{"id":4213,"date":"2025-09-05T21:20:48","date_gmt":"2025-09-05T19:20:48","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4213"},"modified":"2025-09-06T00:16:59","modified_gmt":"2025-09-05T22:16:59","slug":"020-dyamiree-schaut-sich-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/05\/020-dyamiree-schaut-sich-um\/","title":{"rendered":"022: D\u00fdamir\u00e9e schaut sich um"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p><em>Schattens\u00e4nger beherrschten die Kunst, die Gestalt von Tieren anzulegen. Sehr m\u00e4chtige Schattens\u00e4nger hatten gleich mehrere solcher Verkleidungen. Mindestens eine, hatte Yalomiro Lagoscyre zu D\u00fdamir\u00e9e gesagt, m\u00fcsse auch sie unbedingt meistern. Vorher wolle er sie nicht in die N\u00e4he von Unkundigen lassen. Zu ihrer eigenen Sicherheit!<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eAdvon kann sich nicht verwandeln\u201c, hatte D\u00fdamir\u00e9e damals zu ihrem Vater gesagt. \u201eEr hat es ausprobiert, aber es geht nicht. Warum gl\u00fcckt ihm das nicht, wenn er es doch so sehr selbst will?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIch wei\u00df es nicht, mein kleiner Stern. Vielleicht kann er es nicht, weil die Regenbogenritter sich nie verstecken mussten. Patagh\u00edu hat ihnen daf\u00fcr eigene Fertigkeiten geschenkt.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eUnd in was soll ich mich am besten verkleiden?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIn was immer du willst. Du musst dich nur entscheiden.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDas ist aber schwer. Es gibt so viele Tiere.\u201c <\/em><\/p>\n<p><em>Sie hatten am Ufer des Sees gesessen, in der Abendd\u00e4mmerung, und D\u00fdamir\u00e9e erinnerte sich daran, wie sch\u00f6n das gewesen war, das Zwielicht zwischen der im Norden sinkenden Sonne und Nokt\u00e1mas dunklem, mit sternenen Juwelen besetzten Schleier. Die Zeit, in der er endlich begonnen hatte, sie in der Magie zu unterweisen, die schlie\u00dflich in ihr erwacht war. Die Wellen hatten sanft an das Kiesufer gepl\u00e4tschert, und ab und zu blubberte etwas im Wasser auf. \u201eVielleicht in einen Frosch? Oder einen Fisch?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDas w\u00fcrde dir Spa\u00df machen? Ein Frosch zu sein?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eJa. Die h\u00fcpfen und quaken so lustig.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Dar\u00fcber hatte er gelacht und ihr dann empfohlen, f\u00fcr den Anfang eine gew\u00f6hnlichere Form auszusuchen. \u201eDie meisten Schattens\u00e4nger, kleiner Stern, w\u00e4hlen etwas schnelles, etwas starkes und etwas <\/em>harmloses<em>, was unter Unkundigen kein Aufsehen erregt. Fliegen zu k\u00f6nnen hat auch seine Vorteile.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eKlettern ist aber auch sch\u00f6n, Papa. Ich bin so gern in den B\u00e4umen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIch wei\u00df. Und deine Mutter ist schwer zu beruhigen, wenn sie bemerkt, nach welchen d\u00fcnnen \u00c4sten du immerfort greifst.\u201c Er hatte eine Weile nachgedacht. \u201eIch w\u00fcsste nicht, dass ein anderer Schattens\u00e4nger je auf diesen Einfall kam, aber wie w\u00e4re es denn mit einem Eichh\u00f6rnchen? H\u00fcbsch und schnell und unauff\u00e4llig. Es w\u00fcrde dir gut stehen. Und deiner Mutter w\u00e4re es ruhiger zumute, wenn es dich wieder einmal in die hohen Wipfel zieht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0\u201eUnd die Unkundigen? Was haben die damit zu tun?\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eIn einer Tiergestalt\u201c, hatte er ihr verraten, \u201esind wir ungef\u00e4hrlich f\u00fcr sie. Wir k\u00f6nnen uns unter ihnen bewegen, ohne jemanden unwillentlich in Gefahr zu bringen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Das hatte gut geklungen, verlockend. Es er\u00f6ffnete M\u00f6glichkeiten! <\/em><\/p>\n<p><em>\u201eEs hat seine Regeln und seinen Preis\u201c, hatte er ihre kindliche Begeisterung sanft gebremst. \u201eIn einer Tiergestalt kannst du nicht mit Menschen sprechen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDas muss wohl so sein\u201c, hatte sie mit leisem Bedauern bemerkt. \u201eWie soll denn auch eine Vogelzunge etwa in einem Schnabel Menschenworte machen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eUnd du kannst in der Verkleidung keine Magie wirken, au\u00dfer der, dich wieder in deinen Menschenk\u00f6rper zur\u00fcck zu formen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eNicht sprechen und nicht zaubern?\u201c D\u00fdamir\u00e9e war entt\u00e4uscht gewesen. So oft hatte sie staunend beobachtet, wie ihr Vater mit Leichtigkeit zum fliegenden Raben oder einem gro\u00dfen schwarzen Kater wurde. Oder zu einem Pferd, um sie \u00fcberm\u00fctig in donnernden Galopp durch den Wald zu tragen, so schnell, dass sie vor Vergn\u00fcgen jauchzte. Aber ihr war nie aufgefallen, dass er w\u00e4hrend dieser Zeit nichts anderes vollbrachte. Immerhin: Seine Gedankenstimme konnte sie immer h\u00f6ren. Doch das war sicher eine ganz andere Art von Magie.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201eDu kannst den Unkundigen nahe sein\u201c, hatte er sie verlockt. \u201eOhne Gefahr und Risiko. Das wird dir \u00f6fter von Nutzen sein, als du denkst.\u201c<\/em><\/p>\n<p>An dieses Gespr\u00e4ch, ihre erste Lektion in der Kunst, sich zu verkleiden, musste D\u00fdamir\u00e9e oft zur\u00fcckdenken, wenn sie es tats\u00e4chlich tat. Gerade so wie jetzt.<\/p>\n<p>Die Schattens\u00e4ngerin war mehrfach \u00fcber jenes Zeltlager geflogen, das die fr\u00fch eingetroffenen Ritter von nah und fern beherbergen sollte. Es befand sich am Rand der gro\u00dfen Wiese, wo flei\u00dfige H\u00e4nde die Turnierbahn und alles aufbauten, was sonst noch ben\u00f6tigt wurde. Offenbar w\u00fcrde es zu allen Seiten erh\u00f6hte Sitzreihen f\u00fcr die vornehmen G\u00e4ste geben, und dort, wo die Pferde laufen w\u00fcrden, stachen einige M\u00e4nner mit Schaufeln flache Grasmatten aus, w\u00e4hrend andere Sand und S\u00e4gesp\u00e4ne heranbrachten. Advon h\u00e4tte ihr sicher erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, warum genau sie das taten. Aber sie war ihm bewusst entschl\u00fcpft, bevor er sie noch hatte aufhalten k\u00f6nnen. \u00dcbertrieben w\u00e4re das gewesen, w\u00e4ren sie zu zweit gegangen. Was tat sie denn hier anderes, als nur einen schnellen Blick auf die unkundigen Ritter und ihr Gefolge zu werfen? Unbemerkter, diskreter, als er das h\u00e4tte erledigen k\u00f6nnen, und mit viel weniger Anstrengung. Sich unentdeckt hier zu bewegen, h\u00e4tte Advon viel Magie gekostet. Unn\u00fctze M\u00fche, nur um die Leute daran zu hindern, ihn im Ged\u00e4chtnis zu behalten. Au\u00dferdem h\u00e4tten sie Farbenspiel im Wald zur\u00fccklassen m\u00fcssen. Wie leicht h\u00e4tte ihn dort jemand sehen k\u00f6nnen, der nach losem Reisig suchte.<\/p>\n<p>Ein kleines V\u00f6gelchen aber, das w\u00fcrde sicher niemand auff\u00e4llig finden. So nahe konnte sie den Unkundigen sein, und v\u00f6llig ungest\u00f6rt. Das war <em>aufregend<\/em>!<\/p>\n<p>Sie landete auf einem der halb fertigen Ger\u00fcste und schaute eine Weile neugierig den Handwerkern zu. Einmal kam ein Ritter dazu, ein \u00e4lterer Mann mit einem m\u00e4chtigen grauen Schnauzbart, \u00fcppiger als der gesamte Rest seines Haupthaares. Sein Waffenrock war weizengelb und Getreide\u00e4hren hatte er auch in seinem Wappen. Herr Daap war das wahrscheinlich, der gutm\u00fctige Vater des starken L\u00e1as Grootplen. Offenbar war er hier, um den Fortschritt der Vorbereitungen zu pr\u00fcfen, denn er interessierte sich sehr f\u00fcr die Bodenarbeiten. Anscheinend war er der Meinung, die Bahn m\u00fcsse noch l\u00e4nger und breiter werden.<\/p>\n<p>In der Gesch\u00e4ftigkeit gab es nicht viel Wichtiges zu sehen. Also weiter, zu den Fremden. Zu den ritterlichen Wettstreitern.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e landete hoch oben in einer Baumkrone am Rand des W\u00e4ldchens und glitt von ihrem schillernden Federkleid in den schwarzen Pelz des Eichh\u00f6rnchens, ihrer Lieblingsverkleidung. Einen Moment lang wippte sie \u00fcberm\u00fctig auf den d\u00fcnnen Zweigen und schnupperte in den Wind hinein, der nach feuchter Erde und K\u00fchle duftete. Wie schade, dass Advon nicht mit ihr hier oben im Herbstlaub sein konnte! Die vielen bunten Farben h\u00e4tten ihm sicherlich gut gefallen. Im Ciel\u00e1stel, der gl\u00e4sernen Burg der Regenbogenritter am Rande der W\u00fcste, bekam er das so nicht zu Gesicht. In Patagh\u00edus Heiligtum, da war immer alles hell und klar und strahlend. Das sah wundersch\u00f6n und pur und ewig aus. Aber D\u00fdamir\u00e9e fand, dass die fl\u00fcchtigen, verg\u00e4nglichen Farben von Blumen und B\u00e4umen auch ihren Reiz hatten. Sie waren immer nur kurz da, und das machte sie kostbar.<\/p>\n<p>Das Zeltlager war noch nicht allzu gro\u00df, denn bis zum <em>vaspos\u00e1r<\/em> dauerte es noch einige Tage. Wer bereits hier war, der hatte eine l\u00e4ngere Reise hinter sich, deren Dauer er beim Aufbruch nicht hatte abw\u00e4gen k\u00f6nnen. Vielleicht waren die Herren unerwartet gut vorangekommen und mussten sich hier nun die Wartezeit verk\u00fcrzen. Einer, der wohl gerade eben eingetroffen war, scheuchte gleich mehrere Knappen umher. Die hatten wohl noch nicht oft ein Zelt aufgeschlagen und gaben sich tollpatschig. Es hatten sich schon Schaulustige gen\u00e4hert. Das war wenigstens ein wenig unverhoffte Unterhaltung. Hilfreich zur Hand ging den Knappen niemand. Es war wohl kurzweiliger, ihnen zuzuschauen.<\/p>\n<p>Andere hatten f\u00fcr solchen Albernheiten nichts \u00fcbrig. D\u00fdamir\u00e9e sah K\u00e4mpfer, die ihre Waffen warteten oder ihre Gehilfen dazu anhielten, es zu tun. Andere k\u00fcmmerten sich um die Pferde, die etwas abseits in einem unterteilten Pferch standen und sich am guten Heu bedienten. Den Ritter aus Ghelazia erkannte D\u00fdamir\u00e9e an seinem Wappen, das eine wei\u00dfe Schneeflocke auf \u00a0nachthimmelblauem Grund zeigte. Der <em>yarl<\/em> lie\u00df einen Redeschwall auf einen J\u00fcngling einprasseln, wohl den wortkargen Sohn, und gab ihm gute Ratschl\u00e4ge zum Umgang mit der Wurfaxt. Der junge Mann nickte ab und zu und wirkte in sein Schicksal ergeben. Kein Wunder, dachte D\u00fdamir\u00e9e, dass der mit Manj\u00e9v und Truda nicht geredet hatte. Wahrscheinlich kam er ohnehin nie zu Wort.<\/p>\n<p>Sie kletterte den Baum hinab, bis sie etwa auf der H\u00f6he des gr\u00f6\u00dften der bisher aufgeschlagenen Zelte war. Es war ausnehmend pr\u00e4chtig, bestand aus Leinensegeltuch und war \u00fcppig mit Ornamenten bemalt. Offenbar hatte das jemandem missfallen, denn der Besitzer des Prunkzeltes stand aufgebracht daneben. Der Ritter war nur unwesentlich kleiner, aber ebenso gebaut wie ein m\u00e4chtiger Waldb\u00e4r und im Gesicht ebenso behaart. Seine Statur bildete einen irritierenden Kontrast zu seinen funkelnden Gew\u00e4ndern. Sein wei\u00dfer Waffenrock war verschwenderisch mit winzigen Flitterpl\u00e4ttchen bestickt. Ob er hoffte, mit dem Geflirr seine Gegner zu blenden?<\/p>\n<p>Der funkelnde H\u00fcne redete auf einen Mann in der bescheidenen, aber geschmackvollen Tracht eines vornehmen <em>maedlor<\/em> ein. Wahrscheinlich oblag diesem die Aufsicht und Verantwortung \u00fcber den Zeltplatz, denn er hatte gleich mehrere, miteinander verbundene Wachstafeln bei sich und machte sich mit einem Griffel Notizen.<\/p>\n<p>Der Beschwerde des Ritters, der nicht weniger geschm\u00fcckt war als sein Zelt, entnahm D\u00fdamir\u00e9e, dass ein unfl\u00e4tiger Lump in der Nacht das teure Zelt besudelt hatte. Wie es denn sein k\u00f6nne, dass so etwas hier und gerade jetzt, anl\u00e4sslich des Freudenfestes f\u00fcr die hochedle <em>teirandanja<\/em> geschehen konnte?<\/p>\n<p>Er k\u00f6nne nicht mehr tun, als sich tausendfach daf\u00fcr zu entschuldigen. Der <em>maedlor<\/em> kritzelte sorgf\u00e4ltig auf die Tafel. Er werde das mit dem <em>teirand<\/em>, mit Asga\u00fd von Spagor h\u00f6chstpers\u00f6nlich besprechen.<\/p>\n<p>Viel sinnreicher w\u00e4re es, gab der Ritter zur\u00fcck, man m\u00f6ge den erb\u00e4rmlichen Schmutzfink ausfindig machen und gr\u00fcn und blau pr\u00fcgeln. Und nat\u00fcrlich vom Turnier ausschlie\u00dfen! Und wenn der teirand dazu au\u00dferstande w\u00e4re, dann wolle er wohl selbst daf\u00fcr sorgen.<\/p>\n<p>Der <em>maedlor<\/em> gab dem nicht zu Unrecht emp\u00f6rten Ritter recht. Aber was solle er tun? Wenn es keinen Zeugen gab, dann lie\u00dfe sich schlie\u00dflich nicht an den Hinterlassenschaften ermitteln, wer der Misset\u00e4ter war. Als verr\u00e4terisches Beweisst\u00fcck tauge es nichts. Das m\u00fcsse selbst der hochedle Herr Madr\u00fdc, <em>yarl<\/em> von Ycelia zugeben.<\/p>\n<p>Yarl Ycelia gab einen abf\u00e4lligen Laut von sich, sah aber wohl ein, dass es nichts brachte, zu widersprechen. Nun, sagte er nur, er hoffe, dass der <em>teirand<\/em> den Vorfall ernst nehme und sich der Sache sorgsam annehme. Denn \u00fcblich sei das nicht, dass unter wohlerzogenen Herren, noch dazu unter dem Schutz der Gastgeber und vor einem so wichtigen Ereignis, solche <em>Respektlosigkeiten<\/em> gesch\u00e4hen.<\/p>\n<p>Dann lie\u00df er den <em>maedlor<\/em> stehen und stapfte davon, um seinerseits die ungeschickten Knappen beim Kampf gegen ihr Zelt zu verspotten. Der <em>maedlor<\/em> klappte seine Tafeln zu, seufzte und ging in die andere Richtung fort.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e \u00fcberlegte, ob sie einem der beiden folgen sollte. In der Tat, wenn unter den versammelten Rittern jetzt schon einer war, der Unfrieden und Misstrauen sch\u00fcrte, dann war das dem <em>vaspos\u00e1r<\/em> nicht zutr\u00e4glich. Sie sprang auf das Zeltdach und kletterte von dort aus vorsichtig zu Boden. Die beschmutzte, \u00fcbel riechende Stelle am Zelt fand sie sofort und r\u00fcmpfte die Nase. Kein Wunder, dass der <em>yarl<\/em> aus dem fernen Westen zu emp\u00f6rt war, und das zu Recht.<\/p>\n<p>Die Schattens\u00e4ngerin vergewisserte sich, dass niemand in unmittelbarer N\u00e4he stand und untersuchte dann das, was sie an Spuren am Boden fand. Vielleicht gelang es ihr, aus dem Blickwinkel eines kleinen Tieres mehr zu erkennen als die Unkundigen. M\u00f6glicherweise gab es einen Hinweis, den Menschen nicht sehen konnten.<\/p>\n<p>Aber da war nichts Brauchbares. Wenn es Fu\u00dfstapfen gegeben hatte, dann waren die l\u00e4ngst verwischt. Rings um den Ort des anr\u00fcchigen Vorfalls war der Boden zertrampelt, denn nat\u00fcrlich hatten sie sich alle die Sache betrachtet.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e blickte auf. Direkt gegen\u00fcber war ein bescheidenes, deutlich kleineres Zelt aufgeschlagen, dessen Eingang offen stand. An einer Reisetruhe bei der R\u00fcckwand des Zeltes lehnte ein Schild aus blankem Holz.<\/p>\n<p>Sie setzte sich auf die Hinterbeine auf. Tats\u00e4chlich, ein g\u00e4nzlich <em>schmuckloser<\/em> Schild. Dann war das wohl das Zelt des wappenlosen <em>yarl<\/em> aus dem Osten, den Manj\u00e9v in der Nacht erw\u00e4hnt hatte. Wie interessant!<\/p>\n<p>Sie wuselte hin\u00fcber, nat\u00fcrlich nicht stracks durch den Eingang. Das w\u00e4re leichtsinnig gewesen. Stattdessen fand sie an der Seite eine Stelle, wo der Zeltbehang etwas lose verspannt war und einen kleinen Spalt vom Boden abstand. Da schl\u00fcpfte sie hindurch.<\/p>\n<p>Sie geriet dabei direkt unter ein einfaches Reisebett, eines mit gestecktem Rahmen und Gurten, auf denen eine d\u00fcnne Strohmatratze lag. Auf der anderen Seite des Zeltes, kaum eine Arml\u00e4nge entfernt, stand ein zweites Bett, auf dem nachl\u00e4ssig etwas Kleidung und anderer Kram abgelegt war. Offenbar hatte der Ritter, dem das Zeug geh\u00f6rte, sich sorgsam umgezogen und wartete nun, dass jemand hinter ihm aufr\u00e4umte. Vom Bett hing der Riemen einer Tasche herab.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e z\u00f6gerte und schlich, so langsam und vorsichtig es einem Eichh\u00f6rnchen nur m\u00f6glich war, unter dem Bett hervor. Den Blick hielt sie gebannt auf den unverhofften Fund gerichtet. Nein, Neugier war keine Tugend. Aber vielleicht war an der Kleidung oder im Gep\u00e4ck des wappenlosen Ritters etwas, das seinen Namen und seine Herkunft verriet. Wenn sie sich beeilte, dann konnte sie das pr\u00fcfen, noch bevor er zur\u00fcckkehrte. Advon und Manj\u00e9v w\u00fcrden staunen!<\/p>\n<p>Sie sp\u00e4hte zum Zelteingang. Niemand ging drau\u00dfen vorbei. Die Luft war rein.<\/p>\n<p>Die Schattens\u00e4ngerin streckte sich vor. Geschmeidig setzte sie eine Pfote vor die andere. Das Bett des unordentlichen Ritters war nur einen kleinen Hopser entfernt. D\u00fdamir\u00e9e machte sich bereit und spannte ihre Hinterbeine an, und\u2026<\/p>\n<p>Da war etwas. Sie war nicht allein in diesem Zelt!<\/p>\n<p>Mit einem lauten Scheppern sauste etwas Gro\u00dfes auf sie nieder. Um sie wurde es dunkel, ihr Sprung endete j\u00e4h an einem St\u00fcck Metall und der gr\u00f6\u00dfere Teil ihres buschigen Schwanzes wurde schmerzhaft eingeklemmt. D\u00fdamir\u00e9e stie\u00df einen Wehlaut aus und kratzte um sich.<\/p>\n<p>\u201eHab ich dich!\u201c, triumphierte eine stimmbr\u00fcchige, wenn auch etwas verdutzte Stimme.<\/p>\n<p>D\u00fdamir\u00e9e drehte sich um und versuchte, ihren Schwanz zu befreien, vergeblich. Aber hinter ihr war es etwas heller. Licht drang durch einen schmalen Schlitz zu ihr vor. Sie krallte sich hinein und versuchte, hindurch zu blicken. Doch sie sah vorerst nicht mehr als die Beinstulpen desjenigen, der offenbar die ganze Zeit \u00fcber ihr auf dem Bett gelegen hatte. Bei den M\u00e4chten, wie war es denn m\u00f6glich, dass sie den Menschen nicht <em>bemerkt<\/em> hatte? Wie still konnte ein Unkundiger sich verhalten? Tats\u00e4chlich so stumpf vor sich hind\u00f6sen, dass es nicht einmal Gedanken zu h\u00f6ren gab? Oder war auch das Gedankenh\u00f6ren in einer Tiergestalt gel\u00e4hmt, zumindest was Menschen betraf? Sie musste sich eingestehen, dass sie das nie zuvor ausprobiert hatte. An wem auch?<\/p>\n<p>Sie begriff, dass der junge Kerl einen Helm \u00fcber sie gest\u00fclpt hatte, der sich wohl gerade in seiner Griffweite befinden hatte. Einen altmodischen, klobigen Topfhelm ohne Visier, m\u00f6glicherweise ein langj\u00e4hriges Erbst\u00fcck der wappenlosen Familie. Daraus gab es kein Entkommen. Die Schattens\u00e4ngerin zischte und keckerte emp\u00f6rt. Was machte der Junge \u00fcberhaupt hier im Zelt, anstatt wie alle anderen drau\u00dfen gesch\u00e4ftig zu sein? Hatte der nichts Besseres zu tun?<\/p>\n<p>Der J\u00fcngling kniete sich auf den Boden und versuchte, seinerseits durch den schmalen Sehschlitz zu sp\u00e4hen. Er war kaum alt genug, dass ihm ein Bart spross, und seine Haut war noch nicht ganz frei von jugendlicher Unreinheit. Mit etwas tumbem Grinsen starrte er dem Eichh\u00f6rnchen\u00a0 in die Augen. Seine Geistessch\u00e4rfe war offenbar weniger ausgepr\u00e4gt als seine Reflexe.<\/p>\n<p>\u201eDu kommst gerade recht\u201c, teilte er ihr mit, nicht boshaft, nicht drohend, sondern mit noch viel erschreckenderen, unschuldigen Begeisterung. \u201eEine flauschige Helmzier wird Herrn K\u00e1rar bestimmt gefallen!\u201c<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4213","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4213","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4213"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4213\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4237,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4213\/revisions\/4237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4213"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4213"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4213"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}