{"id":4243,"date":"2025-09-08T00:19:20","date_gmt":"2025-09-07T22:19:20","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4243"},"modified":"2025-12-15T20:27:03","modified_gmt":"2025-12-15T19:27:03","slug":"039-trudas-geplauder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/08\/039-trudas-geplauder\/","title":{"rendered":"039: Trudas Geplauder"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-image:url(&#039;https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp&#039;);--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column fusion-column-has-bg-image\" data-bg-url=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"512\" height=\"800\" title=\"Scherbenlied_cover_neu\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Scherbenlied_cover_neu.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1990\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Scherbenlied_cover_neu-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Scherbenlied_cover_neu-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Scherbenlied_cover_neu-400x625.webp 400w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Scherbenlied_cover_neu.webp 512w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 400px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Truda hatte sich nicht ganz genau an Manj\u00e9vs Anweisungen gehalten. Sie hatte den kleinen K\u00e4fig mit dem Eichh\u00f6rnchen zwar hinauf zur Kemenate gebracht. Das Tierchen war sehr brav gewesen, ohne sich zu regen oder L\u00e4rm zu machen. Die W\u00e4chter, die den Korridor zu den Familiengem\u00e4chern beaufsichtigten, schauten ihr neugierig entgegen.<\/p>\n<p>\u201eNur ein weiteres Geschenk\u201c, hatte Truda erkl\u00e4rt. \u201eIch bringe es nur rasch in die Stube und bin sogleich wieder bei der <em>teirandanja<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen es anschauen, Herrin. Ihr wisst schon, weshalb.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSelbstverst\u00e4ndlich.\u201c Truda hielt den M\u00e4nnern den K\u00e4fig hin. \u201eEs ist nichts Gef\u00e4hrliches drinnen, was entweichen k\u00f6nnte. Nichts, was der <em>teirandanja<\/em> schaden k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Das H\u00f6rnchen regte sich. Es setzte sich auf, fasste mit den Vorderpf\u00f6tchen die Gitterst\u00e4be und sah unfassbar niedlich aus. Mit blanken \u00c4uglein blinzelte es die Wachen an.<\/p>\n<p>\u201eHe!\u201c, rief der eine aus. \u201eDas ist doch das Viech von vorgestern Nacht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eTats\u00e4chlich!\u201c Der andere nahm Truda den K\u00e4fig ab, um besser hineinschauen zu k\u00f6nnen. \u201eNa, das geschieht dir recht! Hat dich wohl wer geschnappt, du kleiner Spielkartendieb!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWovon redet ihr?\u201c, fragte Truda verwirrt und nahm den K\u00e4fig wieder an sich.<\/p>\n<p>\u201eNichts, Herrin. Von wem ist dieses Geschenk?\u201c<\/p>\n<p>\u201eVon <em>yarl<\/em> Ycelia. Den Rest seiner Pr\u00e4sente wird wohl demn\u00e4chst jemand hier herauf tragen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann ist es wohl doch ein anderes. Hatte nicht gedacht, dass Schw\u00e4rzlinge so h\u00e4ufig sind bei diesen Tieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeinst du?\u201c, fragte der andere zweifelnd. \u201eDas w\u00e4re doch ein gewaltiger Zufall, oder?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs kann nicht dasselbe sein. \u00dcberleg doch! Bis in den Wehrgang rein bin ich dem Biest nachgerannt.\u201c<\/p>\n<p>Das Eichh\u00f6rnchen schaute von einem zum anderen. Truda runzelte die Stirn. \u201eWorum geht es hier?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNichts weiter, Herrin. Es ist nur so, dass vorgestern genau ein solches schwarzes Eichh\u00f6rnchen nachts durch die Burg flitzte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVielleicht ist es dem <em>yarl<\/em> entwischt\u201c, \u00fcberlegte der erste W\u00e4rter. \u201eOder er hat es vorgeschickt, um die Burg zu erkunden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist doch albern!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso? Wenn es zahm ist, dann hat es vielleicht einen Auftrag. Wie eine Brieftaube, oder \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eJedenfalls ist das Viech ins \u00e4u\u00dfere Dachgeb\u00e4lk des s\u00fcdlichen Seitenturms entwischt &#8211; und lebensm\u00fcde bin ich nicht, da hinterdrein zu klettern!\u201c<\/p>\n<p>Truda musterte das Eichh\u00f6rnchen misstrauisch. Ganz so abwegig erschien der Gedanke nicht. Im Roman vom Smaragdritter hatte selbiger einmal ein zahmes H\u00fcndchen in eine gro\u00dfe Burg geschickt. Es sollte ersp\u00fcren, wo die Rosendame gefangen gehalten wurde und ihn zu ihr f\u00fchren.<\/p>\n<p>Bl\u00f6dsinn, dachte sie dann. Es war kein Geheimnis, wo Manj\u00e9vs Gemach war. Und Herr Mad\u00fdc sah nicht so aus, als sei er auf solchen Listenreichtum angewiesen.<\/p>\n<p>\u201eIch bringe es rasch hinein\u201c, sagte sie. \u201eUnd ihr achtet darauf, dass niemand es heraus holt, bis die <em>teirandanja<\/em> und ich wieder da sind.\u201c<\/p>\n<p>Die beiden nahmen Haltung an. Truda ging hin\u00fcber zur T\u00fcr. Das Eichh\u00f6rnchen machte einen Hopser, drehte sich in seinem K\u00e4fig und winkte mit dem erhobenen Schwanz. F\u00fcr einen Lidschlag bildete das M\u00e4dchen sich ein, dass das Tier den Wachen frech seine kleine rosa Zunge zeigte. Aber das w\u00e4re nun wirklich albern und war sicher nur eine T\u00e4uschung.<\/p>\n<p>Nachdem sie den K\u00e4fig los war, war Truda in den Hof geeilt und hatte versucht, das Gefolge aus Ycelia ausfindig zu machen. Das war gar nicht so einfach, denn zwischenzeitlich herrschte unerwartet viel Betrieb, obwohl es noch nicht Mittag war. Offenbar waren weitere G\u00e4ste eingetroffen, die Manj\u00e9v begr\u00fc\u00dfen und mit kostbaren Geschenken \u00fcberh\u00e4ufen wollten. \u00dcberall standen gesattelte und herausgeputzte Pferde und fremde M\u00e4nner und einige Frauen, die Geleite der Edlen, die wohl zwischenzeitlich in der Halle Schlange standen. Truda beneidete Manj\u00e9v. Sie stellte sich vor, wie es w\u00e4re, selbst so pr\u00e4chtig hofiert und umworben zu werden. Das junge M\u00e4dchen schlenderte durch die Menge und gr\u00fc\u00dfte huldvoll jeden, der ihr einen Blick schenkte. Was gab es hier alles zu sehen! Wie vornehm und fremdartig manche der Besucher aussahen und gewandet waren! Selbst wenn es sich hier nur um Dienerschaft und Knechte handelte, alle waren sie pr\u00e4chtig herausgeputzt und offensichtlich entschlossen, den bestm\u00f6glichen Eindruck zu machen.<\/p>\n<p>Truda schaute sie sich gespannt nach der Gesandtschaft von Ycelia um, fand aber zun\u00e4chst nur die wartenden Pferde, alles wuchtige Schimmel mit einem dichten, samtigen Fell. S\u00e4ttel und Lederzeug waren, \u00e4hnlich wie Gewand und R\u00fcstzeug des yarl, mit Spiegelpl\u00e4ttchen besetzt. Wie pr\u00e4chtig das glitzerte. Und dort, der Herr mit der gedunkelten Haut \u2013 ob das ein Ritter aus Iva\u00e1l war? Das M\u00e4dchen ging an ihnen vorbei und bem\u00fchte sich, den jungen Mann und seine Knappen nicht allzu sehr anzustaunen. Tats\u00e4chlich, eine seltsame goldene Blume auf gr\u00fcnem Grund zierte den Schild des Ritters, der am Sattel seines Pferdes hing. Das Wappen kann Truda gut, denn in Iva\u00e1l hatte Osse studiert. Der Ritter schien ein wenig zu frieren, denn seine Gew\u00e4nder waren eindeutig f\u00fcr w\u00e4rmeres Wetter gemacht und so bunt und goldbestickt, dass ein Prachtvogel davon besch\u00e4mt wurde. Die Knappen trugen wollende Umh\u00e4nge \u00fcber \u00e4hnlich pr\u00e4chtiger Aufmachung und beneideten ihren Herrn wohl nicht. Als der Ritter Truda bemerkte, verneigte er sich tief. Sie err\u00f6tete ertappt. Hatte sie doch gestarrt? Sie gr\u00fc\u00dfte rasch und eilte weiter.<\/p>\n<p>Ob dieser <em>yarl<\/em> wohl weitl\u00e4ufig mit Merrit verwandt war? Zu schade, dass die jungen M\u00e4nner auf sich warten lie\u00dfen. Die hatten ihr so viele Fragen beantworten und sie sicherlich auch mit den G\u00e4sten unverf\u00e4nglich bekannt machen k\u00f6nnen. Nun, sofern nichts sie aufgehalten hatte, dann w\u00e4ren sie mit etwas Gl\u00fcck sp\u00e4testens morgen wieder da. Zeit daf\u00fcr wurde es.<\/p>\n<p>Truda eilte hin\u00fcber zum Turm. Vom oberen Treppenabsatz des Hocheingangs hatte sie einen viel besseren \u00dcberblick \u00fcber den Hof und die Anwesenden.\u00a0 Eine Weile stand sie da und lie\u00df ihren Blick \u00fcber das Gewimmel schweifen. Wie lange konnte denn die Vorsprache nur dauern?<\/p>\n<p>Nach einer gef\u00fchlten Ewigkeit tat sich endlich etwas beim Eingang zur Halle. Die Gesandtschaft von Ycelia verlie\u00df das Geb\u00e4ude, der <em>yarl<\/em> voran. Er funkelte in der Herbstsonne wie ein klarer Edelstein und wirkte ausgesprochen zufrieden. W\u00e4hrend die G\u00e4ste aus Iva\u00e1l nachr\u00fcckten, strebten er und seine Leute ihren Pferden zu.<\/p>\n<p>Wie? Wollte der <em>yarl<\/em> so rasch schon wieder aufbrechen? Wozu die Eile?<\/p>\n<p>Fast w\u00e4re Truda die Treppe hinuntergehastet, um wenigstens einen der Knappen aufzuhalten. Aber gerade noch rechtzeitig entdeckte sie jemanden bei der T\u00fcr, der ihn nun \u00fcberhaupt nicht passte. Was bei den M\u00e4chten wollte denn die <em>opayra<\/em> ausgerechnet jetzt auf dem Hof?<\/p>\n<p>Die alte Dame hatte es nicht eilig. Sie bewegte sich gemessenen Schrittes voran und schaute sich mit strenger Miene unter den G\u00e4sten um. Vielleicht wollte sie sich davon \u00fcberzeugen, dass es sittsam zuging und sich niemand in unangemessener Manier zeigte.<\/p>\n<p>Unter diesen Umst\u00e4nden war Trudas Vorhaben sinnlos geworden. Unter den Augen der Hofdame konnte sie niemanden ansprechen. Nun musste sie warten, was Manj\u00e9v berichten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v! Ach ja. Da war doch noch eine andere Sache gewesen. Das M\u00e4dchen wartete, bis die <em>opayra<\/em> von einer der anderen Damen in ein Gespr\u00e4ch verwickelt wurde. Dann lief es die Treppe hinab, an der Innenmauer entlang und in geb\u00fchrendem Abstand, verborgen in der Menge, hin\u00fcber zur K\u00fcche.<\/p>\n<p>Nachdem Truda von der K\u00fcchenmeisterin ein Sch\u00e4lchen S\u00fc\u00dfn\u00fcsse und Bl\u00fctenkerne erbeten und erhalten hatte, eilte sie zur\u00fcck zur Kemenate.<\/p>\n<p>\u201eNiemand ist hinein- oder hinausgegangen\u201c, meldete der eine W\u00e4chter.<\/p>\n<p>\u201eSehr sch\u00f6n. Ich f\u00fcttere nur schnell das Tier. Passt ihr zwei nur gut auf!\u201c<\/p>\n<p>Die beiden nahmen Haltung an. Truda k\u00fcmmerte sich nicht weiter darum und schl\u00fcpfte ins Zimmer. Das Eichh\u00f6rnchen blickte ihr freundlich entgegen. Truda setzte sich seufzend an den Tisch.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube ja nicht, dass der <em>yarl<\/em> dich zum Spionieren vorgeschickt hat.\u201c Sie schob das Sch\u00e4lchen nahe ans Gitter, sodass das Tier heran langen konnte. \u201eWer wei\u00df, was die Wachen da in der Nacht gesehen haben wollen. Hier. Nimm dir eine Nuss. Ich muss gleich wieder runter.\u201c<\/p>\n<p>Das H\u00f6rnchen machte keine Anstalten, sich zu bedienen. Aber es sah fast so aus, als h\u00f6re es interessiert zu.<\/p>\n<p>\u201eDu musst dir keine Sorgen machen. Manj\u00e9v beh\u00e4lt dich sicher nur so lange, bis das <em>vaspos\u00e1r<\/em> vorbei und all die Leute abgereist sind. So h\u00f6flich muss sie sein. Dann kannst du wieder in den Wald zur\u00fcck. Manj\u00e9v mag es gar nicht, wenn jemand Waldtiere einsperrt. Sie hat schon so viele V\u00f6gelchen wieder freigelassen.\u201c<\/p>\n<p>Das Eichh\u00f6rnchen griff nach einer Nuss und knabberte, ohne den Blick abzuwenden. Truda l\u00e4chelte. Wie lieb es war! Das M\u00e4dchen nahm die Aufmerksamkeit zum Anlass, weiter zu reden.<\/p>\n<p>\u201eWenn die Sache vorbei ist, wird sich hier ohnehin einiges \u00e4ndern. Hoffentlich entscheidet Manj\u00e9v sich endlich f\u00fcr Merrit. Das w\u00e4re das Beste. Ich verstehe nicht, warum sie so kalt und abweisend zu ihm ist, bei allem, was er f\u00fcr sie tut und empfindet. Wenn sie ihn w\u00e4hlt, dann bleiben wir alle beieinander. Na ja. Wenn Manj\u00e9v ihren <em>h\u00fdardor<\/em> hat, dann bekommen T\u00edjnje und ich ein anderes Zimmer. Vielleicht bekomme ich bald sogar nur eines f\u00fcr mich. T\u00edjnje hat n\u00e4mlich schon einen <em>h\u00fdardor<\/em>, wei\u00dft du? Das ist aber geheim. Nun, eigentlich wei\u00df es praktisch jeder, nur Herr J\u00f3ndere und seine <em>h\u00fdardora<\/em> haben es noch nicht gemerkt. Aber das ist kein Problem. Herr J\u00f3ndere h\u00e4lt sehr viel von J\u00e1ndris. Wenn der nur nicht ganz so vorlaut w\u00e4re! Und L\u00e1as hat sich auch verliebt. Er sagt, er bringt seine <em>h\u00fdardora<\/em> her und will sie seinen Eltern nach dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> vorstellen. Sie ist keine <em>yarlara, <\/em>nur ein Schankm\u00e4dchen. Meinst du, das ist ein Problem? Ich hoffe doch nicht. Ich hab L\u00e1as n\u00e4mlich gern. Der soll gl\u00fccklich werden.\u201c Sie dachte nach und nahm sich dann selbst eine S\u00fc\u00dfnuss aus dem Sch\u00e4lchen. \u201eNur ich, ich wei\u00df noch gar nicht, was werden soll. Osse schreibt mir immer, ich solle mir keine Gedanken machen und dass das Gl\u00fcck mich wohl finden werde. Aber ich glaube, er will nur nett sein, weil er mein \u00e4lterer Bruder ist.\u201c Sie knabberte. \u201eIch bin so froh, wenn er wieder hier ist und nicht mehr so weit weg von Emberbey. Mein Vater \u2026 wei\u00dft du, kleines Eichh\u00f6rnchen, ich glaube, mein Vater wird nicht mehr lange auf dieser Seite der Tr\u00e4ume sein. Und ich glaube, jemand muss Venghi\u00e1r auf die Finger schauen.\u201c<\/p>\n<p>Das Eichh\u00f6rnchen spitzte die Ohren mit den lustigen Haarpinseln darauf. Truda \u00fcberlegte, ob sie mit dem Tier ihre Gedanken \u00fcber den Weitvetter teilen sollte, entschied sich aber, das Thema nicht sehr zu vertiefen. \u201eIch habe es gut\u201c, lie\u00df sie das H\u00f6rnchen wissen. \u201eAber ich mag es nicht, dass Ra\u00fdneta in Emberbey ist. Nicht, solange Osse nicht in der N\u00e4he ist. Es f\u00fchlt sich nicht gut an. Aber was rede ich? Der eine von <em>yarl<\/em> Ycelias Knappen, der gro\u00dfe mit dem Z\u00f6pfchen, mit dem h\u00e4tte ich so gern geredet. Glaubst du, w\u00e4hrend des Festes, da k\u00f6nnte ich\u2026\u201c<\/p>\n<p>Truda verstummte rasch und sprang auf. Die T\u00fcr wurde ge\u00f6ffnet. \u201eDanke, Herr J\u00f3ndere. Ihr k\u00f6nnt Euch entfernen. Richtet meinen Eltern aus, ich ben\u00f6tige nur ein paar Momente Ruhe. Ich lasse Euch rufen, wenn ich erfrischt bin!\u201c Manj\u00e9v schl\u00fcpfte in die Kemenate, zog die T\u00fcr hinter sich zu und legte rasch den inneren Riegel vor.<\/p>\n<p>\u201eManj\u00e9v? Was machst du hier? Die G\u00e4ste \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eBleib mir vom Leibe mit den G\u00e4sten\u201c, sagte die <em>teirandanja<\/em>. \u201eDer aus Ghelazia ist sterbenslangweilig. Sein Sohn kommt gar nicht zu Wort. Ich hab behauptet, mir sei unwohl. Aber ich hab nicht lange Zeit, bevor sie noch die <em>doayra<\/em> mit irgendwelchen Elixieren herschicken.\u201c Sie kam n\u00e4her und hakte das T\u00f6rchen auf.<\/p>\n<p>\u201eWas machst du! Es l\u00e4uft doch weg!\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein, wird es nicht. Stell keine Fragen, Truda. Und du, komm raus, D\u00fdamir\u00e9e!\u201c<\/p>\n<p>\u201eD\u00fdamir\u00e9e?\u201c<\/p>\n<p>Das Eichh\u00f6rnchen schl\u00fcpfte aus dem K\u00e4fig und streckte sich. Dann sprang es mit einem weiten Satz auf den Vorhang an Manj\u00e9vs Bett. Die <em>teirandanja<\/em> l\u00f6ste die Raffkordel, woraufhin der Stoff sich ein wenig ausbreitete. Truda schaute verdattert zu.<\/p>\n<p>\u201eSie verwandelt sich nicht gern vor den Augen von Unkundigen\u201c, erinnerte Manj\u00e9v.<\/p>\n<p>Truda nickte verwirrt. Dann begriff sie urpl\u00f6tzlich, was hier vor sich ging \u2013 und was sie da alles gerade gedankenlos ausgeplappert hatte. Sie konnte sp\u00fcren, wie ihr das Blut hei\u00df in die Wangen stieg.<\/p>\n<p>\u201eDanke, Manj\u00e9v.\u201c Hinter dem Vorhang lugte die Schattens\u00e4ngerin hervor. \u201eSei gegr\u00fc\u00dft, Truda. Ich hoffe, ich habe dich nicht erschreckt. Ich wollte den K\u00e4fig nicht kaputtmachen, deshalb habe ich auf euch gewartet.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNein\u201c, stammelte Truda. \u201eSei gegr\u00fc\u00dft, D\u00fdamir\u00e9e. Bei den M\u00e4chten, es ist so lange her \u2026\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre l\u00e4chelte. Truda lie\u00df sich \u00fcberw\u00e4ltigt und ungefragt nieder. \u201eDu bist so wundersch\u00f6n\u201c, war das Ehrlichste und D\u00e4mlichste, was ihr in den Sinn und ehrf\u00fcrchtig in den Sinn kam.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e lie\u00df sich auf Manj\u00e9vs Bettkante nieder. Die <em>teirandanja<\/em> nahm auf T\u00edjnjes Lager Platz. So sa\u00dfen sie einander gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>\u201eD\u00fdamir\u00e9e, was ist passiert? Wieso hat <em>yarl<\/em> Ycelia dich gefangen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat er nicht. Es ist eine lange Geschichte. Und widrige Umst\u00e4nde. Sonst w\u00e4re ich gestern mit Advon gekommen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMit Advon?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHat er dir etwa nicht erz\u00e4hlt, was passiert ist?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr war gar nicht hier.\u201c<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e hob die Brauen. \u201eWarum nicht? Ich meine \u2013 er hatte vor, hierher zu kommen und zu berichten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAdvon?\u201c, fragte Truda \u00fcberw\u00e4ltigt. \u201eAdvon Ir\u00edsolor ist auch \u2026 ich meine \u2026\u201c<\/p>\n<p>Sie f\u00fchlte sich von der Schattens\u00e4ngerin und der <em>teirandanja<\/em> angeschaut und brachte hervor: \u201eWas wollt ihr hier? Ich meine \u2026 bei den M\u00e4chten, so meine ich das nicht! Es ist wunderbar, dass ihr hier seid, aber \u2026 warum?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum?\u201c D\u00fdamir\u00e9e wechselte einen beunruhigenden Blick mit Manj\u00e9v. \u201eNun, du denkst doch nicht, wir lassen uns Manj\u00e9vs Fest entgehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAls Eichh\u00f6rnchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten! Der L\u00e4rm, die Hunde heute Nacht \u2013 das war sicher Advon!\u201c Manj\u00e9v sprang aufgeregt auf. \u201eHoffentlich ist ihm nichts passiert!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso? Wovon redet ihr?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Hunde haben heute nacht jemanden angegriffen. Der konnte aber entkommen, ohne dass ihn jemand gesehen hat.\u201c<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten!\u201c Die Schattens\u00e4ngerin war sichtlich beunruhigt. \u201eWenn er nur keinen Unfug gemacht hat!\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnfug? Wobei?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun \u2026 er wollte ein Pferd kaufen. Heute Nacht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas ist ein seltsamer Zeitpunkt f\u00fcr einen Pferdehandel\u201c, wagte Truda einzuwenden.<\/p>\n<p>\u201eIch h\u00e4tte es ihm gern ausgeredet. Aber der Ritter ohne Wappen &#8230; Manj\u00e9v, wir wollten nachforschen, was es mit dem auf sich hat. Er kam mit Advon ins Gespr\u00e4ch und so erfuhr er von einem wohl \u00e4u\u00dferst begehrten Pferd.\u201c<\/p>\n<p>Truda seufzte. Dass sie unversehens in der Gesellschaft der Schattens\u00e4ngerin war, damit hatte sie sich abgefunden. Es war nicht das erste Mal geschehen, dass sie D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre und Advon Ir\u00edsolor begegnet waren. Das Irritierende an dieserlei Begegnungen blieb, dass man sich mitten in Angelegenheiten geworfen f\u00fchlte, ohne Zusammenh\u00e4nge zu erkennen. Es war m\u00fc\u00dfig, das zu hinterfragen. Aber die Erw\u00e4hnung eines n\u00e4chtlichen Pferdekaufs, die stie\u00df etwas in ihrem Ged\u00e4chtnis an.<\/p>\n<p>Noch bevor sie etwas dazu sagen konnte, wurde es drau\u00dfen auf dem Hof unruhig.<\/p>\n<p>\u201ePlatz!\u201c, rief jemand. \u201eWeicht zur\u00fcck! Platz! R\u00fcckt beiseite!\u201c<\/p>\n<p>\u201eOje\u201c, meinte Manj\u00e9v. \u201eKommt Herr Mad\u00fdc etwa schon wieder zur\u00fcck?\u201c<\/p>\n<p>Truda erhob sich, um nachzuschauen. Aus dem Fenster hatte man einen hervorragenden Blick \u00fcber den Hof.<\/p>\n<p>\u201eDa will nur jemand mit einem Karren durch. All die Pferde sind im Weg. Wie seltsam! Das ist ja Herr Andri\u00e9r.\u201c<\/p>\n<p>\u201eMit einem Karren?\u201c<\/p>\n<p>Truda neigte sich weiter aus dem Fenster. Tats\u00e4chlich, <em>yarl<\/em> Altabete und zwei Bewaffnete eskortierten eine von einem Maultier gezogene Karre, einem von der Sorte, mit dem Material zum Turnierplatz transportiert wurde. Aber statt Holz, Stoff und Werkzeug war da nur eine Lage Stroh auf der Ladefl\u00e4che. Und \u2026<\/p>\n<p>\u201eManj\u00e9v? Schau selbst \u2026\u201c<\/p>\n<p>Die <em>teirandanja<\/em> dr\u00e4ngte sich neben sie. Der Karren wich dem Pulk aus wartenden Pferden aus und fuhr fast unmittelbar unter dem Fenster vorbei. Beide sahen sie ihn, einen jungen Mann in wappenlosem Waffenrock und leichtem Eisenzeug. Reglos und mit geschlossenen Augen lag er auf dem Stroh. Truda erkannte, dass seine H\u00e4nde gebunden waren. Dass Umstehende neugierig gafften, statt auszuweichen, hinderte das Fahrzeug am Vorankommen.<\/p>\n<p>Manj\u00e9v schnappte entsetzt nach Luft. \u201eHerr Andri\u00e9r!\u201c, rief sie herunter. \u201eHe, Herr Andri\u00e9r! Was ist passiert? Ein Unfall?\u201c<\/p>\n<p>Der <em>yarl<\/em>, der bis gerade darauf bedacht gewesen war, niemanden umzureiten, hob den Kopf, entdeckte seine Herrin. \u201eM\u00f6glicherweise eine Sorge weniger, Majest\u00e4t. Nun m\u00fcssen wir nur noch das Pferd finden.\u201c Dann \u00f6ffnete sich endlich eine Gasse und es ging weiter. Der Wagen rollte \u00fcber den Hof in Richtung Wirtschaftsgeb\u00e4ude, wo man einen Raum f\u00fcr die <em>doayray<\/em> eingerichtete hatte \u2013 f\u00fcr den Fall, dass auf dem Turnier jemand zu schaden k\u00e4me.<\/p>\n<p>\u201eEr hat Unfug gemacht, nicht wahr?\u201c, fragte D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre.<\/p>\n<p>\u201eDas finden wir heraus. Truda \u2013 geh los und hol Herrn J\u00f3ndere herbei. Ohne den kommen wir nicht weit.\u201c<\/p>\n<p>Die Schattens\u00e4ngerin erhob sich, stand auf dem Bett und breitete den Vorhang wieder vor sich aus.<\/p>\n<p>\u201eIch komme mit\u201c, entschied sie. \u201eBringt mich hin.\u201c<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/3053-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4243","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4243","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4243"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4243\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4624,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4243\/revisions\/4624"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4243"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4243"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4243"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}