{"id":2737,"date":"2025-08-25T14:15:53","date_gmt":"2025-08-25T12:15:53","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2737"},"modified":"2025-08-31T09:19:27","modified_gmt":"2025-08-31T07:19:27","slug":"159-glas-und-glitzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/159-glas-und-glitzer\/","title":{"rendered":"159: Glas und Glitzer"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"f0354fddd87a6f770a6fcb754e92b109\">\u201eDas ist mein W\u00e4ldchen&#8221;, behauptete Advon. Farbenspiel setzte sanft auf dem feuchten Sandboden auf. Die B\u00e4ume sahen ramponiert aus und lie\u00dfen teils Bl\u00e4tter und Zweige h\u00e4ngen, so schwer klebten Reste des Sandregens auf ihnen. Advon griff \u00fcber seinen Kopf und sch\u00fcttelte die gr\u00f6bsten Batzen von den Wedeln einer niedrigen Pflaumpalme ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2188aea4be3de34b6e4c0d949fb9fb4\">\u201eOje.&#8221; D\u00fdamir\u00e9e blickte sich best\u00fcrzt um. \u201eDie sch\u00f6nen wunderlichen B\u00e4ume &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"632984117871c65f72b505b8d48e1833\">\u201eZumindest sind <em>diese<\/em> hier nicht abgebrannt.&#8221; Advon sprang ab. \u201eWenn die Sonne scheint, wird das ganz schnell lockerer Sand, und wenn dann noch Wind kommt, bl\u00e4st der den Staub wieder in die W\u00fcste zur\u00fcck. Mein Papa kann Wind beschw\u00f6ren. Das ist schnell wieder heil.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39b2bb72289eb4a431b22bfd59f07d50\">\u201eWas Besseres haben wir jetzt nicht&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e sachlich. Sie warf den Zauberstab beiseite und kletterte unbeholfen von Farbenspiel herunter. Advon kam gerade noch rechtzeitig, hinzu, um sie aufzufangen. \u201eWarte hier. Ich suche eine Stelle, wo wir meinen Papa hinbringen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c589dc5f0dfd1dca8c3f09ad7889dd08\">Sie entfernte sich ein paar Schritte. Advon nutzte die Gelegenheit, nach dem Schattens\u00e4nger zu sehen. Bei genauerer Betrachtung war es ein Wunder, dass sie ihn heil aus dem Chaos herausgebracht hatten, mitsamt dem Gep\u00e4ck, das er in seiner Tasche getragen hatte. Selbst sein Hut sa\u00df noch auf seinem Kopf, wie festgezaubert. Vielleicht war er das sogar.<\/p>\n<p data-p-id=\"275efb51c8edca4bf447b787432e6069\">Um das zu testen, tippte Advon vorsichtig an die Krempe und schob sie sacht nach oben. Dann zuckte er erschrocken zusammen, denn der Schwarzgewandete schaute ihn mit einem halb ge\u00f6ffneten, bleiblinden Auge an.<\/p>\n<p data-p-id=\"44f1ba2c430a805c50f39d389bda948b\">\u201eMeister?&#8221; Advon fl\u00fcsterte. D\u00fdamir\u00e9e sollte nicht mit falschen Hoffnungen herbeikommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e74df270fc9b056855b03ea446a65b0\">\u201eDu wirst &#8230; <em>f\u00fcr sie sein<\/em>, nicht wahr?&#8221;, wisperte der Schattens\u00e4nger, kaum dass seine Stimme h\u00f6rbar war.<\/p>\n<p data-p-id=\"20cf1d8d73845fa821f99185f4fcfcfc\">\u201eF\u00fcr D\u00fdamir\u00e9e?&#8221;, fragte Advon verwirrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca73ab26610d44cf225907ac3c2ef839\">Der <em>camat&#8217;ay<\/em> brachte ein winziges L\u00e4cheln zustande. \u201eAbendkind&#8221;, hauchte er. Dann schloss sich sein Auge wieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"f905e55f6bf34216b819898d14309ad1\">Advon runzelte die Stirn. Phantasierte der bis zum \u00c4u\u00dfersten geschw\u00e4chte Magier, oder war das gerade eine wichtige Anweisung, eine <em>Botschaft <\/em>gewesen, die er noch nicht verstand? Nun, zumindest lebte der Schattens\u00e4nger noch. Und D\u00fdamir\u00e9e schien einen Ort gefunden zu haben, der ihr brauchbar erschien. Sie rief ihn herbei, und Farbenspiel trottete hinter seinem jungen Herrn her.<\/p>\n<p data-p-id=\"996c33661e04f2e49b2a43509d877fed\">Unter einem knorrigen Olivenbaum, mit einer weit ausladenden Krone zerrten die beiden Kinder den Leblosen von Farbenspiel herab. Das erwies sich als einfach, wenn auch die Landung sehr unsanft war. Zum Gl\u00fcck weckte das den Schattens\u00e4nger nicht aus seiner Ohnmacht auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"52489d5d88d1bdb4327bf1ef1e73072f\">D\u00fdamir\u00e9e bettete ihren Vater sorgf\u00e4ltig unter den zerzausten Baum und schob seine Tasche als St\u00fctze unter seinen Kopf. Dann scharrte sie mit konzentriertem Blick eine Weile in der feuchten Sandschicht und f\u00f6rderte schlie\u00dflich den Ausl\u00e4ufer eines kriechenden Duftkrautes hervor. Farbenspiel vertrieb sich die Zeit damit, mit seinem Horn gegen ein paar \u00c4ste zu fechten und so zartes Laub unter der Sandkrume freizulegen. Gierig begann er, zu fressen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e728c878260d11d8b202e2213042ff2\">D\u00fdamir\u00e9e schien auf eine geheimnisvolle Weise genau zu wissen, was sie tat. Sie nahm die verletzte Hand ihres Vaters und begann, leise zu summen. Advon schauderte, als sie den Pflanzentrieb durch die Wunde hindurch f\u00fchrte, die die goldene Haarnadel hinterlassen hatte. \u201eWas machst du da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a675c0c82df62c2294880dfe3798594\">\u201eMein Papa ist doch ein G\u00e4rtner. So nennen <em>camat&#8217;ay<\/em> Magier, die mit Pflanzen verbunden sind. Das Kraut gibt ihm Kraft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e4bde0a4d91f24c640a80c644136dbb\">\u201eTats\u00e4chlich?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0a1588a03102c206111c403f2c6c0c5\">\u201eJa, bestimmt. Nur ganz wenig, es ist ja nur eine schwache Pflanze. Aber sobald er zu sich kommt, dann kann er sich selbst helfen.&#8221; Sie neigte sich hinab, tastete nach seinem Herzen und legte dann ihre Stirn an die seine. Einen Moment blieb sie so, dann erhob sie sich. \u201eUnd jetzt suchen wir meine Mama, ja?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"732eaf59be16897fed9a0b5f638f0f16\">\u201eK\u00f6nnen wir ihn denn einfach allein lassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"727bbc97b2e4375d2d8732e3a30739fd\">\u201eJa. Er meint, wir k\u00f6nnen gerade nichts f\u00fcr ihn tun. Der Baum gef\u00e4llt ihm. Und er dankt dir von ganzem Herzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c877869904d8e47c8b00c08d1352744c\">\u201eDu hast mit ihm geredet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2cadbcf7f91b4282d856f820f6de718\">\u201eNein. Wir &#8230; ich kann das jetzt auch ohne Worte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f848fe786bc4cbc3f29636db07264022\">\u201eGut.&#8221; Advon rief Farbenspiel herbei. Das Tier kam ohne gro\u00dfe Eile n\u00e4her, einen gro\u00dfen Zweig im Maul. Diesmal konnten sie einen gest\u00fcrzten Baumstamm aus Aufsteighilfe nutzen. \u201eNur noch ein ganz kleiner Ritt, Farbenspiel. Versprochen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30c363704ec2b650f4bf4d9d016dcda8\">\u201eWohin reiten wir denn jetzt?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e, als sie wieder in der Luft waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"61b05268870a8348be475ff4e8247992\">\u201eZur\u00fcck in den Ciel\u00e1stel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82afd7f2a102985542aa12d489941983\">\u201eAber meine Mama &#8230; wir m\u00fcssen meine Mama zu meinem Papa bringen, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"46d8fda1bfb4b0e8cf9df90a14385891\">\u201eDas k\u00f6nnen wir sp\u00e4ter immer noch tun. Am allerwichtigsten ist, dass wir vor <em>meinen<\/em> Eltern in der Burg sind. Ich wei\u00df, an welcher Stelle wir unauff\u00e4llig \u00fcber die Mauer kommen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"baeb31db48d3107d6e2fa2a4c63cebde\">\u201eWarum unauff\u00e4llig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f80ff672f4fc9ceede2128fa0a6772e8\">\u201eHat deine Mama dich schon einmal irgendwo gefunden, wo du nicht h\u00e4ttest sein sollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"faf62e666ef3743200a507a828278dbe\">\u201eManchmal. Ich bin fr\u00fcher als kleines Kindlein manchmal in den Wald gelaufen, statt zu schlafen. Aber jetzt nicht mehr so oft. Ich passe jetzt besser auf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39ad4870398e057ab42c0d9869efb75b\">\u201eUnd? Hat sie geschimpft?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1891fb74ef60f59d98826c88b9884cbf\">\u201eSorgen hat sie sich gemacht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b8a5b359f06fecbdd8a44130ff6ba15c\">\u201eUnd was denkst du, macht <em>meine<\/em> Mama, wenn wir nicht da sind, wo wir h\u00e4tten bleiben sollen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"376d02f191afce3c84275940583076d0\">D\u00fdamir\u00e9e seufzte. \u201eEltern&#8221;, sagte sie kopfsch\u00fcttelnd. \u201eImmerzu machen sie sich Sorgen. Das muss schlimm sein, wenn man dauernd Sorgen wegen der kleinen Kinder hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1c1502dc87e1982240859010ab31ff48\">Sie schwiegen eine Weile. Farbenspiel flog z\u00fcgig, aber ohne zu hetzen, gen Westen und m\u00fcmmelte dabei seinen Palmenzweig.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0e63aed7f2e31929490d4cad2cdd71c\">\u201eIch mache mir aber auch Sorgen&#8221;, gestand Advon. \u201eGlaubst du, Gal\u00e9on ist heil aus dem Chaos herausgekommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b4add0664111b89f2279ba4cd26bac53\">\u201eNokt\u00e1ma hat ihn bestimmt besch\u00fctzt.&#8221; D\u00fdamir\u00e9e \u00fcberlegte eine Weile. \u201eUnd Patagh\u00edu sicher auch. Gal\u00e9on ist doch gut und freundlich. Die M\u00e4chte lassen ihm bestimmt nichts zusto\u00dfen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43bb055efb8bf1d110684d1c9093025f\">\u201eAber wenn &#8230; wenn <em>seine<\/em> Schutzmacht so zufrieden mit ihm ist, dass sie ihn bei sich haben will?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f7baf557fbe589902463b424fcd6e8e\">\u201eSeine Schutzmacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2967ae6b6761d756f07ecba838aeb04e\">\u201eIch hab mit ihm dar\u00fcber gesprochen, D\u00fdamir\u00e9e. Er &#8230; geh\u00f6rt weder zu Nokt\u00e1ma noch zu Patagh\u00edu. D\u00fdamir\u00e9e, Gal\u00e9on dient dem <em>Licht<\/em>. Das Licht ist gr\u00f6\u00dfer als Patagh\u00edu und Nokt\u00e1ma.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6351a7dcd596096b422299b841040050\">\u201eDas hab ich mir gedacht&#8221;, antwortete sie zu seiner \u00dcberraschung mit gro\u00dfem, fast erwachsenem Ernst. \u201eAber wenn seine Schutzmacht ihm Magie gegeben hat, dann hat das etwas zu bedeuten. Was soll er hinter den Tr\u00e4umen mit Magie? Magie wird immer im Weltenspiel zur\u00fcckbleiben. Hinter den Tr\u00e4umen braucht sie niemand mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"49e42633e2dff486e2edda1c29ee1330\">\u201eDenkst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c063777877ab946bcbd94b5517194660\">\u201eIch glaube&#8221;, behauptete D\u00fdamir\u00e9e \u00fcberzeugt, \u201edass wir ihn wiedersehen werden. Und dass wir noch ganz viele Geschichten von ihm h\u00f6ren werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"a0f7a43c04a4f4d105b4a31bfb0e2307\">Ich hatte mich in einigem Abstand zu dem verglasten, versiegelten Portal niedergelassen, schaute hinaus in die W\u00fcste, nach S\u00fcden, und f\u00fchlte mich allein gelassen, traurig und m\u00fcde. Etwas <em>stimmte<\/em> nicht an dem, was gerade geschah. Es war &#8230; unbefriedigend. Ich hatte den Eindruck, dass es kurz davor stand, ein gewaltiges, immenses Abenteuer abzuschlie\u00dfen, eine Bedrohung vom Weltenspiel abgewendet zu haben, die so komplex und wirr war, dass ich bis jetzt noch nicht verstanden hatte, was \u00fcberhaupt geschehen war, wie das eine auf das andere einwirkte. Etwas, das so kompliziert, nein: buchst\u00e4blich so <em>chaotisch<\/em> war, dass wir alle uns hatten aufteilen m\u00fcssen, um Schaden abzuwenden. Etwa wie bei einem gro\u00dfen Boot, das an verschiedenen Stellen zugleich leckschlug und jeder mit blo\u00dfen H\u00e4nden das Wasser zur\u00fcckdr\u00e4ngen musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"cbb9aa93b5fe90508fb55d790544cf48\">Das hatte zur Folge, dass ich keine Ahnung, keine Vorstellung davon hatte, was alles im <em>Einzelnen<\/em> geschehen war. Und ich glaube, genau das st\u00f6rte mich. Ich konnte das Gesamtbild nicht erkennen. Und selbst, wenn ich es gesehen h\u00e4tte, w\u00e4ren mir immer noch all die <em>Zusammenh\u00e4nge<\/em> schleierhaft geblieben.<\/p>\n<p data-p-id=\"775b3e3fad6911fc95c466a8bdf1976b\">Dazu kam: Ich sa\u00df hier, weit weg von zuhause (und noch viel weiter weg von meiner Welt) und hatte eine karge, leere Unendlichkeit vor mir, in der es nichts gab als Sand und hier und da ein paar Erhebungen von Fels und Ger\u00f6ll. Pflanzen oder andere Zeichen von Leben nahm ich in gr\u00f6\u00dferem Umkreis nicht wahr. Hatte es hier nie etwas gegeben, oder hatten die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> es mit ihrem Hitzezauber vernichtet? Ein Kollateralschaden, der aus der W\u00fcste eine tote Ein\u00f6de gemacht hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"dc0d272ce39e34507d8002e7c97c35ab\">Ich seufzte und sp\u00fcrte zugleich, wie meine <em>maghiscal<\/em> Nokt\u00e1mas n\u00e4chtliches Licht aufsog und sich daran st\u00e4rkte. Es w\u00fcrde mehr als eine Nacht dauern, bis sie wieder v\u00f6llig hergestellt war, aber die Geduld musste ich wohl aufbringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a510dd69e2e80867d7b6a818101485a\">Und wenn der Tag anbrach? Wenn sich diese W\u00fcste hier in eine nat\u00fcrliche Glut verwandeln w\u00fcrde? Ob C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor mich bis dahin an einen Ort bringen konnte, wo es wenigstens ein bisschen Schatten gab?<\/p>\n<p data-p-id=\"caab91f35750008e019663800119d5d3\">Ich schaute verstohlen zu ihm hin\u00fcber. Er sa\u00df einige Schritte entfernt, blickte in Richtung Ciel\u00e1stel und machte einen \u00e4hnlich betr\u00fcbten Eindruck. Trotz seiner goldenen R\u00fcstung konnte ich sehen, wie er seine Schultern und den Kopf h\u00e4ngen lie\u00df. Nun, zumindest war <em>er<\/em> in seinem eigenen Reich.<\/p>\n<p data-p-id=\"fa487cd7f30c7244ea0f1655a636046a\">Wor\u00fcber mochte er nachdenken? F\u00fchlte er sich gekr\u00e4nkt und zur\u00fcckgesetzt durch Elos\u00e1ls Anweisung, hier mit mir zu warten? Was mochte er gerade mit sich auszumachen haben?<\/p>\n<p data-p-id=\"4f96a670d2fb94b578e53124dd92782b\">Ich schaute wieder auf meine H\u00e4nde und D\u00fdamir\u00e9es Kuscheltier, das ich die ganze Zeit unter den G\u00fcrtel geklemmt bei mir getragen und bei all dem Durcheinander fast vergessen hatte. Das war der andere und bei n\u00e4herer Betrachtung weit schwerwiegendere Teil meiner Traurigkeit. Ich hatte keine Ahnung, wo D\u00fdamir\u00e9e war, und nur der Umstand, dass ich wusste, dass Yalomiro nach ihr suchte, tr\u00f6stete mich. Yalomiro &#8230; wo und wie mochte er seinen Teil des Abenteuers bestritten haben? War er vielleicht noch dabei, irgendwo, wo es weder ich noch die Regenbogenritter vermuteten, ein anderes Leck zu flicken?<\/p>\n<p data-p-id=\"773e4592f25e147c95abd081a7dcffd5\">Der schale Trost, den ich fand, war der, dass Yalomiro auf keinen Fall tot sein konnte. Das war unm\u00f6glich. Es war ein absurder, ein unbegreiflicher Zauber, der ihm und mir den Weg hinter die Tr\u00e4ume versperrte, bis einmal jemand die Nachfolge von Gor Lucegath antreten w\u00fcrde. Ihm, weil der Rotgewandete ihn damals, vor vielen Sommern, aus einem wirren Besitzanspruch hinaus mit seinem magischen Schwert seine Beute gekennzeichnet hatte. Mich, weil ich eben dieses Schwert gepackt hatte, um das Licht aus dem <em>ay&#8217;cha&#8217;ree<\/em> zu befreien.<\/p>\n<p data-p-id=\"e5caf227b8281579df9def097d979235\">J\u00f3ndere Mor\u00e9aval, weil der von Gor Lucegath \u00fcberlistet worden war, mit dessen Schwert gegen ihn zu fechten. Und die <em>teiranda<\/em> &#8230; nun. Ihre Geschichte, das wann, wo und warum, die kannte ich nicht. Alles, was ich gesehen hatte, war die kleine Narbe an ihrer Hand, die sie mit ihrem Fingerschmuck bedeckte. War es ein Missgeschick gewesen? Oder hatte Gor Lucegath sie auch zu seiner Beute gemacht, aus einem Gedanken heraus, den er mit sich hinter die Tr\u00e4ume genommen hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"2ab94f0a16b9d3f29d8655461e4ff32a\">Yalomiro jedenfalls w\u00fcrde sich auf seine geliehene Unsterblichkeit verlassen. Sie w\u00fcrde ihn zum \u00e4u\u00dfersten Leichtsinn treiben. Er w\u00fcrde die absurdesten Dinge tun, um D\u00fdamir\u00e9e zu retten. Denn D\u00fdamir\u00e9e war nicht weiter als ein unschuldiges, <em>unkundiges<\/em> Kind. Sie hatte es nicht verdient, in einen solchen Wahnsinn, geboren aus uralter, tiefer Magie, hineingezogen zu werden.<\/p>\n<p data-p-id=\"b59ab384caf2a6cf2582b869cb69d64c\">Ich schaute m\u00fcde auf das Kuscheltier herab. D\u00fdamir\u00e9e war nicht sicher in unserer Welt. In einer Welt, in der jederzeit gr\u00e4ssliche Monster und wahnsinnige verfluchte Magier auftauchen konnten. In einer Welt, in der sie nie Zugang zu anderen Menschen finden und Freundschaften schlie\u00dfen konnte. Menschen mieden uns. Yalomiro ersparte mir, sooft es ging, mich mit den Leuten aus den an den Boscarg\u00e9n angrenzenden D\u00f6rfern abgeben zu m\u00fcssen. Es war nichts Pers\u00f6nliches zwischen ihnen und uns, das war mir klar. Aber wer wusste schon, wie sich das Unbehagen anf\u00fchlen mochte, das sie uns gegen\u00fcber empfanden, sobald sich ein Kontakt nicht vermeiden lie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"91b05864692e49e2e47bb9f0113201f4\">Ich dr\u00fcckte das Kuscheltier an mich. Meine Gedanken wurden immer tr\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"c5d7717ed2078abef8864b1b856ce43f\">Ob es f\u00fcr D\u00fdamir\u00e9e besser sein w\u00fcrde, unkundig und unbeschwert anderswo aufzuwachsen? Vielleicht am Hof von K\u00edan\u00e1 von Wijdlant, wo die <em>yarlay<\/em> eingeweiht waren und Yalomiro respektierten? Wo andere Kinder waren, die zu ihr passten? Ob D\u00fdamir\u00e9e als Gef\u00e4hrtin der <em>teirandanja <\/em>gl\u00fccklicher, <em>passender<\/em> w\u00e4re als bei uns?<\/p>\n<p data-p-id=\"128b39033d1f162de55b2f5a43ca5ea3\">Dass mir ernsthaft solche Gedanken kamen, D\u00fdamir\u00e9e zu ihrem eigenen Besten in die Fremde zu Unkundigen zu schicken, ohne dass ich \u00fcberhaupt wusste, was ihr widerfahren war, st\u00fcrzte mich in eine \u00fcble Gedankenspirale. Ich hielt es noch einen Moment durch. Dann begann ich, hemmungslos zu weinen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1177fbcf511ec3bb64033bcd761cfe98\">Wie lange ich so gesessen, geschluchzt und irrationale \u00dcberlegungen angestellt hatte, wusste ich nicht mehr zu sagen. Ein kurzer, unerwarteter Schmerz lie\u00df mich aufschrecken.<\/p>\n<p data-p-id=\"97b74dc88be7a98370a27f7ed2f7b613\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor zog schnell seine goldbeschlagenen Handschuhe weg. Er hatte wohl nicht daran gedacht und wollte mir sicher nicht weh tun.<\/p>\n<p data-p-id=\"67a4b92cd7ae31149a2af16b8c11d751\">\u201eMeisterin&#8221;, sagte er verlegen, \u201eschaut. Das Portal \u00fcber der Burg &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"086c574213d57a7a8d82fbbf42f3bbd0\">Ich schniefte, wischte mir verlegen mit dem Kuscheltier die Tr\u00e4nen weg und folgte seinem Fingerzeig. Das Loch im Himmel war fort. Nokt\u00e1mas Schleier hatte keinen Schaden mehr. Und die Sterne \u00fcber der W\u00fcste waren wundersch\u00f6n.<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"3c6ff3af309ec4dcb79b03b27622946b\">Advon konnte nicht recht glauben, was er sah, als sie sich dem Ciel\u00e1stel n\u00e4herten. Sicherheitshalber lenkte er Farbenspiel in einem weiten Bogen um das Geb\u00e4ude herum, sodass sie aus sicherem Abstand einen Blick auf den Tumult werfen konnten. Die Dunkelheit und ihre Flugh\u00f6he sorgten daf\u00fcr, dass die Menschen auf der Erde sie nicht bemerkten. Abgesehen davon interessierte sich keiner von ihnen f\u00fcr das, was am Himmel vorging.<\/p>\n<p data-p-id=\"20a5c97be0fd984f0ccb1fe5266c2f99\">\u201eWas soll das?&#8221;, rief Advon erschrocken aus. \u201eDie schmei\u00dfen <em>Steine<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"638b361ad6d19e73c6440a38ed16af57\">\u201eOje&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e mitf\u00fchlend. Sie konnte etwas besser sehen, welchen Schaden das Hauptportal des Ciel\u00e1stel bereits genommen hatte. \u201eSo viele Scherben &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5cbc9639634f47d98eb529cd1b42fa3f\">\u201eDa sollten keine Scherben sein! Unsere Mauern sind &#8230;&#8221;, er z\u00f6gerte und f\u00fcgte kleinlaut hinzu: \u201e&#8230; unzerbrechlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02a29ca0d4ca84d3691a9653d35affb3\">\u201eWarum wollen die Unkundigen denn eure sch\u00f6ne bunte Burg kaputt machen?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e. \u201e\u00c4rgern sie sich so sehr \u00fcber euch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"48e286fc4e860b43051b1da0685238c9\">Advon antwortete ihr nicht. Er h\u00e4tte nicht gewusst, wie er dem M\u00e4dchen in kurzen Worten erkl\u00e4ren konnte, warum Unkundige die Regenbogenritter nicht ihn ihrer Stadt haben wollten. Vielleicht hatte D\u00fdamir\u00e9e in den letzten Stunden erkannt, wie dumm und zerst\u00f6rerisch Menschen sein konnten. Aber ihr die Zusammenh\u00e4nge beim n\u00e4chtlichen Galopp auf einem Einhorn zu erkl\u00e4ren, w\u00e4hrend dort unten sein Zuhause zu Bruch ging, das war etwas viel verlangt.<\/p>\n<p data-p-id=\"35b71d2c2700f5a2c451b40e6f79fb8e\">\u201eMeine Mama&#8221;, sagte sie nachdenklich, \u201ehat gelernt, wie sich den Schutzbann um unser Haus legt. Und Papa hat einen Zauber um unseren Wald gelegt, damit sich niemand unbemerkt anschleicht. Haben deine Eltern das nicht gemacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f63666a243682df16010de9ac301a8a\">Dar\u00fcber musste er nachdenken. Er wusste es nicht. So etwas war nie zuvor vorgekommen.\u201eDoch! Ganz bestimmt. Aber &#8230; funktioniert das auch, wenn niemand daheim ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a793d820fd3dcdfbae6ae06a4d97c76\">\u201eMama sagt&#8221;, plauderte D\u00fdamir\u00e9e weiter, w\u00e4hrend dort unten Steinw\u00fcrfe die Mauern zerspringen lie\u00dfen, \u201esie findet das gut, mit unserem Schutzzauber. Sie sagt, es verhindert, dass irgendwann Leute mit Fackeln und Mistgabeln vor dem Eta\u00edmalon stehen. Die Unkundigen haben Angst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4b6c4d40a806cf3933a3121ca1e3b676\">\u201eVor euch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44a70958beb6a78df11229eaf2124f71\">D\u00fdamir\u00e9e nickte.<\/p>\n<p data-p-id=\"704a22e42e6b184dcb2b09a96e417988\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5d5dbf149652620bb82cd0003cca7837\">\u201eVielleicht aus demselben Grund wie die da unten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"503da2f702c4a9c5697c260770cdf33d\">Farbenspiel hatte derweil die Burg einmal umrundet, lautlos, am dunklen Himmel nicht beachtet von dem Mob vor den Toren der magischen Burg.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4623d418ad8879a43496da5526b355d\">\u201eUnd was sollen wir nun tun? Wir k\u00f6nnen doch all diese verr\u00fcckt gewordenen Unkundigen nicht allein aufhalten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94bc127d55e6fa6616bc522779f8ffe9\">\u201eNicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96e1839d24968cab10519092b7621fc8\">\u201eWir sind Kinder! Wie sollen wir das machen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c50dcd30a6d298362831016071b83b7d\">\u201eVielleicht reicht es ja, wenn einfach wieder <em>jemand<\/em> zuhause ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96831c7dd5ea6975a6e963a104cb926c\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32f187d0546ca52f8bf8d0eb748baeda\">Sie seufzte. Wahrscheinlich hielt sie ihn f\u00fcr begriffsstutzig. \u201eDu hast gesagt, du wei\u00dft, wie wir ungesehen in die Burg kommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"071966bd612b7008f9698197c8c68cc5\">\u201eJa, wir landen einfach auf der Br\u00fccke vom blauen Turm und laufen rauf in das Schulzimmer. Da sind wir verdeckt vom Hauptturm, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a8abb488588c8c7a3937d4819163ccf\">\u201eDann los. Selbst wenn sie ein Loch in die Mauer bekommen, ist da noch der tiefe Graben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4e30fddd03331283bb5e9df8cb0942a\">\u201eIch will nicht, dass sie den Graben \u00fcberwinden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf8078c66c56dd42f25dd096bc2d6ef6\">D\u00fdamir\u00e9e l\u00e4chelte ihn undurchschaubar an. Er verstand.<\/p>\n<p data-p-id=\"f958be1be555089542bb72c45e16bbf4\">Ja &#8230; er <em>wollte<\/em> <em>nicht<\/em> &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"5cbfa360a09ab447b38ba5546eba7dec\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"6c3c373d61b71c63d17b58aa0317a6ab\">Der <em>maedlor<\/em> war von weit weniger kr\u00e4ftiger Statur als der Maultierf\u00fchrer, und die schwersten Lasten, die er den Tag \u00fcber schleppen musste, waren die dicken Rechnungsb\u00fccher und Pergamente mit Gesetzen von einem Schreibpult zum n\u00e4chsten. Trotzdem gelang es dem jungen Mann mehr recht als schlecht, seinen Amtsherrn in die vermeintliche Sicherheit des Burghofes zu schleppen.<\/p>\n<p data-p-id=\"09ac83ed285462273b70c0d2373d6529\">\u201eIch schaue nach&#8221;, rief die <em>sinora<\/em> und eilte, so schnell es ihre gebrechlichen Glieder zulie\u00dfen, hin\u00fcber zu der gro\u00dfen Zugwinde, mit der das Tor bedient wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"3efbb43e0001f73ccb93dc695bd12c60\">Derweil erklang drau\u00dfen vor dem Tor ein entsetzlicher L\u00e4rm. Der aufgebrachte Mob schrie, fluchte und johlte laut, wann immer es jemandem gelungen war, einen Treffer mit einem der zahlreich vorhandenen Steine zu landen. Das schrille Klirren und Prasseln von Scherben der besch\u00e4digten Glasmauern lie\u00df auf nichts Gutes schlie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d68eee87c45c4660bf7796d6eb17900\">Wieso gelang es ihnen, den Ciel\u00e1stel zu <em>besch\u00e4digen<\/em>? Warum war das sch\u00f6ne bunte Glas pl\u00f6tzlich zerbrechlich? War das herrliche Geb\u00e4ude ganz ohne Schutz geblieben?<\/p>\n<p data-p-id=\"a866a794233ef8274144a676dc33c02d\">Und das, dachte die <em>sinora<\/em> bang, das sind nur kleine Steinchen. M\u00f6gen die M\u00e4chte verh\u00fcten, dass sie auf die Idee kommen, eine Kriegsmaschine herbeizubringen, die gro\u00dfe Felsen schleudern konnte. Gab es so etwas eigentlich noch, so lange Zeit nach der letzten Belagerung von Aur\u00f3p\u00e9a, beschlagnahmt und eingemottet in irgendeinem Schuppen am Rand der Stadt?<\/p>\n<p data-p-id=\"3f33839ec3d38ebac21195e0b28e3cbe\">Was war nur dieser n\u00e4chtliche Wahnsinn, der so viele Bewohner von Aur\u00f3p\u00e9a zur n\u00e4chtlichen Stunde ein so h\u00e4ssliches, zerst\u00f6rerisches Gesicht zeigen lie\u00df?<\/p>\n<p data-p-id=\"36be21a92818096a120551b54ece2a07\">\u201ePatagh\u00edu&#8221;, murmelte sie vor sich hin, trippelte unsicher hin\u00fcber zum Seilzug und sah dort, was sie bef\u00fcrchtet hatte. Der Maultierf\u00fchrer machte sich an der Winde zu schaffen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2456cb659d4b85d50dc8a55ff17a269e\">\u201eNicht!&#8221;, bat sie ihn flehentlich. \u201eLass sie nicht rein! Sie werden die Burg zerschlagen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a859aaa78a0db4006e0d2ba09dbacf4\">\u201eIst nichts Pers\u00f6nliches, Herrin&#8221;, gab er zur\u00fcck. \u00dcberrascht war sie \u00fcber die Tr\u00e4nen in seiner Stimme. \u201eWill niemanden &#8216;reinlassen. Will raus hier!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8c9aa86b54c33f397bdf978b997fbc0\">\u201eRaus?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fef32d7151f245d37fcae30e460efb08\">\u201eWenn Aur\u00f3p\u00e9a kaputt ist &#8230; meine Tiere &#8230; meine <em>h\u00fdardora<\/em> und die Kinder &#8230; hab &#8216;nen gut gehenden Mietstall, da in der Stadt. Und wenn mein Bruder mit denen ist, dann &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"14ad63405a373002b4d4b8b8f5aba2a7\">\u201eSie werden hier herein st\u00fcrmen, alles in Scherben schlagen und uns vielleicht dazu.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88b98a0112b1435c9e0c3cf1cad2bf10\">\u201eDu!&#8221; Der <em>maedlor<\/em> stolperte heran, Sah\u00e1al\u00edr ungl\u00fccklich um seine Schultern geklammert. \u201eDas ist Hochverrat!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b148b53f88e721ffbec21593b762b5fa\">\u201eAch ja? Gegen wen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"67bda0c200b3ff6834b62db4f28ba4ff\">\u201eGegen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"be5dd0e13b89202b9e71e63cc7e44cda\">\u201eGegen <em>niemanden<\/em>! Wir sind hier nicht in Aur\u00f3p\u00e9a! Wie&#8217;s aussieht, hindert mich niemand. Das hier ist nur&#8217;n Haufen Glas und Glitzer! Die Buntkerle sind fort!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92a10fb80fd4764f2703675c50bb00e6\">\u201eVielleicht kommen sie zur\u00fcck!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a118eb9df9d30f107ba5a0e83ee03b95\">\u201eDann k\u00f6nn&#8217; sie sich da drum k\u00fcmmern! Ich nehm meine Viecher und verschwinde hier!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08fee04d7ad68881ca5aa65a1010711a\">\u201eDas wagst du nicht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"95bd6bb1318daa77b4c5b9cfb4277441\">\u201eWer will mich hindern? Die alten Leute? Oder du, Federschubser?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"50a395fc0d8673f115f306f077a0a07b\">Der <em>maedlor<\/em> z\u00f6gerte. Viele Handlungsoptionen blieben ihm nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"90fdce015991655a7721a3dbdf67ca17\">\u201eWillste nicht wissen, was derweil drau\u00dfen passiert ist? Was deinen Leuten und Sachen zugesto\u00dfen ist, w\u00e4hrend wir hier eingesperrt waren? Bei all dem Irrsinn, den die Buntkerle angerichtet hatten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d5f4b80df218e03f5f6d7e235509a346\">\u201eDas war nicht das Werk der Regenbogenritter!&#8221;, emp\u00f6rte sich die <em>sinora<\/em>. \u201e\u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"54cd80152042a11d1bf73ea094e7b309\">\u201eGenau so&#8217;n Dreckskerl wie der Rest vom <em>konsej<\/em>! Von den hohen Herren! Von den Geldprotzen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f966f6d10afa99732c2fca01b9704075\">\u201eVon denen <em>du<\/em> ein gutes Auskommen hattest,&#8221; erinnerte Sah\u00e1al\u00edr. Die Menge vor dem Tor feierte einen weiteren Treffer, der von einem sehr bizarren Klang begleitet wurde. Offenbar begann irgendwo, Glas zu <em>rei\u00dfen<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"0972ec2a820117d1a1c36f6a0159b35c\">\u201eDa ist ein Pferd im Stall zur\u00fcckgeblieben&#8221;, sagte der <em>maedlor<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"d6111d04eb02045b3019c7c9f6b654e4\">\u201eDas behalte ich! F\u00fcr all die Umst\u00e4nde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"113c67c528544825344351feae41fb37\">\u201eDu wirst das bereuen!&#8221;, sagte die <em>sinora<\/em> entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p data-p-id=\"613ae66cfc137421ac85fa1a0e5ed094\">\u201eIst nichts pers\u00f6nliches, ehrenwerte <em>sinora<\/em>&#8220;, sagte der Maultierf\u00fchrer. \u201eIst nur f\u00fcrs \u00dcberleben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b2472422b97284446191fe13626a3ac\">Und er l\u00f6ste den Hemmschuh, der die Zahnr\u00e4der des Kettenzuges b\u00e4ndigte. Mit ohrenbet\u00e4ubendem Rattern drehte die Winde durch und das h\u00f6lzerne Br\u00fcckentor krachte ungebremst nieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d65ba5d0c232f1e48a231d7d98abb7b\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"ff68d1e9952b33c2bcba05c3e101387a\">Jeder Stein, der den Ciel\u00e1stel traf, traf auch das Herz des Stallmeisters. Anfangs hatte er noch versucht, mit beschwichtigenden Worten die anderen zu \u00fcberzeugen, ihr Vorhaben aufzugeben und sich um Aur\u00f3p\u00e9a zu k\u00fcmmern. Doch nachdem sich gezeigt hatte, dass mindestens zwei der <em>sinoray<\/em> ganz offensichtlich rechtzeitig von der Flut gewusst und sich in der Burg in Sicherheit gebracht hatten, war der Mob entfesselt. Um nicht selbst zur Zielscheibe zu werden, hatte er schlie\u00dflich geschwiegen und sa\u00df nun niedergeschlagen auf einem der Steine, die die Endpunkte der Zugbr\u00fccke markierten. Nie im Leben hatte er gesehen, dass diese geschlossen gewesen war. Ob die gr\u00e4ssliche alte Sileda\u00fa ihre d\u00fcrren Finger in der Sache hatte? Oder der <em>sinor<\/em> \u00daldaise, den jeder in der Stadt f\u00fcr eine Ausgeburt der Bosheit hielt?<\/p>\n<p data-p-id=\"b233b2c29fd1ff48f53a59765843ad58\">Die Mauer rund um das Tor begann, sich unter den Einschl\u00e4gen der kleinen Steine mehr und mehr wei\u00dflich zu verf\u00e4rben. Unz\u00e4hlige Risse breiteten sich im Inneren der Glaswand aus. Wenn sie noch ein paar Gongschl\u00e4ge lang weiter machten und wom\u00f6glich noch Verst\u00e4rkung aus der Stadt holten, dann w\u00fcrden sie langsam und mit Geduld die Mauer zerschmettern.<\/p>\n<p data-p-id=\"4dae18e022e7e9c59ff8347df9600a14\">Der Graben davor allerdings, der wurde zunehmend unpassierbar, selbst wenn jemand es gewagt h\u00e4tte, hinab und hindurch zu klettern. Wer ungl\u00fccklich abrutschte und hinein fiel, der w\u00fcrde von den zahllosen Scherben t\u00f6dlich durchbohrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d7f1d13d8eb281047c17946fcdefe506\">Der Stallmeister seufzte und beschloss, Soldes\u00e9r zu verlassen, sobald wieder Tageslicht herrschte. In der N\u00e4he dieser Stadt und ohne die Einh\u00f6rner, ohne die Regenbogenritter und die g\u00fctige <em>faj\u00eda<\/em> wollte er nicht sein. Und ganz sicher nicht ohne den kleinen Jungen. Mochten die M\u00e4chte geben, dass er mit seinen Leuten an einen sicheren Ort gegangen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"42768c804b138ba40447965f6015b4cf\">\u201eDie Br\u00fccke!&#8221;, schrie da pl\u00f6tzlich jemand \u00fcber das Splittern und Gejohle hinweg. Der Stallmeister wandte sich um, und sah im Mondlichtschatten die m\u00e4chtige h\u00f6lzerne Br\u00fccke auf sich zu st\u00fcrzen. Geistesgegenw\u00e4rtig sprang er auf und zur Seite, und dann bebte der Untergrund unter der Wucht, mit der die Planken auf den Stein nieder krachten, knirschten, splitterten und brachen und in dicken Tr\u00fcmmern auf die Scherben im Graben aufprallten. Es klirrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"36be8f789c1b2f7afbcab17f471a6064\">Als er wieder aufblickte, gewahrte er genau gegen\u00fcber, unter dem Torbogen, seinen Bruder, einen ihm unbekannten Mann in der Kluft der st\u00e4dtischen <em>maedloray<\/em> und die alte <em>sinora<\/em> und den Stadt\u00e4ltesten, Letzterer mit letzter Kraft wie ein unf\u00f6rmiger Umhang am Hals des j\u00fcngeren Mannes festgeklammert. Sie schienen best\u00fcrzt zu sein. Und er, er fand sich pl\u00f6tzlich in erster Reihe, der Meute gegen\u00fcber.<\/p>\n<p data-p-id=\"d1f84c6a138b9e7eb2ce4282f34bd824\">\u201eVerflucht&#8221;, brach dann jemand das Schweigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"68aa1af1fc532deb851b8f8199ef72d8\">Und dann, ganz laut und hoheitsvoll und aus der hintersten Reihe, die wohlbekannte Stimme der <em>faj\u00eda<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"0b26e8f1493c2b118cebe8fc3812d968\">\u201eWas&#8221;, rief sie aus, \u201ebei Patagh\u00edu und allen M\u00e4chten, ist hier los?&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2737","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2737","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2737"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2737\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3659,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2737\/revisions\/3659"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2737"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2737"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2737"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}