{"id":2711,"date":"2025-08-25T14:06:39","date_gmt":"2025-08-25T12:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2711"},"modified":"2025-08-31T09:22:04","modified_gmt":"2025-08-31T07:22:04","slug":"150-geschichten-fuer-geister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/150-geschichten-fuer-geister\/","title":{"rendered":"150: Geschichten f\u00fcr Geister"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"2229e660b112b67a8e56977107aa7f4e\">Das Widerwesen war abgelenkt, von etwas, das es ganz offensichtlich f\u00fcr wesentlich wichtiger hielt als die Menschenwesen, die vorzeiten in seine Dom\u00e4ne geraten waren, wie Staub, der sich in einem Zimmerwinkel absetzt. Gut so.<\/p>\n<p data-p-id=\"301a83d465ef3f2a4156fb4ea13a0f47\">Gal\u00e9on hoffte, dass es sich lange genug mit dem abgab, was immer der Schattens\u00e4nger da zaubern mochte, um seine unkundigen Freunde zu retten, die Erwachsenen, vor allem aber die Kinder. Die Kinder lagen Yalomiro Lagoscyre am Herzen, das hatte Gal\u00e9on \u00fcberdeutlich sp\u00fcren k\u00f6nnen, obwohl der Magier den weit gr\u00f6\u00dferen Teil seiner Gedanken vor ihm versiegelt und verborgen hatte. Nun, dieses Misstrauen war verst\u00e4ndlich. Denn wann mochte ein <em>camata&#8217;ay<\/em> einmal etwas Freundliches von einem Rotgewandeten erfahren haben?<\/p>\n<p data-p-id=\"000a81bf0168b779986509ffd2ed064d\">Mochten die M\u00e4chte geben, dass die Kinder ins Weltenspiel zur\u00fcckfanden, um dort zu vollbringen, was die M\u00e4chte ihnen vorbestimmt hatten. Mochten die M\u00e4chte die <em>teirandanja<\/em> besch\u00fctzen und Einsicht mit ihr und ihm zeigen. Wirklich dar\u00fcber nachdenken konnte er jetzt nicht. Nein. Vielleicht war dies das letzte Mittel gewesen, eine gemeine List, um ihn davon abzuhalten, sein Meisterst\u00fcck zu erf\u00fcllen. Oder eine Pr\u00fcfung.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab6c1eb4079bc2e95aeb577ff3b36d78\">Gal\u00e9on hatte die Minderen Chaosgeister um sich versammelt. Das war viel einfacher gewesen, als er gedacht hatte. Offenbar war das, was ein <em>b\u00e1chorkor<\/em> ihnen zu bieten hatte, weit verlockender, als bittere Rache an Ovid\u00e1ol Eta\u00edmalar zu \u00fcben.<\/p>\n<p data-p-id=\"7940316cf02d66b63471276967b3af7b\">Die ersten Chaosgeister waren ihm neugierig und vertrauensvoll gefolgt, durch den Nebel, den gefrorenen Sand hinauf, bis sie die Kuppen der H\u00fcgel erreichten, an welche Nokt\u00e1mas Dom\u00e4ne angrenzte. Gal\u00e9on lie\u00df alles andere hinter sich zur\u00fcck, kletterte so weit nach oben, wie es ging. Bald kamen die ersten Chaosgeister nach, wagten sich zaghaft aus dem wabernden Dunst hervor, der wie eine Wolkendecke um die H\u00fcgelkuppe festhing. Es waren bereits mehr als nur jene, die er von dem Verfluchten abgelenkt hatte. Offenbar waren sie sich \u00e4hnlich genug, dass sie sich auf irgendeine rudiment\u00e4re Art miteinander verst\u00e4ndigen konnten. Vielleicht teilten sie die Spur eines gemeinsamen Bewusstseins.<\/p>\n<p data-p-id=\"992e94bf5ddf04bb4fd4e12dc55027dc\">Gal\u00e9on lie\u00df sich mitten auf dem H\u00fcgel nieder und schlug die Beine untereinander. Das letzte Mal hatte er so in der Villa eines reichen Greises gesessen und alten Leuten mit zerbr\u00f6ckelndem Verstand sch\u00f6ne Erinnerungen zur\u00fcck gegeben.<\/p>\n<p data-p-id=\"526656c976cdf673715a563712961b74\">\u201eKommt&#8221;, lockte er nun die Verirrten und Verschleppten. \u201eKommt nahe an mich heran. Nicht, dass euch etwas von meinen Worten entgeht. Ich bin einen weiten Weg gegangen, um euch zu finden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7908007cb9bdf09efb596868b4f932f7\">Er wartete. Mehr und mehr mindere Chaosgeister str\u00f6mten herbei. Sie umringten ihn. Keiner griff ihn an.<\/p>\n<p data-p-id=\"038e9c2936e24fe025496e3c7447e808\">\u201eSetzt euch&#8221;, forderte er sie auf. \u201eEs wird eine lange Geschichte werden. So lange m\u00fcsst ihr nicht stehen. Ruht euch aus. Lasst die b\u00f6sen Gedanken hinter euch. H\u00f6rt mir zu!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c206a90307bd35810829bd2e0d4b3f91\">Sie scharten sich um ihn, neugierig, aufmerksam, begierig. Es hatte etwas von der Art, wie arglose, vertrauensvolle Kinder einem <em>b\u00e1chorkor<\/em> begegneten, der ihnen ein sch\u00f6nes M\u00e4rchen versprach. Gal\u00e9on lie\u00df seinen Blick \u00fcber ihre Reihen gleiten. Dabei geschah etwas Seltsames, so als lichtete sich mit jedem Blinzeln ein Schleier, der ihm zuvor die Sicht getr\u00fcbt hatte. Er begann, die minderen Chaosgeister in ihrer urspr\u00fcnglichen Gestalt zu sehen. Erschreckend klar erkannte er, wer von ihnen zu den Ungl\u00fccklichen geh\u00f6rte, die Ovid\u00e1ol geopfert hatte, die halb zerfleischt von den echten Chaosgeistern ins Chaos gezogen worden waren. Einige andere waren scheinbar unverletzt. Doch auch diese mussten Grauenhaftes gesehen zu haben, bevor sie in die Dom\u00e4ne geraten waren, die nicht sein durfte. Bleich und krank und m\u00fcde sahen sie aus, halb beleuchtet durch den Nebel, der immer mehr von ihnen freigab, halb verdunkelt durch die Schw\u00e4rze. Merkw\u00fcrdigerweise machte beides ihren Anblick viel sch\u00e4rfer, greifbarer, je l\u00e4nger Gal\u00e9on hinschaute. M\u00e4nner, Frauen, alt und jung, einige wenige Kinder sogar, und ein guter Teil von ihnen in \u00dcberresten von Gew\u00e4ndern, die so altmodisch waren, dass sie vermutlich schon viele, viele Generationen hier umhergeirrt sein mochten. Sogar ein halbnacktes, wild aussehendes und zerzaustes Wesen, das nur zerraufte Felle am Leib trug, war dabei.<\/p>\n<p data-p-id=\"70f22d37dec0dc016094da53eb58d99a\">\u201eH\u00f6rt mir zu&#8221;, lockte Gal\u00e9on. \u201eIch bin gekommen, um euch eine Geschichte zu erz\u00e4hlen. Wisst ihr, wie m\u00e4chtig Geschichten sind? Sicher denken viele von euch, <em>b\u00e1chorkoray<\/em> seien nur im Weltenspiel, um euch zu am\u00fcsieren, zu belehrten oder Erinnerungen an Vergangenes zu bewahren. Um Lob und Ehre gro\u00dfer Helden und m\u00e4chtiger Leute zu verbreiten. Das ist wahr. Das verschafft uns Brot und Obdach, einen um den anderen Tag. Aber einige von uns haben <em>m\u00e4chtige<\/em> Geschichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee41dca6835c3672e6cfe82233bda3ff\"><em>Nur zu, <\/em>kommentierte das Traumphantom aufmerksam. <em>Sie k\u00f6nnen dich alle h\u00f6ren.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fa8e9612b2e03389c9b46adce6e45c70\">Seine Anwesenheit machte Gal\u00e9on nerv\u00f6ser als die Gegenwart der Chaosgeister. Kein falsches, schwaches oder belangloses Wort durfte ihm nun \u00fcber die Lippen kommen. \u201eGeschichten&#8221;, raunte Gal\u00e9on beschw\u00f6rend, \u201edie <em>heilen<\/em> und <em>f\u00fchren<\/em> k\u00f6nnen. H\u00f6rt mir nun zu. H\u00f6rt eine Geschichte, die euch den Weg weisen wird. Eine Geschichte, \u00fcber den Ort, an dem ihr endlich Frieden findet..&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"e4bd9a225a37ff0d9f0e81f5def6e9c4\">Ich hatte sehr naive Vorstellungen von dem gehabt, was in der N\u00e4he einer gewaltigen Dampfexplosion alles passieren w\u00fcrde. Ich hatte mir gedacht, dass das Wasser sich verfl\u00fcchtigen und der dabei entstehende Hohlraum unter dem Sand einfach zusammenfallen w\u00fcrde, vielleicht wie bei einem Hefeteig, der zu lange steht.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d301af6ca5d01ebfbc13451d9e88a98\">Es zeigte sich, dass ich ebenso wenig Ahnung vom Backen hatte wie von physikalischen Zusammenh\u00e4ngen und der schieren Energie, \u00fcber die Elos\u00e1l zusammen mit C\u00fdel\u00fa verf\u00fcgte. Ihr Bann erhitzte das Wasser unter der Senke in einem Sekundenbruchteil so enorm, dass es <em>schlagartig <\/em>zu Gas wurde, sich um ein Vielfaches ausdehnte und die feste Materie ringsum so m\u00fchelos wegsprengte, als habe man in eine Wolke Seifenschaum gepustet.<\/p>\n<p data-p-id=\"32d0d4118333734c642494095d664ef4\">Die Wucht der Explosion schleuderte riesige Brocken in die H\u00f6he, eine Woge aus siedendem Dampf brandete \u00fcber die Senke und alles im n\u00e4heren Umkreis weg. Das Kreischen und Heulen der Chaosgeister w\u00fcrde ich nie im Leben mehr aus den Ohren bekommen. Die feuchte Hitze \u00fcberbr\u00fchte uns alle, ich konnte es sp\u00fcren und wusste, dass ich ohne meine Magie (und die Unsterblichkeit, die mir anhaftete, seit ich Gor Lucegaths Schwert ber\u00fchrt hatte) nun mit absoluter Sicherheit gar gekocht und tot gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb3030a06179a7c0b82266a4e4896ab2\">Die mit der Detonation einhergehende Druckwelle hatte mich soweit durch die Luft geworfen, dass mich erst eine aufragende D\u00fcne in beachtlicher Entfernung auffangen konnte, zum Gl\u00fcck eine aus dem feinen weichen Sand, den Elos\u00e1l in diesem Teil der W\u00fcste erwartet hatte. Die Kuppe dieser D\u00fcne hatte sich allerdings durch den Sto\u00df in weiter Entfernung verteilt.<\/p>\n<p data-p-id=\"af3178e532cac4ff40f30879e9481ac9\">Ich spuckte, um all die harten Steinchen aus dem Mund zu bef\u00f6rdern, blieb einen Moment platt liegen und rappelte mich schlie\u00dflich m\u00fchsam auf. So viele verschiedene Stellen am K\u00f6rper taten mir weh, dass sie sich zu einem einzigen gro\u00dfen Schmerz vermengten. Aber offenbar war nichts gebrochen oder gerissen, und auf die Schnelle konnte ich auch nicht feststellen, dass ich irgendwo blutete. Nicht auszudenken, was passiert w\u00e4re, wenn wir die Chaosgeisterfalle im Gebirge h\u00e4tten aufbauen m\u00fcssen &#8211; oder dichter bei der Stadt. Ich strich mir vorsichtig den Sand aus Gesicht und Augen und starrte hin\u00fcber zur Senke.<\/p>\n<p data-p-id=\"40ad2d4ac3e63d04e39b52cf8991a3dd\">Die gab es nicht mehr. Stattdessen hatte sich ein Krater aufgetan, aus dessen Tiefe ein entsetzliches Heulen und Jammern ert\u00f6nte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c4513dc3c27f1821235f47490a91ac5b\">Abgesehen davon war der gigantische, bunte Schwarm der <em>arcaval&#8217;ay <\/em>fort!<\/p>\n<p data-p-id=\"3db659a700d69242c5874e1eaaeb9e39\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"3571b131367e4f323fb4f805ea463a44\"><em>Was tust du da? <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2c60db492af287344f9d1ad253588dff\">Das Widerwesen war ihnen nahe, viel zu nahe, aber der Bann aus Staub, Magie und Blut, den Yalomiro um die Unkundigen herum sang, hinderte es daran, einen von ihnen zu ber\u00fchren. Der Schattens\u00e4nger konzentrierte sich, obwohl seine Gedanken immer fahriger und ersch\u00f6pfter wurden. Nun durfte er nicht aufgeben. Er musste so lange wie m\u00f6glich bei Bewusstsein bleiben, die Unkundigen an dieses j\u00e4mmerliche \u00dcberbleibsel aus dem Turm fesseln.<\/p>\n<p data-p-id=\"e25672be93e32d8754ab3180c13cdc35\"><em>Nokt\u00e1ma, <\/em>wisperte Yalomiro. Seine Lippen bebten, aber seine Stimme drang nicht an die Ohren der verwirrten Menschen. <em>Bitte, Nokt\u00e1ma, gib mir die Macht. Nur ein Herzschlag, ein einziger Herzschlag &#8230;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"fb78f3428dc25f7e713f7f78eac943dc\">\u201eMeister Yalomiro!&#8221;, h\u00f6rte er dumpf, weit fort, wie unter Wasser die besorgte Stimme von Merrit Althopian. \u201eIst Euch nicht wohl?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"68905ba2cea823ba39c0a5b09b13f22f\">\u201eK\u00f6nnen wir Euch beistehen?&#8221;, fragte Asga\u00fd von Spagor. \u201eIrgendetwas tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ee8ab34914213ebd770e6dae8aadee7a\">Er konnte es also nicht vor ihnen verbergen, dass seine Kr\u00e4fte schwanden. Die Goldnadel in seiner Hand fesselte seine Magie nicht, wie es ein Ring oder ein Reifen oder auch nur eine h\u00fcbsche kostbare Schleife aus mit Goldfaden bestickter Seide getan h\u00e4tte, aber sie st\u00f6rte den Fluss seiner Kr\u00e4fte. Sie machte Dinge instabil, insbesondere den Zauber, der auf der T\u00fcr gelegen hatte und das Widerwesen ebenso wenig gebremst h\u00e4tte wie ein Vorhang aus Gaze.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d450a72d20c77ddde1ce9c4b5d8ffed\">Das sollte genau so sein. Die Unruhe, die Verwirbelung, die das Gold in den Fluss seiner Magie brachte, w\u00fcrde alles zerst\u00f6ren, womit er damals das Leck in der Wirklichkeit zwischen Pianmur\u00edt, dem Chaos und dem Weltenspiel hatte verschlie\u00dfen wollen. Es war unverzeihlicher Leichtsinn gewesen, Menschen an diesen Grenzpunkt zu bringen, nur um ein Geheimnis zu bewahren.<\/p>\n<p data-p-id=\"018c0b059751e200e2372a34691bdb99\">Yalomiro stellte sich das, was er tat vor, als z\u00f6ge er langsam, ganz langsam eine Spielkarte aus der untersten Etage eines Kartenhauses.<\/p>\n<p data-p-id=\"415d3b689c7615bd209632704bade350\">Nur ein Herzschlag &#8230; der Staub&#8230; sie durften das Brett nicht aufgeben &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"d379cd7285e77cb8ad9ecdf2a47fe7c8\">\u201eNur &#8230; ein Herzschlag &#8230;&#8221;, wisperte er abwesend.<\/p>\n<p data-p-id=\"a2959af508b2ac164e267746d1414b5d\">\u201eWas redet er da?&#8221;, wisperte <em>yarl<\/em> Grootplen.<\/p>\n<p data-p-id=\"670a1bfe9b47778c6a3761957fe01efe\">\u201eVielleicht fiebert er. Der <em>mestar<\/em> hat uns einmal erz\u00e4hlt, wie -&#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"f65bccad06d982b8234ee7df0f31dc9d\">\u201eStill, J\u00e1ndris! Lenkt ihn nicht ab. Was auch immer er da tut, er muss mit den Gedanken dabei sein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"169fea47bcfa2cbebbf56c3b2a73e327\"><em>Yarl <\/em>Altabete rief seinen vorlauten Sohn zur Ordnung. Yalomiro l\u00e4chelte kraftlos. Vielleicht war der Ritter doch zu vers\u00f6hnen. Sp\u00e4ter<\/p>\n<p data-p-id=\"9ed994b4f1c1667a261516d791a92dec\">\u201eSicher ist das ein geweihtes Ritual&#8221;, vermutete Osse Emberbey ehrf\u00fcrchtig. \u201eEr w\u00fcrde uns nicht im Stich lassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2f6446011606b8874599c41c23b7bba\">Die Kinder vertrauten ihm also. Sehr gut.<\/p>\n<p data-p-id=\"a47782df8b1e1d7fdcbf3fe2df2da3f6\">Das Zwielicht wurde immer tr\u00fcber. Das silberne Blut vermengte sich mit dem so lange zur\u00fcckliegenden Bann.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1f6cc068a463843b51c3a52647ecea0\"><em>Du kannst es nicht ungeschehen machen. Dar\u00fcber hast du keine Macht!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"dcff3c429500df2592565241b9b1fa2b\"><em>Hei\u00dft es nicht, <\/em>fl\u00fcsterte der Schattens\u00e4nger, <em>in deinem Reich sei Zeit nebens\u00e4chlich?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"2a830b942a8060c0ac14589f12974ff4\"><em>Hier, <\/em>sagte das Widerwesen, <em>ist alles und gar nichts zugleich. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"55419003b1f4d6f6599829d91eeb34d1\"><em>Dann, <\/em>versetzte er, <em>konntest du also nur an diesem Ort mit den Menschen spielen. Das Weltenspiel kannst du nicht betreten, nicht ohne ein Gef\u00e4\u00df, das in der Zeit ist. Das Weltenspiel ist f\u00fcr dich &#8230; zu schnell. Du hast Raum und Zeit nachgebaut, ein Kistchen, um Menschen darin zu halten wie ein Kind einen K\u00e4fer gefangen n\u00e4hme &#8230; aber wie?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"12aaa0dbf8189ded73d027f26636eae2\"><em>Es wird dir nichts n\u00fctzen, das zu wissen. <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"f5134a4767ae28a6e240066dd2749d65\"><em>Was, <\/em>fragte Yalomiro am Rand seines Geistes, <em>ist denn ein Herzschlag hier im Chaos f\u00fcr das Weltenspiel? Macht es einen Unterschied, wann Dinge geschehen?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0cb8affd98427a3545dfb99cef9c73b7\">\u201eBei den M\u00e4chten, er stirbt!&#8221;, sagte Alsg\u00f6r Emberbey, ganz leise und weit weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"a236e495bafbbf98dd1cf8717de46a77\">\u201eNein&#8221;, widersprach die <em>teiranda <\/em>energisch. \u201eDas ist nicht <em>m\u00f6glich<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"805f0a13744b46be1f78a0db0f309372\">\u201eAber du siehst es doch, Geliebte! Das Leben entrinnt ihm mit jedem Atem, den er nimmt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c8147ed6e978e238c771483548c40e6d\">\u201eMeister Yalomiro!&#8221; Eine kleine Hand r\u00fchrte ihn sacht an, eine niedliche Kinderstimme redete zu ihm. \u201eGeht nicht weg! Ich d\u00fcrft jetzt nicht hinter die Tr\u00e4ume.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7772818fd648ce06fc3bfd1513bd9e19\">\u201eT\u00edjnje Mor\u00e9aval &#8230;&#8221;, fl\u00fcsterte er, \u201edie Blumen &#8230; die Samen &#8230; bring sie zum Bl\u00fchen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd999ff23524283d77211593f4e5f8ad\">\u201eLass ihn, T\u00edjnje! Das ist doch jetzt alles unwichtig!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df125a106dc4960b63b4fdce13f24a03\">Ein anderes Kind tastete nach ihn, scheu und vorsichtig. Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor ber\u00fchrte seine Stirn. \u201eBitte, Meister&#8221;, sagte sie leise. \u201eVerlasst uns nicht! Ich habe alles im Herzen, was Ihr mir gesagt habt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f9042c6ef23d0aedf9a4ca490d4933e\">\u201eSo zerbrechlich, so unschuldig &#8230;&#8221;, murmelte Yalomiro und schloss die Augen. Die Nadel in seiner Hand hatte ihr Werk vollbracht. \u201eMut und Geist und Liebe &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1f5f0d46d7af84b911891004849ed6ed\">Und dann war es aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"5cbfa360a09ab447b38ba5546eba7dec\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"edf2e636097163b11b660a7a9b0f7878\">Das Wasser wurde weniger. Auf dem Burghof standen dort, wo die Pflastersteine etwas abgesenkt waren, tiefe Pf\u00fctzen. Aber der Wasserfall, der sich \u00fcber die Stufen ergossen hatte, war nur noch ein zartes Tr\u00f6pfeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"f64c267f5f7215c59d1fcde27e039f3c\">Die <em>yarlara<\/em> horchte an der T\u00fcr. Im Inneren des Turms war es nun still. Sie z\u00f6gerte. Dann nahm sie den Zauberstein aus der L\u00fccke heraus, die der Steinmetz in die Mauer geschlagen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b9c32bf36850702d3b24443386751e5\">J\u00f3ndere Mor\u00e9aval ruckte vorsichtig an der T\u00fcr. Dann entfernte er sich wortlos, stapfte durch die Wasserlachen hindurch und verschwand in der Burg.<\/p>\n<p data-p-id=\"8e6c067e165c1a609f37280aac0e9452\">Die <em>yarlara<\/em> betrachtete mutlos den bunt schillernden Stein. In seinem Inneren spr\u00fchten funkelnde bunte Farben, entflammt von dem bisschen Feuer, das sie in der Laterne mit sich f\u00fchrten. Die Dame schaute sich das mit leerem Sinn an. Sie hatte nicht mehr die Kraft, irgendetwas Geordnetes zu erdenken.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5f911fe240dfa28b1df1e4f9e54149e\">Wie sch\u00f6n, wie ruhig und heiter und heilsam die Farben in dem kleinen Stein tanzten, ein zuckender, lebendiger Reigen aus Licht und Feuer und der Dunkelheit ringsum, die es nur noch deutlicher und besser sichtbar machte. Die Dame drehte den Stein hin und her und war so versunken in das Schauspiel, dass sie weder Notiz davon nahm, wie lange ihr <em>h\u00fdardor<\/em> verschwunden blieb, noch davon, dass er zur\u00fcckgekehrt war.<\/p>\n<p data-p-id=\"412f35f8bef6355afea18e265f9cf92d\">\u201eGeht beiseite&#8221;, sagte er sanft. \u201eIch brauche Platz.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"723edc2f81d737613b28d8c774630a3b\">Sie blickte auf. Er hatte die wahrscheinlich gr\u00f6\u00dfte Breitaxt in der Hand, die er in der Burg hatte finden k\u00f6nnen, ein bedrohliches Ding, das vielleicht vor langer Zeit ein <em>f\u00fdntar<\/em> gef\u00fchrt haben mochte, kein Ritter im Kampf. Als Reserve trug er in der anderen eine etwas kleinere Spaltaxt, die sicher der Zimmerer in seiner Werkstatt zur\u00fcckgelassen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3991106e503521e1351f807e2c712971\">\u201eUnd wenn es immer noch nichts n\u00fctzt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3dfe637c83d27f5c0fdcda3181ba4380\">\u201eUnd wenn ich bis ans Ende meiner Tage zuhauen muss&#8221;, sagte er. \u201eIch werde nicht ruhen, bis ich T\u00edjnje aus dem Turm geborgen habe. Und L\u00e1as und deinen Vater.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"db9181f3e0a5b5633dc5a77071183767\">\u201eUnd all die anderen&#8221;, sagte sie und wandte sich zerstreut wieder dem Stein zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"a4d54826bfb1af040789f99e389368c0\">\u201eBitte&#8221;, sagte er. \u201eGeliebte. Ich k\u00f6nnte es nicht ertragen, wenn dir dar\u00fcber dein Herz und der Verstand zerbrechen. Willst du nicht lieber hin\u00fcber ins Haus gehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f186fdd6854b63c3cd9eb441e78bc0a9\">Sie sch\u00fcttelte den Kopf. Nat\u00fcrlich sagte er das, weil er erwartete, niemanden mehr lebendig hinter der T\u00fcr vorzufinden.<\/p>\n<p data-p-id=\"8c8a4e24a7f10e10e8f221f469d8275a\">\u201eNein&#8221;, sagte sie. \u201eWir tun es gemeinsam. W\u00e4re es doch nur nicht zu sp\u00e4t. W\u00e4re all das doch nie geschehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d65ba5d0c232f1e48a231d7d98abb7b\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"eee1c65499eafb276e1591a857eb4eaa\">\u201ePapa!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3badf085d5cd6a397de0315fa4e0f847\">D\u00fdamir\u00e9e sprang von Farbenspiels R\u00fccken ab, bevor Advon sie festhalten konnte. Sie rannte los, dr\u00e4ngte sich zwischen die Unkundigen, die dort so seltsam in der Runde standen, und lie\u00df sich neben Meister Yalomiro niedersinken, der da ganz seltsam verkr\u00fcmmt mehr hing als hockte, seine Hand ganz wunderlich an einem Brett, dass die zw\u00f6lf Unkundigen festhielten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e1f543391cead08e8627f9b3e897e551\">Ihr pl\u00f6tzliches Auftauchen erschreckte die Unkundigen, vor allem die Kinder, die geblendet gewesen waren und sie beide und vor allem das Einhorn zuvor nicht gesehen hatten. Die Erwachsenen waren weniger \u00fcberrascht, fragten sich wohl eher, wo er so pl\u00f6tzlich wieder hergekommen war. Sicher hatten sie ihn und Gal\u00e9on f\u00fcr ein Trugbild gehalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"227ec8c131e53fb5686ebabaf89b7338\">Advon erfasste in einem blitzartigen Gedanken, was hier geschah. \u201eNein! Nicht!&#8221;, rief er geistesgegenw\u00e4rtig aus. \u201eNicht das Brett loslassen! Nicht den Bann brechen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0d912cf6f50de6d1f5d45d50ede68040\">Er glitt zu Boden und rannte heran. Farbenspiel folgte ihm, beinahe auf Tuchf\u00fchlung.<\/p>\n<p data-p-id=\"7e3c1cbf9c59a812d145a0e4c976965c\">\u201eWer seid ihr?&#8221;, rief der dunkelhaarige Junge, der \u00e4ltere in gr\u00fcnem Gewand. \u201eIst das ein Einhorn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18228e2d407d6de1cfd753171b813ae5\">\u201eNein, ein Ziegenbock!&#8221;, versetzte Advon \u00e4rgerlich. Mussten sie nun mit solchen Nebens\u00e4chlichkeiten kommen? \u201eBleibt stille stehen! Ich &#8230;&#8221; Er besann sich auf das, wozu er f\u00e4hig war und schloss: \u201eIch <em>will<\/em>, dass ihr alle tut, was ich sage!&#8221; Er z\u00f6gerte kurz, entsann sich seiner Manieren und setzte hinzu: \u201e<em>Bitte<\/em>. Bitte, Majest\u00e4t. Wenn sich einer von Euch bewegt, zerrei\u00dft das vielleicht, was immer er da macht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd1ead2054e7410ffaa0c55cb615f561\">Der Ritter mit den blauen Hausgew\u00e4ndern, der wohl gelernt hatte, Magisches nicht zu hinterfragen, sprach als erster wieder. \u201eSohn der <em>faj\u00eda<\/em>! Wei\u00dft du, was hier geschieht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"43d41cf9accf3c8776baeca80eedf50e\">\u201eMein Papa macht &#8230; er <em>macht<\/em> etwas, das hier heraus f\u00fchrt&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e. Ihre Stimme zitterte beunruhigt. Sie strich dem Besinnungslosen eine grausilberne Haarstr\u00e4hne aus der Stirn. \u201eIch &#8230; ich <em>verstehe nicht<\/em>, wie das geht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"406f6c33a80d8dd8386383b726f4454b\">\u201eEr hat sich einfach die Nadel durch die Hand gehauen&#8221;, sagte der \u00e4lteste Junge in weizengelber Gewandung. \u201eDas muss biestig weh getan haben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4af3c2eeae9ec052648b4c60881024ef\">\u201eWo hatte er die Nadel her?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c28a62292469f5624dd2d3909fa965b1\">\u201eVon meiner Mama&#8221;, erkl\u00e4rte das kleine M\u00e4dchen zutraulich. \u201eUnd wer seid ihr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"026802e568a275187ca7dfd39a9a178a\">D\u00fdamir\u00e9e antwortete nicht. Sie legte ihre Stirn an die des leblosen Mannes. Vielleicht konnte sie aus seinen Gedanken etwas erahnen, aber Advon glaubte es nicht recht. Er versuchte fieberhaft, zu verstehen, was D\u00fdamir\u00e9es Vater getan hatte. Alle Unkundigen ber\u00fchrten das Brett und waren umwoben von einem silbrigen Netz. Das Brett war also <em>wichtig<\/em>. Sein Vater hatte ihm einmal eine spannende Geschichte von einem schiffbr\u00fcchigen Abenteurer erz\u00e4hlt, der sich an einem St\u00fcck Planke \u00fcber Wasser halten und rettendes Land erreichen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e3221266f0cb8a13e1daa9092e13a843\">\u201eEgal, was geschieht&#8221;, sagte er dringlich. \u201eLasst dieses St\u00fcck Holz nicht los.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fa9ef97fd14d5588424b9e9ded6a089a\">\u201eWir vertrauen dir, Sohn der <em>faj\u00eda<\/em>&#8220;, sagte die <em>teiranda<\/em>. \u201eSag uns, was wir tun sollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"57bd67a3eae95603ec48c83b79b6e95a\">Advon richtete seine Aufmerksamkeit auf die unkundigen Kinder. Zu seinem Erstaunen hielt einer der beiden j\u00fcngeren Knaben, der blonde mit den wasserblauen Augen, den Zauberstab gesenkt in der Hand. D\u00fdamir\u00e9es Vater musste ihn ihm anvertraut haben und hatte das sicher nicht ohne guten Grund getan.<\/p>\n<p data-p-id=\"43b1058c34ddbf5fbea769abe8f481ed\">Farbenspiel, so aufgeregt er war, stellte aufmerksam die Ohren auf und schnupperte am Gesicht des Jungen. Furchtlos blieb der stehen. Das war gut. Offenbar erkannte der Hengst in dem Rittersohn jemanden, der gut mit Tieren stand. Auch das kleine M\u00e4dchen war sichtlich begeistert, auf eine unbefangene, kindliche Art, die es dazu trieb, flauschige Tiere streicheln und herzen zu wollen. Der Junge mit der Brille war offensichtlich \u00fcber die Gegenwart des Einhorns beunruhigt. Schade. Er schien sich vor gro\u00dfen Tieren zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p data-p-id=\"6343c263d47517810ba0e1140c910762\">Die <em>teirandanja<\/em> hingegen hatte kein Auge f\u00fcr den riesigen, bunten Farbenspiel. Sie schaute fasziniert nur D\u00fdamir\u00e9e an. Nun, da er beide so dicht beieinander sah, kam Advon f\u00fcr einen Wimpernschlag die Idee, dass das eine M\u00e4dchen ein verschobenes Spiegelbild des anderen war. Sie \u00e4hnelten einander, die eine blond, die andere schwarzhaarig, eine mit blauen, die andere mit laubgr\u00fcnen Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"1aa6b8d692b29942baa510fa55d13805\">\u201eDu bist also die Tochter von Meister Yalomiro?&#8221;, fragte die <em>teirandanja<\/em> ehrfurchtsvoll. \u201eEr hat von dir erz\u00e4hlt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ebd0be1efc5c5fb8bd792faa5693e8e9\">\u201eManj\u00e9v!&#8221;, fl\u00fcsterte ihre Mutter. \u201eSt\u00f6re das M\u00e4dchen jetzt nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1682074cdcde8836a2b3241468f4b9ba\">D\u00fdamir\u00e9e nickte ihr zu. Dann sagte sie zu dem kleinen M\u00e4dchen. \u201eBist du die Tochter von dem freundlichen Ritter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bed220d3715213498196df75a5702874\">\u201eD\u00fdamir\u00e9e!&#8221;, mahnte Advon. \u201eWas ist mit deinem Vater? Ist er hinter den Tr\u00e4umen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f26cb3075884dc0611185e4836eb3f9d\">\u201eNein. Aber er ist zu ersch\u00f6pft, um seinen Zauber zu beenden. Ich mach das.&#8221; Sie holte den Stein hervor. \u201eDa ist noch genug Magie drin.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3315b576ad6a4ea7b75cfa2f9346842e\">\u201eWieso hast <em>du<\/em> jetzt diesen Stein?&#8221;, rief der \u00e4lteste Junge aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"49f3158801ed9385beeb0239906b6d39\">\u201eGal\u00e9on hat &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df170c8ff67f0462c6e327ebcad09b60\">\u201eWir haben keine Zeit!&#8221;, fiel Advon ihr schnell ins Wort. Bestimmt w\u00e4re es Gal\u00e9on nicht recht, wenn die Unkundigen \u00fcber ihn redeten, und schon gar nicht jetzt, wo es auf Momente ankam. \u201eD\u00fdamir\u00e9e, was k\u00f6nnen wir tun? Was muss geschehen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5295b15762e0bb21d28955bd01cea3d8\">Sie umarmte ihren Vater, den Stein in der Hand. \u201eIch wei\u00df nicht&#8221;, sagte sie leise. \u201eEr h\u00e4lt die Magie fest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"03948d341912ff361baec74d82ea24c2\">\u201eVielleicht muss er loslassen&#8221;, schlug der Junge mit der Brille bescheiden vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"a0501be843dd344a64713fc71c04f1a3\">\u201eLoslassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c132b0bb8ed260a692da61a129759900\">\u201eJa&#8221;, sagte der Junge. \u201eWie eine T\u00fcrklinke.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"31f42857ce2236ed0a62b6543f234642\">Advon runzelte verwirrt die Stirn.<\/p>\n<p data-p-id=\"0a14f33a87104c5869667cb1b3d8910a\">\u201eIst das nicht m\u00f6glich?&#8221;, fragte der dunkelhaarige Junge, und sein Freund, der \u00e4lteste f\u00fcgte hinzu: \u201eDas Eulengesicht ist schlau. Der hat kluge Einf\u00e4lle.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"13039cb60b482f5fe91cc457db493084\">Der schnauzb\u00e4rtige Ritter versetzte seinem Sohn einen tadelnden Schubs. Der alte Ritter seufzte tief. Der Junge mit der Brille tat w\u00fcrdevoll, als r\u00fchre das Spottwort ihn nicht an.<\/p>\n<p data-p-id=\"46f1e1aa86979630b0f5afa544696e2f\">\u201eMeister Yalomiro sagt, dieses Brett sei ein Tr\u00fcmmer von einer T\u00fcr&#8221;, erkl\u00e4rte die <em>teirandanja<\/em>. \u201eSagt dir das etwas, o Sohn der <em>faj\u00eda<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"873e0c17338482abc4ad33585f8e0627\">\u201eEine T\u00fcr von dem Ort, von dem ihr hierher geraten seid?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9e3e6d2a1ff1d4d27b931c96209a63b0\">\u201eJa.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"635a1389a69d3acbce9ce41b1e0b1e93\">\u201eMeine Mama&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e, \u201eist auch von einem fremden Ort gekommen. Durch eine T\u00fcr. Mit einem Schl\u00fcssel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3cba9f7cee622c129d68ec342c554447\">\u201eMein Vater&#8221;, sagte Advon \u00fcberrascht, \u201ekommt auch von einem anderen Ort.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8fc8aa436a9e2a34a82f7dfeafe61273\">\u201eIst er auch durch eine T\u00fcr gekommen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c8fa63bcd740f7ee157996fe7faa14d1\">\u201eNein, durch ein helles Licht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3661012211b0c2430a464d8afc2cd31e\">D\u00fdamir\u00e9e runzelte verwirrt die Stirn. Aber es war wirklich nicht genug Zeit, um ihr zu erkl\u00e4ren, was damals mit seinem Vater geschehen war. Immerhin konnten die minderen Chaosgeister jeden Moment wieder auftauchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"da09b7a413caeeb59eba3b77c9441244\">\u201eVersuchen wir es&#8221;, sagte er. \u201eWei\u00dft du, wie du die Magie aus dem Stein heraus bekommst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd6c9edc0340b928646498fd25319ced\">\u201eGal\u00e9on hat gesagt, ich kann sie einfach wieder herauslassen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ecc2ff0d7c6a258060e03fb49b1b87cf\">Die <em>teirandanja<\/em> hob fragend die Brauen. Der erneut genannte Name lie\u00df sie aufhorchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"083670a1bfd0a6056e020119e04be4c1\">\u201eGut&#8221;, sagte Advon hastig. \u201eIhr alle &#8230; egal, was geschieht: Haltet das Brett fest, als hinge Euer Leben daran fest. Wir versuchen, den Zauber weiterzuspinnen, den Meister Yalomiro begonnen hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe4966ae4f3e74973593e17aae43803c\">\u201eUnd wenn das schiefgeht?&#8221;, fragte der blonde Junge zweifelnd.<\/p>\n<p data-p-id=\"4acff4c18e1de5cc0cb5398ad629c9df\">\u201eEs kann nicht mehr schiefgehen, als dass es nicht funktioniert&#8221;; behauptete Advon leichthin, obwohl er keine Ahnung hatte, was geschehen w\u00fcrde. Die Hand auf dem Brett hielt den Bann auf den Unkundigen, eine Leine, wie eine mit der Kinder an einem windigen Tag ein Himmelsbanner steigen lie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a1732daaac2353eeadab7f2e64444e9\">D\u00fdamir\u00e9e hielt ihren Stein fest in beiden H\u00e4nden und schloss die Augen. Die Unkundigen schwiegen and\u00e4chtig. Advon streckte die Hand nach der Haarnadel aus, die die Hand des Schattens\u00e4ngers an das Brett heftete.<\/p>\n<p data-p-id=\"272b5557b73b1a10dab645e74dc13fbd\">\u201eIch <em>will<\/em> &#8230;&#8221;, begann er. Und dann ersch\u00fctterte ein lautloses Zittern das leere Zwielicht des Chaos.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2711","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2711","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2711"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2711\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3669,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2711\/revisions\/3669"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2711"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2711"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2711"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}