{"id":2733,"date":"2025-08-25T14:18:04","date_gmt":"2025-08-25T12:18:04","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2733"},"modified":"2025-08-31T09:18:20","modified_gmt":"2025-08-31T07:18:20","slug":"163-das-schwert-unter-den-roten-blumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/163-das-schwert-unter-den-roten-blumen\/","title":{"rendered":"163: Das Schwert unter den roten Blumen"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"3c2de4d25cf4bc4e1ed29249f131d6bf\">Es war ein ungewohnter Anblick, Yalomiro hoch zu Ross zu sehen, anstatt in Gestalt eines Pferdes. Allerdings schien er selbst recht dankbar zu sein, dass Elos\u00e1l den <em>maedlor<\/em> den Pfad entlang geschickt hatte, den Advon ihr gewiesen hatte. Der junge Mann f\u00fchrte \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9s Ross als Handpferd und hatte Yalomiro auf halber Strecke aufgelesen. Ich erschrak bei seinem Anblick. Yalomiro war kreidebleich, konnte sich kaum gerade im Sattel halten und schien insgesamt ganz unsicher und unkoordiniert zu sein, so als k\u00f6nne er nicht richtig sehen und Balance halten. Ohne den schrecklichen Zauberstab, der zu meinem Entsetzen nun doch nicht ganz aus dem Weltenspiel verschwunden war, w\u00e4re er wohl gar nicht auf die Beine gekommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6c737f970bb0abcb562d91bfae2acac3\">\u201eYalomiro!&#8221;, rief ich erschrocken und rannte auf ihn zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d34259ca3c2398750ea737f4ce9921d\">Er hob m\u00fcde die Hand. \u201eNicht erschrecken, Salghi\u00e1ra. Es ist alles gut, wie es ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c88eb070dc357e53dda7f6e2c955cd55\">\u201eWas ist mit dir passiert?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b065965afdf0f462d7c795f56bbd7dd\">\u201eEs ist alles gut. Ich bin nur &#8230; m\u00fcde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eec771345bc386a0fbc30e87a65bb301\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor wollte ihm beim Absteigen helfen, besann sich aber und winkte den Stallmeister heran, der irgendwann im Laufe der chaotischen Nacht wieder in den Ciel\u00e1stel zur\u00fcckgekehrt war. Zusammen mit dem <em>maedlor<\/em> wuchteten sie Yalomiro aus dem Sattel. Ich hatte ihn so gern st\u00fcrmisch umarmt, aber damit h\u00e4tte ich ihn nur umgeworfen. Also legte ich nur vorsichtig meine Arme um ihn und schmiegte mich an seine Brust. Er legte die Hand auf meinen R\u00fccken. \u201e<em>H\u00fdardora<\/em>&#8220;, fl\u00fcsterte er. \u201eSalghi\u00e1ra. Endlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0de69f46a6c4ece98155f2f1168bfe7\">\u201eYalomiro&#8221;, wisperte ich und f\u00fchlte mich unsagbar erleichtert. Er war wieder da. Nun <em>konnte<\/em> nichts mehr passieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a598fccb93b2617b12df0d1c2d66726\">\u201eWas ist passiert?&#8221;, fragte er. \u201eWas ist es dir ergangen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6b70ee972f3a4bd57579674e18cbd274\">\u201eIch &#8230;&#8221;, holte ich aus und war nahe daran, ihn mit all den Neuigkeiten zu erschlagen, mit dem Regen, den ich beschworen hatte, mit dem Geysir, den Elos\u00e1l und ich geschaffen hatten, mit der Jagd der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> auf die Monster, mit &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"02c95880a9da03edb4e166427aa5732f\">Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und legte meine Stirn an seine, die eiskalt war, ungeachtet der Hitze am Rande der W\u00fcste. Das war besser, viel besser. Elos\u00e1l fasste C\u00fdel\u00fa am \u00c4rmel und zog ihn l\u00e4chelnd ein St\u00fcck von uns weg. Aber er h\u00e4tte nicht misstrauisch sein m\u00fcssen. Sein Geheimnis, das w\u00fcrde ich bewahren, bis er es einmal selbst erz\u00e4hlte. Das hatten wir miteinander vereinbart.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff00fce6b0b4c10f22df4cca4d2bf195\">\u201eDas hast du sehr, sehr gut gemacht, Salghi\u00e1ra&#8221;, fl\u00fcsterte Yalomiro. Seine Umarmung war erschreckend kraftlos. \u201eUnd ganz, ohne dass ich dir zugeschaut habe. Siehst du? Du <em>kannst<\/em> es aus eigener Kraft. Du brauchst mich nicht, um stark zu sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"533c200a742ccf0e4db3c4f4d8fe2978\">\u201eAber du hast mir gefehlt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82e520755d38a3adb40abe2d65ac1cbe\">Er schmiegte seine Wange an meinen Kopf. Seine Gedankenstimme war auch sehr leise, aber sie fand bessere Worte als seine Zunge. <em>Beieinander<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"9216f8eb314fd4c90f047674592435ef\">C\u00fdel\u00fa r\u00e4usperte sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"b65974b1e860df80e526a12283bf18c0\">\u201eUnd was habt Ihr erlebt, Meister Yalomiro?&#8221;, erkundigte sich Elos\u00e1l. Wahrscheinlich hatten wir weit l\u00e4nger so zweisam dagestanden, als es vor Zuschauern h\u00f6flich war.<\/p>\n<p data-p-id=\"e58bc6dfff0862cbd92092eedb2214fe\">\u201eNicht viel&#8221;, behauptete er bescheiden. \u201eHaupts\u00e4chlich bin ich im Dunklen herumgetappt und habe Leere und Zwielicht durchwandert. Zumindest, solange ich nicht bewusstlos war und mich von jungen Kindern retten lassen musste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c3ce480880e04e604ab2e50c28ca69e\">\u201eDa habe ich von meinem Sohn aber zwischenzeitlich weit haarstr\u00e4ubendere Dinge geh\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f49e5a03ae294dc2786615f3c93d7d78\">\u201eIhr wisst, Meisterin &#8230; Kinder lieben gro\u00dfe Geschichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1849b04f4a3e39ab5f609ca736343de\">\u201eWo Ihr es sagt: Wo ist bei alledem der <em>b\u00e1chorkor<\/em> geblieben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b78f7f47dc876df4d6809c21da9b15d\">\u201eIch denke, er ist l\u00e4ngst dort, wo das Weltenspiel ihn als N\u00e4chstes ben\u00f6tigt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2038bdd2443affd42b039374b6040b7b\">\u201eUnd er ist das, was wir wohl alle glauben, dass er ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ab2d15f35a8133d95b530489508b086\">\u201eJa. Dessen bin ich mir ganz sicher.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bff85b4c20c10dbd55c917923d23df10\">\u201eDann m\u00fcssen wir ihn schleunigst finden. Wir d\u00fcrfen ihn nicht aus den Augen lassen!&#8221;, sagte C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor alarmiert.<\/p>\n<p data-p-id=\"bd0fef093e997994bd229294cef32702\">\u201eDas wird nicht n\u00f6tig sein. Er wird auf unserer Seite sein, wenn es das gilt. Sich uns anschlie\u00dfen wird er sich nicht. Das haben Rotgewandete niemals getan. Sie m\u00fcssen allein wirken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a8ac4bdd862d6c6006e144cdf99aefe\">\u201eEr hat die Kinder gerettet&#8221;, gab Elos\u00e1l zu bedenken. \u201eIch will ihm danken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ec1ddeac520d8c725caa51aeaad5bcf\">\u201eDazu wird es sicher einmal die Gelegenheit geben.&#8221; Yalomiro st\u00fctzte sich auf mich und blickte zum Burgtor auf. \u201eUnd was ist Eurem Haus hier geschehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e4fb0c238b3a430a80e08b628a06c508\">\u201eUnkundige&#8221;, erkl\u00e4rte C\u00fdel\u00fa. \u201eOffenbar hat das entfesselte Chaos in der Stadt f\u00fcr ein wenig Unordnung und Missmut gesorgt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"817fd0c1d91fc16be3579961a58d9169\">Yalomiro schaute in den Graben. Dort glitzerte es so vielfarbig, so als h\u00e4tte jemand darin Altglascontainer ausgeleert. Die Zugbr\u00fccke dar\u00fcber hatten die Regenbogenritter notd\u00fcrftig mit Brettern geflickt, sodass die Pferde dar\u00fcber laufen konnten.<\/p>\n<p data-p-id=\"7353c5e9e50a2ce5d8c9371ba5265888\">\u201eDas ist ernst&#8221;, sagte er. \u201eWas werdet Ihr tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30d7504a8be4c02c3ebfecd9c5a19efd\">\u201eWir beraten uns dar\u00fcber mit den beiden <em>sinoray<\/em>, die uns hier besucht haben. Jene zwei wohl, die von all den \u00c4ltesten ihres Verstandes noch m\u00e4chtig sind. Wir m\u00fcssen mit der Stadt Aur\u00f3p\u00e9a zu einer Einigung kommen. Aber die alten Leute schlafen noch. Wir geben ihnen die Ruhe, die sie brauchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3ccbe42156e339e1605a97c397f91b5\">\u201eEiner anderen Einigung, als der, sich gegenseitig m\u00f6glichst zu ignorieren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d911423fba0bb2ed90875035b3f38d95\">\u201eSie brauchen unsere Hilfe, Meister Yalomiro, auch wenn sie es nicht ahnen. Es ist etwas Schlechtes in der Stadt, etwas, das wir uns nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08eea83f26c8c8548fb498d8579c5035\">\u201eWeil es nichts Magisches ist&#8221;, setzte C\u00fdel\u00fa hinzu. \u201eAlso k\u00f6nnen wir es nicht mit Magie beheben. Das m\u00fcssen die Unkundigen selbst tun.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fdb08a6b4622c50e21472bb61674f8d5\">\u201eNun&#8221;, sagte er, \u201edann will ich Euch nicht dreinreden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f13a45c99c1639dd9ae3b4a30c40b00\">\u201eWir werden uns mit den ehrenwerten <em>sinoray<\/em> beratschlagen&#8221;, sagte Elos\u00e1l. \u201eWir werden es finden und l\u00f6sen. Und wenn Ihr uns dabei beistehen k\u00f6nnt &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec6f1717304dabbc33a23c7ce672b108\">C\u00fdel\u00fa seufzte, aber nur ganz leise.<\/p>\n<p data-p-id=\"8a1ab6c978b370939e3f851cd406ccba\">\u201eDie M\u00e4chte wollen wohl, dass wir zusammenwirken&#8221;, antwortete ich. \u201eJeder auf seine Weise.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"52c55c2b5d38e94ade0d0775378d3585\">\u201eWerdet Ihr das reparieren, Meister?&#8221;, fragte der <em>maedlor <\/em>unbehaglich, mit Blick auf den Scherbenhaufen und die Splitter, die seinesgleichen in der Nacht hinterlassen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6d0b8137281f264a8edfce30f0d64d7c\">\u201eNein. Ich denke, wir lassen es vorerst so. Bevor noch jemand vergisst, was sich hier zugetragen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e37a79fd711d62ba66d07813cc333c2d\">Der junge Mann senkte besch\u00e4mt den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"038e2935b808048e5d46c84a5e5cc8ae\">\u201eDer Schaden in Aur\u00f3p\u00e9a d\u00fcrfte gr\u00f6\u00dfer sein als die paar Scherben hier. Wir bieten euch an, das zu beheben. Sag das den Leuten. Aber entscheidet selbst, ob ihr es annehmen wollt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d8c70e28734aee999736fee470f5f558\">\u201eJa, Meister.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9443055a4edbdba0ac3a4f2bb2a403bd\">\u201eGut. Dann geht ihr beiden nun zur\u00fcck in die Stadt, nehmt die Maultiere mit und sorgt daf\u00fcr, dass morgen, gegen Abend, wenn es k\u00fchler wird, eure <em>sinoray<\/em> eine bequeme S\u00e4nfte oder Kutsche bekommen und ihre Villen f\u00fcr ihre Heimkehr vorbereitet sind. Sie sind unsere lieben G\u00e4ste bis dahin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b2b5c336c58da967d133234f3026db9\">Der Stallmeister und der <em>maedlor<\/em> entfernten sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"7214321226de1595f22e421021756207\">Elos\u00e1l wandte sich uns zu. \u201eUnd was k\u00f6nnen wir f\u00fcr Euch tun, Meister Yalomiro?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"511fdb65a43e45576d37b52f3bf71799\">\u201eWenn es recht w\u00e4re, dann w\u00fcrde ich es gern den <em>sinoray<\/em> nachtun und eine Weile einfach nur ausruhen. Drei, vier N\u00e4chte vielleicht, bis meine Kraft wieder halbwegs hergestellt ist. Wenn Ihr uns so lange hier duldet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb7d6d86290bf6eab20b1f3e6692df81\">\u201eIhr seid unsere G\u00e4ste, Meisterin Salghi\u00e1ra, Meister Yalomiro.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81d6920c812a9df2fc55f4944447ca05\">\u201eOhne Euch kr\u00e4nken zu wollen &#8230; ich w\u00fcrde es vorziehen, hier drau\u00dfen zu bleiben. Ihr versteht &#8230; das Gold.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6272df34965ec858050f36a06b79f8dd\">\u201eWir finden sicher ein Sonnensegel, das Euch nicht weh tut&#8221;, sagte C\u00fdel\u00fa. Ich kam nicht umhin, zu bemerken, dass er <em>erleichtert<\/em> schien, dass Yalomiro den Ciel\u00e1stel nicht betreten wollte. \u201eLagert hier drau\u00dfen, solange es Euch gef\u00e4llt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d615223138a36b487b2e6b6039115f7c\">\u201eIch werde nicht l\u00e4nger bleiben, als Ihr es ertragt&#8221;, gab Yalomiro h\u00f6flich zur\u00fcck. \u201eNun gut. Vielleicht ein paar Gongschl\u00e4ge l\u00e4nger.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55780f376aada31eb6b1c77f9c82dfb3\">C\u00fdel\u00fa runzelte die Stirn. Yalomiro verzog keine Miene.<\/p>\n<p data-p-id=\"e8615b5d72f8b3792f8387d7fd4d3b0a\">\u201eUnd dieser verfluchte Zauberstab da?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"051396ef0db9aa98f369c7afd6ffbfc4\">Yalomiro hielt ihn dem Goldenen entgegen. \u201eWollt Ihr ihn haben? Meinetwegen behaltet ihn und macht etwas N\u00fctzliches draus. Einen Besen vielleicht, um den Schaden hier wegzukehren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dce0a85cacad215cdbed77dd1a961b6f\">\u201eSo denkt Ihr wohl, Euer h\u00e4ssliches Ger\u00fcmpel loszuwerden, was? Packt Euch und verschwindet mit dem Ding!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e503732a26f13926ddd6fdcf68024a49\">Ich war entsetzt \u00fcber dieses unvermittelte Wortgefecht. Doch dann bemerkte ich, dass Elos\u00e1l verstohlen kicherte.<\/p>\n<p data-p-id=\"827fc069b103ba3e518628021742ed0e\">\u201eSo haltet doch Frieden!&#8221;, bat ich. \u201eWas sollen die Kinder denken?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9a7a14c9a708ceeb2a32c9aa4dd5f7ff\">\u201eWo ist D\u00fdamir\u00e9e?&#8221;, fragte Yalomiro. \u201eWarum ist sie nicht bei dir, Salghi\u00e1ra?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8db8efac8392f2a05a2b3a785a3987e3\">Tja. Warum war sie nicht bei mir? Als ich mit C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor zum Ciel\u00e1stel zur\u00fcckgekehrt war, war er vorangegangen, um nach den Kindern zu suchen. Ich f\u00fchlte mich noch zu schwach, um die Burg mit all dem Gold zu betreten, also war er gegangen, hatte sie schlafend in Advons Schulzimmer vorgefunden und ganz behutsam, sodass sie nicht einmal aufgewacht war, zu mir ins Freie gebracht.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c008d7b36aef9d5fd4bc7750b8c8792\">So erleichtert, so gl\u00fccklich war ich gewesen, meine Tochter wieder bei mir zu haben! Ich hatte lange neben ihr gesessen und ihr einfach nur beim Schlafen zugesehen, w\u00e4hrend ich mir viele, ungeordnete und eher Emotionen als \u00dcberlegungen gleichende Gedanken durch den Kopf gingen. D\u00fdamir\u00e9e war offenbar unverletzt. Sie lebte. Und in ihren Tr\u00e4umen gingen viele sonderbare Dinge vor, ich nahm undeutliche, aufblitzende Bilder wahr, wenn ich vorsichtig hinein blickte. Es kam ein Wesen darin vor, ein Mensch, der gleichzeitig war und nicht war. Vielleicht das Letzte, was vom Verfluchten geblieben war.<\/p>\n<p data-p-id=\"c38ff03516927106fba83c1034ab9777\">Als es hell wurde und sie aufwachte, hatten wir ein inniges Wiedersehen miteinander erlebt. Aber dann &#8230; dann hatte sie doch tats\u00e4chlich <em>Wichtigeres<\/em> zu tun.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0eac669a3d82e9628fad99c66284553\">\u201eAdvon zeigt ihr den Ciel\u00e1stel&#8221;, erkl\u00e4rte ich Yalomiro. \u201eDie beiden haben sich so viel zu erz\u00e4hlen. So viel anzuschauen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"77d830177ba24d400d3e9ebbe286135c\">\u201eIch werde sie zu Euch schicken, sobald ich sie sehe. Es ist ja ein so liebes und verst\u00e4ndiges Kind. Ganz au\u00dfergew\u00f6hnlich, angesichts eines so anma\u00dfenden Vaters.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"592ab6991833abc622b00a978c59d27b\">\u201eC\u00fdel\u00fa!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc704bed90df04d1b1c6c00b754df6a1\">Yalomiro und C\u00fdel\u00fa blitzten sich gegenseitig aufgebracht an. Die Provokation brachte sogar etwas Leben in Yalomiro zur\u00fcck. Dann l\u00e4chelte er, verneigte sich mit vollendeter H\u00f6flichkeit, soweit er das fertig brachte, und wandte sich zum Gehen. C\u00fdel\u00fa schaute ihm verbl\u00fcfft nach, offenbar erstaunt \u00fcber den leichten Sieg.<\/p>\n<p data-p-id=\"6c148b4ec2b8176e4dfb41214e7a9cae\">Elos\u00e1l l\u00e4chelte mich an. Ihre Augen gl\u00e4nzten warm und golden. Ich nickte ihr zu. Und wie gut f\u00fchlte es sich an, endlich eine neue Freundin gefunden zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"7ba9c5787a42a1396206b415c232364b\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"423d51e951a59152321e1da040efe629\">Anders, als die Eltern es denken mochten, waren Advon und D\u00fdamir\u00e9e nicht im Ciel\u00e1stel. Allerdings hatten die beiden sich auch nicht allzu weit fortgemacht. Das Abend- und das Morgenkind standen beieinander am Weidezaun des magischen Geheges und schauten den Einh\u00f6rnern zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"16d62a25c73909ab3f233b2953936968\">\u201eHeute sind sie langweilig&#8221;, sagte Advon bedauernd. \u201eDu solltest sie sehen, wenn sie miteinander um die Wette laufen und k\u00e4mpfen und spielen. Sie h\u00fcpfen dann manchmal im \u00dcbermut wie die Zicklein, und der Boden bebt davon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92eaa44bed9890fc06f3b8f741fd7f0b\">\u201eIch glaube, die sind alle sehr m\u00fcde von heute Nacht. Ich finde es sch\u00f6n, wie sie da liegen oder grasen. So ruhig. So als w\u00fcrde nie etwas B\u00f6ses passieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9967810c6338749d8a173f07ad29601\">Sie betrachteten schweigend, wie die Einh\u00f6rner im Schatten der hohen B\u00e4ume d\u00f6sten. Farbenspiel lag platt auf der Seite und schnarchte h\u00f6rbar. Perlenglanz und Sonnenstrahl weideten Seite an Seite, so dicht, dass sie einander ber\u00fchrten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2bcef7dd57d2233412282f414953b235\">\u201eUnd wann reiten wir nun ans gro\u00dfe weite Meer?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p data-p-id=\"873ebf0c4029fdebed098e053e49beff\">\u201eIch wei\u00df nicht. Vielleicht sollten wir damit noch etwas warten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b46b424df8a678d6d648a9e05528565\">\u201eWarten ist langweilig. Ich will die Schiffe sehen, und die hohen Wellen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"038a632ff2f6e16b95d7ff95e089d058\">\u201eIch glaube nicht, dass meine und deine Eltern einfach so einverstanden w\u00e4ren, D\u00fdamir\u00e9e.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"94bc127d55e6fa6616bc522779f8ffe9\">\u201eNicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2f75e16ee18da73e8ee544b6c75ddd1\">\u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"704a22e42e6b184dcb2b09a96e417988\">\u201eWarum?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2cd6ad0cafdbc9fb47d610822486c459\">\u201eWeil wir Kinder sind. Darum. Wir k\u00f6nnen so etwas noch nicht allein bestimmen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"931cd2c09b1a817b0728cc45bb614a58\">\u201eAch ja.&#8221; D\u00fdamir\u00e9e st\u00fctzte das Kinn auf die H\u00e4nde. Ihr gr\u00fcner Blick verdunkelte sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"038978ef5b765a112c46971650d033df\">Eine Weile h\u00f6rten sie dem beruhigenden Ger\u00e4usch zu, das die Einh\u00f6rner beim Gras rupfen machten, dem sachten Wind und dem Gesang der V\u00f6gel.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4ade8c6b8493c58dd1037181168d11f\">\u201eDeine Eltern werden sicher bald wieder in euren Wald zur\u00fcckkehren&#8221;, sprach Advon es aus, um es hinter sich zu bringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"01c4d5b47ea246da6e5d78e9d94d11a7\">\u201eJa&#8221;, murmelte D\u00fdamir\u00e9e. \u201eMama und Papa k\u00f6nnen einfach nicht in eurer sch\u00f6nen Glasburg sein. Das tut ihnen weh. Nokt\u00e1ma will das nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f286b62ff18b7c587808d7f5b00586e\">\u201eOb es meiner Mama und Papa weh tun w\u00fcrde, in eurem Wald zu sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0e768ac4c5cbb387a97cb7ec9381c05\">\u201eIm Wald wahrscheinlich nicht. Deinem Papa hatte das nichts ausgemacht. Aber vielleicht k\u00f6nnten sie unser Haus und Nokt\u00e1mas Heiligtum nicht betreten. Das w\u00fcrde Patagh\u00edu vielleicht nicht m\u00f6gen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e87f103cc4239bdf456edd115e46807d\">\u201eIch h\u00e4tte so gern deinen Wald gesehen. Und die vielen gro\u00dfen B\u00e4ume.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8ee0da0de469a098d0a78d2de1aa9fe4\">\u201eUnd den See. Der See ist so sch\u00f6n &#8230;&#8221; Sie blickte auf. \u201eDu musst mir versprechen, dass du mich ganz oft besuchen kommst. Dein Papa kann dich doch zu uns bringen. Und wir m\u00fcssen die unkundigen Kinder wieder finden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a65b475a063db5dc3145a175ee0d2965\">\u201eDie sind auf der anderen Seite des Montaz\u00edel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0106d5df14a507aa01084c48038a4c48\">\u201eDa kann Farbenspiel hin\u00fcber fliegen. Wenn er sich ausgeruht hat. Das kann sogar mein Vater, wenn er ein Rabe ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"46f0e0165abea933ebe27bfce340aeb7\">\u201eD\u00fdamir\u00e9e &#8230;.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c758c691a72df0a7d00ef96235550690\">\u201eIch will nicht, dass ich von dir wegmuss&#8221;, sagte sie kl\u00e4glich. \u201eAber ich will auch bei Mama und Papa sein, und nach Hause will ich auch, und &#8230; Ach &#8230; alles miteinander.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1ec04774bd441f0b8f1566961c973f76\">\u201eAlles miteinander ist unm\u00f6glich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f25f2afcc8d4e81cb66cf7efdacd4673\">\u201eIch kann mich aber nicht entscheiden. Ich will zur\u00fcck zu Mama und Papa und dem, was ich kenne. Aber &#8230; ich kenne jetzt mehr. Ich kenne jetzt dich. Da sollst dazu geh\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9361bc3ba30f42de892ada0c6fde951e\">\u201eIch will auch nicht, dass du weggehst&#8221;, sagte er, so tapfer wie er konnte. \u201eIch will nicht wieder so allein sein. Obwohl &#8230; nun, da Sileda\u00fa weg ist, wird sicher alles leichter. Hoffe ich. Ich habe nun meine Eltern zur\u00fcck, ohne falsche Sorge, ohne Angstmacherei. Es kann wieder so sch\u00f6n werden. Aber &#8230; ohne dich macht das keinen Spa\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e6b557e00cc5657f7aa2f5507cd39dc7\">\u201eUnd wenn wir uns verstecken? Nur eine Weile?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d18952a8e5ebf556a2fd2330b041a72e\">\u201eDas ist keine L\u00f6sung. Die finden uns doch, egal wo wir sind. Die k\u00f6nnen alle zaubern. Und es sind unsere Eltern. Wir k\u00f6nnen uns nicht vor Magie verbergen, die es gut mit uns meint.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e52b4c6b5af8df2af418a5da03fcd673\">\u201eAdvon?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6a4fdaa5d7a2dea71fa2801f25fefa46\">Sie schaute ihn mit gro\u00dfen, feuchten Augen an. Dann streckte sie ihre H\u00e4nde nach ihm aus. Er umarmte sie schluchzend. Vor den Einh\u00f6rnern war es ganz egal, dass er so traurig war. Und so teilten sie ihre Tr\u00e4nen miteinander, w\u00e4hrend das Leben der Unkundigen in Aur\u00f3p\u00e9a und im fernen Wijdlant weiterging und die Erinnerung an die Nacht des Chaos in den Menschenherzen verblasste.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"155c1f1b6aa65be57f1439ed2f1822f4\">Die neuen Gew\u00e4nder f\u00fchlten sich ungewohnt an, aber Gal\u00e9on war froh, dass er dies gleich als erstes angegangen war. Die zerschlissenen Lumpen, die er in Aur\u00f3p\u00e9a, am Rande der W\u00fcste getragen hatte, waren n\u00f6rdlich des Montaz\u00edel viel zu d\u00fcrftig, um ihn zu w\u00e4rmen. Nat\u00fcrlich war er vorsichtig gewesen, hatte den Gro\u00dfteil seines neuen Gep\u00e4cks und den Blumentopf gut versteckt und sich dann zum ersten abgelegenen Geh\u00f6ft begeben, das in s\u00fcdwestlicher Richtung von der gro\u00dfen Burg von Wijdlant am Weg lag. Er war dort angekommen, bevor die Nacht hereinbrach. Eine freundliche B\u00e4uerin hatte ihm dort eines der leinenen Hemden und eine Hose etwas gek\u00fcrzt und enger gen\u00e4ht. Daf\u00fcr hatte er den gesamten Haushalt mit ein paar exotischen M\u00e4rchen aus Iva\u00e1l und sp\u00e4ter, als die Kinder schlafen gegangen waren, die Erwachsenen mit ein paar derberen Schamlosigkeiten aus For\u00e9tern unterhalten. Das alles war ihm leicht wie immer von der Zunge gegangen, aber es f\u00fchlte sich &#8230; <em>anders<\/em> an als zuvor. Unterhaltsam, voller Wortwitz, Phantasie und Lust, das schon. Aber es war ihm klar geworden, dass er nun, da er <em>andere<\/em> Geschichten kannte, nicht mehr so unbeschwert erz\u00e4hlen konnte wie zuvor.<\/p>\n<p data-p-id=\"480a56c8bdabfb161a6d9608057cb82c\">Mit dieser Erkenntnis hatte er sich am n\u00e4chsten Morgen fortgeschlichen, hatte sein Zeug aus dem Versteck geholt und war weitergelaufen, nach S\u00fcdwesten.<\/p>\n<p data-p-id=\"12a7f92c9a2c3e71d43611a77a77da70\">Doch die roten Gew\u00e4nder f\u00fchlten sich gut an, nicht wie die abgelegte Kleidung von fremden Leuten, die er gewohnt war und mit der man ihn hier und dort bezahlt hatte. Er fror nicht mehr darin. In die n\u00e4chste Siedlung, diesmal ein gr\u00f6\u00dferes Dorf, das er am folgenden Abend erreichte und das bereits zum <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Grootplen geh\u00f6rte, ging er mit gest\u00e4rktem Mut. Ein gutm\u00fctiger Handwerker reparierte den wackeligen Spaten. Auf die neugierige Frage, warum denn ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> so ein Ger\u00e4t mit sich herumtrug, hatte Gal\u00e9on eine heitere Schelmengeschichte parat, die die Dorfleute zum Lachen brachte und von weiteren Fragen abhielt. Man lud ihn ein, mehr davon gegen eine Mahlzeit zu tauschen. Gal\u00e9on nutzte die Gelegenheit, sich sp\u00e4ter nach M\u00e4rchen aus der Gegend zu erkundigen. Es war eine Vorsehung der M\u00e4chte, dass er den kleinen Blumentopf bei sich trug, denn die sch\u00f6ne exotische Blume brachte die Rede ganz zwanglos auf besondere Pflanzen in der Gegend. Tats\u00e4chlich bekam er so, neben allerlei Schw\u00e4nken und Gruselgeschichten, auch das Mysterium von den roten Blumen zu h\u00f6ren, die jeden Sommer auftauchten und sich Sense und Pflug widersetzten.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0ba7f381d2f27776c33b01afa4f1244\">Am n\u00e4chsten Abend hatte Gal\u00e9on das Grenzgebiet zum <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Tjiergroen erreicht. Patagh\u00edus sinkender Glanz tauchte die Traumrautenbl\u00fcten in blutroten Schimmer.<\/p>\n<p data-p-id=\"d416567d42297494348549066f94db98\"><em>Du hast dir Zeit gelassen, <\/em>sagte das Traumphantom.<\/p>\n<p data-p-id=\"1fef2ee2d3a2e4402fe54d3bdd810bc6\">\u201eIch war zu Fu\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1736cf9170e8b4b7e8db1a7169f3eb8e\"><em>Du solltest dir ein Pferd beschaffen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"7ee6884a6072c67203d2f1b816986ed4\">\u201eWas soll denn ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> mit einem Pferd? Das w\u00fcrde mir doch nur gestohlen. Soll ich Wegelagern einen Grund geben, mich auszurauben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f6579d531a0c8613e8f677d17e942b9\"><em>Niemand, der bei klarem Verstand ist, w\u00fcrde einen Lichtw\u00e4chter ausrauben.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2dcffdc406ffe53cc1b7f292d6361735\">\u201eEs reicht, wenn es ein Trottel versucht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"54871ac38da3b5012359f796776f3022\">Das Traumphantom seufzte, als s\u00e4he es einer langen, anstrengenden Zeit entgegen. <em>Dann beeile dich. Fang an, zu graben.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"105f9d9a52d47727dc08065143962640\">Der junge Mann stach gehorsam in den Boden. Den Umgang mit einem Spaten war er nicht gewohnt und die Arbeit wurde bald anstrengend, aber das Traumphantom beobachtete streng jeden seiner Handgriffe und vereitelte jeden Versuch, kurz innezuhalten. Gal\u00e9on war schlie\u00dflich schwei\u00dfgebadet und der Sonnenuntergang l\u00e4ngst dem milden k\u00fchlen Sternenlicht gewichen, als der Spaten auf etwas Hartes stie\u00df und es zerbrach.<\/p>\n<p data-p-id=\"9effdec0fdfec3f4595ec3fbb414d930\"><em>Die Knochen kannst du lassen, wo sie sind, <\/em>sagte das Phantom unbeeindruckt. <em>Die Grabbeigaben sind es, die dir zustehen. Hol sie hervor.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6c0878431bf791e1a7344b0a82ebb6a5\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> w\u00fchlte vorsichtig mit den H\u00e4nden weiter, schauderte vor dem menschlichen Gerippe, das er ertastete. Ein verrottetes B\u00fcndel fand er, darin einen gut erhaltenen Geldbeutel, der einige goldene M\u00fcnzen enthielt. Den steckte er ein. Und dann, als N\u00e4chstes &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"c38e6d777701857159d2eaaeaef2df20\"><em>Danach hast du gesucht. Nimm es und komm aus dem Loch heraus. Du hast nicht die ganze Nacht Zeit. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d07729ab0a8d8e654c29b850427ca042\">\u201eIst das &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31c5e7806788c3a3c813e7fea567d4f2\"><em>Ja. Das hat das Licht selbst uns gegeben und gelassen, damit wir es in seinem Sinne f\u00fchren. Nun ist es deines.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5c77b20263264749f138c4f4db03de98\">\u201eKann ich es gefahrlos ber\u00fchren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b0f86b7a38bdd2955a32bffd8d900020\"><em>Du hast es dir selbst gew\u00e4hlt, damals, an jenem Tag, als dein Dorf brannte und ich dich aus den Flammen trug. Du hast es ber\u00fchrt, damals. Erinnere dich!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"820576b8a2262f62531498e9bd6fcbbf\">Gal\u00e9on tastete danach. Seine Fingerspitze ber\u00fchrte es. Und zugleich zuckte in seinem Geist ein Bild auf, das die Zeit lange gn\u00e4dig verdeckt hatte und das danach in seinen Tr\u00e4umen immer wieder aufgetaucht war, mit jedem Mal etwas weniger verwischt.<\/p>\n<p data-p-id=\"90694cd792a3074abf4916242d681734\"><em>Da stand er, er roch das Stroh in der Scheune und die Flammen, das knisternde Holz, die schreienden Menschen, Kampfesl\u00e4rm rasender Bewaffneter gegen wehrlose, \u00fcberraschte Bauern, die ihnen nichts entgegensetzen konnten. Da stand er, klein, mager, ver\u00e4ngstigt, und blickte zu dem fremden Erwachsenen auf, der da vor ihm stand. Ein junger rothaariger Mann, der ihn gleich erschlagen w\u00fcrde. Nicht aus Grausamkeit, nicht aus Mordlust, das hatte er, keine vier Sommer alt, in diesem Moment verstanden. Dieser junge Mann mit dem roten Blut fremder Leute auf seinen roten Gew\u00e4ndern, der w\u00fcrde ihn jetzt erschlagen, den kleinen Jungen, der in dem Gemetzel dort drau\u00dfen gerade Vater und Mutter verlor, weil er <\/em>Mitleid<em> hatte. Es w\u00fcrde schnell vorbei sein. Und noch bevor der kleine Junge von damals begriff, wie ihm geschah, war die schimmernde, blauschwarze Klinge auf ihn niedergefahren, bis eine Fingerbreite vor seinem Hals. Eine <\/em>Kinderfingerbreite<em>. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"edbc9108beefea77c83d7e6d6c627d2f\">Ja. Er hatte sie ber\u00fchrt, die Klinge, vor ungez\u00e4hlten Wintern, an jenem schrecklichen Tag. Er hatte sich seinen Meister erw\u00e4hlt, ohne es zu wissen, und vielleicht hatte er damals damit den Seelenfunken des fremden, zwischen Schmerz, Schuld und Wahnsinn gefangenen Rotgewandeten vor etwas Schrecklichem besch\u00fctzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"8372d923d10989fd0929e57ec0133340\"><em>Das Licht, <\/em>sagte das Traumphantom eindringlich, <em>hat dich dazu bestimmt. In einer anderen Zeit, unter anderen Umst\u00e4nden, w\u00e4re es einfacher gewesen. Nimm es an, Gal\u00e9on. Mach das richtig, was mir misslungen ist.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c39f4008a752612593926bcebc13c58c\">Gal\u00e9on griff zu, aber diesmal zitterten seine Finger.<\/p>\n<p data-p-id=\"86f530c4de94e60cbd4e422285136fd7\"><em>Spute dich. Es will zu dir. Du bist sein Meister. Du wirst es f\u00fchren. Mach schon!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a696d73e483c2db2dde7fee9b5b9cbd4\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> atmete ein und griff zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"02e2f4a9c07a92e35028f1589beb8a9d\">Pure, makellose Magie str\u00f6mte in seine Adern, nicht schmerzhaft und heftig wie ein Blitz. Mehr wie ein Strom, eine Fl\u00fcssigkeit, wie ein Rausch, der ihn zugleich bet\u00e4ubte und euphorisch machte. Gal\u00e9on kletterte aus der Grube heraus, zog es dann zaghaft aus der erdverkrusteten Scheide und betrachtete es ehrf\u00fcrchtig im Sternenglanz. Es schimmerte wieder, blauschwarz wie der Panzer eines Stechk\u00e4fers.<\/p>\n<p data-p-id=\"859532ac1854f2a83e60ac33ebe0aa49\">\u201eIch &#8230; werde es niemals so meisterhaft f\u00fchren k\u00f6nnen wie du&#8221;, wisperte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"12254343f3ce1399856e601043d64760\"><em>Du wirst hoffentlich nicht in die Verlegenheit kommen, damit <\/em>fechten<em> zu m\u00fcssen. Dazu ist es nicht gedacht. Damit verspottest du es nur. Es ist ein m\u00e4chtiges Werkzeug, keine Waffe. <\/em>Das Traumphantom klang weniger sp\u00f6ttisch als erwartet. Es klang &#8230; erwartungsvoll. Und vielleicht sogar ein bisschen ger\u00fchrt. <em>Du wirst wissen, was damit zu tun ist.<\/em> <em>Meister Gal\u00e9on.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6d86935dd22539f35316e89d944b559c\">\u201eIch will es f\u00fchren, wie du es tun <em>wolltest<\/em>&#8220;, raunte Gal\u00e9on, schier \u00fcberw\u00e4ltigt von dem Geschenk, das er da gerade erhalten hatte. Tr\u00e4nen rannen ihm \u00fcber die Wangen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f239215afc4ec3a0655cc233d34012c2\"><em>Nein, <\/em>sagte das Traumphantom sanft. <em>Du wirst es f\u00fchren, so wie es <\/em>dir<em> bestimmt ist. So, wie das Licht es dir auftr\u00e4gt. In Ehre, in W\u00fcrde, in G\u00fcte und Gnade. So, wie es kommt. So, wie es sein soll. &#8212; Und nun leg es beiseite und mach das Loch wieder zu. Es ist nicht gut, wenn ein Siegel zu lange gest\u00f6rt ist. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8a3962c3f424e0b25d97d85d89ea1e30\">Gal\u00e9on legte das Schwert beiseite, griff nach dem Spaten und schloss das Grab. Achtsam deckte er es am Ende mit den Soden mit den roten Traumrauten ab, die er achtsam ausgestochen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"39be656b8059cf66b50232abf1466f2e\">Nur zur Vorsicht setzte er die wei\u00dfe Mondblume mitten dazwischen. Was hier ruhte, hatte den Schutz der Schattens\u00e4nger n\u00f6tiger als er.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2733","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2733","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2733"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2733\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3655,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2733\/revisions\/3655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}