{"id":3087,"date":"2025-08-25T19:02:46","date_gmt":"2025-08-25T17:02:46","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=3087"},"modified":"2025-08-31T00:48:17","modified_gmt":"2025-08-30T22:48:17","slug":"05-das-unsterbliche-lamm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/05-das-unsterbliche-lamm\/","title":{"rendered":"05: Das unsterbliche Lamm"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"Yalo_Mag_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Yalo_Mag_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-3074\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Yalo_Mag_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Yalo_Mag_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Yalo_Mag_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"5f78dbd2e5be268c33a14b50fd6a0e63\">Die Sonne hatte ihren Zenit \u00fcberschritten, als die Kinder die Siedlung der <em>ujoray<\/em> erreichten. Ihnen allen war etwas unwohl dabei gewesen, aus dem Boscarg\u00e9n heraus zu gehen. Yalomiro war sich sicher, dass die Meister es nicht erlaubt h\u00e4tten, dass sie allein hierher gingen, und wenn er noch so sehr darum gebeten und daf\u00fcr argumentiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c7b36a4941e88538e0fb36f1b79b5db\">Im Boscarg\u00e9n waren sie sicher; daf\u00fcr sorgte die magische Grenze, die die Meister um den Wald gelegt hatten und durch die niemand den Wald betreten konnte, der in feindseliger Absicht gegen die Schattens\u00e4nger dorthin ging. Die Meister erfuhren es augenblicklich, wenn jemand den Wald betrat, und ihnen stand es frei, anderen, <em>ujoray<\/em> wie Magiern zu erlauben, zu ihnen zu kommen. Das war auch der Grund daf\u00fcr, dass die Kinder genau wussten, dass die Regenbogenritter sich mit <em>Billigung<\/em> der Meister dort bewegt hatten; vielleicht um einen Weg abzuk\u00fcrzen, vielleicht, weil sie nach etwas suchten, was mit den Gesch\u00e4ften der Schattens\u00e4nger nichts zu tun hatte. Wie dem auch war \u2013 die Meister duldeten die geheimnisvollen Einhornreiter. Alles Weitere ging die Kinder nichts an.<\/p>\n<p data-p-id=\"ad10a6d857ad2cda4654345737c04e77\">Hier drau\u00dfen, au\u00dferhalb der Grenze, war es anders \u2013 hierher reichte der Schutz des Waldes nicht. Allem, dem die Kinder hier begegnen w\u00fcrden, mussten sie selbst gegen\u00fcbertreten, seien es Menschen, seien es wilde Tiere, oder auch stinkende, geifernde <em>goala&#8217;ay<\/em>, die beil\u00e4ufig zu erw\u00e4hnen Falgr\u00e8d sich nicht nehmen lie\u00df, woraufhin Ar\u00e1ma\u00fa erneut in Unruhe verfiel und Yalomiros Hand seither nicht mehr losgelassen hatte. Ihre klebrigen kleinen M\u00e4dchenfinger waren kalt, und Yalomiro ertappte sich bei der \u00dcberlegung, ob es wohl den M\u00e4chten gef\u00e4llig war, wenn eine Dienerin der Nacht, wie Ar\u00e1ma\u00fa es zumindest von Geburt sein sollte, solch \u00fcberm\u00e4\u00dfige \u00c4ngstlichkeit an den Tag legte, nur weil jemand dummes Zeug redete.<\/p>\n<p data-p-id=\"2e48632a10c4b40154b93de3fb6f5e6c\">Doch vor dem, dem sie hier in der Welt der <em>ujoray<\/em> als erstem begegneten, mussten sie sich nicht f\u00fcrchten. Im Gegenteil \u2013 hier waren sie es, die gef\u00fcrchtet wurden.<\/p>\n<p data-p-id=\"b403dd95999f87a05e7b6f34221bd23e\">Die <em>ujoray<\/em>-Kinder hatten am Rand der Obstplantage gespielt, w\u00e4hrend die Erwachsenen, die zwischen den B\u00e4umen arbeiteten, ihr Handwerkszeug zusammenr\u00e4umten, weil es an diesem Tag nichts weiter zu tun gab. Als die Kinder, die der Obstbauern und die aus dem Wald, einander gewahr wurden, standen sie sich zun\u00e4chst eine Weile schweigend gegen\u00fcber. So lange, bis auch die Obstbauern durch die pl\u00f6tzliche Stille auf die drei schwarz gewandeten Ank\u00f6mmlinge aufmerksam wurden.<\/p>\n<p data-p-id=\"f9adb8dc730df054452b3c30c11fb434\">Der Bauer Brosco kam n\u00e4her und musterte die Kinder misstrauisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f564d0c54f8df2c2c5348da043998e4\">\u201e<em>Yal gha&#8217;tanai<\/em>&#8220;, sagte Falgr\u00e8d endlich. \u201eWir gr\u00fc\u00dfen euch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab935350102007461e43ae5484acd098\">\u201eWas wollt ihr hier?&#8221;, fragte Brosco so verwirrt, dass er verga\u00df, den Gru\u00df zu erwidern. \u201eWer seid ihr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5a2671f115f5bfc4ecb35a8ee899130\">\u201eWir kommen im Auftrag unserer Meister. Die Meisterin Eketh, die gestern hier war, berichtete, euresgleichen habe ein Problem mit einem wild gewordenen Schaf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e644a9a1a3809529251a03b745b660e8\">Die Bauern wisperten miteinander. Ihre Kinder be\u00e4ugten die Schwarzgewandeten.<\/p>\n<p data-p-id=\"6fa7443da04801cae4a288408e8f4786\">\u201eIhr seid also &#8230; Abk\u00f6mmlinge von den Schwarzm\u00e4nteln?&#8221;, fragte Anj\u00edor vorsichtig.<\/p>\n<p data-p-id=\"8c75eef4a0a1db94633591feb2874777\">\u201eDie Meister schicken uns voraus, um das Wundertier n\u00e4her zu betrachten. Wir sind zu jung, um euch <em>gef\u00e4hrlich<\/em> zu werden.&#8221; Falgr\u00e8d sagte das so, als bedauere er dies, aber obwohl er sich damit nur einen Spa\u00df erlaubte, packte eine der Frauen eines der etwas \u00e4lteren M\u00e4dchen und zog es einige schritte weiter weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b5d19cbfd02468bd1417b1c7c0a68e8\">\u201eWas geht euch dieses verr\u00fcckte Schaf an?&#8221;, rief sie aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"43a1b845648b32f5604775637cc02f08\">\u201eEs k\u00f6nnte sein, dass es n\u00f6tig wird, dass unsere <em>Meister<\/em> sich darum k\u00fcmmern&#8221;, antwortete Yalomiro, obwohl ihm als dem j\u00fcngeren das Wort nicht anstand. \u201eUm das zu entscheiden, sollen wir berichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc2c12c137fcf96a8d429dc7812b96a5\">Die M\u00e4nner und Frauen wechselten unbehagliche Blicke. Brosco plagte das Gewissen ob seines unerlaubt angepflanzten Baumes. Yalomiro h\u00f6rte seine unverhohlenen Gedanken und sch\u00e4mte sich seinerseits dar\u00fcber, dem armen Mann mit seinem Streich solche Angst eingejagt zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"4be913a1356ca78ec94ad6760c6659a9\">\u201eWir wollen euch helfen&#8221;, f\u00fcgte er hinzu. \u201eDie Schattens\u00e4nger besch\u00fctzen euch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4ff943026e43ae1af11fbe936b59ff4c\">Nun l\u00e4chelten einige der Unkundigen; die Frauen in \u00fcberlegener Weise ger\u00fchrt, die M\u00e4nner g\u00f6nnerhaft belustigt. Sie nahmen die Magierkinder ganz offensichtlich nicht in der Weise ernst, wie es ratsam gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p data-p-id=\"754b0dd9dff5126bced96d486c086824\">Falgr\u00e8d und Yalomiro warteten und versuchten, den Gedanken der Unkundigen zu lauschen, aber was sie h\u00f6rten, war nur ein undurchdringliches Stimmengewirr. Ein wenig machte es den Eindruck, dass die Unkundigen sich \u00fcber sie lustig machten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c81db1ad041f30f3d04518ab7c475a0e\">Die <em>ujoray<\/em>-Kinder starrten sie an, misstrauisch, ein wenig feindselig sogar. Dort, wo die Erwachsenen sich aufgrund ihres Alters \u00fcberlegen f\u00fchlten, waren ihren Kindern die kindlichen Magier instinktiv suspekt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f587b76b75595d30afa3b3e95c34265\">\u201eGeht nach Hause&#8221;, sagte eine der Frauen schlie\u00dflich mit bem\u00fchter Freundlichkeit. \u201eSagt euren Eltern, wir danken f\u00fcr die Sorge, aber wir kommen allein damit zurecht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"882f79acb20cef5133b1ebb3db733055\">\u201eEs bereitet uns keinerlei Umst\u00e4nde.&#8221; Falgr\u00e8d schenkte einem der Knaben, der etwa einen Kopf gr\u00f6\u00dfer und doppelt so schwer sein mochte wie er selbst, ein w\u00f6lfisches Grinsen. \u201eUnd es muss sich auch niemand zum Dank verpflichtet f\u00fchlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7adac9b11804be7da55700e9d947fa2\">\u201eLass es gut sein, Junge&#8221;, mischte sich Anj\u00edor ein. \u201eK\u00fcmmert ihr euch um eure Gesch\u00e4fte und wir uns um die unseren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"04f0e5f05023db95e3622016ec70bd00\">Falgr\u00e8d seufzte. \u201eUnkundige&#8221;, sagte er laut in Yalomiros Richtung. \u201eStur und gedankenlos.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8824b511fecee671a6f4ec3c2287f875\">\u201eLass sie&#8221;, antwortete der j\u00fcngere Knabe. \u201eSie haben Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c54629ba5bcb55d3a8d5b93be6461fe\">\u201eAber dann sollen sie sich doch nicht so anstellen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8593edb2575e1364052254a6332ee406\">\u201eIch glaube&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f9e3f877fbe68caf2dfdc347a734fbd\">\u201eAch bitte&#8221;, kam es da pl\u00f6tzlich von Ar\u00e1ma\u00fa. \u201eIch hab mich so gefreut, das kleine Sch\u00e4fchen zu sehen! Lasst uns doch nur ganz kurz gucken!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b4c7c71aa243533153939514e789d28\">Die Unkundigen z\u00f6gerten unschl\u00fcssig. Aber sie waren nicht f\u00e4hig, Ar\u00e1ma\u00fa zu widerstehen. Das kleine M\u00e4dchen machte flehende Augen und schaute so treuherzig zu den <em>ujoray<\/em> empor, dass sich niemand ihrem Bann entziehen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"015c6fedccff2c8dcd155666bcbc55b9\">\u201eSo ein niedliches kleines Ding&#8221;, wisperte eine der Frauen, die selbst ein kleines M\u00e4dchen an der Hand hielt. \u201eSo ein Jammer, dass-&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e12fe581a63bfdf6ccdde8f0ac8e1d0\">\u201eStill&#8221;, wurde sie hastig unterbrochen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7b8440742280d7445ca4a4c32338b8\">\u201eD\u00fcrfen wir es anschauen?&#8221;, bettelte Ar\u00e1ma\u00fa. \u201eWir gehen auch nicht zu nahe heran und wollen ganz bestimmt niemanden st\u00f6ren! Wir sind so weit gelaufen, den ganzen Tag&#8230; meine F\u00fc\u00dfe sind ganz hei\u00df davon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2afcd0bedb8fd7bcb90188671f9989c\">Einen Augenblick lang schwebte gespanntes Schweigen \u00fcber der Gruppe. Dann r\u00e4usperte Brosco sich. \u201eWenn es euch so ernst damit ist&#8221;, sagte er, \u201ekommt mit. Es ist ein St\u00fcck weit zu laufen bis zu den Herden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"784779f9c636618808e3e172d2cc9a52\">\u201eOh, danke!&#8221;, rief Ar\u00e1ma\u00fa und f\u00fcr einen kurzen Augenblick sah es aus, als sei sie versucht den Bauern zu umarmen. Gerade noch rechtzeitig beherrschte sie sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"553c6ee5665a26fa9f8115cd6aa6c918\">\u201eFolgt mir.&#8221; Brosco gab den Rechen, den er gerade in der Hand hielt, einem anderen Mann in die Hand und winkte den Kindern, ihm zu folgen. \u201eIch bringe euch hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"421158973286ee1d47b5fe7e4c811cc1\">\u201eSollen wir mitkommen?&#8221;, fragte eine der Frauen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7553fe6c77281f774b12ff9833b39f0d\">\u201eNein. Ihr geht zu den H\u00e4usern. Und da bleibt ihr, bis ich wieder bei euch bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d0a6bf2245b3fddfacb7b44cddd3ce8\">Die anderen Unkundigen nickten. Offenkundig bestand zwischen ihnen eine Absprache, eine Anweisung, was sie zu tun hatten, wenn eine Situation wie diese eintrat.<\/p>\n<p data-p-id=\"281ebaf6db81ae6bf4fccba1d27bb8ed\">\u201eWir danken dir&#8221;, sagte Falgr\u00e8d, als er sich von seiner \u00dcberraschung \u00fcber Ar\u00e1ma\u00fas unerwarteten Erfolg erholt hatte. Yalomiro war sich ziemlich sicher, dass es sich um eine spezielle Art von Kleinm\u00e4dchen-Magie handeln musste, die nicht unbedingt schattens\u00e4ngerisch war.<\/p>\n<p data-p-id=\"dd824ded7b1a91942a3b3cfb629b87eb\">Brosco brummelte etwas Unverst\u00e4ndliches und setzte sich eilig in Bewegung. Die Kinder lie\u00dfen die Gruppe der Bauern zur\u00fcck und folgten ihm rasch nach. Ar\u00e0ma\u00f9s Gesicht strahlte vor Stolz. Ihr war etwas gelungen, woran die Jungen gescheitert w\u00e4ren. Das war etwas, wovon sie sp\u00e4ter voller Stolz Meister G\u00edonar erz\u00e4hlen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"37cb1643c0675d426f9db9e21add396f\">Die Schafherde weidete auf einer gro\u00dfen Wiese jenseits der Obstg\u00e4rten, bewacht von zwei aufmerksamen Sch\u00e4ferhunden, die beim Anblick der Schattens\u00e4ngerkinder auf die Pfoten sprangen und wachsam, mit gespitzten Ohren zu ihnen hinblickten.<\/p>\n<p data-p-id=\"56642110cefdec2cda77a26f0a14dc2e\">Ar\u00e1ma\u00fa lachte erfreut und machte Anstalten, zu den Hunden hin zu laufen. Falgr\u00e8d erwischte sie gerade noch an ihrem langen Haar.<\/p>\n<p data-p-id=\"95c38be4d3bdf329bdb1c04e14b79761\">\u201eNicht!&#8221;, wies er sie zurecht. \u201eDie gehen uns nichts an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9465d731cdc7f66c2e46a0ebe3869c13\">Yalomiro war stehen geblieben und schaute die Hunde forschend an. Die Tiere wurden unruhig, kamen aber nicht n\u00e4her. Daf\u00fcr hob der Leitwidder der Herde argw\u00f6hnisch den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa7ff449b3e9a7e1703798c2317e4f6a\">\u201eGeh da weg, Junge&#8221;, mahnte Brosco. \u201eDu machst die Tiere nerv\u00f6s.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"28e0eef3fcf9f8992589ca9e7324d7ce\">Die meisten Schafe hatten sich bereits nahe beieinander zur Ruhe begeben und k\u00e4uten wider. Nun aber hielten hier und dort einzelne Tiere inne und wuchteten sich auf die Beine hoch. Der Widder streckte die Schnauze vor und witterte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ba8adf7c3fc3ce542c8b4323cac164c4\">\u201eWas immer du da tust, Junge&#8221;, zischte Brosco \u00e4rgerlich, \u201eH\u00f6r auf damit!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"77c08efa26e54abf7e076967b16d41c6\">\u201eIch mache \u00fcberhaupt nichts&#8221;, antwortete Yalomiro. \u201eIch schaue sie mir nur an&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7fe9685171e2ff0850ea397819a6e676\">\u201eDann lass das gef\u00e4lligst sein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f49dd39cbe0852590e475620e34b889c\">Einer der Hunde begann, halbherzig zu knurren. Der Widder setzte sich in Bewegung, trat ein paar Schritt r\u00fcckw\u00e4rts und senkte die H\u00f6rner.<\/p>\n<p data-p-id=\"5f4d5a14e5c8b8326164692d84227444\">\u201eLass den Unfug, Yalomiro!&#8221; Falgr\u00e8d, der Ar\u00e1ma\u00fa vorsichtshalber immer noch bei der Hand hatte, packte den J\u00fcngeren bei der Schulter. \u201eDenk an Meister Ask\u00fdn!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76738bce6613d6a243c6032f27e7e351\">\u201eAber ich bin das nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb8f85798082c632cf7183ea0f50edd1\">Brosco warf unbehagliche Blicke um sich. Dort am Rande der Wiese war die kleine H\u00fctte, in der der Hirte \u00fcbernachtete und sicher immer noch daniederlag, um sich auszukurieren. Doch ob es eine kluge Entscheidung w\u00e4re, nun einfach loszurennen?<\/p>\n<p data-p-id=\"2bcd1053446b5cd2db1950af3d90a81c\">Yalomiro wandte sich von der Herde ab. Sein Blick streifte suchend den Hain, der die Grenze zwischen Wiese und Obstg\u00e4rten bildete.<\/p>\n<p data-p-id=\"c14ac1386a6f42ca23b218188401b97a\">\u201eDa ist jemand&#8221;, fl\u00fcsterte er. \u201eSp\u00fcrt ihr es nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee95b8b8f7217010c67540ed6e621b89\">Falgr\u00e8d horchte in die Abendd\u00e4mmerung, die still \u00fcber der Wiese und dem gespannten Atem der Tiere lag. Unbek\u00fcmmert davon erschallte hier und dort das Nachtlied einzelner V\u00f6gel. \u201eIst uns jemand gefolgt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2f9f54098a5cd0797596ab063cdae61\">Ar\u00e1ma\u00fa lugte hinter seinem R\u00fccken hervor. Brosco, der sich zwischen den unruhigen Tieren und den sich abwendenden Kindern unwohl f\u00fchlte, r\u00e4usperte sich leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d9dc9e7f790f178d251bc730a532729\"><em>Was ist da, Yalomiro? Sind die Unkundigen uns nachgeschlichen?,<\/em> fragte der \u00e4ltere Junge.<\/p>\n<p data-p-id=\"1199e5414ab750bbf55b985177f87900\"><em>Nein. Wer immer da ist, er versucht, sich vor uns zu verbergen. Und das macht er recht gut.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"182a96cfbd8a08f677c2025ef3e60775\"><em>Vielleicht ist uns ein Meister nachgegangen<\/em>, warf Ar\u00e1ma\u00fa ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"94edc8ac05b1a9d97c8aa54e7a61c26b\"><em>Glaubst du?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"91e224ab5e7e46935043f6b5b8b1e6be\"><em>Gestern Morgen war Meister G\u00edonar auch pl\u00f6tzlich da.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6c3b7f7f10f2f86c62a1190a0989f2cc\">Yalomiro sp\u00fcrte Entt\u00e4uschung, die versuchte, sich einen Weg in sein Gem\u00fct zu bahnen. Nat\u00fcrlich \u2013 so musste es sein. Hatte er ernsthaft erwartet, dass die Meister sie allein und unbeaufsichtigt diesen Gang h\u00e4tten erledigen lassen? War er so anma\u00dfend, von sich selbst zu glauben, er k\u00f6nne ohne Anleitung durch einen erwachsenen Magier hinter das Geheimnis des wilden Lammes kommen?<\/p>\n<p data-p-id=\"0a55d7f6ee03d8ee3f2e415f722d16ea\">Andererseits \u2013 war es nicht vielleicht gerade der Moment, den Meistern zu beweisen, dass er der Herausforderung <em>gewachsen<\/em> war? Der richtige Moment, seinen Meister stolz auf seinen Sch\u00fcler zu machen? Wenn Meister G\u00edonar Zeuge seiner F\u00e4higkeiten w\u00fcrde, dann w\u00e4re es vielleicht auch leichter, dessen Respekt zu gewinnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"61795898b3dacc928507f9961a3e8ec8\">Yalomiro drehte sich um und hob die Hand gegen die Hunde und den drohenden Widder.<\/p>\n<p data-p-id=\"effc7d1640466b2059bc8ff5968f9139\">\u201eRuhig&#8221;, sagte er beil\u00e4ufig zu den Tieren. \u201eEs gilt nicht euch. Lasst euch nicht von uns st\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff847744584493c92b52dac36b85deb8\">Einen Augenblick lang wirkten die Tiere verdutzt. Dann begannen die Hunde, mit den Schw\u00e4nzen zu wedeln und setzten sich nieder. Der Widder stie\u00df halbherzig nach einer Aue in seiner N\u00e4he und trottete dann davon. Nach und nach entspannten sich auch die Schafe.<\/p>\n<p data-p-id=\"cb48f212296132de4be6bba26e13ff81\">\u201eUnd nun zeig uns das Lamm&#8221;, bat Yalomiro, w\u00e4hrend der Bauer die Schultern sinken lie\u00df und erleichtert aufatmete.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b3a95ab0a1f3421b12ccc496f739ec9\">\u201eHast du nicht geh\u00f6rt? Wir haben nicht viel Zeit&#8221;, dr\u00e4ngte Falgr\u00e8d.<\/p>\n<p data-p-id=\"af58ba5d69891d08b92266b9012c6d25\">Brosco zuckte zusammen und nickte verst\u00f6rt. Dann winkte er den Kindern, ihm an der Herde vorbei zum gegen\u00fcberliegenden Saum der Wiese zu folgen. Aus der H\u00fctte trat, schwer auf einen Stecken gest\u00fctzt, ein anderer Mann hervor. Als er der Ank\u00f6mmlinge ansichtig wurde, kam er ins Freie gehumpelt.<\/p>\n<p data-p-id=\"aa50868e4c443f4fe784c44a6b0354a1\">\u201eBrosco!&#8221;, rief der Sch\u00e4fer. \u201eWas soll das? Was schleppst du mir hier Kinder aufs Feld?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff4b389fd955ce92da12d120d30dff0d\">Der Obstbauer warf eine hilflose Geste zu ihm hin\u00fcber. \u201eEs sind&#8230; die Magier haben sie uns geschickt! Sie wollen das Lamm-&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"df6a33426ca96416b340e56e1516472d\">\u201eBei den M\u00e4chten!&#8221; Der Sch\u00e4fer eilte heran und gelangte dabei angesichts seiner Blessuren zu einer erstaunlichen Geschwindigkeit. \u201eBleibt blo\u00df weg von dem Mistviech! Es&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3554214996b7a341180d769fb6560b45\">\u201eEs ist dort dr\u00fcben, hinter dem Gatter?&#8221;, fragte Yalomiro ruhig.<\/p>\n<p data-p-id=\"c907d21804121b605a2491f96b02b27f\">\u201eGeht dich das irgendwas an, du Bengel?&#8221;, schnauzte der Sch\u00e4fer.<\/p>\n<p data-p-id=\"415db6bdfd0772a63d8ec6102892aed4\">\u201eJa&#8221;, antwortete Yalomiro schlicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"28b4096d4b679427facbd8288ee488a4\">Darauf hatte der Sch\u00e4fer zun\u00e4chst nichts zu entgegnen, aber es sah aus als wolle er den Knaben f\u00fcr seine Dreistigkeit eine Ohrfeige versetzen. Doch der Bauer Brosco fiel dem Mann in den Arm, so dass der schmerzlich aufst\u00f6hnte. Meisterin Eketh hatte zwar seine Verletzungen heilen k\u00f6nnen, die Schmerzen hingegen waren noch nicht g\u00e4nzlich fort.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2cf723c4d93890f49a19612df2f8e1a\">\u201eLas gut sein, Idur&#8221;, fl\u00fcsterte er beschwichtigend. \u201eDas ist Schwarzmantelbrut. Die d\u00fcrfen wir nicht ver\u00e4rgern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b62f01c36c1debbcf1e50178b0f95dd\">\u201eIch will kein Magiervolk zwischen meinen Tieren&#8221;, rechtfertigte Idur der Sch\u00e4fer sich erregt, aber verhaltener Stimme. \u201eErst diese Kerle mit ihren Monsterg\u00e4ulen, und nun&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"215e642062d6ae1c6a226f7e99661dad\">\u201eDie Regenbogenritter waren hier?&#8221;, fragte Falgr\u00e8d scharf, der trotz der Heimlichkeit zwischen ihnen nat\u00fcrlich jedes Wort verstanden hatte. \u201eHaben sie sich das Lamm angesehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06ae461afb401ab63ca5b2b77d854ca4\">Idur warf dem \u00e4lteren Jungen einen feindseligen Blick zu und wischte sich mit dem \u00c4rmel die Nase. \u201eDie Schafe haben sie mir in Unordnung gebracht, die seltsamen Herren. Als h\u00e4tte ich nicht schon genug Scherereien.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69f5e7818e1aa0287fb1f7c75f423387\">\u201eWoher wussten denn die Regenbogenritter von dem L\u00e4mmchen?&#8221;, fragte Ar\u00e1ma\u00fa arglos.<\/p>\n<p data-p-id=\"4e6c4e700e4a8a06cae908ad92e4d10d\">\u201eDas m\u00f6gen die M\u00e4chte wissen, ich wei\u00df es nicht. Und es interessiert mich nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"029cc0432c76abcef5a3bfb4391764bc\">\u201eAber was haben sie angesichts des Tieres gesagt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d35b121c7b3b1411e37a07ff2509382b\">Idur schnaubte. \u201eGar nichts. Angestarrt haben sie das Mistviech, bis dass es angefangen hat, das Gatter auseinander zu nehmen. Und dann sind sie wortlos abgezogen. Waren sich wohl zu fein, irgendwas zu unternehmen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21645720f85da61cfa828ad88c529380\"><em>Die Ritter waren unterwegs zu den Meistern,<\/em> dachte Yalomiro aufgeregt. <em>Sicher wollen sie Rat einholen!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d13737d7bf279f86f128fdff6a376c99\"><em>Das s\u00e4he ihnen nicht \u00e4hnlich,<\/em> widersprach Falgr\u00e8d. <em>Die Ritter verachten unseresgleichen. Warum sollten sie&#8230;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"b9866921a8f8931dca1e8ee30d3a9210\"><em>Wenn es aber doch eine solche Seltsamkeit ist, dass sie mit ihrer Weisheit nichts damit zu beginnen wissen? Ist es dann nicht denkbar, dass sie vielleicht versuchen zu ergr\u00fcnden, was wir dar\u00fcber wissen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3baf63961fd1a23260ab119106fc239a\">Ar\u00e1ma\u00fa h\u00f6rte den gro\u00dfen Jungen verwirrt zu. Auch Idur und Brosco waren verunsichert, w\u00e4hrend die beiden Jungen einander schweigend und mit starrer Miene anschauten und scheinbar das Interesse an ihnen verloren hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"9bb4edfac7c01c2bd729353870f06852\">\u201eIch habe es satt, dass den ganzen Tag Fremde auf der Weide herumlaufen und das Lamm anstarren&#8221;, schimpfte Idur endlich weiter. \u201eDas hier ist eine Sch\u00e4ferei, kein Jahrmarkt! Und wenn ich mich nicht Eurer ehrenwerten Meisterin, m\u00f6gen die M\u00e4chte sie ewig besch\u00fctzen, dankbar f\u00fcr ihre Heilk\u00fcnste w\u00e4re, sogleich vom Acker pr\u00fcgeln w\u00fcrde ich euch Kr\u00f6ten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e20dd5265d34f61d06f1f43f79aafa7\">Yalomiro und Falgr\u00e8d unterbrachen ihre wortlose Unterhaltung, befremdet \u00fcber die Wut des Sch\u00e4fers.<\/p>\n<p data-p-id=\"e181c86a8749587bb8c1c893de917227\">\u201eZeig es uns. Und sei versichert \u2013 je mehr Magier sich mit dem Geheimnis des Lammes besch\u00e4ftigen, desto schneller werden sich eure Probleme damit l\u00f6sen.&#8221; Falgr\u00e8d schritt an Brosco vorbei und zog Ar\u00e1ma\u00fa mit sich. Yalomiro versuchte, entschuldigend zu l\u00e4cheln und folgte ihm eilig. Aber eine zweite Entt\u00e4uschung ergriff ihn. Denn wenn es tats\u00e4chlich so war, dass die m\u00e4chtigen Regenbogenritter das Mirakel bereits betrachtet und dabei selbst nicht zu einer Erkenntnis gelangt waren, so dass sie nun die Meister aufsuchten, um sich zu beraten \u2013 was konnte er, ein kleiner Sch\u00fcler, anderes daran entdecken \u2013 und wozu w\u00fcrden die anderen Meister noch seinen Bericht h\u00f6ren wollen?<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"1938365ceb3a0afc3ae4d5a48d2150e8\">Das L\u00e4mmchen sah j\u00e4mmerlich aus, und das lag nicht nur daran, dass die Hunde es zerbissen und die Menschen es gepr\u00fcgelt hatten. Die Wolle, die dicht und gl\u00e4nzend schwarz h\u00e4tte sein sollen, hing verfilzt und schmutzig an ihm herunter; verkrustet von geronnenem Blut dort, wo es Wunden davon getragen hatte. Seine Klauen waren unf\u00f6rmig und so verkr\u00fcppelt, dass es kaum aufrecht stehen konnte, und seine Schnauze war verklebt von etwas, das ein eitriger Ausfluss zu sein schien. So stand es in einer Ecke des Gatters, in das die Menschen es mit M\u00fche hatten hinein treiben k\u00f6nnen und schaute die Kinder mit leeren Augen an. Bewegen tat es sich nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"f80ca67c894550217e7b384c57071968\">\u201eDas arme kleine Ding&#8221;, rief Ar\u00e1ma\u00fa aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"1682ff2695915943d31f122369ae55ba\">\u201eUnd ihr habt keine Ahnung, wo es her kommt?&#8221;, erkundigte Falgr\u00e8d sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"62f1cc6b68f03c4eef79707ac9c330c3\">\u201eWenn wir w\u00fcssten, wo es verloren gegangen ist&#8221;, knurrte Idur, \u201edann h\u00e4tte ich schon l\u00e4ngst ein W\u00f6rtchen mit seinem Besitzer gewechselt. \u2013 Es stand gestern Vormittag einfach bei der Herde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b67679741cc70a7ccd23e128decc656\">\u201eUnd warum habt ihr die Hunde darauf gehetzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6d2d7482e5e52dafb8b0f39dcb3ce80f\">\u201eSchau es dir doch an, Bursche! Voller Rotz und R\u00e4ude! Denkst du, ich will mir die Seuche unter mein Vieh holen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"edf4dfb1f66f65bbc43a0c818d3a1e50\">Die Schattens\u00e4ngerkinder musterten das Lamm ratlos. Kleine Hornkn\u00f6pfchen an seinem Sch\u00e4del lie\u00dfen erahnen, dass es ein pr\u00e4chtig geh\u00f6rnter Widder sein w\u00fcrde, sofern es \u00fcberlebte. Insgesamt wirkte das Tier jedoch sehr zierlich, jung. Wie vor kurzer Zeit geboren.<\/p>\n<p data-p-id=\"713f99c6c40e2c464dd38701d5cdfd13\">\u201eDu hast keine L\u00e4mmer diesen Alters bei deiner Herde&#8221;, stellte Yalomiro fest.<\/p>\n<p data-p-id=\"93b90a8c76975c4e955b2f90da909072\">\u201eDie L\u00e4mmerzeit ist seit Monden vorbei! Wei\u00df der Henker, welche verr\u00fcckte Aue den da so sp\u00e4t im Jahr gelammt hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea2af609de6a7690f247ba54df4d7c06\">\u201eSicherlich ist irgendwo ein verwildertes Vieh auf der Heide unterwegs.&#8221; Brosco st\u00fctzte sich auf den Viehzaun und sah das B\u00f6ckchen angewidert an. \u201eVoller Krankheiten, ganz bestimmt. Der Besitzer wird schon wissen, warum er nicht danach gesucht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b6cd7833d9a66a33736462ec9377809\">\u201eWie alt mag es sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f74c374320e73b1b30b2b4426a7aafe3\">Idur schn\u00e4uzte sich und winkte abf\u00e4llig ab. \u201eEinen Mond vielleicht, nicht \u00e4lter!.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e00afe6be12c51e758e7923fcb338662\">Yalomiro \u00fcberlegte einen Moment.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a87f0b7fe5f6247d9a3fd7c137dfce6\">\u201eNein&#8221;, sagte er dann. \u201eDas kann nicht sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4a2636394c98430776b4143f91a63449\">\u201eWas f\u00e4llt dir ein, B\u00fcrschchen? Willst du mir erz\u00e4hlen, was ich \u00fcber Schafe zu wissen habe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe72c8260c591093dad134d594d2f395\">\u201eNein. Aber hast du jemals ein Lamm gesehen, das sich binnen so kurzer Zeit die Klauen so zuschanden trampelt? Das hier ist schon lange unterwegs. Und er ist nicht nur auf weicher Heide gelaufen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12045c0f032b6d9dce95118f221b93b4\">Die beiden unkundigen M\u00e4nner schweigen verbl\u00fcfft einen Moment.<\/p>\n<p data-p-id=\"0dfc84d0b4e37de26289d9c190c65b51\">\u201eDa hat der kleine Schwarzmantel recht&#8221;, gab Brosco schlie\u00dflich zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"6caff24c8e0595533e2ed4ada457b52e\">\u201ePah! Verwachsen und verkr\u00fcppelt ist das Mistvieh, und wenn ich w\u00fcsste, wie wir das Ding loswerden&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a54d3f52cd405891ef44d0bbef65d69e\">\u201eWarum lasst ihr es nicht einfach wieder frei?&#8221;, fragte Ar\u00e1ma\u00fa treuherzig. \u201eSicher hat es Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"016e37bdb72a0cf3ee24f6e103c7ea33\">\u201eFrei lassen?&#8221; Idur verdrehte die Augen. \u201eH\u00f6rt, was sie ihrer Brut beibringen, die Schwarzm\u00e4ntel im Wald. Soll sich denn die n\u00e4chste Herde anstecken, mit was auch immer f\u00fcr einer Seuche?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad0c7da9eaebe51baada4d908d7c4e41\">Ar\u00e1ma\u00fa legte die Stirn in Falten. Wenn sie auch noch klein war, die Kr\u00e4nkung hatte sie bemerkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"585000a7249e92524193416940e5f3c2\">Die beiden Jungen dachten nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"d9e3d7c2fb05aae92827fe07d9892545\">\u201eVielleicht kann einer unserer Meister es heilen, wenn es krank ist&#8221;, sagte Falgr\u00e8d.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1e5ced61abea84f84ace26a8db92feb\"><em>Es ist nicht krank,<\/em> dachte Yalomiro. <em>Es ist verflucht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"88eb08adc5cc38e0d067bc7c029c0abf\"><em>Was?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"bd4f73aa6b10850c2fa19d84c7b8266e\"><em>Erkl\u00e4r ich euch sp\u00e4ter!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"cde4d006d39ab53a0ae61980755c341b\">\u201eWas gebt ihr euch so viel M\u00fche damit, dieses Drecksvieh auch noch in Schutz zu nehmen? So klein es ist, es hat mir einen Hund zertrampelt, und wenn eure Meisterin nicht zuf\u00e4llig&#8230; wir haben euch nicht um Hilfe gebeten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2bf8e2c4b3de91f413cc6df703cb1c4a\">\u201eIm Augenblick sieht es recht friedlich aus&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43c337f658807bc1338a3b24edb66513\">Das Lamm bl\u00f6kte, mit einer sonderbaren, rauen und gurgelnden Stimme. Es war ein <em>ekliges<\/em> Ger\u00e4usch. Die Kinder zuckten zusammen. Idur st\u00f6hnte. Yalomiro legte Ar\u00e1ma\u00fa, die verst\u00f6rt ein paar Schritte zur\u00fcckgewichen war, die H\u00e4nde auf die Schultern.<\/p>\n<p data-p-id=\"deccfe0ca9fe01922a7da6c986430093\">Falgr\u00e8d senkte den Blick. \u201eDann wollen wir euch unsere Hilfe nat\u00fcrlich auch nicht aufdr\u00e4ngen. Aber wer l\u00f6st euer Problem mit diesem mysteri\u00f6sen Wesen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a2e4ccef9efc1114c4081d93541ef904\">\u201eDas machen wir selbst. Und wenn die Hunde es nicht schaffen, dann muss es mit Feuer gehen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a2aa3a5968e97a9e9495f274de8fa88\">Die Kinder schauten entsetzt zu Idur auf. Selbst Brosco schien \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"9638eae8ea7306f829a1e6f5bc1f580c\">\u201eWissen die anderen davon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbb227ef5d6fe1d370a18f20ad4b6632\">\u201eIch w\u00e4re nachher zu euch gekommen. Ohne Holz geht es wohl nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc32fb1666d2e5a57999e755736a3c7b\">\u201eIhr wollt es verbrennen?&#8221;, fragte Yalomiro.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ac13bf0799930d54018e7399a33a21c\">\u201eUnd wenn ich die Lichtung daf\u00fcr abfackeln muss! Gr\u00fcndlicher geht es wohl nicht, und die Krankheit wird dabei wohl auch in Flammen aufgehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de2eb3469adcc823a12db12f64c97ce8\">\u201eIhr d\u00fcrft das L\u00e4mmchen nicht verbrennen!&#8221;, rief Ar\u00e1ma\u00fa emp\u00f6rt aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"fea5207d7ae45936076399ea39ce3b6c\">\u201eWollt ihr G\u00f6ren euch etwa in unsere Gesch\u00e4fte einmischen? Hat euch irgendjemand gerufen, aus eurem Wald?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a61122c19e050a6b7f4b48bd5258718c\">\u201eW\u00e4re unsere Meisterin nicht gekommen, aus dem Wald, dann&#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cae3193859c7eccf75d3f290f6b50ba8\">\u201eDen M\u00e4chten sei Dank, dass es sich so gef\u00fcgt hat, und noch einmal meinen unterw\u00fcrfigsten und tausendfachen Dank an die Meisterin. Aber damit soll es genug sein! Wenn euresgleichen sich zu sehr um dieses verseuchte tollw\u00fctige Vieh hier schert, dann ist das absolut vergebliche M\u00fche! Das geht euch nichts an.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b423e45eac29e50de2ac1b54d94c9903\">Falgr\u00e8d nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"4fbbc242986e5059ae500b3b9a41118e\">\u201eKommt&#8221;, sagte er zu seinen Begleitern. \u201eWir haben genug gesehen. Und wir haben zu berichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b346e80416cc3ef9612ab8d6d8a1bc57\">Ar\u00e1ma\u00fa warf dem L\u00e4mmchen noch einen traurigen Blick zu, den das Tier mit einem leeren Starren erwiderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9f709bf43b785d207ec1961ffc4eb701\">\u201eWir werden eure Worte unseren Meistern \u00fcberbringen&#8221;, sagte Falgr\u00e8d zum Abschied. \u201eUnd auch alles andere, was wir hier geh\u00f6rt haben. <em>Yal gha&#8217;tanai<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b4ed8105d8912947cf93497a17584c7\">Die Kinder verneigten sich. Idur und Brosco sahen ihnen nach, wie sie, ohne zu rennen, aber auch ohne zu z\u00f6gern, wieder an der Herde vorbei hin\u00fcber zum Waldrand schritten.<\/p>\n<p data-p-id=\"40f9bdc5974923c2e6af725504feebc6\">Diesmal blieben Hunde und Schafe v\u00f6llig ruhig. Nur die <em>ujoray<\/em> f\u00fchlten sich nicht mehr allzu wohl in ihrer Haut.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/yalomiro-und-das-unsterbliche-lamm-spin-off\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[],"class_list":["post-3087","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kg_yalo"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3087","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3087"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3087\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3626,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3087\/revisions\/3626"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3087"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3087"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3087"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}