{"id":2744,"date":"2025-08-25T14:12:16","date_gmt":"2025-08-25T12:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2744"},"modified":"2025-08-31T09:21:06","modified_gmt":"2025-08-31T07:21:06","slug":"153-die-schlimme-stimme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/153-die-schlimme-stimme\/","title":{"rendered":"153: Die schlimme Stimme"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"d71046536a9aba5dfd074fd9ba4e5007\">Es war ein Alptraum. Es war schon die ganze Zeit ein Alptraum gewesen, aber obwohl nichts um sie herum so war, wie es richtig und den M\u00e4chten gef\u00e4llig gewesen w\u00e4re, f\u00fchlte es sich von Moment zu Moment wirklicher an. Der Alptraum verzerrte sich und wurde zu einer verwirrenden, intensiven Realit\u00e4t, jenseits der Wirklichkeit. Und das tat furchtbar weh.<\/p>\n<p data-p-id=\"e5bbf97ff7e0097e3a24eb2188ce057e\">Das Einhorn umzirkelte sie aufgeregt, als wisse es, dass es seinen jungen Herrn vor Ablenkung sch\u00fctzen musste. Es schnaubte und prustete und spreizte drohend seine Schwingen aus, jede lang wie eines der Ruderboote der Fischer daheim in Spagor. Dass das wunderbare Gesch\u00f6pf dabei verst\u00f6rt aussah wie ein in die Enge getriebenes Reh, das passte zu der erdr\u00fcckenden Schrecklichkeit. Es war der Sog von Ereignissen, von denen einfach klar war, dass sie misslingen <em>mussten<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"fe48726a76bd9a368d1d8485b28928a4\">Manj\u00e9v f\u00fchlte sich <em>eingeengt<\/em> zwischen ihren Eltern. Ein seltsamer Widerstreit zwischen dem Schutz, den die beiden ihr mit ihrer Liebe und Sorge boten, und der Hilflosigkeit, der Tatenlosigkeit, zu der sie selbst dadurch gezwungen war, zerrten an ihr.<\/p>\n<p data-p-id=\"56409798f70ba83661c23ed99e6f9a27\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatte ihre Stirn auf den Kopf ihrer Tochter gesenkt, die Augen geschlossen, in Erwartung des Unvermeidlichen. Asga\u00fd von Spagor hatte seinen freien Arm um sie beide geschlungen. Ihr Vater beobachtete mit zunehmender Ver\u00e4rgerung, wie der seltsame blonde Junge in den schillernden Gew\u00e4ndern an der Goldnadel in der Hand des Magiers zerrte. Das Kind, das wohl zu den Regenbogenrittern geh\u00f6rte und ihnen Hoffnung gemacht hatte, versagte gerade in seinem Tun, es scheiterte an einem St\u00fcck Haarschmuck. Meister Yalomiro war reglos, wehrlos, wie sie alle dem Verderben ausgeliefert, das sie in wenigen Augenblicken erreichen und zwischen sich zerfetzen w\u00fcrde. Das versetzte die <em>teirandanja<\/em> in Angst und Schrecken. Was immer hier geschah, es hatte den m\u00e4chtigen, den g\u00fctigen Schattens\u00e4nger besiegt. Es war vorbei, egal, ob der Junge die Nadel noch l\u00f6sen konnte. Es war zu sp\u00e4t, f\u00fcr sie alle.<\/p>\n<p data-p-id=\"586d8f9dc82e5308994aeff0d47523d4\">Ob es sehr weh tat, wenn man zertreten oder in einem dieser geifernden M\u00e4uler von Z\u00e4hnen durchbohrt w\u00fcrde?<\/p>\n<p data-p-id=\"0804d74635d7eb76b39003b886f90868\">Aber der fremde Knabe, der nicht viel \u00e4lter sein konnte als sie selbst, der gab nicht auf. Er m\u00fchte sich, auf eine ganz seltsame, unverst\u00e4ndliche Weise angefeuert von dem M\u00e4dchen, das zugleich mit dem Kristall auf das Brett eintrommelte. <em>Sang<\/em> das M\u00e4dchen etwa, mit einer sonderbar melodischen, fiebrigen Stimme? Ihre Augen waren neblig, ihr Blick blind und dabei so konzentriert, als blicke sie in sich selbst hinein.<\/p>\n<p data-p-id=\"e4230386049c176591ea48ca1d59b760\">Die wilden bunten Lichtfunken glitten \u00fcber sie alle hinweg.<\/p>\n<p data-p-id=\"278423e174efd99070ff7440aa76c151\">\u201eManj\u00e9v!&#8221;, fl\u00fcsterte T\u00edjnje. \u201eManj\u00e9v &#8230; ich hab Angst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e23f9c229e925227a47db7c51c5ef7b\">Die Fingerspitzen des Kleinen ber\u00fchrten ihren Unterarm. Weiter langte T\u00edjnje nicht an sie heran, denn Daap Grootplen versuchte, sie und L\u00e1as gleichzeitig zu halten. L\u00e1as&#8217; Gesicht war kreidebleich. Wie gel\u00e4hmt starrte der gro\u00dfe, kr\u00e4ftige, sonst so \u00fcberlegene Junge die Gr\u00e4sslichkeit an, die sich vor Merrit aufbaute, sich mit einer l\u00e4cherlichen Langsamkeit auft\u00fcrmte und es erscheinen lie\u00df, als w\u00fcrden sich im n\u00e4chsten Moment eine Horde wilder Waldb\u00e4ren auf ein M\u00e4uslein st\u00fcrzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"446e03e44e5766fa0e4aafccd98d339d\">Und Merrit? Der schien entschlossen, sich nicht kampflos zertrampeln und zerrei\u00dfen zu lassen. Wie auch immer es zuschlug, er w\u00fcrde es parieren. Mehr als einmal w\u00fcrde er das nicht vollbringen, denn was immer dieser Stab war, was immer er vielleicht in der Hand eines anderen, vielleicht eines Magiers bewirkte, diese Kreaturen w\u00e4ren sicher nicht verst\u00e4ndig genug, das zu begreifen. Sie aber, Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor, sie begriff es. Merrit war entschlossen, sich zu opfern. Vielleicht dachte er, das w\u00fcrde die Monster ablenken, bes\u00e4nftigen oder verwirren, lange genug, bis die Nadel endlich nachgab.<\/p>\n<p data-p-id=\"7324e480020d146757713e0232103ae3\">Merrit Althopian war bereit, zu sterben, damit sein Vater, sein Freund und die anderen die Chance hatten, zu leben. Vielleicht warf er sein Leben auch vor sie, seine <em>teirandanja<\/em>, wie einen Schild, der zerbrechen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d7dfe7457900dfc630fa723859fc9e4\">Manj\u00e9v \u00e4chzte von Scham.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9bb847132701716f7b7a9b66ff19dcc\">\u201eIrre&#8221;, stammelte J\u00e1ndris panisch. \u201eDas Wiegenkind ist <em>komplett irre<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c9e69f2a727c408c9d3342daba145eb1\">\u201eJ\u00e1ndris&#8221;, kam es von Andri\u00e9r Altabete, mit einer Z\u00e4rtlichkeit, die Manj\u00e9v noch nie an ihm geh\u00f6rt hatte. Der Ritter verzog das Gesicht, als wolle er vor den anderen nicht weinen. Wie unn\u00f6tig, nun St\u00e4rke zeigen zu wollen. \u201eJ\u00e1ndris &#8230; so sollte es nicht sein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"59ebe214dad1b64183614317aec40f64\">\u201eVater! Ich &#8230;&#8221; J\u00e1ndris schluchzte. Dann packte er fest die Hand der <em>yarl<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"713eb1f7b5908961f05593a71e39e4a4\">\u201eIch <em>will<\/em>&#8220;, beschwor der Blonde w\u00fctend die Nadel, den Stein, das schwarzhaarige M\u00e4dchen, vielleicht auch alles zugleich, \u201eich will, dass es <em>gelingt<\/em>! Ich will, dass der Zauber bricht! Ich will! Ich will! Ich will, dass niemand hier zur\u00fcckbleibt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa23dad6b4134e19d2ad1f0ecc92f030\">Ja &#8230; er <em>wollte<\/em>. Aber war das nicht kindisch und l\u00e4cherlich? Nicht einmal eine <em>teirandanja<\/em> bekam alles, was sie wollte. Das hatte Manj\u00e9v schon als kleines M\u00e4dchen erfahren und sich damit abgefunden. Aber, wenn man es nur geschickt genug anging, das hatte sie gelernt, bekam man dennoch manchmal mehr, als man verdiente.<\/p>\n<p data-p-id=\"e703661eb1ea62c9e733721368427ebf\">\u201eT\u00edjnje&#8221;, fl\u00fcsterte sie T\u00edjnje zu, \u201eihr kommt alle hier heraus, Meister Yalomiro und die beiden Kinder zaubern euch ganz bald wieder zur\u00fcck nach Wijdlant. Und Merrit &#8230; Merrit sorgt daf\u00fcr, dass die h\u00e4sslichen Monster nicht nachkommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e17d2815205378d0a2be49d7faf16ef3\">\u201eAber das sagst du nicht nur so &#8230; Manj\u00e9v?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4031b274b2056fcefaffbb8b6cac36dd\">Ein herzzerrei\u00dfendes Schluchzen traf Manj\u00e9v wie ein Hieb. Wa\u00fdreth Althopian hatte tats\u00e4chlich begonnen, zu weinen. Er rief nicht nach seinem Sohn, versuchte weder, ihn zum Gehorsam zu rufen noch umzustimmen. Er h\u00e4tte mit beidem keinen Erfolg. Seine Kumpane und der <em>teirand<\/em> vermieden es taktvoll, ihn anzuschauen. Und dann war es Alsg\u00f6r Emberbey, der seinen Sohn loslie\u00df. Er langte \u00fcber die K\u00f6pfe der beiden fremden Kinder hinweg und legte seine Hand auf die Schulter seines Freundes.<\/p>\n<p data-p-id=\"eed004d8f84bdb21f1d01c6cec0ec8b7\">\u201eWa\u00fdreth&#8221;, fl\u00fcsterte der alte Mann, und es war vielleicht das erste Mal, dass er ihn vertraut mit Namen ansprach. \u201eWir gehen zusammen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0856b1c1d9e34aef5cfca9daca75ad0\">Der eisige Sand unter ihren F\u00fc\u00dfen vibrierte. Dann hatte der erste Chaosgeist Merrit erreicht. Das Wesen, ein seltsam l\u00e4nglicher Leib auf vier zehenlosen F\u00fc\u00dfen, mit einem ballrunden Kopf und nur einem riesigen, gl\u00fchenden, lang bewimperten Auge, stutze beim Anblick des Jungen mit der Stange. Seine Arme \u2013 davon hatte es drei \u2013 waren etwas oberhalb seiner H\u00fcfte angesetzt. Der mittlere versuchte, mit einer vielzuvielfingrigen Faust nach Merrit zu grabschen. So, wie man nach einer dreisten Fliege hascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"5fdf4869847aadc963485e6e7dd23203\">Merrit aber schnellte aus dem Stand in die H\u00f6he und schlug dem Wesen den Stab mitten ins Auge. Irgendetwas Ekelhaftes spr\u00fchte heraus.<\/p>\n<p data-p-id=\"b16d356746071fa563fec989705cbca7\">Das Wesen r\u00f6hrte auf, taumelte und hielt sich eine der anderen H\u00e4nde vor das empfindlich getroffene Auge. Ein weiteres Ungeheuer glitt mit einer merkw\u00fcrdigen Kreiselbewegung auf Merrit zu. Es klatschte dabei mit seinen Gliedern, einer grotesken Mischung aus wirbelnden Lederfl\u00fcgeln, \u00e4hnlich einer Fledermaus, und nassen Putzlappen, wie sie die M\u00e4gde zum Flurwischen benutzten. Merrit sprang \u00fcber die Ausl\u00e4ufer der Hautlappen hinweg und riss mit einem weiteren Streich der Stabspitze einen Fetzen heraus. Das geblendete Monster stolperte \u00fcber das trudelnd aus der Bahn geworfene.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1d672ed6fdb84dd0917634d8d578a98\">\u201eBei den M\u00e4chten!&#8221;, rief Grootplen fassungslos aus. \u201eDer Junge ist verloren!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"437e119a4bebc53f4410c17d80d104fa\">Manj\u00e9v h\u00f6rte ihren Vater tonlos sagen: \u201eWir auch. Es sind zu viele!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b00010ec75d6ad17cec11c2322d0e6e1\">\u201eMeister Yalomiro hat sich geirrt&#8221;, wisperte ihre Mutter. \u201eEs holt sich uns alle &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8388de2fdd2e7af681c056c64bee81c\">Das mochte stimmen, aber offenbar brachte Merrits Einsatz Unruhe in die Stampede von Monstern. Nachdr\u00e4ngende Wesen wurden von den strauchelnden, taumelnden, aus dem Takt geratenen Wesen seitlich abgedr\u00e4ngt. Die Horde wich den gest\u00fcrzten K\u00f6rpern aus, die zu einer Art Wellenbrecher im Strom wurden. Der Ansturm teilte sich und begann, beidseitig an den um das Brett zusammengedr\u00e4ngten Menschen vorbeizustr\u00f6men.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2bf5d896136fcc86d1e27c70a0e389f\">Unvermittelt kam Leben in den zuvor so starren L\u00e1as. \u201eWir m\u00fcssen ihm helfen!&#8221;, rief er aus und wollte sich von seinem Vater befreien, aber Daap Grootplen vereitelte das. \u201eHierbleiben! Denk an deine Mutter! An deine Schwestern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c18ba5c0cc110fe179fac22b5a6255b\">\u201eAber-&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"dcc2ffa6e193d177ad5127aa9061fe27\">\u201eDu hast <em>Verantwortung<\/em>, L\u00e1as!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f87a34722f98ad5a5fee14de71a12122\">\u201eAber die schafft er nicht alle!&#8221;, pflichtete J\u00e1ndris bei.<\/p>\n<p data-p-id=\"692417d1bf0d1c27544c4444f81c1c06\">Wayreth Althopian b\u00e4umte sich auf. Er konnte es wohl nicht mitansehen, wollte seinem Sohn zur Hilfe kommen, sich sinnlos ebenfalls in diesen fiebertraumartigen Kampf st\u00fcrzen. Aber es gelang ihm nicht. Die Magie des Schattens\u00e4ngers zog sich um seinen Arm herum zusammen und fesselte ihn, rankte sich um ihn wie eine dicke Schlingwurzel. Manj\u00e9v konnte es <em>sehen<\/em>, das bunte Funkeln setzte sich darauf ab wie eine Flechte auf faulendem Holz. Manj\u00e9v staunte schaudernd. Je mehr sich jemand regte, desto fester umschlang ihn das Silberlicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f4da419b418ac68a73ec003e7d88b84\">\u201eH\u00f6rt auf!&#8221;, wies das schwarzhaarige M\u00e4dchen sie zornig mit blitzenden Augen zurecht. Manj\u00e9v zuckte zusammen. Hatte da ganz kurz Silber aufgeleuchtet wie ein Lichtreflex? \u201eEs ist schwer, euch alle zu halten! Und so zerbrechlich! Mein Papa hat nicht genug Kraft f\u00fcr so viele Leute auf einmal, wenn ihr so zappelt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62256177f72df453c16adad80b32818e\">\u201eJa&#8221;, stimmte der Junge mit ein. \u201eDas ist wie ein morscher Korb mit ganz vielen Steinen drin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c2234a69c31a4499dbb4052308506b27\">\u201eWir sind also zu viele?&#8221;, fragte Osse Emberbey ruhig. \u201eWir sind zu schwer?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c0dfa15e2d6c5dad98d65e260100a39\">\u201eViel zu schwer&#8221;, murmelte das schwarzhaarige M\u00e4dchen bedachtlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"1804b64fbb9b9d765812ca781fe2ca48\">Manj\u00e9v sp\u00e4hte zu ihm hin\u00fcber. Er nahm seine Hand sachte von seinem Vater, der immer noch <em>yarl<\/em> Althopian festhielt, als f\u00fcrchte er, allein gelassen zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e1ff7f42d93b28f9833169b38ee5e89\">Und dann schrie Merrit Althopian auf. Ein Chaosgeist mit einem Leib, der an einen Bullen erinnerte, setzte \u00fcber die gefallenen und am Boden kriechenden, von ihresgleichen niedergetretenen Artgenossen hinweg. Anstelle von H\u00f6rnern hatte er ein breites Geweih, hart wie Stein, mit nach vorn ragenden Enden. Damit erwischte er den Jungen wie mit einer Schaufel, schleuderte ihn hoch und beiseite. Der Stab entglitt der Kinderhand und verschwand irgendwo im aufgew\u00fchlten Sand.<\/p>\n<p data-p-id=\"64f8137a5f4e63365470f3244050fae3\">Manj\u00e9v sah, wie Merrit durch die Luft geworfen wurde und unsanft am Boden aufschlug, viel zu gef\u00e4hrlich nahe in der Laufbahn der vorbeistr\u00f6menden Ungeheuer. Aus irgendeinem Grund schien dies das Einhorn zu interessieren, denn es lenkte seine Aufmerksamkeit von den Menschen am Brett auf den Knaben auf dem Boden. Mit einem dumpfen Tr\u00f6ten, das gar nicht zu einem so \u00e4therischen Tier passen wollte, jagte es auf Merrit zu und b\u00e4umte sich \u00fcber ihm auf, das Horn drohend in Richtung des gr\u00e4sslichen Hirschbullen.<\/p>\n<p data-p-id=\"af97669ef1148ef758bd5d9806103123\">\u201eFarbenspiel!&#8221;, rief der blonde Junge besorgt, besann sich und zerrte an der Nadel. Seine H\u00e4nde waren bereits ganz silbern von dem sonderbaren metallischen Blut des Magiers, das aus der Wunde hervor pulste.<\/p>\n<p data-p-id=\"4f2c2a4691d59ab6083e0c6d59d4c7e9\"><em>Es ist nicht recht, <\/em>meldete sich etwas in Manj\u00e9vs Kopf zu Wort. Etwas Fremdes, das <em>f\u00fcr sie<\/em> dachte. <em>Traurig, f\u00fcr seinen Vater<\/em>. <em>Aber du, du musst ihn jetzt nicht mehr ertragen. Du bist frei. Du muss dich nicht sch\u00e4men. Du &#8230;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"867074aac48057b0fd087862d24a269b\">\u201e<em>Still!<\/em>&#8220;, rief Manj\u00e9v aus, aber das h\u00f6rte niemand, denn die Stimme von Wa\u00fdreth Althopian, die panisch nach seinem Sohn rief, \u00fcbert\u00f6nte die ihre in seinem Schmerz. Die <em>teirandanja<\/em> dachte nicht nach. \u201eZu schwer! Ich bin zu schwer!&#8221; Unwillig griff sie nach der silbernen Perlensandmagie, die sie an das Brett bannte, und riss sie entzwei.<\/p>\n<p data-p-id=\"918c4d18a713acd63d6588b2c7d3c7dd\">Ihr gegen\u00fcber hatte Osse Emberbey genau dasselbe gedacht und getan. Er schl\u00fcpfte unter der hektisch zugreifenden Hand seines Vaters durch und rannte.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b8049b4d49200999c52924730b7fd31\">\u201eManj\u00e9v!&#8221;, kreischte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant, herausgerissen aus ihrer stummen Verzweiflung. Augenblicklich wurde der Zauberfaden um sie zu einem dicken Strang und hielt sie fest.<\/p>\n<p data-p-id=\"a8818dcef27657ffa3926162a9f5565c\">Und endlich, genau in diesem Moment gelang es dem fremden blonden Jungen, die Nadel zu l\u00f6sen. Der Arm des Schattens\u00e4ngers war frei, sein K\u00f6rper sackte schlaff zu Boden und die farb- und lichtspr\u00fchende Magie stie\u00df die Chaosgeister links und rechts beiseite wie Murmeln, die aneinander abprallten, und blendete Manj\u00e9v. Aber sie schaute nicht zur\u00fcck, als die Rufe und Entsetzensschrei der anderen vom allgemeinen L\u00e4rm zur G\u00e4nze verschluckt wurden. Entschlossen rannte sie hinter Osse her, der sich gar nicht von dem t\u00e4nzelnden, drohenden Einhorn beirren lie\u00df. Vielleicht sah er es gar nicht richtig mit seinen schlechten Augen. Er schaute sich hektisch um, entdeckte die Stange im aufgew\u00fchlten Boden. Unbesonnen und blind taumelte er mitten zwischen die Monster und riss sie gerade noch rechtzeitig an sich, bevor der schwere Huf eines Monsters darauf treten und sie brechen konnte. Dass derselbe Huf ihm dabei um ein Haar den Kopf zerquetscht h\u00e4tte, schien er nicht bemerkt zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"4cea930c382a62757006131911af1a21\">\u201eOsse!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc826b39d8e3611390798811ee259a59\">Manj\u00e9v hielt den Atem an. Die Kreaturen w\u00fcrden ihn umsto\u00dfen und zertreten und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"6cd77f492b7afa633ab3795c7b09a706\">Die <em>teirandanja<\/em> keuchte auf. Ein bet\u00e4ubender Schmerz flutete durch ihre Augen, und f\u00fcr einen Moment sah sie dort inmitten der Monster keinen schm\u00e4chtigen, blassen Jungen mit verbogener Brille. Da stand ein hagerer junger Mann, glatt rasiert, mit vornehmer Robe und gestrenger Miene. Aber, die kraftlose Schulter &#8230; Genauso wie es der Stein der Roten Dame ihr gezeigt hatte!<\/p>\n<p data-p-id=\"e47c46182d9fe76d9bbe5b5747f09166\">\u201eLebt er noch?&#8221;, rief Osse Emberbey, ihr <em>mynstir<\/em>, und hielt den Stab selbst so wenig drohend und dennoch tapfer genug empor, dass es die anst\u00fcrmenden Wesen zu verwirren schein. Vorsorglich wichen sie im Vor\u00fcberrennen beiseite, sicher nicht seinetwegen, doch sie f\u00fcrchteten den Stecken wie ein Tier eine Peitsche.<\/p>\n<p data-p-id=\"62bc5348a0977a38ec49457d03bf32e5\">Manj\u00e9v fasste sich ein Herz, tastete nach Merrits leblosem Leib. Es kostete sie \u00dcberwindung, ihn zu ber\u00fchren und umzudrehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e57eadcf6d42505497adbf16d9f09c85\"><em>Wenn du Gl\u00fcck hast, ist er tot<\/em>, raunte das Etwas in Manj\u00e9v und sie schrie zornig auf vor ihrem eigenen Gedanken. Nein, das war nicht ihr eigener Wille! Das war &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ad51540795548627b6b1e7b03522af5\">Merrit sah seinem Vater sehr \u00e4hnlich. Nur seinen Bart trug er anders, verwegener. Sein Gesicht war voller blutiger Schrammen und sein Eisenzeug verbeult, als sei er seinem Pferd unter die Hufe geraten. Er st\u00f6hnte und schaute fiebrig zu ihr auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"86a975d02b560bd136df5a54fa7151cc\">\u201eMajest\u00e4t?&#8221;, murmelte Merrit Althopian und blinzelte sie mit einem nebligen, wasserblauen Auge an.<\/p>\n<p data-p-id=\"518becc82d8ca76a40d2320719360fc6\">\u201eJa&#8221;, wisperte sie verst\u00f6rt. \u201eJa, ich bin bei dir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f549583f04caae058c906fcfac27fd60\">\u201eHerrin &#8230;&#8221;, wisperte er wirr und tr\u00e4umerisch. \u201eIch lebe &#8230; nur f\u00fcr Euch &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"98558ea7d5a1257bad1c3fa01a1e8b6b\">Wie? Was redete er da f\u00fcr einen Unfug? Das klang fast nach dem vertrauten Geturtel zwischen Herrn J\u00f3ndere und T\u00edjnjes Mutter, das die M\u00e4dchen einmal heimlich belauscht hatte. Wie ungeb\u00fchrlich!<\/p>\n<p data-p-id=\"4c752b84393a212c168173b8a9116a78\">\u201eRuhig, Merrit. Wahrscheinlich hast du dich am Kopf verletzt&#8221;, sagte sie hastig und rieb sich die Augen. Ihr Blick richtete sich wieder. Der Junge vor ihr \u00e4chzte schmerzhaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"c78d5f04109ba83e1f1386191a3e280e\">\u201eMerrit!&#8221; Osse wich mit dem Stab zu ihnen hin zur\u00fcck, w\u00e4hrend das Einhorn weiter versuchte, den entgegenkommenden Monster zu drohen. \u201eKannst du aufstehen? Vor dir haben sie Respekt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8bcca6815ef4175bec916eb67298d6cf\">Er versuchte es, aber es gelang ihm nicht gleich. Manj\u00e9v versuchte, an gar nichts zu denken, und st\u00fctzte ihn. Osse gab ihm seine Waffe zur\u00fcck, vielleicht als Kr\u00fccke. Das Einhorn stand mit gesenktem Horn vor ihnen und bot den Chaosgeistern die Stirn, hatte sich wohl entschieden, ihnen freiwillig beizustehen. Die buntfunkelnde Magie war verschwunden, und ihre Eltern und T\u00edjnje, L\u00e1as, J\u00e1ndris und deren V\u00e4ter waren fort.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2744","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2744","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2744"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2744\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3666,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2744\/revisions\/3666"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2744"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2744"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2744"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}