{"id":2983,"date":"2025-08-25T15:42:33","date_gmt":"2025-08-25T13:42:33","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2983"},"modified":"2025-08-31T00:55:32","modified_gmt":"2025-08-30T22:55:32","slug":"011-von-der-abschaffung-der-kriege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/011-von-der-abschaffung-der-kriege\/","title":{"rendered":"011: Von der Abschaffung der Kriege"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p>W\u00e4hrend Yalomiro auf dem Weg nach Wijdlant war, um mit der <em>teirandanja<\/em> zu reden, hatte ich mir von Advon Ir\u00edsolor erkl\u00e4ren lassen, was es mit einem <em>vaspos\u00e1r<\/em> eigentlich auf sich hatte. Nach dem Vorfall mit dem Brettspiel hatte ich den Verdacht, dass ich vielleicht bisher nicht wirklich begriffen hatte, welches Gewicht das anstehende gro\u00dfe Fest in weiterem Ma\u00dfstab haben mochte. Wie sich herausstellte, hatte ich ein in Teilen viel zu einfaches Bild von diesen Veranstaltungen, ganz einfach, weil ich sie, ohne zu hinterfragen, mit Ritterturnieren verglich, wie ich sie aus <em>meiner<\/em> alten Welt und romantisierten Darstellungen kannte Aber ein <em>vaspos\u00e1r<\/em> war viel mehr als ein Reiterwettkampf, an dessen Ende der Sieger die Prinzessin heiratete. Eben wie in einem Kitschroman.<\/p>\n<p data-p-id=\"d6dca0b9dd2cc44c44ba61fd32ed9fee\">\u201eEin <em>vaspos\u00e1r<\/em>&#8220;, referierte Advon, der wahrscheinlich jeden Roman und jedes Geschichtsbuch gelesen hatte, die zu diesem Thema geschrieben worden waren, \u201eist einerseits dazu da, dass sich Edelleute und Damen, die noch keinen <em>h\u00fdardor<\/em> haben, einander begegnen k\u00f6nnen. Ein Fest, bei dem so viele Edle zusammenkommen, ist eine hervorragende Gelegenheit, besonders, wenn es um die Erbin eines <em>teirandon<\/em> geht. Da kommen die Zuschauer und Teilnehmer aus allen Ecken des Weltenspiels zusammen.Von einer jungen <em>teiranda<\/em> erw\u00e4hlt zu werden, ist nat\u00fcrlich eine sch\u00f6ne Aussicht auf mehr Land und Macht. Aber auf einem <em>vaspos\u00e1r<\/em> sind nat\u00fcrlich auch viele andere hochedle Damen anwesend.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8aadfa6e46779e0cd7c244232fdffc42\">\u201eAlso begegnen sich dabei auch Leute, die einander sonst vielleicht nie \u00fcber den Weg gelaufen w\u00e4ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b34b041e026d4836359deba56291135b\">\u201eGenau so ist es. Es ist gut, wenn die Familien untereinander \u00fcber das ganze Weltenspiel miteinander verwandt und verpaart sind. Niemand f\u00e4ngt gern Streit mit jemand anderem an, der zur Familie geh\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4df0cd7375d33fffb443edbbf0845f4\">\u201eAber es hei\u00dft nicht, dass Manj\u00e9v den Sieger w\u00e4hlen <em>muss<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b2a0921ce5ab6c2139bbb98582cc852\">\u201eNein. Es ist nat\u00fcrlich klug, wenn sie ihre Wahl bis dahin geheim halten w\u00fcrde, <em>sollte<\/em> sie ihrem <em>h\u00fdardor<\/em> bereits begegnet sein. Niemand wird mit seinem Kampfgeschick zwangsl\u00e4ufig ihr Herz gewinnen. Aber nat\u00fcrlich erh\u00f6ht es ihre M\u00f6glichkeiten, beim Fest m\u00f6glichst vielen jungen M\u00e4nnern zu begegnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0550d27b695f046567b36fd9a8c74a40\">\u201eTrotzdem erscheint es mir unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gro\u00dfer Aufwand zu sein&#8221;, wandte ich ein. \u201eAllein, was es kosten mag, das Fest auszurichten &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51b9e77a64488667eed400ff12179872\">\u201eNein, <em>unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig<\/em> ist es nicht&#8221;, widersprach Advon. \u201eDass eine Dame einen <em>h\u00fdardor<\/em> w\u00e4hlt, ist ja nur ein Teil des Ganzen. Das Turnier selbst ist das eigentlich wichtige, f\u00fcr alle <em>teirandon<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99d70ab550e5735c2fe64a8db0e91c9a\">\u201eJa&#8221;, schaltete D\u00fdamir\u00e9e sich ein, die sich eine Zeit lang und zu Yalomiros Befremden f\u00fcr die Romane vom Smaragdritter begeistert hatte. Die hatte sie bei Elos\u00e1l Ir\u00edsolor ausgeliehen. \u201eEs finden ja auch Turniere statt, ganz ohne dass eine Dame der Anlass ist. Manj\u00e9v sagt, es ist Pflicht einer <em>teiranda<\/em>, ihre Ritter zu den Turnieren auszuschicken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ea930ef8076d7b540ea5149076a26fc\">Nun wurde ich hellh\u00f6rig. \u201eDiese Turniere scheinen den Rittern wirklich wichtig zu sein, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f5bee33932c51df15554d202a52b8a9\">\u201eDie Turniere sind der <em>wichtigste<\/em> Dienst der Ritter. Schlie\u00dflich gab es dank der Turniere seit den Chaoskriegen keinen Krieg mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d26c3b5550f0c174301830948e438b55\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ea697e63bc18f1994537d53325a0edcf\">\u201eMeisterin, wie Ihr wisst, haben die Chaoskriege Unmengen an Menschenleben gefordert. Bis zu diesem Zeitpunkt waren nicht nur Magier und Monster, sondern auch <em>teiranday<\/em> am Geschehen beteiligt. Sie schickten Menschen in den Kampf, und alles endete in furchtbaren Gemetzeln, entv\u00f6lkerte ganze Landstriche. Als die letzte Schlacht der Chaoskriege geschlagen war und die \u00dcberlebenden das sinnlose Grauen erkannten, riefen die \u00fcberlebenden <em>teiranday<\/em> eine gro\u00dfe Zusammenkunft aus. Tagelang wurde diskutiert, was zu tun sei, um einen solchen Wahnsinn k\u00fcnftig zu vermeiden, ohne dabei das Gesicht und die St\u00e4rke des eigenen <em>teirandon<\/em> aufzugeben. Ich habe unz\u00e4hlige B\u00fccher dar\u00fcber gelesen und mit meiner Mutter dar\u00fcber gesprochen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4aa9dc6d4b585ddc0569a1fc62ebe686\">Und dann versuchte Advon, mir allen Ernstes weiszumachen, dass die damaligen, von den Chaoskriegen traumatisierten M\u00e4chtigen einen geradezu <em>genialen<\/em> Einfall hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb1ced539548386e3af0899e2dda6e71\">Das war der Moment, in dem ich begriff, dass ein <em>yarl<\/em> mehr war als ein Adliger, der seine Heimatburg verwaltete, am Hof seiner <em>teiranday<\/em> anwesend zu sein hatte und aus traditionellen Gr\u00fcnden in zeremoniellem R\u00fcstzeug herumlaufen musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"70daa3252e673bb4197a5956df3f403a\">Jeder <em>yarl<\/em>, den ich kennengelernt hatte, Alsg\u00f6r Emberbey, Wa\u00fdreth Althopian, Daap Grootplen, Andri\u00e9r Altabete und nat\u00fcrlich J\u00f3ndere Mor\u00e9aval \u2013 diese M\u00e4nner <em>waren<\/em> die Armee ihrer Herrinnen und Herren. Die Turniere, auf die sie geschickt wurden, waren Simulationen, kontrollierte Szenarien, in denen sie einander und f\u00fcr ihre jeweiligen <em>teirandon<\/em> St\u00e4rke und Kampfgeschick vor den Augen der \u00d6ffentlichkeit darboten. Turniere waren feierliche Wettk\u00e4mpfe \u2013 und ritualisierte <em>Warnungen<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7ca67ce8e62154a1fa643b5fa460d37\">\u201eAber&#8221;, fragte ich, \u201ewenn denn nun ein <em>teirand<\/em> aus irgendeinem Grund einen <em>echten<\/em> Krieg f\u00fchren wollte, was dann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"27e4037fb7d3e81f53c1ab66fd828f34\">\u201eDann w\u00fcrden seine <em>yarlay<\/em> und die des Gegners sich bis zum Tod bek\u00e4mpfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db7ad154ad44b1474fdda78709b8d73a\">\u201eDas ist doch nicht fair!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d43660557cbcf384082b0605baf6d2b0\">\u201eEs ist immer noch besser, als unz\u00e4hlige K\u00e4mpfer zu opfern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f249b4b0fa21909ae59adfc2c3177b42\">\u201eUnd daran halten sich alle?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1aae52dadf7b47de448f98ca7f89c0ec\">\u201eNun ja&#8221;, gab Advon zu, \u201ebisher gab es keine weiteren <em>gro\u00dfen<\/em> Kriege seit dem gro\u00dfen Beschluss. Es scheint zu funktionieren. Zumindest, solange es um die Belange von <em>teirandon<\/em> geht, und solange die Edlen sich noch an alte Schw\u00fcre gebunden f\u00fchlen. Kleinere Konflikte d\u00e4mmt es nat\u00fcrlich nicht ein. Im Gro\u00dfen und Ganzen scheint es f\u00fcr die <em>ujoray<\/em> eine gute L\u00f6sung zu sein, die den M\u00e4chten gef\u00e4llig ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"35a5c64fd53606cc4194673e2492376e\">\u201eEs sind Menschen&#8221;, setzte D\u00fdamir\u00e9e hinzu. \u201eSie m\u00fcssen miteinander auskommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"acaf8861127f89a1fd59a6a11a2b545f\">Unwillk\u00fcrlich musste ich an all die schwarzen Ritterfiguren auf dem Spielbrett denken. Einf\u00f6rmig. Eine Masse. Unter einem Banner, wie eine Armee. Und zwei lautere, die die <em>teiranda<\/em> besch\u00fctzten \u2013 oder auf den Tod um sie k\u00e4mpften. Beides eine Vorstellung, die mich verst\u00f6rte, Soweit durfte es nicht kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"202abaf518c84017599a2fb6eec085e5\">Hoffentlich w\u00fcrde Yalomiro beruhigende Nachrichten aus Wijdlant bringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"cb10ff60e8dd4577ebbe0b7387c53c72\">Im Stall war es noch ruhig und duftete nach Stroh und Tier. Ein Dutzend Pferde hatte hier seinen Platz und eines davon war lebhaft, stand an einer Heuraufe und fra\u00df gierig. Wahrscheinlich handelte es sich um das Tier, mit dem Venghi\u00e1r so unerwartet schnell zur Burg zur\u00fcckgekehrt war. Jemand hatte es in den Stall gebracht und abgesattelt, sich aber nicht die M\u00fche gemacht, ihm den Schwei\u00df abzureiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"a897ace004178fb54ecfdca587e0431e\">Ra\u00fdneta deutete auf ein anderes Ross, das nahebei in einem abgetrennten Gatter stand. \u201eDer Graue da&#8221;, sagte sie leise. \u201eDer geh\u00f6rt meinem Vater. Nimm den. Er ist brav.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a3a028977c48540ca845ee9b8997c44\">\u201eIch sollte mich eigentlich h\u00fcten, hier unter diesen Umst\u00e4nden ein Pferd zu stehlen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6cbdaf9fb35d6ad3845a5ba1c41a4ba2\">\u201eDu stiehlst ihn nicht. Wir bringen ihn <em>yarl<\/em> Althopian zur\u00fcck. Vater braucht ihn doch nicht mehr, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2540c52c2d8d84f59478033d6ca0295\">Gal\u00e9on griff nach dem Zaumzeug, das am Standplatz des gro\u00dfen Hengstes hing. Er fragte sich, wann der Greis wohl das letzte Mal im Sattel eines solchen Streitrosses gesessen hatte. Das Pferd musterte ihn mit dunkeln, sanften Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1df21df20050d26b5dfe089b95eb8344\">\u201eNein, V\u00f6gelchen, du hast recht. Dein Vater braucht hinter den Tr\u00e4umen niemanden mehr, der ihn tr\u00e4gt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f7f4612c095faec0a780fcb2b0ea83cf\">\u201eDann tr\u00e4gt er uns beide. Ein eigenes Pferdchen habe ich nicht. Nicht mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"215e2b12ce7bca76d93919df6b38dfe9\">Das sagte sie so betr\u00fcbt, dass Gal\u00e9on stutzte. Doch das war sicher eine Geschichte f\u00fcr sp\u00e4ter.<\/p>\n<p data-p-id=\"597d3ffabe6c92a5c0aa7f5cd15e7038\">Er dankte den M\u00e4chten daf\u00fcr, dass er im Laufe seines Lebens durchaus ab und zu in die Verlegenheit gekommen war, ein Pferd oder Maultier satteln zu m\u00fcssen. Somit wusste er im Groben, was er zu tun hatte, es gelang ihm aber nicht so schnell, wie es ihm lieb gewesen war. Und dass sich drau\u00dfen auf dem Hof etwas tat, dass sich dort Menschen einfanden und aufgeregt waren, das entging Gal\u00e9on nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"b9ca58071b2a754a003a3f88a73dc15d\">\u201eWarum hat Venghi\u00e1r meinen Vater get\u00f6tet?&#8221;, fragte Ra\u00fdneta nachdenklich, w\u00e4hrend sie zusah, wie er sich mit Riemen und Schnallen abm\u00fchte. Wider Erwarten war der gro\u00dfe graue Hengst brav, wenn er sich auch zu wundern schien, dass jemand Fremdes im Dunklen ausreiten wollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"baf370874a75ba6a41dfb7f6fb74d41e\">\u201eIch wei\u00df nicht, warum er &#8230; das <em>gemacht<\/em> hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e463a6170150a605b95758e1307949d2\">\u201eEr will mich auch t\u00f6ten, nicht wahr?&#8221;, fragte sie, immer noch in bet\u00e4ubten Tonfall, noch ohne zu begreifen, was eigentlich gerade vor sich ging. Es kostete Kraft, zugleich zu handeln und ihren Geist ruhig zu halten.<\/p>\n<p data-p-id=\"b986c75ded341bc6d5065625c545f717\">\u201eIch besch\u00fctze dich&#8221;, versprach der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Das musste f\u00fcr den Moment reichen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2240ee53355f1c59eea82bb61fe767ad\">Und dann drang von drau\u00dfen das erste Stimmengewirr zu ihnen, offenbar von der anderen Seite des Hofes. Und dann folgte der Tumult.<\/p>\n<p data-p-id=\"a7e843a2c2c3599abde0c1501375c137\">Gal\u00e9on hob Ra\u00fdneta hoch und setzte sie in den Sattel des Grauen. Das Gesicht des Kindes war ausdruckslos. Das Kuscheltier hielt es fest umklammert. Er selbst kletterte unbeholfen empor, wobei das t\u00e4nzelnde Pferd und das Gep\u00e4ck es ihm nicht leicht machte. Er nahm seinen Beutel vor die Brust und legte den Arm um sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"038d07a4407b809aef6e4bd6b17c25db\">\u201eKannst du reiten?&#8221;, fragte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"823be1b3c2bc17e09fb45e1c03dfd941\">\u201eNicht gut. Aber es geht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a5e82aec0131f7ffe31a5917a8074b5\">\u201eEgal. Sobald jemand die T\u00fcr aufmacht, musst du los. Wir m\u00fcssen so schnell wie m\u00f6glich auf den Hof und zum Tor, verstehst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ae32a1062d5a0d1f322e0913b0f03586\">\u201eDas Tor ist geschlossen&#8221;, gab sie zu bedenken.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ce5dc2e5ee711af52dbf4618f1dfe01\">\u201eSie werden es f\u00fcr dich \u00f6ffnen. Schlie\u00dfich bist du die <em>yarlaranda<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8d7cafa06738d88681138a8eb04bba6\">\u201eVersprichst du, dass du mich zu meinem Bruder bringst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8bab7a691bb8892b6a752d2d625de00\">\u201eWir sind schon auf dem Weg zu ihm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7e85a0cb319a636470a84de9223bd4c7\">Sie nickte. Er griff an das zweite B\u00fcndel \u00fcber seinem R\u00fccken und zog das Schwert. Es besch\u00e4mte ihn und f\u00fchlte sich falsch an. Aber im Dunkel des Stalls und der Nacht mochte es ausreichen. Mochte Nokt\u00e1ma ihm ihren Schutz gew\u00e4hren.<\/p>\n<p data-p-id=\"06b94465a13a88a2ec6a8fc8003f136d\">Ra\u00fdneta zuckte. Ihre Augen weiteten sich. \u201eWo hast du das her?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6449e0e20dcef6f3d5fddfb4cc46a0db\">Er setzte ihr die Klinge vor den Hals, wohl bedacht, sie nicht damit zu ber\u00fchren. \u201eWas immer passiert, Ra\u00fdneta Emberbey \u2013 behalte die H\u00e4nde am Z\u00fcgel. Hab keine Angst. Und glaub kein Wort von dem, was ich zu anderen Menschen rede. Widersprich weder mir noch ihnen. Ich erz\u00e4hle ihnen nur eine Geschichte, damit sie uns gehen lassen, verstehst du? Vertraust du mir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12803a6728e4efce31b4707a8a0c98ba\">Sie nickte bet\u00e4ubt.<\/p>\n<p data-p-id=\"11a3a3d377bfa03c9986acefead24c26\">\u201eDu bist ein tapferes Kind, Ra\u00fdneta Emberbey. Dein Vater w\u00e4re stolz, dich so zu sehen. Und jetzt los.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9149af421cd23e397ad5a05451356ef7\">Und schon riss jemand die Stallt\u00fcr auf, tat einen erschrockenen Aufschrei und wich zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"669bc1d896cf4f2f7e91f66ac3b56e59\">\u201eHier!&#8221;, h\u00f6rte Gal\u00e9on den Knecht rufen. \u201eHier ist er!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2820bbbec85c2987bd97c87ea6d568e\">Der Graue trottete los. Ra\u00fdneta zitterte wie ein Bl\u00e4ttchen im Wind. Der entsetzte Diener an der T\u00fcr trat beiseite, als das gro\u00dfe Pferd auf ihn zuhielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"f6b2dffa06ed552febedc21aca9e7171\">\u201eBei den M\u00e4chten! Er hat die <em>yarlaranda<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"762a507842bb27418bba441d35e43913\">\u201eEr hat ein <em>Schwert<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e41fdaa224126156dc95944a64ffa511\">\u201eBleibt zur\u00fcck&#8221;, rief Gal\u00e9on, w\u00e4hrend mehr Leute, vom Rufen angelockt, auf ihn zuhielten. \u201eKommt nicht zu nahe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"581d9c181b7287b6c5f4645f6e85c3e8\">\u201eM\u00f6rder!&#8221;, br\u00fcllte jemand. \u201eFeiger Verbrecher!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cee869533642afaa0ec02e1c02312c20\">\u201eGebt mir freies Geleit! Dann passiert dem Kind nichts!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"71d725dcfb8c8eda91a82e77cc356585\">\u201eMistkerl! Hast du unseren Herrn get\u00f6tet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"71a5056bc8a857404f08a0aba8c4715d\">\u201eIch habe ihn hinter die Tr\u00e4ume gebracht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"269b0e04d0f74f0f06c3ab9475efe8e7\">\u201eDa gibt er es frech zu!&#8221;, emp\u00f6rte sich einer.<\/p>\n<p data-p-id=\"488dee940345b10f4e7ceb3aa12bdab5\">\u201eRa\u00fdneta!&#8221;, schrillte die <em>opayra<\/em>. \u201eBei den M\u00e4chten, das Kind &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c96ecacf5f77fa418d81b9a10e1c44a3\">\u201eLass uns raus&#8221;, rief Ra\u00fdneta \u00e4ngstlich. \u201eMacht, was der Mann will! Macht einfach das Tor auf und lasst uns raus!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1eaf2b238bc3a42e9adb27eb6e3dc91b\">\u201eHerrin! Habt keine Angst! Wir retten euch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d83537acb15653b6a36befe6af16bf3\">\u201eJa&#8221;, erwiderte sie verst\u00f6rt. \u201eAber lasst uns erst raus &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b01832605e614e1a199a941f7b121dbf\">Das gro\u00dfe Streitross bahnte sich einen Weg an den Menschen vorbei, als pfl\u00fcgte es durch losen Schnee. Es waren vorerst nur zehn, f\u00fcnfzehn Personen auf dem Hof, denn die, die in den Geb\u00e4uden auf der Suche waren, hatten von den Vorg\u00e4ngen am Stall noch nichts mitbekommen. Aber die ersten erschienen, durch das Geschrei aufmerksam geworden, an den Fenstern und wurden Zeuge der bizarren Flucht.<\/p>\n<p data-p-id=\"038c8f6b14caf0db95f3cfba1952cae9\">Es w\u00e4re ein Kinderspiel f\u00fcr die Schutzbefohlenen auf Emberbey gewesen, den schm\u00e4chtigen Mann aus dem Sattel zu holen, daran bestand kein Zweifel. Aber sie alle liebten ihre kindliche Herrin, und so sah keiner unter ihnen keine M\u00f6glichkeit, ihn zu \u00fcberw\u00e4ltigen. Wie schnell konnte eine scharfe Schwertklinge den zarten Hals eines Kindes durchtrennen?<\/p>\n<p data-p-id=\"5004868828b13a4aec9a0ebd0f99ba8b\">Das Burgvolk von Emberbey konnte nichts unternehmen, nicht eingreifen. Aber nichts hinderte die aufgebrachten Menschen daran, den <em>b\u00e1chorkor<\/em> zu beschimpfen und zu verfluchen. Gal\u00e9on seufzte. Wie viel einfacher w\u00e4re es doch gewesen, w\u00e4re das Kind gleich leise mit ihm zum Tor gegangen. Andererseits \u2013 wer konnte ahnen, wozu ihm dieses Pferd nutzen w\u00fcrde \u2013 und das Wissen darum, dass Venghi\u00e1r Emberbey ein seltsames Spiel begonnen hatte? Das war etwas, das nicht vorgesehen gewesen war. Ein <em>Fehler<\/em> im Weltenspiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"397d8faa99a26d92cbf1cc879cc5167f\">\u201eLasst uns heraus&#8221;, sagte Ra\u00fdneta mit d\u00fcnner Stimme zu den W\u00e4chtern, als sie nahe genug am Tor waren. Die M\u00e4nner reckten ihnen ihre Spie\u00dfe entgegen, wild entschlossen wohl, ihren Posten zu verteidigen, ihre Pflicht zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p data-p-id=\"39fb561953b5ecc0824c69565ade9220\">\u201eGehorcht Eurer Herrin&#8221;, schloss Gal\u00e9on sich an. \u201eIch habe kein Interesse daran, noch mehr Blut zu vergie\u00dfen, aber wenn ihr mir keine Wahl lasst, dann sei es so.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb91efdfc0ec273d41b3c5019c83b0e8\">\u201eLump!&#8221;, keifte die <em>opayra<\/em>. \u201eUnget\u00fcm! M\u00f6rder! Pfui und Schande \u00fcber dich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80bde19f478634a7654726a92600d153\">\u201e\u00d6ffnet&#8221;, beharrte er unger\u00fchrt. \u201eJeder hier wird einander bezeugen, dass ich euch keine Wahl gelassen habe. Auch vor eurem gestrengen Herrn. Eurem <em>neuem<\/em> Herrn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b1cb632b17d91fce9ba80c01edd8967\">\u201eIn wessen Auftrag bist hier?&#8221;, fragte einer, der offenbar ein St\u00fcck weiter dachte als all jene, die von Hass und Hilflosigkeit \u00fcberw\u00e4ltigt waren. \u201eIn wessen Sold stehst du, <em>b\u00e1chorkor<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"47ae4b0d3779e2b677337adc5e4ebb00\">\u201eJa&#8221;, stimmte jemand anders zu. \u201eWer hat dich <em>geschickt<\/em>? Wer wollte unseren Herrn gerade jetzt tot sehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c732f1cc4eef622ddc551250f4e0fa8c\">\u201eDas&#8221;, sagte Gal\u00e9on, \u201eist tats\u00e4chlich eine Frage, die ihr alle euch selbst stellen solltet! Und nun \u00f6ffnet das Tor!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8f146261bb5f1a12d422134fffc6fb02\">\u201eLasst uns raus&#8221;, stimmte Ra\u00fdneta zu. \u201eMein Vater h\u00e4tte es so gew\u00fcnscht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4ef3e574990cf35a300f83bfb5110331\">\u201eAber Herrin &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb39e8f88eefa6e25c05fdff58e193b7\">\u201eBitte&#8221;, wisperte sie. \u201eBitte, so macht doch nur schnell &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a358506a0d46fc4e836a0b86cbb1934f\">\u201eHerr Venghi\u00e1r hat <em>angeordnet<\/em>, das Tor geschlossen zu lassen!&#8221;, widersprach der Torw\u00e4chter aus Rodekliv st\u00f6rrisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"4693ea3f7bcbbc59eb90158546fdb617\">Das schien in Ra\u00fdneta etwas auszul\u00f6sen. Sie richtete sich auf und hob das Kinn. \u201eVenghi\u00e1r ist mein Weitvetter!&#8221;, rief sie. \u201e<em>Ich<\/em> bin die Herrin auf Emberbey! Gehorcht mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"429fa76889f2bbe4a6917b192bc6756c\">Die Umstehenden wechselten best\u00fcrzte Blicke miteinander. Jene im Geb\u00e4ude, die noch zu weit weg waren, um mitgeh\u00f6rt zu haben, schimpfen und fluchten, und es kamen nun noch Weitere aus dem Haus gelaufen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d0482b1a4fae7a7d209d4602fd84072f\">\u201eWenn ihr mich nicht noch weiter aufhaltet&#8221;, sagte Gal\u00e9on, \u201edann versichere ich euch, dass dem Kind kein Haar gekr\u00fcmmt wird. Anderenfalls ist es f\u00fcr mich und mein Leben gleich, und ich werde Eure junge Herrin mit hinter die Tr\u00e4ume nehmen! &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4e151b5d9eb19c2e71dfd3ed2e5affe\">Einen, zwei Atemz\u00fcge lang z\u00f6gerten sie noch. Dann fasste sich der eine Torw\u00e4chter, der \u00e4ltere von beiden, der seit vielen Sommern im Dienst von Herrn Alsg\u00f6r gestanden hatte, ein Herz. Er schob den schweren Riegel hoch und schob einen Torfl\u00fcgel auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"2fbb15a4474395990dae2cc08e315292\">\u201eDanke&#8221;, murmelte Ra\u00fdneta ihm zu. \u201eTausend Dank. Ich werde es euch vergelten. Mein <em>Bruder<\/em> wird es euch vergelten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"36424670a50c8cf3451ea4297e804e0e\">Sie spornte den Hengst an. Aber kaum hatte der den Torbogen durchquert, zischte etwas durch die Luft. Gal\u00e9on sp\u00fcrte einen heftigen Schlag im R\u00fccken, der ihm die Luft nahm. Hinter ihm verschwamm der Tumult der erschrockenen Menge, als das Tor, wie von unsichtbaren Kr\u00e4ften bewegt, zugeschlagen wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"c7ff97f2dbffa002c1dac17a8efb1dfd\">Als Yalomiro vor sechs Tagen von jenseits des Montaz\u00edel zur\u00fcckgekehrt war, schien er keine Neuigkeiten mitzubringen, die uns bei der Entr\u00e4tselung des Spieles weitergeholfen h\u00e4tte. Wir hatten ihm die Ruhe gelassen, sich nach dem anstrengenden Flug zu erholen. Fr\u00fcher, als D\u00fdamir\u00e9e noch klein gewesen war, h\u00e4tte ihm die Strecke zwischen dem Eta\u00edmalon und Wijdlant, im Flug als Rabe, keine gr\u00f6\u00dferen Probleme bereitet. Nun bat er uns, ihn zun\u00e4chst eine Weile einfach zu Atem kommen zu lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f1ee50fd37b5da7c0a12818d9d19f3aa\">D\u00fdamir\u00e9e und ich hatten nicht dar\u00fcber reden m\u00fcssen, aber uns wurde erneut schmerzlich klar, wie viel Kraft er gelassen hatte. Allein, dass er geflogen war, statt durch die Schatten zu laufen, verriet uns, wie sehr er mit seiner Energie haushalten musste. Ich \u00fcberlegte, ob es ganz einfach das Alter war, ob Yalomiro k\u00f6rperlich k\u00fcrzer treten musste, oder ob es der Kampf gegen Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar gewesen war, im Chaos, damals, vor zehn Jahren, der ihn zu viel gekostet hatte und nun vorzeitig schw\u00e4chte.<\/p>\n<p data-p-id=\"eadbae7dbe76165e770b000816ac0c14\">Ich hatte sp\u00e4ter versucht, als wir allein beieinander waren, ihm von meiner <em>maghiscal<\/em> abzugeben. Aber es hatte nicht viel genutzt. Es war, als versuche man, Wasser in trockenen Sand zu gie\u00dfen, wo es gleich versickerte. Das machte mich traurig. Zugleich versuchte ich, mich davon zu \u00fcberzeugen, dass alles seine Ordnung hatte. Warum sollten Magier nicht \u00e4lter und schw\u00e4cher werden, wie unkundige Menschen auch? Merkte ich es nicht an mir selber, wie mir manche Dinge schwerer fielen als fr\u00fcher? Wie mein R\u00fccken schmerzte, wenn ich mich nach etwas b\u00fcckte, dass ich schneller au\u00dfer Atem kam?<\/p>\n<p data-p-id=\"1a48cd61881dbbd4be3a502b23e263ce\">Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor, hatte Yalomiro uns erkl\u00e4rt, als er sich ausgeruht hatte, zeige zu seiner gro\u00dfen Beunruhigung wohl tats\u00e4chlich weiterhin keine Anstalten, sich f\u00fcr Merrit Althopian entscheiden zu wollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b527a74eb1d15ba03d9df1d6c3e1eb7c\">\u201eVielleicht ist er ihr aus irgendeinem Grund einfach unsympathisch&#8221;, hatte ich arglos vermutet. \u201eManchmal ist das eben so, dass man keine Zuneigung zu jemandem versp\u00fcrt, so nett der auch sein mag.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f04ca97416f585c1df24b95dce8648c\">\u201eNein&#8221;, hatte Yalomiro gesagt, \u201edas ist es nicht. Ihr Herz ist zugleich voller Zuneigung f\u00fcr und Widerwillen gegen den jungen Mann. Es muss eine andere Bewandtnis damit haben, weshalb sie vor ihm so zur\u00fcckschreckt \u2013 und sichtlich darunter leidet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d5f938483845cd4b74fdec352aeaf92\">Und er berichtete von Osse Emberbey, der das wichtige Amt antreten sollte \u2013 und von dessen Weitvetter, der aus irgendeinem Grund ein ganz andersartiges Unbehagen in Manj\u00e9v sch\u00fcrte. Um alle die fremden <em>teirandanjoray<\/em> und <em>yarlandoray<\/em>, die ihr ihre Aufwartung machen w\u00fcrden, schien die junge Frau sich dagegen wenig bis gar keine Gedanken zu machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6638045934a70c6eb279afef6301a2fd\">\u201eMir w\u00e4re wohler,&#8221; sagte Yalomiro schlie\u00dflich, \u201ewenn <em>jemand<\/em> ein waches Auge auf das halten k\u00f6nnte, was sich auf diesem <em>vaspos\u00e1r<\/em> abspielt, noch bevor es ernst wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48366e6468f853dfe1134196fa67f587\">Advon f\u00fchlte sich angesprochen. \u201eErlaubt mir bitte, dass ich mich mit meinen Eltern berate, Meister.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"42fe41220d59082972704e69e65d7966\">\u201eSicher. Solange du dich danach unverz\u00fcglich auf den Weg machst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01ae8de5266c99b44f905dbeebcc873c\">Ich schaute \u00fcberrascht zu ihm hin. Konnte Yalomiro Advon allen Ernstes <em>Anweisungen<\/em> geben?<\/p>\n<p data-p-id=\"a9eecd213ab0ddae7e93b57cee706b76\">\u201eIch bin mir sicher, dass meine Eltern ganz \u00e4hnliche Dinge denken werden, wenn wir ihnen von der Sache berichten. Von Eurer Vision und dem Zusammentreffen mit Manj\u00e9v.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c408b1a946cd520812f87b770041c9af\">\u201eWir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9af0f0a96680dbfe274bd701edff84f4\">\u201eIch begleite Advon nach Aur\u00f3p\u00e9a! Ich will auch mit Meisterin Elos\u00e1l und Meister C\u00fdel\u00fa reden.&#8221; D\u00fdamir\u00e9e lie\u00df keinen Zweifel daran, dass es f\u00fcr sie beschlossene Sache war, Advon nicht von der Seite zu weichen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc199bb032f9d905011b265d221299e7\">Yalomiro seufzte lautlos. Dass es sinnlos war, D\u00fdamir\u00e9e zur\u00fcckzuhalten, war ihm klar.<\/p>\n<p data-p-id=\"42b9b456c4eef9becdf4c931b6666748\">\u201eDu wei\u00dft, wie vorsichtig du sein musst, mein kleiner Stern&#8221;, mahnte er. \u201eDu bist kein Kind mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8d55cc3e3d2dd54f8847068de6b6bd5a\">\u201eJa, ich wei\u00df. Ich werde meinen Schleier nur abnehmen, wenn ich mit den anderen M\u00e4dchen allein bin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ce7f4e1ba047ac2df3fe96cf547b98ec\">\u201eWenn du nicht sicher sein kannst, <em>wer<\/em> dich sieht&#8221;, sagte er eindringlich, \u201e<em>bleibst<\/em> du in Tiergestalt. Wirst du das beherzigen, D\u00fdamir\u00e9e?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b725f76ec4bed6cf29309d82ee2abc5\">\u201ePapa, ich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"21af7d46d0623957ce5d13ae43eb1a21\">\u201eKann ich dir vertrauen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fb5ef1668da5cecccd5be75c1d4c0ec\">Sie schaute best\u00fcrzt. Dass er so streng zu ihr redete, kam nicht oft vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"f8b1630ce90064e6cd9f6fbef7b00bc3\">\u201eNat\u00fcrlich, Papa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f72e9ab6d95f912b5e3f0a095bb16aff\">\u201eDu bist mir daf\u00fcr verantwortlich, das kein Unheil geschieht, Abendkind. M\u00f6gen die M\u00e4chte verh\u00fcten, dass neben dem, was sich unter den Menschen anbahnt, noch irgendjemand, missgeschicklich oder bewusst, Magie hineinbringt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78d5a242d8623ddd3f53984e577609a0\">\u201eSicher, Meister Yalomiro. Nie w\u00fcrde ich zulassen, dass D\u00fdamir\u00e9e in Gefahr ger\u00e4t!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5905906700a177468e06e21280c8696\">\u201eDann gelobe mir, dass ihr beide auch keinen Unfug treibt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e4bfee715e1d6f6ea50c9a429d9f216\">Die beiden nickten. Sie versuchten, so zu wirken, als w\u00fcssten sie nicht einmal, was Unfug ist.<\/p>\n<p data-p-id=\"837c53ae4e91bb00c1cb278ae77fca60\">\u201eDann geht nur, ihr beiden. Die Pforte wird sich bald \u00f6ffnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"29f3d8696e343b2e31d6117c5ca194a2\">\u201eIch suche Farbenspiel.&#8221; Advon verneigte sich und beeilte sich, aus Yalomiros Blick zu kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f9d519803eb53b9fb4740e285439f1c\">\u201eIch packe schnell etwas zusammen&#8221;, entschuldigte D\u00fdamir\u00e9e sich und eilte gut gelaunt fort ins Haus.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b36a991f200f35e153d5f88b6559cee\">Ich blieb allein mit Yalomiro auf der Bank vor der T\u00fcr zur\u00fcck und \u00fcberlegte, wie ich es ihm am tr\u00f6stlichsten sagen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"62e275128e7a0a805cdb3349d7b39ee2\">\u201eSie machen ja doch, was sie wollen. Sie sind keine Kinder mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc05c37c9602cce39bcee21dc12b47e2\">\u201eGenau das ist es, was mich so betr\u00fcbt. Mit den Kindern war es &#8230; einfacher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bd5727f455aa8e89fbdfa07a046063e6\">\u201eAdvon w\u00fcrde nie zulassen, dass D\u00fdamir\u00e9e in Gefahr ger\u00e4t. Er ist f\u00fcr sein Alter so besonnen und umsichtig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ffefd16de1c9e94add1975435ac0eb70\">\u201eD\u00fdamir\u00e9es schierer Anblick k\u00f6nnte <em>ujoray<\/em> ins Verderben st\u00fcrzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12278f8ad07464f97a055433a7e66162\">\u201eSie werden sich in Acht nehmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"af48b4304649abf9cd7581cffc762475\">\u201eAdvon Ir\u00edsolor ist ein Kind!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91280ef729425df3b7e14c4ead961da1\">\u201eNein. Er ist l\u00e4ngst erwachsen, Yalomiro. Die beiden sind weitab von Kindereien.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee934212b32d8ae85b211dbd7f991f60\">\u201eEs ist viel zu fr\u00fch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80081bbaa99b693dd0699836cd2ba522\">\u201eD\u00fdamir\u00e9e braucht kein <em>vaspos\u00e1r<\/em>. Ich k\u00f6nnte mir niemand Besseren f\u00fcr sie vorstellen als ihn. Willst du nicht, dass sie das hat, was auch uns wiederfahren ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b5368a8b5853f68e4187c530215d560\">Er nickte nach einer Weile. Dann wandte er sich mir zu und neigte seine Stirn gegen meine.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2983","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2983","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2983"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2983\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3639,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2983\/revisions\/3639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2983"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}