{"id":2718,"date":"2025-08-25T14:02:32","date_gmt":"2025-08-25T12:02:32","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2718"},"modified":"2025-08-31T22:51:10","modified_gmt":"2025-08-31T20:51:10","slug":"143-machtverschiebung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/143-machtverschiebung\/","title":{"rendered":"143: Machtverschiebung"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"9cbfe9bc6a5fa54588a94a8b6f3f1869\">Das Wasser floss nun auch aus den Fensterscharten des Turmes ab. Sehr viel langsamer, als es die Regeln der Natur eigentlich vorgegeben h\u00e4tten. Die Flut, die h\u00e4tte wie ein Schwall hervorst\u00fcrzen m\u00fcssen, rann als feuchter Film die Mauern herunter, nicht mehr, als wringe jemand dort oben jeweils einen Putzlappen aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e2ab2010946d87dfba8c3308f175ed8\">J\u00f3ndere Mor\u00e9aval hielt seine <em>h\u00fdardora<\/em> fest im Arm. Die strahlende Scheibe \u00fcber dem Turm erleuchtete den Burghof, blendete sie aber nicht mehr. Eine Weile waren Mor\u00e9aval bunte Farbkleckse vor dem Augenlicht hin und her geschossen, aber das wurde nach und nach immer weniger. Die M\u00e4chte hatten sie also nicht dauerhaft blind gemacht. Aber etwas anderes tun, als einfach nur zuzuschauen, wie das Wasser qu\u00e4lend langsam endlich den Weg ins Freie fand, das konnten die beiden nicht. Mor\u00e9aval hatte zwischendurch noch einmal versucht, die T\u00fcr mit der Axt zu bearbeiten, aber das hatte nach wie vor zu nichts gef\u00fchrt.<\/p>\n<p data-p-id=\"b52bdccba2f8de750fbd18b79cd065d8\">Das Wasser sp\u00fclte Sand, Stroh und kleinere Gegenst\u00e4nde vor die Mauern, die am Boden zur\u00fcckgeblieben waren. Die Halle stand sicher daumenhoch unter Wasser, und die tiefer gelegenen R\u00e4ume, die K\u00fcche etwa, wieder trockenzulegen w\u00fcrde Tage in Anspruch nehmen. In dem alten Verlies und den Vorratskellern w\u00fcrde man es m\u00fchsam heraussch\u00f6pfen m\u00fcssen. Die Lebensmittel darin hatte die Flut dort sicherlich verdorben, und das Salzwasser w\u00fcrde sicher auch dem Boden nicht gut tun, in dem es versickerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"dd6f92684c2d275a15173128cd34ab84\">Was f\u00fcr nebens\u00e4chliche, banale Gedanken! T\u00edjnje und L\u00e1as waren im Turm, die anderen Kinder, alle <em>yarlay<\/em> und die <em>teiranday<\/em>! Wenn die M\u00e4chte nicht an ihnen ein Wunder gewirkt hatten, dann war es unm\u00f6glich, dass sie \u00fcberlebt hatten. Wenn Nokt\u00e1ma, Patagh\u00edu und das Licht nicht Gnade mit den unschuldigen Kindern gehabt und den V\u00e4tern und der <em>teiranda<\/em> etwaige geheime Missetaten vergeben hatten, w\u00fcrden sie im Turm nur noch ihre Leiber vorfinden.<\/p>\n<p data-p-id=\"04a732aa68d967b6c81a4e7acf94e80d\">Was ist ihnen zugesto\u00dfen, den <em>teiranday<\/em> und den Herren ihrer <em>yarlm\u00e1lon?<\/em>, w\u00fcrde er, der \u00dcberlebende der Hochedlen von Wijdlant, sich von den anderen <em>teiranday<\/em> fragen lassen m\u00fcssen. Insbesondere Benjus von Valvivant w\u00e4re daran interessiert, angesichts all der herrenlosen <em>yarlm\u00e1lon<\/em> an seiner s\u00fcd\u00f6stlichen Grenze. J\u00f3ndere Mor\u00e9aval war sich recht sicher, dass ihm niemand abkaufen w\u00fcrde, dass die anderen Herren, die Majest\u00e4ten und deren Nachkommen allesamt in einem <em>Turm<\/em> ertrunken waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"021bb9d1a87a7f716073eff8f8d934dc\">Und dann w\u00fcrden sie vielleicht beginnen, sich f\u00fcr die verwaisten <em>yarlm\u00e1lon<\/em> zu interessieren, Benjus von Valvivant von der einen und \u2013 m\u00f6gen die M\u00e4chte bewahren \u2013 jene, welche auch immer in Rodekliv und Ferocriv\u00e9 im Osten das Sagen haben mochten. Ein leichtes Spiel mochten sie dort haben, insbesondere mit Althopian und Emberbey, wo nicht einmal mehr eine Dame zur\u00fcckgeblieben war, um die Geschicke zu leiten. Die Burg des <em>teirand<\/em>, Spagor, die w\u00fcrde sich wohl die Stadt Virhav\u00e9t einverleiben. Vielleicht, so dachte Mor\u00e9aval, w\u00e4re dies das Gn\u00e4digste, das passieren konnte. Die <em>yarlm\u00e1lon<\/em> von Grootplen und Altabete &#8230; vielleicht k\u00e4me es Benjus von Valvivant in den Sinn, jeweils einen der zahlreichen Br\u00fcder aus der Familie Lebr\u00e9oka dort als Statthalter in seinem Sinne einzusetzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d776faf788dfab08cdc6318a192ced85\">Und er? Als verwaister <em>yarl<\/em> mit einem recht kleinen <em>yarlm\u00e1lon<\/em> w\u00fcrde ihm bald nichts anderes \u00fcbrig bleiben, als sich einem der neu geordneten Nachbarreiche anzuschlie\u00dfen. Entweder das, oder einer der anderen w\u00fcrde es sich holen. Sp\u00e4testens dann, wenn das Licht ihn selbst zu sich befahl, denn T\u00edjnje war fort, und einen Sohn gab es nicht. Und selbst wenn die M\u00e4chte ihm und seiner <em>h\u00fdardora<\/em> noch ein zweites Kind geben sollten, w\u00e4re die Frist zu kurz, einen wehrhaften Nachfolger seiner selbst daraus zu machen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6ca797ccb455e72ceaf8f32e5854eab8\">Und wenn die anderen <em>teiranday<\/em> ihm nicht glaubten, was geschehen war, auch wenn er eine gesamte Burgbesatzung als Zeugen aufbringen konnte? Wenn sie am Ende, aus Unglauben oder Kalk\u00fcl, ihm, dem \u00dcberlebenden, auf irgendeine Weise die Schuld, vielleicht einen heimt\u00fcckischen Vorsatz unterschoben und ihn vor ein <em>yarlp\u00e9nar<\/em> stellten, ihn f\u00fcr etwas verurteilten, was sich nicht erkl\u00e4ren lie\u00df? Was sollte dann aus seiner geliebten <em>h\u00fdardora<\/em> werden?<\/p>\n<p data-p-id=\"8007a5bb3b215204a311dab58e923463\">Mor\u00e9aval schaute auf den Zauberstein, der immer noch in der L\u00fccke lag, die der Steinmetz aus der Mauer gebrochen hatte, vor dem hinabrinnenden Wasser gesch\u00fctzt wie hinter einem kleinen Sturzbach, und begriff mit zunehmendem Entsetzen, dass es nicht nur um T\u00edjnje, seinen gr\u00f6\u00dften Schatz ging. Die Zukunft und der Frieden, die lebten und starben mit den Leuten, die der Turm gefangen hatte und die vielleicht darin umgekommen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff041599da63dff2e3261d0e7b6c5cfe\">War das ein absurder Zufall? Oder ein gro\u00dfer, ein sehr gro\u00dfer Plan, den jemand von langer Hand vorbereitet hatte? Ein Plan, ein so gro\u00dfer Rahmen, dass selbst Meister Yalomiro, was auch immer er dazu beigetragen hatte, es ebenso arglos und in guter Absicht getan hatte, weil er das Gesamte in seinen Ausma\u00dfen unm\u00f6glich hatte \u00fcberblicken k\u00f6nnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"927f3ddabec87d8ee37dcaf8bea10414\">\u201eSie lebt doch noch, nicht wahr, J\u00f3ndere?&#8221;, fragte die <em>yarlara<\/em> bang und so leise, dass er es kaum h\u00f6ren konnte. \u201eSie leben doch alle noch, nicht wahr? T\u00edjnje und mein Vater und mein kleiner Bruder &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"26f02c837716c9bcf272d0df221432ea\">\u201eM\u00f6gen die M\u00e4chte es geben&#8221;, murmelte er. \u201eM\u00f6ge dieser Turm nicht das Weltenspiel ins Wanken bringen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ba9c5787a42a1396206b415c232364b\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"3d269e6ae24a0380fb33b76bb5771e80\">Ovid\u00e1ol reagierte nicht, als der Schattens\u00e4nger erneut die Geige zur Hand nahm und zu spielen begann. Yalomiro l\u00e4chelte grimmig. Damit hatte der Verfluchte also nicht gerechnet, nicht geahnt, dass er die Schatten nicht so einfach mit einem neuen K\u00f6rper verlassen konnte. Von den wenigen Fragmenten, die von dem alten, urspr\u00fcnglichen K\u00f6rper noch vorhanden waren, erkannte der Schattens\u00e4nger kaum noch etwas in dem blendenden Licht, aber die Ratlosigkeit, die w\u00fctende Entt\u00e4uschung, die frustrierte <em>Mordlust<\/em>, die das verbliebene Wesen ausstrahlte, die war nicht zu ignorieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"23168caf69ccb1cab13dd0492d9685d5\">Nun musste er den Verfluchten nur noch so lange an einer Stelle halten, bis D\u00fdamir\u00e9e ihren Plan vollendet hatte. Ein s\u00fc\u00dfer Plan, so kindlich und unschuldig, dass es Yalomiro nicht gewundert h\u00e4tte, wenn sie Erfolg damit haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"6aa2cd2a82bcdb7a918fe999a8abb2cc\"><em>\u201eIch rede mit Nokt\u00e1ma&#8221;, hatte sie ihm anvertraut. \u201eIch bitte Nokt\u00e1ma, dass sie uns hier heraus l\u00e4sst!&#8221;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"c4ed45fa17f79bd626134c3b02281b43\"><em> \u201eVielleicht ist das nicht in ihrer Macht&#8221;, hatte er eingewandt, sehr vorsichtig, um sie einerseits nicht zu entmutigen und andererseits Entt\u00e4uschung vorzusorgen.<\/em> Nokt\u00e1ma redete nur sehr selten zu Schattens\u00e4ngern. Er selbst hatte zwar einmal, in einer \u00e4hnlich dringlichen Lage, ihre Stimme geh\u00f6rt und ihre Gegenwart erfahren. Er w\u00e4re vermessen, von ihr zu erwarten, dass sie ihm diese Gunst noch einmal gew\u00e4hrte. Aber D\u00fdamir\u00e9e &#8230; die \u00fcberstarke Magie, die musste doch ein Zeichen sein, etwas, womit Nokt\u00e1ma das Kind gewappnet hatte. Vielleicht machte die Dunkelheit bei Kindern mit kristallklaren Herzen noch eine Ausnahme.<\/p>\n<p data-p-id=\"499862334bc77172583944c8bde21993\">F\u00fcr einen sehr kurzen Moment hatte Yalomiro in Erw\u00e4gung gezogen, die Gelegenheit zu nutzen und Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalars bescheidene Reste zu t\u00f6ten, um D\u00fdamir\u00e9e und sich selbst aus dieser absurden Sackgasse herauszubringen. Er hatte den Gedanken schnell wieder verworfen, denn einerseits war er sich sicher, dass Nokt\u00e1ma es nicht guthei\u00dfen w\u00fcrde, wenn an ihrem heiligen Ort ein Leben, so ruiniert es ohnehin schon sein mochte, genommen wurde. Andererseits w\u00fcrde die schrecklichste Kunst, die sie selbst ihren Dienern verliehen hatte, die F\u00e4higkeit, mit einem Blick zu t\u00f6ten, m\u00f6glicherweise ohnehin nicht funktionieren. Einerseits, weil es letztlich ebenfalls Magie war. Zum anderen, weil Ovid\u00e1ols Augen vielleicht gar nicht mehr dazu geeignet waren, den Blick zu entgegnen. Und zum Dritten, weil er selbst dann sein eigenes Herz beflecken w\u00fcrde, vielleicht ohne dass es Not tat.<\/p>\n<p data-p-id=\"e889ff43d066050089ffe7e2958ef891\"><em>Was soll das?<\/em>, fragte der Verfluchte w\u00fctend, als Yalomiro die ersten lautlosen T\u00f6ne spielte<em>. Du kannst hier nicht zaubern!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"5d0462a122a99edad1d6d3aac11031a8\"><em>Ich zaubere nicht. Ich habe dieses Werkzeug nicht nur f\u00fcr Magie geschaffen. Zuvorderst ist es f\u00fcr Musik da.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2a93ec601521d6571d7c5281ecfe019c\"><em>L\u00e4cherlich! Was f\u00fcr eine alberne Idee!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"712148960b3aecfbb7bdf12eb16d033b\"><em>Wei\u00dft du<\/em>, sagte Yalomiro, strich zart \u00fcber die Saiten und lie\u00df die Melodie um sich flie\u00dfen, <em>das hat Meister G\u00edonar damals auch gesagt. G\u00edonar Boscarg\u00e9n. Erinnerst du dich an den Meister oder die Meisterin, die deinerzeit diesen Namen trug?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"e8e53c119e7192aa53ca4c90bdcf69ad\"><em>Ich erinnere mich, wie ich sie ausl\u00f6schte.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"03fcd332608b5566de5888ffc622decc\"><em>Nun, Meister G\u00edonar hatte es etwas taktvoller ausgedr\u00fcckt, da er mein Werkzeug wohl f\u00fcr zu extravagant hielt. Meister Ask\u00fdn hat mich gew\u00e4hren lassen. Er hat mich stets ermutigt, wenn mir neue Ideen kamen. Sie waren wohl nicht ganz so zerst\u00f6rerisch wie die deinen.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"462924b3eb2f019adfed9984759a1c65\"><em>Und was willst du nun damit bezwecken, indem du hier herum fiedelst? <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a1302def2fedc7080588db5b0779a3a7\"><em>Nichts weiter. Ich finde es lediglich angenehmer, als wenn wir einander hilflos anschweigen. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"3c282c324eee8113e015860cb578f5a0\"><em>Verflucht sollst du sein! Du hast uns in diese Lage gebracht! H\u00e4ttet ihr mir den Stab \u00fcberlassen, l\u00e4ngst w\u00e4re ich am Ziel!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2228f64ac48191431a749c531d5dde66\"><em>Ovid\u00e1ol,<\/em> fragte Yalomiro und spielte, lockend, z\u00e4rtlich, machtvoll, <em>bist du eigentlich jemals dem <\/em>Widerwesen<em> begegnet?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"bd5e7b727c7eed818302c4dcd30d1243\"><em>Dem Widerwesen selbst? Warum sollte ich?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a153043231fcb3f795b86471f42d4907\"><em>Nun, ich nahm an, dass es bemerken w\u00fcrde, dass du ihm einem Teil seiner Spielsachen fortgenommen hast, wie ein Kind, das dem anderen die Murmeln stibitzt. Hattest du niemals Angst, dich vor dem Widerwesen f\u00fcr diese Dreistigkeit verantworten zu m\u00fcssen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"cf6acf8534b6a1a63f0262726f80e1b8\"><em>Und wenn es dem Widerwesen ganz recht gewesen w\u00e4re? Wenn es ihm m\u00f6glicherweise sogar gefallen hat, was ich getan habe?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"937b5f6ad69f5031071365be4a2a21e3\"><em>M\u00f6glich<\/em>, sagte Yalomiro und erf\u00fcllte die strahlenden Schatten mit seinem Lied. Mochte Nokt\u00e1ma D\u00fdamir\u00e9e anh\u00f6ren und ihrer unschuldigen Bitte geneigt sein. <em>Aber darauf verlassen w\u00fcrde ich mich nicht.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2b818f510ee230dddec07c97c70239e4\">Die T\u00f6ne fluteten lautlos durch das magische Licht und verwirbelten damit. Yalomiro stellte sich vor, dass die Melodie sich durch Nokt\u00e1mas Unendlichkeit schl\u00e4ngelte wie ein endloser Faden Spinnenseide, stark und ein wenig klebrig.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc401978a9b2dff19510e7ecfbb36f67\">Yalomiro lie\u00df seine Gedanken schweifen. In seinen Sachen, daheim im Eta\u00edmalon, da hatte er einige Magnetsteine, einer davon d\u00fcnn und spitz wie ein Schreibgriffel. Meister Ask\u00fdn hatte ihm damals, als er selbst noch ein Knabe gewesen war, der seine Lehre gerade begann, gezeigt was sich damit und einem flachen Kistchen voller Metallkr\u00fcmel anstellen lie\u00df. Als er beides sp\u00e4ter D\u00fdamir\u00e9e zum Spielen gegeben hatte, war sie ebenso fasziniert gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"d5c86e415262ec69de0f90643077f910\">Er schloss die Augen und konnte die Musik sehen, sie strich und streichelte durch das silbrige Glei\u00dfen und leuchtende Partikel begannen, daran anzuhaften. Und er sah D\u00fdamir\u00e9e, sie stand hinter Ovid\u00e1ol und der Stab in ihrer Hand leuchtete und blendete, doch das Licht &#8230; es wurde m\u00fcrbe. Es zerfiel, begann, in Fragmente zu zersplittern und zu schimmern, wie Morgentau, nur dass das Leuchten aus seinem Inneren drang.<\/p>\n<p data-p-id=\"d2eb072ee2daf3c8a836d385ba7b457e\">Ovid\u00e1ol st\u00f6hnte und streckte hilflos seine sonderbare Hand auf, als er sah, was D\u00fdamir\u00e9e mit dem Stab, <em>seinem <\/em>Stab anstellte, wie sie begann, damit auf kindliche, unschuldige Weise und ein wenig unbeholfen die Magie zu formen, das Licht in viele, winzige Prismen aus Glas oder Eis oder Kristall, so genau wusste D\u00fdamir\u00e9e das selbst wohl nicht, einzuschlie\u00dfen. Buntes Gefunkel begann D\u00fdamir\u00e9e zu umflimmern und um sie herum zu wogen, wie die winzigen Algen, wie Partikel im Wasser.<\/p>\n<p data-p-id=\"2a8244b51576631c9e6ce633cb25a6d4\">Yalomiro spielte. Seine Melodie begann, die bunten Lichtlein zu fischen und an sich zu ziehen. Wo sie an der Musik hafteten, begannen sie sich zu filigranen Kristallen zusammenzusetzen, wie Eisblumen, wie Sternchen aus Mondlicht und Farben. Fr\u00f6hlich und lebendig sah das aus, nicht wie Schattenmagie, aber wie etwas, das Nokt\u00e1ma in ihrem Reich duldete. Yalomiro war fast am\u00fcsiert dar\u00fcber. So mochte Magie, gute, kraftstrotzende, unschuldige Magie aussehen, wie die Phantasie eines Kindes sie sich vorstellte.<\/p>\n<p data-p-id=\"60900cdb9227b0547d74fba61609602b\"><em>Das ist sehr h\u00fcbsch, mein kleiner Stern,<\/em> lobte Yalomiro. Er begann, sich zu bewegen, seine Melodie wurde fr\u00f6hlicher, schneller. <em>Warum machst du das so?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0bbb801ebbfe71b9985635df19836f68\">Sie freute sich \u00fcber das Lob, lachte ihn an, als st\u00fcnde der zerfetzte verfluchte Schattens\u00e4nger nicht zwischen ihnen und litt Qualen und Ekel vor dem, was geschah.<\/p>\n<p data-p-id=\"f11123d60631d0ba2690d9610b4498f4\"><em>Ich dachte, Advon w\u00fcrde das gefallen,<\/em> antwortete sie. <em>Bei Advon daheim ist alles so bunt und schimmert in der Sonne. Guck, bei mir schimmert es im Mond und ist trotzdem bunt. Darf das so sein, Papa?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"73a24c5c511a4ca375ba964b58777a6e\"><em>Es ist wundersch\u00f6n, kleiner Stern! Sollen wir es einsammeln und mitnehmen, damit du es Advon zeigen kannst?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"486a3d3c46f107bbc6e99ff97af7785d\">Sie nickte eifrig und machte noch viel mehr St\u00fcckchen buntes Licht. Es umflirrte sie, und sie wurde mutiger. Sie formte und lenkte es, und unter die Lichtkristalle mischten sich flatternde Schmetterlinge aus Licht, ein ganzer Schwarm, und der wurde zu einem galoppierenden Einhorn. Einem etwas unf\u00f6rmigen mit d\u00fcnnen Strichbeinchen und \u00fcbertrieben viel M\u00e4hne und Schweif, aber einem, das D\u00fdamir\u00e9e selbst geschaffen, es mit ihrer Magie gemalt hatte. Sie lachte.<\/p>\n<p data-p-id=\"686f1a329c3062c70127830065e2e7ba\"><em>Was tut ihr?,<\/em> rief Ovid\u00e1ol mit wachsendem Entsetzen. <em>Welcher Frevel! Welche Verschwendung!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"02981ba80de41c0544aff34352b5f255\">Yalomiro spielte und lie\u00df seine Musik dem Phantasieeinhorn \u00fcberm\u00fctig nachjagen. Wie gut f\u00fchlte sich das im Herzen an! Ja, es war vollkommen nutzlose Zauberei, eine jedoch, die Nokt\u00e1ma gutzuhei\u00dfen schien, denn sie lie\u00df zu, dass D\u00fdamir\u00e9e im Schutz ihrer Dom\u00e4ne ausgelassen ihre neuen Kr\u00e4fte ausprobierte. L\u00e4ngst tanzte D\u00fdamir\u00e9e, den Stab in der Hand, zu seinem Lied, zu ihrer beider Lied, in dem auch Salghi\u00e1ra anwesend war. Sie beide tanzten und wichen dem Scherbenmann aus, der sinnlos nach dem Stab und der Geige haschte, um das Spiel zu unterbrechen.<\/p>\n<p data-p-id=\"320eb4ac99f5e076423fa9da57a161a7\">Doch mit jedem Lichtlein, das sich mit der Melodie vermischte, ver\u00e4nderte sich etwas in Nokt\u00e1mas Dom\u00e4ne. Das grelle Leuchten wurde immer dichter, immer kleiner, je mehr die Musik davon einfing. Die Magie blieb daran h\u00e4ngen wie in einem Sieb, in einem Filter, und mehr und mehr kehrten die Schatten zur\u00fcck, verdunkelte sich Nokt\u00e1mas Dom\u00e4ne zur\u00fcck zu der warmen, sch\u00fctzenden Finsternis. Aus der ungez\u00fcgelten Magie aber war durch D\u00fdamir\u00e9es Wirken und ein wenig Anleitung durch seine Kunst ein n\u00e4chtlicher Regenbogen geworden, der um sie herum gl\u00fchte und dabei seltsam unwirklich schimmerte. Ab und zu blitzten silberne Sternchen darin auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c3d62b8aa79eac379398937b91f8e39\"><em>Seid ihr fertig mit diesen Narreteien?, <\/em>zeterte der Verfluchte<em>. Schaut doch nur, was ihr getan habt! Wie ihr die reine Magie besudelt und verdorben habt! Das ist &#8230; <\/em>kindisch<em>! Und hier heraus bringt es euch auch nicht!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"19c3986bbec2952c159cfcb2263e1fe6\"><em>Nein<\/em>, sagte D\u00fdamir\u00e9e. Sie streckte die Hand aus und fing den Schattenregenbogen so ein, als sch\u00f6pfe sie Wasser aus einem Bach. Ungelenk formte sie eine verbeulte Kugel daraus. <em>Aber jetzt k\u00f6nnen wir es tragen. Jetzt ist es meines! Jetzt ist es aus deinem b\u00f6sen Stock heraus!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2b2ffbf6fccea2e9eafc8f2ddff12ba9\"><em>Wohin willst du es tragen?, <\/em>h\u00f6hnte Ovid\u00e1ol.<em> Du bist hier gefangen! Niemals kommt ihr hier heraus!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f3e9fd7914a5c2b6121423ea6b6f5054\">Und als sei dies ein Stichwort gewesen, klaffte genau dort, wo er stand, ein Riss in Nokt\u00e1mas Dom\u00e4ne auf, und sie alle, der Verfluchte, D\u00fdamir\u00e9e und Yalomiro, wurden mit einem Ruck, wie durch einen gewaltigen Sog, aus den Schatten hinaus in ein abgestandenes, graues Zwielicht gerissen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2718","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2718","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2718"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2718\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3677,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2718\/revisions\/3677"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2718"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2718"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2718"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}