{"id":2986,"date":"2025-08-25T15:41:07","date_gmt":"2025-08-25T13:41:07","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2986"},"modified":"2025-11-15T19:04:46","modified_gmt":"2025-11-15T18:04:46","slug":"009-venghiar-kehrt-heim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/009-venghiar-kehrt-heim\/","title":{"rendered":"009: Venghi\u00e1r kehrt heim"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"6966350f13bd1bde53db5d6b51249e87\">Venghi\u00e1r Emberbey starrte fassungslos in die Nacht. Der unheimliche Mann auf dem Rappen an seiner Seite l\u00e4chelte mit unverhohlener Belustigung. Die Burg Emberbey lag nur Steinw\u00fcrfe vor ihnen, der Schattenriss mit dem hohen Turm war im Mondschein vor der Weite des Meeres unverkennbar. Am Torh\u00e4uschen flackerte eine Fackel vor sich hin, und das Meer brandete gegen die Klippen. Venghi\u00e1r hatte keine Ahnung, wie das zu sich ging. Er war dem Fremden gehorsam hinterher geritten, bis hinein in einen Wald am Rand des <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Altabete. Dort hatte Nebel zwischen den B\u00e4umen gehangen, ein seltsamer, grauer Dunst, der den Ritter mehr an Rauch erinnerte als an Feuchte. Vielleicht eine K\u00f6hlerh\u00fctte in der N\u00e4he? Venghi\u00e1r war das verd\u00e4chtig vorgekommen, aber hatte bef\u00fcrchtet, seinen Begleiter aus den Augen zu verlieren und keine Lust, dass das bl\u00f6de Pferd ihm erneut seinen Dienst verweigern k\u00f6nnte. Also war er weiter getrabt, ohne etwas zu hinterfragen, und als der Dunstschleier sich lichtete, waren sie pl\u00f6tzlich hier ausgekommen, auf den Wiesen vor der Burg. In einiger Entfernung hatte sich eine Schafherde f\u00fcr die Nacht zu einem einzigen, wolligen Leib zusammengerottet. Als sie daran vorbei ritten, sprangen ihnen die wachsamen H\u00fctehunde entgegen, aber zu Venghi\u00e1rs \u00dcberraschung bellten oder knurrten sie nicht. Ganz im Gegenteil. Die Tiere kamen heran, schienen es sich urpl\u00f6tzlich anders zu \u00fcberlegen, kniffen ihre Schw\u00e4nze ein und eilten zur\u00fcck zu den Hirten, die an einem herab brennenden Feuerchen tief und fest schliefen. Der schwarz gekleidete Mann k\u00fcmmerte sich nicht darum.<\/p>\n<p data-p-id=\"bffb05ef4d2ab258e0a51501b316e9f9\">\u201eDas geht nicht mit rechten Dingen zu&#8221;, wisperte der Ritter.<\/p>\n<p data-p-id=\"c11675288ffee66b6327fa74b94452d8\">\u201eIch habe Euch gesagt, dass es nicht lange dauert&#8221;, antwortete der andere. Seine einnehmende, dunkle Samtstimme klang am\u00fcsiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"514f9775080cc2f05eb3d1d235853489\">\u201eDas muss ein Traum sein! Oder Zauberei!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7532988c62b1c4891fc3cd8a0865bc22\">\u201eM\u00f6glicherweise.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22dd962298cedced93b4b7f770c417fa\">Venghi\u00e1r Emberbey zuckte zusammen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab2120943b94eacf1afc73938b2907ca\">Der Mann lachte. \u201eNun tut nicht so, als k\u00e4me Euch meine Kunst nun v\u00f6llig ungelegen angesichts dessen, was Ihr in Eurem Herzen plant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92c9ada5df6af8b264e0e1e5b747de70\">\u201eWas k\u00f6nnt Ihr wissen, was in meinem Herzen vorgeht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40d6be71896c2cd892e06bdfd76c67cc\">\u201eAch, ich habe so viele Herzen gelesen in all der Zeit. Die Botschaft in dem Euren steht in flammenden Lettern vor meinen Augen. Euren verhassten Weitvetter haben ganz offenkundig die M\u00e4chte vor Euch besch\u00fctzt. Nun, ein f\u00e4higer <em>yarl<\/em> sollte sich nie auf eine einzige Strategie verlassen. So vollzieht nun einfach das andere Vorhaben, den <em>Ersatzplan<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05b83cffee2cabde5f13e7ed3ad0b6bb\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f1a93a71fede67c4b3451f96336118cb\">\u201eIch habe Euch hergebracht. Der Rest ist Eure Sache.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6aedd9daee4969f454d787cbf1bea4b\">Der junge Mann runzelte misstrauisch die Stirn. Der Schwarzmantel wusste eindeutig zu viel und mehr, als er wissen konnte. Vorsicht war angeraten. \u201eIch w\u00e4re Euch dankbar, m\u00fcsste ich mich nicht zun\u00e4chst fragen, was f\u00fcr einen Preis Ihr daf\u00fcr nachfordert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a1497aa7095c852caf5236300527645\">\u201eDas Misstrauen ist denen von Emberbey wohl in die Wiege gelegt. Aber solange wir hier nach dem Preis verhandeln, verstreichen wertvolle Momente. Also, trabt los. Ich komme wohl nach. Verhandeln und uns einig werden k\u00f6nnen wir sp\u00e4ter. Ich habe derweil zu tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1c444ec006cd56437c530acc3fbc948\">\u201eWie meint Ihr das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06123fa77d69d6006d2f8dc75d511840\">\u201eIch habe eine <em>Verabredung<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c6629d8c0e253662835a85fcfa0bfda\">Venghi\u00e1r Emberbey warf seinem unheimlichen Begleiter einen skeptischen Blick zu. Dann galoppierte er an. Das Pferd folgte wieder seinem Willen, zumindest das war ein Fortschritt.<\/p>\n<p data-p-id=\"93b468887eb8415bbedda8b31e7bce2d\">Die Torwachen, beide eingemummelt in dicke Wollm\u00e4ntel, hatten nachl\u00e4ssig beieinandergestanden und miteinander geplaudert. Den jungen Herrn, der sich im Galopp n\u00e4herte, als w\u00e4ren ihm Chaosgeister auf den Fersen, erkannten sie nat\u00fcrlich und nahmen hastig Haltung an.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fede620b9aa272870f28a81a4991eb3\">\u201eMacht das Tor zu&#8221;, befahl Venghi\u00e1r Emberbey ihnen und schwang sich aus dem Sattel, kaum dass er auf dem Hof war. \u201eSofort! Und egal, wer Einlass begehrt \u2013 dieses Tor hat unter allen Umst\u00e4nden geschlossen zu bleiben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6263bc8cc7c111cefe1cf2879cea5b07\">\u201eWerdet Ihr verfolgt, Herr?&#8221;, fragte der J\u00fcngere, der, den er sich aus Rodekliv hergeholt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"de8646d1aa973be5959f9154b311c111\">\u201eStellt keine dummen Fragen. Ich habe meine Gr\u00fcnde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75043667d1edaf67dd5d2609733eb47e\">Er lie\u00df das Pferd stehen und lief hin\u00fcber zum Wohnhaus. In der K\u00fcche werkelte noch jemand herum. Auch im Saal waren zahlreiche Personen anwesend. Wer zu dieser Tageszeit noch Licht ben\u00f6tigte, hatte sich hier im Schein von Kaminfeuer und \u00d6llampen versammelt. W\u00e4hrend nahe am warmen Feuer einige Knechte Karten spielten oder kleine Reparaturen an ihrem Kram vornahmen, hatte Ra\u00fdnetas <em>opayra<\/em> die Aufsicht \u00fcber ein eine Schar M\u00e4gde, die flei\u00dfig an einem schimmernden Stoff n\u00e4hten. Wahrscheinlich ein Kleid f\u00fcr die kleine Kr\u00f6te, denn das <em>vaspos\u00e1r<\/em> war nicht mehr allzu lange dahin. Aber das interessierte den jungen Ritter nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"610691aecf4e4f09d95dfcac2798d526\">\u201eHerr Venghi\u00e1r?&#8221;, fragte die <em>opayra<\/em> verwirrt, als er so unversehens in der Halle stand, \u201ewas ist geschehen? Seid Ihr vorzeitig zur\u00fcckgekehrt? Wir haben euch fr\u00fchestens in einem Achtelmond erwartet!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7fc20c8f28bffb1669b8e7b3676c3753\">\u201eEs war schneller erledigt als gedacht&#8221;, gab er barsch zur Antwort. \u201eIst das Kind zu Bett?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"134dc9bd5977f4c36ddfbbca22ed787a\">\u201eSchon lange&#8221;, gab die Dame zur Antwort. \u201each, es war nicht einfach heute mit der Kleinen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7bc512ece8c2237380f36f7836a09a5\">\u201eWieso?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"37d895c7162e3513ad543e25861757dd\">\u201eSie war leichtsinnig und st\u00f6rrisch. Sie erz\u00e4hlte fortw\u00e4hrend von einem <em>b\u00e1chorkor<\/em>, der in der Burg sei und M\u00e4rchen erz\u00e4hlen wollte. Sie habe ihn zu Herrn Alsg\u00f6r gef\u00fchrt. Aber da war niemand. Und wir haben keinen gefunden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbb5d4a602655088ac51f701c3862122\">Venghi\u00e1r war schon fast ohne weiteres Zuh\u00f6ren an ihr vorbeigegangen, z\u00f6gerte dann aber doch.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f77535f7b66438cdb7ea6d122562820\">\u201eEin <em>Fremder<\/em>? Bei meinem Gro\u00dfonkel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8d1e599c07fadff6b137490bd3e8a19\">\u201eSeid unbesorgt, Herr. Wir haben sofort nach dem Rechten geschaut. Es ist alles in Ordnung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"289085af42617bc9e185399ef2ccabf1\">Venghi\u00e1r Emberbey stellten sich die Nackenhaare auf. Hatte er seinen Wachleuten nicht unter Androhung empfindlicher Strafe eingebl\u00e4ut, dass w\u00e4hrend seiner Abwesenheit niemand die Burg betreten sollte?<\/p>\n<p data-p-id=\"870dd8a56f4dbfd05403f8140810ce5e\">Nun, vielleicht spann die kleine Kr\u00f6te sich etwas zusammen und erz\u00e4hlte ihrerseits Geschichten, um die <em>opayra<\/em> zum Narren zu halten. Vielleicht war ihr allzu langweilig, so allein den ganzen Tag, ohne andere Kinder zur Gesellschaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"6260f3696caea29b08cc2218c6f52be3\">\u201eDa seid ihr ganz sicher?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"145dc18499cde4927fc408770d0e5454\">\u201eJa, Herr Venghi\u00e1r&#8221;, sagte eines der M\u00e4dchen arglos. \u201eSicher ist der junge Mann l\u00e4ngst wieder fortgegangen. Herr Alsg\u00f6r schl\u00e4ft doch fast den ganzen Tag.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d26c3b5550f0c174301830948e438b55\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5e1f7794e6114ef61d5f66139286f50\">\u201eNa, da ist es f\u00fcr einen <em>b\u00e1chorkor<\/em> doch sinnlos, einem Schlafenden eine Geschichte-&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"529c3cd37720927e8db031934a7d1ae9\">\u201eWoher wei\u00dft du, dass es ein <em>junger<\/em> Mann war? Hat ihn jemand gesehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5483103aadace90695f2aab30f1031cb\">\u201eJa, die <em>yarlaranda<\/em> hat ihn selbst eingelassen, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21b0bb94832a8e38319d88e50752e9f1\">Venghi\u00e1r schnellte heftig vor und schlug mit der Faust auf den schimmernden Stoff. Eine der M\u00e4gde erschrak so sehr, dass sie sich die N\u00e4hnadel tief ins Fleisch stie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"086651e172f562b0065ccde722bab975\">Die Frauen erstarrten verst\u00f6rt, als der junge Ritter sich so bedrohlich vor ihnen aufbaute. Auch alles Burgvolk, das um den Kamin versammelt war, schaute nun best\u00fcrzt zu ihm hin. Venghi\u00e1r Emberbeys J\u00e4hzorn hatten sie alle schon einmal f\u00fcr weit geringere Verfehlungen zu sp\u00fcren bekommen, in letzter Zeit immer \u00f6fter. Der Ritter schien immer gereizter zu werden, je weiter die Zeit voranschritt.<\/p>\n<p data-p-id=\"e76798e01d9f337fce5dabc64964ee1a\">\u201eIhr habt also einen Eindringling in die Burg gelassen? Zugelassen, dass er vor meinen Gro\u00dfonkel tritt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14ae5205766472973ec109040b9d6d70\">\u201eHerr!&#8221; Einer der M\u00e4nner am Feuer erhob sich z\u00f6gerlich. \u201eIch hatte fr\u00fcher am Tag meine Wache. Wir haben den Fahrenden abweisen wollen, wie Ihr befohlen habt, aber die <em>yarlandara<\/em> hat darauf bestanden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dd495198d0c2d01f077daadb22dc5dfb\">Wenn es tats\u00e4chlich Ra\u00fdneta selbst gewesen war, die einen dreckigen Streuner hineingebeten hatte und es daf\u00fcr Zeugen gab, konnte er den M\u00e4nnern keinen Vorwurf machen. Die Entscheidungen der kleinen Kr\u00f6te waren Gesetz, solange er abwesend war. Schlie\u00dflich war er nur der Herrschaftsverwahrer und sie \u00e4rgerlicherweise die Tochter des <em>yarl<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"8aca0e3488c5f1b999e408f1362d4c90\">\u201eHerr&#8221;, sagte die <em>opayra<\/em> beschwichtigend, \u201eein harmloser Fahrender, der sicher nicht mehr im Sinn hatte als ein St\u00fcckchen Brot zu erbetteln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"162d6c9e3a7ec5a0ab281d403920484b\">\u201eUnd?&#8221;, fragte Venghi\u00e1r so ruhig, dass die M\u00e4dchen sich weiterhin nicht zu regen wagten. Vom Finger der einen tropfte Blut auf den kostbaren Stoff. \u201eHat wenigstens jemand gesehen, wie der Kerl die Burg auch wieder <em>verlassen<\/em> hat?&#8221; Er drehte sich zu dem Gesinde am Feuer um. \u201eIrgendjemand?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ba6a1a9d1a5541c93845a27c0c1e377\">Das war nicht der Fall. Wie der Ritter dem Gemurmel der Leute entnahm, hatten zwar einige beobachtet, wie ein unscheinbarer, schm\u00e4chtiger Mann in Begleitung von Ra\u00fdneta in die Burg hineingegangen war. Danach war der vermeintliche Geschichtenerz\u00e4hler aber wohl von der Bildfl\u00e4che verschwunden.<\/p>\n<p data-p-id=\"9bb58f3ab7a780939895fab2c029dc51\">Venghi\u00e1r Emberbey dachte nach. In kopflose Gesch\u00e4ftigkeit zu verfallen, das f\u00fchrte zu nichts. Auch musste ein Fremdling in der Burg nicht gleich Gefahr bedeuten. Ra\u00fdneta w\u00fcrde er f\u00fcr ihre Frechheit bestrafen, das war klar. Aber vielleicht handelte es sich bei dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> wirklich nur um einen Zufall, um einen heimatlosen Streuner, der in der Burg Schutz vor der kalten Herbstnacht gesucht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9cd828eda1699c52937f693b3269ae8f\">Trotzdem: Es lag nicht im Interesse von Venghi\u00e1r Emberbey, dass dahergelaufene Strolche den alten Burgherrn wom\u00f6glich mit Nachrichten und Ger\u00fcchten beunruhigten, die sie im Osten aufgeschnappt hatten. Schon gar nicht in diesen heiklen Tagen. Zumal es \u00fcblich war, dass <em>b\u00e1chorkoray<\/em> an neuen Orten zun\u00e4chst mit der h\u00f6chstrangigen Person redeten und Neuigkeiten aussprachen, bevor sie Herrschaft und P\u00f6bel mit Geschichten unterhielten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0b2ae4919701268e399a81025f6ca08\">Doch ob neue Kunde oder Kurzweil: Angenommen, er hatte tats\u00e4chlich versucht, den alten Mann mit einer Geschichte zu unterhalten und der war dar\u00fcber eingeschlafen. Dann w\u00e4re es naheliegend, dass der Kerl sich noch in der Burg befand, selbst wenn niemand ihn mehr gesehen hatte. Vielleicht hatte er sich aus K\u00fcche unbemerkt etwas zu essen gestohlen und versteckte sich nun, um ein Dach \u00fcber dem Kopf zu haben, w\u00e4hrend drau\u00dfen die K\u00e4lte vom Meer heran wallte.<\/p>\n<p data-p-id=\"282cb71280e165bf3dbf00e778276645\">\u201eWo ist mein Gro\u00dfonkel? In seinem Gemach, nehme ich an?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"16a84b743c28ec3b6579ecd6a4dcd0c0\">Nun war die <em>opayra<\/em> verwirrt. \u201eWo sollte er sonst sein, Herr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"89a477612f5759ec90b1edb20e78fc63\">\u201eIch will, dass ihr diesen geheimnisvollen <em>b\u00e1chorkor<\/em> findet. Was sitzt ihr hier herum? Sucht die ganze Burg ab, vom Dach bis in den Keller! Bringt ihn mir. Ich will h\u00f6ren, was f\u00fcr eine Geschichte er <em>mir<\/em> erz\u00e4hlt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f12ddf68f7625b261ee30963c845d5df\">\u201eHerr, es ist finster, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c307a75699f220fada99e8029cb3ede\">\u201eDaf\u00fcr d\u00fcrft ihr Licht nehmen!&#8221; Venghi\u00e1r scheuchte die M\u00e4gde am Tisch auf. \u201eLos, los! Ich will das hier schnell beendet sehen!&#8221; Er riss zornig das halb gen\u00e4hte Kleidchen vom Tisch, kn\u00fcllte es in seiner Hand zusammen und machte sich auf den Weg zum Gemach des Burgherren. Eilig, aber ohne zu rennen, erklomm der junge Ritter die Stufen in dem nur sparsam durch mit billigem \u00d6l gef\u00fcllten Lichtern erhelltem Stiegenhaus, nahm zwei Stufen auf einmal.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d313801650f6bf1ed9889d5e49ee07c\">Das Gemach des alten <em>yarl<\/em> war nicht verschlossen. Aber als Venghi\u00e1r die T\u00fcr aufstie\u00df, war es darin nur sp\u00e4rlich beleuchtet. Die Diener, die zuletzt nach dem Burgherrn geschaut hatten, hatten ein sparsames, nun fast ausgebranntes Feuer im Kamin entfacht. Es stank nach kalter Knollensuppe und altem Mann.<\/p>\n<p data-p-id=\"75f813c87d48bc7f5e81484c06b5ee9e\">\u201eGro\u00dfonkel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bd1bf661a43ecdbc50f7b3b66151f4a3\">Der junge Mann horchte. Aber es war nichts zu h\u00f6ren au\u00dfer dem Knistern der Glut. Kein \u00c4chzen, kein St\u00f6hnen, kein Schnarchen des Greises. Venghi\u00e1r nahm eines der Nachtlichter von der Wand im Flur und n\u00e4herte sich dem Bett.<\/p>\n<p data-p-id=\"93fe26ef956d1674b31b01316b6ddfaf\">Das hagere Gesicht des Alten, das seine Untergebenen hinter vorgehaltener Hand so oft mit dem eines Raubvogels verglichen, hatte nie zuvor so sanft, so milde und friedlich ausgesehen. Nun, da er endlich, <em>endlich<\/em> hinter den Tr\u00e4umen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e2f50473a4865ed27787bb95881c278\">Was f\u00fcr ein Zufall! Wenn die Kammerknechte am Abend noch nach ihm gesehen hatten und offenbar sogar noch geschafft hatten, ihm seine Suppe zu geben, dann konnte Alsg\u00f6r Emberbey noch nicht lange tot sein. Offenbar war Alsg\u00f6r Emberbey hinter die Tr\u00e4ume gegangen, kurz bevor er selbst die Burg erreicht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"1878b8835d94b7459c82dd5a0ceaa207\">\u201eNa, alter Mann&#8221;, sagte der junge Mann und stellte die Laterne auf dem Bettpfosten ab, \u201ehat dieser <em>b\u00e1chorkor<\/em> dich etwa zu Tode gelangweilt mit seinen M\u00e4rchen?&#8221; Zerstreut murmelte der junge Mann den Totengru\u00df und schaute sich im Gemach um. Viel zu sehen gab es hier nicht, auch keinen Hinweis darauf, dass der M\u00e4rchenerz\u00e4hler sich k\u00fcrzlich hier aufgehalten h\u00e4tte. <\/p>\n<p data-p-id=\"1878b8835d94b7459c82dd5a0ceaa207\">Venghi\u00e1r warf das Kleidchen achtlos zu Boden und tastete nach der Hand des Toten. Tats\u00e4chlich. Sie war noch ein klein wenig warm. Und es fehlte etwas daran. Venghi\u00e1r bemerkte das und war mit einem Schlag um ein Vielfaches alarmierter als zuvor.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b5320befeef8c4f1cc492ab3822456c\">Hektisch begann der Ritter, Truhen und Kistchen zu untersuchen, doch ohne Erfolg. Der Ring, der Alsg\u00f6r Emberbey als <em>mynstir<\/em> des <em>teirandon<\/em> Spagor ausgezeichnet hatte, sein h\u00f6chstes Gut neben seinem alten Schwert \u2013 die war fort.Das Schwert des alten Mannes lag hinggen ordentlich auf seinem Gestell. <\/p>\n<p data-p-id=\"5d3e78e1b847f1c26fad3f9d0025cb45\">Ein schn\u00f6der Diebstahl bei unverhoffter Gelegenheit? Konnte es jemand vom Gesinde gewesen sein? Venghi\u00e1r klappte die letzte Truhe zu und lie\u00df sich darauf nieder. Nur die Ruhe bewahren, nur nachdenken. Nein. Unwahrscheinlich. Cr\u00f3 oder Ungro, ja, die beiden w\u00e4ren so d\u00e4mlich, nach so einem Geschmeide zu greifen, obwohl es in der Stube des Gro\u00dfonkels weit wertvollere Dinge gegeben h\u00e4tte, M\u00fcnzen und Edelsteine, die er als Erbe f\u00fcr die T\u00f6chter h\u00fctete. Ein Gelegenheitsdieb mit einem kleinen bisschen Verstand w\u00fcrde davon nehmen und die Finger von Insignien der Herrschaft lassen. Kein Hehler im ganzen Weltenspiel w\u00fcrde es <em>wagen<\/em>, einen solchen Ring zu kaufen. Das Risiko lohnte nicht einmal f\u00fcr den Materialwert, denn allzu kostbar war das Gold nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f4db64f333f8c45612cb127b8b62f84\"><em>B\u00e1chorkoray<\/em> waren zwar zweifelhafte Habenichtse, in aller Regel jedoch recht gewitzt. Kein fahrender Gauner w\u00fcrde etwas an sich nehmen, was ihm nichts n\u00fctze war und die eigentlichen Wertsachen liegen lassen. Es musste also etwas anderes dahinter stecken.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a4a2e8e5f061cb833b5fe94ab0734b7\">Der junge Mann dachte fieberhaft nach. Der Ring &#8230; in kurzer Frist h\u00e4tte der Gro\u00dfonkel ihn weitergegeben. Den weiten, beschwerlichen Weg nach Wijdlant h\u00e4tte er daf\u00fcr auf sich genommen, nur um diese letzte, wichtige und ehrenvolle Zeremonie zu vollziehen, vor den Augen der <em>teiranday<\/em> und ihrer hochedlen G\u00e4ste. Alsg\u00f6r Emberbey h\u00e4tte das Amtsgeschmeide seinem leiblichen Sohn angelegt und h\u00e4tte anschlie\u00dfend in Frieden aus dem Weltenspiel scheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1c2aa2bfc0884ba46166f295c9f4d25\">Wie schade, dass es so weit nicht kommen w\u00fcrde. Nicht, solange er, Venghi\u00e1r Emberbey, es vereiteln konnte. Wer immer sich hier einmischte \u2013 weit w\u00fcrde er damit nicht kommen. Venghi\u00e1r Emberbey vermochte zwar nur mit einiger Sicherheit zu sagen, wer den <em>b\u00e1chorkor<\/em> garantiert <em>nicht<\/em> als Dieb vorgeschickt hatte. Es gab gen\u00fcgend andere Parteien, denen er ein Interesse an der St\u00f6rung der Amts\u00fcbergabe zutraute, doch letztlich war es egal. Doch das, was geschehen war, Zufall oder finsterer Plan eines Dritten \u2013 ihn selbst brachte der Vorfall um einen gewaltigen Schritt nach vorn.<\/p>\n<p data-p-id=\"9eb3434dd1108df169ceb7bda7864733\">Der junge Ritter erhob sich. Fast war er dem geheimnisvollen Schwarzgewandeten dankbar f\u00fcr die gl\u00fcckliche F\u00fcgung. Aber nun durfte er nicht weiter z\u00f6gern. Venghi\u00e1r beugte sich \u00fcber den friedlichen Leichnam seines greisen Gro\u00dfonkels und zog sein Messer.<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2986","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2986"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4579,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2986\/revisions\/4579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}