{"id":2715,"date":"2025-08-25T14:04:09","date_gmt":"2025-08-25T12:04:09","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2715"},"modified":"2025-08-31T09:17:34","modified_gmt":"2025-08-31T07:17:34","slug":"146-monster-in-die-grube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/146-monster-in-die-grube\/","title":{"rendered":"146: Monster in die Grube"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"bf5e970d7192412cfe398724973e7fc3\">Ich fragte mich, ob Elos\u00e1l im Dunklen ebenso gut sehen konnte wie ich und wagte, es zu bezweifeln. Als Dienerin von Sonne und Tageslicht waren ihre allt\u00e4glichen F\u00e4higkeiten sicher ganz anders beschaffen als die meinen. Vielleicht konnte sie Farbnuancen wahrnehmen, f\u00fcr die Menschenaugen nicht geschaffen waren. Wie bunt konnte ihre Welt sein? Wie mochte das aussehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"5f3a964e7141038cac923be89784f55d\">Wenn ich mich bislang auch noch nicht damit zurechtgefunden hatte, meine eigene Magie sinnvoll einzusetzen, so praktisch fand ich F\u00e4higkeiten wie die Nachtsichtigkeit. In meinem alten Leben, in meiner urspr\u00fcnglichen Welt, war ich im Dunklen verzagt und ungeschickt gewesen. Nun machte es mir nichts mehr aus, wenn es an Beleuchtung fehlte. Trotzdem &#8230; h\u00e4tte es nicht l\u00e4ngst etwas heller werden m\u00fcssen?<\/p>\n<p data-p-id=\"3873ddd71a1c59623c114289c818e9ff\">Das, was ich an dem Ort sah, an dem Sonnenstrahl nun gelandet war, verwirrte mich. Hier gab \u00fcberhaupt nichts Auff\u00e4lliges zu sehen. Eine kleine Senke eben, inmitten schier endloser Sandd\u00fcnen. Davon gab es viele, zwischen den H\u00fcgeln, die vom Boden aus den Blick in die freie W\u00fcste aus blockieren mochten, bis an den Horizont, der immer noch kein Anzeichen aufziehender Morgend\u00e4mmerung zeigte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b72d7742659da0bcc35545080252e063\">Was war es, das Patagh\u00edu aufhalten mochte? Worauf wartete der Helle Tag?<\/p>\n<p data-p-id=\"6a9372a0d1c98569fec0ee8471a80849\">\u201eWoher wisst Ihr, dass es hier ist? Und nicht etwa dort hinten?&#8221;, fragte ich und hielt mir meinen schmerzenden R\u00fccken. Ich war heilfroh, endlich von dem Einhorn absteigen zu k\u00f6nnen, denn der Ritt durch die Kuft war alles andere als bequem gewesen. \u201eWie k\u00f6nnt Ihr so sicher sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d69cbdca71a649db5204a57d04265e3\">\u201eIch kenne diese W\u00fcste hier seit unz\u00e4hligen Sommern&#8221;, sagte sie und f\u00fchrte ihr Reittier den Hang hinab. \u201eWir waren ersch\u00fcttert, als wir erfuhren, was die Unkundigen hier geschehen lie\u00dfen. Es ist den M\u00e4chten sicher nicht gef\u00e4llig, dass sie gewaltsamen Tod hierher gebracht haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d63f41d53ddb1da39f118c44d08a141\"><em>Warum habt ihr es dann nicht verhindert?,<\/em> dachte ich, aber nat\u00fcrlich h\u00fctete ich mich davor, es auszusprechen. Band die Regenbogenritter ihr seltsames Versprechen gegen\u00fcber den Unkundigen denn so sehr, dass sie furchtbare Dinge duldeten? War es richtig, sich nicht einzumischen, wenn Unrecht geschah, nur weil man irgendwann in einem ganz anderen Zusammenhang versprochen hatte, sich nicht einzumischen?<\/p>\n<p data-p-id=\"72371aaf91f99cb106a3fa658d52c478\">Aber \u2013 <em>war<\/em> es Unrecht? Wie konnte ich denn beurteilen, auf welchen Grundlagen die Menschen in Aur\u00f3p\u00e9a ihr Rechtssystem organisierten und \u00fcber wen sie aus welchem Grund ihre Urteile f\u00e4llten? Waren meine moralischen Ansichten auf die Wirklichkeit der Menschen dort \u00fcberhaupt \u00fcbertragbar?<\/p>\n<p data-p-id=\"3e8549dfe5fe08cb0b2eeaa4288caca7\">Ich erkannte, dass ich viel zu wenig Ahnung davon hatte, wie in dieser Welt das Zusammenleben , die Organisation einer so gro\u00dfen Stadt funktionieren mochte. Ich hatte bislang nur einen Blick auf die h\u00f6fischen Gemeinschaften jenseits des Montaz\u00edel erhascht, noch dazu unter ganz und gar unnormalen Umst\u00e4nden. Yalomiro hatte mir sp\u00e4ter erkl\u00e4rt, das in den gro\u00dfen St\u00e4dten die Schutzherrschaft von <em>teiranday<\/em> und <em>yarlay<\/em> \u00fcber kleine Gemeinden als r\u00fcckst\u00e4ndig galt. Die Herrschaftsformen w\u00fcrden sich wahrscheinlich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter dem Vorbild von V\u00edrhavet oder eben Aur\u00f3p\u00e9a folgend wandeln. Er schloss allerdings aus, dass das innerhalb unserer Lebensspanne geschehen w\u00fcrde, denn eine solche Ver\u00e4nderung ben\u00f6tigte viel Zeit. Das stimmte mich nachdenklich, obwohl es uns in unserem Wald eigentlich nicht betraf. Vielleicht lag es daran, dass ich wusste wie beliebt Leute wie <em>yarl<\/em> Althopian oder <em>yarl<\/em> Mor\u00e9aval bei ihren Schutzbefohlenen waren und wie verantwortungsvoll und ernsthaft sie handelten. W\u00e4re eine gro\u00dfe, b\u00fcrokratisch organisierte Stadt besser f\u00fcr die Menschen darin?<\/p>\n<p data-p-id=\"2b7811f63d05e8f1e16d4ccd7f4e5fca\">Elos\u00e1l riss mich aus meinen Gedanken. \u201eF\u00e4llt Euch etwas auf?&#8221;, fragte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3d12e4efba338f3514f4e5ef6a8b6a5\">\u201eWoran?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"caaec641bd6fef87017fb0695f956f43\">\u201eAm Boden. Merkt Ihr, wie fest er ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"574232867d338e14b45227b9d3ddd78b\">\u201eSollte er das nicht sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec68149b1b836bf10e47bff4833ba96b\">\u201eNein. Das hier m\u00fcsste feinster Sand sein, nicht viel gr\u00f6\u00dfer als Staubk\u00f6rnchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8a40a45d44cdec83273e1242afbcdf07\">Ich kniete mich hin und ber\u00fchrte den Boden. \u201eFeucht&#8221;, sagte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"cddf1201c909d5bd53060ddcc6ef5c0a\">\u201eDas Wasser geh\u00f6rt zu Euch. Wo kommt dieses her?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"331ec341d709940ae40857955866ee6e\">Ich schaute ratlos zu ihr hoch, und sie f\u00fcgte hinzu: \u201eIhr habt Regen und Hagel und Schnee beschworen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f83b7f4713d90d7e9443327e18a018a7\">\u201eVielleicht kommt die Feuchtigkeit noch von dem Sandregensturm. Der ist sicher auch hier niedergegangen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c71df30bbfec577368d224549c01ad9\">\u201eDann w\u00e4re es nur eine d\u00fcnne Schicht oben auf dem weichen Sand. Der Regen traf auf hei\u00dfen Grund.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69c9330a20bb36a00649b9e532683147\">Ich verstand. Der Niederschlag, der \u00fcber der W\u00fcste gefallen war, hatte nicht zu einer so massiven Matschkruste werden k\u00f6nnen, wie sie nun diese Senke zukleisterte. Ich und versuchte, mich zu konzentrieren. <em>Wo kommst du her,<\/em> fragte ich die Feuchtigkeit im Sand. <em>Wie bist du hergekommen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4f5a801783c24eca810f4371f04333b0\">Einen Moment lang geschah nichts. Dann dr\u00e4ngte sich ein Bild in meine Gedanken, das nicht meinen eigenen Sinnen entsprang. Ein tiefes, tiefes Loch. Stein. Dunkelheit. Tief in der Erde. Er brach hervor, quoll nach oben und ergoss sich in Stra\u00dfen, trieb verst\u00f6rte Menschen vor sich her. Und dann war da der Geruch von kaltem <em>Rauch, Asche und Verw\u00fcstung<\/em>. Das passte so gar nicht zu einer \u00dcberschwemmung.<\/p>\n<p data-p-id=\"22ef33a79745bbbed40f991e0d9ea679\">Ich schrak hoch. Elos\u00e1l schaute mich erwartungsvoll an.<\/p>\n<p data-p-id=\"d807223bf10f1465e2fccef40eed0764\">\u201eGrundwasser&#8221;, sagte ich und war irritiert davon, wie schleppend, fast tr\u00e4umerisch meine Stimme klang. \u201eOder ein unterirdischer Wasserlauf. Ein Brunnen. Nein, eine Quelle. Vielleicht zwei Quellen. Es flie\u00dft zur W\u00fcste hin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"97af2e43c8e69d03f741464b7f8a76f0\">\u201eWenn das so ist, dann ist es viel zu nah an der Oberfl\u00e4che&#8221;, sagte sie beunruhigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"caa2690b96d4dec11490bdf6302fbcd6\">\u201eIst das schlimm? Das hier ist nur W\u00fcste. Hier kann doch nichts passieren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0a8e5f3681d4dd639c4a4d31ad90141\">\u201eDas hier ist offenbar ein Deckel&#8221;, berichtigte sie. \u201eHier sind sie hervorgekommen. Das Wasser steigt sicher nicht zuf\u00e4llig gerade hier auf. Vielleicht hat der Verfluchte es vor langer Zeit hierher umgeleitet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"10ce7d7bcc0aa6fc6adc8b0e9b6a65d5\">Ich setzte mich auf die Fersen und schaute nachdenklich zu ihr hinauf. \u201eUnd nun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b83713fd7b09d177d3890b16d0ea86c6\">Sie hockte sich selbst hin und strich mit ihren porzellanwei\u00dfen Fingern Linien in den Sand. \u201eHabt Ihr die Macht, diesen Deckel zu l\u00fcften, wenn mein <em>h\u00fdardor<\/em> und die Ritter kommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d5fb24d6a61db04e2015adb8a4c08b29\">\u201eWie soll das gehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0adc94bd359dd328726760f302f9b3c9\">\u201eVielleicht so, wie Ihr den Regen manipuliert habt. Wir m\u00fcssen &#8230;&#8221; Sie dachte nach und warf dann eine unbestimmte Geste \u00fcber die Senke, \u201eeine Fallgrube daraus machen. Wir m\u00fcssen sie hier hinein treiben und festhalten, bis die Ritter sie in die Tiefe zur\u00fcckdr\u00e4ngen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ca0312307b9e0c86f36a31ed21e40e0\">\u201eUnd dann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fbcb4f0c3919f2ad3bfa676b89a6f358\">\u201eDann versiegeln wir es. Wir scheuchen sie hinein und verriegeln die T\u00fcr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e5212e48fc9f46dd65783c368cba83bc\">\u201eK\u00f6nnen sie sich nicht gleich nebenan wieder ausgraben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c8feefa0b600c172884058ebfa9b70c\">\u201eSolange wir keine neuen Menschenopfer darbringen, denke ich nicht, dass das passiert. Sofern die M\u00e4chte das Widerwesen zur Ordnung rufen, haben die Chaosgeister keinen Grund, hier im Weltenspiel zu sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31211a709d4caee0a47c6616b33eeab1\">Ich fragte mich, ob Elos\u00e1l nicht untersch\u00e4tzte, was f\u00fcr ein massiver und dauerhafter Zauber notwendig sein w\u00fcrde, um Chaosgeister einzusperren, um das Widerwesen von .irgendetwas abzuhalten. Dann erinnerte ich mich an die Spinnen, die ich gelegentlich mit einem Becher einfing, um sie sp\u00e4ter in Freie zu setzen. Vielleicht war das gar nicht so anders. Es musste vielleicht gar nicht lang dauern und halten, nur Zeit verschaffen. Kontrolle herstellen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2e0f0524b81cfa8d946b485b1e99b44\">\u201eElos\u00e1l, k\u00f6nnt Ihr Feuer zaubern?&#8221;, fragte ich, einer unbestimmten Eingebung folgend.<\/p>\n<p data-p-id=\"dad79a6d67078e1312ac1b1305d1efe8\">\u201eFeuer? Was habt Ihr vor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"80485b33c3fb17cc9e78e27810e06d99\">\u201eVielleicht kann ich das Wasser hier nahe an die Oberfl\u00e4che bringen und dort halten. Wenn Ihr schnell genug viel Hitze hinzuf\u00fcgt, dann explodiert der Dampf und sprengt den Sand weg. Wenn es einen Hohlraum darunter geben sollte, k\u00f6nnte er freigelegt werden. Die Chaosgeister st\u00fcrzen hinein, Mit etwas Gl\u00fcck ist es ein Portal, das aus dem Weltenspiel herausf\u00fchrt. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"7995bf789b54e15ffe9bc31425e7a0b1\">Sie hob skeptisch die Brauen und dachte kurz nach. Dann nickte sie. \u201eIch kann es versuchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"32da8d52c79221060f04a46ece4d19e3\">\u201eGut. Dann probiere ich, das Wasser zusammenzurufen und es zu sammeln, so gut es geht. Aber &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"163e99051c027068bfc127fc79ef94cc\">\u201eJa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"246665ad75b700f1f0f0db94318374a1\">Ich z\u00f6gerte. W\u00fcrde es zaghaft und dumm klingen, wenn ich meine Bedenken \u00e4u\u00dferte?<\/p>\n<p data-p-id=\"911c92abfdf635cacb297af5d86f255d\">\u201eAngenommen, wir schaffen eine Grube und die Chaosgeister st\u00fcrzen hinein. Werden Eure Ritter, Euer <em>h\u00fdardor<\/em> die Grube so schlie\u00dfen k\u00f6nnen, dass sie nicht wieder hinaus kommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00fe35c68e74d084439cebdcc0764816\">\u201eLange genug, Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht. Es ist uns bislang immer gelungen. Irgendwie.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fb85f05b4cddbce6f87b37c2932ab13\">Ich ber\u00fchrte den Boden, konnte das Wasser darin f\u00fchlen und schloss die Augen. Ich sandte Ausl\u00e4ufer meiner <em>maghiscal<\/em> in den Sand, viel d\u00fcnner und zarter als das Myzel eines Pilzes. Das Wasser f\u00fchlte sich angenehm an, frisches, kaltes und klares Wasser, eines, das vom Weg abgekommen war. Nicht B\u00f6ses oder Verdorbenes war darin, nur eine verstandlose Verwunderung, so als sp\u00fcre es, dass es sich verlaufen hatte und von seinem nat\u00fcrlichen Weg abgekommen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f3db8b69a046a604e34e9a10416f0cb\">\u201eEs wird regnen&#8221;, sagte ich tr\u00e4umerisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"d26c3b5550f0c174301830948e438b55\">\u201eWie bitte?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b78f7077981fcb74fc9cc7a75a9f3026\">\u201eEs wird eine gro\u00dfe Wolke aufsteigen. Vielleicht regnet sie \u00fcber Aur\u00f3p\u00e9a ab. Vielleicht zieht sie nach Norden. Das Wasser &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b9504ecaea84515f942ab0b1198d06e\">\u201eIst alles in Ordnung, Meisterin Salghi\u00e1ra?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"260c5c2c1e4ddd88de9eeba9deeb59d5\">Und wieder schrak ich hoch. War ich denn wegged\u00f6st und in einen Sekundenschlaf gefallen?<\/p>\n<p data-p-id=\"d88e52e4492ee42565c3acd05540293f\">\u201eWie lange h\u00fctet Ihr die Chaosgeister schon, Meisterin Elos\u00e1l? Wie lange seid ihr hier, Ihr und &#8230; Eure Ritter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbb0059e767da85d03f423097e325df9\">\u201eLange&#8221;, raunte sie. Ich sp\u00fcrte, wie auch von ihr etwas in den Boden drang, sich dort ausbreitete, das Wasser umspielte und wartete. \u201eWir waren von <em>Anbeginn<\/em> hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4fefd508b4b36c1c02ef43494cdcd45a\">\u201eVon Anbeginn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8283e616d893018fdf566c754fd5c3fc\">\u201eMeine Schwestern und ich. Patagh\u00edu hat uns hergebracht, bevor die Menschen erwachten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99f1b4976864a79d2e232f87649f67ca\">Ihre Magie ber\u00fchrte die meine in der Tiefe. Zu meiner \u00dcberraschung tat es nicht weh.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0c2149b6aa20ec7183c5cd4d1ecbae4\">\u201eWo kommt Ihr her?&#8221;, fragte ich. \u201eWo wart Ihr <em>zuvor<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6e92e65e0963f55f6784e93e4b95b0e5\">\u201eIch wei\u00df es nicht. Ich habe es vergessen.&#8221; Sie schloss die goldenen Augen. \u201eUnd Ihr? Erinnert Ihr Euch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"51586134acdafbec77b2c3a17fc1285a\">\u201eJa. Ich wei\u00df es ganz genau.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8def34d370707074696205503baecd1f\">\u201eC\u00fdel\u00fa&#8221;, antwortete sie, \u201ewei\u00df es auch noch. Manchmal wacht er nachts auf und weint und schreit und kann sich kaum beruhigen. Seit so vielen, vielen Sommern &#8230; aber ich &#8230; ich wei\u00df es nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ff731b9176d719a64c824b4ef7f05a05\">\u201eWir haben viel zu reden, wenn uns dies hier gelingt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bca4a2cfff6e1b967fe83d52847006a5\">\u201eJa. Sehr viel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d6192a80e829342c9d9c1d982a983d4\">\u201eUnd nun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f572765f3eedfe3d5f68b84b7ef13eb8\">\u201eNun warten wir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"25a85ebab2df0364f7682f0466bd7e79\">Ich schaute schl\u00e4frig auf. Was war das, das mich pl\u00f6tzlich so m\u00fcde machte?<\/p>\n<p data-p-id=\"616cbbbd66d266e7eeb373a36f61c111\">Elos\u00e1l hob den Kopf und schaute nach Norden. In der Ferne schwebte der glitzernde Wolkenreif am Himmel, und dahinter Schw\u00e4rze, ein Loch, ein Portal am Nachthimmel. Das Glei\u00dfen war verloschen. Das war gut.<\/p>\n<p data-p-id=\"4617ae51386e988c8620e7d008f361a3\">Aber am n\u00f6rdlichen Himmel, oberhalb des H\u00fcgelkamms, gl\u00fchte der Regenbogen in der Nacht wie ein unheilvolles Nordlicht. Sie kamen heran.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"167a7de9cb852e3463e7af903559d3b5\">Wo blieb die Sonne? Was hielt Patagh\u00edu davon ab, im S\u00fcden den Himmel zu erhellen und endlich die Nacht abzul\u00f6sen?<\/p>\n<p data-p-id=\"1bd8908e929c56e6747d0841482ec14f\">C\u00fdel\u00fa hatte das Zeitgef\u00fchl verloren. Noch am Morgen hatte er das kleine M\u00e4dchen in den Ciel\u00e1stel gebracht, zwei Tage, ganze Tage war er mit ihr geflogen. Und doch kam ihm die Spanne zwischen dem Kampf mit dem unkundigen Ritter in Boscarg\u00e9n bis zu jenem Morgen viel l\u00e4nger vor als die ab seiner R\u00fcckkehr in das Heiligtum am W\u00fcstenrand bis jetzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"76edd3583b2fed14544e12cd6608474c\">C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor war ersch\u00f6pft, sich zu konzentrieren und wachsam zu bleiben fiel ihm zunehmend schwer. Die schier endlose Nacht zehrte an seinen Kr\u00e4ften, und ab und zu \u00fcberkam ihn die fl\u00fcchtige Sehnsucht nach der Sicherheit des Ciel\u00e1stel, der Wunsch, sich dort niederzulegen und zu schlafen, einfach nur zu schlafen &#8230; in Elos\u00e1ls Armen zu liegen, sicher und beh\u00fctet und ausruhen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"26fe7ab803261c759735db908fde5205\">Er musste am Morgen ausgeruht sein! Er hatte Advon versprochen, mit ihm in die W\u00fcste zu reiten. Mit ihm und seinem Einhorn um die Wette zu galoppieren. <em>Endlich<\/em> mit seinem Sohn gemeinsam die Dinge zu erleben, die ein Vater seinem Kind bieten sollte. Nun, da dieses gr\u00e4ssliche, b\u00f6sartige Weib Sileda\u00fa entlarvt und verschwunden war, nun war es doch ausgestanden! Sie mussten sich nicht mehr f\u00fcrchten, vor einer diffusen Gefahr aus dem Norden, die sich als nichts weiter entpuppt hatte als ein einzelner anma\u00dfender, aber doch wohl ehrenhafter Schattens\u00e4nger.<\/p>\n<p data-p-id=\"94ce8ff55a67a5f2b27108fca24f6088\">Perlenglanz buckelte unter dem Sattel, so als sp\u00fcre er, dass sein Herr vor Ersch\u00f6pfung einzud\u00f6sen drohte. C\u00fdel\u00fa schrak hoch und blickte sich um. Elos\u00e1l war bei ihm. Jeder aus der zwar geschm\u00e4lerten, aber immer noch riesigen Schar aus Regenbogenrittern um ihn herum war <em>ein Teil von ihr<\/em>, existierte allein durch ihre Kraft und ihren Willen. Aber er, der Mensch, dem Patagh\u00edu die Magie geschenkt hatte, um ihr beizustehen, der durfte nun nicht locker lassen. Er musste ihr beistehen, wie es in seiner Macht stand.<\/p>\n<p data-p-id=\"efbe0eae358535c826cca08f2e147150\">Unter ihnen rannten, galoppierten, sprangen, schl\u00e4ngelten und kugelten die Monster, die Kreaturen, die Sch\u00f6pfungen des Widerwesens vor ihnen her wie eine aufgescheuchte Herde wilder Tiere. Ab und zu versuchte eines, seitlich auszubrechen oder blieb hinter den anderen zur\u00fcck, doch die Regenbogenritter lie\u00dfen sie nicht entkommen. Wann immer es n\u00f6tig war, \u00e4nderten sie ihre Formation, trieben die Kreaturen wieder zusammen, verlangsamten sogar ihr Tempo und kesselten die Wesen ein, bis langsamere Nachz\u00fcgler den Pulk wieder eingeholt hatten. Keines sollte zur\u00fcckbleiben. Keines von ihnen hatte auf dieser Seite des Chaos etwas zu suchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"81723a5f29b5c6b4fd83a4493c82e3d4\">Das lief soweit ganz gut. Offenkundig waren sie gerade noch rechtzeitig zur Stelle gewesen, bevor die Monster sich zu weit hatten verstreuen und auf das Weltenspiel losst\u00fcrmen k\u00f6nnen. Wenn nur Elos\u00e1l keinen Schaden daran nahm, ganz allein diese gewaltige Aufgabe zu bestehen!<\/p>\n<p data-p-id=\"36d7aaa1f8599126e84e0d3c526de4f1\">Er warf einen Blick \u00fcber die Schulter zur\u00fcck. Der schimmernde Reif, wie ein Portal, schwebte immer noch horizontal \u00fcber den T\u00fcrmen, aber das Glei\u00dfen war wieder der Schw\u00e4rze gewichen. War das gut? Zumindest war es ein Schritt zur\u00fcck zu dem, was zuvor gewesen war, vielleicht ein Zeichen daf\u00fcr, dass die anderen, dass der Schattens\u00e4nger, wie immer er in diese Dinge verwickelt war, zeitgleich seinerseits etwas b\u00e4ndigte, das ihnen, den Farbenmagiern, nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p data-p-id=\"bfa2f3dc8791a1ee6a4d5c06025f8451\">Wenn nur dieser wunderliche <em>b\u00e1chorkor<\/em> derweil gut auf Advon achtgab!<\/p>\n<p data-p-id=\"64ded8f49cc43cdc49dd63af64c564e0\">\u201eIst alles in Ordnung?&#8221;, fragte der Indigofarbene, der ganz in C\u00fdel\u00fas N\u00e4he ritt. Der Goldene schrak auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"b5cc69ae66b0092fb68f36454fd794b8\">\u201eJa. Ja, nat\u00fcrlich. Ich bin nur pl\u00f6tzlich so &#8230; m\u00fcde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b0d77800a71a2479a9811868b628b1b\">\u201eIhr werdet bald ausruhen k\u00f6nnen&#8221;, rief der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> ihm aufmunternd zu. \u201eWir haben sie im Griff.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f81e8ee3b727e9a5d9fe61ec745387e3\">\u201eAber wir sind noch nicht am Ziel! Wir wissen nicht, was dort geschieht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7bd19e2b4ad6eb62c60c7937eadfa57\">\u201eEs ist alles vorbereitet&#8221;, versicherte der Regenbogenritter. \u201eEure <em>h\u00fdardora<\/em> ist bereits dort und wartet auf Euch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"735b9afbe2e823a3c623b27c9cad6357\">C\u00fdel\u00fa war einen kurzen Moment versucht, ihn zu fragen, woher er das wissen wollte. Dann wurde ihm klar, dass der Indigofarbene es nat\u00fcrlich wissen musste, denn letztlich war es Elos\u00e1ls Wille, der ihn gerade belebte, lenkte, ihm vorgab, was zu tun war.<\/p>\n<p data-p-id=\"e50958d4a2e8d9be1b1a2e9dd0904b35\">\u201eWir werden niemals ausruhen k\u00f6nnen&#8221;, murmelte der Goldene bei sich. \u201eNicht, solange sie jederzeit zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Wir werden sie ewig bewachen m\u00fcssen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"292a6240e85357a94c6d2af544d12045\">\u201eGleich&#8221;, spornte der Indigofarbene ihn an. \u201eGleich sind wir am Ziel. Au\u00dferdem &#8230; wir sind nicht mehr allein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"ed9673359354ef8fd284ebc46b0d71de\">Daf\u00fcr, dass der Gro\u00dfteil seines K\u00f6rpers nicht existierte, gar nicht vorhanden war, das empfindlich und verwundbar war,war der Schmerz verst\u00f6rend real. Und er h\u00f6rte nicht auf, solange sie an ihm zerrten, rissen und sich mit ihren teils deformierten, spitzen Z\u00e4hnen nicht nur dort verbissen, wo noch Reste von Fleisch und Knochen waren. Sie schienen Genuss daran zu finden, ihn zu attackieren wie eine Meute tollw\u00fctiger Wildw\u00f6lfe ein wehrloses Beutetier. Sie attackierten etwas, das nicht existierte, unfassbare Qual, unabh\u00e4ngig von einem fleischlichen Leib!<\/p>\n<p data-p-id=\"cdfb1275240c904e88b3222ecf55e338\">Unter all dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Schmerz fragte Ovid\u00e1ol sich, ob sie ihn wohl erkannt hatten. Er sah nicht mehr aus wie \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9, der alte Mann, der ihnen das Leben weggenommen hatte. Erinnerten sie sich \u00fcberhaupt? Oder waren sie einfach wahnsinnig geworden, als die Chaosgeister sie hierher gezerrt hatten?<\/p>\n<p data-p-id=\"321688e427b048c91afc81c6b555a288\">\u201eWeg!&#8221;, kreischte er und versuchte, sie beiseite zu sto\u00dfen, sich loszurei\u00dfen und von ihnen zu befreien. \u201eLasst mich in Ruhe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5475caefd9c96cc27baf78f47c31fc2e\">Es war l\u00e4cherlich, unw\u00fcrdig, vollkommen sinnlos. Sie w\u00fcrden keine Gnade mit ihm haben, und er hatte nicht die Mittel, sich zu verteidigen. Er hatte keinen K\u00f6rper, keinen Stab, um ihnen zu drohen, und keine Kraft.<\/p>\n<p data-p-id=\"568dccf0e295519075a40a1a480a42ed\">Die Erkenntnis, dass all die M\u00fche, v\u00f6llig vergebens gewesen waren, d\u00e4mpfte f\u00fcr einen Moment den grauenhaften Schmerz. All die Zeit, all das Leben, das er verschwendet hatte, um auf diese blamable Weise zu scheitern, \u00fcberw\u00e4ltigt von einem Schattens\u00e4nger, einem Kind und einem unbedarften <em>b\u00e1chorkor<\/em>! Ganz blank und ersch\u00f6pft war sein Geist, und irgendwo in der N\u00e4he h\u00f6rte er die Stimmen von Menschen, die er nicht zuordnen konnte. <em>Lebendige<\/em> Menschen, hier, an einem Ort, wo sie nicht sein sollten?<\/p>\n<p data-p-id=\"15228b5b0949cdc5f3b5366f7d06c1ba\">Was war hier los?<\/p>\n<p data-p-id=\"c0d769e33c4e3c80fb6a90b272fbdbe1\">Ganz, ganz weit weg, am Rande seines Bewusstseins, h\u00f6rte er die Stimme des Jungen, des verfluchten Balges, das drohende Grollen und Schnauben eines Einhorns. Wie war der Knabe hierher gelangt? Wie konnte er hier existieren? War das hier nicht der Ort, an dem sich nichts aufhalten durfte, das \u00fcber einen eigenen Willen verf\u00fcgte? Wieso duldete das Widerwesen all das fl\u00fcchtige, primitive, l\u00e4sterliche menschliche Leben in seine unantastbaren Dom\u00e4ne jenseits des Weltenspiels?<\/p>\n<p data-p-id=\"b57735688b6558fbea367d2c291d2787\">Und dann &#8230; dann war da etwas K\u00f6rperloses, etwas Unsichtbares, etwas, das nicht vorhanden schien und doch die ganze gewaltige Weite des Chaos einzunehmen schien. Ovid\u00e1ol starrte entsetzt mit dem letzten Rest seines Auges hin. Er sp\u00fcrte es. Es &#8230; beobachtete.<\/p>\n<p data-p-id=\"7766b446358a4cd844f5947abc8aae88\">Ja, es betrachtete ihn, still und ohne einen Laut. Es schaute unger\u00fchrt dabei zu, wie die Kreaturen versuchten, ihn zu zerst\u00f6ren. Es war interessiert, aber es schien keine Genugtuung zu empfinden, ihn leiden zu sehen. Es &#8230; nahm es <em>zur Kenntnis.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a7f38286b8d3d7639b48f40b63b097a9\">Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar h\u00f6rte sich selbst kreischen und schrien und flehen, so wie er selbst so oft andere geh\u00f6rt hatte, die er verletzt, vernichtet und zuletzt sogar den Chaosgeistern vorgeworfen hatte. Sein Verstand reichte kaum mehr dazu aus, diese Laute mit sich selbst in Verbindung zu bringen. Die minderen Chaosgeister waren entfesselt. Viele von ihnen, wenn auch nicht alle, schienen instinktiv eine Verbindung zwischen ihrem eigenen Schicksal und demjenigen, der es verursacht hatte, herzustellen. Wenn sie noch dazu in der Lage waren, so etwas wie Wut, Rache und Lust zu empfinden, Reste dessen, was sie einmal als Menschen im Herzen getragen haben mochten, dann genossen sie ihre Genugtuung und kosteten sie aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"02337ce6035d4e3857deaf19ea4ed9b7\">\u201eNein!&#8221;, schrillte er, und es war nichts mehr an ihm, das nicht voller Qual und Wunde war, \u201elasst mich! Lasst mich in Ruhe! <em>Holt Euch die anderen!<\/em>&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a1eb0e6a43f02132f7c9763c56a3313\">Das Wesen, das die Kontrolle \u00fcber das zu haben schien, was sich in seiner Dom\u00e4ne abspielte, schaute zu, mit einem passiven, sachlichen Interesse, vielleicht so, wie ein <em>forscor<\/em> ein seltenes Insekt unter einer Lupe betrachten w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"f3d9ff6c4c35ea299d9855ce4eb22ec0\">\u201eBitte&#8221;, jammerte Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar unterw\u00fcrfig, \u201ebitte! Wenn du das Widerwesen bist, dann vergib mir! Vergib mir meine Anma\u00dfung! Hab Gnade mit mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"71bb784512fa47db149e3f7e6efa055e\">Aber es lie\u00df sich nicht einmal dazu hinab, mit ihm zu reden.<\/p>\n<p data-p-id=\"41e4792f4f5140c097c88861d3ce4dd6\">\u201eBitte&#8221;, stie\u00df er hervor, \u201ebitte! Wenn es keine Rettung f\u00fcr mich gibt, dann lass mich wenigstens hinter die Tr\u00e4ume! Mach, dass es aufh\u00f6rt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a582b010bd6d91312aeb400b4b6f728e\"><em>Du hast mir viele neue Spielzeuge geschenkt, <\/em>sagte das Widerwesen.<em> Viel mehr, als das Weltenspiel mir zugestanden hat.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ad7be750f70417c6de183192b5c70e00\">\u201eJa!&#8221;, rief Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar aus. \u201eJa! Sie geh\u00f6ren dir! Sie sind alle f\u00fcr dich! Ich kann dir mehr verschaffen, wenn du willst! Wenn du mich rettest!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24874dc9b9f3e33976449ea505847b2f\"><em>Ab und zu, <\/em>fuhr das Widerwesen fort, <em>da habe ich selbst ein Menschenwesen gefunden. Manchmal sind sie irgendwie in meine Sp\u00e4hre geraten. Das war &#8230; interessant. Aber die da, die dir so l\u00e4stig fallen &#8230;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"101eed2f4d9d7fe33dd18e76a7e6b2bd\">\u201eBitte&#8221;, flehte der Verfluchte. \u201eBitte! Gebiete ihnen Einhalt! Schone mein Leben, oder lass mich sterben, aber ruf sie zur\u00fcck &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"81bce33ba7b7cc70b1eca5a83a621822\"><em>Tand und Plunder, <\/em>sagte das Widerwesen. <em>Was soll ich mit <\/em>Kehricht<em> aus dem Weltenspiel? <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"56d0c8501c9f92204a72bc8c307de6a5\">Ein Hoffnungsfunke keimte in Ovid\u00e1ol auf. \u201eSind sie dir l\u00e4stig? Dann lass sie mich entfernen! Dann lass mich sie zur\u00fcckf\u00fchren ins Weltenspiel, und &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c5861be584d8135f5092369ffeb18ce\"><em>Nicht jetzt. Nicht alle. Und nicht dich.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6ba7e1b3bbb74c60217d724313318ddc\">\u201eIch &#8230;. ich kann dir von gro\u00dfem Nutzen sein! Ja! Wenn du mich verschonst und mir einen K\u00f6rper \u00fcberl\u00e4sst &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5bc9f9d14675b3e04c9177473df65f4\"><em>Was dann?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fe152f08d34790c5566c3be2949bd860\">\u201eEs kann einer von denen hier sein! Das w\u00fcrde mir schon ausreichen! Nur lass sie von mir ablassen! Bitte &#8230; ich &#8230; du wirst es nicht bereuen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e614d00c9611402922f15a4c7de435ca\"><em>Ich bereue niemals. Du kannst mir nichts bieten. Und ich werde mir von dir nichts bieten lassen. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f1bb60ed744786febbcdba3bc68647c9\">Es wandte sich gelangweilt ab, und schien sich dann wieder den anderen Menschen zuzuwenden, die es auf irgendeinem obskuren Weg ins Chaos verschlagen haben mochte. Offenbar waren die kurzweiliger.<\/p>\n<p data-p-id=\"67246aa65bd862d7ce0e95220ae55dad\">\u201eBitte! Hab Erbarmen! Wie soll es denn enden? Wie lange soll es noch gehen? Wie lange soll ich das ertragen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"66db7ae0c0c84fdf8c2b97522563ff06\"><em>Wie lange?, <\/em>h\u00f6rte er das Widerwesen. <em>Was fragst du nach Zeit an einem Ort wie diesem? An einem Ort, an dem das Licht keine Macht hat?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"56c9d088068b84b2bc21cc54df24918b\">Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar st\u00f6hnte, litt und fuhr damit fort, <em>nicht<\/em> zu sterben, w\u00e4hrend die minderen Chaosgeister die Reste seines K\u00f6rpers liegen lie\u00dfen und stattdessen nun versuchten, stattdessen seine Seele zu zerfetzen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2715","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2715","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2715"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2715\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3652,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2715\/revisions\/3652"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2715"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2715"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2715"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}