{"id":2984,"date":"2025-08-25T15:41:52","date_gmt":"2025-08-25T13:41:52","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2984"},"modified":"2025-08-31T00:55:52","modified_gmt":"2025-08-30T22:55:52","slug":"010-raub-und-entfuehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/010-raub-und-entfuehrung\/","title":{"rendered":"010: Raub und Entf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>Ra\u00fdneta war w\u00fctend und entt\u00e4uscht. Die <em>opayra<\/em> hatte sie zu Bett geschickt, ohne dass sie noch einmal zu ihrem Vater hatte gehen d\u00fcrfen. Sogar die Abendsuppe hatte das Kind in seiner kleinen Kammer einnehmen m\u00fcssen. Nur weil es von dem Geschichtenerz\u00e4hler berichtet und dessen M\u00e4rchen freudig als Abendunterhaltung angek\u00fcndigt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a2156c1241e0fb1f9fd0cf0c1f86da83\">Von welchem <em>b\u00e1chorkor<\/em> sie denn redete, hatte die <em>opayra<\/em> gefragt. Die alte Edeldame hatte \u00fcber dem Gesch\u00e4ft mit dem Tuchh\u00e4ndler gar nicht mitbekommen, dass ein Fahrender eingetroffen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"f93a5e795d89f3a44df070f100b9aa02\">Na, von dem in des Vaters Kemenate.<\/p>\n<p data-p-id=\"fae8e633a2363aee220f56b0aa1ab152\">Ein Fremder, in den Gem\u00e4chern des Herrn? Vielleicht einer, der Ungutes im Schilde f\u00fchrte? Obwohl Herr Venghi\u00e1r doch ausdr\u00fccklich angewiesen hatte, kein Fremder solle die Burg betreten, solange er abwesend war? Ra\u00fdneta war ausgescholten worden f\u00fcr ihre Arglosigkeit. Und dagegen hatte sie nicht einmal protestieren k\u00f6nnen. Sie selbst war es gewesen, die dar\u00fcber triumphiert hatte, dass sie den Fahrenden in die Burg ungesehen hineinbugsiert hatte, obwohl die Torwachen ihn gem\u00e4\u00df ihren Befehlen hatten verjagen wollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4133f17d0fff953171db79d45eb3c747\">Einen kleinen Aufruhr hatte es gegeben, und kurzzeitig waren Leute hektisch auf der Suche nach dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> in der Burg herumgelaufen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ce58ddcbba9248c9a23c8ebc34763661\">Doch man hatte nach dem jungen Mann gesucht, ohne ihn zu finden. Der Vater hatte friedlich geschlafen in seinem Sessel, wie so oft in den letzten Tagen. Den M\u00e4rchenerz\u00e4hler, ja, <em>gesehen<\/em> hatten ihn einige, aber nur zusammen mit der kleinen <em>yarlaranda<\/em>. Sp\u00e4ter nicht mehr. Weder im Zimmer des Herrn noch anderswo auf der Burg. Das bekam Ra\u00fdneta nun zu Ohren. Und sie war emp\u00f6rt, um das M\u00e4rchen von den Webern und dem Samtbl\u00fctenstoff gebracht worden zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"550a9a64413a52261d3f04601e454d1d\">Umso zorniger war sie nun auf den <em>b\u00e1chorkor<\/em>, der neben ihrem Bett kniete und sie sacht wachger\u00fcttelt hatte. Im Schein ihres kleinen Nachtlichtleins sah sie sein Gesicht deutlich vor sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"4daf34251a1b6e5de705db5d6bf02628\">\u201eWo bist du gewesen?&#8221;, fragte sie emp\u00f6rt, anstelle sich dar\u00fcber zu entsetzen, dass ein fremder <em>Mann<\/em> in ihrem Gemach war. W\u00e4re die <em>opayra<\/em> hier gewesen, sie h\u00e4tte den Geschichtenerz\u00e4hler sicher heraus gepr\u00fcgelt. Aber die <em>opayra<\/em> war nicht da, lag nicht in ihrem Bett. Es konnte also noch nicht so sp\u00e4t sein. Sicher arbeiteten sie und die N\u00e4herinnen noch an dem Festkleid. \u201eAlle haben dich gesucht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"afbe7275f06c2939fd9718233a757d5d\">\u201eIch habe bei deinem Vater gewacht&#8221;, antwortete er.<\/p>\n<p data-p-id=\"82276e9440e37eca93682ac8097db946\">\u201eDas ist gelogen! Da hat dich keiner gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee4db33e28e433b9d53da497b420c44d\">\u201eDas ist nicht meine Schuld. Mancher sieht mich, mancher nicht. Und so mancher erinnert sich nicht, mich gesehen zu haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dcf1746167a6a489a06de287b7114216\">\u201eDu hast <em>versprochen<\/em>, mir sch\u00f6ne M\u00e4rchen zu erz\u00e4hlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5746b034f34fff5db45403e480fe8bf7\">\u201eDas habe ich weiterhin vor. Aber daf\u00fcr ist gerade jetzt und hier keine Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e552c61ad2b007b2e0a2ff0c4f071ed6\">\u201eUnd was machst du dann hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae2b5a679b9afe9b94bb77690759ac4\">\u201eDu musst mit mir kommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab3587d933572df76ef8647818d9cb5a\">Nun war sie v\u00f6llig durcheinander. \u201eMitten in der Nacht? Aber wohin denn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c73ae7f64a5e9ece6e770a1ab995658\">\u201eNun, wohin m\u00f6chtest du denn gerne?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8ea9a5b4d1717c6df4dbc2b139e5560f\">Da musste Ra\u00fdneta nicht lange \u00fcberlegen. \u201eZu meinem Bruder!&#8221;, entschied sie. \u201eAber der ist noch weit weg. Der reist nach Wijdlant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f63ee2ceff574e3b4138c4a700017c64\">\u201eNun gut. Wie die M\u00e4chte es so f\u00fcgen, bin ich meinerseits auch unterwegs nach Wijdlant. Reisen wir also deinem Bruder entgegen. Aber wir m\u00fcssen sehr schnell sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f77781e6aad18a93db960d9763b7fbc\">Er trat einen Schritt zur\u00fcck. Sie setzte sich hin, stand aber noch nicht auf. \u201eIch kann doch nicht einfach mit dir kommen! Was soll denn mein Vater sagen? Und die <em>opayra<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a01ecf47e9ded0ab4e5415e0806a829d\">\u201eDein Vater w\u00fcrde sagen: Hab Vertrauen und geh mit dem da, mit dem <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Der tut dir nichts an, im Gegenteil. Und die <em>opayra<\/em> &#8230; nun, die fragen wir einfach nicht. <em>Opayra\u00e9<\/em> m\u00fcssen nicht alles wissen. Einverstanden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7cb5e76e49e5e2e9481a34be257d0336\">\u201eWieso willst du mir <em>helfen<\/em>? Ich brauche doch keine Hilfe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"630cb4df6c8296a90e057d61c4b0bd9c\">\u201eIch w\u00fcrde dir das alles sehr viel besser erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, wenn wir uns ganz weit fort von den Mauern dieser Burg bef\u00e4nden. Bitte, kleine <em>yarlaranda<\/em>, mit jedem Atemzug verstreicht kostbare Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3509c946d695fb8ed8d4d4ef31ab6e04\">Ra\u00fdneta verschr\u00e4nkte die Arme. \u201eUnd wenn ich nicht mit dir gehen <em>will<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4670c35d136e1643509fbab7fa5e2568\">\u201eDann bringst du dich, deinen Bruder, deine Schwester und am Ende das ganze <em>teirandon<\/em> in Gefahr. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Und von mir selbst gar nicht erst zu reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a2895c4a7f6d342ad01936a7272c43b\">\u201eAber mein Vater &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"79597c792b700c43b912a739541a5341\">\u201eDein Vater ist der einzige, der <em>nicht mehr<\/em> in Gefahr ist. Vertrau mir. Ich will nicht mehr, als das kleine V\u00f6gelchen zu befreien, bevor die Falle zuschnappt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b00d6f55852206977bbd199a091ce6a\">Z\u00f6gernd schwang die Kleine die Beine \u00fcber die Bettkante.<\/p>\n<p data-p-id=\"4ca9cf6c355a7dd28653552b35d8383e\">\u201eIch muss aber doch noch meine Truhe packen. Meine Gew\u00e4nder und Sachen, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"326d4f7b7fcf6d0cb0c200f40b9c596c\">\u201eZieh dir ein Kleid und Schuhe an. Mehr k\u00f6nnen wir nicht tragen, und mehr wirst du nicht ben\u00f6tigen. In Althopian bekommst du alles, was du brauchst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a7ae7adc7a7296af19b210ba573a09f4\">Nun sprach er mit einer Dringlichkeit, die Ra\u00fdneta aufscheuchte. Sie sprang auf, tappte barfu\u00df hin\u00fcber zur Truhe und tastete im Halbdunkel nach dem erstbesten, das ihr in die H\u00e4nde kam. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wandte sich z\u00fcchtig ab und schaute aus dem Fenster, w\u00e4hrend sie sich ihr Nachthemdchen aus- und ein Kleidchen \u00fcberzog.<\/p>\n<p data-p-id=\"95d1aa2724d0b12a9b027c92a6e2b116\">\u201eWie hei\u00dft du eigentlich?&#8221;, fragte sie und schl\u00fcpfte in ihre Schuhe, zerrte einen \u00dcbermantel hervor.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0254803d4f139ecb42a8a719ec2b57d\">\u201eGal\u00e9on. Aber lass es damit f\u00fcr den Moment gut sein. Wir sind immer mehr in Eile. Hast du Geld hier im Raum? Wenn ja, nimm es mit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c3c603cb1322c69bb523bccdbbc2fb7c\">\u201eIch hab kein Geld. Wenn etwas gekauft werden muss, macht es die <em>opayra<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"baf5bcf4398186bfa7188e844d4e32c0\">\u201eEtwas anderes von Wert? Etwas, das du nicht zur\u00fccklassen m\u00f6chtest?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"831c72c5b5c99043624ce14d2972fe24\">Ra\u00fdneta z\u00f6gerte. Dann holte sie etwas hervor, das so tief am Grund der Kleidertruhe lag, dass sie beinahe hineingefallen w\u00e4re. Eine kleine h\u00f6lzerne Schatulle. \u201eDas muss mit. Und mein Sch\u00e4fchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"17ac236c48ac120ee575783783c54c58\">\u201eSch\u00e4fchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fe62b6a71b946b1171b36ba2b7aa43f\">Sie nahm das Kuscheltier an sich, das noch auf dem Kopfkissen lag. Es handelte sich dabei um die weich ausgestopfte Haut und das Fell eines tot geborenen Lammes, das von geschickter Hand so zusammengef\u00fcgt und mit gl\u00e4sernen Augen versehen war, dass es fast ganz nat\u00fcrlich aussah. Osse hatte es einst in Virhav\u00e9t gekauft und ihr zum Geschenk gemacht, als sie noch ein Wiegenkind gewesen war. Seither hielt sie es in Ehren. Beides und noch ein wenig Kleinkram, der ihr in die H\u00e4nde fiel, steckte sie in den Reisebeutel, den sie bei Ausritten oft bei sich hatte. Den hatte Truda ihr einst \u00fcberlassen, als er ihrem Geschmack nicht mehr entsprach.<\/p>\n<p data-p-id=\"52120726b70a49d3bc69d2aed040ccc7\">\u201eIch hab alles.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"513daa305a7debd24d82962790694672\">\u201eSehr gut. Dann lass uns schnell gehen.&#8221; Er schulterte sein eigenes Gep\u00e4ck, schritt an ihr vorbei auf die T\u00fcr zu und legte die Hand darauf.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c9780340c41e61edfb0757642dc2dcf\">\u201eWir gehen durch die T\u00fcr? Und zum Tor hinaus?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec9c5322b73ace4ff5d917d21b8c42de\">\u201eNat\u00fcrlich. Was hast du denn gedacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b221cede086b158b1c94f51dc54e9f5\">\u201eAber die Torwachen werden uns nicht ins Freie lassen. Ich darf nachts nicht raus, und ohne die <em>opayra<\/em> schon gar nicht. Und wie willst du ihnen erkl\u00e4ren, wo du mit mir hin willst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3068a82bc9c275724d719cc4368993f7\">\u201eGar nicht. Es wird so nicht kommen. Vertraust du mir, Ra\u00fdneta Emberbey?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af9422d0592b63488f3fcf2e9cee93ed\">Was f\u00fcr eine absurde Frage. Eine, auf die das M\u00e4dchen beim besten Willen keine vern\u00fcnftige Antwort wusste. Da war etwas, das es nicht benennen konnte, etwas, das der junge Mann an sich hatte, dem sie sich anvertrauen wollte. Ihr Verstand war argw\u00f6hnischer. Immerhin gab es keine einsichtsvolle Begr\u00fcndung daf\u00fcr, dass ein Unbekannter, f\u00fcr den sie heute schon so viel Schelte auf sich hatte nehmen m\u00fcssen, sie mitten in der Nacht aus Bett und Burg holte. Wenn er wenigstens noch die <em>opayra<\/em> um Erlaubnis gefragt h\u00e4tte, dann &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"8528301d0d9deb391e42f76d5d168a17\">\u201eJa&#8221;, sagte sie. \u201eIch vertraue dir. Aber ich will, dass mein Vater es wei\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e52400dbfb7e3ae5707cdcd855d8229\">\u201eKleine <em>yarlaranda<\/em>, wir haben &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f3767192945f4394d635ed90ccf11869\">\u201eIch war niemals ungehorsam gegen meinen Vater. Er macht sich immer so viel Sorgen. Ohne Abschied bleibe ich hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"a7087889d03d755f35369e33f4bb95d8\">Gal\u00e9on hatte seine Pl\u00e4ne ge\u00e4ndert. Er war in die Kammer des Kindes gekommen, um es vom Schicksal seines Vaters in Kenntnis zu setzen und seine Tr\u00e4nen und Trauer mit seinen Worten zu lindern. Um es zu tr\u00f6sten und zu kr\u00e4ftigen, so wie er es f\u00fcr andere schon so unendlich oft getan hatte. Die Zeitspanne, in der das halbwegs ungesehen vonstattengehen konnte, war knapp bemessen. Die <em>opayra<\/em> w\u00fcrde kaum die ganze Nacht an dem Kleidchen arbeiten, das Ra\u00fdneta Emberbey niemals tragen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"c2c89b2d9f241ea74cecfe4d349d9aec\">Doch dann kam gleich von zwei Seiten aus etwas n\u00e4her, das alles \u00e4nderte, bedrohlich wirkte wie Sturmwolken \u00fcber dem Meer.<\/p>\n<p data-p-id=\"102270b9642aeb54c3b690b86f126f6d\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> war hin- und her gerissen. Der Seelenfunke, den er in Ra\u00fdneta wahrnehmen konnte, flackerte, ein Zeichen daf\u00fcr, dass nun auch das Leben des Kindes in akuter Gefahr war und jede falsche Entscheidung ihr Schicksal in die eine oder andere Richtung werfen konnte. Das war \u00e4u\u00dferst sonderbar. Es musste etwas geschehen sein, das im Fluss des Weltenspieles nicht h\u00e4tte geschehen d\u00fcrfen, etwas <em>Unvorhergesehenes<\/em>. Befremdlicherweise schien es jedoch gerade seine eigene Anwesenheit zu sein, die das Flackern <em>beruhigte<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"9f64deda3d92e6d0edec0c632e3b8242\">Zugleich war da etwas anderes au\u00dferhalb der Burg, eine Gefahr, die ein g\u00e4nzlich anderes Gewicht und Folgenschwere hatte. Doch das, so redete er sich ein, war das geringere \u00dcbel. Dem \u00c4u\u00dferen konnte er widerstehen. F\u00fcr das andere, das menschengemachte Schicksal brauchte es Gl\u00fcck und Pr\u00e4zision. Dem mussten sie ausweichen. Es f\u00fchrte kein Weg daran vorbei. Er musste das kleine M\u00e4dchen besch\u00fctzen, indem er es der dr\u00e4uenden Todesgefahr entzog und es sicher durch die andere hindurch geleitete, an einen Ort, wo es in Sicherheit war.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed29a86b783201ef0eca5d6300bb2459\">Doch dann hatte kindlicher Trotz die Kleine gepackt.<\/p>\n<p data-p-id=\"35f5d64ca626e83cb02725745f78c113\">\u201eIch <em>muss<\/em> meinem Vater sagen, wo ich hingehe&#8221;, hatte sie stur beschlossen. \u201eLass uns zu ihm gehen. Sonst komme ich nicht mit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"123c919b250d8e0ccb3ae8e168f8d963\">\u201eDas ist keine gute Idee&#8221;, mahnte Gal\u00e9on.<\/p>\n<p data-p-id=\"9d89bf3b9c268c855755f571beb31013\">\u201eIch will das aber! Ich will ihm sagen, dass ich mit dir gehe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05b83cffee2cabde5f13e7ed3ad0b6bb\">\u201eAber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"87d05f4364c1f37b78d40607025912db\">\u201eWoher&#8221;, fragte sie listig, \u201esoll ich denn sonst wissen, ob du nicht vielleicht heimlich gekommen bist, mich zu entf\u00fchren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ccf0ad85eec7864ceabab87efad81649\">\u201eDas w\u00fcrdest du mir zutrauen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d62d316b6b81181d2efc4c46957a4b06\">\u201eOsse sagt, ich muss immer ganz vorsichtig sein, wenn jemand will, dass ich mitgehe. Manchmal rauben schlimme Menschen kleine Kinder von reichen Leuten und wollen die zur\u00fcckverkaufen. Davor soll ich mich h\u00fcten, sagt er, denn ich sei mehr wert als alle Edelsteine der Welt zusammen, und niemand k\u00f6nne es zahlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e218e68d57ee799b7bd3252384539b37\">\u201eDein Vater wird zu dieser Zeit sehr fest schlafen. Willst du ihn wirklich wecken?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c0b351d568ca0395d0235c791c16ca9\">\u201eNein. Ich will ihm nur sagen, dass er sich keine Sorgen machen soll.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5d63a1ffdd5be127e92b96baee774ba1\">Gal\u00e9on seufzte. Noch l\u00e4nger mit dem Kind zu diskutieren, w\u00e4re leichtsinnig. Ihr ihren Wunsch zu erf\u00fcllen, w\u00fcrde ihr zur Unzeit Schmerzen bereiten. Wenn die Zeit nur nicht so dr\u00e4ngte!<\/p>\n<p data-p-id=\"97b5c59763276d4b1db4624fc918b83b\">\u201eAlso gut&#8221;, gab er nach. \u201eAber du musst mir versprechen, m\u00e4uschenstill zu sein. Es darf uns niemand h\u00f6ren und sehen. Und wenn dein Vater &#8230; schl\u00e4ft, dann darfst du nicht versuchen, ihn zu wecken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97ddbc8c2b794f7e8e9a7a71a86448de\">Ra\u00fdneta war einverstanden, endlich! Sie f\u00fchrte ihn durch die n\u00e4chtliche Burg fast denselben Weg wie am Mittag zum Gemach des <em>yarl<\/em> im Turm. Gal\u00e9on hatte damit gerechnet, dass noch viel mehr Leute h\u00e4tten unterwegs sein m\u00fcssen, aber offenbar zog es zu dieser noch nicht allzu sp\u00e4ten Stunde die Burgleute ums Licht in der Halle zusammen, so wie die Nachtschmetterlinge um ein offenes Feuer tanzten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a3dca61f4dd6070aff87467654e116e\">Ra\u00fdnetas Laternchen reichte gerade aus, um die Treppe so zu erhellen, dass sie beide nicht stolperten.<\/p>\n<p data-p-id=\"17511bad5355bc59bb12446ce6d2abaf\">Offenbar war noch jemandem die Dunkelheit zupassgekommen. In der Kammer des <em>yarl<\/em> gab jemand sich keine besondere M\u00fche damit, seine Anwesenheit zu verbergen. Es war zu h\u00f6ren, noch bevor sie den kurzen Korridor betraten, der von der Treppe abf\u00fchrte. Jemand raschelte und r\u00fcckte Dinge herum.<\/p>\n<p data-p-id=\"be2c8ed1cf012bedb1e00a68c82693f0\">Ra\u00fdneta erstarrte, drehte sich ihm zu und wollte etwas sagen. Gal\u00e9on legte den Finger an ihre Lippen und sch\u00fcttelte den Kopf. Dann zog er das Kind sacht wieder zur\u00fcck auf die Treppe und ein paar Stufen weiter nach oben, hinter die n\u00e4chste Windung der Wendeltreppe.<\/p>\n<p data-p-id=\"c90044855ec940fa35f60650ffcc3130\">\u201eMein Vater&#8221;, wisperte das Kind und setzte sich unwillig zur Wehr. \u201eDa ist jemand bei meinem Vater!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d5d093733280abb68008e3fd637d8c2c\">\u201eStill!&#8221;, zischte er sie energisch an und brachte das Nachtlaternchen zum Erl\u00f6schen. Keinen Augenblick zu fr\u00fch, denn nun h\u00f6rte das Rumoren in <em>yarl<\/em> Emberbeys Gemach auf. Eine Weile war es still. Dann gab es einige andersartige, feuchte und rei\u00dfende Ger\u00e4usche, und schlie\u00dflich trat niemand anders als Venghi\u00e1r Emberbey mit einem eigenen, helleren Licht auf die Treppe. Sein Gesicht war verst\u00f6rend heiter, und im zuckenden Flammenschein waren die nassen Flecken auf seinem Hemd deutlich zu sehen. Ein ganz zarter, metallischer Geruch stieg von ihm auf. Der junge Ritter wischte seinen Dolch achtlos an einem St\u00fcck schimmerndem Stoff ab und steckte das Messer wieder ein.<\/p>\n<p data-p-id=\"98cd2d8556071460d17135f6dfc02694\">Ra\u00fdneta zuckte. Das Blut, das Blut des Vaters auf dem feinen Festkleidchen!<\/p>\n<p data-p-id=\"393ef0dd3be465859a51f8052bdc5b36\">Gal\u00e9on verfluchte sich selbst. Das war sie also, die Gefahr <em>innerhalb <\/em>der Burg. Venghi\u00e1r Emberbey, der zu dieser Zeit an diesem Ort nichts zu suchen hatte, mehr noch: nach dem Willen der M\u00e4chte gar nicht hier sein <em>konnte<\/em>! Ein <em>Fehler <\/em>im Weltenspiel! Warum nur hatte er dem Kind nachgegeben? Nur ein paar Hundert Herzschl\u00e4ge fr\u00fcher, und er h\u00e4tte diese viel zu nahe Begegnung vermeiden k\u00f6nnen. Oder w\u00e4re erst recht in die Falle gegangen. Denn dass der junge Kerl etwas Ungutes vorhatte, daran bestand kein Zweifel. Warum sonst sollte er einen friedlich entschlafenen Leichnam sch\u00e4nden, zweifellos, um es wie einen Mord aussehen zu lassen?<\/p>\n<p data-p-id=\"f6aa3f43e821d995cef2ff4529c302b4\">Ra\u00fdneta war stocksteif vor Entsetzen. Aber auf die Idee, nach oben zu schauen kam Venghi\u00e1r Emberbey nicht. Er besann sich kurz. Dann dimmte er seine Laterne und lief eilig die Treppe hinab.<\/p>\n<p data-p-id=\"d25c47376df381bc41b5d15cfc2c4e21\">\u201eWir haben keine Zeit&#8221;, wisperte Gal\u00e9on ruhig, warf dem jungen Mann geistesgegenw\u00e4rtig einen winzigen Zauber nach und weckte das Fl\u00e4mmchen wieder. Das Kind war so verst\u00f6rt, dass es sich dar\u00fcber gar nicht wunderte.<\/p>\n<p data-p-id=\"05b44235789eafb88239d30902fc2145\">\u201eMein Vater&#8221;, wimmerte Ra\u00fdneta. \u201eIch muss &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a168a1f33296093742dfb6d8b99e68e3\">\u201eDein Vater&#8221;, sagte Gal\u00e9on sanft, \u201ekann dich nicht mehr h\u00f6ren, Ra\u00fdneta. Und du solltest ihn nicht so sehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f284107a6c97ed4ef760bf0439dfe502\">\u201eMein Vater &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3739610485fe6dace7f5f7056513aed9\">\u201eNein. Ich kann dir das nicht erlauben. Ich will, dass du dich an ihn erinnerst, wie er heute Mittag war, wie er dich angel\u00e4chelt hat, als er dir sagte, wie lieb er dich hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d365172b2e54190cd946f096adf631fa\">Sie starrte ihn an. Sie hatte begriffen, was das bedeutete, aber es erreichte ihren Verstand noch nicht zur G\u00e4nze.<\/p>\n<p data-p-id=\"65a01e1603734206e429f77f969df386\">\u201eSag, dass das nicht wahr ist&#8221;, flehte sie kl\u00e4glich. Und auch das hatte er schon so oft geh\u00f6rt, nicht nur von Kindern. Und es tat ihm immer wieder weh.<\/p>\n<p data-p-id=\"bcfe874baf29fb2a7673497d60290403\">\u201eH\u00f6r zu, V\u00f6gelchen. Was immer dein Weitvetter im Schilde f\u00fchrt, wir werden gerade so viel Zeit haben, bis er seine Kleidung gewechselt hat. Begreifst du, in welcher Gefahr du schwebst? Begreifst du, dass ich es nur gut mit dir meine? Kannst du, nur f\u00fcr eine Weile, einfach nur an den n\u00e4chsten Moment denken, nicht an das, was geschehen ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c6fbcaf19ff37de0a5dab80db2c63e3b\">Ra\u00fdneta zitterte am ganzen Leib. Aber sie schien vern\u00fcnftig zu sein. Er sp\u00fcrte ihr Herz unter seiner Hand klopfen und bem\u00fchte sich, ihre Gedanken an den toten Vater so klein zu halten wie die Kerzenflamme. Die durften sie nicht \u00fcberw\u00e4ltigen, nicht jetzt, wo er nicht <em>erz\u00e4hlen<\/em> konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"944c1ec0b10ce0e58f034d582ef5c541\">\u201eKomm mit&#8221;, sagte sie bet\u00e4ubt. \u201eWir brauchen ein Pferd.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"933fa8483b88f2be0d57c4f5a782f795\">Es kostete Venghi\u00e1r Emberbey nur wenige Hundert Herzschl\u00e4ge, sich ungesehen in sein eigenes Gemach zu begeben, das nur einige Schritte von dem des <em>yarl<\/em> entfernt lag, wenn auch eine Etage tiefer im Haupthaus der Burg. Auch dieser kurzen Strecke begegnete ihm <em>noch<\/em> niemand. Gut so, aber lange w\u00fcrde das nicht so bleiben. Er selbst hatte den Leuten geboten, Lichter zu nehmen und die Burg zu durchk\u00e4mmen. Nat\u00fcrlich begannen sie damit ganz unten, und aus den Augenwinkeln sah er unten im Hof schon die ersten mit Fackeln und Kerzen ausschw\u00e4rmen. Bald w\u00fcrden die Ersten im Geb\u00e4ude sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"cfdc5bab80921e46d06498f5abde9a7f\">Venghi\u00e1r riss sich noch halb auf dem Flur das blutige Hemd vom Leib, raffte den Stoff zum B\u00fcndel zusammen und stopfte es nachl\u00e4ssig in seine Kleidertruhe. Entsorgen musste er Hemd und das Kinderkleid, das er als Putzlappen hergenommen hatte, sp\u00e4ter. Sein Waschgeschirr stand bereit, und mit Verachtung s\u00e4uberte er sich von Spritzern, die seine Haut ber\u00fchrt hatten. Dann schl\u00fcpfte er in eine saubere Tunika.<\/p>\n<p data-p-id=\"0592229feb84c7ad6ae29757f8a3da88\">Einer Eingebung folgend griff er sich im Hinausgehen seinen Jagdbogen als Waffe und verlor keine Zeit, wieder ins Freie zu laufen, hinauf auf den Wehrgang auf der Krone der Hofmauer. Da unten st\u00f6berten sie nun hinter F\u00e4ssern und Kisten und in den Unterst\u00e4nden der Handwerker. Ein Meer schwinds\u00fcchtiger Kerzlein und schlechter billiger Fackeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"d4df04cd185c4941e19bf0f61f65553f\">\u201eLeute! H\u00f6rt her!&#8221;, rief er aus und alle Blicke wandten sich ihm zu! \u201eH\u00fctet Euch und fleht zu den M\u00e4chten um Gnade! Es ist ein M\u00f6rder in diesen Mauern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1dfd7ba2d4dc7b249ab5e4c77a6f8ee4\">Ein erschrockenes Aufjapsen ging durch die Menge. Die Mauern warfen das Ger\u00e4usch zu ihm zur\u00fcck; es klang sonderbar. Schallendes Entsetzen, sozusagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd051ed6c3e29794f86dbd809f6d7bbc\">\u201eWie \u2013 ein M\u00f6rder?&#8221;, rief jemand.<\/p>\n<p data-p-id=\"d97e8787b5d7933fcc2c125a5cd1fee5\">\u201eSchreckliches ist in dieser Nacht \u00fcber uns hereingebrochen!&#8221;, rief er. \u201eEs dr\u00e4ngte mich, meinem Gro\u00dfonkel von meiner Reise zu berichten. Denn Herr Alsg\u00f6r, unser geliebter Herr, liegt oben in seinem Gemach mit zerschnittener Kehle und zerstochenem Herzen in seinem Blut. Feige im Schlaf gemordet und beraubt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"90a073ad326b3fe68753c1c82bc364d2\">Augenblicke sp\u00e4ter befand alles in Jammern, Klage und Kopflosigkeit. Tumult tobte los, Stimmengewirr schwang sich empor, Emp\u00f6rung ergriff die Menge.<\/p>\n<p data-p-id=\"de1971bd22214d9acd41879df236b47e\">\u201eAber er hat doch ganz friedlich geschlafen! Ich hatte ihm doch noch seinen Abendtrunk gebracht! Da hat er noch geatmet!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c7b11693ecac055a7d2d788ab65c9294\">\u201eIch kann das bezeugen!&#8221;, schrillte eine andere Magd.<\/p>\n<p data-p-id=\"200f6250e18a7cd7f90ca13ad36fea03\">\u201eWer sollte das getan haben?&#8221;, rief die <em>opayra<\/em> jammernd aus. \u201eWer sollte unseren guten Herrn ermorden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4cb1249df62ebc9d96ab0fe13d461406\">\u201eJemand&#8221;, fiel Venghi\u00e1r ihr ins Wort, \u201eder wohl nicht <em>abwarten<\/em> konnte, bis es nach dem Willen der M\u00e4chte geschieht! Jemand, der ganz offenkundig im Geheimen geschickt wurde, im Auftrag von einem, dem Herr Alsg\u00f6r, m\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen seinen Frieden haben, mit schlagendem Herzen im Wege war! Vielleicht einem, der in tr\u00fcgerischer Gestalt herkam und statt auf Brot auf Blut aus war!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ed5125184bff1cb6f1518aefb57d343f\">\u201eBei den M\u00e4chten! Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> etwa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c7b97541862c0e537d60935b1025ff74\">\u201eHerausgekommen ist hier jedenfalls niemand&#8221;, beteuerte einer der Torw\u00e4chter, der aus Rodekliv eifrig. \u201eAn uns ist niemand vorbeigekommen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dbc42e6e316a2e118d7d119eecee9a5f\">Unfassbar, wie lange es dauerte, bis dieses dumme Volk auf das Offensichtliche kam! \u201eIch w\u00fcsste nicht, einen von Euch dar\u00fcber anzuklagen oder auch nur zu verd\u00e4chtigen!&#8221;, rief Venghi\u00e1r. \u201eAber diesen <em>b\u00e1chorkor<\/em>, der sich so erstaunlich unsichtbar zu machen wei\u00df, den will ich <em>augenblicklich <\/em>hier vor mir sehen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f02c487f00932e81079ce82ca0197a6f\">\u201eDer muss noch hier sein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1920eb85202bf22e6f4688dd9633730f\">\u201eJa, lasst uns weiter suchen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1645c71c977d85e1fe7e34d13d83aadd\">\u201eSputet Euch! Bringt der Kerl her! Das eilt mehr als die Trauer um unseren Herrn! In dessen Gemach war er l\u00e4ngst nicht mehr zu finden!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd9c179e4bf910bb90965e78b3b93ef9\">\u201eSuchen wir nach ihm! Durchsucht die Burg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"941d614e70ae2b08332b9ce8b59f015a\">\u201eWeckt die Schlafenden! Und sucht nach der Beute!&#8221;, forderte Venghi\u00e1r.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d7f2fd68460b782cba65e5b56541ea9\">\u201eHerr, was ist denn gestohlen worden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00a93589ac8387f989c0f0e1a838e185\">Venghi\u00e1r war f\u00fcr einen Moment irritiert. Dann besann er sich. Nat\u00fcrlich, woher sollten sie das wissen? \u201eDie Amtskette des <em>mynstir<\/em>! Den M\u00f6rder verf\u00fchrte wohl das Gold!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad1171fe1202a32361c129997537d1c6\">Wie die Kette aussah, das wusste jeder in der Burg. Es war wie ein Startsignal. \u201eSucht danach!&#8221;, rief es hier und da, und: \u201eWir finden den Verbrecher!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e19962f84bd6442e70601c11ce6d5be3\">\u201eGebt Acht auf Euch!&#8221;, setzte Venghi\u00e1r noch eines darauf. \u201eDer Mordbube ist bewaffnet!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50cd7023168cd9b64ccb703b9f1ca6db\">\u201eHerr!&#8221;, rief die <em>opayra<\/em> pl\u00f6tzlich aus. \u201eBei den M\u00e4chten, das Kind! Was, wenn &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00a59c0ff048bee053ff9f3dca39017a\">Perfekt! Was f\u00fcr ein trefflicher Moment, sich bei dieser Gelegenheit um das zweite Problem zu k\u00fcmmern. Die alte Glucke bot ihm den meisterhaften Vorwand! Venghi\u00e1r pries die M\u00e4chte, die es so gut mit ihm meinten in dieser Nacht! Ob sie ihm den Schwarzmantel geschickt hatten?<\/p>\n<p data-p-id=\"2170285d31969bc1b8106e1cd3568d90\">\u201eSucht weiter! Sucht vom Keller bis in den Turm! F\u00fcr die Sicherheit meiner geliebten Weitnichte sorge ich pers\u00f6nlich! Das bin ich Herrn Alsg\u00f6r schuldig!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"35139368392b33f34a5d655ce504d7eb\">Gut f\u00fcnf Dutzend Menschen, M\u00e4nner, Frauen, alt und jung st\u00fcrmten, teils die Treppe hinauf, teils an ihr vorbei zur Halle, zum Stall, zur K\u00fcche. Venghi\u00e1r beobachtete das kurz und war h\u00f6chst zufrieden mit sich. Verdacht gesch\u00f6pft hatte niemand von den T\u00f6lpeln. Und wenn beides noch in der Burg war, Kette und Dieb, dann w\u00fcrde es ihm wohl nicht lange verborgen bleiben. Sobald der Morgen graute und Patagh\u00edus Glanz im S\u00fcden aufstieg, dann l\u00e4ge die Zukunft des Hauses Emberbey ganz allein in seiner Hand. Man w\u00fcrde stolz auf ihn sein.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2984"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2984\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3640,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2984\/revisions\/3640"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}