{"id":3170,"date":"2025-08-25T19:52:40","date_gmt":"2025-08-25T17:52:40","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=3170"},"modified":"2025-08-31T00:42:51","modified_gmt":"2025-08-30T22:42:51","slug":"006-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/006-2\/","title":{"rendered":"006"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-image:url(&#039;https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp&#039;);--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column fusion-column-has-bg-image\" data-bg-url=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"namenlos_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/namenlos_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-3078\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/namenlos_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/namenlos_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/namenlos_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"8ae6b374457b3340157284c1d3d69c98\">Blinzelnd kam er zu sich und rappelte sich auf. Es war hell um ihn herum, ein mildes, schimmerndes, ein angenehmes Licht, doch absolute Schw\u00e4rze drang hindurch. Und hinter dem Licht, da sah er ihre Schemen, er h\u00f6rte sie atmen und schweigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f23fae5195ab38bf12b623630e240216\">Er befand sich immer noch an derselben Stelle, an der sie ihn \u00fcberrumpelt hatten, mitten im Saal, zu F\u00fc\u00dfen des Thrones der Meisterin. Aber nun hatten sie ihn <em>eingesperrt<\/em>. Mehr als ein halber Tag musste vergangen sein. Strahlen aus Mondlicht fielen von hoch oben durch das Sternfenster in der Kuppel her auf ihn herab, durchscheinend und fahl schimmernd, aber dennoch massiv wie Barren aus Stahl. Sie f\u00e4cherten auseinander und umgaben ihn ringsum, ein Kreis, ein spitz zulaufender Kegel aus Licht, den er nicht \u00fcberwinden w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"5563cecd6adfd72ff5d885aa32a6acaf\">Noch nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"029dd809d9effa353f273a4e0239c4ae\">Er stand auf, schwankte und sp\u00fcrte Schmerz dumpf durch seine Glieder pochen. Die anderen dort drau\u00dfen, au\u00dferhalb seines magischen Gef\u00e4ngnisses beobachteten ihn. Er sp\u00fcrte Abscheu und Furcht in ihren Seelen. Sie alle waren da, von der Gro\u00dfmeisterin bis zum j\u00fcngsten Sch\u00fcler, einem Kind von f\u00fcnf Sommern.<\/p>\n<p data-p-id=\"8476f857f5eb331c58be6153f26a21be\">Das gefiel ihm. Sie hatten, trotz allem, Angst vor ihm. Oder Angst vor dem, was mit ihm geschehen war. Es kam auf das Gleiche hinaus.<\/p>\n<p data-p-id=\"180be623317685675dad30e20a37958c\">\u201eEingesperrt habt ihr mich also wie ein Tier&#8221;, sagte er und wunderte sich, wie k\u00fchl er dabei klang. \u201eAber denkt ihr, dieser l\u00e4cherliche Zauber k\u00f6nnte mich auf Dauer festhalten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6500d519254684b02ac92d426fc1ce3c\">\u201eNein&#8221;, antwortete die Meisterin von weither, aus dem Dunkel, dem Dunkel, das seine Heimat gewesen war. \u201eDas denken wir nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7028b21f1af8d61be636983b438b00f8\">\u201eDu darfst nicht bei uns bleiben&#8221;, klang die Stimme von Ask\u00fdn Lagoscyre von der anderen Seite. Der emporkommende neue Vertraute der Meisterin wagte es, sich das Wort zu nehmen?<\/p>\n<p data-p-id=\"98b949fd157ebf13abbc7ae36f6e2db6\">\u201eIch werde ohnehin freiwillig fortgehen&#8221;, sagte er leichthin. \u201eEs bestrebt mich, diese verlogene Gesellschaft hier zu verlassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4ca68134ce2caf87d4bdaf9a85c33cee\">\u201eDu willst also gehen, um das B\u00f6se zu suchen?&#8221;, fragte die Meisterin leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"8362ce97a568dcc72c51ecf4206ab948\">\u201eDas habe ich vor, ja&#8221;, best\u00e4tigte er ruhig und l\u00f6ste damit aufgeregtes Getuschel unter den in den Schatten versammelten <em>camat&#8217;ay<\/em> aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"c9c09ad7c1231a2b2851f5b32e81865a\">\u201eDas k\u00f6nnen wir dir nicht erlauben&#8221;, schaltete sich ein anderer von ihnen ein. Er wandte sich in die Richtung, aus der die Stimme erklang.<\/p>\n<p data-p-id=\"4284010ae82ab2e1627817cd3593099e\">\u201eDann&#8221;, sagte er und gestattete sich den Triumph, \u201ebleibt euch keine Wahl, als mich zu t\u00f6ten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"494c581ce937e6b1536a9adc19210774\">Nun schwiegen sie. Der Nachhall seiner Stimme klang durch den Saal.<\/p>\n<p data-p-id=\"c6ac4ac7d2293a827930269871a24010\">Betretenes, atemloses Schweigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"188e65933ebc0a9ea3f80faae90b954e\">\u201eSchattens\u00e4nger&#8221;, entschied die Meisterin mit br\u00fcchiger Stimme, \u201et\u00f6ten ihresgleichen nicht. Das wei\u00dft du. Das sind Nokt\u00e1mas Regeln. <em>Wir<\/em> halten uns daran.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"613342611d27dd9898976b21bf4bda33\">Er lachte. Was sie da sagte, war so l\u00e4cherlich. Er <em>war<\/em> ein Schattens\u00e4nger, und er hatte eine der Bestien zur Strecke gebracht, j\u00e4mmerlich, wie sie es verdienten. T\u00f6ten war so einfach. Und es f\u00fchlte sich so <em>richtig<\/em> an.<\/p>\n<p data-p-id=\"a3376f12cb59b1fec2d45cd710d245f1\">Der Klang seines eigenen Gel\u00e4chters machte den Teil von ihm, der als ratloser Betrachter neben sich stand, schaudern. Es war ein belustigtes, ein \u00fcberhebliches, ein <em>gemeines<\/em> Lachen, eines, das nicht mehr zu einem Schattens\u00e4nger passte und schon gar nicht zu der wohlt\u00f6nenden Stimme, mit der er sprach.<\/p>\n<p data-p-id=\"830a498808d5ae02d558f281779367cc\">Die anderen regten sich unbehaglich, einige wenige Worte wurden getuschelt, verunsichert, verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d1670ea50b29f5394dc7394fa830867\">\u201eIhr steckt in einer Verlegenheit&#8221;, ergriff er wieder das Wort. \u201eIhr k\u00f6nnt mich nicht einsperren. Ihr k\u00f6nnt mich nicht freilassen. Ihr k\u00f6nnt mich nicht t\u00f6ten. Ihr wisst nicht, was ihr mit mir anfangen sollt!&#8221; Er grinste sp\u00f6ttisch. \u201eVerwirrte Schattens\u00e4nger, zu feige zur Tat, zu \u00e4ngstlich zum Handeln. Was f\u00fcr ein j\u00e4mmerlicher Haufen ihr doch seid! Ovid\u00e1ol hatte recht. Ovid\u00e1ol ist fortgelaufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ed42f2d8a1ff141d323060d9ee9ced8\">\u201eOvid\u00e1ol ging, das ist wahr&#8221;, sagte die <em>ytrara<\/em>. \u201eViele Winter ist das her, und all unsere Versuche, ihn zur Vernunft zu bringen, sind gescheitert. Ovid\u00e1ol haben wir verflucht und ausgesto\u00dfen. Du aber, letzter meiner Sch\u00fcler, hast gr\u00f6\u00dfere Schande \u00fcber den Kreis gebracht mit deiner Anma\u00dfung und deiner Tat!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d669b70078b0d47f98cd4f47b3a402cb\">Sie brachte diese Worte mit zorniger, lauter Stimme hervor. Aber als sie Atem geholt hatte und weiter sprach, da klang Trauer aus jeder Silbe.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e1008ff17afd4b3a8a518f9ea6fd221\">\u201eWir haben \u00fcber dich nach unseren Regeln das Urteil zu sprechen, den Regeln unserer Schutzmacht, der du entfliehen willst. Doch dies ist mehr, als wir mit sterblichem Verstand entscheiden k\u00f6nnten. Es ist nicht m\u00f6glich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8dd330a597833ac0bf926485a06d2229\">\u201eDann sucht euch doch einen Richter, der befugt ist, meine Strafe zu bestimmen&#8221;, h\u00f6hnte das, was sich in ihm selbstst\u00e4ndig gemacht hatte, w\u00e4hrend das, was noch bei Verstand war, dies alles aus der Distanz resigniert beobachtete, als ginge es es unmittelbar gar nichts mehr an. \u201eWer k\u00f6nnte wohl Macht haben, die die der hier versammelten <em>ytraray<\/em> \u00fcbertrifft?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10569e18eb717d94593f2c0b86692e24\">Einen Augenblick brachte er mit seiner Rede jeden Laut, jeden Atemzug, jedes Rascheln von Gew\u00e4ndern zum Verstummen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7490502613bcf6b5c7cd6bdc23667f0f\">Dann erloschen schlagartig die Mondlichtk\u00e4figstangen und sein Gef\u00e4ngnis aus Licht brach zusammen. V\u00f6llige Finsternis umgab ihn und versetzte ihm einen heftigen Schock.<\/p>\n<p data-p-id=\"edd629c01cb18f8fcd0cde429a282a8b\"><em>Ich habe diese Macht<\/em>, raunte eine Stimme, so dunkel, so sch\u00f6n, so magisch, dass ihm ein Schauer des Entsetzens \u00fcber den R\u00fccken lief.<\/p>\n<p data-p-id=\"cf504628fbf0d2136767400a52277f05\">Im Dunkeln sp\u00fcrte er die K\u00f6rper der anderen, und nicht nur derer, die in der Halle waren. In diesem v\u00f6lligen Dunkel warteten sie, warteten sie <em>alle<\/em>, alle jene, die jemals geboren worden waren und im Eta\u00edmalon gewirkt hatten. Sie alle waren erstarrt vor Ehrfurcht und an Panik grenzender Verehrung f\u00fcr die Kraft, der sie geweiht waren und die sich ihnen zeigte, oder vielmehr: <em>Nicht<\/em> zeigte. Etwas Unfassbares, ein <em>Wunder<\/em> ging hier vor. Grimmiger Stolz erf\u00fcllte ihn. Er war also so wichtig, dass Nokt\u00e1ma selbst sich seiner annahm.<\/p>\n<p data-p-id=\"34ffac8ef02e842e088feb9b50d78a92\">Er schwankte einen Moment zwischen ungl\u00e4ubigem Entsetzen und Entz\u00fccken, als er begriff, dass <em>sie<\/em> es war, leibhaftig sie, Nokt\u00e1ma, die Lebendige Nacht. Ein Teil von ihm wollte dem\u00fctig vor ihr auf die Knie fallen, aber das, was sich in ihm eingenistet hatte, versicherte ihm, dass dieses Wesen, so rein und magisch es auch war, letztlich nicht mehr war als eine dumme Schw\u00e4tzerin, als eine l\u00e4stige Inkarnation einer abergl\u00e4ubischen, vergangenen Ideologie. Aber war das nicht Beweis, dass er mehr war als ein kindischer, ein unwichtiger, ungezogener Junge, der gegen die Regeln rebellierte? Zeigten die M\u00e4chte durch diese unverhoffte Aufmerksamkeit nicht, dass sie <em>Angst<\/em> vor ihm und vor der <em>neuen Schutzmacht in seinem Geist<\/em> hatten?<\/p>\n<p data-p-id=\"f167f1852f52a5588f9745e83ce29bc5\"><em>Es stand zu bef\u00fcrchten<\/em>, sagte Nokt\u00e1ma, <em>dass es erneut geschehen w\u00fcrde. Der Weltenspielverderber wird niemals Ruhe geben. Ich h\u00e4tte nicht erwartet, dass trotz allem ausgerechnet erneut einer der euren der Strohhalm ist, an den er sich klammert. <\/em>Ihre Stimme schwebte um ihn herum, war \u00fcberall gleichzeitig. In ihr schwang Entt\u00e4uschung mit, Entt\u00e4uschung und \u00c4rger, der nicht zwingend ihm galt.<\/p>\n<p data-p-id=\"97cdae5dc6d75fc25b4fedf942fcacab\">Er wollte etwas entgegnen, aber er wagte es nicht, in ihrer Gegenwart den Mund zu \u00f6ffnen. Auch die anderen, sie waren da, aber sie verstummten angesichts der reinen Dunkelheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee04ae909206c5b2053cdbd948f8acf1\"><em>Gez\u00fcchtigt sollst du sein, Schattens\u00e4nger, der hochm\u00fctig auf die Suche nach dem B\u00f6sen gehen will,<\/em> sagte sie, und ihre schattenhafte, g\u00fctige Stimme wurde kalt und schneidend wie ein Schwert. <em>Versto\u00dfen sollst du sein aus dem Kreis meiner Diener, und nie wieder sollst du deinen Fu\u00df in diesen Wald setzen! Geh und krieche am Boden vor dem, dem du dich zuwendest, dessen giftiger Rede du zugeh\u00f6rt hast. Geh und suche nach dem Ruhm, der dich verlockt, nach dem Ziel, das du dir gesteckt hast. Scheitern wirst du, und wenn du es erst begreifst, dann wirst du daran zerbrechen. Du wirst deine Qualen vielleicht nicht sp\u00fcren. Aber dein selbstgew\u00e4hltes Schicksal wird dich in den Wahnsinn treiben.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"48c2eb09e40050fdab715376cad555b9\">\u201eWas du sagst, Nokt\u00e1ma&#8221;, brachte er hervor, so gleichg\u00fcltig und unbeeindruckt, als rede er im Traum oder als rede ein anderer mit seiner Stimme, \u201ekehrt mich nicht. Denn ich habe einen neuen Weg betreten. Einen Weg, ein Ziel, das mich am Ende \u00fcber die M\u00e4chte erhebt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30ce0841b3447587667195036323cfbf\"><em>Was machst du da, was sagst du?,<\/em> begehrte etwas ganz Kleines und verschwindend Fl\u00fcchtiges entsetzt in seinem Herzen auf. Aber es war zwecklos, und es verlosch vor der Gewalt des anderen, was ihn in Besitz genommen hatte und ihn fortan lenkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"320affb7fc60857e424e45d9760644b7\">Nokt\u00e1ma schwieg, aber die Dunkelheit verklang nicht, also war sie noch da.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d6ff5a5ec2c6b137d162f6a12354f37\"><em>Camat&#8217;ay<\/em>, sagte sie dann kalt, <em>zerbrecht seinen Namen. Und dann jagt ihn fort aus meinem Haus.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"1de827cf89334fe702d9af8a5e8e4572\">Ein Aufraunen ging durch die Reihen der Schattens\u00e4nger, erschrocken \u00fcber die Grausamkeit, mit der sie ihren Urteilsspruch verk\u00fcndete.<\/p>\n<p data-p-id=\"be5b3b4b449b58b329024fbc8ff095c7\"><em>Unerbittlich ist der Schatten gegen das, was hier Gestalt angenommen hat<\/em>, sagte sie. <em>Und dir, Versto\u00dfener, Namenloser, sei eines gesagt: Erst dann, wenn du erkennst, was du dir selbst angetan hast, erst, wenn du wahrhaft bereit bist, zu schauen und zu wissen, dann werde ich mich dir wieder zuwenden. Diese letzte, diese kleine Chance will ich dir gew\u00e4hren. Doch aus dem Kreis meiner Diener sollst du f\u00fcr alle Zeiten verbannt sein. Und wisse, Namenloser, welche Chance du dem Kreis verdorben hast und dir selbst.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4f97a607c2f4679ea6de9468eb4bfad9\">Ihre Stimme war nun leise, als ob sie sich entfernte. Aber sie alle konnten sie noch h\u00f6ren.<\/p>\n<p data-p-id=\"4af9c4cf7682b2173e17769fd0bee43f\"><em>Du solltest der sein, der Weltenspiel geeint h\u00e4tte,<\/em> raunte das Dunkel. <em>Wenn du dem Rotgewandeten zugeh\u00f6rt h\u00e4ttest, ihm und der Botschaft, die er bringen wollte. Doch deine Tat beleidigte die M\u00e4chte. Mag ein anderer mit dir sein Spiel bestreiten. Wir werden es bemerken, wenn du betr\u00fcgst.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c17e4fe4d57556810ea19cd963af471f\">Er nahm ihren Vorwurf mit einem L\u00e4cheln hin. Was kehrte ihn, was die Macht von ihm hielt, solange es die gr\u00f6\u00dfere Macht gab, ihr zu folgen?<\/p>\n<p data-p-id=\"690403f145987729116cbe92c689752f\">Er h\u00f6rte, wie die Schattens\u00e4nger in der Dunkelheit n\u00e4her kamen. Er sp\u00fcrte die Gedanken der Einzelnen, unterschied die von Ask\u00fdn von denen der Gro\u00dfmeisterin. Die <em>ytrara<\/em> war best\u00fcrzt, entt\u00e4uscht. Ihr Sch\u00fcler hatte sie betrogen. Und dennoch&#8230; immer noch schien sie keinen Groll gegen ihn zu versp\u00fcren. Sie alle konnten keinen Hass empfinden, genauso wenig, wie einer von ihnen jemals geliebt hatte. Es war Angst, die mit G\u00fcte stritt. Oh, wie schwach sie waren!<\/p>\n<p data-p-id=\"1b23139c1ae5818e19fb3c649e71c7cd\">Der Schatten verblasste und wurde wieder zur ganz normalen Nacht. <em>Nokt\u00e1ma<\/em> war fort. So schnell, wie sie gekommen war, war sie wieder gegangen und hatte in den Schattens\u00e4ngern nichts anderes zur\u00fcckgelassen als das dumpfe Gef\u00fchl von Entt\u00e4uschung. Wahrscheinlich war sie nichts weiter gewesen als eine Vision, eine, die die kollektive Verwirrung und Angst der Kreisgeschwister ausgel\u00f6st hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"71fb155b90a1728ea43595f100f1ddc4\">Er stand und schaute sich um. Fremd erschienen die M\u00e4nner und Frauen, mit denen er sein Leben lang zusammen gewesen war. Die ihn umringten, alle nun furchtsam mit silbernen Schutzb\u00e4nnen gewappnet, und alle bem\u00fcht, ihm nicht direkt in die Augen zu blicken.<\/p>\n<p data-p-id=\"4640127b9896b7519de77e5733f41ed4\">Ask\u00fdn Lagoscyre, der Mutigste von ihnen allen, kam ihm am n\u00e4chsten und z\u00f6gerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"20480d2ef2dc30849e37d65e443debab\">Dann griff er zu und zog ihm das Amulett, das Zeichen des Kreises vom Hals.<\/p>\n<p data-p-id=\"adaa16b9a380bd71d3f39587616168fd\">\u201eNie wieder&#8221;, sagte der j\u00fcngere Meister, \u201esollst du dich mit dem Zeichen der Schattens\u00e4nger schm\u00fccken und auf ihre Macht berufen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d8c3dbaf73143d2b13b26eb6ee6e600\">Der Schattens\u00e4nger l\u00e4chelte sp\u00f6ttisch. Dann hob er die Hand und sang einen kurzen Zauber.<\/p>\n<p data-p-id=\"9ed7731fe12ac88c81f410f5d0d4847d\">Das silberne Amulett in Ask\u00fdns Faust verwandelte sich in gl\u00e4nzendes Gold. Der Meister lie\u00df es mit einem verbl\u00fcfften Aufschrei fallen und umfasste seine schmerzenden Finger mit der anderen Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"bafad2d6c2c2507041cd60ec39ffd7e7\">Der Schattens\u00e4nger hob sein Schmuckst\u00fcck auf und legte es sich um den Hals. K\u00fchl und glatt f\u00fchlte das Gold sich an.<\/p>\n<p data-p-id=\"017724fee3b78647de2b998ca6f981f9\">\u201eWarum hat sie das getan?&#8221;, wisperte irgendwo eine furchtsame Stimme. \u201eWieso hat sie ihm seine Magie <em>gelassen<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4543529fc9dabc6c3cc7ddf4438f189d\">\u201eWas sollen wir denn dann nun tun?&#8221;, rief ein anderer.<\/p>\n<p data-p-id=\"d14d55ac14e4879eef4e05d587675229\">Sie standen herum wie eine Schar verwirrter, ver\u00e4ngstigter Tiere. Das erheiterte ihn. Er war keiner mehr von diesen Jammergestalten. Ein h\u00f6heres, ein <em>freies<\/em> Wesen war er nun.<\/p>\n<p data-p-id=\"eef2bbee5bfa26560f68829314907c76\">Was war das f\u00fcr ein herrliches, f\u00fcr ein erregendes Gef\u00fchl! Er war frei! Frei, zu gehen und frei, mit ihnen zu tun, was er wollte. Mit ihnen. Und mit den Rotgewanderten. Ganz besonders mit den Rotgewandeten, <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> hin oder her. Es ging auch ohne das.<\/p>\n<p data-p-id=\"431a946ab1a304d19cdbb449dfb1765e\">Er lachte schallend, und seine <em>maghiscal<\/em> loderte um ihn herum auf wie schwarzer Wind.<\/p>\n<p data-p-id=\"a37c09d7bab50c56c0b083f2fcee6e31\">Kreischend wichen die Magier ringsum zur\u00fcck. Etwas ergriff ihn, flutete wie herrliches Feuer durch seine Adern. Oh, wie stark er war! Wie herrlich! Welche Gnade erwies die <em>bessere Macht<\/em> ihm, ihrem Bewunderer und Diener!<\/p>\n<p data-p-id=\"114f56047f666e5b2e90c636b07211a9\">\u201eSeine Augen&#8221;, klang es irgendwo ver\u00e4ngstigt, \u201eoh, M\u00e4chte, seht nur seine Augen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e411e5799c3e6d94b900543d370a2b10\">\u201eWas immer es ist&#8221;, h\u00f6rte er die Meisterin aufst\u00f6hnen, \u201ees hat ihn in Besitz genommen! Er ist <em>verloren<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"023a9d0a8e0898219547095ddd05ef50\">Er wandte sich ihr zu und betrachtete sie. Sie stand da, alt, gebeugt und dennoch aufrecht, wie es einer Anf\u00fchrerin zukam. Wie niedlich!<\/p>\n<p data-p-id=\"02f2cbdd6215ea91c157fd11377b4e4d\">\u201e<em>Ytrara<\/em>&#8220;, spottete er, \u201eEure Besorgnis beleidigt mich! Was macht Ihr Euch Gedanken um den m\u00e4chtigsten Magier dieser Welt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"558f44fa6f747f47e78506218697adec\"><em>\u201eMa&#8217;al tra\u00fdm\u00edon!&#8221;, <\/em>schallte Ask\u00fdn Lagoscyres Stimme laut durch die Halle, ein zorniges, m\u00e4chtiges Lied,<em> \u201ema&#8217;al mor! Ma&#8217;al gal! \u2013 Zerbrochen dein Zeichen, deine Stimme, dein Name!&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a262ff13ca473f1222935ed98358b875\">Er sprang herum, aber der Bann des jungen Meisters war stark. Ask\u00fdn musste seine komplette Macht darin konzentriert haben, er kostete ihn all seine Kraft. Es war ein Zauber, der ihn ernsthaft verletzte, und das auch nur, weil er unvermutet traf.<\/p>\n<p data-p-id=\"483c7628739e15d9f3d2892046ed9868\">Der Schattens\u00e4nger taumelte wie blind zur\u00fcck. Es war kein Schmerz, der ihn traf, eher eine Bet\u00e4ubung, die ihn sich f\u00fcr einen Moment wie einen Volltrunkenen f\u00fchlen lie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"68ffaa82a2db91ac0da852cf92fd472b\">Dann verklang der Bann.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac79ea373925450a31ec282b62d8e857\">Alle standen still in Entsetzen. Meister Ask\u00fdn zitterte. Seine <em>maghiscal<\/em>, nun kaum mehr als ein Hauch, flimmerte. Er war verletzlich, nachdem er so viel Kraft auf einen Streich verschwendet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"22265533230e9b3abbe4d94630c71f51\">Sollte er ihn t\u00f6ten? W\u00fcrde er es sp\u00e4ter bereuen, wenn er es jetzt nicht tat?<\/p>\n<p data-p-id=\"fb9f0f20772630b38a6b926b77f8ce7b\">Er hob die H\u00e4nde. Die Schattens\u00e4nger keuchten auf, doch Ask\u00fdn Lagoscyre wich keinen Schritt beiseite.<\/p>\n<p data-p-id=\"0ef78eac52ac047dc388ab56431124c5\"><em>\u201eMa&#8217;al ver\u00e9e!&#8221;,<\/em> sang der nun Namenlose sp\u00f6ttisch, bei\u00dfend. <em>\u201eZerbrochen dein Lied!&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"05324e1e232a3e1fa35bbceae94c60d8\">Und wandte sich ab, bahnte sich einen Weg durch die Menge. Das war nicht schwer, denn sie wichen so impulsiv vor ihm zur\u00fcck, f\u00fcrchteten sie, auch nur von seinem Mantel gestreift zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"4802733bf7374fdd1131c152c4b4fe4f\">Und so verlie\u00df er den Eta\u00edmalon, um f\u00fcr immer fortzugehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6da90e43b5ac48d0d55f8488ade67539\">Einen Augenblick lang war es still im Saal. Erstarrt und gel\u00e4hmt vor Fassungslosigkeit waren die Schattens\u00e4nger. Es war schwer, zu begreifen, was soeben geschehen war, und viele von ihnen w\u00fcrden es nie richtig erfassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3389dae361af79b04c9c8e7057f60cc6\">*<\/p>\n<p data-p-id=\"52f0601b6560bb3968e601daf5d0d01a\">Der Namenlose verlie\u00df den Wald und machte sich auf die Suche nach der einer <em>besseren Schutzmacht<\/em>, wie es ihm die neue Stimme auftrug, die in seinem Herzen und seinem Geist klang. Sie schalt ihn daf\u00fcr, dass er das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> nicht genommen hatte, aber schon bald schien sie sich f\u00fcr andere, ebenso brauchbare Dinge zu interessieren. Als er den Bannkreis des Eta\u00edmalon verlassen hatte, suchte der Namenlose das Lager der Rotgewandeten, er, der zweite Schattens\u00e4nger, Nokt\u00e1mas Weltenspielfigur, die geschlagen worden war. Er t\u00f6tete sie alle, allein durch die Kraft seines Blickes. Er t\u00f6tete, freute sich an dem berauschenden Gef\u00fchl in seinem Herzen und ging fort.<\/p>\n<p data-p-id=\"208aa7aff94c86c90d382cea9a2c369b\">Er sammelte Gef\u00e4hrten um sich, ein Gefolge nach seinem Geschmack. Er nannte sich selbst nur noch den Schwarzen Meister. Und es dauerte nicht lange, und jeder im Weltenspiel f\u00fcrchtete diesen Namen.<\/p>\n<p data-p-id=\"63cc2a890cdd2e22b55f11de5183212b\">Manchmal versuchte er, sich an seinen <em>wirklichen<\/em> Namen zu erinnern. Doch der war zerbrochen.<\/p>\n<p data-p-id=\"43de901227553763aa8e77c1510c9c2f\">F\u00fcr alle Zeit.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/3053-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[],"class_list":["post-3170","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kg_namenlos"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3170"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3170\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3618,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3170\/revisions\/3618"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}