{"id":2987,"date":"2025-08-25T15:39:29","date_gmt":"2025-08-25T13:39:29","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2987"},"modified":"2025-11-15T18:55:31","modified_gmt":"2025-11-15T17:55:31","slug":"007-herr-alsgoer-kaempft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/007-herr-alsgoer-kaempft\/","title":{"rendered":"007: Herr Alsg\u00f6r k\u00e4mpft"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> hatte seine Erz\u00e4hlung unterbrochen, aber \u00fcber Begebenheiten in Rodekliv und Ferocriv\u00e9 hatte er noch nicht geredet. Vielleicht war diese Ank\u00fcndigung ein Vorwand gewesen, leere Worte, um vor den Burgherrn treten zu k\u00f6nnen. Vielleicht hatte der junge Mann nicht erwartet, vor einen halb blinden Greis gef\u00fchrt zu werden, und wusste nun nicht, wie er sich aus der Sache herausreden konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7f6ca3cf02e964c47e505c4d914fcc6\">Unter anderen Umst\u00e4nden h\u00e4tte Alsg\u00f6r Emberbey den M\u00e4rchenerz\u00e4hler ver\u00e4rgert fortjagen lassen. Aber obwohl der Strolch nicht auf den Punkt kam, hatte Alsg\u00f6r Emberbey aufmerksam gelauscht. Es war keine Geschichte, wie <em>b\u00e1chorkoray<\/em> sie \u00fcblicherweise vor h\u00f6fischem Publikum vortrugen. Keine verwegenen Heldentaten, keine romantischen Verwicklungen, keine K\u00e4mpfe, keine <em>Siege<\/em>. Die Geschichte des jungen Mannes hatte nicht einmal eine richtige Handlung gehabt. Und doch hatte sie auf eine mehr als wundersame Weise im Herzen des greisen Ritters etwas aufgeschlossen und befreit. Dem alten Mann kam es vor, als habe er ein eng verschn\u00fcrtes B\u00fcndel in seiner Brust getragen, an dem sich nun die Knoten gel\u00f6st hatten und das sich daraus entfaltete. Das f\u00fchlte sich gut an, erleichternd und tr\u00f6stlich. Es hatte etwas bewirkt, das Alsg\u00f6r Emberbey nicht verstand, nicht einordnen konnte. Es war die bisher beste Geschichte, die der alte Ritter jemals von einem <em>b\u00e1chorkor<\/em> geh\u00f6rt hatte. Die sanften Worte des Erz\u00e4hlers lie\u00dfen in seinem Geist Bilder entstehen, weckten Erinnerungen und r\u00fchrten an Gef\u00fchle, die der alte Mann l\u00e4ngst verloren geglaubt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e0cfb57ae9766909f0492a49a88f3ba\"><em>Yarl<\/em> Emberbey hatte seine tr\u00fcben Augen geschlossen und d\u00e4mmerte vor sich hin, ohne zu schlafen. Hellwach war er in seinen Gedanken, sein Verstand klar und scharf wie damals, als er als junger Bursche am Hofe des <em>teirand<\/em> V\u00f3udir von Spagor gedient hatte. Dort und gemeinsam mit dessen Sohn, seinem verehrten sp\u00e4teren und Vater seines jetzigen Herrn, hatte Alsg\u00f6r Emberbey in der Bl\u00fcte seiner Jugend Abstand von dem gesucht, was sich hier in Emberbey zutragen hatte. In Pflicht und Amt war er vor dem gefl\u00fcchtet, was daheim die Familie zerrissen hatte. Damals, als junger Ritter, hatte es nicht ertragen k\u00f6nnen, wie sehr seine Mutter gelitten hatte und sein Vater mehr und mehr verbitterte, seit seine Schwester Mer\u00fda Emberbey fortgegangen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"9fbcecd98e088eb8cd7d57925a591f78\">Vielleicht, so kam es Herrn Alsg\u00f6r \u00fcberrascht in den Sinn, war es sein Streben gewesen, der beste unter den Gefolgsleuten von V\u00f3udir von Spagor zu sein, Ehre und Ansehen f\u00fcr sich selbst zu gewinnen. Damit hatte er dem eigenen Vater, der eigenen Mutter gefallen, sie von der Entt\u00e4uschung und Schande ablenken wollen. Vielleicht hatte er sich auch selbst bet\u00e4uben wollen von der Sorge und der Entt\u00e4uschung und berauschen, an seiner jugendlichen Kraft und Fertigkeit. Wie seltsam, nun, nach all der Zeit, so abgekl\u00e4rt, so gelassen dar\u00fcber nachzusinnen!<\/p>\n<p data-p-id=\"f3c373edd2c15e6a6b92ce2a9ddbc3f0\">So klar die Farben, so hell war der Tag in den Worten des Geschichtenerz\u00e4hlers. Alsg\u00f6r Emberbey glaubte, den salzigen Wind von damals sp\u00fcren zu k\u00f6nnen und h\u00f6rte das Trommeln der Hufe auf dem feuchten Sand, als er und der <em>teirandanjor<\/em> im \u00dcbermut mit stumpfen Lanzen gegeneinander geritten waren. Sie hatten sich f\u00fcr das <em>vaspos\u00e1r<\/em> ert\u00fcchtigen wollen, bei dem sie sich den Damen zu pr\u00e4sentieren, weit im Westen, jenseits des Montaz\u00edel. L\u00e4ngst vergangen war diese Jugend, diese Unbek\u00fcmmertheit. Diese unschuldige \u00dcberheblichkeit, derer sie sich nicht gewahr waren. Der <em>teirandanjor<\/em> hatte damals tats\u00e4chlich eine kluge und herzliche <em>yarlaranda<\/em> als <em>h\u00fdardora<\/em> erkannt und heimgef\u00fchrt. Alsg\u00f6r Emberbey war allein geblieben. Die M\u00e4chte hatten seine Wege nicht mit denen einer <em>h\u00fdardora<\/em> zusammengef\u00fchrt. Aber was machte das schon? Er hatte doch Zeit gehabt, noch so viel Zeit &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e9c329eb8cfb389c3e83a4913303503\">Sp\u00e4ter dann hatten die M\u00e4chte dem hochedlen Paar einen Sohn geschenkt, einen Knaben, der den Namen Asga\u00fd erhielt und bald darauf seine Eltern verlor. Der Sturm hatte sie verschlungen, den <em>teirand<\/em>, seine anmutige <em>h\u00fdardora<\/em>, das Schiff und seine, Alsg\u00f6r Emberbeys eigene Zukunft. Die war nun bedeutungslos geworden angesichts der Verantwortung f\u00fcr Asga\u00fd von Spagor, dem kleinen gekr\u00f6nten Waisenjungen. Diese Verantwortung hatte nun ihm oblegen, ihm und <em>yarl<\/em> Althopian, seinem Nachbarn, der damals kaum alt genug war, um bereits ein Vater zu sein. So viele ihrer Lebenssommer hatten der junge Wa\u00fdreth Althopian und er selbst f\u00fcr den neuen, ebenso kindlichen wie kindischen <em>teirand<\/em> geopfert.<\/p>\n<p data-p-id=\"de3423fc0a61c330c1ee189bc2fb51cb\">Und daheim, hier auf der heimischen Burg, da war der Vater zwischenzeitlich hinter den Tr\u00e4umen und die entt\u00e4uschte Mutter redete niemals mehr \u00fcber Mer\u00fda, die vor so vielen Wintern entschwunden war. Die ihnen den R\u00fccken gekehrt und die Br\u00fccken hinter sich zerst\u00f6rt hatte, kurz bevor Alsg\u00f6r Emberbey im <em>teirandon<\/em> Spagor nichts anderes mehr kannte als Pflicht und Treue gegen\u00fcber seinem Herrn.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b4ed92fc270f686a41f844ac114079a\">Herr Alsg\u00f6r \u00e4chzte unter dieser schweren Erinnerung, die pl\u00f6tzlich in seine Fantasien hinein brach, in denen er sich als junger Mann am Strand mit seinem jungen Herrn im Kampfspiel tummelte und sich seiner Jugend erfreute.<\/p>\n<p data-p-id=\"d1c4bf15c6a50c7357d8f8fc47089e23\">Mer\u00fda! Mer\u00fda war fortgegangen, an der Seite eines zwielichtigen, liederlichen <em>h\u00fdardor<\/em> aus dem Osten jenseits der S\u00fcmpfe. Einem Mann, dem der <em>eld-yarl<\/em> Emberbey, der Vater von Herrn Alsg\u00f6r, nicht traute. Die Warnungen, das Flehen und sp\u00e4ter den Tadel, den Zorn hatte Mer\u00fda nicht h\u00f6ren wollen. Siebzig Winter war das her &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"eda7066b2855ad949988c364ac77c8a2\">Als der alte Burgherr das n\u00e4chste Mal die Augen \u00f6ffnete, war es dunkel geworden, bis auf den Schein eines kleinen Feuers im Kamin. Herr Alsg\u00f6r fand sich nicht mehr in seinem Sessel, und der Duft einer Suppe hing in der Luft. Offenbar war zwischenzeitlich Gesinde bei ihm gewesen, das ihm seine Abendspeise eingefl\u00f6\u00dft, ein Nachtgewand \u00fcbergezogen und ihn ins Bett getragen hatte, ohne dass er es bemerkt hatte. Das war in den letzten Tagen oft geschehen, dass ihm am Ende Augenblicke in seiner Erinnerung fehlten. Wie L\u00f6cher in einem K\u00e4se. Wie lange hatte er geschlafen? Hatte er all das vielleicht tats\u00e4chlich nur getr\u00e4umt? Was f\u00fcr ein wunderlicher Traum, so befremdlich und doch so echt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7ef88229df5fff321bac15630c5b9ff\">\u201e<em>B\u00e1chorkor<\/em>? Bist du noch da?&#8221;, fl\u00fcsterte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee96bb26d79482cffa0425220b7cc5da\">\u201eIch wache bei Euch, Herr Alsg\u00f6r.&#8221; Der Geschichtenerz\u00e4hler sa\u00df auf dem Boden vor dem Sessel des <em>yarl<\/em>, mit untergeschlagenen Beinen und locker ineinander gelegten H\u00e4nden. Das niedrige Kaminfeuer warf zuckende Schatten auf seine Gestalt.<\/p>\n<p data-p-id=\"736f91ade21935ba41b69f74e58c056c\">\u201eWo ist mein Gesinde? Ist niemand sonst da, der noch nach mir schaut?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8dc7213860c60d34561cc44085a9030\">\u201eEs wird nicht mehr lange dauern, bis jemand kommt, um sich um Euch zu <em>k\u00fcmmern<\/em>. Aber noch k\u00f6nnen wir reden. Welche Sorge hat Euch aus dem Schlummer geweckt, Herr? Was hat Eure sch\u00f6nen Erinnerungen gest\u00f6rt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02cc497f65265801b864528fd4db1f80\">\u201eIch h\u00e4tte etwas <em>tun<\/em> m\u00fcssen&#8221;, wisperte der alte Mann, nun, da das Gedenken an seine \u00e4ltere Schwester aus dem entwirrten B\u00fcndel seines Herzens emporstieg. Pl\u00f6tzlich waren sie da, all die Gef\u00fchle, all der Schmerz. Die Last seines Alters und der vers\u00e4umten Gelegenheiten und falschen Entscheidungen brach \u00fcber ihm zusammen wie ein morsches Dach. \u201eIch h\u00e4tte es <em>verhindern<\/em> m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0e9cd966d9a3cc4be373eee4198d6359\">\u201eIhr h\u00e4ttet es nicht verhindern <em>k\u00f6nnen<\/em>&#8220;, widersprach der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sanft.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6171bcf2dfc33e1a7d43900a6bd5028\">\u201eIch h\u00e4tte der Kerl <em>umbringen<\/em> m\u00fcssen&#8221;, murmelte Herr Alsg\u00f6r. \u201eDann w\u00e4re all das nicht geschehen, und meine Schwester &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"920173a5ac4e247358ec38aa249001b3\">\u201eIhr h\u00e4ttet es noch schlimmer gemacht, h\u00e4ttet Ihr es getan. Es war <em>ihre<\/em> Geschichte, Herr Alsg\u00f6r, und jener, dem Ihr grollt, war ihr wahrhaftiger <em>h\u00fdardor, <\/em>was immer Eure Eltern und Ihr selbst davon halten mochtet. Es war ihrer beider Bestimmung und was sie von Herzen angenommen hatte. Was sp\u00e4ter geschah, das h\u00e4ttet auch Ihr nicht mehr umlenken k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a522a2fbfcb475aac57a25635388e60\">\u201eSie h\u00e4tte nicht fortgehen d\u00fcrfen! Der Unhold hat ihr Leben zerst\u00f6rt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9ae234e6db6eda358ff6bf6859aeea6\">\u201eNein, Herr Alsg\u00f6r. Ihr irrt Euch, also befreit Euch von diesem alten Groll. Was immer sein Leumund in Euren Augen war, er hat Eure Schwester von Herzen geliebt. Das Gl\u00fcck zerst\u00f6rt haben <em>andere<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"20a5d4ed13fec2001a5bacf14e580735\">\u201eWoher willst du das wissen?&#8221;, begehrte Herr Alsg\u00f6r auf. \u201eWas wei\u00dft du schon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"febf8ca628a6c9f2aa0c867703bb8fff\">\u201eDie Wahrheit, Herr Alsg\u00f6r. Und habt Ihr Frau Mer\u00fda nicht so oft die Hand reichen wollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1562de017c0f1a94683c8234640eedda\">Alsg\u00f6r Emberbey schreckte verwirrt aus seinem Jammer heraus. Wie konnte der junge Mann ihren <em>Namen<\/em> kennen? Er hatte ihn nicht erw\u00e4hnt!<\/p>\n<p data-p-id=\"1a0016caf492f00f0d2ebab37b7415a4\">\u201eIch h\u00e4tte sie mit <em>Gewalt<\/em> aus Rodekliv <em>zur\u00fcckholen<\/em> m\u00fcssen, sie und &#8230; ihr Kind! Ich &#8230; habe versagt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0c6ed03b4c895528e88534722ec14f4\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eIhr habt weit mehr hingegeben und geopfert, als n\u00f6tig war, Herr Alsg\u00f6r. Eure Schwester wusste das. Ihr h\u00e4ttet sie nicht gegen ihren Willen retten k\u00f6nnen, auch wenn Euch das so erscheinen mag, weil Ihr es so gewohnt seid. Sie hatte ihren Stolz, um zu ihren Entscheidungen zu stehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e1667ef7832631296095628ef42df870\">Alsg\u00f6r Emberbey ballte die F\u00e4uste und ignorierte den stechenden Schmerz, der ihn an seine Gicht erinnerte. \u201eSie h\u00e4tte jederzeit zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen! Mit offenen Armen h\u00e4tte ich sie empfangen! Aber sie wollte nichts mit mir zu schaffen haben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e6308cf38e99fdca1d082f696bdbb93\">\u201eEs muss Euch nicht reuen. Es ist wohl so eine Sache mit dem Stolz des Hauses Emberbey. Eine seltene Kostbarkeit heutzutage, so viel Ehre, Treue und Sitte, und all das ohne jeglichen Hochmut. Und so viel unn\u00f6tige H\u00e4rte gegen Euch selbst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e218b055437971a50fdaf32d46883a2\">\u201eWoher wei\u00dft du das alles? Ich habe nie mit jemandem \u00fcber diese Dinge geredet!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4fc30f3f8720f8decbc88a47ef3fdde3\">\u201eIst es bedeutsam, auf welchen Wegen ich davon erfahren habe? Gen\u00fcgt es nicht, dass ich offensichtlich recht habe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"935aa52da19d58051bc0fc0eebedc000\">Der alte Ritter dachte nach. Dann schluchzte er leise auf. Wie dem\u00fctigend! Nie zuvor hatte der alte Mann sich vor Zeugen Tr\u00e4nen erlaubt \u2013 und schon gar nicht vor einem Fremden!<\/p>\n<p data-p-id=\"871a1f31889e0d4bfab557a41d036a2f\">\u201eEs tut so weh&#8221;, brachte er hervor. \u201eEs ist so schwer &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9ae792f89e528f6d628f6bbde0c709b5\">\u201eDann redet es Euch vom Herzen. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck, so als r\u00e4umtet Ihr eine Truhe mit lauter unn\u00fctzem Krempel aus und w\u00fcrfet all die Beschwerden der Zeit von Euch. Dann wird es Euch leichter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a103c0653ba133a9e7a9051d231f8ee\">Der Ritter z\u00f6gerte verwirrt, und der <em>b\u00e1chorkor<\/em> f\u00fcgte freundlich hinzu: \u201eNiemand wird von mir erfahren, was Euch all die Zeit erdr\u00fcckt hat. Sch\u00fcttet mir Euer Herz aus. Nichts soll ungesagt bleiben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48800ea8b1ab069dac16601dfc089d2b\">Pl\u00f6tzlich dr\u00e4ngte es Alsg\u00f6r Emberbey, Dinge auszusprechen, die er mit niemandem sonst teilen konnte als mit diesem fremden Fahrenden, den Ra\u00fdneta, der letzte Sonnenstrahl seines dahinwelkenden Daseins, eingelassen hatte. Irgendetwas geschah, allein dadurch, dass der junge Mann ihm geduldig <em>zuh\u00f6rte<\/em>. Der alte Mann erz\u00e4hlte, zun\u00e4chst z\u00f6gernd, dann immer mehr von seiner Trauer \u00fcber das Zerw\u00fcrfnis der Eltern mit seiner Schwester, \u00fcber den tragischen Tod seines <em>teirand<\/em>. Seine Entt\u00e4uschung \u00fcber die gedankenlose Achtlosigkeit und Undankbarkeit des verwaisten Bengels Asga\u00fd, der sich so gar nicht f\u00fcr seine herrschaftllichen Pflichten interessieren lie\u00df. Von der Verantwortung und den M\u00fchen, mit denen er versucht hatte, den jungen Thronfolger zu einem m\u00e4chtegef\u00e4lligen Menschen zu machen, dem er guten Gewissens dienen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"201508bc0eaaba1a287d6a4cf4b64918\">Alsg\u00f6r Emberbey fand von einem Wort zum n\u00e4chsten, und mit jedem Satz kehrte das tr\u00f6stliche Gef\u00fchl zur\u00fcck, versetzte ihn mehr und mehr zur\u00fcck in seinen ungest\u00fcmen jungen K\u00f6rper und diesen einen, herrlichen Tag am Strand, als er jung und \u00fcberm\u00fctig und hungrig nach der Zukunft gewesen war. Der <em>yarl<\/em> berichtete von all den zur\u00fcckgestellten Lebenssommern, die so fruchtlos verflogen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"387d4688ecd4866f8f9b553088005813\">Von der so viel j\u00fcngeren, freundlichen <em>yarlara<\/em>, die er schlie\u00dflich in seiner Verzweiflung \u00fcber das unbarmherzige Altern aufgenommen und die ihm daf\u00fcr die drei Nachkommen geschenkt und dar\u00fcber ihr Leben gelassen hatte. Die Dame, die er so sehr geliebt und geehrt hatte, ohne es ihr jemals vertrauensvoll zeigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cf2ea45bad452b44e9a5df5ee56fb50\">Den Sohn, der ohne eigene Schuld seine Erwartungen entt\u00e4uscht hatte, als tadelloser, tauglicher Ritter das Erbe der Familie Emberbey weiterzutragen. Die T\u00f6chter, deren Zukunft er nicht mehr beobachten konnte. Vor allem die kleine Ra\u00fdneta, sein V\u00f6gelchen, das Kind, das einen hinf\u00e4lligen Greis zum Vater hatte. Die nur etwas \u00e4ltere, die schon bald das Interesse junger Herren erregen w\u00fcrde, f\u00fcr ihn jedoch zu sp\u00e4t. Was, wenn Truda auf einen fragw\u00fcrdigen Halunken hineinfiel, so wie es Mer\u00fda geschehen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"f7b96a9e7d5287af262bfa592a464b6e\">W\u00fcrde Venghi\u00e1r diese Last, diese <em>Verantwortung <\/em>tragen k\u00f6nnen, f\u00fcr das <em>yarlm\u00e1lon<\/em>, f\u00fcr die Schutzbefohlenen, f\u00fcr die <em>teiranday<\/em> und vor allem f\u00fcr die M\u00e4dchen, die einen besseren Vater verdient hatten, als er es gewesen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"faa9825426b9debdfa96dcacc04aea4e\">Dar\u00fcber verging einige Zeit. Am Ende stand Herr Alsg\u00f6r in der Szenerie des Traumbildes seiner Erinnerung am Strand und schaute hinauf auf das Meer, nackt und wahrhaftig, und mit einem Herzen, das sich nun so weit anf\u00fchlte wie der Himmel. Nokt\u00e1mas Schleier legte sich langsam \u00fcber das Firmament und verdunkelte das honiggoldene Farbspiel, mit dem Patagh\u00edus Glanz ins Meer tauchte. Nach und nach wurde das goldene Wasser schwarz und es spiegelten sich Mond und Sterne darin. Bald war es in seiner Erinnerung dunkel wie in seiner Stube.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e6485678a4ea293b9911e8b37d514fe\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> war bei ihm und h\u00f6rte geduldig zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed758fd5caab6da2a69d5ee3a9db05cd\">\u201eIch war ein schlechter Vater&#8221;, brachte Herr Alsg\u00f6r endlich bek\u00fcmmert hervor.<\/p>\n<p data-p-id=\"652e7ab5dcccd414128b43e193bf5634\">\u201eIhr wart ein guter Mensch&#8221;, behauptete der Fahrende, durchaus nicht so, als wolle er dem m\u00e4chtigen <em>yarl<\/em> schmeicheln.<\/p>\n<p data-p-id=\"66f9691491c78b52279e4454066b5184\">\u201eNein. So viele Fehler &#8230; so viele Menschen, die ich missachtet habe &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcf55d0e214e61e086b44e26a81098e2\">\u201eSo viele Menschen, die Euch geliebt haben und lieb haben, ungeachtet Eures so wahrhaftigen, unbezwinglichen Stolzes, den Ihr um Euch getragen habt wie Euer Eisenzeug.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dbc6c352ab93515ad0ca7110e6b11ee3\">\u201eMein Sohn&#8221;, brach es aus Alsg\u00f6r Emberbey heraus. \u201eWie grausam war ich zu meinem eigenen Sohn. Bald ist das <em>vaspos\u00e1r<\/em>. Bald ist Osse wieder hier &#8230; ich will &#8230; nein, ich <em>muss<\/em> ihn um <em>Vergebung<\/em> bitten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f0fa2f31f4f5e73690bbf651a127a89\">\u201eEuch ist l\u00e4ngst vergeben, <em>yarl<\/em> Emberbey. Ihr m\u00fcsst keine Worte darum machen. Nicht darum. Es gibt etwas Dringlicheres. Vertraut Ihr Herrn Venghi\u00e1r?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9e1d91f8164f061e6a95b15257ffa24\">Venghi\u00e1r? Alsg\u00f6r Emberbey stutzte. Ging es nun wohl doch an die geheimen Dinge aus Rodekliv, die Venghi\u00e1r ihm angeblich vorenthielt? Aber was ging den <em>b\u00e1chorkor<\/em> an, wie er zu Venghi\u00e1r stand? Er wollte Fakten, keine Spekulationen. Keine Entt\u00e4uschungen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7db3dbd4e6c84ffdf8131a08c12d48f1\">\u201eEr ist mein Gro\u00dfneffe! Er ist die letzte Spur, die von Mer\u00fda geblieben ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b396329b8e26f868dc511b04f6df11d6\">\u201eDas habe ich verstanden. Aber <em>vertraut<\/em> Ihr ihm? Wird er ein guter Ritter f\u00fcr Euer <em>yarlm\u00e1lon<\/em> sein, ein getreuer Gefolgsmann der <em>teirandanja<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7550266ee0ba46b32465d519449bfe69\">\u201eNat\u00fcrlich&#8221;, wisperte der alte Ritter. \u201eEr hat all meine Erwartungen \u00fcbertroffen. Er ist heimgekehrt, hat seine unstandesgem\u00e4\u00dfe Vergangenheit in Rodekliv hinter sich gelassen und ist ein getreuer Diener der <em>teiranday<\/em> von Wijdlant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"93c32ce393cd105d46ee7ecf3e1c1dbd\">\u201eSo.&#8221; Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schien pl\u00f6tzlich sehr interessiert \u201eUnstandesgem\u00e4\u00df?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"112f7eb37748b1c82c2b4caa67c10adc\">\u201eSeine Mutter ist als Halbwaise aufgewachsen, ohne Vater und in sehr einfachen Verh\u00e4ltnissen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2fa5dc9e2de9059fef18220f5d6103c\">\u201eWas ist mit <em>seinem <\/em>Vater geschehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"535793a98b3936d19faf246b63220e6d\">\u201eNicht einmal seine Mutter wei\u00df, wer sein Vater <em>ist<\/em>&#8220;, knurrte Herr Alsg\u00f6r verlegen. \u201eEs hat M\u00fche gekostet, sie in Rodekliv zu finden. Ich habe daf\u00fcr viele Leute gut bezahlt. Reicht dir das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"036550b72d59f71d8dd2b5bf038b122f\">\u201eWer hat ihn erzogen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b4aff512fa161b63fd1e9bf201aef08\">Alsg\u00f6r Emberbey seufzte. \u201eDie <em>yarlay<\/em> von Rodekliv k\u00fcmmern sich verantwortungsvoll um die Knaben in ihrem <em>yarlm\u00e1lon<\/em>. Sie werden versorgt und bekommen eine gute Ausbildung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee88ec1b3ad58852846c355412672335\">\u201eIch verstehe. Ich habe auf meinen Reisen jenseits der S\u00fcmpfe solche Lehrh\u00e4user gesehen. In Ferocriv\u00e9 halten die <em>yarlay<\/em> es \u00e4hnlich. Es gilt als <em>erstrebenswert<\/em>, dort angeleitet zu werden. Hat Euer Gro\u00dfneffe gut gelernt bei seinen Herren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9702d3a76d70ae6104608b01604645b6\">Der alte Ritter z\u00f6gerte. Er war angenehm \u00fcberrascht gewesen, als Venghi\u00e1r Emberbey damals mit einer der seltenen Reisescharen aus dem Osten auf der Burg eingetroffen war. Der Junge war artig und manierlich gewesen, wenn auch nicht ganz so h\u00f6fisch gewandt, wie es zu hoffen gewesen w\u00e4re. Aber das lie\u00df sich \u00fcben. Und an seinen Fertigkeiten als angehender K\u00e4mpfer hatte es nichts auszusetzen gegeben. Welch ein Unterschied zum jungen Asga\u00fd von Spagor, der sich weigerte, der erste Ritter seines eigenen <em>teirandon<\/em> zu sein! Allein, dass Venghi\u00e1r kaum \u00fcber seine Mutter und Gro\u00dfmutter redete, das hatte Alsg\u00f6r Emberbey betr\u00fcbt.<\/p>\n<p data-p-id=\"733a47556c3ba4865cb4e723ab234b0f\">\u201eDie Lehrh\u00e4user sind den M\u00e4chten gef\u00e4llig&#8221;, behauptete der alte Mann trotzig. \u201eKein Kind geht verloren. Sie bekommen alles, was ihnen ihre Familien nicht bieten k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7deb866c85283fd48fb459a6d4a909fb\">\u201eUnd Ihr habt Euch entschieden, dem jungen Mann f\u00fcr seine Entbehrungen nun auch mit einer Familie zu belohnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e45a810cc1eb1e3f3a225eca9ee8764d\">\u201eIch habe ihn nach Emberbey geholt, damit dieses <em>yarlm\u00e1lon<\/em> einen tauglichen Schutzherrn hat. Ist das so falsch? Von einem unbedeutenden Waffenknecht unter einem herrenlosen <em>yarl<\/em> habe ich ihn zu meinem Statthalter gemacht. Um zurechtzur\u00fccken, was damals ins Wanken geriet. Osse kann sich nicht um dieses <em>yarlm\u00e1lon<\/em> und seine Schwestern k\u00fcmmern und zugleich der <em>teirandanja<\/em> dienen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"60ad044bbc580b337751d939140effad\">\u201eEs ist nichts Anst\u00f6\u00dfiges daran, dass Ihr w\u00fcnscht, einen guten, ehrenvollen Herrschaftsverwahrer zu benennen, bis Euer Sohn einst einen solchen zeugt. Die Familie Emberbey hat dieses <em>yarlm\u00e1lon<\/em> zum Gefallen der M\u00e4chte seit jeher mit Umsicht und Gerechtigkeit zur Bl\u00fcte gebracht. Meinesgleichen preist noch heute den Ruhm Eures Ahnherren Thorgar Emberbey.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8cc0edb5c3aaff310ba004c844fab0d2\">Alsg\u00f6r Emberbey seufzte schwer.<\/p>\n<p data-p-id=\"23ca601a3db735faa553ffcdfe795dba\">\u201eWa\u00fdreth Althopian und mein <em>teirand<\/em> Asga\u00fd von Spagor&#8221;, gestand er dann. \u201eDie und die anderen <em>yarlay<\/em> &#8230; sie wollten mich davon abhalten, Venghi\u00e1r nach Emberbey zu holen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db2ee2808fdcd1222814291f8eeaa58e\">\u201eAber Ihr habt Euch um Eurer Liebe zur Familie willen gegen Eure Freunde und Euren Herrn durchgesetzt.&#8221; Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> sprach sanft, ohne Aufregung. \u201eIhr hattet nur Lauteres im Sinn, Herr Alsg\u00f6r. Und wer wei\u00df, vielleicht bin ich einfach nur voreingenommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d05fb6073e2ba77d258aa8ed3a8b7ca9\">\u201eWas wei\u00dft du?&#8221;, fl\u00fcsterte der alte Mann. \u201eUnd woher wei\u00dft du es?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b747bd2900814723d822bf8861762b82\">\u201eIch war dort. Ich habe ihre Geschichten geh\u00f6rt, die der herrenlosen <em>yarlay<\/em> und die ihrer &#8230; Schutzbefohlenen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"119a288df04b1ee43dacc6ba22d892ee\">\u201eIch kenne die Geschichten auch. Wa\u00fdreth Althopians Leute greifen gelegentlich Unzufriedene aus den <em>yarlm\u00e1lon<\/em> hinter den S\u00fcmpfen auf. Venghi\u00e1r sagt, man habe ihn allezeit gut behandelt. Es sei ein gutes Leben am Hof der freien <em>yarlay.<\/em>&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"7cc647deebc0d7b26deab32cb28c6952\">\u201eWarum sollte er l\u00fcgen? Warum sollt er selbst es anders sehen? Aber was, wenn ich Euch sagte, dass in Ferocriv\u00e9 und Rodekliv erneut die Lust nach Macht und Land erwachte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b5219f0effec35423cbad28f952a552\">\u201eDavon w\u00fcsste ich. Und wie soll das gehen? Die Chaoskriege sind vergangen. Alle Kriege sind vergangen! Und die S\u00fcmpfe sind immer noch da. In den beiden <em>yarlm\u00e1lon<\/em> leben sie ihr Leben und wir das unsere.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee107c843deebb82f7c7c5cd4e660aa0\">\u201eEs braucht keinen blutigen Krieg mehr, um Unfrieden zu stiften. Nicht in diesen Tagen. Herr Alsg\u00f6r, die <em>Loyalit\u00e4t<\/em> von Venghi\u00e1r Emberbey ist so manchem M\u00e4chtigem hinter den sumpfigen Ebenen eine Menge wert. Sehr viel Versuchung und Gewissensfragen f\u00fcr einen so jungen Herrn. Euer Gro\u00dfneffe steht vor schweren Pr\u00fcfungen. Wird er sie bestehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e7b3423dfa279bc74b322ce7a37a67a\">\u201eIch hoffe, du hast f\u00fcr diese frechen Andeutungen einen guten Beweis und Zeugen&#8221;, stie\u00df Herr Alsg\u00f6r hervor. \u201eWirst du ihm das genau so ins Gesicht sagen, wenn er wieder hier eintrifft nach seiner Reise nach Virhav\u00e9t?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6cfdef8d824b1b401b1fe76b0b8bb8e5\">\u201eIch denke nicht, dass er dergleichen von mir h\u00f6ren m\u00f6chte, Herr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e28d2b38510fcc65551b37fafb1d97c4\">\u201eAuch in Emberbey&#8221;, brachte Alsg\u00f6r Emberbey hervor und versuchte, sich aufzurichten, \u201ebleiben L\u00fcgen und Verleumdungen nicht ungeahndet, Bursche! Du spielst mit deinem Leben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a72bce685eca976523531a2ba8b9f047\">\u201eIch h\u00e4tte es Euch gern erspart, <em>yarl<\/em> Emberbey. Aber es steht Gro\u00dfes auf dem Spiel. Um Unheil abzuwenden, bin ich hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4a3e1b39e67724b89a274f754c7151e\">Der alte <em>yarl<\/em> \u00f6ffnete die Augen. Schemenhaft sah er den <em>b\u00e1chorkor<\/em> vor sich. Der junge Mann war aufgestanden und stand nun dicht vor dem Bett.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c45c5ffb642d1666c282ae8f02ee8ec\">\u201eDu meinst es ernst, nicht wahr?&#8221;, fragte der alte Mann matt.<\/p>\n<p data-p-id=\"0e22340aff91dad601a10a342ad0b629\">\u201eJa. Aber ich kann von Euch nicht erwarten, dass ihr meinen Geschichten Glauben schenkt. Schlie\u00dflich bin ich nur ein dahergelaufener <em>b\u00e1chorkor<\/em>, und Herr Venghi\u00e1r ist ein Teil Eurer Zukunft und einer, dem Ihr vertraut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2e3ee665cd21fe857869f12ada840dc\">\u201eEr w\u00fcrde mich nicht hintergehen&#8221;, beteuerte der <em>yarl<\/em> leise. \u201eEr ehrt und respektiert mich, und er tut alles, um sich hier um die Gesch\u00e4fte und Schutzbefohlenen zu k\u00fcmmern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4a797ca7ae9ce650d27455e7c650f2d7\">\u201eIch w\u00fcnsche von Herzen, dass er sich Eures Vertrauens w\u00fcrdig erweist. Doch an den Dingen, die in Rodekliv rumoren, gibt es nichts zu deuteln. Auf welcher Seite Herr Venghi\u00e1r am Ende stehen wird, ist einerlei. Aber was das Andere betrifft, bin ich gekommen, um mich <em>einzumischen<\/em>&#8220;, sagte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"29ff94e7012bc18ad605fffb25904e2a\"><em>Yarl<\/em> Emberbey blinzelte. Ungeachtet der Dunkelheit erkannte er den <em>b\u00e1chorkor<\/em> jetzt ganz deutlich vor sich. Der alte Ritter war verwirrt. Der junge Mann hielt nun ein Schwert in der Hand. Wo hatte er das hergenommen? Der Blick des Greises schweifte irritiert durch den Raum. Sein <em>eigenes <\/em>Schwert war an seinem Platz, ruhte auf einem Gestell an der Wand gegen\u00fcber. Seit vielen Monden hatte Alsg\u00f6r Emberbey seine Klinge nicht in der Hand gehabt. Seine einst vom Kampf gest\u00e4rkten, nun von der Gicht starren Finger konnten das Schwert nicht mehr halten. Selbst das Gewicht seines Siegelrings belastete die Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d39509691a4ab4269206be5334e7ab8\">Der Ritter seufzte m\u00fcde und musterte den jungen Mann im Widerschein des glimmenden Feuers. Unter anderen Umst\u00e4nden h\u00e4tte die Waffe in der Hand eines so schm\u00e4chtigen, sichtlich nicht damit geschulten Mannes absonderlich ausgesehen. Und was war das f\u00fcr ein seltsames, schimmerndes Metall?<\/p>\n<p data-p-id=\"cf9dd9416f3a1bf473e6d9ba97f33a8b\">\u201eAlso hat jemand <em>dich<\/em> ausgeschickt, um mich zu ermorden?&#8221;, fragte Alsg\u00f6r Emberbey gefasst.<\/p>\n<p data-p-id=\"690879136c9c352c35b29a583ec1a5af\">\u201eNein. <em>Ganz im Gegenteil<\/em>. Ich bin um Euretwillen und auf eigene Sache hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f71bfcb5ac62ee4b2f75b1f36c8e9330\">Alsg\u00f6r Emberbey nickte langsam. Dann streifte er sich die Decke vom K\u00f6rper und stemmte sich m\u00fchsam hoch. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> trat verwundert einen Schritt zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"96aa6ef274897291bc36ef7261d44dcc\">\u201eHilf mir, Bursche. Ich will aufstehen. Und gib mir mein Schwert, da vom Regal.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08f8f53d13ac18f15e879cf73ea2a656\">\u201eIhr habt ernsthaft den Wunsch, mit mir zu fechten?&#8221;, fragte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Alsg\u00f6r Emberbey hatte erwartet, dass der junge Mann ihn auslachen w\u00fcrde, angesichts seiner l\u00e4cherlichen Altersschw\u00e4che. Aber das tat er nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"488b8d563ffde950606d9f4bafe2c9b8\">\u201eIch sch\u00e4tze keine Besucher mit blanker Waffe in meinem Gemach, Bursche. Und wenn ich schon im Nachthemd bin statt im Eisenzeug und bedroht werde, dann will ich doch wenigstens meine Klinge noch einmal halten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bcdd6a82af529cb6819c79fef44e197f\">\u201eIch habe fast nichts anderes erwartet, Herr Alsg\u00f6r. Aber ich bin kein Gegner f\u00fcr Euch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"890e230638b201ebc4d2ba26e8c06718\">\u201eDas wei\u00df ich, Bursche! Aber ich habe nicht vor, mich billig zu verkaufen, wer immer dich schickt! Und nur, weil deine Geschichte mir so gut getan hat, und weil du mein Geheimstes geh\u00f6rt hast, will ich es pers\u00f6nlich mit dir beenden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31fbe2e1566623637d19ae82cdfb7fe1\">Der Geschichtenerz\u00e4hler l\u00e4chelte. Dann erf\u00fcllte ihm seinen Wunsch, nahm den Einh\u00e4nder von seinem Gestell und legte ihn in Herrn Alsg\u00f6rs H\u00e4nde. <em>Yarl<\/em> Emberbey umfasste den Griff seines Schwertes, mit dem er so viele K\u00e4mpfe bestanden hatte. Wie schwer es war! Doch wie seltsam &#8230; kaum ber\u00fchrten seine H\u00e4nde das Metall, flutete ihm W\u00e4rme und Kraft durch die Finger. Die Gicht war wie verflogen. Alsg\u00f6r Emberbey blickte \u00fcberrascht auf und sp\u00fcrte, wie seine gebeugte Gestalt sich straffte und sein Blick aufklarte. Der Geschichtenerz\u00e4hler l\u00e4chelte, so freundlich, so sanft.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f2c2a1d3e65b65804cc7e7eb3d57b3f\">\u201eMein Sohn&#8221;, sagte er dann. \u201eMeine T\u00f6chter. Ra\u00fdneta &#8230; sie hat sich so auf das Fest der <em>teirandanja<\/em> gefreut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c6be5ac14ed2348dca114f3b7b77e35\">\u201eIch verspreche Euch&#8221;, versicherte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>, \u201edass ich ihnen allen die ruhmreiche Geschichte ihres Vaters erz\u00e4hlen werde. Und was Ra\u00fdneta betrifft &#8230; macht Euch \u00fcberhaupt keine Gedanken. Das Kind wird in Sicherheit sein. Und auf dem Fest wird die Kleine das sch\u00f6nste Kleidchen unter allen Damen tragen. Sie wird Euch stolz machen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6f48d83b1674ed16b65ecd261c7302c0\">Alsg\u00f6r Emberbey nickte. Das Schwert bebte in seinen zitternden H\u00e4nden. Dann holte er weit aus.<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2987","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2987"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4578,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2987\/revisions\/4578"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}