{"id":4210,"date":"2025-09-05T20:36:04","date_gmt":"2025-09-05T18:36:04","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=4210"},"modified":"2025-09-21T01:47:23","modified_gmt":"2025-09-20T23:47:23","slug":"019-merrit-und-die-maedchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/09\/05\/019-merrit-und-die-maedchen\/","title":{"rendered":"020: Merrit und die M\u00e4dchen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Das <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Grootpleen verf\u00fcgte \u00fcber mehr weite Ackerfl\u00e4chen und Weiden als \u00fcber dichte W\u00e4lder. Zumindest anfangs, wenn man sich von der bescheidenen Burg aus in Richtung Wijdlant bewegte. Im Westen, wo die Ebene anstieg und sich schlie\u00dflich mit den schroffen Ausl\u00e4ufern des Montaz\u00edel verband, im Grenzbereich zum <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Tjiergroen, da gab es bewaldete H\u00e4nge, die jetzt in bunten Herbstfarben erstrahlten und sich nordw\u00e4rts in Richtung Altabete fortsetzten. Osse fragte sich, ob die Reisegesellschaft zwischenzeitlich wohlbehalten dort angekommen war. Ob die Dame mit dem gelangweilten M\u00e4dchen immer noch Verdruss hatte \u2013 oder alle anderen mit dem sch\u00f6nen schwarzen Feuerblutpferd des <em>vendyr<\/em>.<\/p>\n<p>Der bunte Baumstreif in der Ferne wich immer weiter zur\u00fcck, w\u00fcrde aber noch einige Zeit zu sehen sein, denn Grootplen, der Kornspeicher von Wijdlant, war plattes Land, sah man einmal von dem k\u00fcnstlichen Burgh\u00fcgel ab. Auch der lag nun hinter ihnen. Der Weg f\u00fchrte den Tross der <em>eld-yarlara<\/em> nun auf befestigten Wegen zwischen mit geflochtenen Weidez\u00e4unen unterteilten \u00c4ckern und Viehweiden entlang. Gr\u00f6\u00dftenteils handelte es sich um bereits abgeerntete Stoppelfelder. Hier und da waren Bauern noch dabei, die letzten Feldfr\u00fcchte einzubringen. Sobald sie die Dame und ihr Gefolge bemerkten, kamen sie an die Stra\u00dfe gelaufen, um ihre Herrin zu gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Die <em>eld-yarlara<\/em> thronte vergn\u00fcgt auf ihrem komfortablen Reisekarren. Der wurde von einem schneewei\u00dfen Handpferd gezogen, das L\u00e1as neben seinem Streitross herf\u00fchrte. Die Dame erfreute sich an dem sch\u00f6nen Wetter, nahm die Ehrerbietung ihrer Schutzbefohlenen huldvoll entgegen. Als h\u00e4tte sie sich auf diese Gelegenheit vorbereitet, hatte sie sogar eine gro\u00dfe Schachtel mit s\u00fc\u00dfen Zelten und Konfekt bei sich. Sie verteilte die S\u00fc\u00dfigkeiten gro\u00dfz\u00fcgig an all die Kinder, die herbei st\u00fcrmten. Es war ganz verbl\u00fcffend, wo diese Scharen pl\u00f6tzlich herkamen.<\/p>\n<p>Osse war die Aufmerksamkeit unangenehm. Nicht die der Schutzbefohlenen, denn die erkannten seine Farben und sein Wappen und gr\u00fc\u00dften ihn dem\u00fctig. Die Bauernkinder hingegen wussten nat\u00fcrlich nicht, wer er war. Aber sie staunten ihn an, tuschelten und einige der ganz Kleinen lachten unbefangen, sicherlich wegen der verfluchten Brille.<\/p>\n<p>L\u00e1as und T\u00edjnje ritten links und rechts neben dem Karren der <em>eld-yarlara<\/em> und mussten dort sorgsam acht geben, dass ihnen nicht die vernaschten Kinder vor die Hufe gerieten. Die jungen M\u00e4dchen und J\u00fcnglinge des Grootplen\u2019schen Hausstandes bildeten mit J\u00e1ndris die Nachhut, samt vier weiteren Pferden und den Packtieren. Tridna hielt sich unauff\u00e4llig im Hintergrund. Sie f\u00fchrte ein eigenes zotteliges Eselchen mit sich, das vermutlich mit allen Gew\u00fcrzen des Weltenspiels beladen war. Sie wirkte h\u00f6chst zufrieden mit dem Gang der Dinge.<\/p>\n<p>Osse hatte gedacht, T\u00edjnje habe geflachst, als sie Packziegen erw\u00e4hnte. Tats\u00e4chlich war es kein Scherz gewesen. Ab und zu stapfte eines der geh\u00f6rnten Tiere zielstrebig von der Stra\u00dfe herunter, bediente sich an liegen gebliebenen R\u00fcben und Kohlbl\u00e4ttern und musste unter gro\u00dfer Belustigung zur\u00fcckgeholt werden. Nun, noch lachten sie dar\u00fcber. Der Verdruss w\u00fcrde sich wohl noch einstellen. Osse hatte er l\u00e4ngst gepackt, denn jedes Mal, wenn ein Packtier auf Abwege geriet, verloren sie wertvolle Zeit.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sensationell wie das Zuckerwerk waren f\u00fcr die Kinder die Ritter zu sehen, die mit ihrem leichten Eisenzeug und bunten Waffenr\u00f6cken angetan den Tross begleiteten. Mit offenem Mund und leuchtenden Augen staunten kleine Knaben zu Merrit empor, bewunderten den aufwendig mit dem Wappen bemalten Schild, den er am Riemen \u00fcber der linken Schulter trug. Der Freund ritt neben Osse dem Trupp voran und hatte f\u00fcr seine kindlichen Verehrer wohlwollende Blicke und Scherze \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Nicht nur die Kinder waren fasziniert. Auf einer Obstwiese war eine kleine Schar von <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em>, alle wohl etwas j\u00fcnger als Truda, damit besch\u00e4ftigt, Bitterbirnen von B\u00e4umen zu pfl\u00fccken. Als sie nahe genug waren, um erkannt zu werden, gerieten die M\u00e4dchen urpl\u00f6tzlich au\u00dfer sich.<\/p>\n<p>\u201eBei den M\u00e4chten!\u201c, quietschte eines begeistert auf, \u201eSeht nur, da ist <em>Merrit Althopian<\/em>!\u201c<\/p>\n<p>Die anderen beschwichtigten sie schleunig, und die <em>f\u00e1njula<\/em> verdeckte verlegen den Mund mit der Hand. Alle vier lie\u00dfen ihre Erntek\u00f6rbe achtlos stehen und schw\u00e4rmten ihnen entgegen. W\u00e4re die brusthohe steinerne Gartenumfriedung nicht gewesen, sie w\u00e4ren ihnen sicherlich vor die Pferde gepurzelt. Kichernd und untereinander fl\u00fcsternd beeilten sie sich, ihn zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Merrit beantwortete ihre schw\u00e4rmerischen Blicke mit wohlgesonnenem L\u00e4cheln, gr\u00fc\u00dfte h\u00f6flich und deutete eine Verneigung an. Dann trabte er an und brachte genug Abstand zwischen sich und die m\u00fchsam beherrscht vor Entz\u00fccken seufzenden M\u00e4dchen.<\/p>\n<p>Osse spornte sein Maultier an und schloss zu ihm auf. \u201eWas war das denn?\u201c, erkundigte er sich. Ob er belustigt oder befremdet sein sollte, das hatte er noch nicht entschieden.<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDu scheinst bei den M\u00e4dchen ja sehr wohl angesehen zu sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch was. Das sind <em>Kinder<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJubelt man dir immer derma\u00dfen zu, wenn du dich irgendwo sehen l\u00e4sst? Geziemt sich das hier neuerdings so?\u201c Osse tat entr\u00fcstet, aber das nur halb im Scherz. \u201eNicht zu fassen. Und ich dachte, nur in Aur\u00f3p\u00e9a griffen <em>Respektlosigkeiten<\/em> um sich. Was sagen denn die Majest\u00e4ten dazu?\u201c<\/p>\n<p>J\u00e1ndris war nicht entgangen, was geschen war. Er galoppierte an die Spitze des Zuges und gesellte sich grinsend zu ihnen.<\/p>\n<p>\u201eSo ist das, Eulengesicht. Kleine M\u00e4dchen haschen nach dem Konfekt, und ehe man sich versieht, sind sie auf andere K\u00f6stlichkeiten aus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eRede keinen Unsinn.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnsinn? Wenn du nicht im Eisenzeug w\u00e4rst, die h\u00e4tten dich angeknabbert. \u2013 Du musst wissen, Eulengesicht, Merrit ist nicht ohne Grund der Favorit beim <em>vaspos\u00e1r<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201eJ\u00e1ndris!\u201c, mahnte Merrit stirnrunzelnd.<\/p>\n<p>\u201eDer sticht mich und L\u00e1as nicht nur im Turnier aus. Wei\u00dft du, was Truda im letzten Sommer gemacht hat?\u201c<\/p>\n<p>\u201eMeine Schwester?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJ\u00e1ndris! Das interessiert Osse nicht!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr wird es doch wohl ohnehin zu h\u00f6ren bekommen! Jedenfalls war da dieses kleine, traute Festturnier in Valvivant. Ich wei\u00df gar nicht mehr, was der alte <em>teirand<\/em> da zu feiern hatte, einen Gedenktag oder so was. Wir waren alle da, und am Vorabend hatten die Damen ein eigenes Fest, nur f\u00fcr die Frauen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs waren <em>b\u00e1chorkoray<\/em> zu deren Unterhaltung da\u201c, fiel Merrit ihm ins Wort. \u201eUnd Musiker. Und der <em>teirand<\/em> -\u201c<\/p>\n<p>\u201eTruda\u201c, redete J\u00e1ndris unger\u00fchrt dar\u00fcber hinweg, \u201ehatte sp\u00e4t am Abend die Idee, dass alle Damen ihre Favoriten f\u00fcr das Kampfspiel am n\u00e4chsten Tag im Geheimen bestimmen sollten. Also haben sie Zettelchen geschrieben und in einem Topf gesammelt. Und nun rate mal, wie es ausgegangen ist.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, ich nehme an, jede <em>yarlara<\/em> hat ihren jeweiligen <em>h\u00fdardor<\/em> gek\u00fcrt, so sie einen hatte. Oder ihren eigenen Sohn, sofern M\u00fctter unter den G\u00e4sten weilten. Das w\u00e4re das Kl\u00fcgste.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDa waren nicht nur <em>yarlara\u00e9<\/em>. Truda hat alle Kammerfrauen, Zofen und M\u00e4gde mitmachen lassen. Sonst w\u00e4re es ja auch zu langweilig gewesen. Ich glaube, es waren sogar drei oder vier <em>opayra\u00e9<\/em> von den j\u00fcngeren M\u00e4dchen dabei. Die Damen und <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> hatten sehr viel Kurzweil dabei. Vielleicht war auch der eine oder andere Krug Wein zwischen ihnen herumgegangen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas hat unsere <em>teirandanja<\/em> dazu gesagt?\u201c, fragte Osse, \u00fcberrascht und verlegen, dass ausgerechnet seine eigene Schwester einen so \u00fcberm\u00fctigen Unfug angestiftet hatte. Und das noch als G\u00e4stin des benachbarten <em>teirand<\/em>.<\/p>\n<p>\u201eDie hat am Ende geholfen die Zettelchen zu ordnen. Die Damen fanden das alles sehr unterhaltsam. Man konnte sie bis ins Zeltlager drau\u00dfen vor den Mauer lachen h\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Damen waren ausgelassen und \u00fcberm\u00fctig. Nichts, was von Bedeutung w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<p>\u201eFall mir nicht ins Wort, Merrit! Und am n\u00e4chsten Morgen, zur Er\u00f6ffnung des Turniers, hat Manj\u00e9v den Herren feierlich vorgelesen, welches Urteil die Damen gef\u00e4llt haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eUnd?\u201c<\/p>\n<p>\u201eHerr J\u00e1ndris Altabete\u201c, sagte Merrit steif, w\u00e4hrend er Baumzweige beiseite strich, die auf den Weg \u00fcberhingen, \u201eh\u00e4tte <em>beinahe<\/em> gesiegt. W\u00fcrde er nicht unentwegt so viel dummes Zeug reden, w\u00e4ren ihm die Damen noch wesentlciher gewogener gewesen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSelbst wenn man s\u00e4mtliche <em>yarlara\u00e9<\/em> herausrechnet\u201c, stichelte J\u00e1ndris, \u201ehat Merrit die Burg f\u00fcr sich eingenommen, bevor er auch nur eine Lanze anlegen musste.\u201c J\u00e1ndris grinste breit. \u201eUnd wer wei\u00df, was passiert w\u00e4re, wenn er das getan h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWas?\u201c, fragte Osse verwirrt.<\/p>\n<p>\u201eNa, seine Lanze pr\u00e4sentieren. Bei den M\u00e4chten, nicht auszudenken! Reihenweise w\u00e4ren die Damen dahingesunken!\u201c<\/p>\n<p>Er duckte sich lachend weg. Merrit hatte in einer blitzschnellen Bewegung seinen Schild angehoben und dessen Kante in J\u00e1ndris Richtung geschwenkt.<\/p>\n<p>\u201eDu solltest besser wieder zur\u00fcck nach hinten reiten und die jungen Leute h\u00fcten\u201c, rief der junge Mann \u00e4rgerlich aus. \u201eNicht, dass die <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> da hinten sich Sorgen um dich machen.\u201c<\/p>\n<p>J\u00e1ndris seufzte geziert. \u201eDie sind so anstrengend. Die M\u00e4dchen sind unentwegt am Plappern. Die sind au\u00dfer sich vor Aufregung, dass sie Manj\u00e9v begegnen und in der Burg wohnen werden. Und die Kerle fragen mich um Rat, wie man denn mit den <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> in Wijdlant anbandelt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWieso fragen sie ausgerechnet <em>dich<\/em> das?\u201c, knurrte Merrit.<\/p>\n<p>J\u00e1ndris schnaubte gekr\u00e4nkt, grinste Osse zwinkernd zu und wendete sein Pferd.<\/p>\n<p>Zwischenzeitlich hatten sie die G\u00e4rten hinter sich gelassen. Auch die Kinderschar konnte nicht mehr Schritt mit ihnen halten. Der Tross bewegte sich unter dem blaustrahlenden Himmel voran, in gem\u00e4chlichem Tempo. Und doch zog sich die Gruppe immer weiter auseinander. Der Reisekarren der <em>eld-yarlara<\/em> zuckelte in gleichm\u00e4\u00dfiger Geschwindigkeit voran, aber die Mitreisenden mit dem Gep\u00e4ck fielen immer weiter zur\u00fcck. Das lag nicht nur an den Packziegen.<\/p>\n<p>\u201eDas Turnier, um das es gerade ging\u201c, sagte Merrit nach einer Weile, \u201ehabe ich \u00fcbrigens gewonnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eTats\u00e4chlich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEs war ein schweres St\u00fcck. Am Ende ging es gegen den <em>yarlandor<\/em> von Tjiergroen, Herrn Tessor\u00fa. Der hat einen starken Arm, das sag ich dir. Drei Lanzen hab ich an dem zerbrochen, bevor er endlich vom Sattel war.\u201c Er \u00fcberlegte kurz und f\u00fcgte hinzu: \u201eBenjus von Valvivant schickt ihn beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> wieder in die Schranken. Das wird ein harter Kampf. Ich glaube, die Schmach will der Kerl nicht auf sich sitzen lassen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDiesmal brauchst du nur zwei Lanzen. Ganz bestimmt. \u201c<\/p>\n<p>Merrit l\u00e4chelte matt. \u201eWei\u00dft du, was J\u00e1ndris da so daherplappert \u2013 das mag ja recht und billig sein. Aber es interessiert mich alles gar nicht.\u201c<\/p>\n<p>Osse schwieg auffordernd. Merrit druckste einen Moment lang herum, seufzte und blickte verlegen auf seinen Sattel hinab. \u201eWer wei\u00df, <em>wessen<\/em> Namen Manj\u00e9v auf <em>ihren<\/em> Zettel geschrieben hat. Dieser eine Zettel mit meinem Namen in ihrer Schrift, der w\u00fcrde mir so viel mehr bedeuten als aller Ruhm und Bewunderung. Was soll ich denn mit all den anderen? Das ist doch alles leere Eitelkeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWarum k\u00fcmmert es dich dann?\u201c<\/p>\n<p>\u201eNun, was mag Manj\u00e9v nur annehmen? Vielleicht genau das Verkehrte?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWenn ich es verhindern kann, dann versuche ich, dass Truda ihren unschuldigen Unfug nicht noch einmal wiederholt.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDanke. Das w\u00fcrde mich beruhigen.\u201c Merrit l\u00e4chelte. \u201eDu darfst nichts Sonderbares von mir denken, Osse. Diese Schw\u00e4rmereien sollten mich ehren, ich wei\u00df. Aber ich mache mir nichts daraus.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSolange sich L\u00e1as und J\u00e1ndris auch nichts daraus machen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eJ\u00e1ndris ist ein Schalk. Der hat nur Spa\u00df daran, mich aufzustacheln. Und L\u00e1as, nun \u2026ich glaube, sobald man seine <em>h\u00fdardora<\/em> gefunden hat, werden Schw\u00e4rmereien nichtig wie Rauch im Wind. Keine Eifersucht, keine Missgunst mehr. Die beiden sind mir voraus.\u201c<\/p>\n<p>Osse horchte auf. Hier, unter freiem Himmel, in H\u00f6rweite von Mitreisenden, war es vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt und Ort. Aber wenn es Merrit gerade jetzt danach war, mehr zu erz\u00e4hlen \u2026<\/p>\n<p>Aber es kam nicht dazu. Diesmal war es T\u00edjnje, die ihren falben Zelter zwischen das Maultier und das wuchtige braune Streitross lenkte. Vornehm und liebreizend sah sie auf. \u00dcber ihren dunklen Locken trug sie einen Kopfputz mit einem bunt bestickten Schleier und ein zartgr\u00fcnes Gewand. In die M\u00e4hne ihres Pferdes waren farblich darauf abgestimmte Schleifchen eingeflochten. Sie sah bezaubernd aus. Sicher w\u00fcrde sie beim <em>vaspos\u00e1r<\/em> die Blicke mancher junger Herren auf sich ziehen.<\/p>\n<p>\u201eWas habt ihr zwei mit J\u00e1ndris gemacht?\u201c, erkundigte sie sich. \u201eEr klagt, du bist gemein zu ihm gewesen, Merrit!\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr konnte seinen Mund nicht halten. Irgendwann werd ich ihn \u2026\u201c<\/p>\n<p>\u201eAch so.\u201c T\u00edjnje winkte unger\u00fchrt ab. \u201eH\u00f6rt mir jetzt zu, solange Gro\u00dfmutter abgelenkt ist und die Stoppelfelder bestaunt. Wenn alles nach Plan l\u00e4uft, werden wir heute Abend zeitig in der Herberge ankommen. Wahrscheinlich machen die Gastwirte ziemlich gro\u00dfen Aufwand. Immerhin ist ihre <em>yarlara<\/em> zu Gast, und wir sind angek\u00fcndigt. Seid artig und h\u00f6flich und benehmt Euch vorbildlich bei Tisch. Und wenn der Bote kommt, dann tut ihr ganz \u00fcberrascht. Gebt euch M\u00fche!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWelcher Bote?\u201c<\/p>\n<p>\u201eDer, den ich dorthin bestellt habe. Es ist ein Eilbote aus Wijdlant.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich. Woher sonst?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEr hat einen Brief von Manj\u00e9v. Merrit Althopian und Osse Emberbey haben sich auf ihr Verlangen unverz\u00fcglich und ohne Umschweife nach Wijdlant zu begeben.\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin Brief von Manj\u00e9v?\u201c, fragte Merrit mit zaghafter \u00dcberraschung. \u201eTats\u00e4chlich?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSie hat ihn geschrieben und zwei Tage nachdem wir losgeritten sind, abgeschickt. Es soll doch alles echt erscheinen.\u201c Sie griff zu ihm hin\u00fcber und legte ihre schlanke Hand auf seine Armschiene. An seine Schulter reichte sie nicht heran. \u201eWenn alles gelungen ist, m\u00fcsste es so geschehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann kommt mir dieser vorgebliche Brief gerade recht. Es treibt mich, mein Amt zu beginnen und der <em>teirandanja<\/em> endlich wieder zu Diensten zu sein.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas wollte ich h\u00f6ren. So habt ihr zwei eine Entschuldigung, euch vom Tro\u00df meiner Gro\u00dfmutter zu entfernen. Wir kommen mit dem Gep\u00e4ck nach. So schnell die Ziegen es zulassen. In ein paar Tagen kannst du deine Sachen in dein Amtszimmer r\u00e4umen, Osse. Ich bin neugierig, wie es dir gef\u00e4llt. Den Wandteppich habe ich selbst ausgesucht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas hast du gro\u00dfartig geordnet, T\u00edjnje.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df\u201c, sagte sie hoheitsvoll. \u201eNicht auszudenken, wenn ich die jungen Herren allein hergeschickt h\u00e4tte. Im tiefen Wald herumirren w\u00fcrdet ihr jetzt, alle vier.\u201c Sie trieb ihren Falben an, um umzudrehen und f\u00fcgte im Vorbeitraben hinzu: \u201e\u00dcbrigens, Merrit, vergiss nicht, auf dem Weg zur Burg im Hauptdorf Halt zu machen. In der Schmiede ist was f\u00fcr dich, zum abholen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr mich? Was denn?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEin zweites Pferd\u201c, sagte sie \u00fcber die Schulter. \u201eDie <em>teiranday<\/em> glauben doch, du bist eines in Althopian holen, oder nicht? Die w\u00fcrden komisch dreunschauen, wenn du statt einem neuen Ross nur den neuen <em>mynstir<\/em> mitbringst.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWo hast du das hergenommen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eSag ich nicht. Ich bin doch Manj\u00e9vs Geheimkurierin.\u201c<\/p>\n<p>Sie l\u00e4chelte lieblich und galoppierte zur\u00fcck zu L\u00e1as und dem Reisekarren, der schon wieder weit zur\u00fcckgefallen war.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-4210","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4210"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4495,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4210\/revisions\/4495"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}