{"id":2671,"date":"2025-08-25T13:47:07","date_gmt":"2025-08-25T11:47:07","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2671"},"modified":"2025-08-31T22:55:58","modified_gmt":"2025-08-31T20:55:58","slug":"129-stratemagie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/129-stratemagie\/","title":{"rendered":"129: Stratemagie"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"e3ee1e5f9cf9803183eb444636deaa33\"><em>Der Regen soll zu Eis gefrieren<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"ad15c54d8be7916618ae86f0c59621c0\"><em>damit die Ritter nicht verlieren!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"4f98b52d54f5f324234e0e5c1a4dbf13\">Nat\u00fcrlich, dieser Zauberspruch, den ich mantraartig immer und immer wieder im Geist aufsagte, war im Nachhinein betrachtet unglaublich bl\u00f6d und l\u00e4cherlich. Aber ich war keine Dichterin, und in der gegebenen Lage hatte ich auch keine Zeit gehabt, mir einen k\u00fcnstlerisch wertvolleren Zauberspruch auszudenken. Dass ich <em>\u00fcberhaupt<\/em> versuchte, einen Zauber zu formulieren, war ohnehin t\u00f6richt. Schattens\u00e4nger benutzten keine Zauberspr\u00fcche, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass Regenbogenritter \u2013 oder gar Lichtw\u00e4chter \u2013 das taten. Naive Wortmagie im Sinne von Abrakadabra und Hokuspokus war ein Konzept <em>meiner<\/em> Welt. Aber mein alberner Reim schien dem, was ich bewirkte, keinen Abbruch zu tun, und vielleicht war es gar nicht so verkehrt, wenn ich mich an etwas abst\u00fctzte, was meine Konzentration verbesserte.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c874a830f6a2703bd5c35f5a0895f2b\">Ich fragte mich, was Yalomiro dazu sagen w\u00fcrde, wenn ich ihm davon erz\u00e4hlte. Wenn das hier vorbei war und ich wieder mit D\u00fdamir\u00e9e und ihm in der Abendd\u00e4mmerung vor dem Eta\u00edmalon sa\u00df und wir einander Geschichten erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9acb93a0eb45fff503050e8402f05ca\">Wenn.<\/p>\n<p data-p-id=\"2cce62e8a676ccbd980568c486fe5841\">Ich muss zugeben, dass mir nicht klar war, wie ich es \u00fcberhaupt fertigbrachte, den Regen zu manipulieren. Ich stellte mir einfach so genau wie m\u00f6glich vor, wie Regentropfen aus den Gewitterwolken niedergingen. Ich stellte mir vor, dass ich jeden einzelnen dieser Tropfen mit meinen H\u00e4nden greifen konnte. Ich stellte mir K\u00e4lte vor, die das Wasser verfestigte. Ganz an der Peripherie meines Denkens entsann ich mich an jenen Moment, damals, als wir dem Widerwesen gegen\u00fcber gestanden hatten und Ar\u00e1ma\u00fa mir ihre Magie \u00fcberlassen hatte. Damals hatte ich Ar\u00e1ma\u00fas Duft wahrgenommen, und es war der Geruch von frischem, bl\u00fctenwei\u00dfen Schnee gewesen. Wahrscheinlich war es diese Erinnerung gewesen, die mich \u00fcberhaupt auf die Idee gebracht hatte, das Regenwasser zu ver\u00e4ndern, es in eine Form zu bringen, die am R\u00fcstzeug der Regenbogenritter einfach abprallen w\u00fcrde, statt es zu durchn\u00e4ssen und ihre <em>maghiscal<\/em> zu verw\u00e4ssern. Ich fragte mich, ob Ar\u00e1ma\u00fa an meiner Stelle eine \u00e4hnliche Idee gehabt h\u00e4tte. Merkw\u00fcrdigerweise war ich, je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachgr\u00fcbelte, der \u00dcberzeugung, dass ihr etwas Vergleichbares eingefallen w\u00e4re, wahrscheinlich etwas wesentlich effektiveres. Und sie h\u00e4tte keine Zeit verschwendet, z\u00f6gerlich zu diskutieren und an sich selbst zu zweifeln. Sie h\u00e4tte es einfach getan.<\/p>\n<p data-p-id=\"02c2a704139c260e67115c2ab2d78020\">Ich rief mich zur Ordnung und fuhr damit fort, immer weiter, endlos, meinen l\u00e4ppischen Reim aufzusagen und mir dabei vorzustellen, wie ich in meinen H\u00e4nden Tropfen um Tropfen zu einer kleinen, harten Eiskugel formte. Ich stellte mir vor, wie die K\u00fcgelchen fielen und an Helmen, Harnisch und Schilden der Ritter zur\u00fcckschnellten, plack, plack, plack &#8230; ein scharfes Stakkatoger\u00e4usch, sogar etwas musikalisch, ganz anders als das satte Platschen der Sandbatzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6e2ef9aea7233983ecec2cff7bb242ee\">Ich horchte. Das Platschen war auch lange nicht mehr so laut wie zuvor. Das, was nun um mich herum auf dem seltsamen verglasten Gestein landete, aus dem der Ciel\u00e1stel errichtet war, war trocken und rieself\u00e4hig. Nun gut, nat\u00fcrlich schmolz der Hagel nach einer Weile und durchn\u00e4sste den Sand wieder, aber zumindest war es mir gelungen, Wasser und Stein kurzzeitig zu separieren.<\/p>\n<p data-p-id=\"149b482b0d6dee60366c5e38c1efbc4d\">Ob D\u00fdamir\u00e9e mir das glauben w\u00fcrde, wenn ich ihr davon erz\u00e4hlte?<\/p>\n<p data-p-id=\"a1ea7f4dcb2c15bdeefe7ba534fa27ed\">Nein! Oh nein! Nun blo\u00df nicht an D\u00fdamir\u00e9e denken! D\u00fdamir\u00e9e war in Sicherheit. C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor war dort unten, und Advon, dieser nette kleine Kerl. \u00daldaise, Sileda\u00fa, wer auch immer, die hatten alle gar keine Chance gegen den Regenbogenritter. Ich hatte gesehen, wie zutraulich und ohne Angst D\u00fdamir\u00e9e sich dem Ritter gegen\u00fcber verhalten hatte. Er hatte sie zwar entf\u00fchrt, war in der ganzen Geschichte wohl selbst der Betrogene gewesen. Aber wenn D\u00fdamir\u00e9e ihm vertraute, warum sollte ich das nicht tun? Yalomiro tat es sicher auch, und &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"314f073749f6fb03ed919a68952929ea\">Yalomiro? Wo war Yalomiro? Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schien es zu wissen, aber was hatte das alles zu bedeuten? Wo war Yalomiro? Wo war Ovid\u00e1ol? Was &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"d52ace490029956fa432db3d04b54f27\">Nein! Neinneinnein! Nicht ablenken lassen. Regen soll zu Eis gefrieren &#8230; damit &#8230; damit &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"7337d98739296b4518b94f5be9e151ae\">Bei den M\u00e4chten! Was tat ich hier? Und was bewirkte es? Tat ich tats\u00e4chlich etwas Sinnvolles, oder wollten die anderen mich einfach nur besch\u00e4ftigt halten? Ich schaute hin\u00fcber zu Elos\u00e1l, reglos stand sie und wirkte dabei so \u00fcberw\u00e4ltigend, so stark, so eindrucksvoll, dass ich mir klein und sch\u00e4big vorkam. Und albern mit meinem selbstgestrickten, simplen Zauber. Sie lenkte gerade das Schicksal einer ganzen Welt. Ich machte Wasser kalt.<\/p>\n<p data-p-id=\"b5f8a3b6dcaf89670f07a78fa4ef90df\">Eis gefrieren &#8230; Eis &#8230; kalt &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"c1f03b001c81f0c39f6953cd1c9c255d\">Entsetzt erkannte ich, wie viel Kraft mich meine Zweifel kosteten. \u00c4rgerlich holte ich tief Luft, schloss die Augen und konzentrierte mich mit aller Macht auf kalten Regen, auf Eis, auf massives Wasser. Meine <em>maghiscal<\/em> war da, ich konnte sie sp\u00fcren. Eigentlich sonderbar, so in unmittelbarer N\u00e4he der <em>faj\u00eda<\/em> mit ihrer Goldmagie, und&#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec740248577bc765eac9126817dde991\"><em>&#8230; damit die Ritter nicht verlieren!<\/em> Werde zu Hagel, du dummer Regen! Irgendwann mussten diese verfluchten Wolken doch einmal leer sein! Oder floss da stetig irgendwie Wasser nach?<\/p>\n<p data-p-id=\"6ebda8578f7ae0bce950aa21bdaf9645\">Vielleicht, dachte ich, musste es einfach so sein. Alles f\u00fchlte sich an wie ein Finale, wie ein letzter, entscheidender Kampf. Aber warum ging ich davon aus, dass am Ende alle gemeinsam dieselbe Sache tun mussten? Was, wenn es n\u00f6tig war, dass verschiedene Leute an unterschiedlichen Stellen jeweils andere Dinge wirkten, damit etwas Bestimmtes geschehen konnte? Was, wenn das Weltenspiel dezentral gespielt wurde, wenn Nokt\u00e1ma und Patagh\u00edu (und das Licht?) zugleich mehrere Z\u00fcge mit verschiedenen Spielsteinen ausf\u00fchrten? Das war furchtbar verwirrend. Andererseits war das hier keine Partie Mensch-\u00e4rgere-dich-nicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"58a9f7df3f29f5719612553a9e407dad\">Das hier ist keine Geschichte, dachte ich. Nur, weil du das Gesamtbild nicht siehst, ist nicht sinnlos, was du tust! Warum h\u00e4tte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> dich wohl sonst ausgerechnet auf den Regen angesetzt?<\/p>\n<p data-p-id=\"459140374634fc95178785bf0ef579c7\">Und wieso vertraute ich darauf, dass es mit dem jungen Geschichtenerz\u00e4hler seine Richtigkeit hatte? Nur, weil die Kinder ihn aufrichtig zu m\u00f6gen schienen?<\/p>\n<p data-p-id=\"20a66c47158cdfa165ec51f787c094be\">Der Gedanke lie\u00df mich nicht los. In der kurzen Zeit, in der ich ihn gesehen hatte und w\u00e4hrend der wenigen Worte, die wir miteinander gewechselt hatten, hatte mich ein seltsames, fl\u00fcchtiges Gef\u00fchl gestreift, wenn ich dar\u00fcber nachdachte, eine seltsame <em>Vertrautheit<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"58fb1f1036df64896580c7db3a881c83\">Ich schaute zu Elos\u00e1l hin\u00fcber. Auch sie war nicht an der Seite ihres <em>h\u00fdardor<\/em> und ihres Sohnes. Aber sie &#8230; tat etwas.<\/p>\n<p data-p-id=\"50f0ecf0fc3028cba67cae80d96fe775\">Das konnte ich auch. Ich richtete entschlossen den Blick wieder empor und konzentrierte meine Wut, meinen Unwillen auf das Gewitter, das es gerade allen so schwer machte. Das sollte aufh\u00f6ren! Dieser verdammte Regen, der Sand, der nicht in den Himmel geh\u00f6rte, der sollte verschwinden! Alles sollte zur\u00fcck an seinen Platz!<\/p>\n<p data-p-id=\"81a307fee86715b58a5f43c14c74c62a\">Ich sammelte meine Vorstellungskraft, meine Energie, und ich w\u00fcnschte mir alles kalt und rein und wei\u00df. Das schien zu funktionieren, denn das, was im Schein des Wetterleuchtens niederfiel, erinnerte mich mehr und mehr an einen heftigen Schneesturm. Um mich herum begann eine d\u00fcnne wei\u00dfe Schicht aus Graupel den Sims zu bedecken. Wenn ein Blitz niederzuckte, nahm ich einen sehr schwachen, bunten Schein war. Ob es Elos\u00e1ls Magie war, die auf die Eiskristalle traf, reflektierte und die Farben im Wasser weckte?<\/p>\n<p data-p-id=\"1a502a72263c98a79485ba7b971e8d86\">Und was, bei allen M\u00e4chten, hatte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> vor, den ich ganz am Ende dessen, was ich mir zu erkennen erlaubte, auf dem R\u00fccken des bunten Einhorns zu den Wolken empor preschte, den kleinen blonden Jungen in seinen hellen Gew\u00e4ndern vor sich im Arm?<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"a4252e4680e62343533ea41d52e2e3b5\">K\u00edan\u00e1 von Wijdlant hatte bereits vor einer ganzen Weile damit aufgeh\u00f6rt, den M\u00e4nnern reihum Vorw\u00fcrfe zu machen. Das war nicht fair, die <em>teiranda<\/em> wusste das, aber sie hatte ihrem \u00c4rger Luft verschaffen m\u00fcssen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e91c7a1261a939783bb96b3d1f0ad156\">Die Herren wagten nicht, sich zu verteidigen. Den gr\u00f6\u00dften Vorwurf machte sich ganz deutlich Wa\u00fdreth Althopian, der, der sich in r\u00fchrendem Vertrauen an die M\u00e4chte gewandt hatte. An die, die nicht verhindert hatten, dass sie in diesen Wahnsinn geraten waren. Altabete und Grootplen gingen in dumpfem \u00c4rger voraus. Die beiden waren besorgt, denn nun waren auch ihre S\u00f6hne verschwunden, und die kleine T\u00edjnje noch dazu. Grootplen, Vater und Gro\u00dfvater zugleich, rief immer wieder nach den Kindern, bis Asga\u00fd ihn zaghaft darauf hinwies, dass sein Rufen die Chaosgeister anlocken w\u00fcrde. Zum Gl\u00fcck hatten sie bald die Fu\u00dfspuren der Kinder gefunden, die darauf hindeuteten, dass die drei in gro\u00dfer Eile davongerannt sein musste. Aber warum? Was mochte die Kinder so in Aufruhr versetzt haben, dass sie von den Erwachsenen weggelaufen waren? W\u00e4hrend sie die M\u00e4chte um Hilfe angerufen hatten, hatten sie gar nicht bemerkt, dass die drei sich entfernt hatten. Das musste lautlos und binnen eines Herzschlages gewesen sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"43703be38f6afd06cd4af5799ff2fa9b\">Waren Chaosgeister hinter ihnen her? Hatten die Wesen es planvoll geschafft, die Kinder von der Gruppe zu trennen?<\/p>\n<p data-p-id=\"f84412870584f1c1e63f10a47a75ca71\">\u201eEin Gl\u00fcck&#8221;, murmelte Andri\u00e9r Altabete, \u201edass wir ihre Tritte sehen k\u00f6nnen.&#8221; Altabete war ein guter F\u00e4hrtenleser, das wusste K\u00edan\u00e1 von Wijdlant ganz genau. Der <em>yarl<\/em> lie\u00df es sich selten nehmen, die J\u00e4ger zu begleiten, wenn eine Rotte Waldschweine oder ein Wildwolf sich ungeb\u00fchrlich nahe an eines der D\u00f6rfer wagten und sich Vieh holten oder wenn das Hochwild \u00fcber den Sommer zu fruchtbar gewesen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"62a3a27b29c12b3e0402ece018ca1d93\">\u201eWenn das keine List ist&#8221;, gab Grootplen zu bedenken. Der sonst so beh\u00e4bige, gutm\u00fctige Mann war so nerv\u00f6s, wie die <em>teiranda<\/em> ihn nicht kannte.<\/p>\n<p data-p-id=\"abc622aa11733bc9b579f10f089707f4\">\u201eWarum sollte es eine List sein?&#8221;, wollte Asga\u00fd wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b337d66e8178cc9825896c4edf5608bd\">\u201eVielleicht wollen sie uns auseinandertreiben wie eine Schafherde. Vielleicht f\u00fchrt uns das hier in die Irre.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"38087900e6d92318c562b2a36634d4eb\">\u201eNein&#8221;, murmelte Althopian. \u201eDie Spuren hier sind echt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eaf8c253cad1f039b6f2d6ec4454a08c\">\u201eWie bist du da so sicher?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"65791eefb24bcb5e6d38ad8e3f8aec7b\">\u201eW\u00e4re eine dieser Unkreaturen wohl so listig, die Spuren eines kleinen leichtf\u00fc\u00dfigen M\u00e4dchens nachzumachen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0aa28017b92fa1ae6b2abbbfd661909b\">Damit mochte er Recht haben. Die M\u00e4nner folgten den Kinderspuren eine gef\u00fchlte Ewigkeit lang. An eine Stelle kamen sie, an der der Boden aufgew\u00fchlt war wie von einem kleinen Kampf. Im ersten Moment ergriff sie alle die Bef\u00fcrchtung, dass Chaosgeister zugegriffen haben k\u00f6nnten; dann aber bemerkten sie, dass die Spuren sich nun zu dritt und nicht mehr in eiligem Lauf von dem Ort entfernten.<\/p>\n<p data-p-id=\"e005d3ce99e69587bd09cb73e8969c9a\">\u201eSie sind beieinander&#8221;, sagte K\u00edan\u00e1, um Grootplen zu tr\u00f6sten. \u201eDie Knaben werden gut auf T\u00edjnje achtgeben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b08aec7e354c2eba63162568c963e53c\">\u201eDas mag ja sein&#8221;, murmelte der <em>yarl<\/em> ungl\u00fccklich. \u201eAber wer gibt auf L\u00e1as acht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d96e229da379f54f04a54e8f3a85297\">\u201eL\u00e1as ist ein wehrhafter K\u00e4mpfer, fast schon ein junger Mann, Herr Daap.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08c60eeaaa526273d0665cea299b0dd3\">\u201eNein, er ist mein Sohn! Er kann noch nicht &#8230; ich habe ihm doch noch gar nicht alles beigebracht, was er wissen muss!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5836dbbb79615530c6ca84eee3942805\">\u201eJ\u00e1ndris ist bei ihm. Die beiden passen aufeinander auf.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ce9b1301bca15045eda6ef011eb275f\">\u201eM\u00f6ge J\u00e1ndris sich nicht von Unverstand leiten lassen&#8221;, murmelte Altabete. \u201eWie oft beklagt sich der <em>mestar <\/em>\u00fcber den Schabernack, den er treibt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ffdf805fd1c360f73f30d198cbdd7592\">\u201eHerr Andri\u00e9r &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"207bb98d565bac4b81b81a3eb707e6fd\">\u201eEin unbeschwertes Kind ist er doch noch &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b90eed230ae96286ccc0818a535e2441\">Asga\u00fd legte dem Ritter tr\u00f6stend die Hand auf den Arm. \u201eJ\u00e1ndris wei\u00df sehr wohl, wann \u00dcbermut und Besonnenheit zu trennen sind. Wenn einem etwas zusto\u00dfen sollte, dann gewiss nicht aus Leichtsinn oder Unverm\u00f6gen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e2c59cc472f0d0c58c8c0bd766e3d5a3\">\u201eAber warum finden wir sie nicht wieder? Warum bleiben sie nicht einfach stehen und warten, dass wir auf ihren Spuren zu ihnen aufholen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d96b75e439b835015c17f8b513b950d2\">Das vermochte sie ihm nicht zu beantworten, aber nun mochte er vielleicht verstehen, wie sehr sie die Sorge um Manj\u00e9v umtrieb, die in all das Ungl\u00fcck nur wegen Merrit Althopian geraten war.<\/p>\n<p data-p-id=\"04e4e408e8dc625a54183cdf6da6e58c\">\u201eJ\u00e1ndris!&#8221;, rief Altabete. \u201eJunge! Antworte, mein Sohn!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ca517bf4852615b2fd6f07a11f0628bb\">Sie schaute sich verstohlen nach Althopian um. Der Ritter rief nicht nach seinem Kind. Warum auch. Sie suchten nun nicht mehr nach dem Knaben. Auch nicht mehr nach der <em>teirandanja<\/em>. Ihre Suche war nun auf ein neues Ziel umgeschwenkt. Nun, zumindest hatten die drei zuletzt vermissten Spuren hinterlassen. Doch wie lange noch?<\/p>\n<p data-p-id=\"2ce01ba03509d0966ccecaee48282662\">Althopian war einige Schritte hinter ihnen zur\u00fcckgefallen. Was hatte er vor?<\/p>\n<p data-p-id=\"68fb512a6757580572ae57d2003c694d\">Konnte sie es ihm verdenken, wenn er sich von ihnen still trennte, um seinen Sohn zu finden anstatt in dieser Zwischenwelt hinter fremden Kindern herzuirren?<\/p>\n<p data-p-id=\"09a29ce9ff0802ebe1301c54905e9890\">\u201eEs tut mir leid, Herr Wa\u00fdreth&#8221;, sagte sie und ging an seiner Seite. Nein, unbemerkt davonmachen sollte er sich nicht. \u201eIch h\u00e4tte Euch nicht so schelten sollen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"72371e1baf8b447fb61eb425bfbb6812\">\u201eEs war dumm von mir, in dieser Lage auf die M\u00e4chte zu hoffen&#8221;, sagte er leise. \u201eWir sind nicht belangreich genug.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e457ef87e01bc436f9517157bfdcc283\">\u201eRedet nicht so! Vielleicht ist es gerade Euer Vertrauen in die M\u00e4chte, das uns hier st\u00e4rken wird.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"86904c9614f8792c34a27a2ae8c40552\">\u201eMein Vertrauen? Was ist mit dem Euren, Herrin?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0f78cc256b70e548a349acaf57b902e\">\u201eAch, ich wei\u00df nicht. Es ist nicht der Ort, sich dar\u00fcber Gedanken zu machen&#8221;, wischte sie seinen Einwand beiseite. Was brachte es ihnen, wenn sie nun dar\u00fcber nachsann, was der Schattens\u00e4nger Manj\u00e9v prophezeit hatte. \u201eIch bin wahrlich zurzeit nicht diejenige, auf die man hier bauen kann. Ich &#8230;&#8221; Sie blickte auf. Asga\u00fd war wieder vertieft in die Spurensuche.<\/p>\n<p data-p-id=\"6978e3e496c61719655a5350f0ed64ba\">\u201eIch habe Angst, Herr Wa\u00fdreth&#8221;, fl\u00fcsterte sie. \u201eEuer Vertrauen beruhigt mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"593a5ec24f3337a1f8e86896fa0f12f5\">\u201eIch habe kein Vertrauen, Herrin. Ich habe allenfalls Hoffnung, dass die M\u00e4chte uns hier nicht in Ewigkeit herumirren lassen. Ich hoffe auf ein Zeichen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a9b89aaadf6f8628c255f43cf163bf4f\">\u201eDann kommt. Sondert Euch nicht hier ab. Wir m\u00fcssen gemeinsam dieses schreckliche Abenteuer bestehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01749a30bdfdc4cdbf90f53d3b65d4c6\">Er verneigte sich. Sie wusste nicht zu sagen, ob er sich ertappt f\u00fchlte oder ver\u00e4rgert war, aber zumindest diskutierte er nicht. Sie schlossen zu den anderen auf und gingen schweigend weiter. Ein Zeichen, dachte die <em>teiranda<\/em>. Wie sollte so ein Zeichen wohl aussehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"974db913e7735725e45621cb835e07bb\">Und so liefen sie den Kinderspuren hinterher, viel weiter, als vorstellbar war, dass die drei ohne Rast vorangekommen waren. Und solange, bis K\u00edan\u00e1 durch das feine Leder ihre vornehmen Schuhe sp\u00fcrte, wie ihr die F\u00fc\u00dfe kalt wurden. Kalt und hart wurde der Sand unter ihren Schritten, und er begann, leise zu knirschen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2671","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2671","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2671"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2671\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3691,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2671\/revisions\/3691"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2671"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2671"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2671"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}