der Vorfall untersucht wird.\u201c<\/p>\n<p>Die Leute f\u00fchlten sich offensichtlich zun\u00e4chst nicht angesprochen. Erst, als L\u00e1as seine Forderung wiederholte, zerstreute sich die Menge, murmelnd und aufgest\u00f6rt. Nur die Wirtsleute und die beiden verlegenen Abortknechte blieben stehen. Und der fremde Ritter, der mit grimmiger Miene an der Seite der Dame Stellung bezog. Au\u00dferdem Tridna, die nicht so recht zu wissen schien, wohin mit sich.<\/p>\n<p>\u201eEin Skandal\u201c, sagte Frau V\u00e1lgundra. \u201eUnd so sinnlos.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, sinnlos wird es wohl nicht sein. Ansonsten h\u00e4tte sich der M\u00f6rder wohl nicht entschlossen, den armen Kerl in der Sch\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eBj\u00f6ngsten! Achte auf deine Zunge!\u201c<\/p>\n<p>\u201e\u2026 ihn auf diese Weise zu verbergen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie lange er da wohl schon gelegen hat?\u201c, \u00fcberlegte J\u00e1ndris und trat so unauff\u00e4llig wie m\u00f6glich an T\u00edjnjes Seite.<\/p>\n<p>\u201eSicher nicht l\u00e4nger als einen Tag\u201c, sagte die Wirtin. Sie bem\u00fchte sich sichtlich, den Toten nicht anzuschauen. \u201eWir lassen den Mist &#8230; ich meine, es wird t\u00e4glich sauber gemacht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten\u201c, murmelte J\u00e1ndris. \u201eIch hab mich gestern mehrfach hier erleichtert. M\u00f6gen die M\u00e4chte mir verzeihen, was ich ihm hier ohne mein Wissen angetan habe.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch <em>wei\u00df<\/em>, wer das ist\u201c, sagte T\u00edjnje leise. Alle Blicke wandten sich ihr zu.<\/p>\n<p>\u201eWoher wei\u00dft du \u2026 ich meine: Woher wisst Ihr das, Frau T\u00edjnje?\u201c, fragte J\u00e1ndris.<\/p>\n<p>Sie trat einen Schritt vor und schaute entsetzt, besch\u00e4mt und bet\u00e4ubt auf den Rothaarigen hinab. Bei den M\u00e4chten, nun, da sein Gesicht halbwegs sauber war \u2026 und das bedeutete \u2026<\/p>\n<p>\u201eDas ist der Bote\u201c, sagte sie leise. \u201e<em>Mein<\/em> Bote.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEuer Bote, Frau T\u00edjnje?\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch hab ihn aus einem der Nebend\u00f6rfer angeworben, um einen Brief zu \u00fcberbringen.\u201c Sie blickte auf. \u201eWo sind <em>yarl<\/em> Emberbey und <em>yarl<\/em> Althopian?\u201c<\/p>\n<p>L\u00e1as wechselte einen raschen Blick mit J\u00e1ndris.<\/p>\n<p>\u201eDie sind gestern Nacht aufgebrochen\u201c, sagte J\u00e1ndris. \u201eMit dei\u2026 mit <em>Eurem<\/em> Boten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHier.\u201c L\u00e1as reichte ihr ein St\u00fcck Papier, das er aus seiner G\u00fcrteltasche zog. \u201eDas hat er f\u00fcr die <em>eld-yarlara<\/em> dagelassen.\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje nahm den Brief entgegen. Sie musste nicht lange darauf schauen.<\/p>\n<p>\u201eDas <em>ist<\/em> der Brief\u201c, sagte sie leise. \u201eEr h\u00e4tte in H\u00e4nden dieses armen redlichen Burschen sein m\u00fcssen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann war das wohl das Tatmotiv? Den Brief an sich zu bringen?\u201c, fragte J\u00e1ndris.<\/p>\n<p>\u201eDas ergibt \u00fcberhaupt keinen Sinn!\u201c<\/p>\n<p>Der fremde Ritter nahm ihr den Brief ungefragt aus der Hand.<\/p>\n<p>\u201eBj\u00f6ngsten!\u201c, mahnte die Dame, aber er lie\u00df sich nicht beirren.<\/p>\n<p>\u201eSchaut\u201c, sagte er. \u201eDas Siegel.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas ist damit?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa ist Wachs von einer anderen Farbe daran.\u201c<\/p>\n<p>Sie umringten den Brief. Tats\u00e4chlich. Deutlich zu erkennen auf dem roten, erbrochenem Siegel klebten Reste von billigem wei\u00dfen Wachs.<\/p>\n<p>\u201eVerflucht\u201c, zischte J\u00e1ndris. \u201eDas haben wir alle gestern nicht bemerkt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie denn auch\u201c, versuchte L\u00e1as, ihn zu beschwichtigen. \u201eEs war ja stockduster, und das Siegel schon erbrochen!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas geht hier vor sich?\u201c, fragte die Dame V\u00e1lgundra.<\/p>\n<p>\u201eEs scheint\u201c, erkl\u00e4rte J\u00e1ndris und faltete den Brief zusammen, \u201eals habe jemand \u2013 warum auch immer \u2013 dem hier den Brief gestohlen, den Inhalt gelesen und sei dann in seine Rolle geschl\u00fcpft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hei\u00dft\u201c, sagte T\u00edjnje verst\u00f6rt, \u201eHerr Osse und Herr Merrit sind in Gefahr.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBleib ruhig\u201c, bat J\u00e1ndris. Aber sein Gesicht war bar jeder gewohnten Schalkhaftigkeit. Das machte T\u00edjnje beinahe Angst. \u201eHerr Merrit <em>l\u00e4sst<\/em> sich nicht in Gefahr bringen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHa!\u201c, schnaufte Bj\u00f6ngsten Robst\u00e9nar.<\/p>\n<p>\u201eHerr\u201c, wandte die Wirtin sacht ein, \u201ewas tun wir nun? Was ist davon zu halten?\u201c<\/p>\n<p>\u201eBitte\u201c, sagte T\u00edjnje. \u201eBringt den Ungl\u00fccklichen hier au\u00dfer Sicht, dass ihn niemand mehr angafft. Ich gebe Euch Geld. Bitte sorgt daf\u00fcr, dass jemand ihn so schnell wie m\u00f6glich nach Wijdlant bringt. Ich k\u00fcmmere mich um alles Wichtige. Die Seinen sollen ihn w\u00fcrdevoll bestatten. Gebt mir nur einen Moment, mich zu sammeln. Wir brechen so schnell wie nur m\u00f6glich auf.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSollen wir voraus, Frau T\u00edjnje?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, Herr L\u00e1as. Wir holen sie doch nicht ein. Aber wir m\u00fcssen ihnen schnell hinterher. Ach, wenn wir doch Gro\u00dfmutter und all die jungen Leute nicht beh\u00fcten m\u00fcssten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHochedle Dame?\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje wandte sich dem fremden Ritter zu. Er verneigte sich f\u00f6rmlich.<\/p>\n<p>\u201eEs w\u00e4re mir eine Ehre, Euch <em>vorauszureiten<\/em> und die hochedlen <em>yarlay<\/em> zu warnen. Mein Pferd ist schnell.\u201c<\/p>\n<p>T\u00edjnje war erstaunt. Nicht minder verwirrt schauten L\u00e1as und J\u00e1ndris drein.<\/p>\n<p>\u201eEs .. w\u00e4re eine gro\u00dfe Hilfe f\u00fcr und, wenn Ihr das t\u00e4tet, <em>yarl<\/em> Robst\u00e9nar\u201c, sagte sie vorsichtig. \u201eAber warum?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs ist mir ein pers\u00f6nliches Anliegen, <em>yarl<\/em> Althopian im ehrenvollen Gestech zu begegnen. Ich mag ihn nicht einem r\u00e4tselhaften Schurken \u00fcberlassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist \u2026 ein ungew\u00f6hnliches Motiv\u201c, sagte T\u00edjnje befremdet.<\/p>\n<p>\u201eEs ist vollkommen legitim\u201c, schaltete L\u00e1as sich ein. \u201eWenn die Sorge wohl auch unberechtigt ist. Herr Merrit ist unbesiegbar.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas wird sich zeigen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch, Bj\u00f6ngsten\u201c, seufzte die Dame. Sonderlich \u00fcberrascht wirkte sie nicht.<\/p>\n<p>\u201eSchlie\u00dft Euch unserer Gesellschaft an, w\u00e4hrend Euer Bruder vorausreitet, Frau V\u00e1lgundra.\u201c J\u00e1ndris verneigte sich. \u201eDie <em>eld-yarlara<\/em> wird hocherfreut sein, eine edle Dame begr\u00fc\u00dfen zu d\u00fcrfen.\u201c<\/p>\n<p>Die Dame nickte huldvoll. T\u00edjnje \u00fcberlegte kurz. Dann nickte sie. \u201eSo sei es. Und nun schnell. Jeder mache sich reisefertig, so schnell es geht. M\u00f6gen die M\u00e4chte geben, dass Merrit und Osse nicht in einen Hinterhalt geraten sind.\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4246","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4246"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4246\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4274,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4246\/revisions\/4274"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4246"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4246"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}