{"id":2980,"date":"2025-08-25T15:44:40","date_gmt":"2025-08-25T13:44:40","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2980"},"modified":"2025-08-31T00:54:05","modified_gmt":"2025-08-30T22:54:05","slug":"014-jaehes-ende-einer-flucht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/014-jaehes-ende-einer-flucht\/","title":{"rendered":"014: J\u00e4hes Ende einer Flucht"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"5e7174e4d01b8e715d3bfb674c41797f\">Ra\u00fdneta erschrak. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> hinter ihr im Sattel gab ein seltsam tonloses Keuchen von sich und fuhr auf eine ganz sonderbare Art zusammen. Dann beugte er sich vor, nein \u2013 er fiel kraftlos vorn\u00fcber. Die Schwertklinge sank von ihrem Hals nieder, an die Seite des Pferdes. Aber er lie\u00df seine Waffe nicht los. Seine Finger krampften sich um den Griff, als sei er an seiner Hand festgeklebt. Das M\u00e4dchen wurde von seinem Oberk\u00f6rper vorn\u00fcber niedergedr\u00fcckt, festgeklemmt. Das Sattelhorn dr\u00fcckte auf ihren Bauch.<\/p>\n<p data-p-id=\"f2ad9d87cf06cfcaec83eeb18cef33a0\">Ra\u00fdneta schaute sich verst\u00f6rt um. Das Pferd war durch die T\u00fcr hindurch getrottet, war schon fast mit dem Kopf aus dem Torbogen heraus. Aber die Leute, die ihnen gerade noch den Weg freigemacht hatten, gerieten in Bewegung! So, als h\u00e4tten sie es sich anders \u00fcberlegt. Selbst wenn des Vaters Ross nun galoppierte wie der Wind, sie w\u00fcrden nicht weit kommen. Wahrscheinlich w\u00fcrde der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schon nach wenigen Schritten niederst\u00fcrzen, oder die Leute w\u00fcrden ihn einfach aus dem Sattel zerren.<\/p>\n<p data-p-id=\"630f1dc5f40fa827554645a82a67ff21\">\u201eWeiter&#8221;, wisperte der Mann<em>, <\/em>dicht an ihrem Ohr. \u201eSchnell &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96637372847dd19d5f096d77a94664c0\">Das Pferd bewegte sich voran, aber viel zu langsam. Sicher war es verwirrt, im Dunklen und ohne seinen gewohnten Herrn ins Freie zu m\u00fcssen. In Ra\u00fdnetas Gedanken zuckten Erinnerungen auf, die Ausritte auf dem Schimmelchen, das ihr der freundliche junge <em>yarl<\/em> Althopian einmal geschenkt hatte. Der junge Ritter, der beste Freund des geliebten Bruders, hatte ihr bei einem seiner Besuche geduldig beigebracht, wie man das Pferdchen anspornte und lenkte, etwas, f\u00fcr das der Vater bereits zu m\u00fcde und Venghi\u00e1r zu besch\u00e4ftigt war. Sp\u00e4ter hatte Ra\u00fdneta zuf\u00e4llig aufgeschnappt, dass Merrit Althopian vor ihrem Vater ihr Geschick gelobt hatte, und war sehr zufrieden mit sich gewesen. Aber ob das m\u00e4chtige Kampfross dieselbe Sprache verstand wie der gutm\u00fctige, feingliedrige Zelter?<\/p>\n<p data-p-id=\"09c49590c4d2fc1ef374a77a3ecd44c3\">\u201eHaltet sie auf!&#8221;, klang irgendwo im Tumult die Stimme des Weitvetters, befehlend, zornig. Und die Schutzbefohlenen &#8230; sie kamen &#8230; sie griffen nach ihnen &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"70920bbe49cf1513a88901c2af3cf7f0\">\u201eLos&#8221;, befahl Ra\u00fdneta erschrocken, \u201eLos, Pferd, lauf schnell los!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d5ffff73a4ae08d4323d8097cbcd103\">Und noch w\u00e4hrend sie versuchte, mit ihren Kinderbeinen den gro\u00dfen Grauen anzuspornen, geschah hinter ihr etwas Unerwartetes. Die Torfl\u00fcgel, aus Holz und eine Handbreit dick, setzten sich an ihren schmiedeeisernen Angeln in Bewegung, ohne dass jemand sie ber\u00fchrt h\u00e4tte und viel schneller, als eine Menschenhand sie h\u00e4tte zuziehen k\u00f6nnen. Knechte und M\u00e4gde, selbst die <em>opayra<\/em>, m\u00fchten sich, ihnen nachzusetzen, aber obwohl es nur wenige Schritte vom Hof bis hinter den Torbogen waren, kamen sie nicht weit. Die Pforte der Burg Emberbey, hoch und breit genug, um ein Ochsengespann oder zwei Berittene nebeneinander hindurch zu lassen, klappte hinter ihr mit einem lauten Knall zu. Nicht anders als ein Truhendeckel, der einem aus der Hand glitt. Das Burgvolk von Emberbey war eingesperrt, da mochten sie noch so sehr gegen die massive Holzpforte wummern und schreien.<\/p>\n<p data-p-id=\"751912c3fee6a0b7216c535d9adad047\">Doch das Pferd erschrak vor dem Ger\u00e4usch und machte endlich einen Satz nach vorn. Der M\u00e4rchenerz\u00e4hler \u00e4chzte und schlang seinen Arm um sie. Ra\u00fdneta griff an den Sattelbaum, der ihr der festeste Halt zu sein schien und kreischte auf, als der Grauschimmel in die Nacht hinaus sprengte. Daran, das Ross planvoll zu lenken, war gar nicht zu denken! Es galt, oben zu bleiben, nicht zu st\u00fcrzen und ihm unter die Hufe zu geraten!<\/p>\n<p data-p-id=\"11cb7df399d07edef906f8ecf9371ab5\">Das Kind versuchte gar nicht erst, die Z\u00fcgel zu greifen. Dass es von hinten ein Erwachsener umklammert hielt, kraftlos wie ein nasser Sack, das konnte nur in einem Ungl\u00fcck enden. Jedoch &#8230; der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schien nun ebenfalls seine Kr\u00e4fte zu sammeln, sich zur Ordnung zu rufen. Er richtete sich etwas auf, quetschte sie nicht mehr gegen den harten Sattel. Sie bekam wieder etwas mehr Luft und f\u00fchlte sich pl\u00f6tzlich wieder fest gehalten, auf eine v\u00f6llig absurde Weise geborgen. Schon lag das Tor hinter ihnen so weit zur\u00fcck, dass der L\u00e4rm dahinter vom Trommeln der Hufe auf der sandigen Wiese \u00fcbert\u00f6nt wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ebf2223f35ac51d41a1858f121fc9ae\">\u201eAuf die Stra\u00dfe&#8221;, keuchte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. \u201eNach S\u00fcden &#8230; weg vom Meer &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b2024d60bfdadb10dcc88716b2e1e23\">Ra\u00fdneta zerrte unbeholfen an den Z\u00fcgeln. Der Weg, der von der Burg wegf\u00fchrte, war mit hellem Sand versehen und so im Mondlicht leidlich wahrzunehmen. Das Pferd erkannte den vertrauten Pfad und galoppierte nun zielstrebig voran, erstaunlich weich und sacht f\u00fcr seine Gr\u00f6\u00dfe und Kraft. Nun, es war das Reittier eines sehr alten Mannes gewesen. Alsg\u00f6r Emberbey war gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Komfort zugedacht, wenn er sich schon noch einmal auf einen weiteren Weg begab. Der Graue preschte \u00fcber die karge, mit Inseln aus hohem Salzgras \u00fcbers\u00e4te Wiese auf der zur Landseite hin sacht absch\u00fcssigen Klippe. Die war zu dieser Zeit selbst von den Schafherden verlassen; die Hirten mochten ihre Tiere weiter s\u00fcdlich zusammengetrieben haben. Behutsam, als n\u00e4hme er wahr, dass es ein Kind und einen Verwundeten trug, strebte der Graue dem Rand der Baumlinie in der Ferne zu, die einen Grenzstreifen zwischen dem Gel\u00e4nde der Burg und dem der benachbarten vorgelagerten Geh\u00f6fte und s\u00fcdlich gelegener D\u00f6rfer des <em>yarlm\u00e1lon<\/em> bildete.<\/p>\n<p data-p-id=\"d48a579fb578dde2acd6c45220f4ddd5\">Im selben Moment begriff Ra\u00fdneta, wie <em>irrsinnig<\/em>, wie sinnlos das war, was sie hier tat. Es war v\u00f6llig unm\u00f6glich, dass sie, mit oder ohne den <em>b\u00e1chorkor,<\/em> auf dem Pferd auch nur in die <em>N\u00e4he<\/em> des benachbarten <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Althopian gelangen w\u00fcrde. Es w\u00fcrde nicht lange dauern, bis das Burgvolk das gro\u00dfe Tor wieder irgendwie ge\u00f6ffnet h\u00e4tte. Bald w\u00e4re man ihnen, Venghi\u00e1r an der Spitze seiner Waffenknechte, auf den Fersen. In der Burg gab es einige schnelle Kurierpferde, die sie leicht einholen w\u00fcrden. Venghi\u00e1r selbst war ein ausgezeichneter Reiter!<\/p>\n<p data-p-id=\"c640983a8d3b5bf6278017714115ed07\">Und dann? Was w\u00fcrde geschehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"a0873da539a8c01128e6e83f06d3d1ca\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> hatte sein Leben verwirkt. Falls sie ihn noch lebendig in die H\u00e4nde bekamen, w\u00fcrden sie sicher abscheuliche Dinge mit ihm anstellen. Und sie selbst, sie w\u00fcrden sie in die Burg zur\u00fcckbringen und ganz sicher daf\u00fcr sorgen, dass sie nicht mehr ins Freie durfte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6f8bab063000c0aabc662cc2dc4ff06c\">Venghi\u00e1r hatte ihren guten Vater umgebracht. Sie hatte das Blut auf seinem Hemd gesehen und gerochen, und den Dolch. Sie hatte geh\u00f6rt, wie er das Gemach des Vaters durchst\u00f6bert hatte. Aber warum nur?<\/p>\n<p data-p-id=\"37e2cd99a953db51fb63c768a3ab2768\"><em>Venghi\u00e1r<\/em> w\u00fcrde sie zur\u00fcck in die Burg holen. Und dort war sie nicht mehr in Sicherheit.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa746ae2b203afdd6ceec1e7bbfe657b\">Der Griff des <em>b\u00e1chorkor<\/em> war unnachgiebig. Das Pferd galoppierte nun zielstrebig \u00fcber den weichen Sandboden, entlang der von hohen Meergr\u00e4sern und geduckten B\u00fcschen ges\u00e4umten Stra\u00dfe. Die Burg im Mondlicht hinter ihnen wurde immer kleiner.<\/p>\n<p data-p-id=\"c1311eda7f08cd2800024e4daae828b9\">Ra\u00fdneta f\u00fchlte sich schlagartig der Realit\u00e4t entrissen. Alles um sie herum verwischte, verwirbelte zu einem Albtraum, der nicht im Ansatz mehr etwas mit der k\u00fchlen, hellen Herbstnacht zu tun hatte, oder mit dem Leben, das sie vorhin noch gef\u00fchrt hatte, mit der eitlen Freude \u00fcber das h\u00fcbsche Kleidchen oder der Erwartung eines M\u00e4rchens zu Unterhaltung. Dieser <em>b\u00e1chorkor<\/em> war nicht gekommen, um sie mit einer Geschichte zu erfreuen. Er war gekommen, um alles aus der Ordnung, der Sicherheit und dem Willen der M\u00e4chte zu rei\u00dfen. Sie war seine Beute. Er hatte sie <em>gestohlen<\/em>. Und er hielt sie nun so fest umklammert, als sei sein Arm aus Holz.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c50a0691f6458fc2cff8619451c8667\">Ra\u00fdneta unternahm einen halbherzigen Versuch, sich freizustrampeln, selbst auf die Gefahr hin, dass sie in vollem Galopp niederst\u00fcrzen w\u00fcrde. Die Burg war noch nicht au\u00dfer Sichtweite. Sicher waren sie zwischenzeitlich schon hinter ihnen her, w\u00fcrden sie finden und wieder in die Burg bringen. Wenn sie es so anstellte, dass sie immer bei den anderen Leuten und nie allein war, w\u00fcrde Venghi\u00e1r ihr nichts anhaben k\u00f6nnen. Sie musste nur auf Osse warten. Osse w\u00fcrde kommen! Die <em>opayra<\/em> w\u00fcrde sie schelten, aber es w\u00fcrde Honigmilch und Brei geben, und alles w\u00fcrde wieder gut, und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e1ff5e4f5dff15620ecc673b88f309a\">Und dann waren sie fast bei den B\u00e4umen, und das Pferd bremste in vollem Lauf, wieherte wie \u00fcberrascht auf. Etwas schien ihm die Hufe vom Boden wegzurei\u00dfen. Der Hengst st\u00fcrzte und h\u00e4tte sich dabei fast \u00fcberschlagen. Der M\u00e4rchenerz\u00e4hler lie\u00df von ihr ab. Ra\u00fdneta verlor den Halt, f\u00fchlte sich durch die Luft geschleudert und prallte heftig auf dem sandigen Boden auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e0435f336cfc8372edd5935e4ac9c0f\">Das M\u00e4dchen keuchte vor \u00dcberraschung und Weh und blieb einen Moment benommen liegen. Die Pflanzen kratzten und dort, wo sie aufgeschlagen war, raste Schmerz durch seine Glieder. Gelandet war es einem Bereich, an dem die Schafe einige Horste stacheliger Stauden hatten stehen lassen. Ein paar Schritte hinter sich h\u00f6rte es das Pferd schnauben. Als Ra\u00fdneta den Kopf in seine Richtung wandte, sah sie es sich wieder auf die Beine wuchten. Den M\u00e4chten sei Dank! Offenbar hatte es sich kein Bein gebrochen! Kaum stand es jedoch wieder aufrecht, schien es sich vor etwas zu erschrecken. Das Tier t\u00e4nzelte, als w\u00fcrde sich ihm etwas Unsichtbares in den Weg stellen. Dann preschte es in gestrecktem Galopp auf und davon, hinein in die Nacht.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1f1ec059884ec51803e1bb80c59078d\">Ra\u00fdneta stemmte sich zaghaft auf alle viere hoch und biss die Z\u00e4hne zusammen. An ihren Armen und H\u00e4nden hatte sie sich bei dem Sturz die Haut aufgesch\u00fcrft. Auf dem Weg, das Gesicht von ihr abgewandt, sah sie den <em>b\u00e1chorkor <\/em>liegen. Von seinem R\u00fccken ragte das hell gefiederte Ende eines Pfeils in die H\u00f6he. Ra\u00fdneta kannte solche Pfeile. Sie wusste, wer sie verschoss und selten sein Ziel verfehlte. Sie hatte das schon einmal gesehen. Das liebe wei\u00dfe Pferdchen &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d075d65f5370e57a53097a390243dec\">Aber sie hatte keine Zeit f\u00fcr diese Erinnerung, denn da n\u00e4herte sich ein Reiter. Weder auf der Stra\u00dfe noch aus Richtung der Burg. Es kam im Trab schr\u00e4g querfeldein zwischen den B\u00e4umen hervor. Vielleicht hatte der den Sturz des gro\u00dfen Grauen beobachtet.<\/p>\n<p data-p-id=\"42bfb1bcef6a03741ec592457ddb92af\">Ra\u00fdneta erstarrte. Sollte sie aufstehen, den n\u00e4chtlichen Reisenden anhalten und um Hilfe bitten? Ihm erz\u00e4hlen, was passiert war und ihn bitten, sie ganz schnell irgendwo anders hinzubringen?<\/p>\n<p data-p-id=\"ceed48dc58ceb17f0be5a690d239fc37\">Das Kind entschied sich \u2013 zun\u00e4chst \u2013 dagegen. Zu viel \u00e4u\u00dferst Seltsames war geschehen, seit es zu Bett gegangen war. Zu viel Zweifelhaftes, als dass Ra\u00fdneta jemals wieder irgendjemandem vertrauen konnte. Und so duckte sie sich in dem Gestr\u00fcpp zusammen und bat die M\u00e4chte, dass der fremde Reiter seinen Blick nicht auf den Wegesrand richten w\u00fcrde. Vorsichtshalber lenkte sie ein paar hohe St\u00e4ngel so um, dass sie sie leidlich tarnen w\u00fcrden.<\/p>\n<p data-p-id=\"43af033093241ec3bf5a74bbbd02159c\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> regte sich. Ungeachtet des Pfeils kam er schwankend zun\u00e4chst auf die Knie und stemmte sich dann auf die F\u00fc\u00dfe. Wankend aber leidlich aufrecht stand er schlie\u00dflich und blickte dem Reiter entgegen. Ganz ruhig. <em>Be\u00e4ngstigend<\/em> ruhig.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f8c6d80e674bfc58518ebfb5a975e90\">Ra\u00fdneta lief ein kaltes Schaudern \u00fcber den R\u00fccken. Je mehr der Ank\u00f6mmling sich n\u00e4herte, desto mehr wurde der Schauder zu blankem Grausen. Das Pferd unter seinem Sattel, das war ein gew\u00f6hnliches, einer von diesen schmalgliedrigen Rennern, wie ihn berittene Kuriere oder wohlhabende Leute aus Virhav\u00e9t ritten. Aber der Reiter &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"58d38749dd8f71387ed5d160cc521404\">Unter dem hellen Glanz von Nokt\u00e1mas Juwel sah das Kind zun\u00e4chst nichts weiter als ein Schemen, einen plastischen Schatten. Gestaltgewordene Schw\u00e4rze, menschen\u00e4hnlich, aber nicht menschlich. Sie hatte die Form eines gro\u00dfen, schlanken Mannes, angetan mit einem breitkrempigen Hut und einem weiten Mantel. Die Schw\u00e4rze hob sich so grotesk von dem Pferd ab, dass Ra\u00fdnetas Verstand davor zur\u00fcckschreckte. Sie biss sich auf die Handkante, um sich selbst am Schreien zu hindern. Atemlos zog sie sich noch tiefer in die trockenen Bl\u00e4tter zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"798307dd827600769a08df0fe24861a6\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> indes schien nicht weiter \u00fcberrascht von der Erscheinung. Einen Augenblick lang schwiegen beide sich an. Das Schattending z\u00fcgelte sein Reittier einige Schritte vor ihm. Dabei geschah etwas Sonderbares. Je l\u00e4nger das Mondlicht auf die menschenf\u00f6rmige Schw\u00e4rze fiel, desto mehr Gestalt nahm sie an. Es war, als <em>tropfe<\/em> die Dunkelheit von ihr ab wie Seifenschaum. Darunter kam ein schwarz gekleideter Mensch zum Vorschein, der ganz echt und lebendig aussah. Von seinem Gesicht erkannte Ra\u00fdneta nicht viel, dazu war sie zu weit weg. Aber sie konnte h\u00f6ren, was gesprochen wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"a89d63485540f502e8ce9315abe199e4\">\u201eWeit bist du wohl nicht gekommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2be2cc44829a74b4b4433b4b1e3fcadd\">\u201eWeit genug&#8221;, \u00e4chzte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. Das Atmen fiel ihm schwer. \u201eWas seid Ihr f\u00fcr eine &#8230; Kreatur?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c11485d72a1a4930cc812de53ec61f6a\">\u201eIch? Ich bin nicht mehr als ein Reisender mit gewissen <em>Interessen<\/em>. Aber du? Was mischt du dich ein?&#8221;, fragte der Schattenmann. Seine Stimme lie\u00df Ra\u00fdneta auf eine wunderliche Art erschauern. Sie war freundlich, warm. Eine Stimme, der man vertrauen <em>musste<\/em>. \u201eWas treibt dich so rasch und mitten in der Nacht weg von der Burg? Hast du etwas zu verbergen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b0676bc1b71cb44292d3c6d1246cb53f\">\u201eDas ist meine Sache.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b375ae6e4daa8fc00d71ff0d9203bbee\">Die schwarze Gestalt lachte wohlt\u00f6nend. \u201eJedenfalls &#8230; gut gezielt hat der hochedle Venghi\u00e1r Emberbey wohl nicht. Wie sonderbar. Es sollte den Hoffnungstr\u00e4ger, den G\u00fcnstling der <em>yarlay<\/em> von Rodekliv doch keine M\u00fche kosten, einen unger\u00fcsteten Streuner wie dich aus dem Sattel zu holen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"84c5f8c8a8fe2d1bf87885154ca79cd7\">\u201eEin G\u00fcnstling derer von Rodekliv? Herr Venghi\u00e1r?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6b09f953368ad29be1d4f25649b6126\">\u201eDas wei\u00dft du nicht? Kaum zu glauben, f\u00fcr einen <em>b\u00e1chorkor<\/em>, dem die <em>yarlm\u00e1lon<\/em> jenseits der S\u00fcmpfe nicht unbekannt sein d\u00fcrften. Habe ich recht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b18012b89a82f7e9541d62a2c1ba283\">\u201eIch &#8230; war zuweilen dort.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50d6cac1e703300de47b313533331276\">Ra\u00fdneta biss fester zu. Was bekam sie hier Verst\u00f6rendes zu h\u00f6ren?<\/p>\n<p data-p-id=\"2745f157caf9b6a960684d1ff14e5546\">\u201eMehr noch als der k\u00fcmmerliche Schuss interessiert mich doch, warum der junge Herr in erster Hand auf dich gezielt hat. Hast du etwa eine unbequeme Geschichte vorgetragen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f18e807953f10862842644123401b152\">\u201eW\u00fcnscht Ihr, selbst eine solche zu h\u00f6ren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"79f4b1e752451340f9c77b0c755dd17d\">Der Schattenmann hob beil\u00e4ufig seine Hand, nicht in die H\u00f6he, nur so weit, dass er die Z\u00fcgel einen Moment loslie\u00df. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schrie gellend auf, sein schmaler K\u00f6rper verkrampfte sich. Ra\u00fdneta biss sich die Hand. Der Pfeil im K\u00f6rper des Geschichtenerz\u00e4hlers <em>drehte<\/em> sich, die Federn an seinem Ende rotierten. Das musste das Werk des Fremden sein. <em>Zauberei<\/em>!<\/p>\n<p data-p-id=\"e26c6b96ca1790a6ffe24a76c6eb6190\">\u201eDu scheinst ein z\u00e4her Bursche zu sein&#8221;, fuhr der Reiter fasziniert fort und sa\u00df von seinem Pferd ab. \u201eDas interessiert mich. Warum fliehst du so \u00fcberst\u00fcrzt aus der Burg, <em>b\u00e1chorkor<\/em>? &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"a03fa3b31ceac159b638c947f475a9f8\">\u201eDer alte <em>yarl<\/em> ist hinter den Tr\u00e4umen&#8221;, keuchte der junge Mann.<\/p>\n<p data-p-id=\"67776cf91bc8ccf85ecf1b5d771af52b\">\u201eM\u00f6ge er hinter den Tr\u00e4umen in Frieden sein. Was hast du damit zu tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"61bc69719927cd0d9d5f3cfa12bdb613\">\u201eEuer Handlanger&#8221;, stie\u00df der junge Mann hervor, \u201ekam zu sp\u00e4t! Ich &#8230; war schneller!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75fb2e6eb616f0968c0b70bfb5790bf6\">\u201eSchneller? Du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e90ba257efe5b9c3db83fb3be5d6b27e\">\u201eIch &#8230; bin ihm <em>zuvorgekommen<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"42df41f40960710faa320e33384be711\">Der Schattenmann schwieg und wirkte fast etwas \u00fcberrascht. Ra\u00fdneta sp\u00fcrte ihr Herz bis zum Hals hinauf klopfen. Was redete der <em>b\u00e1chorkor<\/em> da nur? Sie hatte doch Venghi\u00e1r <em>gesehen<\/em> und geh\u00f6rt, und das blutige Hemd. Aber andererseits &#8230; da war das Schwert, dieses sonderbare Schwert aus dem dunklen Metall. <em>B\u00e1chorkoray<\/em> durften keinen Waffen besitzen, h\u00f6chstens ein Messer, um Brot und Holz zu schneiden! Wo war das Schwert \u00fcberhaupt geblieben? Auf dem Weg lag es nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb0d5de51abbac4d5a77422b145fc0d3\">\u201eDas ist <em>\u00e4rgerlich<\/em>&#8220;, meinte der Fremde. \u201eAber es wird nicht viel \u00e4ndern, abgesehen von kleinen Details im Ablauf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bfd61aab4dc621d7aa9acf7259f83505\">\u201eEin kleiner Stein, der in ein Rinnsal ger\u00e4t, vermag dessen Lauf umzulenken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc56360517e65bec8eed262a5dc16c0f\">\u201eGanz recht. Es ist wohl letztlich egal, wer jenen kleinen Stein warf. Aber sprich&#8221;, sagte der Schattenmann. \u201eWer hat <em>dich<\/em> geschickt? Und wie kommst du dazu, anzunehmen <em>ich<\/em> h\u00e4tte etwas mit Herrn Venghi\u00e1rs ungestillter Mordlust und Rachedurst zu schaffen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e13124117f149f818ee104119052f955\">\u201eIch habe es geraten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1263d2f76ba2087041a18b9e33b0fbf8\">\u201eSchlau. Aber du hast mir meine Frage noch nicht beantwortet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fd3cd56c5d7749b643adfaa5fc22a7b\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> keuchte. V ermutlich war seine Lunge versehrt. \u201eEs &#8230; liegt im Interesse hochedler Damen und Herren&#8221;, keuchte er, \u201edie Geschicke von Wijdlant bald zu lenken. In einem anderen Sinne, als es die <em>teiranday<\/em> im Sinn tragen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a97bdedc70c22ea976eddc166f537d1\">\u201eWer \u2013 au\u00dfer Herrn Venghi\u00e1r selbst \u2013 h\u00e4tte wohl einen Nutzen daran, wenn der <em>alte Mann<\/em> verschw\u00e4nde?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e605e6f065feb499e4345d1d03714c8\">\u201eEs gibt andere, denen es nach dem <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Emberbey gel\u00fcstet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"336757413b8b14a9b270756c101812e4\">\u201eWer k\u00f6nnte das wohl sein? Doch nicht etwa die Schatzmeister von Virhav\u00e9t, die die Bucht als Hafenbecken lockt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"786f43a4f6d59f7a3f2e472cff940574\">\u201eDas w\u00e4re kein Geheimnis!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3995f0454b5a27e9d479397a4ae67ede\">Der Pfeil ruckte herum. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schrie und bebte am ganzen K\u00f6rper.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f0b912d985d0a074b31d1d82680ec6a\">\u201eF\u00fcr wie leichtgl\u00e4ubig h\u00e4ltst du mich, <em>b\u00e1chorkor<\/em>? Als ob Virhav\u00e9t einen j\u00e4mmerlichen Mordbuben ausschickt, um die Verhandlungen zu er\u00f6ffnen. Die <em>vendyray<\/em> haben deutlich mehr <em>Stil<\/em>. Und effektivere Mittel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9248360f279b62eef40b2edc4f78e735\">\u201eIch darf es nicht sagen!&#8221;, \u00e4chzte der junge Mann. Der Schwarzgewandete zuckte die Achseln, hob fl\u00fcchtig die Hand. Nun schrie der <em>b\u00e1chorkor<\/em> so gellend, dass es sicher die Hirten in der Ferne weckte. Ra\u00fdneta m\u00fchte sich, es ihm vor Entsetzen nicht gleichzutun.<\/p>\n<p data-p-id=\"596b877907d8fee251301190c6a77765\">\u201eWer?&#8221;, fragte der Fremde. \u201eEs macht keinen Unterschied mehr f\u00fcr dich, wenn du es verr\u00e4tst. Du bist bereits t\u00f6dlich verwundet. Keine <em>doayra<\/em> kann dich noch retten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"caa5c8e05f4a0d59379c240ea1147383\">\u201eIm Osten! In Ferocriv\u00e9 &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"673014b2d8e0bd06ab75e45d856b9e90\">\u201eSo. <em>Yarl<\/em> Ferocriv\u00e9 hat dich also losgeschickt, um den alten Emberbey zu ermorden? Den dahinschwindenden Greis, dem die M\u00e4chte allenfalls noch diesen Winter gegeben h\u00e4tten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"efd74705408cdac48a69978452074df8\">\u201eWen denn sonst?&#8221;, stie\u00df der <em>b\u00e1chorkor<\/em> hervor.<\/p>\n<p data-p-id=\"a20bb1b841e4cba782b1bbe2bf86bb29\">Der Schwarzgewandete verschr\u00e4nkte die Arme. Nun wirkte er am\u00fcsiert. \u201eOh, ich wei\u00df wohl, dass <em>yarl<\/em> Ferocriv\u00e9 dazu neigt, sich allzu unpr\u00e4zise auszudr\u00fccken, besonders, wenn er etwas Geistiges genossen hat. Aber dass er jemanden wie dich ausschickt, ohne Not etwas zu beschleunigen, was ohnehin demn\u00e4chst von allein passiert \u2013 so wirr ist selbst der <em>yarl<\/em> nicht. Der <em>yarl<\/em> hat Geduld.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f218cae473ca66af7ff810c809b3080d\">\u201eHerr&#8221;, wimmerte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>, \u201ewenn Ihr so viel wisst, dann erkl\u00e4rt mir meinen Irrtum. Nach wessen Leben trachtet Herr Venghi\u00e1r?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc13cbcbb416f3f04eba97e647e46014\">\u201eOsse Emberbey, der Sohn und Erbe von Herrn Alsg\u00f6r, ist in diesem Moment einen Viertelmond weiter im S\u00fcden. In wenigen Tagen wird er der <em>neue mynstir<\/em> von Wijdlant und Spagor sein. Und das ist etwas, was in der Tat einigen m\u00e4chtigen Herren Kopfzerbrechen bereitet. Nicht nur den <em>yarlay<\/em> von Ferocriv\u00e9 und Rodekliv. Oder dem n\u00e4rrischen Hei\u00dfsporn, der dich erlegt hat wie ein Waldschwein und bald hier sein wird, um die Sache zu beenden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b615fc5ea3d22b9587a8fa1f0403e2be\">\u201eAch! Verflucht! Dann war es eine Verwechslung, die mich auf diesen Weg f\u00fchrte?&#8221;, stotterte der M\u00e4rchenerz\u00e4hler fassungslos. \u201eDann waren meine M\u00fchen umsonst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0c4d399de51357395df9aeb8dcd3731\">\u201eWieso nur z\u00f6gere ich, dir diese Geschichte abzunehmen?&#8221;, \u00fcberlegte der Schattenmann liebensw\u00fcrdig. \u201eSie erscheint mir f\u00fcr die K\u00fcnste eines <em>b\u00e1chorkor<\/em> doch arg d\u00fcrftig. Ich bin Geistreicheres von deinesgleichen gew\u00f6hnt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7aad1cf407cfa7b1b3ee7c07f9b1e480\">\u201eBitte, Herr &#8230; in Ferocriv\u00e9 haben mir reichen Lohn versprochen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"946bc7e4be6c22a25c3597efa41c9677\">\u201eWie traurig, wozu die Gier nach Gold und Reichtum die Menschen bef\u00e4higt. Ein <em>b\u00e1chorkor<\/em>, der sich zum Mord verdingt &#8230; ein Jammer. Was f\u00fcr eine <em>Verschwendung<\/em>. Was f\u00fcr ein alberner Einfall von den hochedlen Herren. Ich bin gespannt, was Herr Venghi\u00e1r sagt, wenn er davon erf\u00e4hrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9b2b7f719abbf8ef8539712b376d569\">\u201eHerr, ich gelobe, bei den M\u00e4chten selbst, wenn Ihr mich ziehen lasst, dann werde ich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2092adcc76c5aba2806c32c61fd37318\">Er schrie erneut, so schrill, dass man es bis zur Burg h\u00f6ren musste. Der Pfeil bohrte sich tiefer in seinen K\u00f6rper. Ra\u00fdneta beobachtete entsetzt, wie die Federn sich n\u00e4her an den R\u00fccken des Geschichtenerz\u00e4hlers schraubten und zugleich etwas vorn aus seiner Brust hervorbrach wie der Sch\u00f6ssling eines kahlen B\u00e4umchens.<\/p>\n<p data-p-id=\"065f1d6b99cd81cd637ead88bfcc11d3\">\u201eGnade&#8221;, schrillte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. \u201eBitte &#8230; ich wei\u00df doch auch nicht mehr. Ich bin nur ein dem\u00fctiger <em>b\u00e1chorkor<\/em> und sie boten mir Gold, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e956f9bf95bd26a8295f788a6f4a1d67\">\u201eEinen, nur einen Grund w\u00fcsste ich gerne, warum die <em>yarlay<\/em> von Ferocriv\u00e9 und Rodekliv zugleich und unabh\u00e4ngig voneinander einen geheimem <em>f\u00fdntar [\u2248 Henker, hier eher: Lohnm\u00f6rder]<\/em> entsenden sollten, um denselben Mann zu t\u00f6ten. Man h\u00f6rt, die Herren seien Verb\u00fcndete, Partner, beste Kumpane. Vielleicht sogar Freunde. Ich w\u00fcrde mich nicht wundern, wenn der Plan bei einem gemeinsamen Gastmahl geschmiedet wurde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70bedae5bd485cc2e2b026770c7b4640\">\u201eIch wei\u00df nicht, Herr! Vielleicht wei\u00df der eine nicht, was der andere tut. Vielleicht wollten sie einander <em>\u00fcberraschen<\/em> &#8230; voreinander mit ihrem Erfolg prahlen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7cfd62baf0100cf2062808a6072c202\">\u201eNun&#8221;, sagte der Schattenmann nachdenklich. \u201eUm ehrlich zu sein, dies ist tats\u00e4chlich etwas, was mich nicht ernsthaft wundern w\u00fcrde. Menschen sind sonderbar und schwer zu verstehen, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"65ed87e37ef9e57c2ab475d18f14e353\">\u201eWenn Ihr mir nicht glaubt&#8221;, wimmerte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>, \u201edann fragt selbst nach, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ceacbaaf4d199ff7b0ddfba4a56a2cdc\">\u201eIch denke, es gen\u00fcgt, wenn ich daf\u00fcr Sorge trage, dass nicht noch mehr Wirrnis entsteht. Wei\u00dft du, du armer betrogener Taugenichts, eine der ersten Lektionen, die <em>ich<\/em> erlernen musste, die war: Wenn etwas gut getan sein soll, so mache es <em>selbst<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e089faf468b7c5654fecea31a0c11abc\">\u201eDas ist ein weiser Gedanke, Herr. Dann ben\u00f6tigt Ihr meiner sicher nicht weiter, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"933b3a168eae4b05c43bbe5d30b3c1b9\">\u201eNein. Du bist erl\u00f6st.&#8221; Und dann schnellte der Pfeil vorn aus der Brust des Geschichtenerz\u00e4hlers hervor, hinein in die zuschnappende Hand des Fremden. Der Schrei des jungen Mannes war entsetzlich. Er brach in die Knie. Ra\u00fdneta konnte weder den Blick abwenden noch die Augen schlie\u00dfen. Von dem Federende des Geschosses tropfte es auf den Sandweg hinab, aus der Brust des jungen Geschichtenerz\u00e4hlers quoll es heraus wie aus einem Wasserspiel. Dann kippte er zur Seite \u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"291558cc10c82b53566aae347698f4c8\">\u201eSei getrost&#8221;, sagte der Schattenmann mitf\u00fchlend und neigte sich \u00fcber den zuckenden K\u00f6rper. \u201eEs wird vorbei sein, ehe sie dich finden. Ehe sie dich in die Burg schleppen und <em>ihrerseits<\/em> befragen k\u00f6nnen. Ich bin sicher, dass du nicht n\u00e4her wissen willst, was Venghi\u00e1r Emberbey dar\u00fcber gelernt hat, anderen Geheimnisse zu entlocken und in seinem Sinne zurechtzubiegen. Der Geschichte von <em>yarl<\/em> Ferocriv\u00e9s Mordplan w\u00fcrde er sicher ebenso viel Glauben schenken wie einem deiner M\u00e4rchen f\u00fcr Wiegenkinder, das wei\u00dft du doch auch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b6824d6dd0403520cdb96e6b74a8be8\">Ra\u00fdneta hob vorsichtig den Kopf. Wo nur blieben die Verfolger von der Burg? Hatte der unheimliche Fremde mit der sanften Stimme wirklich etwas mit Venghi\u00e1r zu schaffen?<\/p>\n<p data-p-id=\"f74c789bf3fcee8f63fc7fd3219cef18\">\u201eDu sollst wissen, dass es bedauerlich ist, dass dein Tod so nutzlos ist, <em>b\u00e1chorkor<\/em>, geschuldet der Dummheit und den Intrigen von <em>Unkundigen<\/em>, die nicht in der Lage sind, sich untereinander planvoll <em>abzusprechen<\/em>. Ich f\u00fcr meinen Teil vertraue auf den pers\u00f6nlichen Antrieb, der Herrn Venghi\u00e1r in dieser Angelegenheit befl\u00fcgelt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aff951992918f5e21167eed739b1f651\">Er schaute noch einen Moment zu, wie der <em>b\u00e1chorkor<\/em> zitternd vor ihm lag und sich die H\u00e4nde vor die Brust presste. Sprechen konnte der junge Mann nun nicht mehr. Ein, zwei Ger\u00e4usche, eher ein Gurgeln als ein Wort brachte er noch hervor. Dann lag er still.<\/p>\n<p data-p-id=\"12af85b50deb5479452d3f60a8b57923\">Der Schattenmann betrachtete kopfsch\u00fcttelnd den Pfeil und behielt ihn in der Hand, als er sich seinem geduldigen Ross zuwandte und aufsa\u00df. Ra\u00fdnetas Herz klopfte bis zum Hals.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec033c856363c2f7c9155f1f6f68c448\">\u201e\u00dcbrigens&#8221;, redete der Fremde nebenbei weiter, \u201eich <em>wei\u00df<\/em>, dass du da bist, kleines M\u00e4dchen. Ich wei\u00df sogar, wo du dich versteckst. Du m\u00fcsstest dich nicht vor mir f\u00fcrchten. Dass ich den <em>b\u00e1chorkor<\/em> beseitigt habe, ist nur zu deinem Besten. Glaub mir, solche Gestalten bringen nichts als \u00c4rger.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d00c1a4eee936745c0d3b029fd8b9459\">Sie zuckte zusammen. Ihr erster Antrieb war, aufzuspringen. Aber was, wenn er sie nur hervorlocken wollte? Wenn er nur so tat, als wisse er um ihr Versteck? Wenn er sie vielleicht t\u00e4uschen wollte, damit sie sich selbst verriet? Aber was sollte das bringen? Wenn er sie fangen wollte, dann w\u00fcrde sie nicht weit kommen, keinesfalls bis zum n\u00e4chsten Bauerngeh\u00f6ft. Schon gar nicht bis zur\u00fcck in die Burg, wo sie ihres Lebens nicht sicher w\u00e4re, wenn Venghi\u00e1r tats\u00e4chlich in Mordpl\u00e4ne anderer <em>yarlay<\/em> verstrickt war. Und \u2013 warum sollte der Schattenmann das grundlos behaupten?<\/p>\n<p data-p-id=\"fe9dce25bbae6755c7683daf7fa29367\">Und woher konnte er wissen, dass sie \u00fcberhaupt hier war? Er war doch erst gekommen, nachdem sie schon am Boden gelegen hatte!<\/p>\n<p data-p-id=\"745507fe8a0c0b214e140de5df8189a9\">\u201eKomm zu mir, kleines M\u00e4dchen&#8221;, sagte er. Seine Stimme war so herrlich. Wie eine warme Decke, wie der schwere Duft der Rosen, wie eine s\u00fc\u00dfe Honigmilch. \u201eIch tue dir nichts zuleide. Ich bringe dich zur\u00fcck, dorthin, wo ein kleines braves M\u00e4gdelein in deinem Alter um diese Zeit sein sollte. Wo du sicher und unbehelligt bist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"46cfe7a36bc3ee476959e801196a85aa\">Ra\u00fdneta war \u00fcberzeugt, dass er ihr Herz klopfen h\u00f6ren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"10c6b4777cdaf33d2901b3e69d2f4353\">\u201eSolltest du dich vor Herrn Venghi\u00e1r f\u00fcrchten, dann kann ich daf\u00fcr sorgen, dass dir nichts zust\u00f6\u00dft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7806f819a56575ee82462e9a41ab4445\">Ra\u00fdneta kniff die Augen zusammen und ballte die F\u00e4uste. Wie einfach, und wie frei von Verantwortung w\u00e4re es nun, dem Schwarzgewandeten zu folgen, der sie nach Hause bringen w\u00fcrde. Ein Zuhause &#8230; eines, in dem nichts mehr war wie noch am Morgen, als sie den Stoff f\u00fcr das Kleidchen in H\u00e4nden gehalten hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"173c8975db7b5320ad6fb7445927f159\">Sie erschrak vor diesem eigenen Gedanken. Was immer von der Sache, von all den Mordpl\u00e4nen zu halten war: Der Schattenmann hatte dem <em>b\u00e1chorkor<\/em> ohne Mitleid den Pfeil durch den Leib gezogen, ohne ihn auch nur zu ber\u00fchren. Das war nicht normal! Das war &#8230; <em>b\u00f6se<\/em>!<\/p>\n<p data-p-id=\"41d2f17a0b3b9f854f1d4f60bd7a32c4\">\u201eIch kann nicht die ganze Nacht warten. Du kennst den Weg&#8221;, f\u00fcgte der Fremde hinzu. \u201eSei ein kluges, braves Kind, Ra\u00fdneta Emberbey. Du bist noch zu jung, um <em>mitzuspielen<\/em>. Preise die M\u00e4chte f\u00fcr deine Unschuld.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d25bbb310efd74d3fbb007a5fe5e37a\">Er wartete noch einen Moment. Dann spornte er sein Ross an und galoppierte davon, nach Norden, in Richtung der Burg.<\/p>\n<p data-p-id=\"7655376e51b2ff8536608e929382384e\">Es dauerte einige Herzschl\u00e4ge lang, bis Ra\u00fdneta es wagte, ihr Versteck zu verlassen. Zaghaft, mit schmerzenden Gliedern krabbelte sie aus dem Salzkraut und tastete sich zur\u00fcck zum Weg. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> lag reglos da, seine kupferfarbenen Locken schimmerten unter Nokt\u00e1mas Juwel. Der Sand unter ihm war klebrig und verf\u00e4rbt von seinem Blut.<\/p>\n<p data-p-id=\"8265c0c6cfc6f1c0fa87506a2c34609b\">Ra\u00fdneta hatte nie zuvor einen Leichnam gesehen. Sie hockte sich neben ihn und tastete vorsichtig nach seiner Schulter, stupste ihn an und bewirkte damit, dass er auf dem R\u00fccken zu liegen kam.<\/p>\n<p data-p-id=\"9753bf2b8157d6f811d5b725c80ce6f3\">\u201eIst er weg?&#8221;, wisperte der <em>b\u00e1chorkor <\/em>und schlug die Augen auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b1a6187ce1faa6a8081bef21d217cbc\">Ra\u00fdneta kreischte erstickt auf und fuhr zur\u00fcck. Der junge Mann rappelte sich auf. Dass das \u00e4u\u00dferst schmerzhaft war, daran bestand kein Zweifel. Er verzog das Gesicht und atmete schwer.<\/p>\n<p data-p-id=\"61d163204127267bb4977a6edf672f25\">\u201eRasch&#8221;, forderte er. \u201eHilf mir, mein Schwert zu suchen. Ich habe es irgendwo hier in die Wiese geworfen, als das Pferd st\u00fcrzte. Aber fass es nicht an, falls du es findest!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e82bd9dd2b1ea3b0a0651ab129a731d4\">\u201eIch verstehe nicht &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b42623aeb5787896585f20bad89ca88\">\u201eSp\u00e4ter. Wir haben keine Zeit. Hilf mir auf!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3c01d1d66a85790a417ebc964c5eb38\">Sie st\u00fctzte ihn und starrte ihn fassungslos an, als er einige Schritte in das hohe Gras hinein taumelte. Er war ganz offensichtlich schwer verletzt und blutete in Str\u00f6men vom Herzen, aber er war ganz unzweifelhaft bei klarem Bewusstsein.<\/p>\n<p data-p-id=\"eed255a2ccc823f0f11739b664180833\">\u201eKomm!&#8221;, forderte er sie ungeduldig auf. \u201eWir haben keine Zeit! Nicht auszudenken, wenn er es gefunden h\u00e4tte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b08a0c951c77699e78da5faeeeaf23c2\">\u201eAber das Pferd ist weg, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fdf11a76201ba14288a60dc8edc4a07\">\u201eEs wartet in dem W\u00e4ldchen auf uns.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df1d276895477f55bf6f543de046f2f6\">Sie lief hinter ihm her und verstand die Welt nicht mehr.<\/p>\n<p data-p-id=\"61516fd0334da7f07501d6b8a17b8995\">\u201eWarum bist du nicht tot?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fb86d2fb6bd0e00f7cff11b8d22c417\">\u201eDas w\u00e4re gerade jetzt ziemlich undienlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df30e0c5999b506625a2ff93c771a251\">\u201eIch tr\u00e4ume das alles doch nur, nicht wahr?&#8221;, fragte sie verst\u00f6rt. \u201eDas passiert doch alles gar nicht in Wirklichkeit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aeaa3521929ac4169b49b47e174ce989\">\u201eIch w\u00fcnschte, es w\u00e4re so.&#8221; Er beugte sich hinab, hob mit einem Schmerzenslaut sein Schwert auf und nahm sie mit seiner blutigen Hand bei der seinen. \u201eKomm, beeil dich. Sobald er bemerkt, was ich getan habe, sind wir nicht mehr sicher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"182efd4ecb57290860d8f0a4390ed8e7\">\u201eWer ist das gewesen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fec15dd573a050fe5e525ac44d0850ec\">\u201eEin Fehler im Weltenspiel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ace3699af88648bb7863d9bf6f49dbcf\">\u201eEin <em>Fehler<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f7a518541de6e9ab3ada608abaf9fc2\">\u201eEr d\u00fcrfte nicht hier sein! Nicht in Emberbey und schon gar nicht in der Gegenwart. Es ist absurd.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55a516aac26a62f55d48ea99548ae2c3\">\u201eIst das denn wahr? Das mit den <em>yarlay<\/em> von Ferocriv\u00e9 und Rodekliv, und &#8230; Venghi\u00e1r ist aus Rodekliv gekommen und holt Knechte von dort &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13dd1aaa67916639b710fac3dc31dec4\">\u201eDer Schwarze Meister achtet in seinem Hochmut zu wenig auf das, was er preisgibt. Er hat mir best\u00e4tigt, was ich wissen musste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"debe92ba7dca19a11387223001b79bf1\">\u201eDer Schwarze Meister? Wer ist das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92f8dfde6ba41e66b0bec039b171b4de\">\u201eSp\u00e4ter. Das sind Geschichten, die Kinder nicht h\u00f6ren sollten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a376ef402d9f12b1b358c8d161a29b6\">Er wankte ihr voraus. Er musste unfassbare Schmerzen haben, aber mit jedem Schritt schien er wieder kr\u00e4ftiger zu werden. Er klemmte sich das Schwert unter den Arm und kramte in seiner Tasche. Daraus f\u00f6rderte er etwas Ledernes hervor, das Ra\u00fdneta in der Dunkelheit erst f\u00fcr einen leeren Trinkschlauch hielt. In seiner Hand wurde es starr: Es handelte sich um eine kunstvoll gefertigte Scheide, in die er das Schwert zur\u00fccksteckte und schulterte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3250faddcfe06412d5de3caf72088375\">\u201eIch muss mein Gep\u00e4ck klein halten,&#8221; behauptete er, als er ihren verbl\u00fcfften Blick bemerkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e1efd36c166404bfe5d4baf614f99fc\">\u201eDas ist &#8230; Zauberei, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64f0a8811402ec2ef44ef0365f334331\">\u201eJa, aber nur eine ganz mindere. Nicht der Rede wert.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b22be51638430b54dc78650f9dceb67c\">\u201eWem hast du das Schwert weggenommen? Du darfst keines haben. Du kannst daf\u00fcr bestraft werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c709d49f8effb976bcd6c93b5cf5397\">\u201eIch habe es <em>geerbt<\/em>, V\u00f6gelchen. Und ich kann es so einrichten, dass nur diejenigen es sehen, die es sehen m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5df88b649ecf34ebcea87a241ab8ca5c\">\u201eIst das auch Zauberei?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be1d3e5ac23d3ff3bdc1360fd04247ae\">\u201eEs ist praktisch. Und nun komm. Wir m\u00fcssen schnell das Pferd wiederfinden, bevor der Schwarzmantel und dein Weitvetter zur\u00fcckkommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad644f4ac7448bdd975f0a4c58dd1da1\">\u201eGal\u00e9on&#8221;, fragte Ra\u00fdneta, die auch noch ganz zerschlagen war vom Sturz. Aber wenn er so tapfer war, dann wollte sie auch nicht klagen. \u201eDas ist doch alles nur ein Traum, wie im Fieber, oder? Wenn die <em>opayra<\/em> mich weckt, gibt sie mir eine Medizin, und alles wird gut.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"84e74f4f08be49f977a277226f42b716\">\u201eSo einfach ist das leider nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e4db9ac6574e4c845ac31c00ee8baa0b\">Sie z\u00f6gerte. Dann nahm sie ihren Mut zusammen. \u201eWarum hast du dem Mann erz\u00e4hlt, dass du meinen Vater get\u00f6tet hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"812807e6e9c205e050d9ae1b4de0e74c\">\u201eHabe ich das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9e999f93a4a08cd9a45e858a906ae1b\">\u201eDu hast gesagt, du seiest schneller gewesen als Venghi\u00e1r.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b656818322c045c3be487283cf73a35\">Er seufzte und schwieg einen Moment. \u201eWillst du eine L\u00fcge oder eine Geschichte, V\u00f6gelchen?&#8221;, fragte er dann sanft.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e10eaa69090f979ec88e6bb923b4158\">Das Kind verstand, was er damit sagte, und schluchzte verst\u00f6rt auf. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> blieb stehen, holte noch etwas aus seiner Tasche und legte es in ihre H\u00e4nde.<\/p>\n<p data-p-id=\"18eebbb1025dac6e231a84ffc1478c5d\">\u201eTrockne deine Tr\u00e4nen, Ra\u00fdneta Emberbey. Sobald wir das Pferd finden und Vorsprung haben, reiten wir zu <em>yarl<\/em> Althopian. Der bringt dich zu deinem Bruder. Nur in Wijdlant bist du sicher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39b5ee8898aa918982eef3ffd1b1f9ba\">Sie betastete den schimmernden Stoff. \u201eAber &#8230; das ist das Samtbl\u00fctentuch, nicht wahr? Wo hast du es her?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6bad7b8a8939d8b5bde58c499bb0e61a\">\u201eAufgehoben, auf der Treppe. Deinem Weitvetter ist es unbemerkt aus der Hand gerutscht, abgeglitten von dem Blut an seinen H\u00e4nden. Ich hatte es rasch eingesteckt. Herr Wa\u00fdreth hat sicher flei\u00dfige Schneiderinnen, die es bis zum <em>vaspos\u00e1r<\/em> fertig n\u00e4hen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f6cf5b733ce5cf0c06033d91f8671e95\">Sie dr\u00fcckte das Stoffb\u00fcndel an sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"96501a247ee748cc5b6d049f92364b7d\">\u201eUnd jetzt komm, V\u00f6gelchen. Wir haben es nun eiliger als zuvor. Hatte ich dir ein M\u00e4rchen f\u00fcr heute Nacht versprochen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"27fd35fb2f6063aad3dcfef9ec0679be\">\u201eJa. Von den Webern und den Samtbl\u00fcten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2937c0f33f26d3ae71ed213f0e6a0d7c\">\u201eGut. Dann lass deinen Kummer f\u00fcr den Moment ruhen und folge meinen Worten.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2980","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2980","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2980"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2980\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3637,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2980\/revisions\/3637"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}