{"id":3193,"date":"2025-08-25T20:05:24","date_gmt":"2025-08-25T18:05:24","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=3193"},"modified":"2025-08-31T00:44:44","modified_gmt":"2025-08-30T22:44:44","slug":"galeon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/galeon\/","title":{"rendered":"Gal\u00e9on"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"galeonc_rthumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/galeonc_rthumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-3080\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/galeonc_rthumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/galeonc_rthumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/galeonc_rthumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p><em>Wir treffen Gal\u00e9on auf einem Marktplatz in dem St\u00e4dtchen am Fu\u00df der Burg im <\/em>yarlm\u00e1lon<em> Rodekliv. Offenbar hat er gerade eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe von Leuten mit einer Geschichte nachhaltig verwirrt, denn die Leute zerstreuen sich leise tuschelnd und murmelnd. Sie geben sich den Anschein, nur rein zuf\u00e4llig an dieser Stelle vorbeigekommen zu sein und dringend andere Dinge zu tun zu haben. Gal\u00e9on scheint das nicht weiter zu st\u00f6ren. Er wirkt sogar insgeheim belustigt. Er sitzt auf einem Treppchen, das von einer Gasse hinab auf den Platz f\u00fchrt und hat sein \u00fcbersichtliches Reisegep\u00e4ck neben sich abgestellt. Es ist Markttag, der Platz ist entsprechend belebt. Allerdings ist das Warenangebot k\u00fcmmerlich, alles wirkt ziemlich \u00e4rmlich und die Leute sind auch nicht gerade bester Laune. Das k\u00f6nnte an dem hohen Aufgebot an leicht bewaffneten, nicht besonders freundlich wirkenden Wachleuten liegen, die wohl f\u00fcr Ruhe und Ordnung sorgen sollen. Offenbar ist man in Alarmbereitschaft. Wir setzen uns zu Gal\u00e9on.<\/em><\/p>\n<p><strong>Hallo Gal\u00e9on. Hast du einen Moment Zeit f\u00fcr uns? Wir sind dabei, wichtige Figuren aus den Schattenherz-Chroniken zu interviewen.<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSchattenherz-Chroniken\u201c? Das klingt interessant. Ist das eine Geschichte?<\/p>\n<p><strong>Nun ja, es \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ich <em>liebe<\/em> gute Geschichten.<\/p>\n<p><strong>Ich wei\u00df. Du als <em>b\u00e1chorkor<\/em> [~ Geschichtenerz\u00e4hler] machst das ja professionell. Und deshalb frage ich mich, ob du mir etwas \u00fcber dich erz\u00e4hlst. <\/strong><\/p>\n<p>Sicher. Ich habe nicht ganz so viele Geheimnisse, wie die Leute vermuten. Was willst du wissen?<\/p>\n<p><strong>Zum Beispiel \u2026 woher stammst du?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er hebt ratlos die Schultern).<\/em> Da hast du gleich ein R\u00e4tsel gefunden. Ich wei\u00df es nicht ganz genau. Ich musste von zuhause fliehen, als ich ein ganz kleines Kind war. Ich erinnere mich nicht, wo genau ich geboren bin. Irgendwo zwischen Aur\u00f3p\u00e9a und Iva\u00e1l muss das gewesen sein.<\/p>\n<p><strong>Wie kannst du vergessen, wo du geboren wurdest?<\/strong><\/p>\n<p>Ich war wirklich noch beinahe ein Wiegenkind. Jemand zeigt mir eine Stra\u00dfe und sagte zu mir: \u201eLauf geradeaus, wenn du \u00fcberleben willst.\u201c Das ist schon eine Herausforderung f\u00fcr ein kleines Kind vor dem vierten Sommer.<\/p>\n<p><strong>Oha. Das klingt nach einer verst\u00f6renden Geschichte.<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe das damals alles gar nicht begriffen. Ich war allein, verwirrt und hatte Angst.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u2026 und dann bist du losgelaufen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, immer geradeaus auf meinen kleinen F\u00fc\u00dfen. Immer dem Falken am Himmel nach. Weg von dem Feuer und dem Verderben hinter mir. So lange, bis ich gutherzigen Leuten in die Quere gekommen bin. Ein Kind mehr oder weniger \u2026 das machte in jenen chaotischen Tagen wohl keinen Unterschied mehr. Ich glaube, die Leute wussten bei all dem Durcheinander ohnehin nicht mehr genau, welches Kind zu wem geh\u00f6rte.<\/p>\n<p><strong>Und wo und wie lebst du jetzt? \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberall und nirgends. Ich bin ein <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Wir haben keine Heimat, sind immer unterwegs.<\/p>\n<p><strong>Warum bist du ein reisender Geschichtenerz\u00e4hler geworden?<\/strong><\/p>\n<p>Nun \u2026 dort, wo ich aufgewachsen bin, wurde ich den Leuten <em>unheimlich<\/em>. Irgendwann waren sie misstrauisch und die Stimmung gegen mich schlug mit erstaunlicher Geschwindigkeit um. Da bin ich rechtzeitig fortgegangen. Alt genug dazu war ich zu diesem Zeitpunkt.<\/p>\n<p><strong>Welchem Geschlecht f\u00fchlst du dich zugeh\u00f6rig und welche sind deine Pronomen?<\/strong><\/p>\n<p>(<em>Er guckt verdutzt.)<\/em> Ich war schon immer m\u00e4nnlich, falls das deine Frage ist. Was ist ein \u2026<\/p>\n<p><em>(Wir erinnern uns, dass wir mit so einer Frage in dieser Welt Verwirrung stiften)<\/em> <strong>Vergiss es. Wie w\u00fcrdest du dich einer blinden Person beschreiben? <\/strong><\/p>\n<p>Willst du wissen, wie ich aussehe? Du sitzt doch neben mir.<\/p>\n<p><strong>Ja, aber nimm an, jemand w\u00fcrde eine Geschichte \u00fcber dich h\u00f6ren wollen. Beschreib dich einfach.<\/strong><\/p>\n<p>Gut. Stell dir einen riesigen, gutaussehenden Kerl mit kantigem Kinn, breiten Schultern und makellosem Antlitz vor. Mit goldenen Haaren, stahlblauen Augen und einem gewinnenden L\u00e4cheln, furchtlos, edel und vor purer M\u00e4nnlichkeit strotzend, dass alle <em>f\u00e1njula\u00e9<\/em> [~ junge Frauen] mir nur so zu F\u00fc\u00dfen liegen.<\/p>\n<p>(<em>Wir mustern ihn irritiert<\/em>): <strong>Wie bitte?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin ein <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Was erwartest du denn, wenn du einen wie mich um eine Geschichte bittest? Ein bisschen \u00dcbertreibung hier und da, ein wenig Dekor und das, was den Zuh\u00f6rern zu gefallen beliebt. (<em>Er grinst.)<\/em> Aber, um bei der Wahrheit zu bleiben: Das bin ich nicht, und so k\u00e4me ich mir auch albern vor. Ich bin von mittlerer Gr\u00f6\u00dfe, eher schm\u00e4chtig, aber agil. Ich trage keinen Bart, habe kastanienfarbene\u00a0 Augen und ziemlich wilde kupferbraune Locken. Meine Bekleidung \u2026 nun ja. Zusammengew\u00fcrfelt. Abgelegtes Zeug von allen m\u00f6glichen Leuten, das ich hier und da als Bezahlung einheimsen konnte. Alles etwas verwaschen, geflickt \u00a0und ausgebleicht, aber wie du siehst, habe ich eine Vorliebe f\u00fcr die Farbe Rot.<\/p>\n<p><strong>Hast du k\u00f6rperliche Beeintr\u00e4chtigungen? Wenn ja, welche und wie bist du dazu gekommen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ich \u00fcber all die Unf\u00e4lle nachdenke, die mir in all der Zeit widerfahren sind, d\u00fcrfte eigentlich keiner meiner Knochen noch bei dem anderen sein. Aber wie du siehst, ist an mir alles heil.<\/p>\n<p><strong>Bist du ein Mensch?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Ich glaube schon. Zumindest bin ich kein Chaosgeist geworden, s\u00e4mtliche M\u00e4chte seien gepriesen daf\u00fcr.<\/p>\n<p><strong><em>Geworden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Lange Geschichte. Vielleicht sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong>Wie ist dein Verh\u00e4ltnis zu deiner Familie?<\/strong><\/p>\n<p>Wie gesagt, meine leibliche Familie habe ich fr\u00fch verloren. Das Verh\u00e4ltnis zu den Leuten, die mich aufgenommen haben, war freundlich, aber pragmatisch. Es waren sehr harte Zeiten. Wenig Zeit und Gef\u00fchle f\u00fcr ein fremdes Kind.<\/p>\n<p><strong>Wo hast du als Kind gern gespielt?<\/strong><\/p>\n<p>Gespielt?<\/p>\n<p><strong>Du hast wahrscheinlich nicht viel Zeit zum Spielen gehabt, richtig?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Ich hatte im Grunde genug damit zu tun, zu <em>\u00fcberleben<\/em>. <em>(Ein Wachmann kommt ganz nahe vorbei und wirft Gal\u00e9on einen absch\u00e4tzigen Blick zu, den der junge Mann mit einem freundlichen L\u00e4cheln erwidert.)<\/em><\/p>\n<p><strong>Wann hat deine Kindheit geendet?<\/strong><\/p>\n<p>In dem Moment, als mir jemand befahl, dem Falken nachzulaufen und ich zum ersten Mal allein eine Stra\u00dfe entlang rannte. Ab jenem Moment war ich ein Fahrender. Mit Unterbrechungen, nat\u00fcrlich. Ich brauchte ein paar Sommer, um erwachsen zu werden.<\/p>\n<p><strong>Wie lange ist das her?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er beginnt, etwas an den Fingern abzuz\u00e4hlen. Damit ist er l\u00e4nger besch\u00e4ftigt, als man erwarten sollte.)<\/em> Hundertf\u00fcnfzig Sommer. So ungef\u00e4hr.<\/p>\n<p><strong>Hundertf\u00fcnf<\/strong><strong>z- &#8230; das ist wieder eine Geschichte, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Aber du verstehst vielleicht, dass die Leute misstrauisch wurden, als ich irgendwann aufh\u00f6rte, zu altern. Ich konnte es mir damals selbst nicht erkl\u00e4ren. Also setzte ich meine Reise fort. So fiel es niemandem auf, dass ich seit Generationen im K\u00f6rper eines jungen Mannes gefangen bin. Eine ziemlich elegante L\u00f6sung, wie ich finde, wenn auch eine zu einem hohen Preis.<\/p>\n<p><em>(Das erinnert uns irgendwie an ein anderes Interview, das wir zuvor gef\u00fchrt haben)<\/em> <strong>Wei\u00dft du, warum das so ist? Dir muss doch irgendetwas zugesto\u00dfen sein, dass dein Altern gestoppt hat. Wahrscheinlich irgendwas bizarres Magisches.<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ich wei\u00df zwischenzeitlich, woran es liegt. Es ist aber ein Geheimnis, das sich nicht allzu weit herumsprechen sollte. Und ich wei\u00df nicht, warum es auf diese Weise geschehen ist. Es wird sich wohl zeigen.<\/p>\n<p><strong>Nun gut. Wechseln wir das Thema. Welche Tradition magst du gern und ist dir wichtig?<\/strong><\/p>\n<p>Ach, Traditionen \u2026 ich habe doch nicht einmal einen <em>Ort<\/em>, an den ich geh\u00f6re. Aber vielleicht k\u00f6nnte man das, was ich hier tue, mit etwas gutem Willen als Tradition bezeichnen.<\/p>\n<p><strong>Du meinst das Erz\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Ich glaube, sobald Menschen aufh\u00f6ren, einander Geschichten zu erz\u00e4hlen, geht es auch mit dem Weltenspiel zu Ende. Deshalb ist es so wichtig, dass es uns gibt, die <em>b\u00e1chorkoray<\/em>. Wir ziehen kreuz und quer \u00fcber das Weltenspielbrett, vom Meer zur W\u00fcste, vom Eis bis in die Berge und tragen alles weiter, was wir zu h\u00f6ren bekommen. Nat\u00fcrlich alles ein wenig ausgeschm\u00fcckt und in Form gebracht, sonst w\u00e4re es ja langweilig und voller Wiederholungen. Wir d\u00fcrfen nicht zulassen, dass die Geschichten aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Das ist dann wohl eine sehr wichtige Aufgabe, die auf euch lastet.<\/strong><\/p>\n<p>Wir tragen diese Last zu Gl\u00fcck nicht allein. Jeder kann Geschichten erz\u00e4hlen. Jede Mutter tut das, jeder Vater, wen die Kinder danach fragen. Ein kleiner Funke Phantasie reicht aus. Meinesgleichen hat lediglich den Vorteil, ein besonders gutes Ged\u00e4chtnis zu haben. Und ein gewisses Talent, andere zu unterhalten. Und wild lodernde Phantasie, nicht nur ein F\u00fcnkchen.<\/p>\n<p><strong>Welche ist deine gl\u00fccklichste Erinnerung?<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber muss ich nachdenken. Ich glaube, dass mir mein gl\u00fccklichstes Erlebnis noch bevorsteht. Ansonsten \u2026 kann man eigentlich gl\u00fccklich sein, solange man allein ist? Solange man neben den anderen vor sich hinlebt?<\/p>\n<p><strong>Hast du denn nichts, wor\u00fcber du dich freust?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er lacht.)<\/em> Vor einiger Zeit bin ich zwei Kindern begegnet, die mir aus einer ziemlich misslichen Situation geholfen haben. Ich denke, die M\u00e4chte haben gewollt, dass ich mit diesen Kindern zusammenfinde. Das und die Dinge, die danach kamen, die trage ich nun ganz tief im Herzen.<\/p>\n<p><strong>Welche ist deine schmerzhafteste Erinnerung?<\/strong><\/p>\n<p>Es macht mich traurig, dass ich mich kaum an meine Mutter erinnern kann. Ich versuche oft, mir ins Ged\u00e4chtnis zu rufen, wie sie aussah und wie ihre Stimme klang. Aber es ist alles verschwunden, in Nebel, Rauch und Asche. Ich war zu jung.<\/p>\n<p><strong>Was ist mit deiner Mutter passiert?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er schaut zu Boden.)<\/em> Ich hoffe, dass sie rasch hinter die Tr\u00e4ume fliehen konnte. Es ging so schnell. Sie fielen in den Ort ein, in dem wir lebten, und bevor jemand sich besinnen konnte, war alles voller Blut und Flammen.<\/p>\n<p><em>(Wir rechnen kurz nach):<\/em> <strong>Hundertf\u00fcnfzig Winter, ja? Die Chaoskriege?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Aber es war nicht der Verfluchte, der Schattens\u00e4nger, der Chaosgeister beschworen hatte. Es war keine Magie im Spiel, wenn auch Magier in der N\u00e4he waren, um sich das Spektakel anzusehen. Die M\u00f6rder meiner Familie waren Menschen. Lauter Menschen mit schmutztriefenden Herzen. Manchmal frage ich mich, was aus ihnen geworden ist. Ob sie m\u00f6glicherweise \u2026 noch da sind.<\/p>\n<p><strong>Nach hundertf\u00fcnfzig Jahren?<\/strong><\/p>\n<p>Sicher. Zeit ist belanglos f\u00fcr mich. Was wei\u00dft du \u00fcber mich, abgesehen davon, dass ich ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> bin? Ich vermute, du wei\u00dft, worauf ich hinaus will.<\/p>\n<p><strong>Nun ja. Es wird gemunkelt, dass du ein Rotgewandeter bist, ein <em>goala\u2019ay<\/em>. Also ein Magier, der Seelen ins Jenseits geleiten kann. Da, wo ich herkomme, gibt es sogar ein Wort daf\u00fcr: Psychopomp.<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er kichert.)<\/em> Das klingt witzig. Aber es ist noch nicht ganz weit. Solange ich lebendig bin, kann ich selbst die Welt hinter den Tr\u00e4umen n\u00e4mlich nicht betreten. Und wenn ich sie einmal betreten haben werde, kann ich nicht wieder zur\u00fcck, zumindest nicht im Sinne eines Weltenreisenden. Vorerst bin ich also nichts weiter als ein Magier, der noch sehr viel zu lernen hat. Es ist alles noch ziemlich neu f\u00fcr mich. Aber \u2026 ich kann davon <em>erz\u00e4hlen<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Stimmt es, dass du der Sch\u00fcler von Gor Lucegath bist?<\/strong><\/p>\n<p>Macht dich das nerv\u00f6s?<\/p>\n<p><strong>Ein wenig. <\/strong><\/p>\n<p>Gor hatte eine \u00e4u\u00dferst ungl\u00fcckliche Lebensgeschichte, die ihn zynisch, verbittert und gef\u00e4hrlich gemacht hat. Aber das sollte so niemals sein. Ich bem\u00fche mich sehr, dem Licht zu dienen, wie es gedacht ist. Man k\u00f6nnte auch sagen, unter den Rotgewandeten, die sich jetzt im Weltenspiel bewegen, bin ich der \u201enette\u201c.<\/p>\n<p><strong>Du bist der Einzige!<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Und vielleicht verstehst du etwas besser, was ich vorhin \u00fcber Gl\u00fcck und Einsamkeit sagte. Ich bin in der Tat der Letzte. Aber vielleicht wird der Weg f\u00fcr etwas Anderes frei, wenn ich einmal auch nicht mehr da bin.<\/p>\n<p><strong>Jetzt muss ich doch eine sehr pers\u00f6nliche Frage stellen. <\/strong><\/p>\n<p>Nur zu.<\/p>\n<p><strong>Wenn du mehr als hundertf\u00fcnfzig Jahre alt bist und trotzdem aussiehst wie Mitte zwanzig \u2013 bist du unsterblich?<\/strong><\/p>\n<p>Sagen wir es so: Ich habe aufgeh\u00f6rt, zu z\u00e4hlen, wie oft Leute aus den verschiedensten Gr\u00fcnden versucht haben, mich umzubringen. Wei\u00dft du, ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> wird in der Regel nicht vermisst, wenn er von der Bildfl\u00e4che verschwindet, also haben gewisse Leute nur wenig Skrupel, sich an uns abzureagieren. Schn\u00f6de Raub\u00fcberf\u00e4lle, gelangweilte Gewaltt\u00e4ter, eskalierte blutige Schl\u00e4gereien, in die ich hineingeraten bin, sogar Hinrichtungen habe ich \u00fcberlebt. <em>(Er wirft einen finsteren Blick hin\u00fcber zu der Wachtruppe, die jeden in ihrer N\u00e4he nerv\u00f6s zu machen scheint.)<\/em> Und nat\u00fcrlich eine Reihe von Unf\u00e4llen und Krankheiten. Du denkst wahrscheinlich, das sei etwas, wof\u00fcr ich dankbar bin.<\/p>\n<p><strong>Bist du das?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Ich bin bei alldem n\u00e4mlich nicht unverwundbar.<\/p>\n<p><strong>Was ist das f\u00fcr ein Gef\u00fchl, nicht zu sterben?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er lehnt sich zur\u00fcck und schaut zum Himmel auf.)<\/em> Wei\u00dft du \u2026 Unsterblichkeit in einer verg\u00e4nglichen Welt ist wider das, was die M\u00e4chte sich vorgestellt haben. Es gab und gibt in meinem pers\u00f6nlichen Umfeld einige Personen, die in der Tat zurzeit nicht sterben k\u00f6nnen, genau wie ich. Aber das ist etwas ganz anderes, als tats\u00e4chlich unsterblich zu sein. All diese Leute \u2013 und ich genauso \u2013 sind gegen ihren Willen und teils sogar ohne ihr Wissen Opfer eines sehr komplizierten magischen Rituals geworden. Jemand wird das eines Tages unter ganz bestimmten Bedingungen in Ordnung bringen m\u00fcssen. \u2013 Du magst solche \u00dcberlegungen nicht. Frag mich was anderes.<\/p>\n<p><strong>Worauf achtest du als Erstes bei einer anderen Person?<\/strong><\/p>\n<p>Auf den Charakter. Das ist sehr anstrengend und oft auch sehr entt\u00e4uschend.<\/p>\n<p><strong>Wie meinst du das?<\/strong><\/p>\n<p>Ich lerne langsam, es zu kontrollieren und zu verbergen. Wie den meisten anderen Magiern auch sind mir \u00c4u\u00dferlichkeiten vollkommen egal. Stattdessen bin ich in der Lage, bei einer Begegnung mit einer fremden Person genau zu sp\u00fcren, wie die Pers\u00f6nlichkeit beschaffen ist. Es l\u00e4sst sich schwer erkl\u00e4ren. Schau zum Beispiel der Bursche dahinten. Der Waffenknecht, der gerade ganz unverfroren der Marktfrau ein Brot geklaut hat. Siehst du, wie emp\u00f6rt sie ist, sich aber nicht traut, etwas dagegen zu tun, um keinen \u00c4rger mit ihm zu bekommen? Sie hat Angst vor ihm. Er ist derjenige mit der Axt unter dem G\u00fcrtel. Das Brot und den Verdienst schreibt sie ab. Sie verflucht ihn mitsamt seiner Familie und dem Herrn, dem er dient.<\/p>\n<p><strong>Ja &#8230; aber \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ja, er hat das Brot gestohlen und seine \u00dcberlegenheit ausgenutzt. Er h\u00e4tte es kaufen k\u00f6nnen, daf\u00fcr hat er genug Geld bei sich. Aber er will das Brot gar nicht f\u00fcr sich, und im Herzen sch\u00e4mt er sich, die arme Frau bestohlen zu haben. Er wei\u00df, dass seine Kameraden ihn beobachten und misstrauisch geworden w\u00e4ren, wenn er sich nicht benommen h\u00e4tte wie einer der Kerle des Herrn von Ferocriv\u00e9.<\/p>\n<p><strong>Und was hat er mit dem Brot vor?<\/strong><\/p>\n<p>Er wird es jemandem geben, der es braucht. <em>(Gal\u00e9on schaut dem Dieb nach. Die jammernde Marktfrau scheint ihn nicht zu interessieren.)<\/em> Jemandem, den er mag und um den er sich sorgt. Vielleicht hat er einen bed\u00fcrftigen Verwandten oder Freund, zu dem er sich nicht \u00f6ffentlich bekennen kann oder mag. Vielleicht eine <em>h\u00fdardora<\/em> [~ Gef\u00e4hrtin], die er geheim halten muss.<\/p>\n<p><strong>Das ist wieder eine Geschichte, oder?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. <em>Jeder<\/em> hat eine Geschichte. Und es ist eben meine Gabe, dass ich sie in groben Z\u00fcgen in ein paar Herzschl\u00e4gen wahrnehmen kann. Keine Details, dazu sind solche Begegnungen zu fl\u00fcchtig. Der da, der Brotdieb, der jetzt wieder mit seinen Kumpanen l\u00e4rmend weiterzieht, ist jedenfalls nicht das, was er auf den ersten Moment zu sein scheint. Es sind nicht alles stupide Mistkerle oder Haudraufs, <em>(Er seufzt.)<\/em> Es ist unglaublich anstrengend, dass ich all diese Dinge wahrnehmen kann. Andererseits ist es f\u00fcr einen <em>goala\u2019ay<\/em> sehr wichtig, all diese komplizierten Seelendinge schnell entschl\u00fcsseln zu k\u00f6nnen. Manchmal haben wir nicht viel Zeit, wenn wir \u2026 nun \u2026 <em>handeln<\/em> m\u00fcssen.<\/p>\n<p><em>(Aus irgendeinem Grund ist es auch sehr unangenehm, ihn nicht als harmlosen <\/em>b\u00e1chorkor<em>, sonders als eine Art Todesboten zu sehen).<\/em> <strong>Welche Rolle nimmst du in einer Gruppendiskussion oder einer Gruppenarbeit ein?<\/strong><\/p>\n<p>Meinesgleichen passt nicht gut in Gruppen. Da ich immer allein bin, w\u00fcrde ich sagen, ich bin der Einzelg\u00e4nger. Ich bin kein Draufg\u00e4nger. Leichtsinn kann gerade f\u00fcr einen Heimatlosen wie mich schnell b\u00f6se Folgen haben. Ein Mitl\u00e4ufer bin ich nicht, da ich mich niemals jemandem anschlie\u00dfen muss. Ein Feigling \u2026 hm. Auf Au\u00dfenstehende k\u00f6nnte manches, was ich tue, wirken als sei ich nicht sonderlich konfrontationsfreudig. Meist halte ich mich aber aus Dingen einfach heraus, weil es einem <em>goala\u2019ay<\/em> eigentlich nicht ansteht, Partei zu ergreifen. Wir sind Beobachter. Ja, Beobachter. Das gef\u00e4llt mir.<\/p>\n<p><strong>Was kannst du besonders gut?<\/strong><\/p>\n<p>Ohne falsche Bescheidenheit w\u00fcrde ich sagen, dass ich ein gewisses Talent zum Geschichtenerz\u00e4hlen habe. <em>(Er ist definitiv belustigt.)<\/em> Au\u00dferdem gelingt es mir immer wieder, mich in bedrohliche Situationen zu bringen und mich aus denselben wieder herauszuwinden.<\/p>\n<p><strong>Was kannst du \u00fcberhaupt nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht. Als <em>b\u00e1chorkor<\/em> muss man gut improvisieren k\u00f6nnen. Aber ich habe wohl noch gen\u00fcgend Zeit, um herauszufinden, wobei ich versage.<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcrdest du gerne k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Mein Ziel ist es, einmal ein w\u00fcrdiger \u00a0<em>goala\u2019ay<\/em>-Meister zu werden. Ich m\u00f6chte mich frei in den Tr\u00e4umen und der Welt dahinter bewegen k\u00f6nnen und den Sterblichen den Weg dahin weisen.<\/p>\n<p><strong>Das ist gruselig.<\/strong><\/p>\n<p>Nein, ist es nicht. Glaub mir. <em>(Er l\u00e4chelt. Er hat ein unglaublich beruhigendes, g\u00fctiges L\u00e4cheln.) <\/em>Gruselig w\u00e4re es, wenn niemand da w\u00e4re, um einen zu f\u00fchren.<\/p>\n<p><em>(Das Thema ist unangenehm und passt auch nicht zur Situation. Vielleicht bekommen wir ihn auf positivere Gedanken.)<\/em> <strong>Welcher ist dein innigster Wunsch?<\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte nicht allein sein. Versteh mich nicht falsch: Ich werde immer ein ruhelos Umherziehender sein. Der Gedanke, sesshaft zu sein ist f\u00fcr mich absurd. Aber ich m\u00f6chte andere um mich wissen, vor denen ich kein Geheimnis haben muss. Die erkennen, wer und was und warum ich bin und mit denen ich \u00fcber Dinge reden kann, die andere verst\u00f6ren w\u00fcrden, so wie dich gerade jetzt. Nun, da ich andere Magier kennengelernt habe, kann dieser Wunsch wahr werden.<\/p>\n<p><strong>Woran glaubst du aus tiefster \u00dcberzeugung?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, dass das, was im Weltenspiel geschieht, urspr\u00fcnglich perfekt und sinnvoll war und es wieder werden kann.<\/p>\n<p><strong>Wovor hast du am meisten Angst?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin einmal den echten, den puren Chaosgeistern begegnet. Manchmal habe ich Alptr\u00e4ume davon. Sie sind <em>entsetzlich<\/em>. Ich habe Angst davor, was geschieht, wenn die Grenzen des Chaos einmal zusammenbrechen und diese Wesen auf das Weltenspiel losgelassen w\u00fcrden. Niemand w\u00e4re in der Lage, sich gegen diese Schrecken zu verteidigen.<\/p>\n<p><em>(Wenn selbst er so etwas f\u00fcr denkbar h\u00e4lt, ist es ziemlich be\u00e4ngstigend. Schnell wechseln wir das Thema.)<\/em> <strong>Was schenkt dir innere Ruhe?<\/strong><\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich einem Menschen sehr schwer erkl\u00e4ren. Es h\u00e4ngt mit Dingen zusammen, \u00fcber die ich bereits Bescheid wei\u00df. Dinge, \u00fcber die ich nicht nachr\u00e4tseln und mir darum Sorgen und Gedanken machen muss. Das ergibt eine gewisse Gelassenheit.<\/p>\n<p><strong>Kannst du mir mehr dar\u00fcber erz\u00e4hlen?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Jetzt noch nicht. Du bist noch nicht so weit, dass du diese Geschichte brauchst. Frag mich nach etwas Greifbarem.<\/p>\n<p><strong>Na gut. Wor\u00fcber freust du dich?<\/strong><\/p>\n<p>Ich freue mich dar\u00fcber, wenn ich Leute mit meinen Geschichten bewegen, ihnen eine Freude machen oder sie zum Lachen oder Weinen bringen konnte. Je nachdem, was sie gerade brauchen, was gut oder heilsam f\u00fcr sie ist. Und ich freue mich, wenn sie mir daf\u00fcr etwas zur\u00fcckgeben. Eine Mahlzeit zum Beispiel, oder einen sicheren Schlafplatz f\u00fcr die Nacht. Ein bisschen Geld ist auch nicht schlecht.<\/p>\n<p><strong>Das klingt unerwartet belanglos \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin ein <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Ich muss jeden Tag zusehen, womit ich mein Leben bestreite. Ich brauche zu essen, und es ist nicht sonderlich angenehm, nachts unter freiem Himmel zu \u00fcbernachten. Da ist es schon erfreulich, wenn jemand meine Darbietungen zu honorieren wei\u00df und ich mich f\u00fcr den Moment nicht um Brot und Schlaflager sorgen muss.<\/p>\n<p><strong>H\u00e4ttest du als <em>goala\u2019ay<\/em>, als Magier nicht ganz andere M\u00f6glichkeiten, dein t\u00e4gliches Leben zu verbessern?<\/strong><\/p>\n<p>Was soll ich deiner Meinung nach machen? Mir ein kleines H\u00e4uschen zaubern und einen Acker und etwas Vieh gleich dazu? So funktioniert das nicht. <em>Goala\u2019ay<\/em> waren schon immer Fahrende. Die meisten haben sich allerdings mit unerfreulicheren T\u00e4tigkeiten ein Auskommen gesichert als ich. Wenn du dich ein wenig mit uns auskennst, wei\u00dft du, wie ich das meine. Den M\u00e4chten sei Dank, das ist mir erspart geblieben.<\/p>\n<p><em>(Das k\u00f6nnen wir uns vorstellen.)<\/em> <strong>Wof\u00fcr bist du sonst noch dankbar?<\/strong><\/p>\n<p>Ich danke den M\u00e4chten, dass ich endlich so etwas \u00c4hnliches wie meinesgleichen gefunden habe. Ich sehe langsam klarer, was meine Bestimmung im Weltenspiel ist, was von mir erwartet wird. Ich wei\u00df endlich, was es mit mir selbst auf sich hat, und muss nicht mehr dar\u00fcber nachr\u00e4tseln.<\/p>\n<p><strong>Kannst du denn dann nicht einfach im Eta\u00edmalon oder im Ciel\u00e1stel unterkommen?<\/strong><\/p>\n<p>Nein. Im Heiligtum von Patagh\u00edu oder Nokt\u00e1ma habe ich nichts zu suchen. Ich muss nahe bei den Menschen bleiben.<\/p>\n<p><strong>Was findest du unheimlich?<\/strong><\/p>\n<p>Unheimlich \u2026 es gibt nichts, was ich <em>schauerlich<\/em> finden w\u00fcrde, wenn du das meinst. Es gibt keine Gespenster oder heimt\u00fcckische Monster im dunklen Wald. Es gibt aber Dinge, die ich f\u00fcrchte, wie die bereits erw\u00e4hnten Chaosgeister. Und es gibt Dinge, die mich <em>beunruhigen<\/em>. Vor allem das, was Menschen imstande sind, anderen Menschen anzutun, und aus welch sonderbaren Beweggr\u00fcnden heraus.<\/p>\n<p><strong>Und was findest du erotisch?<\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df wirklich nicht, was ich drauf antworten soll.<\/p>\n<p><strong>Was findest du an einer Frau \u2013 oder anderen M\u00e4nnern \u2013 k\u00f6rperlich anziehend?<\/strong><\/p>\n<p>Ich bin zurzeit nicht interessiert an k\u00f6rperlichen Begegnungen mit irgendwem. Also verschlie\u00dfe ich meine Augen vor Reizen jeglicher Art. Nicht, dass gewisse <em>f\u00e1njulae<\/em> nicht gelegentlich andeuten w\u00fcrden, dass sie \u2026 <em>gewillt<\/em> w\u00e4ren. Aber ich bin es nicht.<\/p>\n<p><strong>Du hattest in hundertf\u00fcnfzig Jahren noch keine Beziehung oder na ja \u2026 S*x? <\/strong><\/p>\n<p>Nein. Und das ganz bewusst nicht. Ich bin, in Sommern und Wintern gerechnet, ein Greis, aber ich altere nicht. Ich habe keinen festen Platz in dieser Welt, und ich h\u00e4tte nichts, womit ich einer <em>h\u00fdardora<\/em> Sicherheit bieten k\u00f6nnte. Ich lasse mich nicht verf\u00fchren und \u2026 <em>(er unterbricht sich und schaut nachdenklich ins Leere)<\/em>. Frag mich das in ein paar Wintern noch einmal. Ich werde dir dann vielleicht eine andere Antwort geben.<\/p>\n<p><strong>Das klingt jetzt aber sehr mysteri\u00f6s.<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Es hat den Grund, dass ich glaube zu wissen, warum ich in all der Zeit so jung geblieben bin. Ich glaube, die M\u00e4chte wollen, dass ich \u2026 warte.<\/p>\n<p><strong>Warten? Worauf?<\/strong><\/p>\n<p>Darauf, dass mich jemand \u2026 einholt. Ich will jetzt nicht dar\u00fcber sprechen. Ich w\u00fcnschte, ich w\u00fcrde mich in dieser Sache irren.<\/p>\n<p><em>(Nun sind wir aber erst recht neugierig.)<\/em><strong> Wenn du sagst, in ein paar Wintern \u2026 <\/strong><\/p>\n<p>Ich bin meiner <em>h\u00fdardora<\/em> begegnet, als sie noch ein kleines M\u00e4dchen war. Aber sie wei\u00df nichts von mir, den M\u00e4chten sei es gedankt. Und ich werde mich h\u00fcten, ihr vor der Zeit zu begegnen.<\/p>\n<p><strong><em>DAS ist gruselig! <\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ja.<\/p>\n<p><strong>Du <em>wei\u00dft<\/em>, dass du einmal jemanden attraktiv finden wirst, der noch ein <em>Kind<\/em> ist?<\/strong><\/p>\n<p>Ja. Und aus diesem Grund habe ich mich seither fernab von den Orten aufgehalten, an denen ich ihr zuf\u00e4llig \u00fcber den Weg laufen k\u00f6nnte. Ich wei\u00df, wer und wo sie ist. Ich wei\u00df, dass wir <em>f\u00fcreinander<\/em> sind, weil ich sie als f\u00fcr mich bestimmte <em>h\u00fdardora<\/em> erkannt habe. Wenn sie sich \u00fcberhaupt noch an mich erinnert, wird sie aufgrund ihrer Jugend jedoch nichts Derartiges gesp\u00fcrt haben. Wenn die M\u00e4chte es aus irgendeinem okkulten Grund so f\u00fcr sie und mich bestimmt haben, will ich doch zumindest, dass sie sich deswegen nicht entsetzen muss und mir im Alter ebenb\u00fcrtig ist. Sie soll es aus freiem Willen entscheiden. Und ich hoffe, dass sie eine andere Wahl trifft, zuvor einem anderen <em>h\u00fdardor<\/em> begegnet. Ich w\u00fcnschte, es w\u00e4re anders. Es sollte anders sein. Ich empfinde \u2026 ja, ein schlechtes Gewissen, obwohl ich gar nichts willentlich dazu beitrage.<\/p>\n<p><em>(Er scheint dieses Thema nicht weiter vertiefen zu wollen. Wir machen uns unsere eigenen Gedanken. Wahrscheinlich steckt eine wirklich verwickelte Geschichte dahinter.)<\/em> <strong>Kannst du gut stillsitzen oder brauchst du immer etwas zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> ist nie lange an einem Ort. Daher genie\u00dfe ich es, wenn ich einmal f\u00fcr eine Weile die Gelegenheit habe, mich auszuruhen, einfach eine Weile nichts tun, au\u00dfer den Gedanken nachzuh\u00e4ngen. Neue Geschichten ersinnen. Ausruhen. Das ist eine sehr kostbare Zeit.<\/p>\n<p><strong>Wann warst du das letzte Mal so richtig w\u00fctend \u2013 und warum?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er schmunzelt.)<\/em> Du w\u00fcrdest niemals, nie im Leben, einen wirklich w\u00fctenden <em>goala\u2019ay<\/em> erleben wollen. Ich denke, ich bin ein sehr gelassener und friedfertiger Mensch. Es geh\u00f6rt schon einiges dazu, mich ernsthaft w\u00fctend zu machen. Vielleicht bin ich noch nicht <em>bereit<\/em> f\u00fcr Wut.<\/p>\n<p><strong>Wann hast du das letzte Mal geweint \u2013 und warum?<\/strong><\/p>\n<p>Geweint? Ich nehme an, du meinst jetzt nicht gerade allt\u00e4gliche Situationen, in denen mir von Schmerzen oder R\u00fchrung die Tr\u00e4nen kamen. Das passiert mir n\u00e4mlich des \u00d6fteren. Das letzte Mal, als wirkliche pers\u00f6nliche Emotionen im Spiel waren, habe ich am Grab meines Meisters gestanden. Es war ein sehr pers\u00f6nlicher Moment.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe ein Geschenk erhalten. Ein sehr wertvolles Geschenk, von dem ich bef\u00fcrchte, dass ich mir eines Tages w\u00fcnschen werde, ich h\u00e4tte es <em>nicht<\/em> bekommen. Aber wer wei\u00df? Ich kann nicht in die Zukunft blicken. Vielleicht wird alles ganz anders kommen<em>. (Er wirft einen nachdenklichen Blick auf sein Reisegep\u00e4ck. Ein l\u00e4nglicher Gegenstand ist dabei, aber da er in Stoff eingewickelt ist, kann man nur spekulieren, was es sein k\u00f6nnte.)<\/em><\/p>\n<p><strong>Wor\u00fcber hast du dich das letzte Mal so richtig gefreut?<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber ein ganz anderes Geschenk. Ein kleines M\u00e4dchen hat mir einmal f\u00fcr eine Geschichte eine Blume geschenkt. Das war einerseits sehr s\u00fc\u00df, andererseits hatte es eine besondere Symbolik, denn ich wei\u00df, was es mit dieser Blume auf sich hatte. Eine freundliche Erinnerung an ein anderes kleines M\u00e4dchen, dem ich vor langer, langer Zeit ebenfalls einmal ein M\u00e4rchen erz\u00e4hlt habe. Aber das ist fast schon wieder eine eigene Geschichte wert und w\u00fcrde weit von hier weg und zur\u00fcck in der Zeit f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Wann musstest du das letzte Mal richtig lachen \u2013 und warum?<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Humor ist das so eine Sache, bei <em>goala\u2018ay<\/em> ebenso wie bei <em>b\u00e1chorkoray<\/em>. Ich mag die M\u00e4rchen, die jemand, den ich zwischenzeitlich gut kenne, aus einer anderen Welt mitgebracht haben \u2013 sie sind so herrlich albern. Ich kann mich daran kaum satth\u00f6ren. Als <em>b\u00e1chorkor<\/em> muss ich nat\u00fcrlich meinem Publikum auch derbere und zotige Sachen vortragen k\u00f6nnen, aber das gef\u00e4llt mir pers\u00f6nlich nicht. Auch, wenn gewisse Kreise hier einen sehr schlichten Geschmack haben, was das betrifft. <em>(Er schaut zu einem weiteren Tr\u00fcppchen von Wachleuten aus Ferocriv\u00e9 hin\u00fcber und erntet seinerseits finstere Blicke.) <\/em>Ich selbst mag Witze, die niemandem weh tun oder herabw\u00fcrdigen. Wortspiele, Scherzfragen und solche Dinge. Geistreiche Unterhaltung, wie sie in Iva\u00e1l beliebt ist. Ich mag es nicht, wenn Leute einander auslachen oder schadenfroh sind. Das macht keinen Spa\u00df und ist zu billig.<\/p>\n<p><strong>Erz\u00e4hle etwas \u00fcber die Person, der du am meisten vertraust!<\/strong><\/p>\n<p>Nicht, dass ich einer Reihe anderer Leute nicht vertrauen w\u00fcrde \u2026 aber ich glaube, den meisten Halt gibt mir Gor Lucegath.<\/p>\n<p><strong>Der tot ist. Ernsthaft?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, warum denn nicht? Vergiss nicht, dass f\u00fcr einen<em> goala\u2019ay<\/em> zwischen dem Weltenspiel und den Tr\u00e4umen nur eine sehr, sehr d\u00fcnne Grenze besteht. Ich habe Wege, um mit ihm in Kontakt zu treten, und er l\u00e4sst es sich nicht nehmen, aufzutauchen, wenn ich seinen Rat oder einfach nur seinen Zuspruch brauche. Oder wenn er mich belehren will. Nat\u00fcrlich spielt sich das alles nur ein meiner Wahrnehmung ab. Er kann meinen Geist und meine Tr\u00e4ume betreten, aber nat\u00fcrlich nicht mehr die Welt der Lebenden. Aber das ist ganz egal. So sind wir unter uns. Gor Lucegath ist ein kluger Mann und ein \u00fcberaus m\u00e4chtiger Magier gewesen. Wenn ich mir vorstelle, was aus ihm h\u00e4tte werden k\u00f6nnen, wenn er seinerzeit nicht den falschen Leuten gefolgt und dar\u00fcber so zynisch und verbittert geworden w\u00e4re \u2026 Und au\u00dferdem: Ihm verdanke ich, dass ich damals dem Massaker entkommen bin. Er war der Mann, der mich aus dem Gemetzel herausgefischt und zur Stra\u00dfe gebracht hat. Er hat sein eigenes Leben riskiert, um ein kleines Kind vor der Meute zu retten, der er selbst angeh\u00f6rte. <em>(Er denkt einen Moment nach.) <\/em>Wenn ich dar\u00fcber nachdenke \u2026 das war zu einer Zeit, als er noch Gerechtigkeit und G\u00fcte im Herzen gehabt haben muss. Ich wei\u00df, dass er in jenen Tagen rein und aufrichtig geliebt hat. Er ist mein Mentor, auch wenn er zum Phantom geworden ist, und ich vertraue ihm bedingungslos. Er ist sehr streng und l\u00e4sst mir keinen Fehler durchgehen. Aber ich k\u00f6nnte mir keinen besseren Meister w\u00fcnschen. Auch wenn man bedenkt, dass es etwas gruselig anmuten mag, dass mich genaugenommen ein Toter unterrichtet.<\/p>\n<p><em>(Man rechnet wirklich nicht damit, dass jemand der so nett und unauff\u00e4llig daherkommt wie Gal\u00e9on, so leichthin \u00fcber solche beunruhigenden Themen redet.)<\/em><strong>Von wem oder aus welchem Ereignis hast du etwas Wichtiges gelernt \u2013 und was war das?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Jetzt grinst er.)<\/em> Neugier, lieber Freund, ist der Weg ins Abenteuer und zu einer Menge Unannehmlichkeiten. Immer, wenn ich meine Nase in Dinge gesteckt habe, die besser unentdeckt geblieben w\u00e4ren, habe ich eine Menge Pr\u00fcgel eingesteckt und Leuten Schadenfreude bereitet. Als ich es einmal auf die Spitze getrieben hatte, habe ich mich unwillentlich mit einem wirklich grausamen und furchteinfl\u00f6\u00dfenden Gegner angelegt. Aus der Sache w\u00e4re ich aus eigener Kraft nie wieder herausgekommen. Untersch\u00e4tze niemals alte Leute, das ist die Lehre, die ich aus meiner Begegnung mit \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 gezogen habe. Das habe ich gelernt. Und, dass im Weltenspiel nichts so absurd w\u00e4re, dass es nicht geschehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Wenn du zwei Dinge in deinem Leben revidieren k\u00f6nntest, welche w\u00e4ren das \u2013 und warum?<\/strong><\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte seinerzeit nicht selbst nachschauen d\u00fcrfen, ob es ein paar Kindern gut geht. Ich f\u00fcrchte, das war der Moment, in dem ich mich unwissentlich zu nahe an eine Sache herangewagt habe, aus der noch viel \u00c4rger erwachsen wird. Andererseits \u2013 ich habe nicht wissen k\u00f6nnen, was ich damit angerichtet habe. Und zum anderen h\u00e4tte ich nie im <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Rodekliv um ein Nachtlager bitten sollen. Was g\u00e4be ich darum, diese Erinnerung tilgen zu k\u00f6nnen. Ich h\u00e4tte wissen sollen, was sich diese Scheusale unter <em>Unterhaltung<\/em> vorstellen.<\/p>\n<p><strong>Du bist hier nicht weit von Rodekliv entfernt \u2026 <\/strong><\/p>\n<p>Ich wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>Warum bist du \u00fcberhaupt hier?<\/strong><\/p>\n<p>Ich \u2026 beobachte. <em>(Er schaut zu den Wachm\u00e4nnern hin\u00fcber. Ein weiterer junger Waffentr\u00e4ger hoch zu Ross hat sich nun zu ihnen gesellt. Er tr\u00e4gt ein anderes Wappen, geh\u00f6rt also nicht zu der \u00f6rtlichen Gruppe. Es findet ein sachlicher Wortwechsel statt.) <\/em>Lass uns \u00fcber etwas Angenehmeres sprechen.<\/p>\n<p><strong>Woran denkst du, wenn du zu den Sternen emporsiehst?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Die M\u00e4nner scheinen ihn zu beunruhigen. Er wirkt geistesabwesend.)<\/em> Ich \u00e4rgere mich, dass ich es offenbar nicht geschafft habe, mir ein Dach \u00fcber dem Kopf f\u00fcr die Nacht zu organisieren. <em>(Die Bewaffneten auf dem Marktplatz scheinen seine ganze Aufmerksamkeit zu beanspruchen.)<\/em>. Tut mir leid, falls du etwas Romantisches erwartet hast.<\/p>\n<p><strong>Welcher ist der idyllischste Ort, den du kennst?<\/strong><\/p>\n<p>Ich kenne so ziemlich jeden Ort im Weltenspiel. Jeder hat seinen Reiz. Ich glaube, der sch\u00f6nste und zugleich sonderbarste Ort ist der Gipfel des Montaz\u00edel. Von dort oben schaut man in alle Richtungen. Und es ist unglaublich still. Nur der Wind und die V\u00f6gel am Himmel. Ab und zu ein verirrtes Gebirgs-Windninchen. Weite gr\u00fcne Blumenwiesen \u00fcber den Wolken. Man sieht an manchen Tagen Patagh\u00edus Glanz und Nokt\u00e1mas Juwel zugleich am Himmel. Leider ist es ein gewisser Aufwand, nur f\u00fcr etwas Ruhe dort hinaufzusteigen. Aber es lohnt sich.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht dein Alltag aus?<\/strong><\/p>\n<p>Sobald ich morgens aufwache, mache ich mich auf die Suche nach Publikum. Leute, die meine Geschichten h\u00f6ren wollen. Je nachdem, wo ich gerade bin, ist das mehr oder weniger zeitaufw\u00e4ndig. In St\u00e4dten komme ich in einer Taverne oder auf einem Marktplatz zuweilen zu ein paar kleinen M\u00fcnzen, von denen ich mir eine Mahlzeit leisten kann und manchmal ein billiges Zimmer. Auf dem Land kann es schwierig sein, \u00fcberhaupt Leute au\u00dferhalb der Reisestra\u00dfen zu treffen. Und so bin ich eigentlich den ganzen Tag besch\u00e4ftigt. Und nat\u00fcrlich h\u00f6re ich selbst auch zu. Wenn <em>b\u00e1chorkoray<\/em> aufeinandertreffen, tauschen sie Geschichten miteinander aus. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz \u2013 Geschichtenerz\u00e4hler m\u00fcssen ihre Geschichten teilen und einander bereichern. Und wei\u00dft du, was immer gut und unterhaltsam ist? Such dir einen Ritter und bitte ihn, dir von seinen gr\u00f6\u00dften Abenteuern oder Turniersiegen zu erz\u00e4hlen. Das wird er ohne zu z\u00f6gern tun, denn meinesgleichen tr\u00e4gt seinen Ruhm in die Welt hinaus. Zumindest denken sie das. Ich sage dir, das ist eine Fundgrube an Anekdoten und Prahlereien, manchmal auch aufrichtiger Heldentaten. Die Geschichte von dem Ritter, der einen Drachen z\u00e4hmen wollte, die ist legend\u00e4r.<\/p>\n<p><strong>Konsumierst du Rauschmittel \u2013 und wenn ja, warum und in welchem Ma\u00df?<\/strong><\/p>\n<p>Ich trinke durchaus geistige Getr\u00e4nke, wenn mir welche angeboten werden, aber ich h\u00fcte mich davor, trunken zu werden. Das ist gef\u00e4hrlich. Ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> muss immer aufmerksam und fluchtbereit sein. Rauschzeug mag ich nicht. Als junger Mann \u2013 vor hundertdrei\u00dfig Sommern oder so \u2013 war ich eine Weile in For\u00e9tern unterwegs. Warst du schon einmal in For\u00e9tern? Da reicht es mancherorts aus, eine Taverne zu betreten, um berauscht zu werden. Es ist be\u00e4ngstigend, die Leute zu erleben, die das Zeug auch noch zu sich genommen haben. Irgendetwas muss daran sein \u2013 aber ich denke, ich bin nicht bereit daf\u00fcr und brauche es nicht. Magier erleben zuweilen Sinneszust\u00e4nde, die einem Rausch \u00e4hneln sollen, habe ich mir sagen lassen.<\/p>\n<p><strong>Liebst du dich selbst?<\/strong><\/p>\n<p>Selbstverliebt sein? Selbst verliebt sein? Sich selbst lieben? Ein sonderbarer Gedanke. Sagen wir es so: Angenommen, ich k\u00f6nnte mich verdoppeln und mit mir selbst umgehen. Ich denke, ich w\u00fcrde ganz gut mit mir auskommen. Vermutlich w\u00fcrde ich mir nach einer Weile furchtbar auf die Nerven gehen und mich selbst zum Chaos w\u00fcnschen, aber ich w\u00fcrde wohl nicht anfangen, mir selbst an den Kragen zu wollen. Daf\u00fcr bin ich zu gutm\u00fctig.<\/p>\n<p><strong>Bist du gl\u00fccklich?<\/strong><\/p>\n<p><em>(Er l\u00e4chelt wieder und steht auf. Ohne Eile packt er seine Siebensachen, h\u00e4ngt den mysteri\u00f6sen l\u00e4nglichen Gegenstand \u00fcber seinen R\u00fccken und schultert seine Tasche. Auf der anderen Seite des Platzes ist Bewegung in die Gruppe der Bewaffneten gekommen. Und zwar bewegen sie sich genau auf uns zu.)<\/em> Nein. Noch nicht. Aber du darfst mir gern Gl\u00fcck w\u00fcnschen, wenn ich jetzt ganz schnell weglaufe und in dieser Stadt untertauche. Es war ein sehr inspirierendes Gespr\u00e4ch. Vielleicht mache ich eine Geschichte daraus. Wir werden sehen.<\/p>\n<p><em>Er verneigt sich und schlendert davon. Die Waffentr\u00e4ger beschleunigen ihre Schritte. Auch er wird schneller. Dann rennt der erste los und es bricht Geschrei und Get\u00fcmmel auf dem Marktplatz um. Marktst\u00e4nde fallen um, Sachen gehen in Scherben, Menschen rufen emp\u00f6rt durcheinander, im Hintergrund flattern aufgebracht gackernde H\u00fchner durchs Bild. Die Wachtruppe hetzt in die verwinkelten Gassen hinein und Gal\u00e9on hinterher, der wirklich erstaunlich flink ist. Wir schauen der wilden Jagd verwirrt hinterher. Der junge Mann, der zu den Wachleuten gesto\u00dfen war, ist nicht mitgerannt. Er reitet mit beunruhigendem Grinsen an uns vorbei, auf der breiten Gasse, die in Richtung Burg f\u00fchrt.<\/em><\/p>\n<p><em>Auf seiner Satteldecke ist ein Wappen mit drei Fischen aufgen\u00e4ht.<\/em><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/charakter-interviews-spin-off\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[25],"tags":[],"class_list":["post-3193","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kg_interviews"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3193"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3193\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3621,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3193\/revisions\/3621"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}