{"id":2691,"date":"2025-08-25T13:55:06","date_gmt":"2025-08-25T11:55:06","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2691"},"modified":"2025-08-31T22:52:48","modified_gmt":"2025-08-31T20:52:48","slug":"138-zur-unzeit-am-verkehrten-ort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/138-zur-unzeit-am-verkehrten-ort\/","title":{"rendered":"138: Zur Unzeit am verkehrten Ort"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"2f6fc0b7591b2bed25b43c3e756e6469\">Der Lichtblitz zuckte aus dem Durchschlupf in der Finsternis herab, lie\u00df den Ciel\u00e1stel unter sich verblassen und flutete dann \u00fcber die H\u00fcgel und weit bis in das Hinterland und in die W\u00fcste hinein, wie Wasser, das aus einem Eimer auf den Boden gesch\u00fcttet wurde und sich in alle Richtungen verteilte, bis es auslief.<\/p>\n<p data-p-id=\"1a4ffc24c347c9cf20892dc9656e4783\">F\u00fcr einen Herzschlag verharrte das ganze gro\u00dfe Regenbogenheer mitten in der Bewegung. C\u00fdel\u00fa war umgeben von verwirrt auf der Stelle t\u00e4nzelnden Einh\u00f6rnern und ersch\u00f6pften K\u00e4mpfern mit halb zum Schlag erhobenen Schwertern und angelegten Lanzen, die alarmiert alle den Blick in Richtung von Patagh\u00edus Heiligtum gerichtet hatten, so als habe jemand ihnen Einhalt geboten.<\/p>\n<p data-p-id=\"59c9a37a2caa8b0253e1c12199bfc2ba\">Bei allen M\u00e4chten. Was immer dieses Licht gesandt hatte, es war <em>nicht<\/em> Elos\u00e1l gewesen. Unm\u00f6glich. Das war ihm klar, als er sich umblickte. Einige der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> waren ihm nahe genug, dass er ihre buntgoldenen Augen hinter den Sehschlitzen ihrer Helme erkennen konnte. In jedem Blick stand exakt dasselbe verwirrte Erstaunen, das er empfand. Nein. Das war mit absoluter Gewissheit nicht Elos\u00e1ls Magie. W\u00e4re dem so gewesen, keiner der Ritter w\u00e4re nun so verwirrt, \u00fcberrascht \u2013 verunsichert.<\/p>\n<p data-p-id=\"bcffd58ed7a032806cd31138541375d3\">Auch die Chaosgeister hielten in ihrem unkontrollierten Tun inne, ihr ohrenbet\u00e4ubendes Br\u00fcllen und Geifern verstummte f\u00fcr einen Atemzug. Die, die beweglich genug waren, wandten sich dem Licht zu, das auf sie zu brandete wie eine Sturmwelle. Um zu reagieren und die Flucht zu ergreifen, waren sie zu dumm. Sie standen, sa\u00dfen und glotzten, bis das Licht die ersten erreichte, sie fortriss und umstie\u00df. Das Licht \u00fcberschwemmte die Kreaturen, ohne ihnen sichtbaren Schaden zuzuf\u00fcgen. Und doch begannen die Kreaturen, zu kreischen, zu jaulen und zu br\u00fcllen, sobald das helle Licht sie ber\u00fchrte. Sie schrien so entsetzlich, als habe nicht reinste, sauberste Magie sie getroffen, sondern jemand aus K\u00fcbeln siedendes \u00d6l oder S\u00e4ure auf sie ausgekippt.<\/p>\n<p data-p-id=\"bbe711ec93aaf501a537c4e8a0c89546\">Perlenglanz und all die Einh\u00f6rner ringsum sprengten instinktiv ein St\u00fcck weiter in die H\u00f6he. Ihnen tat das Licht nichts an, aber die Masse der Chaosgeister geriet in heftige Bewegung, begann, zu toben, sich zu winden und herumzuwerfen. Wie Fische, die jemand mit einem Netz aus dem Wasser zieht und die in Panik nach Luft und Leben schnappen, ging C\u00fdel\u00fa durch den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"1f79d27f8d77340f19ae141f696a3438\">\u201eBei Patagh\u00edus Glanz!&#8221;, rief jemand aus. \u201eWas ist das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb6a467f223aec3369b6abcd90d6b9e5\">C\u00fdel\u00fa riss sich vom Anblick der gepeinigten Chaosgeister los und entdeckte, gar nicht weit neben sich, den Gelben. Einen der Sieben. Was f\u00fcr eine Erleichterung!<\/p>\n<p data-p-id=\"64edc68017e53a1e86614c2dd265da3d\">\u201eSchnell!&#8221;, gebot C\u00fdel\u00fa. \u201eBevor sie nach Norden ausbrechen! Formiert euch! Lasst keinen entkommen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d3c90fc455ad4ebaf006841f12369a6\">Der Gelbe nickte ihm knapp zu, reckte seine Lanze in die H\u00f6he und rief nach seinen Kameraden. Der Ruf pflanzte sich \u00fcber das Schlachtfeld fort, und dann begann \u00fcber dem Wirbel aus panischen, ungestalteten Monsterleibern einer aus Farben, aus raschelnden Fl\u00fcgeln und Gold und Magie. C\u00fdel\u00fa lenkte Perlenglanz so weit abw\u00e4rts, wie es ihm vertretbar erschien, und lie\u00df ihn dort, knapp au\u00dferhalb der Reichweite von unkontrolliert um sich schnappenden Z\u00e4hnen und peitschenden Tentakeln einige Runden traben, um den anderen nicht im Weg zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"faa9561c233b304374c5339c31f0f94a\">Aus dem Strudel aus bunten Farben formte sich etwas Neues, etwas Geordnetes. Die Sieben versammelten alle um sich, die zu ihnen geh\u00f6rten, schw\u00e4rmten aus, vier nach Westen, drei nach Osten, und in einem weiten Bogen wurde aus der Kuppel ein langgestreckter Regenbogen, wundersch\u00f6n und gest\u00e4rkt durch das Licht hell strahlend in der Nacht, der die unb\u00e4ndige, schreiende und kreischende Masse umspannte.<\/p>\n<p data-p-id=\"2d866e2b6d751cb003548b62739e9fbc\">\u201eBist du bereit, Perlenglanz?&#8221;, rief C\u00fdel\u00fa. Das Einhorn h\u00f6rte ihn, ungeachtet des Tumults. Der schimmernde Hengst schnaubte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6e4b391ca53094d3331448a26bfcb0b\">\u201eGut. Dann <em>will<\/em> ich, dass sie uns verfolgen. Ich <em>will<\/em>, dass sie uns einholen. Lauf, Perlenglanz! So schnell wie du kannst! Dorthin, woher sie kamen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5dd65c1f69e61b31290497de8cad3a9a\">Das Einhorn br\u00fcllte und machte einen Satz voran, legte die Fl\u00fcgel zur\u00fcck und schoss im Gleitflug \u00fcber die Monster hinweg nach S\u00fcden. C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor holte tief Luft, befahl sich Patagh\u00edu und lie\u00df seine <em>maghiscal<\/em> auflodern, Sonnenflammen, die nicht zu \u00fcbersehen waren und auch den kurzsichtigsten Chaosgeist nicht aus dem Blick geraten konnten.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"e2e0431edf8833697bf23098edfcf41c\"><em>Lass dich nun nicht ablenken<\/em>, mahnte das Traumphantom.<\/p>\n<p data-p-id=\"4432c7fc4cc8a64f3cbd72725e6a9867\"><em>Ist sie das? Ist sie das tats\u00e4chlich?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"8ad8fa6e3bba3ea84754aedd6ea14226\"><em>Die Schatten, <\/em>mahnte das Phantom.<em> Um alles andere kannst du dich sorgen, wenn es sich dann noch lohnt!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"350151d7d4f48f17cb203833068b3ec2\"><em>Du hast mir nicht gesagt, dass &#8230;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"d5fcb422dabcd71e3ca5a155a5a397db\"><em>Du verlierst Zeit, die du nicht hast.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"6774c5235f1bf15b423211362389a476\">Gal\u00e9on \u00e4chzte w\u00fctend auf und schaute sich um. Da kauerten und krabbelten sie einher, ihre unkundigen Augen unf\u00e4hig, die Helligkeit zu ertragen, die in den Schatten losgebrochen war und schleunigst dort hinaus musste, bevor sie die Dunkelheit g\u00e4nzlich verzehrte. Hei\u00dfe Sorge um die Unkundigen \u00fcberkam ihn, aber er hatte keine Zeit, sich um ihre N\u00f6te zu k\u00fcmmern. Zu sehr best\u00fcrzte ihn das, was er sah.<\/p>\n<p data-p-id=\"3153082d95be05f41da782d26546f75e\">\u201eMama!&#8221;, kreischte das kleinere M\u00e4dchen in schrillen, panischen T\u00f6nen. \u201eMama! Mama!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"82aa39b1c1ccbe9d78c06380fd47792b\">\u201eT\u00edjnje? T\u00edjnje!&#8221; Der schnauzb\u00e4rtige Ritter rappelte sich auf, tastete und taumelte umher. \u201eT\u00edjnje! Wo bist du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cec802375fc6c1824a1b5ae9c2c8810a\">\u201eOpa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78ea0ef4acb3624ed9cdbe90785c0995\">\u201eVater?&#8221; Das war der \u00e4lteste und gr\u00f6\u00dfte der Knaben. Auf allen Vieren war er und tastete herum. \u201eVater! Hier bin ich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"267732479fdd373178c46882106d066d\">\u201eL\u00e1as! T\u00edjnje!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"348c9798ed7516eb8d4ac399043e6cd3\">Sie tapsten taumelnd umher, pl\u00f6tzlich waren sie alle auf den Beinen und riefen einander. Gal\u00e9on fand sich mit seiner Axt inmitten eines Reigens aus blinden, flehend suchenden Kindern und erwachsenen M\u00e4nnern. Nur die Dame blieb still sitzen, wo sie war. Ihr Blick strich suchend umher, ihre Pupillen waren so eng geschlossen, dass die kaum noch zu erkennen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e6ba304f5a6f416090b80cba7db5de0\">\u201eManj\u00e9v?&#8221;, rief sie, leise, zaghaft, z\u00e4rtlich und hoffend.<\/p>\n<p data-p-id=\"189792b2577c565e639b9435cf35ed5b\">Das \u00e4ltere M\u00e4dchen hob den Kopf. Es lauschte durch das Stimmengewirr hinweg. Ihre Augen glichen der ihrer Mutter auf schockierende Weise. Sie schaute in Gal\u00e9ons Richtung und er war unf\u00e4hig, sich von ihr abzuwenden,<\/p>\n<p data-p-id=\"218a471cc01ac7458fb6ee80eecc16d3\">\u201eMama?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a1496fb1aafcb04d6bdc779e91b3acd0\"><em>Es ist die <\/em>teirandanja<em>?,<\/em> entsetzte Gal\u00e9on sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"59de6e48e159af6cea5fa2bf44cc0763\"><em>Der Schatten, <\/em>wiederholte das Traumphantom gnadenlos<em>. Alles andere &#8230;<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"9a7328746aebe49d144c2fe24f5f8808\"><em>Warum hier? Warum gerade sie? Warum jetzt?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"a88dc3fdcfd5c9b5ee134351e6908fdf\">\u201eGal\u00e9on?&#8221; Advon stand inmitten des Trubels, seine flammende <em>maghiscal<\/em> loderte die letzten Nebelfetzen hinweg. Der Junge wich den geblendeten Unkundigen aus und war offensichtlich \u00fcberfordert. Farbenspiel schob mit seiner weichen Schnauze vorsichtig das ganz kleine M\u00e4dchen in Richtung des Ritters, der sein Gro\u00dfvater zu sein schien. Ein blonder Knabe mit einer blauen Tunika stie\u00df ihm vor die Flanke und begann irritiert, das Fell unter seinen H\u00e4nden zu betasten. Er runzelte die Stirn, wunderte sich wahrscheinlich \u00fcber das vertraute Gef\u00fchl eines warmen, fellbedeckten Wesens. Advon blieb einen Moment an seiner Seite und musterte den Knaben aufmerksam. Sie waren etwa gleich gro\u00df und alt und vielleicht k\u00f6nnten sie gute Freunde werden. Sp\u00e4ter &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"3166e972ee3f2a3746e3e2ad6d99dcdd\">\u201eMerrit? Merrit!&#8221; Der unger\u00fcstete Ritter hatte wohl auch begriffen, was geschehen war, dass die anderen Erwachsenen ihre Kinder zu finden schienen. Er breitete die Arme aus und Hoffnung verlieh ihm neue Kraft. \u201eMerrit! Bist du hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fcc9f7d0bec6a55195763da1e774e84a\">\u201eVater!&#8221; Der blonde Junge lie\u00df Farbenspiel stehen und rannte ungest\u00fcm und ohne ihn bemerkt zu haben an Advon vorbei auf die Stimme zu, rempelte um ein Haar Gal\u00e9on um und schrie vor zaghafter Hoffnung. \u201eVater! Papa! Papa!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf9c3bbcba5a990ab2c11bd8c91fc19a\">Ganz abseits war ein magerer, schw\u00e4chlicher Knabe in honiggelbem Hemd. Als Einziger stimmte er nicht in das Stimmengewirr ein. Er tastete besorgt nach dem alten Mann, der bewusstlos zu sein schien, fand mit zaghaft suchenden Fingern dessen Kopf. Er z\u00f6gerte einen winzigen Moment. Dann nahm er die Brille ab, die ihm schief auf der Nase hing und legte hastig seine Stirn an die des Erwachsenen. Fast, als t\u00e4te er etwas Heimliches, Verbotenes. Er musste seinen Vater nicht suchen, nur zu ihm finden.<\/p>\n<p data-p-id=\"416a5ee424dc6fc170456d05c134c600\">All das erfasste Gal\u00e9on mit seinen Sinnen, alle so scharf und blank wie Rasiermesser, so scharf, dass es wehtat. Der gr\u00f6\u00dfte Schmerz, der ging von dem M\u00e4dchen aus, ein vornehmes, adrett herausgeputztes Kind, das aussah, als habe man es durch einen Dornenwald gejagt. Und der Schmerz ragte tief in das Herz des <em>b\u00e1chorkor<\/em>, so als habe jemand ein hei\u00dfes Eisen hinein gerammt.<\/p>\n<p data-p-id=\"b06c99d89a33b6b3ba5bbe444f58a928\"><em>Warum jetzt? Es ist zu fr\u00fch! Viel zu fr\u00fch!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"0abf3a35f7e836c3a112f7fca24858e5\"><em>Es geht nicht immer so, wie es gut und recht w\u00e4re! <\/em>Das Traumphantom stand nun hinter der Dame und schaute sinnend auf sie hinab.<\/p>\n<p data-p-id=\"0618f54d8d039830d39d0ea1f409dc9f\">\u201eGal\u00e9on! Gal\u00e9on, was ist hier los!&#8221; Advon zupfte ihn ungeduldig am Hemd. \u201eWas ist mit dem M\u00e4dchen? Warum starrst du das M\u00e4dchen so an? Tu doch irgendwas!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f8c3f85e6f67f9a135cef62767418808\">\u201eManj\u00e9v?&#8221;, rief nun auch der <em>teirand<\/em> und mischte sich in das wirre Get\u00fcmmel. \u201eManj\u00e9v! Manj\u00e9v! Mein Kind! Komm zu mir! Komm zu deinem Vater!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"670bafc54d58c329f24a4634c5d3a39b\">Farbenspiel prustete und begann, die Gruppe zu umkreisen wie ein kluger Hirtenhund, bevor alle sich im Chaos zu verstreuen begannen.<\/p>\n<p data-p-id=\"75820a55693a2496ddca37f3734b51b5\">\u201eHalt das.&#8221; Gal\u00e9on legte dem verbl\u00fcfften Jungen die Axt in die Hand, lie\u00df ihn stehen und ging beklommen zu dem M\u00e4dchen hin, das immer noch wie gel\u00e4hmt im Lichtschein sa\u00df und mit geblendeten, starren Augen umherschaute.<\/p>\n<p data-p-id=\"a3f9559862eaffc86ee8b279d9cd6d4a\"><em>Deine Zeit verrinnt,<\/em> tadelte das Traumphantom. Es stand, unbeeindruckt und unsichtbar, mitten zwischen den herzzerrei\u00dfenden Szenen ringsum, V\u00e4ter, die ihre Kinder umarmten und unter Tr\u00e4nen und Lobpreisen der M\u00e4chte ihr Kostbarstes ans Herz schlossen. Der beleibte Schnauzbart hatte gleich zwei Kinder wiedergefunden, das kleinste M\u00e4dchen, den \u00e4ltesten Jungen. Der mit der Narbe herzte \u00fcberschw\u00e4nglich einen sehnigen Knaben mit dunklem Haar. Der <em>teirand<\/em> jedoch irrte noch umher, so weit weg von seiner Tochter, als f\u00fchrte ihn etwas in die Irre. Die Dame war erstarrt. Etwas hielt die Eltern auf Abstand. Es war so bestimmt. Gnadenlos und unausweichlich. Gal\u00e9on gab sich einen Ruck und kniete vor ihr nieder.<\/p>\n<p data-p-id=\"085b2227abd27ceb63916b2b092c7877\">\u201eMama?&#8221;, wisperte das M\u00e4dchen und streckte die Hand aus. Weich und k\u00fchl f\u00fchlte Gal\u00e9on sie auf seiner Wange. Der blinde Blick der Kleinen ver\u00e4nderte sich. Sie runzelte die Stirn, sp\u00fcrte wohl die Bartstoppeln, die in den vergangenen Tagen gesprossen waren. Gal\u00e9on keuchte innerlich auf. Ja. Sie war es. Anders lie\u00df sich nicht erkl\u00e4ren, was gerade mit ihm geschah und ihn verzweifeln lie\u00df, gerade jetzt, in diesem Moment, in dem er es nicht gebrauchen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"54fd9b48f9018067a0fb214211944ee2\"><em>Ich habe dir gesagt, dass du keine Zeit daf\u00fcr hast!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"eebffeb500ffc9f1ee81b250540d3d99\"><em>Warum hast du mich nicht darauf vorbereitet?,<\/em> fragte Gal\u00e9on matt.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd1bb017a133df44352802d3ef7f601a\">\u201eWer bist du?&#8221;, fl\u00fcsterte das M\u00e4dchen leise. Ihre Augen kl\u00e4rten sich ein wenig. Vielleicht konnte sie ihn sehen, wenn auch sicherlich nur als verschwommenes Schattenbild.<\/p>\n<p data-p-id=\"88db5b725162d3443121245558fc8831\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> wimmerte stumm. Sie durfte ihn nicht weinen h\u00f6ren, ihn auf gar keinen Fall erkennen oder sich gar an ihn erinnern. Es reichte, dass Advon Ir\u00edsolor seine Tr\u00e4nen sah, aber taktvoll genug war, zu schweigen. Der Junge hatte die Schultern gesenkt, seine Magie knisterte wie ein kleines Lagerfeuer und er schaute drein wie einer, der die Pointe eines Scherzes nicht verstand.<\/p>\n<p data-p-id=\"5a9ab400719b985e57f4055e77e41552\">\u201eKommt, Majest\u00e4t&#8221;, brachte Gal\u00e9on leise hervor. \u201eIch bringe euch zu Eurer Mutter.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"713cc84ed4f275335c0efdf1b2c69a07\">Er hob sie auf, ohne dass sie Widerstand leistete. Sie war zutiefst verst\u00f6rt, das konnte er deutlich sp\u00fcren. Aber sie hatte keine Angst vor ihm. Bei den M\u00e4chten, sie sa\u00df hier im Chaos, hatte sicher Furchtbares jenseits ihres unschuldigen Kinderverstandes gesehen und erlebt und nun war da ein wildfremder Mann, der es wagte, sie anzutasten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e57fad92a3120fd54153eef841a059c3\">Sie l\u00e4chelte vertr\u00e4umt. Vertraut. Ihre Hand tastete von seiner Wange zu seiner Nase, seinen Lippen.<\/p>\n<p data-p-id=\"725c4d0d58035dc41def56630f70939f\">Einen ganz kurzen Augenblick z\u00f6gerte Gal\u00e9on. Dann legte er seine Stirn an die ihre. Und gab sein Schicksal in die H\u00e4nde der M\u00e4chte. F\u00fcr einen kostbaren Augenblick erfasste ihn tiefer Frieden und linderte den Schmerz und das Entsetzen in seiner Seele.<\/p>\n<p data-p-id=\"71ec9badccd923ee3be7ff107008ad7a\">Advon hob befremdet die Brauen, verzichtete aber auf einen vorlauten Kommentar.<\/p>\n<p data-p-id=\"fbb00faa523abdb18e43a9e6060ac8f9\">\u201eVerzeiht mir&#8221;, fl\u00fcsterte Gal\u00e9on und nahm ihr sacht den roten Stein aus der Hand. \u201eUnd vergesst mich. Bitte, vergesst mich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"58b2058d35d0a7d78e14ae8aa646912b\">\u201eGal\u00e9on!&#8221;, dr\u00e4ngte Advon. \u201eSie kann doch wohl allein laufen! Das &#8230;. was soll ich denn mit der Axt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a16698cd93923cc5dcb2b9a1573a326\">\u201eManj\u00e9v!&#8221; Nun endlich kam Bewegung in die Dame. Sie erhob sich, schien jetzt genau zu wissen, wo ihr M\u00e4dchen war, und stolperte dem Narbengesicht und seinem Sohn \u00fcber die F\u00fc\u00dfe und auf Gal\u00e9on zu. Er legte ihr das M\u00e4dchen wortlos in die Arme, wurde im selben Moment ebenso heftig wie zuf\u00e4llig von dem <em>teirand<\/em> beiseite gesto\u00dfen und ergriff die Flucht aus ihrer Reichweite, w\u00e4hrend Eltern und Kind in die allgemeine Erleichterung einstimmten.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0ad66c7592005bfb03e643a281fbab7\"><em>Na endlich,<\/em> kommentierte das Traumphantom sarkastisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"6a066d87d54ba43170df1b5132fdd44e\">Gal\u00e9on riss dem verbl\u00fcfften Kind die Axt aus der Hand. Oh, wie trieb es ihn, der verfluchten rotgewandeteten Erscheinung die Schneide zwischen die Rippen zu hauen!<\/p>\n<p data-p-id=\"319fb53a3d4b303453d355fbaa2e7b43\"><em>Du hast es gewusst!,<\/em> fauchte er in unb\u00e4ndigem Zorn. <em>Du hast es gewusst und mich hergef\u00fchrt wie einen Idioten! <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4ebfa54053b43b9563f6dceb11dd6b12\"><em>Ich h\u00e4tte es nicht verhindern k\u00f6nnen<\/em>, sagte das Traumphantom k\u00fchl. <em>Ich bin nicht der Sch\u00f6pfer deines Schicksals. Bedank dich bei dem, der das Chaos entfesselt und die Ordnung durcheinander geworfen hat!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"953a912d266af6d7ba9cc9aa8916a263\">\u201eGal\u00e9on!&#8221;, dr\u00e4ngte Advon. Das magische Feuer um ihn loderte wieder hei\u00dfer, unruhiger. \u201eD\u00fdamir\u00e9e &#8230; was ist denn nun? Sie ist hier, ganz nahe! Der sch\u00f6ne salzige Duft &#8230; er ist ganz stark!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eaf7e6b8f2a52260867588b84cbec2a1\"><em>Und wessen Zukunft soll ich ruinieren?<\/em>, sch\u00e4umte Gal\u00e9on. <em>Vor wem werde ich mich verantworten m\u00fcssen? Vor einem dieser Kinder?<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"18e6bac39b50dc282e63642e78e8bc8b\"><em>Wenn du noch lange z\u00f6gerst, vor niemandem. Denn dann wird der Junge nicht alt genug werden, als dass es noch eine Rolle spielen w\u00fcrde.<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"951b9abb42c206d5a97d1e3dfc9792a7\">\u201eGal\u00e9on!&#8221;, erboste sich Advon. \u201eKonzentrier dich endlich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"283b71194889a06e26d7f7063345ed09\">Das kam so scharf von den Lippen des Knaben, wie er es sich sicher von Sileda\u00fa abgeschaut hatte. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> zuckte zusammen und warf einen Blick zur\u00fcck auf all die Unkundigen. Dass sie blind und immer noch im Chaos gefangen waren, das spielte f\u00fcr keinen von ihnen eine Rolle, nicht einmal f\u00fcr den Knaben mit der Brille, der nun mit merklicher Erleichterung verstohlen seine stumme Umarmung um den Alten l\u00f6ste, der wieder zu sich kam. Der Knabe mit dem blauen Hemd, der schluchzend seinen Vater so fest umklammerte, der eindrucksvolle Recke, der das Kind fest an sich dr\u00fcckte und ungehemmt weinte und die M\u00e4chte daf\u00fcr pries, seinen Sohn wieder bei sich zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"75e20e411cc80bbf8e76834edec91a8a\">Gal\u00e9on f\u00fchlte sich elend und wandte sich ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"395a1fd1f9ef1a26a58863a36ff62db2\">\u201eGal\u00e9on&#8221;, dr\u00e4ngte Advon. \u201eIch glaube, D\u00fdamir\u00e9e hat nicht viel Zeit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f6029364bccdcdbf4d39d441238ff10d\">\u201eGut.&#8221; Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nickte matt. \u201eDann brauche ich jetzt deine Hilfe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"626cf3df6654ad3a385a4fed055efc65\">\u201eWas soll ich tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b253bed00ea3eb3bd628f2dd9de9e3ce\">\u201eHilf mir, die M\u00e4chte zu \u00fcberlisten.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2691","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2691","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2691"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2691\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3682,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2691\/revisions\/3682"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2691"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2691"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2691"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}