{"id":2979,"date":"2025-08-25T15:45:30","date_gmt":"2025-08-25T13:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2979"},"modified":"2025-11-15T19:08:22","modified_gmt":"2025-11-15T18:08:22","slug":"015-von-schoenen-damen-in-der-nacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/015-von-schoenen-damen-in-der-nacht\/","title":{"rendered":"015: Von sch\u00f6nen Damen in der Nacht"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"SL_Thumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1992\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/SL_Thumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"57c7d4664d7412680f7cd21ed24950f5\">Herr K\u00e1rar, <i>yarlandor<\/i> von Ferocriv\u00e9, grummelte unwillig, als ihn der Lichtschein weckte. Sein Knappe war also zur\u00fcckgekehrt, nachdem er vorhin schon so unbotm\u00e4\u00dfigen L\u00e4rm gemacht hatte, als er eilig aus dem Zelt gest\u00fcrzt war, angetrieben von \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel Bier. Konnte der Nichtsnutz seine Lampe nicht l\u00f6schen und einfach still zur\u00fcck auf sein Nachtlager gehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"3c39e68590ae3c05ff3a22621969faec\">\u201eSei leise, Kerl, und mach das Licht aus&#8221;, grunzte der junge Ritter aus dem <i>yarlm\u00e1lon<\/i> jenseits der S\u00fcmpfe ver\u00e4rgert und warf sich auf seinem Reisebett herum, dass dessen Lederriemen nur so knarrten. \u201eIch brauche meine Ruhe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b03e48dcbadfa28c1b3ee7a28d41f02\">\u201eJa, Herr&#8221;, nuschelte der Junge eilig und pustete die Handlaterne mit dem kleinen schwimmenden Licht aus. \u201eVerzeihung, Herr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"551a7daef566b058b07a6ff0f5e58f43\">Einen Moment lang lag der Ritter still. Aber es half auch nichts, dass der Dummkopf versuchte, lautlos zu atmen. Nun war K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 wach und sp\u00fcrte seinerseits \u00e4rgerlich den Druck auf seiner Blase. Mit einem Seufzer stemmte der junge Mann sich auf. \u201eHervorragend. Jetzt muss ich auch ins Freie. Gib mir das Licht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4fab549b0d3634defe674bce1b6dc1c\">Der Junge, der den <i>yarlandor<\/i> auf dem weiten Weg nach Westen begleitet hatte, um ihm mit Pferd, Gep\u00e4ck und Waffen zur Hand zu gehen, beeilte sich, im Dunklen die Z\u00fcndh\u00f6lzer wiederzufinden. Es dauerte einen Moment, bis er damit zurande kam.<\/p>\n<p data-p-id=\"790addf8ca4d6c0d5d96cf164898f976\">\u201eSeid vorsichtig, wenn Ihr rausgeht, Herr! Nicht, dass Ihr die Leute aufst\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4ea1a867ffa9c788744dfcb09179d4d5\">\u201eIch gebe wohl acht, dass die Idioten hier mich nicht bemerken, Rolk. Ich veranstalte keinen L\u00e4rm wie du. Oder wie ein toll gewordenes Waldschwein &#8211; was keinen Unterschied macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c61aac7d6663f48df3042fd21fa7088\">\u201eSo d\u00fcrft Ihr aber nicht vor den sch\u00f6nen Damen reden, Herr!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40c0831939c13d7c03737c17511e6bcc\">Herr K\u00e1rar, der eigentlich vorgehabt hatte, sich schlicht gegen das pomp\u00f6se Zelt seines Konkurrenten aus dem fernen Ycelia gleich gegen\u00fcber zu erleichtern, stutzte. \u201eWelche Damen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d3d4bf3924a65bc6b86dc5e3fa73d5c\">\u201eNa, die Damen drau\u00dfen, ein paar Schritte nordw\u00e4rts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"996893db8f2184eed88606a4cf959cea\">\u201eHier bei den Zelten sind keine Damen, Rolk. Du bist besoffen.&#8221; Es sei denn, r\u00e4umte er f\u00fcr sich ein, irgendjemand habe an dem strengen Zeltmeister vorbei das eine oder andere Freudenm\u00e4dchen eingeschmuggelt. Aber das war unwahrscheinlich. Nein \u2013 unm\u00f6glich. Nicht hier, nicht in Wijdlant. Hier achtete man auf <i>Z\u00fcchtigkeit<\/i>.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4f3cdf3072bcc4f7166a83e14a931f7\">\u201eDoch nicht in den Zelten, Herr. Dr\u00fcben, auf der Lichtung, hinter den B\u00e4umen. Pr\u00e4chtige <i>f\u00e1njula\u00e9<\/i>.&#8221; Rolk kicherte betrunken, ein absurdes Ger\u00e4usch irgendwo zwischen knabenhafter Versch\u00e4mtheit und einer aufkeimenden L\u00fcsternheit, f\u00fcr die er l\u00e4ngst nicht alt genug war. \u201eEine blond und eine dunkel &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94fd307256ea16ff4038e94abfce976c\">\u201eDas hast du getr\u00e4umt, Bursche. Rede nicht so einen Schwachsinn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"29ce74d01a2d291908b3e9c3886e9a0d\">\u201eAber ich hab es doch gesehen, Herr! Ganz deutlich hab ich es gesehen! Ein Ritter war auch bei ihnen, in blankem Goldzeug.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a62491e6f310b7bd2315a116233dddcd\">\u201eIn <i>Goldzeug<\/i>, soso.&#8221; K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 grinste. Das wurde ja fast drollig. Als er selbst in Rolks Alter gewesen war, da hatte er mehr zu trinken vertragen, ohne wirre Wunschbilder zu sehen. \u201eAus Aur\u00f3p\u00e9a dann wohl, was?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ed04e19d414ec3ffc86fe8918294f98d\">\u201eM\u00f6glich, Herr, ganz gut m\u00f6glich. So ein gro\u00dfer, langhaariger Blonder. Bunte Gew\u00e4nder, Eisenzeug aus Gold. Goldzeug eben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"445c3e517aca66aa6eb6795358ff3d4b\">\u201eDann lass mal h\u00f6ren. Erz\u00e4hl mir, was f\u00fcr <i>Damen<\/i> du da gesehen hast.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d7de47057a8cc651b8e7dc137d041a17\">\u201eOh, Herr, von den schwarzhaarigen hab ich nur den R\u00fccken gesehen. Ein herrlicher R\u00fccken. So sch\u00f6n wie &#8230; wie die von den pr\u00e4chtigsten <i>f\u00e1njula\u00e9<\/i> auf den alten Bildern in der Badestube in der Zwischenburg.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69f3aa32e1f3409de76f13f2c19a234f\">\u201eUnd weiter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"33aacc8d08446b1c12d35c64f8c278e3\">\u201eWeiter, Herr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a598b5469e557e97174203fea0131978\">\u201eWenn du sie nur von hinten gesehen hast, woher willst du wissen, ob sie nicht ein ungestaltes Gesicht hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ca95fbb188c3960e59a5fcc1e9ac4179\">\u201eDie nicht, Herr. Die war &#8230; war &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ae8dcba0f92d6f833acecba5a9dd3b7\">\u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a550b9bc2223ff54160e42ddcededf59\">Rolk runzelte verwirrt die Stirn. Offenbar waren ihm die Worte ausgegangen. \u201eHei\u00dfer als ein Schmiedefeuer&#8221;, sagte er schlie\u00dflich inbr\u00fcnstig und verwirrte seinen Herren mit solch gef\u00fchliger Ausdrucksweise.<\/p>\n<p data-p-id=\"5e546a4268901bbc3c81b9c662b1c392\">\u201eUnd das andere Weibsbild? Hast du wenigstens von der etwas mehr gesehen als Haar und Schultern?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"193c10ccb167381f2f001e3e6d7ab1e2\">\u201eOh ja, Herr. Die Blonde &#8230; also, die war jung, zierlich, wohlgestalt, <i>fast<\/i> so anmutig wie die <i>teirandanja<\/i>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"12d13054846a3bdfd2c6cf9fa94ec1e3\">Der Ritter fragte sich, woher Rolk einen solchen Vergleich nahm. Der Knappe war nicht zugegen gewesen, als Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor am Mittag gemeinsam mit ihrer Hofdame und jenem <i>yarl<\/i>, der zu ihrem Schutz abgestellt war, das Zeltlager besucht hatte. Er selbst hatte den Jungen etwas zuvor zu einigen Besorgungen losgeschickt. Andererseits \u2013 diese Beschreibung war bemerkenswert frei von den unkeuschen Details, die zu erwarten waren, wenn heranreifende Burschen aus den Lernh\u00e4usern des <i>yarlm\u00e1lon<\/i> sich verf\u00fchrerische Weibspersonen zusammenfantasierten.<\/p>\n<p data-p-id=\"c08823539f162e590b6a23354e3ad600\">Ob <i>tats\u00e4chlich<\/i> jemand die Dreistigkeit gehabt haben sollte, sich seine eigenen Lustgespielinnen zu einem <i>vaspos\u00e1r<\/i> mitzubringen? In H\u00f6rweite der anderen Herren und ihres Gefolges, und noch dazu des <i>maedlor<\/i>, der das Lager der G\u00e4ste beaufsichtigte? Einem dekadenten K\u00e4mpfer aus dem S\u00fcden, wo man Gold nutzte wie anderswo Eisen, war das zuzutrauen. Denn wenn der Mann, den Rolk zu sehen geglaubt hatte, tats\u00e4chlich echt war und aus Aur\u00f3p\u00e9a kam, war es mit Sicherheit kein <i>yarl<\/i>, sondern allenfalls ein beg\u00fcterter Gro\u00dftuer aus der Stadt. Solchen Gecken war es zuzutrauen, dass sie ihre M\u00e4dchen mitbrachten, um die N\u00e4chte nicht allein zu verbringen. Dreist und ungeh\u00f6rig, aber es waren schon schamlosere Dinge geschehen im Weltenspiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"12979060f9e9469de9bb9e38a7622299\">\u201eUnd? Was hatte die Blonde so zu bieten? Ich meine, so obenrum zum Beispiel?&#8221; Herr K\u00e1rar untermalte seine Worte mit einer unkeuschen Geste, um dem begriffsstutzigen Kerl auf die Spr\u00fcnge zu helfen. Rolk schaute bl\u00f6d, dann ging ihm ein Licht auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"427fea1007397fb0eacb07422d90b5f4\">\u201e<i>Das<\/i> hab ich nicht gesehen&#8221;, gab er zu und err\u00f6tete. \u201eSie hatte ein loses Kleid an. Ein gelbes.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2757839c73d527d4279c448bbb142ab6\">\u201eEin <i>gelbes<\/i> Kleid?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09deec03b0b3b3254ababa226353d499\">\u201eNaja, nicht so richtig gelb wie eine Sonnenbl\u00fcte. Eher so wie &#8230; wie Honig. Sah mindestens aus wie eine <i>Edelmagd<\/i>. Ein vornehmes Hauskleid, ein Wappenkleid. Kein Bauernzeug.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"261e584dfe83155f60ce5b73256979f9\">\u201eWoher wei\u00dft du das alles so genau? Es ist dunkel drau\u00dfen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"329d57baa28922c42b7aa554475e3b2a\">\u201eSie hatten ein Licht, Herr. Sa\u00dfen um ein kleines Feuer und haben geredet. Aber verstanden hab ich nichts&#8221;, beeilte Rolk sich, klarzustellen. \u201eIch hab nicht gelauscht, Herr! Wirklich nicht. Waren auch zu weit weg.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"951eeeb13440d684bffffd2580c77a1f\">\u201eVielleicht hast du all das doch nur getr\u00e4umt?&#8221;, fragte K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 geduldig. \u201eDu hast weit mehr gesoffen, als du vertr\u00e4gst. Und wenn einem das Bier bis in den Sch\u00e4del schwappt, dann sieht man schon einmal Dinge &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a46c95d45a27f2e9eeb3bdfea78f5d6\">Rolk schaute ratlos drein. M\u00f6glicherweise zog er in Zweifel, ob er <i>wirklich<\/i> gesehen hatte, wovon er gerade noch \u00fcberzeugt gewesen war. Seinem Herrn zu widersprechen wagte er jedenfalls nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"9dfe5694b00a2b1d14c54af40bb68670\">K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 erhob sich. Was immer sein Knappe sich da zusammengesponnen hatte, l\u00e4nger konnte er selbst sein Wasser jetzt nicht mehr halten. \u201eSchlaf deinen Rausch aus&#8221;, wies er den Jungen an. \u201eMorgen gibt es viel zu tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb44c5c8f8b04d51279a9b31f7215bbf\">Rolk schloss gehorsam die Augen. Der Ritter schl\u00fcpfte durch den Zeltausgang ins Freie, reckte sich und schaute sich um. Das Lager war vorl\u00e4ufig noch recht \u00fcbersichtlich, nur etwas mehr als ein Dutzend Zelte standen zwischen der Turnierwiese und dem Waldrand. Hier und da drang das Schnarchen schlafender Edler und ihrer Gefolgsleute durch die Leinw\u00e4nde. K\u00e1rar Ferocriv\u00e9s Zelt war klein, aber er war nicht der Einzige, der mit bescheidenem Gep\u00e4ck und einem Begleiter angereist war. Schlicht und unauff\u00e4llig war die Unterkunft f\u00fcr ihn und seinen Knappen. Genau so wie sein Vater es angeordnet hatte, wies keine Farbe und schon gar kein Wappen auf die Herkunft des jungen Ritters hin. Die sollte so lange als m\u00f6glich geheim bleiben und es war Herrn K\u00e1rar so auch ganz recht. Namentlich nicht genannt am Turnier teilzunehmen, das war erlaubt, bis zum Fall eines Sieges. Das Schweigen um seine Herkunft ersparte ihm vorerst viele dumme Fragen der Mitstreiter. Wenn nur Rolk sich nicht verplapperte!<\/p>\n<p data-p-id=\"64e838f96ba290d85cd5467e42e7b837\">Das protzige Zelt des <i>yarl<\/i> aus Ycelia gegen\u00fcber dem seinen bot seinen Bewohnern viel mehr Platz, doch auch darin wurde h\u00f6rbar tief und fest geschlafen und geschnarcht. Das Honigbier, das K\u00edan\u00e1 von Wijdlant und Asga\u00fd von Spagor ihren fr\u00fchen G\u00e4sten gro\u00dfz\u00fcgig hatten ausschenken lassen, war exzellent, aber sehr stark, wenn man d\u00fcnneres Ges\u00f6ff gewohnt war. Wachen gab es hier nicht. Wozu? Welcher Narr k\u00e4me auch auf die Idee, ein Zeltlager voller Ritter, ehrgeiziger K\u00e4mpfer und Waffenknechte zu \u00fcberfallen?<\/p>\n<p data-p-id=\"e09cf7e0ef89c38406a31e5541a0e447\">K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 schlich hin\u00fcber und verteilte das zuvor Getrunkene mit erleichtertem Grinsen an der bunt geschm\u00fcckten Zeltwand des Mitbewerbers. Ob der Goldger\u00fcstete auch hier sein Zelt aufgeschlagen hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"23680819538d269d4f4704b1db7ef87d\">Ein K\u00e4mpfer aus Aur\u00f3p\u00e9a also, der zu nachtschlafender Zeit mit zwei Damen im Wald vertrauliche Gespr\u00e4che f\u00fchrte. Einer Dame mit einem <i>honiggelben<\/i> Gewand. War es m\u00f6glich, dass es sich bei der Sch\u00f6nen um die <i>yarlaranda<\/i> von Emberbey handelte, eine der Hofdamen der <i>teirandanja<\/i>? Die hatte er gesehen, fr\u00fcher am Tag. Ein wahrhaftig wohlgestaltetes M\u00e4dchen, etwas albern vielleicht. Blond war sie, das passte. Und sie trug, so wie es Sitte war, ein kostbares \u00dcberkleid in den Farben ihrer Familie, in diesem Fall bernsteingolden. So wie das Wasser der Bucht, wo die Burg des <i>yarlm\u00e1lon<\/i> stand, wenn Patagh\u00edus Glanz hinter den Horizont sank. Dass die <i>yarlaranda<\/i> sich hier in der Gegend herumtrieb, vielleicht im Geheimen und mit eigenen Pl\u00e4nen, war zumindest nicht ausgeschlossen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0f6ba1d4ec93c23223205c390a9a544c\">Aber wer mochte die zweite r\u00e4tselhafte Dame mit schwarzem Haar sein, die von der Rolk nur den bet\u00f6renden R\u00fccken gesehen hatte? Schwarzhaarige <i>f\u00e1njula\u00e9<\/i> sah man n\u00f6rdlich des Montaz\u00edel nicht alle Tage, und wenn sie wirklich so sch\u00f6n war, dass allein ihre Kehrseite den Knappen schon so in Verz\u00fcckung st\u00fcrzte, h\u00e4tte sich ihre Gegenwart l\u00e4ngst unter den Herren und ihren Knechten herumgesprochen. Also schien sie zu dem mysteri\u00f6sen Kerl in der Goldr\u00fcstung zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p data-p-id=\"1800ae0b170d1051deaf71ee84a6889f\">K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 \u00fcberlegte. Was es wohl mitten in der Nacht im Wald zu bereden gab? Ob etwas Geheimes abgesprochen wurde? Ob es um das <i>vaspos\u00e1r<\/i> ging? Passen w\u00fcrde das, wenn das Haus Emberbey \u2013 mit oder ohne Wissen der <i>teiranday<\/i> \u2013 einem Favoriten Vorteile verschaffen wollten. Hatte sein Vater, <i>yarl<\/i> Ebbmo Ferocriv\u00e9, nicht oft genug gemahnt, dass den Herren von Emberbey nie und nimmer zu trauen sei? Wieso sollte es bei den Weibern aus dieser Brut anders sein?<\/p>\n<p data-p-id=\"609da70f92648886f9a139484db46d6e\">Nordw\u00e4rts im Wald? Vielleicht war es noch nicht zu sp\u00e4t. Vielleicht waren sie noch da. Mit eigenen Augen wollte er sie sehen, den Gecken in der Goldr\u00fcstung, die bernsteinfarben gewandete und das verf\u00fchrerische Weibsst\u00fcck mit dem bet\u00f6renden R\u00fccken!<\/p>\n<p data-p-id=\"18ee525f7da03e941576a0c35bd37485\">Und so machte K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 sich auf den Weg. Weit fort konnten die geheimnisvollen Verschw\u00f6rer nicht sein. Vielleicht konnte er noch etwas herausbringen!<\/p>\n<p data-p-id=\"d0eafdf07997a04d9ded5d1c57c2d69c\">Doch als der Ritter auf der Lichtung ankam, war dort rein gar nichts zu sehen. Dass er an der richtigen Stelle war, das zeigte das an, was Rolk hinterlassen hatte und noch nicht g\u00e4nzlich versickert war. Doch so sehr der junge Ritter mit seiner Lampe den Boden ableuchtete, es war nicht die kleinste Spur eines Feuers zu finden. Nur ein paar heruntergebissene Str\u00e4ucher waren zu sehen, und darum herum Klauenabdr\u00fccke, die zu einem kapitalen Hirsch geh\u00f6ren mussten. Und einige B\u00fcschel Fell in den Dornen und an der rauen Rinde eines Baumes, bunt wie das Gefieder eines Prachtvogels.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c16c69bd8bda6fa1ab4de6c7d389a9d\">Der junge Ritter pfl\u00fcckte das Haar verwirrt vom Busch. Seidenzart war es. Kein Pferd, kein Waldschwein, kein Schwarzhirsch hatte einen solchen Pelz. Und doch \u2013 K\u00e1rar Ferocriv\u00e9 hatte genug \u00fcber die alten Zeiten, \u00fcber die vergangenen Kriege gelesen und von seinen <i>mestaray<\/i> geh\u00f6rt, um sich auszumalen, welcher Art von Tier ein solches Fell geh\u00f6rte. Es geh\u00f6rte nicht hierher, nicht auf die Nordseite des Montaz\u00edel. Aber goldenes R\u00fcstzeug erkl\u00e4rte, wer es hergebracht hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"81d2682e92b5241f5469543c489af2af\">Bei den M\u00e4chten! Wie sch\u00f6n mussten die <i>f\u00e1njula\u00e9<\/i> gewesen sein, dass Rolk dar\u00fcber das <i>Unget\u00fcm<\/i> \u00fcbersehen hatte, das <i>solche<\/i> Spuren hinterlie\u00df! Und wie durchtrieben die <i>teiranday<\/i> von Wijdlant, einen solchen Verrat zu begehen!<\/p>\n<p data-p-id=\"8a7ab20ec0ab3262ce329c7dcb399a4e\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"86f615f05bd621b008435b9509648cc5\">\u201eBedien dich&#8221;, sagte Manj\u00e9v.<\/p>\n<p data-p-id=\"37518de7333bf9ae8c967773ae3a10fb\">Advon schaute sich Hilfe suchend nach D\u00fdamir\u00e9e um. Die zuckte die Achseln. Das Gesicht der Schattens\u00e4ngerin war hinter ihrem Schleier zwar verh\u00fcllt, aber dass ihr die Sache unbehaglich war, konnte auch das schwarzsilberne, hauchzarte Tuch nicht verbergen. Je l\u00e4nger sie z\u00f6gerten, desto wahrscheinlicher w\u00e4re es, dass jemand vom K\u00fcchenpersonal in die Vorratsr\u00e4ume hineingehen wollte, die von hier aus zug\u00e4nglich waren. D\u00fdamir\u00e9e gab sorgsam darauf acht, nicht unachtsam M\u00e4nner in Gefahr zu bringen, die ahnungslos in ihre N\u00e4he gerieten. Aber in ihre Eichh\u00f6rnchen-Verkleidung schl\u00fcpfen, konnte sie jetzt nicht, denn es galt, Dinge zu transportieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"0e6bd804cf97e975cbd2003cd11c0a48\">\u201eGreif zu&#8221;, wiederholte die <i>teirandanja<\/i>. \u201eHier ist alles, was du brauchst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3aa3f23b2eae6f3e839466aad9202d15\">\u201eAber das ist s\u00e4mtlich alt und <i>kaputt<\/i>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"397c84280c09ff27e1b29e30090bdc02\">\u201eEben. Niemand wird es vermissen. Und es d\u00fcrfte doch kein Beschwernis f\u00fcr euch sein, es wieder heil zu zaubern, oder? Anders kann ich dir auf die Schnelle kein unmagisches Zeug beschaffen. Meine <i>yarlandoray<\/i> haben sich schon vor vielen Monden um ihr Eisenzeug gek\u00fcmmert. Du bist sp\u00e4t dran, Advon Ir\u00edsolor.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fbafd0bc92516ec90bcee573e7c05b3c\">\u201eEs wird ein Problem sein, den Plunder durch die T\u00fcr zu bringen. Egal, ob kaputt oder nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"56c7ca595915e8888383b9dff817c0fe\">\u201eDu musst doch einfach nur <i>wollen<\/i>, dass uns niemand bemerkt, oder erinnere ich mich da falsch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"67dd4962780e287cb9861b8082609a28\">\u201eEs ist <i>Altmetall<\/i>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"19b25f31363245a2f07017f8b9be79e6\">\u201eWillst du am <i>vaspos\u00e1r<\/i> teilnehmen oder nicht? Einen Regenbogenritter lassen sie nicht zu. Das w\u00e4re gegen die Regeln. Du musst dich verkleiden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0823c6a085ed209b2c15c74cce23b543\">Advon Ir\u00edsolor seufzte. \u201eEs ist anstrengend&#8221;, behauptete er. \u201eJe mehr Menschen ich ablenken muss, desto m\u00fchsamer wird es.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"861c24294dfc03b544e86e86556d3b07\">\u201eIch helfe euch tragen. Ihr seid l\u00e4ngst mit Farbenspiel aus der Burg heraus, bevor zu viele Leute erwachen und hier einherlaufen. Also?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7069ee17098252a3526bda183661312\">Der Regenbogenritter seufzte. Dann begann er, aus all den alten, rostigen und schartigen Schwertern eines herauszusuchen, das noch im besten Zustand zu sein schien.<\/p>\n<p data-p-id=\"caa530c2ab421cb9b57561311f614213\">\u201eEinen Streitflegel brauchst du auch&#8221;, erkl\u00e4rte Manj\u00e9v eifrig. \u201eAber nimm dich damit in acht! Das ist Merrits gef\u00e4hrlichste Gabe. Er kann mit so einer Waffe glatt dicke Bretter durchschlagen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3cee6087f46841b2ce7a6ed1b9a04e27\">\u201eIch verstehe nicht, warum du willst, dass ich den <i>Favoriten<\/i> des <i>teirandon<\/i> aus dem Feld schlagen soll. Das ist nicht richtig, Manj\u00e9v! Euer Ansehen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d68cb5ef477d2b0792eb271aaeec780\">\u201eMerrit muss dieses Turnier \u00fcberhaupt nicht gewinnen. Wer der Sieger bei dieser Veranstaltung ist, hat \u00fcberhaupt keinen Einfluss darauf, wer m\u00f6glicherweise mein <i>h\u00fdardor<\/i> wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6755a6121f197c118b8ac15ccc38bbf1\">\u201eWarum hast du denn dann Angst, dass er gewinnen <i>k\u00f6nnte<\/i>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c10b2fd7101d659745715f889e5b0e48\">Manj\u00e9v griff nachdenklich nach einem zerschlagenen Schild, dessen Aussehen darauf schlie\u00dfen lie\u00df, dass er seinem urspr\u00fcnglichen Besitzer mehr als einmal das Leben gerettet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9eaa270431c70897080f653be31a83ff\">\u201eDas verstehst du nicht. Das &#8230; verstehen nur <i>f\u00e1njula\u00e9<\/i>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ddd51618f59428eda715f20151ddb9cf\">\u201eIch verstehe es auch nicht&#8221;, widersprach D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p data-p-id=\"b12504386b583f7a79105f17402f08f5\">\u201eAlle <i>erwarten<\/i>, dass ich mich f\u00fcr ihn entscheide&#8221;, sagte Manj\u00e9v leise. \u201eUnd er wird alles daran setzen, mir zu beweisen, dass er der Beste ist. Ich wei\u00df doch, dass er mir gefallen und dienstbar sein will. Merrit Althopian w\u00fcrde <i>alles<\/i> f\u00fcr mich tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2d792e32e79b269f1e8730455e32a4c\">\u201eUnd wo ist das Problem?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"25899f97178458a785c64a22b75a3048\">\u201eEs ist &#8230; falsch! Es darf nicht so kommen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eee78c5559196dd80d4b7079cc0f061b\">\u201eWarum l\u00e4sst du nicht einfach den Dingen ihren Lauf? Vielleicht ist unter den Mitstreitern einer, an dem Merrit sich selbst die Z\u00e4hne ausbei\u00dft. Vielleicht ist dieser <i>yarlandor<\/i> aus Ycelia viel st\u00e4rker und geschickter als Merrit. Das br\u00e4uchte mich und meine K\u00fcnste dann nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7f7ee2f4ddf908ceed9150a6d1222c65\">\u201eDas ist mir nicht sicher genug. \u2013 Advon, du brauchst auch noch Eisenzeug. Das ist wichtiger als die Waffen. Der Helm da &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d7fb7fa6dde072e4c0334f99c9be4b8a\">\u201eDu willst, dass ich Merrit vor den anderen K\u00e4mpfern <i>besch\u00e4me<\/i>, notfalls mit Magie. Das ist nicht nett von dir, Manj\u00e9v.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e9ad2ece569d78b4926339af382cb58\">\u201eIch will nicht, dass er sich Hoffnungen macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5efcade553bc3905bdd9c0194b4733ce\">\u201eWenn du ihn nicht als <i>h\u00fdardor<\/i> haben willst, dann sag ihm das doch einfach. Es wird ihm das Herz brechen, aber dann ist die Qual f\u00fcr euch beide vorbei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4e6fe91e2ce9bf55a55921d9dd9b27c\">Manj\u00e9v blickte zu Boden und wich Advons blaugoldenem Blick aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"6765acd7b842dbad05c6477d6592b6e1\">\u201eIch kann es euch nicht sagen. Es &#8230; ihr w\u00fcrdet es nicht verstehen. Nicht jetzt. Lasst das <i>v\u00e1sposar<\/i> erst einmal vorbei sein. Dann verrate ich euch, was mich antreibt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d754d0dcedf23196cb80b340e9c71886\">\u201eWarum sollten wir bei etwas mitmachen, ohne zu wissen, wozu es gut ist? Wie sollten wir das mit unserem Gewissen in Einklang bringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"57acf0719ed32c15339be2e8c63c08fe\">\u201eIch w\u00fcrde nie von euch etwas verlangen, das nicht den M\u00e4chten gef\u00e4llig w\u00e4re. Ihr werdet das sp\u00e4ter verstehen. Aber du hast es mir versprochen, Advon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5a2c756ed76e8bb65e30896577d69b12\">\u201eJa, weil ich dachte, es ginge um etwas <i>Harmloses<\/i>. Besser h\u00e4tte ich mir die Zunge abgebissen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b8890707756cb75b7ec5c044f846259\">\u201eHabt ihr beiden denn kein Vertrauen in mich? Denkt ihr, ich w\u00fcrde etwas den M\u00e4chten ungef\u00e4lliges im Herzen f\u00fchren? Kennt ihr beiden mich denn so schlecht? Ich hatte gedacht, wir sind Freunde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"76746675202ee202c79f8072701b0780\">Der Regenbogenritter wechselte einen zweifelnden Blick mit der Schattens\u00e4ngerin. Dann probierte er den Kopfschutz an.<\/p>\n<p data-p-id=\"272feac1295d6f139a4af1a9a0465121\">Manj\u00e9v biss sich auf die Lippen. \u201eIhr werdet doch euren Eltern nichts davon erz\u00e4hlen, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8e99e11496411e78268cb5503384a0d\">\u201eIch bin eine<i> camatay&#8217;ra<\/i>&#8220;, sagte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eIch kann nicht l\u00fcgen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e58cbda5ac40f740caf1ec3e97d1b391\">\u201eUnd ich kann dir nicht versprechen, dass ich es verheimlichen kann. Meine Mutter ist eine <i>f\u00e1jia<\/i>, sie l\u00e4sst sich nicht t\u00e4uschen.&#8221; Er reichte ihr den Helm. \u201eUnd wenn sie es herausbekommen, dann kann das f\u00fcr uns alle gro\u00dfen \u00c4rger geben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be430b7570bee1f909edcd31ed77acb3\">\u201eWenn dein Vater und deine Mutter dir erlaubt haben, mich um die Teilnahme zu bitten&#8221;, sagte Manj\u00e9v stirnrunzelnd, \u201ewo ist dann <i>euer<\/i> Problem?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"25fbdc47f1f5bd8e0e3c4bf802aea783\">\u201eIch habe darum gebeten, um auf dich und deine Leute <i>aufzupassen<\/i>. Weil Meister Yalomiro ein schlechtes Gef\u00fchl bei der ganzen Sache hat und die M\u00e4chte uns r\u00e4tselhafte Hinweise offenbart haben. Nicht, um in deinem Sinne dieses Turnier zu manipulieren, nur weil Merrit dir mit irgendetwas Verdruss bereitet hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a17e92d17e52d564673fe1a8793a1bc1\">\u201eWir sind hier, um Magie abzuwehren, Manj\u00e9v&#8221;, erg\u00e4nzte D\u00fdamir\u00e9e sanft. \u201eNicht, um uns in die Dinge von Unkundigen einzumischen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2eb5b90fa40bde602c25135f08170aa7\">\u201eAber es ist &#8230; Advon, D\u00fdamir\u00e9e \u2013 ich <i>kann<\/i> es euch nicht erkl\u00e4ren. Ich wei\u00df, wie das alles aus eurer Sicht klingen mag, aber es ist anders, als ihr denkt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0aae72e7b7401ea0ad2e4e078c6492ff\">\u201eWarum verabscheust du Merrit Althopian, Manj\u00e9v?&#8221;, fragte die Schattens\u00e4ngerin. \u201eWas hat er dir getan?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"70bda54355c7e9898131b5c49d3c9659\">\u201eAber ich verabscheue ihn doch nicht!&#8221;, rief die <i>teirandanja<\/i> erschrocken aus. \u201eBei den M\u00e4chten &#8230; so d\u00fcrft ihr nicht von mir denken! Es ist alles ganz anders, als es scheint.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e2cbdfda2a64990a4dc7a5f1945a19d\">Advon Ir\u00edsolor seufzte und dr\u00fcckte der <i>teirandanja<\/i> einen rostigen Streitflegel in die Hand. \u201eHier. Trag das. Und nun lass uns schnell von hier verschwinden. Wenn dir noch etwas einf\u00e4llt, was ich haben oder wissen sollte, lass dir was einfallen und bring es raus auf die andere Seite der Mauer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb72ba9abcda265f4a565e0397c2478d\">\u201eWir bleiben in der N\u00e4he. Doch f\u00fcr heute ist unsere Zeit um. Wir m\u00fcssen Farbenspiel holen, bevor er drau\u00dfen noch mehr in den Beeten nascht. Und du musst Truda schnell ihr Kleid zur\u00fcckgeben. Niemand darf wissen, dass wir hier waren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a259681421c6c42098ee5c0e489cf64c\">\u201eAuch Osse nicht, wenn er morgen oder \u00fcbermorgen mit den anderen ankommt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"89aa6f5d66bc442f23d52809c797c54a\">\u201eNein. Lass es f\u00fcr alle anderen eine \u00dcberraschung werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0ef9d7e8cd01e2281e8cca22427c7d6\">Die <i>teirandanja<\/i> senkte den Blick \u201eDanke. Ich danke euch beiden f\u00fcr euer Vertrauen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9a41586a5d4616010b6a9a83f3701cd\">\u201eDas ist Vertrauen gegen Vertrauen, Manj\u00e9v. Wir vertrauen darauf, dass du wei\u00dft, was du tust, und dass du es nicht zum Schaden eines anderen so willst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6fd28622854f77c0db194681bfaf61c9\">\u201eIch w\u00fcnschte, ich <i>k\u00f6nnte<\/i> es euch anvertrauen. Aber &#8230; um ehrlich zu sein, ich wei\u00df selbst nicht, was ich euch erz\u00e4hlen soll. Nicht &#8230; bevor es <i>geschieht<\/i>. Ich glaube, erst dann werde ich die richtigen Worte daf\u00fcr haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66f5bb4c16beb0dd21896047ccdb8d9d\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"88964bbc3c165dc4edc1a2cdff8ef02e\">Niemand hatte sich erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, wie es zugegangen war, dass das Burgtor sich einfach so geschlossen hatte, mit einer Wucht, die nicht mit der Tr\u00e4gheit der dicken h\u00f6lzernen Seitenteile zusammenpasste. Ebenso unerkl\u00e4rlich blieb, dass die Torfl\u00fcgel sich nicht verr\u00fccken lie\u00dfen, fast als seien sie mit einem Riegel von au\u00dfen gesichert. Doch Venghi\u00e1r Emberbey blieb besonnen. Ein Teil der Knechte m\u00fchte sich, die T\u00fcr aufzuschieben, was jedoch nur fingerbreit um fingerbreit gelang. Derweil gebot der junge Mann dem Torw\u00e4chter aus Rodekliv und drei weiteren, die er f\u00fcr geeignet hielt, aufzusatteln. Ein wenig t\u00f6richt kam er sich dabei vor. Den <i>b\u00e1chorkor<\/i>, den hatte er, ohne falsche Bescheidenheit, mit einem Meisterschuss erledigt. Selbst wenn der Kerl sich jenseits der Mauern noch einige Schritte aufrecht im Sattel halten konnte, w\u00fcrde er abst\u00fcrzen, noch bevor er sich einen Steinwurf von der Burg entfernte. Wahrscheinlich lag er gleich drau\u00dfen vor der T\u00fcr.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e2fca32150a9fdaac53e7cad10aeb0b\">Aber die kleine Kr\u00f6te, das Kind, das <i>durfte<\/i> nicht entwischen. Mit etwas Gl\u00fcck w\u00e4re es ebenfalls bereits vom Pferd gest\u00fcrzt und h\u00e4tte sich an einem Stein den Kopf aufgeschlagen. Aber sollte es weich gefallen oder, die M\u00e4chte mochten es verh\u00fcten, im Sattel geblieben und ohne den <i>b\u00e1chorkor<\/i> weitergeritten sein \u2013 dann mussten sie es schnellstens einholen.<\/p>\n<p data-p-id=\"26de2cccc5926f6b9eb4e8e364d7cbeb\">Venghi\u00e1r schalt sich f\u00fcr seine nicht ganz unbegr\u00fcndete Sorge. Ra\u00fdneta Emberbey konnte reiten, nicht gut, eben so, wie man es einem M\u00e4dchen zutraute. Doch der Gaul des alten Herrn Alsg\u00f6r, der war \u2013 abgesehen von seiner Kraft und Gr\u00f6\u00dfe \u2013 vom Gem\u00fct her nicht viel anders als eben ein Pferdchen, auf dem Kinder das Reiten erlernten. <i>Yarl<\/i> Althopian hatte dem betagten Freund das sanftm\u00fctigste Ross aus seinen St\u00e4llen \u00fcberlassen, damit der Alte noch so lange wie m\u00f6glich zu reisen vermochte. Wom\u00f6glich <i>erinnerte<\/i> der Graue sich an den Weg zur\u00fcck zu der Weide, auf der er aufgewachsen war! Oft genug gelaufen war er diese Strecke.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab542ed33e965e14fbfc38af5e76cf79\">Es fehlte gerade noch, dass das M\u00e4dchen es irgendwie fertigbrachte, den Weg ins n\u00e4chste Dorf zu finden und Leute dazu zu bringen, <i>Fragen<\/i> zu stellen. Es w\u00e4re nicht einfach, all die Vorkommnisse in der Burg, die viel zu viele Leute bezeugen konnten, zu einer sinnvollen entgegengesetzten Geschichte zusammenzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a38b05400ea4b027f180af70dfc3d04\">Als Venghi\u00e1r endlich mit seinen Gehilfen im Sattel war und aus dem Stall in den Hof trabte, war es den anderen M\u00e4nnern und Frauen gerade gelungen, den einen Torfl\u00fcgel so weit zu \u00f6ffnen, dass ein Reiter hindurchpasste. Die Leute hechelten und waren schwei\u00df\u00fcberstr\u00f6mt, so als h\u00e4tten sie lange Zeit in praller Sonnenhitze geschuftet. Der junge Ritter k\u00fcmmerte sich nicht darum. Er lie\u00df sich eine Fackel reichen und trieb sein Pferd durch den schmalen Torspalt hinaus.<\/p>\n<p data-p-id=\"efb5d6a48bf46d4ad34089ce13715b39\">Zu seiner Entt\u00e4uschung lag kein todwunder <i>b\u00e1chorkor<\/i> drau\u00dfen im Staub. Aber die Hufspuren, die von der Burg wegf\u00fchrten, waren nicht zu \u00fcbersehen. Nach S\u00fcden f\u00fchrten sie, weg vom Meer. In die Richtung, in der Patagh\u00edus Glanz sich bereits als feiner Schimmer am Horizont andeutete.<\/p>\n<p data-p-id=\"8c741a6d9094d29bf372d4ff6d41b633\">Ein Reiter nach dem anderen verlie\u00df die Burg und jagte \u00fcber den Sandweg in die Richtung, in der das Kampfross des alten <i>yarl<\/i> gelaufen sein musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"c92fd0e7a31032b79b9df8048e904ce5\">\u201eSchw\u00e4rmt aus!&#8221;, rief der junge Mann. \u201eNebeneinander! Leuchtet auf den Boden! Vielleicht ist das arme M\u00e4gdelein vom Pferd gest\u00fcrzt und liegt bewusstlos im hohen Gras!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da8a82502376ed95e78eb6bdb08ae331\">Sie jagten \u00fcber den Weg durch die dunkle Wiese, noch unter dem Schein von Nokt\u00e1mas Juwel und sterngeschm\u00fccktem Schleier. Doch es war keine Spur zu finden, weder von dem Pferd noch dem <i>b\u00e1chorkor<\/i>, noch dem kleinen M\u00e4dchen. Daf\u00fcr fiel Venghi\u00e1r nach und nach deutlich hinter seine Begleiter zur\u00fcck. Immer weiter setzten sich die vier Waffenknechte vor ihn, bis er schlie\u00dflich die Kruppen und wehenden Schweife ihrer Pferde vor sich sah. Im ersten Moment dachte er, sein Ross w\u00fcrde tr\u00f6deln, und er begann, w\u00fctend auf das Tier einzupr\u00fcgeln. Doch das half nichts, und er musste einsehen, dass das Pferd gab, was es konnte. Es rannte in gestrecktem Galopp und pl\u00f6tzlich auch nicht mehr allein. Der Rappe des Schwarzgewandeten zog an seine Seite, und dann war es, als bewegten beide Tiere sich in rasendem Lauf auf der Stelle. Nicht einmal Gegenwind wehte ihm ins Gesicht, sodass die Stimme des unheimlichen Mannes so klar zu ihm drang, als s\u00e4\u00dfe er ihm in der Stube am Tisch gegen\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"d47b763f386c455a8a875bb4e141712f\">\u201eWas soll ich davon halten?&#8221;, fragte der Fremde freundlich. \u201eWolltet Ihr mich <i>aussperren<\/i> aus Eurer gastfreundlichen Burg?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8d5b082d7aadd1fc43a248c223553c8\">\u201eIch habe jetzt keine Zeit f\u00fcr Euch!&#8221;, rief Venghi\u00e1r \u00e4rgerlich. \u201eIch muss den M\u00f6rder meines Gro\u00dfonkels zur Strecke bringen! Und ich w\u00e4re Euch dankbar, wenn Ihr davon ablie\u00dfet, mein Pferd zu verdrehen! Daf\u00fcr habe ich keine Zeit!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8cd2bcfec782dd403e396d992192e28b\">\u201eDen <i>b\u00e1chorkor<\/i>? Spart Euch die M\u00fche. Das habe ich bereits f\u00fcr Euch getan.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a4f66e4d83bed041ec2ac644de9fc31\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9dbae0a416c4c7e7a1ac8bf64dbafb3d\">\u201eIch habe Euren Pfeil an die richtige Stelle versetzt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee2a345eef7154e8a2cb7b39e47ed813\">\u201eIst der Kerl sicher tot?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34b6589c0ef0dd66faee98bf087aed3e\">\u201eNun, es sind Lunge und Herz gr\u00fcndlich durchbohrt.&#8221; Er pr\u00e4sentierte einen Pfeil, den Venghi\u00e1r zweifelsfrei als den seinen erkannte, obwohl Blut Spitze und Befiederung verschmutzte.<\/p>\n<p data-p-id=\"57fa03f60e5262d97ba1ac16f4cff374\">\u201eUnd wo ist er?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a684e8b6be7d452543190e3018352b3e\">\u201eEure Leute sollten ihn gleich unter den Hufen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82bc26aa57759979e92bd6a075559768\">\u201eUnd das Kind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7acc6142ce1066b192a8f36cd11bc775\">\u201eWas k\u00fcmmert Euch das Kind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"59bbdbfaebadceb0d252591e34f878ac\">\u201eIst das nicht offensichtlich genug?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5394380d0677a7c252d5785e4fc72c0\">\u201eEs muss frustrierend sein&#8221;, am\u00fcsierte sich der Schwarzgewandete, \u201ewenn gleich vier Morde in nur einem halben Tag Frist missgl\u00fccken, denke ich mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6babd503a8704f2fd8e867a610e24cbe\">Das war zu viel f\u00fcr Venghi\u00e1r Emberbey. Ohne nachzudenken, zerrte er so fest an den Z\u00fcgeln, dass er bef\u00fcrchten musste, das Pferd werde sich beim Versuch, aus seinem Lauf zu bremsen, zuschanden st\u00fcrzen. Das w\u00e4re es ihm wert gewesen, w\u00fcrde vielleicht den unheimlichen Begleiter von ihm wegtragen. Stattdessen kamen beide Pferde zum Stillstand, ganz sacht, so als verlangsame sich die Zeit, bis sie verharrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b5f44713fca9f8f1d1aa97b7b515c288\">\u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, wisperte Venghi\u00e1r verst\u00f6rt. \u201eWer seid Ihr? Und wer schickt Euch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"36f4f8b1ec8932c1f3a9e6c3260e82f1\">\u201eIch habe schon einmal gesagt, dass mein Name nicht von Interesse ist. Und ich gehe, wohin ich m\u00f6chte, ohne dass mir jemand Weisung geben m\u00fcsste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ded411e1da0edca4f196eeba9c1194a\">\u201eDann sagt mir, was Ihr von mir wollt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e55e4336ddcd091f967ba2ac88ee542\">\u201eSeid Ihr zufrieden damit, dass Euer Gro\u00dfonkel hinter den Tr\u00e4umen ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8a7bb822b0e4ce6aad6c05610e84aef\">\u201eDas unterstellt Ihr mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ae710741dfff30c880137304edb2924\">\u201eIch bitte Euch, Herr Venghi\u00e1r. Keine falsche Scham. Vor mir m\u00fcsst ihr Euch nicht verstellen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0e7d3211e0fc89b75e21bebdbcd157c\">Hatte es Sinn, es zu leugnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"4ca430204ad5167817c8aadbca5b37b3\">\u201eEs bringt mich einen Schritt n\u00e4her an das, was ich anstrebe, auch wenn es in dieser Aufeinanderfolge nicht geplant war. Aber nun muss ich mich wirklich um das M\u00e4dchen k\u00fcmmern! Das Kind darf nicht entkommen und vor anderen Leuten daher plappern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df712a75a1d3d897109a6a2754231362\">\u201eDas sagt Ihr nicht so, wie man es von einem liebenden Verwandten erwarten w\u00fcrde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8588f0bf5953c750483b3312f105a359\">\u201eBei den M\u00e4chten! So lasst es gut sein! Ja, ja, ich werde nicht ruhen, ehe nicht der letzte des Blutes von Alsg\u00f6r Emberbey hinter den Tr\u00e4umen ist und mir geh\u00f6rt, was mir zustehen sollte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7cf4343b6cda660515e6dd8cab447b54\">\u201eErz\u00e4hlt mir mehr davon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0851d4ecef379e37abbf494bfc2ef095\">\u201eMehr davon! Seid Ihr so schwer von Begriff? Mir l\u00e4uft die Zeit davon, und das widerliche Balg noch dazu!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85b40146fc4c8ce3def7ae2b420d1387\">Der Schwarzgewandete war sichtlich belustigt. Venghi\u00e1r f\u00fcgte sich dem interessierten, geduldigen L\u00e4cheln, das er in der Dunkelheit erahnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ceb9be5fea72991f9a628fa461915c4d\">\u201eWas wisst Ihr \u00fcber die Vergangenheit des Hauses Emberbey?&#8221;, fragte er resigniert.<\/p>\n<p data-p-id=\"335a96090fcdd1ee37e3700b54d511c2\">\u201eAlles. Ich wei\u00df von dem ungl\u00fccklichen Zerw\u00fcrfnis, dass Herrn Alsg\u00f6r und seine Schwester, die ehrenwerte <i>yarlara<\/i> Mer\u00fda Emberbey auseinander riss. Ein verantwortungsloser <i>h\u00fdardor<\/i>, wie man h\u00f6rte. Aber was hat das mit Euch zu tun, so viele Winter sp\u00e4ter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64322d90ece360ce640724606a8112c5\">Venghi\u00e1r versuchte, sein Erstaunen dar\u00fcber zu verbergen, dass der Fremde soeben den Namen seiner <i>Gro\u00dfmutter<\/i> ausgesprochen hatte. Alsg\u00f6r Emberbey hatte das in seiner Gegenwart nie getan.<\/p>\n<p data-p-id=\"6eba430a8dce3c14d72b090c28fb6bdc\">\u201eW\u00fcrdet Ihr nicht versuchen, Euch Euer Erbe zu sichern, wenn sich Euch diese Chance b\u00f6te? Nicht die Gelegenheit ergreifen, zur\u00fcckzuholen, was Euch zusteht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"456312d77f469da844048103e307be6d\">\u201eIch kann mir denken, wie sehr Euch das freut, Herr Venghi\u00e1r. Ich sehe jedoch nicht recht die Notwendigkeit, unschuldige kleine Kindlein zu hetzen, wo es doch Euer Weitvetter ist, der Euch am n\u00e4chsten im Weg steht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d31fa93a8fa2966f575257a2b87c9fe4\">\u201eDass mein Weitvetter mir entwischt ist, das habt Ihr doch wohl mitbekommen. Ihr wart es doch, der mich in solcher Eile hierher versetzte!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"728a7f26a56d637c077ff67e7fd4c1cb\">\u201eUnd doch denkt Ihr nicht geradeaus und handelt in kopfloser Panik, wenn ihr nun dem Kind ans Leben wollt. Zumal das kleine M\u00e4dchen Euch so viel n\u00fctzlicher als Unterpfand w\u00e4re, um den Bruder gef\u00fcgig zu machen, nachdem Herr Alsg\u00f6r wohl nicht durch Eure Hand hinter die Tr\u00e4ume gelangte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b1c1fa3762fbb488fdba13d730eb2db7\">\u201eDas ist nicht &#8230;&#8221;, begann Venghi\u00e1r verdattert, unterbrach sich und fragte dann tonlos: \u201eWoher wisst Ihr das nun wieder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f23f16e8547ff46fd8acaca042cc05a6\">\u201eDer <i>b\u00e1chorkor<\/i> hat zugegeben, dass er Euch zuvorkam.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d7db4424d26c4575df533402851d4731\">\u201eTats\u00e4chlich?&#8221; Venghi\u00e1r runzelte verwirrt die Stirn und zugleich fiel ihm ein Stein vom Herzen. \u201eGelobt seien die M\u00e4chte. Dann werden wir das Diebesgut wohl bergen, sobald wir seinen Kadaver finden. Wo ist er? Wo habt Ihr Ihn gelassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e062a52a8609a2ff5fb12fcf4cff041\">Nun stutzte der Schwarzgewandete. \u201eWelches Diebesgut?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ea94ba3327d12fa9aa4a5b7ad8548a6\">\u201eDie &#8230; Nun, es scheint, als habe der Kerl etwas sehr Wertvolles mitgehen lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d76eb68697b39489c2bf395278dd331\">\u201eAh. Wie &#8230; ungew\u00f6hnlich. Darf ich fragen, worum es sich handelt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5a5623a878b1d98d60c1ee0e805ca8f3\">\u201eUm ein Schmuckst\u00fcck. Viel zu kostbar, als dass er etwas damit h\u00e4tte anfangen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d04903a48ad28563605c1970acf0557\">\u201eNun, vielleicht handelte es sich gar nicht zuvorderst darum, Euren Gro\u00dfonkel zu meucheln. M\u00f6glicherweise war es ein Auftragsdiebstahl.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8dbbb496a5b0bb4a086814cda6606ef3\">\u201eWohl kaum. Niemand h\u00e4tte einen Nutzen, den ich mir erkl\u00e4ren k\u00f6nnte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"658826f865dd0ef0ab4f8c06d76dd2b1\">\u201eUnd was verspricht sich Ebbmo Ferocriv\u00e9 davon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64152e6f6476b2d5f9812d5db8e6c380\">\u201eFerocriv\u00e9? Wieso denn nun Ebbmo Ferocriv\u00e9?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ab22fe7e0f94842157b996441ec2f96\">\u201eWer sonst? Wer h\u00e4tte ein Interesse daran, Euch ohne jegliche Nebenbuhler als Herrn von Emberbey und dar\u00fcber hinaus zu sehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe8adc48822bb3b24994a9e7d3d0a841\">Venghi\u00e1r schwieg verdattert.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d266530035159fecae9996d837e8e2d\">\u201eNa,&#8221; sagte er dann, \u201eder <i>yarl<\/i> von Rodekliv nat\u00fcrlich. Mein Herr, \u00c1lgjy Rodekliv&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ca140235fa50d086146081a74570a3b9\">\u201eErz\u00e4hlt mir mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a658d8c6862a156e8de2bf30e9302af\">\u201eWas gibt es da zu erkl\u00e4ren, was einem hochgescheiten Herrn wie Euch nicht offensichtlich sein d\u00fcrfte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bead0a773c16bfb09899b0d971fbee2d\">\u201eNun&#8221;, sagte der Schwarzgewandete, \u201elasst es mich anders fragen. <i>Wei\u00df<\/i> Herr Ebbmo, dass Ihr hier seid und Euren entfernten Verwandten nach dem Leben trachtet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f789add9d955eae9a9bd9174fc2086a4\">\u201eIch gehe davon aus. Yarl Ferocriv\u00e9 war im Raum, als Herr \u00c1lgjy mich auf diese Mission schickte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"209f7e305f0500ad72fed1daf127e4e4\">Der unheimliche Mann musterte den jungen Ritter nachdenklich. Venghi\u00e1r hatte das unangenehme Gef\u00fchl, dass er trotz der Dunkelheit mehr und andere Dinge erkannte, als ihm lieb sein konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae4c85db3ab20365800d2576fcbca425\">\u201eSagt, Herr Venghi\u00e1r&#8221;, redete er schlie\u00dflich weiter, \u201ees macht mich neugierig und fast ein wenig besorgt. Wie hat der <i>b\u00e1chorkor<\/i> Euren ehrenwerten Gro\u00dfonkel ermordet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"629798ac5761b204aa487d0376731d8c\">\u201eWie meint Ihr das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e4c3fd3db95d91cae6c4bf40aa23dec4\">\u201eGanz w\u00f6rtlich. Ist Blut geflossen? Wurde der alte Mann erstickt, erw\u00fcrgt oder erschlagen? Wom\u00f6glich vergiftet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"257ac6df9f315da8d8608d1d21c1be4f\">\u201eNun ja&#8221;, gab Venghi\u00e1r zu. \u201eEigentlich sah der Alte sehr friedlich aus. G\u00e4nzlich unverletzt. So, als ob es auf nat\u00fcrlichem Wege geschehen war. Nur dass sein Ring mit seinem Amtssiegel verschwunden ist. Ich musste &#8230; nachhelfen, um es wie einen Raubmord aussehen zu lassen. Wegen der Erbfolge, um Zeit zu gewinnen. Ihr versteht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a17b9d09c4b4bdd3debfafadc3039c56\">\u201eAuf <i>nat\u00fcrliche<\/i> Weise?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b66a80e5a8bcf6f66f141b3b26092e5f\">\u201eJa. Das Alter, wahrscheinlich. Der Mann war ann\u00e4hernd achtundachtzig Sommer alt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"428b999955696783469ce22d15cef25b\">Der Schwarzgewandete blickte auf. Er schien nachzudenken. Dann glomm es dort, silbrig auf, wo im Schatten seines Hutes die Augen liegen mochten. Er schloss ruckartig seine Faust und der Pfeil darin zerbrach mit einem scharfen Knacken wie ein m\u00fcrbes St\u00f6ckchen. Venghi\u00e1r wich eingesch\u00fcchtert zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b97fbbe28e57ac63b09b36609b26d9a\">\u201e<i>Rotgewandet!<\/i>&#8220;, zischte der Schwarzmantel, in einem Ton, der nicht zu seiner warmen Samtstimme passte.<\/p>\n<p data-p-id=\"349b50dd39416c76f06bb87453be7271\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e68a4ebdaf40e3fd982e731b77dbd711\">\u201eEs scheint, der <i>b\u00e1chorkor<\/i> hat ein besseres M\u00e4rchen erz\u00e4hlt, als ich annahm.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b90f3142eedac0ebb198a066a280d8d\">Dann entlie\u00df er die Pferde aus seinem Bann, und sie beide preschten den Waffenknechten nach.<\/p><\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/scherbenlied-oder-die-suche-nach-dem-boesen-band-3\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[15],"tags":[],"class_list":["post-2979","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-03_scherbenlied"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2979","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2979"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2979\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4580,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2979\/revisions\/4580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2979"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2979"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2979"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}