{"id":3151,"date":"2025-08-25T19:39:11","date_gmt":"2025-08-25T17:39:11","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=3151"},"modified":"2025-09-05T13:52:22","modified_gmt":"2025-09-05T11:52:22","slug":"001","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/001\/","title":{"rendered":"001"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-image:url(&#039;https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp&#039;);--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column fusion-column-has-bg-image\" data-bg-url=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"395\" height=\"600\" title=\"Gorcover_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gorcover_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-3076\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gorcover_Thumb-198x300.webp 198w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gorcover_Thumb-200x304.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Gorcover_Thumb.webp 395w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 395px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"f4cd9158d827ea4f4cc8d5f74a23d3f4\">WIJDLANT, JETZT<\/p>\n<p data-p-id=\"239e0cc5062f641e29da6d8683452942\">Die <em>teiranda [Herrscherin]<\/em> beobachtete ihn aufmerksam. Neugierig war sie. L\u00e4stig war das manchmal, aber er hatte keine andere Wahl. Er musste sie gew\u00e4hren lassen und ihre Fragen und ihren unkundigen Unverstand dulden, um sein Ziel zu erreichen. Er durfte sich noch nicht zu sicher f\u00fchlen, bei allem, was er tat. Noch hatte sie ab und zu eigene Gedanken, manchmal klarte ihr Blick auf und sie \u00e4u\u00dferte ihm gegen\u00fcber Verwunderung, wenn sie etwas bemerkte, das sich ver\u00e4ndert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d96da6bc060d34647a350ba99cfebc5\">Aber er konnte das, was er mit ihr vorhatte, nicht beschleunigen. Die Zeit musste ihm dabei helfen. Solange er sie nicht allzu aufmerksam in seine Gesch\u00e4fte hineinblicken lie\u00df, sollte es dabei keine Schwierigkeiten geben.<\/p>\n<p data-p-id=\"c60ffca94ef30eb91a57095286be0e14\">\u201eIch mag es nicht mit ansehen&#8221;, sagte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant.<\/p>\n<p data-p-id=\"4954be56a36703d0b300ca93cb30e748\">\u201eHerrin, ich entsinne mich nicht, Euch aufgefordert zu haben, mich in meine Dom\u00e4ne zu begleiten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96208156613eda9674e3347cd002fe61\">\u201eIch komme auch nicht mit.&#8221; Sie sch\u00fcttelte sich. \u201eIch finde es grauenhaft. Auch wenn es sich&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"163e99051c027068bfc127fc79ef94cc\">\u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b5bcf3c2eed710e9383eb080ffeb275a\">\u201eNun, ich wei\u00df, die <em>camat&#8217;ay [Schattens\u00e4nger]<\/em> sind Eure Feinde. Aber mir missf\u00e4llt, dass Ihr sie es auf diese Weise sp\u00fcren lasst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8f053757aa8090cfff784693a05a475f\">Gor Lucegath blickte auf. In ihren eisblauen Augen stand beinahe so etwas wie Mitleid.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0ee5da040fec09f35946601abcc75e0\">\u201eMajest\u00e4t, ist es nicht auch Gesetz unter den Unkundigen, Verbrecher b\u00fc\u00dfen zu lassen f\u00fcr ihre Taten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7cc443632b78b9a4f16627e10886fbb\">\u201eSchon. Aber dennoch, es ist&#8230; es dauert mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"487a1b0a2960df6381fb5d6dcaf13f35\">Er l\u00e4chelte. Aber er war ein wenig beunruhigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"275aee3c5d1ec597b7ac66c446f3995a\">\u201eGef\u00fchle, Majest\u00e4t? Ist es Euer Herz, das Euch schmerzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c41a5121f1ca81127dd8f9ea7e926269\">\u201eNein&#8221;, gab sie rasch zur\u00fcck. \u201eNein, es ist eher so etwas wie&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32ebf04e531754ba18e4125aa7dd8f97\">\u201eFurcht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff77be0b6b5e3584a6b55ced7b93cce1\">\u201eJa.&#8221; Sie nickte. \u201eFurcht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6574c0269d0bf19c4489bc618e4777e\">\u201eSagt&#8221;, fragte er, indem er sich wieder seiner Arbeit zuwandte, \u201ewer hat das Gesetz in Wijdlant ausgef\u00fchrt, bevor ich kam? Meinesgleichen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"042c3f55cb5f8b1c10201eda11fe8333\">Sie sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eNein. Wenn es n\u00f6tig wurde, lie\u00df mein Vater einen&#8230; einen Fahrenden, einen <em>f\u00fdntar [freiberuflicher Scharfichter]<\/em> suchen. Es kam nicht oft vor. Ich glaube, ein oder zweimal nur.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c40e35b5efcf4d17699e1a303181ec2\">Er sch\u00fcttelte geringsch\u00e4tzig den Kopf. \u201eDas, meine <em>teiranda<\/em>, nenne <em>ich<\/em> j\u00e4mmerlich. Und, nebenbei bemerkt, \u00fcberaus anma\u00dfend.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3496d51aa0ec5533eb447d809ea4516e\">Sie schlug besch\u00e4mt den Blick nieder. \u201eWas h\u00e4tten wir tun sollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a06dbf47075dd96bec7575842378ec06\">\u201eMeinesgleichen hat sich oft in Menschensold gestellt, f\u00fcr das, was den Unkundigen zuwider war. Ich selbst habe so gelernt bei meinem Meister.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2baba95e75ffa14861bf8998f58391d2\">\u201eIch wei\u00df. Aber mein Vater wollte nichts mit Euresgleichen zu &#8230; ich meine&#8230; er wollte keine&#8230;&#8221; Sie verstrickte sich in ihren eigenen Worten und err\u00f6tete. \u201eBei den M\u00e4chten. Verzeiht. Wie unversch\u00e4mt muss das f\u00fcr Eure Ohren klingen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"857558a695287d2f9d4eb09e7a0d11d3\">Ihre Hilflosigkeit belustigte ihn.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b8fba92fb556dfc6a1c37e5d28ce65d\">\u201eSorgt Euch nicht, Herrin. Mit dem, was Euer Vater f\u00fcr sich entschieden hat, k\u00f6nnt Ihr mich nicht kr\u00e4nken. Ich hoffe nur, dass er selbst mit seiner Wahl zufrieden war.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5240357c6739d18926303cd5e026e688\">\u201eDazu&#8221;, versetzte sie unbehaglich, \u201ekann ich nichts sagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b9460f05965a4a7889a71aad355a56a\">Gor fuhr mit seinen Vorbereitungen fort, r\u00e4umte zusammen, was er ben\u00f6tigte und wartete einen Augenblick, ob sie sich nicht doch entfernen wolle. Aber die <em>teiranda<\/em> blieb stehen und schaute nachdenklich an ihm vorbei.<\/p>\n<p data-p-id=\"b6c21a47feb8f5602c86f8889209c12f\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, sagte er, warf unter seiner Maske einen kritischen Blick auf den Tisch, hob eines der goldenen Bestecke auf und begann, es sorgsam mit einem T\u00fcchlein zu polieren, \u201edie unkundigen <em>f\u00fdntaray<\/em> sind wie tollw\u00fctige Tiere. Ohne Kontrolle, voller ungesunder Empfindungen. Es ist abartig, blutgierigen Menschen ihren Wahnsinn zu entlohnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a64c4829afb0bca805067fee91c42a81\">\u201eUnd Ihr? Habt Ihr nie&#8230; Erf\u00fcllung in dem gefunden, was Ihr tut?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a89a80236550c03e5bc9906460d5f2b\">Das war nun eine geradezu tollk\u00fchne Frage. Er schaute sie \u00fcberrascht an, aber es war keine Provokation in dem, was sie sagte. Es war diese unschuldige, kindliche Neugier, die er bereits am ersten Tag an ihr bemerkt hatte und die sie zu einem so leichten Opfer gemacht hatte. Da stand sie nun, in aller Sch\u00f6nheit, um sie herum die unentwirrbaren Zaubergespinste ihres verwunschenen <em>teirandon<\/em>s, und sie fragte <em>ihn<\/em> nach <em>Erf\u00fcllung<\/em>? Beinahe h\u00e4tte er laut gelacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b3543b189c40f0fcdb5c79fce0d7d12\">Stattdessen legte er das blitzblank polierte Gold zur\u00fcck an seinen Platz und r\u00fcckte es zurecht. \u201eOh ja&#8221;, antwortete er. \u201eUnd nie so sehr wie in diesen Tagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d51a26ceeca683330c3bed59335af186\">Eine der ersten Ermahnungen, die ein <em>goala&#8217;ay [Lichtw\u00e4chter]<\/em>-Sch\u00fcler anzunehmen hatte, war diese: Suche niemals <em>Lust<\/em> in dem, was deine Bestimmung ist. Finde nie Gefallen an dem Schmerz, den du zuf\u00fcgst. Kein Lichtw\u00e4chter darf t\u00f6ten und sich daran <em>berauschen<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"4bdbc349078495c321b064aff3b8a5ed\">Als Gor Lucegath ein Knabe war und zu seinem Meister fand, hatte er nicht verstanden, was damit gemeint war. Und ja, er erinnerte sich, dass er bei den ersten Gelegenheiten, als er seinem Meister bei dessen Handwerk zugesehen hatte, alles andere als Lust empfunden hatte. Widerwillen, Unbehagen, sogar ein wenig Ekel war dabei gewesen. Spei\u00fcbel war ihm damals manchmal. Damals hatten die Unkundigen noch nicht auf <em>f\u00fdntaray <\/em>zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen, denn es gab genug von seinesgleichen, die einsprangen, wo ein erbarmungsloser Mensch danach verlangte. Das war oft der Fall gewesen. Zu oft.<\/p>\n<p data-p-id=\"702b65b97e9e30e58072bb363c61fa2b\">Aber mit jedem Tag, an dem Gor mehr und mehr begriff, wer die <em>goala&#8217;ay<\/em> waren, wof\u00fcr sie selbst auf diese Weise b\u00fc\u00dften und was sie taten, <em>warum<\/em> sie es taten, wurde es ihm leichter, es zu ertragen, und schlie\u00dflich ging es ihm sogar selbst m\u00fchelos von der Hand. Aber Lust&#8230; nein, Lust war immer noch nicht dabei. Gor, der mit all den Sommern und Wintern immer mehr vom Handlanger seines Meisters zu dessen ausf\u00fchrender Hand wurde, hatte gelernt, sich zu verschlie\u00dfen, zu wappnen, nicht dar\u00fcber nachzudenken, wie das, was er tat, sich aus Sicht der Unkundigen darstellte. Meisterhaft, wie ein Handwerker, vielleicht sogar wie ein K\u00fcnstler f\u00fchrte er aus, was sein Meister, was die erb\u00e4rmlichen Unkundigen von ihm verlangten. Aber er bem\u00fchte sich, es nicht an sich heranzulassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f46d29df8f8dfa4feebcc2ec37b64c7\">Der Rausch, die Lust, der Verlust der W\u00fcrde seines Tuns \u2013 das war sp\u00e4ter gekommen. Jemand hatte ihn dazu verf\u00fchrt. Um sich daf\u00fcr zu r\u00e4chen, daf\u00fcr war es nun an der Zeit. Nie zuvor hatte einer von seinesgleichen so reiche Gelegenheit gehabt, <em>Genugtuung<\/em> zu erlangen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5346e69c61ffea97f5fa2013141e0af4\">Das, das konnte Gor nicht abstreiten, bereitete ihm tats\u00e4chlich nicht unerhebliches Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd89ea036336a5b083076b5debdead91\">PIANMUR\u00cdT, JETZT<\/p>\n<p data-p-id=\"1da620b37fdf0d6330f94207d65ab1e0\">Der Mann in den schwarzen Gew\u00e4ndern zuckte zusammen, als der Rotgewandete sich ihm n\u00e4herte. Das blonde M\u00e4dchen in seiner N\u00e4he, nicht \u00e4lter als zwanzig Sommer, stie\u00df einen kleinen spitzen Schrei aus und versuchte impulsiv, vor ihm zur\u00fcckzuweichen. Aber bewegen konnten sie sich beide nicht. Ihre H\u00e4nde waren schr\u00e4g auf dem R\u00fccken verschr\u00e4nkt und auch ihre F\u00fc\u00dfe und mit einer starren Spange aus Gold fixiert. Der Mann, etwa in seinem f\u00fcnfzigsten Sommer mochte er sein, sa\u00df in einem schlichten Sessel vor einem gro\u00dfen Tisch. Seine H\u00e4nde und Ellbogen waren mit goldenen Reifen an die Armlehnen gefesselt; seine Knie und Kn\u00f6chel an die Stuhlbeine. Der Tisch, der Stuhl und ein zweiter, der ihm gegen\u00fcber stand, waren alles, das derzeit in Pianmur\u00edt, in Gors Dom\u00e4ne, Materie hatte. Auf den Tisch konnte der Rotgewandete nicht verzichten. Und die St\u00fchle &#8230; nun, es half, ein Gef\u00fchl von oben und unten zu simulieren, das die Leere sonst nicht geboten h\u00e4tte. Ein kleiner Anker, um nicht die Orientierung zu verlieren. Um den Verstand zu behalten in der absoluten Leere, die sich als hauchzarter, vibrierender Dunst manifestierte.<\/p>\n<p data-p-id=\"dfea3730d043bebe32103cade1a7d7af\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa&#8221;, mahnte der Schwarzgewandete scharf. \u201eDisziplin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7e851c6302d895d08b565b1819429cf3\">\u201eLasst sie nur, Meister G\u00edonar&#8221;, sagte Gor und stellte sein Tablett und einen Leuchter mit mehreren dicken Kerzen seinem Gefangenen auf den Tisch. \u201eIch bin solche Verzagtheit von Euresgleichen wohl gewohnt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5bd63fe9f8a67f1407d9852b82db142a\">\u201eWas Ihr Verzagtheit nennt&#8221;, entgegnete der Schwarzgewandete grimmig, \u201eist nichts als der von den M\u00e4chten gewollte <em>Abscheu<\/em> vor Euresgleichen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31390af80218815502fd2b65e8cd4008\">Gor schaute zu dem M\u00e4dchen hin\u00fcber und l\u00e4chelte. Sie bebte am ganzen K\u00f6rper.<\/p>\n<p data-p-id=\"8642364dca3f9e2dd8cc9f677d3e032a\">\u201eIch glaube doch, dass sie Angst hat&#8221;, sagte er schlie\u00dflich. \u201eDoch es ist noch nicht an der Zeit, dass sie um ihr Leben f\u00fcrchten m\u00fcsste.&#8221; Er zog das T\u00fcchlein, das \u00fcber dem Tablett gelegen hatte fort und faltete es sorgsam zusammen. \u201eDazu kommen wir sp\u00e4ter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9299846a80239a643007af8476b37d2\">Der Schwarzgewandete wollte etwas entgegnen, etwas ziemlich Unversch\u00e4mtes wahrscheinlich. Aber sein Blick streifte das, was auf dem Tablett lag und blieb unwillk\u00fcrlich daran h\u00e4ngen.<\/p>\n<p data-p-id=\"481fd8c79126f36989b17bfd38cfde65\">\u201eIch muss sagen&#8221;, fuhr Gor fort, \u201edass ich dem heutigen Tag mit gro\u00dfer Erwartung entgegen gesehen habe. Ihr, G\u00edonar Boscarg\u00e9n, seid der letzte <em>ytra<\/em> der <em>camat&#8217;ay,<\/em> der noch \u00fcbrig geblieben ist. Ihr seid, vergebt mir den profanen Ausdruck \u2013 der <em>H\u00f6hepunkt <\/em>meines bisherigen Erfolges. Vielleicht sogar der, der mich ein gro\u00dfes St\u00fcck weit meinem Ziel zuf\u00fchren wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee4347cc8b88431b78a208e6a528389c\">\u201eDie anderen sind&#8230; <em>alle<\/em>?&#8221;, fragte der Schwarzgewandete leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"a3e09ff185cd54775f87bfaf8e4d213b\">\u201eAlle, die den Fehler gemacht haben, bei Benjus von Valvivant Hilfe zu suchen. Das wisst Ihr. Die \u00fcbrigen, die es in Aur\u00f3p\u00e9a versucht haben oder sonst wo verstreut umherirrten, sind mir schon zuvor begegnet. Au\u00dfer Euch und Eurer Sch\u00fclerin ist da nur noch dieser Ungl\u00fcckselige, der mir im Eta\u00edmalon in die Quere kam. Eingeschlossen in Eurem Heiligtum, entkommt auch er mir nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90cd6c5ead156db0757a452d95c1ec13\">Der Schattens\u00e4nger seufzte und lie\u00df die Schultern sinken, soweit das in seiner Haltung m\u00f6glich war. Den Blick konnte er dabei immer noch nicht von den Werkzeugen l\u00f6sen.<\/p>\n<p data-p-id=\"871f5fe26c2e7b73e5f88e0f37feea14\">Die junge <em>camat&#8217;ayra<\/em> gab ein hilfloses Schluchzen von sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"6fe549ffe4595fb22cee2b56e8a8e55e\">\u201eNun&#8221;, fuhr Gor fort, \u201edas Weltenspiel hat eine \u00fcberraschende Wendung genommen. Wer h\u00e4tte gedacht, dass der Tag kommen w\u00fcrde, an dem meinesgleichen die Genugtuung f\u00fcr das erlangen w\u00fcrde, was Euer Kreis dem meinen angetan hat. Dass es an <em>mir<\/em> sein w\u00fcrde, Generationen von <em>goala&#8217;ay <\/em>zu rehabilitieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba76fde520bea750fa215cd43e9a92c3\">\u201eMir scheint&#8221;, versetzte Meister G\u00edonar, \u201eIhr bringt ganz geh\u00f6rig Dinge durcheinander.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a821de43ac0d1bc60cf3eb4f6420aa77\">\u201eIch mag Euch Eure Meinung zu diesem Thema nicht nehmen. Denn selbst mir wird es nicht gelingen, einen Schwarzgewandeten von dem Irrglauben zu befreien, in dem er unterwiesen wurde.&#8221; Gor r\u00fcckte den zweiten Stuhl zurecht und lie\u00df sich darauf nieder. Beil\u00e4ufig stellte er eine kleine Flasche aus dunkelrotem Glas neben sein Handwerkszeug, das auf der Tischplatte im Schein des Kerzenleuchters funkelte. Im Widerschein der kleinen Flammen war zu erkennen, dass sich eine klare Fl\u00fcssigkeit darin befand. Genaugenommen hatte der Rotgewandete die Kerzen, die hier, in Pianmur\u00edt so sinnlos waren wie sie es unter strahlender Sonne gewesen w\u00e4ren, nur mitgebracht, damit der Schattens\u00e4nger die Fl\u00fcssigkeit <em>erahnen<\/em> konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"979f99c37bd50616ddb732fcb0c423e4\">Sie schwiegen. Das M\u00e4dchen wimmerte leise unter seinem Atem, w\u00e4hrend die beiden Magier einander anschauten.<\/p>\n<p data-p-id=\"65d1e92b65578a5aa6f9fad6a17c4ac9\">\u201eWas immer Ihr mit mir vorhabt&#8221;, sagte Meister G\u00edonar endlich und gab ihm damit unaufgefordert ein Stichwort, \u201edas Artefakt wird es jedenfalls nicht in eure H\u00e4nde spielen&#8221;.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec9e896752a8eab0c0ded7c34ff76d4a\">\u201eDas ist nicht gesagt. Ich habe Zeit. Sehr viel Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88c63b60b3250bbd1b4b024dc653f656\">\u201eYalomiro Lagoscyre hat&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e0005f9807e52fd52d91e196a6302b7\">\u201eDer hochm\u00fctige Bursche wird beizeiten die Gelegenheit bekommen, sich ausgiebig mit mir \u00fcber das Versteck zu unterhalten, in dem er das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> verborgen hat&#8221;, fuhr der Rotgewandete ihm ins Wort. \u201eWo immer es sich nun befinden mag, ist es sicher und kann meinetwegen auch noch eine Weile verborgen bleiben. Mindestens so lange, bis ich dies hier beendet habe. Ist es nicht geradezu eine Ironie, dass er mit seiner unbedachten Tat auch seinesgleichen die M\u00f6glichkeit nahm, das <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> an sich zu bringen und an meinesgleichen vorbei zu schmuggeln? Gibt ihm das nicht eine gewisse Schuld daran, wie leicht es mir fiel, mit Euresgleichen <em>abzurechnen<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d785016ae449aeea93f7585ca1b60a5\">\u201eDas ist nicht wahr!&#8221;, begehrte da das M\u00e4dchen mit zitternder Stimme auf. \u201eYalomiro hat&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1cd949bcf0d65be7442225f00de00ec\">\u201e.. schlichtweg keine Zeit mehr gehabt, um andere an seiner Arroganz teilhaben zu lassen. Arme junge Schattens\u00e4ngerin. H\u00e4ttest du noch die M\u00f6glichkeit, weitere Lehren anzunehmen, so sollte dir das Bespiel deines ungl\u00fccklichen Gef\u00e4hrten vor Augen f\u00fchren, wie schnell Hochmut die Magie zu Fall bringen kann. Dein Meister hat ganz Recht, wenn er so viel Wert auf Demut und Disziplin legt. Nicht wahr, Meister G\u00edonar?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2cae8e12756590871aa0063dc5abd516\">Die Schattens\u00e4ngerin wimmerte. G\u00edonar Boscarg\u00e9n seufzte tief. Offenbar war ihm die mangelnde Tapferkeit seiner Sch\u00fclerin peinlich.<\/p>\n<p data-p-id=\"af912f83855fa8b8ed582134680bb182\">\u201eIch habe viel Zeit&#8221;, wiederholte der Rotgewandete. \u201eSo lange hat meinesgleichen gewartet. Doch das Warten wurde von der Ungewissheit zur Vorfreude, binnen weniger Augenblicken. Daf\u00fcr, Meister G\u00edonar, danke ich Euersgleichen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1116e9f7dc8587793c3c7ea1e8b0f6a1\">WIJDLANT, FR\u00dcHER<\/p>\n<p data-p-id=\"d48f3688f0d54fbc3ed44617f1319c45\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant war verwirrt gewesen, damals, als sie die Dom\u00e4ne der Schattens\u00e4nger eilig verlassen hatten. Gor wusste, dass sie nicht begriff, wieso er erst auf diese Reise aufgebrochen war, um dann scheinbar unverrichteter Dinge umzukehren.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9eccba79b059e94cb1e58d15e5dfc4b\">\u201eDas, weshalb Ihr hergekommen seid, das habt Ihr nicht bekommen&#8221;, hatte sie ern\u00fcchtert festgestellt.<\/p>\n<p data-p-id=\"9fc6cb622dca6ff5f63ef2d334f929ce\">Nun, das nicht, zumindest nicht sofort. Aber daf\u00fcr hatte er eine Dreingabe f\u00fcr seine M\u00fchen erhalten, f\u00fcr die der Aufwand bis hierher sich gelohnt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc5ce96832a83c7419342615f293da95\">\u201eSeid beruhigt, Majest\u00e4t. Es f\u00fcgt sich alles zu unseren Gunsten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1684de2b42c8e4d2e304d9d1f4a27413\">Eine Weile ritten sie wortlos nebeneinander her. Die \u00d6lb\u00e4ume, die ungew\u00f6hnlich hoch gewachsen waren und deren lichte Wipfel mit den silbrig flirrenden Bl\u00e4ttern sich hoch \u00fcber ihren K\u00f6pfen verflochten wie das Dach einer riesigen Halle, wuchsen sp\u00e4rlicher. Dieser verzauberte Bereich ging nach und nach in einen gew\u00f6hnlichen Wald \u00fcber und w\u00fcrde sie schlie\u00dflich in die weitl\u00e4ufige Heidelandschaft zu F\u00fc\u00dfen des Gebirges, des Montaz\u00edel entlassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c4a26487473c62d1cbc525a6a4b45970\">Gor sammelte seine Gedanken. War seine Mission erfolglos gewesen? Beileibe nicht! Immerhin hatte er den Gro\u00dfmeister des verhassten Diebsgesindels hinter die Tr\u00e4ume gebracht. Wenn er es nun geschickt anstellte, sollte dies nur der erste Schritt zu einem noch viel gr\u00f6\u00dferen Teilerfolg auf seinem Weg sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"8c30590e4b5462dfacf2edf14e9f0737\">Schattens\u00e4nger neigten dazu, sich wie ein Rudel scheuer Tiere zu verhalten. Sie suchten die Gemeinschaft, den Schutz, die Sicherheit unter ihresgleichen und in ihrem mit mehrfachen Bannen gesicherten Versteck. Sie gaben sehr viel auf die Meinung, die F\u00fchrung und die Erfahrung dessen, den sie f\u00fcr den kl\u00fcgsten und m\u00e4chtigsten in ihren Reihen hielten.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fed77329c0bc125888737efb8381016\">Nun, sowohl den weisen Gro\u00dfmeister als auch dessen Sch\u00fcler hatte er ausgeschaltet. Das w\u00fcrde sich schnell herumsprechen, daf\u00fcr w\u00fcrde diese zaghafte Sch\u00fclerin sorgen, die zumindest einen Teil seines Wirkens mit eigenen Augen gesehen hatte. Nicht umsonst hatte er das blonde M\u00e4dchen davonkommen lassen. Es war immer klug, Optionen f\u00fcr &#8230; sp\u00e4ter bereitzuhalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2f8f3e0f3523ca8f2cdae8f3f0bbef5\">Und ja, er hatte gefrevelt, und es war ihm eine Lust gewesen. Im Zentrum der Macht der verhassten Schwarzgewandeten, mitten in N\u00f3ktamas [die Manifestation der Dunkelheit] Heiligtum hatte er Magie gewirkt, <em>seine<\/em> Magie. Magie, die die aufgescheuchte, nun f\u00fchrerlose Schar der Schwarzgewandeten verst\u00f6ren w\u00fcrde, sie zu unbedachten Handlungen treiben w\u00fcrde. Er musste nichts anderes tun als zu warten, bis sie ihm entsetzt und orientierungslos in die Arme stolpern w\u00fcrden.<\/p>\n<p data-p-id=\"b313b301e07e5fbae29e1931632e078c\">Gor l\u00e4chelte, zufrieden mit sich selbst. Was w\u00fcrden sie denken, die <em>camat&#8217;ay<\/em>, wenn sie begriffen, mit welchen Kr\u00e4ften er geweiht war? Wenn die junge Schattens\u00e4ngerin ihnen berichtete, was er mit dem wehrhaften, so sonderbar vertraut wirkenden Meistersch\u00fcler getan hatte? Fleisch in Stein, Klang in Stille, Etwas in Nichts \u2013 das waren Zauber, so gewaltig, so ge\u00e4chtet und so <em>unm\u00f6glich<\/em>, dass sie die Schwarzgewandeten in schieren Unglauben versetzen w\u00fcrden. Wenn sie schlie\u00dflich doch begriffen, dass etwas Fremdes, etwas so unendlich viel M\u00e4chtigeres sich in das Weltenspiel eingebracht hatte, durch sein Wirken, mit ihm als Medium \u2013 dann w\u00fcrden sie <em>Angst<\/em> haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"e28ef2f3a42549360b329ca99bc00166\">Angst machte sie zu leichter Beute. Diese Beute sollte sein Lohn sein. So war es ihm versprochen worden.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb924f32ac1d05e222b899954d95de12\">Um den gef\u00e4hrlich mutigen und talentierten Schattens\u00e4nger, der seinen eigentlichen, urspr\u00fcnglichen Plan durchkreuzt hatte, um den w\u00fcrde er sich sp\u00e4ter k\u00fcmmern. Der b\u00fc\u00dfte seine Tollk\u00fchnheit nun gebannt in toten kalten Stein und umgeben von ewigem Schweigen. F\u00fcr diesen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Magier wollte er sich Zeit nehmen. Viel Zeit. Die Zeit w\u00fcrde seinen Triumph k\u00f6stlicher machen, so wie einen guten Wein.<\/p>\n<p data-p-id=\"79605311cd52bfbb7d2bf372266fa7d8\">\u201eWohin?&#8221;, fragte die <em>teiranda<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"c7b5dc70bb06ad952106eaf4aae51d01\">Meister Gor dachte kurz nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e346f5033010d742d1c7b565c81c0ee\">\u201eNach Valvivant&#8221;, entschied er dann. \u201eIch haben mit dem <em>teirand<\/em> Dinge zu bereden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"933d617122a9083b6abf4471c74c6cbb\">PIANMUR\u00cdT, JETZT<\/p>\n<p data-p-id=\"05a328cb8d1ac3e684127dbc96391cfa\">Gor war nun aufgestanden und hatte eines seiner Werkzeuge zur Hand genommen, eine sichelf\u00f6rmig gebogene, hauchd\u00fcnne und dabei messerscharfe Klinge. Er spielte gedankenverloren damit. Die bodenlos dunklen Augen seines Gefangenen waren starr darauf gerichtet.<\/p>\n<p data-p-id=\"16d1efae397a8252c0d41b06ed8122b7\">\u201eIch will nicht darum herum reden, und es wird Euch nicht weiter \u00fcberraschen, Meister G\u00edonar&#8221;, sagte der <em>goala&#8217;ay<\/em> endlich. \u201eAber ich werde nun beginnen, Euch zu t\u00f6ten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f04b98f90dd73ebc2897a0c18b10fe87\">Der Schattens\u00e4nger entgegnete darauf nichts, aber sein Atem beschleunigte sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"36be890467432f21e70ac9e3e72c908e\">\u201eIch werde es halten wie mit jenen, die mir zuvor begegneten. Es ist mir eine liebgewonnene Gewohnheit geworden, die Sch\u00fcler anschauen zu lassen, wie ihre Meister hinter die Tr\u00e4ume gehen. Bei dieser Gelegenheit erkennt die Jugend, wie es mit der Achtbarkeit ihrer Lehrer wirklich bestellt ist. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"494a34845ed4fd45ef6407f9248c8920\">Das M\u00e4dchen war gespr\u00e4chiger. \u201eBitte&#8221;, flehte es, \u201elasst uns gehen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85f27e7ffecb1c11177e31333039f9f2\">Diese Forderung war so naiv, dass Gor dar\u00fcber schmunzelte wie \u00fcber einen gelungenen Scherz.<\/p>\n<p data-p-id=\"de96ce9d724027732cc6d13d4b86c9be\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa&#8221;, sagte ihr Meister schroff, \u201enimm dich zusammen!&#8221; Und an Gor gewandt erg\u00e4nzte er: \u201eDie M\u00e4chte werden die Rotgewandeten zur Rechenschaft ziehen f\u00fcr ihre Frevel. Das Licht wird sie in seiner Verachtung bis zum Ende des Weltenspiels \u00e4chten und strafen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"450655f753783cb2e934042215acfb96\">Einen Lidschlag sp\u00e4ter sp\u00fcrte der Schattens\u00e4nger die gebogene Klinge an seinem Hals.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e0ad51e2b773780fa83a68d097f853f\">\u201eReizt es nicht aus&#8221;, zischte der Rotgewandete.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fc41c16a1869d095eb9096e512f5827\">Meister G\u00edonars Atem ging sto\u00dfweise. \u201eNur zu&#8221;, presste er hervor. \u201eSchneidet mir nur die Kehle durch! An der Wahrheit \u00e4ndert das nichts!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b361adbcedcdfd0c0b33a4ad44bc607\">\u201eBin ich ein Meuchelm\u00f6rder, wie sie in den finsteren Gassen von Aur\u00f3p\u00e9a auf Beutezug gehen?&#8221; Gor war ernsthaft ver\u00e4rgert. \u201eAbgesehen davon, Meister G\u00edonar, hiermit w\u00fcrde ich Euch die Stimme zerstechen. N\u00fctzlich, wenn man des Wehgeschreis \u00fcberdr\u00fcssig wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3ca273f56231a0ca1a66ac4a694a7e2\">\u201eDas ist abscheulich&#8221;, \u00e4chzte Meister G\u00edonar.<\/p>\n<p data-p-id=\"1402eee0b353c0719f7f77eca05bd92d\">\u201eM\u00f6glich.&#8221; Gor nahm das Messer fort. Ein Tropfen silbernen Blutes quoll dort hervor, wo es die Haut des Schattens\u00e4nger-Meisters geritzt hatte. \u201eSch\u00e4tzt Euch gl\u00fccklich. Ich benutze dieses Ding ungern. Mir gef\u00e4llt es besser, aufmerksam <em>zuzuh\u00f6ren<\/em>, wenn Euresgleichen schlie\u00dflich beginnt, Geheimnisse gegen mein Erbarmen zu tauschen. Bei dieser Gelegenheit: habt Ihr jemals von <em>zhya&#8217;ma gadray, <\/em>der fl\u00fcssigen Gnade geh\u00f6rt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a3df19d8a9a607b922d7a95a3c25aae\">Meister G\u00edonar schwieg misstrauisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"baa86bb488edc1145d54f05fdc99b05b\">\u201eEs ist ein Elixier&#8221;, fuhr Gor fort, \u201edas den Verstand eines Sterblichen von seinem K\u00f6rper trennt. K\u00f6nnt Ihr Euch denken, wie es wohl ist, seinem eigenen Tod in friedvoller Gleichg\u00fcltigkeit beizuwohnen, ohne die Schmerzen sp\u00fcren zu k\u00f6nnen, ganz gleich, wie sehr der K\u00f6rper zappeln und schreien mag? Es ist eine sehr interessante Erfahrung. Ich kann das mit Gewissheit sagen, denn mein Meister, der mich das Rezept lehrte, hat meine erste Zubereitung an mir selbst getestet. Nat\u00fcrlich nicht bis ans Ende, denn dann st\u00fcnde ich nun nicht vor Euch. Aber ich habe ein seltenes Lob von ihm daf\u00fcr erhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8cca1ded080e441dcde2878424fb0340\">\u201eDas klingt &#8230; reizvoll&#8221;, sagte der Schattens\u00e4nger mit vorsichtigem Interesse.<\/p>\n<p data-p-id=\"ac4705a186347bf25f948ace90b1f701\">Gor lie\u00df sich wieder auf seinem Stuhl nieder, legte das Werkzeug beiseite und faltete die H\u00e4nde. \u201eWieso denkt Euresgleichen eigentlich immerzu, meinesgleichen sei ohne Mitgef\u00fchl? Ohne Barmherzigkeit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12730817d8d195b1fad6bc661a1a6c87\">\u201eDas fragt Ihr einen Wehrlosen, dem Ihr gerade noch einen grausamen Tod angek\u00fcndigt habt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d5b51b628bf817af60996c48239be3a\">\u201eNun, ihr werdet mir zubilligen, dass meinesgleichen einen gewissen Groll gegen das Diebsgesindel hegt.&#8221; Gor strich mit dem Finger nachdenklich \u00fcber den Korken, der den Flakon verschloss. \u201eDoch manchmal ist es n\u00fctzlich, von diesem Mittel bei sich zu haben. Aber reden wir nicht von Dingen, die Ihr von mir nicht zu erwarten habt. Schlie\u00dflich seid Ihr doch wohl kein schwacher Unkundiger, die den am\u00fcsanten Versuch unternehmen w\u00fcrde, <em>mich<\/em> um Erbarmen anzuflehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99920aec35b217147c6b15939fe3c244\">Meister G\u00edonar entgegnete nichts, aber sein Blick klebte nun f\u00f6rmlich an der Flasche fest. Stattdessen wagte seine Sch\u00fclerin einen k\u00fcmmerlichen Handel.<\/p>\n<p data-p-id=\"5725da8b842baa8ccbfc94d9ac0d1bc7\">\u201eK\u00f6nnen wir&#8230; irgendetwas&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d84a6362143a6f85a18d9352850845d1\">Der Rotgewandete blickte auffordernd in ihre Richtung. \u201eSei nicht zaghaft, junge Schattens\u00e4ngerin. Du hast meine Aufmerksamkeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"516a972b4a1decb40eb07da9f9a52c5e\">\u201eWas m\u00fcssen wir tun, damit ihr uns am Leben lasst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"723a34711a2040224056103c1ea041f6\">\u201eAr\u00e1ma\u00fa!&#8221; Der Schattens\u00e4nger regte sich heftig, aber er konnte sich nicht zu ihr hinwenden. \u201eSei still!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f12f407e886a3c4624bcdbc768085f09\">\u201eWas&#8230; was kann ich tun, damit Ihr meinen Meister verschont?&#8221;, kam es, wesentlich leiser noch, und mit zitternder Stimme.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a4ff750edfd853e77aca2fe67c72a98\">\u201eGar nichts. Es gibt nichts, was einer von deinesgleichen bewirken k\u00f6nnte, was mir selbst nicht m\u00f6glich w\u00e4re. Aber es ehrt dich, dass du deine letzten Gedanken an das Schicksal deines Meisters verschwendest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4a8c3a6c84319eb39c205f18ce6bad5\">\u201eBitte&#8230;&#8221;, kam es von ihren Lippen. So wie sie da stand, gefangen in unschl\u00fcssigem Flehen um ihre kleine Existenz und instinktiver Angst von dem Schmerz, wirkte sie gleichsam verletzlich als auch auf eine sonderbare Weise unfertig. Der <em>goala&#8217;ay<\/em> verschr\u00e4nkte die Finger und betrachtete sie nachdenklich.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae97f5bba9e570f2a48bfc8ffe839562\">Unfertiges lie\u00df sich <em>vollenden<\/em>.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/gors-domaene\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[23],"tags":[],"class_list":["post-3151","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kg_gor"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3151"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4169,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3151\/revisions\/4169"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}