{"id":2656,"date":"2025-08-25T13:34:27","date_gmt":"2025-08-25T11:34:27","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2656"},"modified":"2025-08-25T23:30:14","modified_gmt":"2025-08-25T21:30:14","slug":"112-wuestenstrand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/112-wuestenstrand\/","title":{"rendered":"112: W\u00fcstenstrand"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-image:url(&#039;https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp&#039;);--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column fusion-column-has-bg-image\" data-bg-url=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"75064546b2a77549d7a6b9a180b90b47\">\u201eMama! Mama! Papa! Kommt her!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"377c3e10d5abfa305c225f72b36b3917\">Manj\u00e9v rappelte sich nach dem seltsamen, schwebenden Sturz in die Tiefe auf. Ein St\u00fcck schweres Holz hatte sie getroffen, ihr Bein schmerzte, aber das konnte sie nicht halten. Sie h\u00f6rte die Stimmen der Eltern, dachte nicht nach und rannte los. \u201eMama!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"79f25bebfbb48372278bd50822966b96\">Osse Emberbey brauchte einen Moment l\u00e4nger, um wieder auf die F\u00fc\u00dfe zu kommen, aber dann taumelte er hastig hinter ihr her. \u201eMajest\u00e4t!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96695697964d8816f7262e54028cfa9a\">\u201eSie sind dort hinten, Osse! Wir m\u00fcssen schnell zu ihnen! Wir &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e2562133b186de6463206f2a5c8e206\">Er erwischte sie an ihrem Kleid und hielt sie verbl\u00fcffend energisch fest. Wieder kam sie zu Fall, und der Schmerz schoss ihr bis in die H\u00fcfte hinein. Erschrocken, emp\u00f6rt wollte sie ihn wegsto\u00dfen, aber schon kniete er f\u00fcrsorglich neben ihr.<\/p>\n<p data-p-id=\"fb040900b2ec2667a58673b7e0189cd9\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, mahnte er. \u201eDas ist alles Trug und T\u00e4uschung! Lauft doch nicht blindlings los!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"028b5b3393923f4506d3a8391353ed71\">\u201eAber du h\u00f6rst sie doch auch, oder?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2f75e16ee18da73e8ee544b6c75ddd1\">\u201eNein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f3d94e20ac6aa6202c15ed8465be6fe\">\u201eDu denkst, ich bin verr\u00fcckt geworden, oder?&#8221;, fragte sie tonlos.<\/p>\n<p data-p-id=\"b1f97a225704e0f8a9217d73ce6e93fd\">\u201eNein, Majest\u00e4t. Ich wei\u00df, dass <em>Ihr<\/em> etwas h\u00f6rt. Aber es mag weder das sein, was Ihr glaubt, noch da, wo Ihr es vermutet. Wir m\u00fcssen beisammen bleiben! Oder wollt Ihr, dass die Monster Euch in die Tiefe rei\u00dfen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e1159773265348faa4960580d1ead105\">Manj\u00e9v seufzte. Der Junge hatte recht. Aber wie brachte er es fertig, so besonnen zu sein? Seine rauchfarbenen Augen waren glanzlos und m\u00fcde hinter seiner Brille, aber etwas schien ihn bei der Sache zu halten. Er stand auf und streckte ihr seine Hand entgegen, half ihr behutsam auf. \u201eUnd au\u00dferdem&#8221;, fl\u00fcsterte er, \u201em\u00fcssen wir unbedingt in Merrits N\u00e4he bleiben. Er kann den Monstern beikommen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b21eda8655486b02f6dd05fca20dcfa\">Er f\u00fchrte sie zur\u00fcck zu dem anderen Jungen, der zusammengekauert im nassen Sand kniete, umgeben von den Tr\u00fcmmern morscher Bodendielen und Balken. Einige der Bohlen steckten um ihn herum im Sand, wie schlecht abgeschossene Pfeile, die ihn knapp verfehlt hatten. Seinen Streitflegel hatte er bei dem Fall in das Nirgendwo nicht verloren, denn seine Hand war so um den Griff herum verkrampft, dass er ihn wohl nicht h\u00e4tte loslassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c63922fc19223966f80248dd11e54b2\">\u201eMama &#8230;&#8221;, schluchzte Merrit Althopian mit starrem Blick. \u201eMama &#8230; Papa &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b7dc6d33f0a07c03d6217cee56bd4279\">Manj\u00e9v z\u00f6gerte best\u00fcrzt, w\u00e4hrend Osse sich f\u00fcrsorglich neben ihn kniete. Unbeholfen legte der Junge seine mageren Arme um ihn, ungeachtet seiner verletzten Schulter .<\/p>\n<p data-p-id=\"ca9406c40a1747cb3a0c64edacbbb5d8\">\u201eKannst du deinen Vater h\u00f6ren?&#8221;, fragte er. Merrit nickte und schluchzte nur noch lauter.<\/p>\n<p data-p-id=\"611e30ab4a9bcfbec148e6f77eae7ad6\">\u201eDann ist es gut&#8221;, tr\u00f6stete Osse. \u201eDann wird er bald hier sein. H\u00e4ltst du noch so lange durch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18096ce34c92f19b9ddd7bbf63089dbc\">Merrit seufzte abgrundtief und lehnte seine blutige Stirn an die des anderen. Manj\u00e9v sah das mit Befremden, entsann sich dann aber, dass Osse j\u00fcngere Geschwister hatte. Sicher war er es gewohnt, zuweilen sein weinendes Schwesterchen zu tr\u00f6sten.<\/p>\n<p data-p-id=\"47f147fe598db99e9c0fb0750cdfd52e\">\u201eIch bin so m\u00fcde&#8221;, kam es von Merrits trockenen Lippen. \u201eIch kann nicht mehr &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"73fa6e7a7482d7ecc75e759d6df382e4\">Osse sah sich um und zog dann mit dem beweglicheren Arm ein splittriges Holzbrett unter dem Sand hervor. \u201eIch helfe dir. Wenn sie uns angreifen, dann &#8230; dann haue ich sie zusammen.&#8221; Er stand auf und vollf\u00fchrte mit dem zerborstenen Holz ein paar ungelenke Streiche, als jage er einer Fliege nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"c64b67b37cc367d1b564cc71a5a87062\">Merrit betrachtete das einen Moment und ein ganz kleines, m\u00fcdes und fl\u00fcchtiges L\u00e4cheln erhellte f\u00fcr einen Wimpernschlag sein zerschundenes Gesicht. Dann stand er m\u00fchsam auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"6ef7af6979c8850fd6ecb85d7ee9b4c3\">\u201eSei vorsichtig. Du wirst noch einen von uns erschlagen. Oder dir selbst einen Splitter einziehen. Das tut gemein weh!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb6e21108a0b26a61a16f0a0dd3c2a6a\">Manj\u00e9v kam n\u00e4her. Irgendwo in der Ferne h\u00f6rte sie die Mutter, den Vater. Aber nicht die Stimme von <em>yarl<\/em> Althopian. Dann war es wohl wirklich so, dass das Wesen, das gerade mit ihnen spielte, sie h\u00f6ren lie\u00df, was <em>es <\/em>wollte. Darauf durften sie nicht hereinfallen, egal, was geschah.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b9674a52477af1996a4b914978d158a\">Merrit sch\u00fcttelte sich den Sand aus Hemd und Hose und die Schw\u00e4che ab, die er sich erlaubt hatte. Dann stand er schlie\u00dflich wieder aufrecht und raffte die Metallkette zusammen, hob die Dornenkugel auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"b4d4bf7e32cfe04568124a86d6b8918b\">Die <em>teirandanja<\/em> schauderte. Wieso f\u00fchlte seine N\u00e4he sich immer noch so unangenehm, so verkehrt an? Bei alledem, was sie nun erlebt hatten, war sie sich sicher, dass er ein guter, ein mutiger und den M\u00e4chten gef\u00e4lliger Junge war, dem nicht in den Sinn gekommen w\u00e4re, ihr gegen\u00fcber frech und gemein zu werden. Er hatte sie unerm\u00fcdlich mit seinem Leben verteidigt, mit einer Tapferkeit, die einem erwachsenen K\u00e4mpfer zum Ruhm gereicht h\u00e4tte; und doch war er kaum \u00e4lter als sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c6a1d32f47e05a1186e5ef1be36cfea\">Das M\u00e4dchen seufzte. Es verwirrte sie, tat ihr im Herzen weh und brachte ihr den Verstand durcheinander. Was hatte sie getan, dass diese widerstreitenden Gef\u00fchle sie so gepackt hielten? Ob das etwas war, das Meister Yalomiro ihr erkl\u00e4ren konnte, wenn das hier \u00fcberstanden war?<\/p>\n<p data-p-id=\"01de41a390de64fe28f9e3aadf628c4e\">\u00dcberstanden? Und wenn sie es nicht \u00fcberlebten? Wenn die Monster sie in den Sand zerrten und sie nie wieder ans Tageslicht kamen? Nie wieder zu den Eltern zur\u00fcckkehrten?<\/p>\n<p data-p-id=\"b7a45d598f9d98940254d85175a60f53\">\u201eWo ist der Tisch hin?&#8221;, riss Osse sie aus den Gedanken.<\/p>\n<p data-p-id=\"97b58b5e0e17578927994475c3f0e59a\">Tats\u00e4chlich. Der schwarze Holztisch, der sie so sicher getragen hatte, war fort, sicherlich begraben unter dem feuchten Sand und den Tr\u00fcmmern des Daches; zusammen mit all der Einrichtung und den Sachen, die noch im Turmzimmer gewesen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"368f9a4c1ce50ec03371d2369c195f21\">\u201eSollen wir ihn ausgraben?&#8221;, fragte sie zweifelnd.<\/p>\n<p data-p-id=\"48cf2a3a2de5a2bc18ef28882ff3ffae\">\u201eNein&#8221;, entschied Merrit. \u201eWir w\u00fcssten ja gar nicht, wo wir anfangen sollen. Vielleicht w\u00fcrden wir auch die Monster hervorlocken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"855fbaf1622a1fa2f085110332048993\">Sie schauten sich um. Tats\u00e4chlich war der Sand um sie herum ganz glatt und unbewegt. Da war nichts mehr, was wogte, rieselte oder aus dessen Tiefen sich Gliedma\u00dfen hervor reckten. Daf\u00fcr war der Sand nun zu einer festen, feuchten Fl\u00e4che geworden, die sich unter dem undefinierbaren Licht in alle Richtungen erstreckte, ohne dass ringsum jemand zu sehen war, zu dem die Stimmen geh\u00f6rten. Unter den F\u00fc\u00dfen f\u00fchlte es sich an wie der Strand vor des Vaters Burg bei Ebbe. Verlockend vertraut und doch unheimlich, so ohne das ewige Lied der Wellen in der Ferne.<\/p>\n<p data-p-id=\"66e3a5a7e847d707cea3889c0d8d38af\">Der rote Karfunkel lag an der Oberfl\u00e4che, und der Mast des Spielzeugbootes ragte ein St\u00fcck daneben aus dem Sand. Manj\u00e9v zog es hinaus, gab es Osse und nahm den Stein an sich. So hatte jeder etwas, woran er sich festhalten konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ab2b79c1be59eed0c99f6484b6cf9677\">\u201eOb es so stark geregnet hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb8f45ad31dd2f34788678f11e1f7439\">\u201eUnwahrscheinlich&#8221;, sagte Osse. \u201eNicht in der kurzen Zeit.&#8221; Er dachte kurz nach, b\u00fcckte sich und streifte ein wenig Sand von der Oberseite seiner Schuhe ab. Zu Manj\u00e9vs Entsetzen probierte er mit der Zungenspitze davon und spuckte dann sittsam hinter vorgehaltener Hand wieder aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"52db3b291088c13685a07097f08b32fe\">\u201eSalzig&#8221;, lie\u00df er die beiden dann wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b0a7cc45ebe7356cc2e9d2e0e5dab8c9\">\u201eUnd das hei\u00dft?&#8221;, fragte Merrit.<\/p>\n<p data-p-id=\"341e9f83cdb4b6c44397f3df40f61004\">\u201eMeerwasser&#8221;, erkl\u00e4rte Manj\u00e9v. Diese naheliegende Antwort kam einem Knaben, der sicher nur selten an der K\u00fcste gewesen war, nat\u00fcrlich nicht sofort in den Sinn. \u201eMeerwasser ist salzig. Und es gibt viel davon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb04a83a940b635635b698af49392b8e\">\u201eAber es ist kein Meersand. Dann m\u00fcssten Muschelschalen darinnen sein. Ich habe einmal Muscheln am Strand gesammelt&#8221;, hielt Merrit zu ihrer \u00dcberraschung entgegen. \u201eWo kommt all der Sand her? Ich meine, <em>wie<\/em> er herkommt, werden wir nie erfahren. Aber er kann ja nicht einfach so aus dem Nichts entstanden sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"46c7ece58048428efe30ca4b97b6ed14\">\u201eW\u00fcstensand.&#8221; Osse f\u00fcgte wohl im Geiste St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck Dinge zusammen. \u201eEs ist eigentlich ganz klar. Denkt nur dar\u00fcber nach.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"79716f88995154a4cf39d02beb235a5f\">Er h\u00e4tte es ihnen einfach erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, aber das tat er nicht. Manj\u00e9v vermutete, dasser nicht altklug klingen oder seiner <em>teirandanja<\/em> nicht vorgreifen wollte. Doch sie ahnte, worauf er hinauswollte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2168fbe099434e57525adbd1cf9df74\">\u201eDer <em>mestar<\/em> sagt&#8221;, begann sie, \u201eweit im S\u00fcden, jenseits des Montaz\u00edel, liegt eine riesige W\u00fcste, die das Weltenspiel von den Grenzen des Chaos trennt. Damit keine Menschen hinein geraten. So wie es im Norden das Meer gibt und im Westen und Osten das Eis. Niemand darf zu nahe ans Chaos heran.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1871f312b37d314f1c36553d0f3d92e\">\u201eRichtig, Majest\u00e4t. Und im S\u00fcden, unter der W\u00fcste, da entspringen die Wasserl\u00e4ufe, die zum Meer hinstreben. Niemand wei\u00df, wo die Quellen sind. <em>Forscoray<\/em>, die es herausfinden wollten, haben sich verirrt und sind nie zur\u00fcckgekehrt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c013debb76223517af589787eddb112\">\u201eWoher kommt denn das Wasser <em>in<\/em> der W\u00fcste?&#8221;, fragte Merrit.<\/p>\n<p data-p-id=\"06ba8306866bbd2baaca5fe8493d798b\">\u201eVielleicht aus dem Meer. Ich glaube, wenn das Wasser ins Meer flie\u00dfen w\u00fcrde und von dort ins Chaos, dann kehrt es irgendwie von dort in die W\u00fcste zur\u00fcck. Es flie\u00dft irgendwie im Kreis herum. Wie etwas, das an einem Wagenrad dranh\u00e4ngt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9c43d1045aba4cec152e932cbc28e10\">Manj\u00e9v \u00fcberlegte. Das war ein sonderbarer Gedanke, der ihr nicht sofort in den Kopf wollte. Andererseits \u2013 niemand wusste, wie das Chaos beschaffen war. Merrit runzelte zweifelnd die Stirn.<\/p>\n<p data-p-id=\"1e0ca74fba69d1feb319d504517b4912\">\u201eDas hab ich mir nicht selbst ausgedacht&#8221;, gestand Osse, wie um sich zu verteidigen. \u201eIch habe das in einem Buch gelesen, das ein ber\u00fchmter <em>forscor <\/em>geschrieben hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5e9c05f325c38723bb794e1cd3457e16\">\u201eNun gut. Aber was bedeutet das f\u00fcr uns? Das hie\u00dfe ja, wir sind an einem Ort, wo Meer und W\u00fcste aneinandergrenzen, wenn der Sand voller Salzwasser ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09cd9a87851e470762e4920863d95416\">\u201eJa&#8221;, best\u00e4tigte Osse schlicht. \u201eSo ist das, Merrit.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15dd184d179a7981220f67706ba06e3e\">\u201eWir sind jenseits der Grenzen&#8221;, wisperte Manj\u00e9v entsetzt. \u201eMittendrin!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"85987a9a23f3b27c8006ebbb704da3a1\">\u201eDie M\u00e4chte m\u00f6gen uns beistehen!&#8221;, entfuhr es Merrit. \u201eDeshalb sind so viele Monster hier! Das sind wirklich <em>Chaosgeister<\/em>! Wir sind in ihrem Revier!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c7a0d6cf77568773f0b331d163d3c07\">\u201eAber &#8230; wie sind wir hierhergekommen? Und wieso sind unsere Eltern hier irgendwo?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d9eedec8e8d54a347002c5457d650278\">\u201eVielleicht war der Turm war so etwas wie eine Falle. Wie eine Fallgrube, die J\u00e4ger f\u00fcr Raubtiere ausheben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"09f203ecc4148fc81b2748652025e8e6\">\u201eWas sollte uns <em>fangen<\/em> wollen?&#8221;, protestierte Merrit. \u201eDas ist doch Unsinn! Wir sind doch keine Wildw\u00f6lfe, die die Schafe packen! Warum uns?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fae65ae794ef021352c268872de0973d\">\u201eNein&#8221;, sagte Manj\u00e9v leise und entsann sich an das, was der Schattens\u00e4nger zu den Eltern und zu ihr gesagt hatte. \u201eEs ist kein Unsinn. Es war alles so geplant.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de8a9fec7297c891f3248e7f691f12d9\">Die Jungen schwiegen auffordernd. Manj\u00e9v hallten die Rufe der Eltern aus der Ferne ans Ohr. Aber was n\u00fctzte das? Wenn das hier das Chaos war, dann hatten Zeit und Raum \u00fcberhaupt keine Bedeutung. Und das war wahrscheinlich genau der Grund, warum es hier kein blankes Durcheinander gab, sondern nur diese absurde, gespenstische Weite und Stille.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c8e9b68a66f293c1ceffed594fea24e\">\u201eKannst du deinen Vater <em>wirklich<\/em> nicht h\u00f6ren?&#8221;, fragte Manj\u00e9v, einer Eingebung folgend.<\/p>\n<p data-p-id=\"237ea4e3eb37a22f434ff973988c8cda\">\u201eNein, Majest\u00e4t. Ich denke nicht, dass er nach mir rufen w\u00fcrde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d51bc2af0defd8ffc73d3321d1134418\">\u201eDann geh uns voran, Osse Emberbey. F\u00fchre du uns zu den anderen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1871c05b144d7e2fb3290c683f4bb885\">\u201eIch? Wie sollte ich das fertig bringen, Majest\u00e4t?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0eeee8b236dc0592c58b51a186eb8167\">Manj\u00e9v warf einen Blick auf das zersplitterte Brett in seiner Hand, auf das Boot und fragte sich, woher sie diese Worte nahm. \u201eWeil seine Stimme dich nicht in die Irre f\u00fchren kann.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"6a55fb72bfbc199617fa032894ff5fc6\">Die Stallt\u00fcr war, entgegen aller Erwartung, nicht verschlossen. Die Pferde und Maultiere, die nebeneinander in ihren schmalen Verschl\u00e4gen standen, waren unruhig, sie schnaubten und stampften. Der Sand platschte so laut aufs Dach, als w\u00fcrfen Kinder mit vollen H\u00e4nden damit. Viele, viele Riesenkinder, die im Matsch spielten.<\/p>\n<p data-p-id=\"86bc9a254e666b52b6aa67c098bd6dc9\">\u201eWieso ist hier offen?&#8221;, wunderte sich der erste Knecht und steckte misstrauisch das Einbruchswerkzeug weg, mit dem er das Schloss hatte \u00f6ffnen wollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7d8f997838def047f6fa9e5bf0ee1808\">\u201eIst doch egal! Wir schnappen uns jeder &#8216;nen Zossen und nichts wie weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fd35cd77131fac0ed518ad1832c972a\">Sie schl\u00fcpften in die Stallung und tasteten sich voran. Welche Macht auch immer sich hinter dem Sturm verbarg, sie war den beiden wohlgesonnen, denn durch die Fenster ringsum oben unter dem Dach kam au\u00dfer Sandspritzern auch das flackernde Geisterlicht hinein, sodass es nicht stockfinster war.<\/p>\n<p data-p-id=\"edbb56c9c78906816bb29da3f88e9bcd\">\u201eHier liegt Sattelzeug&#8221;, freute sich der zweite, der, der zuvor das Buch gefunden hatte. Tats\u00e4chlich waren auf den h\u00f6lzernen Trennw\u00e4nden zwischen je zwei Tieren die jeweils passenden S\u00e4ttel aufgelegt, an Haken hingen Zaumzeuge daneben. Praktischer konnte es sich kaum f\u00fcgen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f89cd22b299d935b77d987b8f7c024dc\">Sein Kumpan stellte den Korb mit ihrer Beute ab. \u201eUnd wie bekommen wir das an so ein Viech dran?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb3d72ac2df9ed783da788fa407bc3a1\">\u201eWei\u00dft du das etwa nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d76b79d8cbdddc2a627c45ce1c48b78\">\u201eSeh&#8217; ich so aus? Der Alte hat seinen Gaul immer fertig gehabt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ce2931b660072ce5af37e9e47290422\">Der mit dem Buch seufzte und griff nach einem Zaumzeug. \u201eKann ja nicht so schwer sein&#8221;, murmelte er, trat neben das n\u00e4chststehende Pferd und \u00fcberlegte, was als N\u00e4chstes zu tun sei. Das Tier jedenfalls war unkooperativ. Es drehte sich weg und quetschte den ihm Fremden gegen die Wand, nicht ohne ihm auf den Fu\u00df zu steigen.<\/p>\n<p data-p-id=\"83c6bfb01af953be4bb0bcacff312549\">\u201eAutsch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb2859ad1f0d37b70f4fdffd4f655c2c\">\u201eSchnauze! Nicht, dass uns einer h\u00f6rt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b86855479e1586eec3ead89955e1e5a\">\u201eDas Drecksvieh hat mir die Zehen gebrochen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"04ac99b695132021545420a49c05c8ff\">Der andere feixte schadenfroh und wagte sich ein paar Schritte weiter in den Stall hinein, betrachtete die R\u00f6sser im Lichtgeflacker, das immer hektischer erschien. Wenn er schon die freie Auswahl hatte, wollte er sich schon an einem besonders guten Pferd bedienen. Bis zum <em>yarlm\u00e1lon<\/em> Ferocriv\u00e9 war es schlie\u00dflich ein weiter Ritt.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c0994f545e873faa0b1238eaf982a00\">Aber er kam nicht dazu. Aus einem der nicht belegten Abteile erhob sich unvermittelt ein bulliger Mann. Er richtete eine Mistforke bedrohlich gegen die beiden potenziellen Pferdediebe.<\/p>\n<p data-p-id=\"73ebfea42f963d17e3ac13cea76c0c08\">\u201eKerle!&#8221;, rief er aus. \u201eWas habt ihr hier zu schaffen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"08ec128c50cd49020da7de3f3ed39db5\">Der Knecht, der n\u00e4her bei ihm stand, fuhr erschrocken zur\u00fcck. Das Wetterleuchten hielt gerade lange genug an, dass sie einander deutlich sehen konnten. Die beiden Knechte allerdings brauchten einen Moment, bevor sie erkannten, wen sie vor sich hatten. Es war erst wenige Gongschl\u00e4ge her, dass sie genau diesem Mann schon einmal begegnet waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"c6e08202763bea50fcfb16ff3ea09156\">\u201eIhr!&#8221;, schnauzte der Mann mit der Mistgabel verdutzt. \u201eWas habt ihr hier zu schaffen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0d486ab9a0664fd8cbcfffef13c7c7a9\">\u201eStill!&#8221;, herrschte der Knecht mit dem Silberkorb ihn an. \u201eKeine Aufregung!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9f06c7af10dce7e75c8236259b4b40d4\">\u201eWas wollt ihr Strolche? Euch hier unterstellen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"012803bb3e675e2571eac4fe0b2ad3af\">\u201eWir sind gleich wieder weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"204c697830f64df9f7ccbe211e3f3193\">Der Mann kam n\u00e4her, seine Mistgabel fest in der Hand. Unter dem Geflimmer musterte er die beiden M\u00e4nner, die verunsichert, aber keineswegs ver\u00e4ngstigt und mit eindeutig unlauteren Absichten mitten auf der Stallgasse standen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b9fa7512e43201c5c4d8cac2ff47052d\">\u201eSeid ihr nicht die Strolche, die das kleine M\u00e4dchen mitgenommen haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3a6f4deb69fb9500268b51b34a328b8\">\u201eWas machst du hier?&#8221;, fragte der mit dem Buch, schob grob das Pferd zur Seite und kam herbei. Im Vorbeigehen grabschte er nach einem schweren Lederzeug, das wohl zum Geschirr f\u00fcr eine S\u00e4nfte geh\u00f6rte.<\/p>\n<p data-p-id=\"f9074aaa85535e39ea31e82646127ac3\">\u201eWonach sieht&#8217;s aus? War zu ahnen, dass Diebsgesindel lange Finger machen will! Hab ich Recht gehabt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d4676e35f9b315ab03b0828ae97a4e72\">\u201eWarum biste nicht bei den Buntkerlen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a73e4ee998d3af658d940dce6309d1e\">\u201eDen M\u00e4chten sei es geklagt! Einmal in all der Zeit besuch&#8217; ich meinen Bruder inner Stadt, da kommt&#8217;n Unwetter! Hier drin ist&#8217; sicher! Was soll ich sagen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"11f7ecbc2736708a10e0d106803446e3\">Die beiden Knechte z\u00f6gerten. In beiden nicht besonders schlauen K\u00f6pfen spulte dieselbe Folge von Gedanken ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"d5e865bacb9c36f82df1cba74824673c\">\u201ePackt das Lederzeug zur\u00fcck&#8221;, forderte der Stallmeister. \u201eOder wollt ihr Zinken in die Visage, Diebsgesindel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55b332a75a379278a64b1a1fa49a4b01\">\u201eReg dich ab! Wir woll&#8217;n gar nicht lange st\u00f6ren!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"62dc650331e719bf5d53ac90f9233d6f\">\u201eR\u00fcckt das Geschirr raus, ihr Halunken!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de42dc14fd6b016a54420ffd205fdb7b\">Man gehorchte ihm. Das schwere Lederzeug wurde ihm mit Wucht entgegen geworfen und brachte ihn tats\u00e4chlich aus dem Gleichgewicht. Der Stallmeister der Regenbogenritter kam ins Taumeln, versuchte zwar noch, mit seiner Mistgabel abzuwehren und fand sich doch im n\u00e4chsten Moment verstrickt in Z\u00fcgel, Riemen und mit einem Messer am Hals wieder. Dass er sich so leicht \u00fcberw\u00e4ltigen lie\u00df, das war nicht zu erahnen gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3be920d49e06f9b7b4073136995d192f\">\u201eWenn du auch nur einen Mucks machst, dann ist&#8217;s aus mit dir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6a1ed36f0ec215e63f7a74c51ef808f\">\u201eMistkerle&#8221;, zischte der Stallmeister.<\/p>\n<p data-p-id=\"ae20e8694a5e57a80b97c6d1f8c97539\">\u201eWo is&#8217; dein Bruder? Sind da noch mehr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"835659ae05c451de18c499bb9ed5010f\">\u201eIm Haus&#8221;, knurrte der Mann. \u201eNoch. Die werden wohl gleich kommen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e878f9f31f55bc491c9d35771f84ae4\">\u201eUnd was machste hier allein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"adeb87c5fc3483bc9ddd6dea2993e4f7\">\u201eWar mir zu voll geworden, im Haus. Bin ich nicht gewohnt, so viele Leute, so laut. Halten das verr\u00fcckte Wetter f\u00fcr einen gro\u00dfen Spa\u00df hier. Dummk\u00f6pfe, alle miteinander. Kann besser auf die Tiere achten. Sind mir lieber!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f0b8dd9db6322ed345661dcf195f3a07\">\u201eWarum biste nicht auf der Burg?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a53516af02255271f47ae53954e0834\">\u201eUrlaub. Hab&#8217;s mir wohl auch sch\u00f6ner vorgestellt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2e2a18551abe55eb5b4c19ff7dfd350c\">\u201eAufstehen! Und keine Faxen1&#8243;<\/p>\n<p data-p-id=\"7f5d83fec4d186a8f4727ec1b8df2549\">Der Stallmeister gehorchte. Die Mistgabel lie\u00df er wohlweislich liegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"062e6d797e4eebb6a425d4df44f4aca0\">\u201eH\u00f6r mal&#8221;; begann der intelligentere der beiden Knechte. \u201eWir woll&#8217;n dir nicht ans Leben. Wenn du mitmachst, passiert dir nichts.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b544c4646d3f24bc464bdde3746e93f\">\u201eMitmachen? Wobei?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f1056608a21e9d0fb09490657fb211f\">\u201eWir woll&#8217;n Pferde. Schnelle, starke Pferde. Such uns zwei &#8216;raus und mach Sattel und Zaum dran.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91e4479669cb5c2919a387adda13fb9f\">\u201eSeid ihr noch bei Sinnen? Sind die Tiere von meinem Bruder, ihr &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"303cb9a349cd4c36274c9fa35e91dabd\">\u201eZwei St\u00fcck. Und du siehst uns hier nicht wieder.&#8221; Der zweite Knecht hob die Forke auf. \u201eWird&#8217;s bald? Wir haben&#8217;s eilig!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55ce87c454eecb265777f87b4610e476\">Der Stallknecht verschr\u00e4nkte die Arme und dachte wohl \u00fcber die M\u00f6glichkeiten nach, die ihm blieben. \u201eWas sagt&#8217;n Euer Herr dazu?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9f2c8e61775346cd8b0929c7d801b39\">\u201eDer? Kann froh sein, wenn er uns nicht wieder sieht.&#8221; Die scharfen Zinken piekten nachdr\u00fccklich in den Bauch des Stallmeisters. \u201eLos!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b784c439859c043edd8de6e84ec6283b\">\u201eKannst ja erz\u00e4hlen, man hat dich beraubt&#8221;, schlug der andere vor. \u201eW\u00e4re nicht gelogen. Los! Stark und schnell! Du kennst dich aus!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef46bd11ff713ac78e863a38667509e7\">Dem getreuen Knecht der Regenbogenritter blieb keine Wahl. Zwar h\u00fctete er sich, tats\u00e4chlich die beiden besten R\u00f6sser aus dem Besitz seines Bruders preiszugeben, aber er w\u00e4hlte zwei Tiere, die die beiden ehemaligen pers\u00f6nlichen Tagediener des ehrenwerten \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 z\u00fcgig und mit einiger Ausdauer aus der Stadt heraus tragen w\u00fcrden. Ihnen die letzten Schindm\u00e4hren anzudienen, wagte er nicht. Und so standen kurz darauf zwei brave, wenn auch ob des Gewitters sehr nerv\u00f6se R\u00f6sser zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p data-p-id=\"d74bc6684f884f7f76e443c037196d9c\">\u201eWas habt ihr mit dem kleinen M\u00e4dchen gemacht?&#8221;, fragte er dabei.<\/p>\n<p data-p-id=\"17661b964c1ee37374d8b13b7f221007\">\u201eNichts, was dich anginge.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6de3de4a3f0033cee9dfc3a7a04f217c\">\u201eDer kleine Buntkerl hat das G\u00f6r entf\u00fchrt&#8221;, gab der andere allzu arglos Auskunft.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca9a403bb7c88b7952561590ffa99b53\">\u201eUnd deshalb&#8221;, knurrte der erste ver\u00e4rgert, \u201em\u00fcssen wir schleunigst weg. Der alte \u00daldaise wird stinksauer sein!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a53808b651ab3747638bdf86ba26ce21\">Die beiden packten die Z\u00fcgel der Pferde und f\u00fchrten sie zur T\u00fcr. Drau\u00dfen fiel der Sand weiterhin in Batzen herab. Die Pferde erschraken davor und scheuten. Aber die Knechte kannten keine Bedenken. Ungelenk erklommen sie die S\u00e4ttel. Reiten konnten beide, halbwegs. Und die Mietpferde waren es gewohnt, ungeschickten Reitern zu gehorchen<\/p>\n<p data-p-id=\"31307cd530117ede5663d29ccef0e55b\">\u201eIhr kommt nicht weit&#8221;, gab der Stallmeister zu bedenken.<\/p>\n<p data-p-id=\"a176e5eeac058f2376512cff73b87026\">\u201eWir werden sehen. Auch das schlimmste Gewitter geht zu Ende!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5fefd6abd394c717ad6a1bc968071351\">\u201eMach dir keine Sorgen!&#8221;, rief der mit dem Buch gegen den Donnerschlag an, der den n\u00e4chsten Blitz begleitete. \u201eDu hattest keine Chance!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"de42b4dc0f2d632ee85a3c37ab8a60b4\">Mit diesen Worten lenkte er sein Pferd herum und versetzte dem Stallmeister einen so heftigen Tritt gegen die Brust, dass der Mann erneut zu Fall kam. Der andere zwang das Pferd im Galopp \u00fcber den benommenen K\u00f6rper hinweg. Dann preschten beide in Richtung Marktplatz, dar\u00fcber hinweg, unter den verwirrten Blicken einiger Nachtschw\u00e4rmer, die unter den Arkaden verweilten, und f\u00fchlten sich dabei wie von allen Seiten mit Matsch beworfen. Auch die Pferde machte es scheu. Sie sprengten \u00fcber den Platz unter dem flimmernden Himmel in die Nacht hinein. Nat\u00fcrlich kannten die Mietpferde den Weg zum n\u00e4chsten Tor und waren vertraut mit ungelenken Reitern.<\/p>\n<p data-p-id=\"e179b5daf1e4106e232d4c58dc37fbd3\">In der Unterstadt hatte man noch nicht bemerkt, was die Bewohner oben in den Villen mit Erstaunen zur Kenntnis nahmen; zumindest all jene, die sich gerade zu ebener Erde aufhielten. Und das war das Wasser, das oben, vom zentralen H\u00fcgel herabzurinnen begann, weit mehr als nur das Ergebnis der sandigen Regenschauer. Erst murmelnde, sprudelnde B\u00e4chlein, die nach und nach anschwollen zu rei\u00dfenden Fluten und den gefallenen Sand und gleich auch den Unrat von den Stra\u00dfen in die Unterstadt hinab sp\u00fclten. Woher das Wasser kam, das sahen nur die direkten Anwohner des Ratspalastes, die Stadtwachen in ihrem Quartier, die jungen <em>maedloray<\/em>, die in ihren B\u00fcroh\u00e4usern wohnten.<\/p>\n<p data-p-id=\"88503ba3e42ed8a96b9baf50a290de95\">Es sprudelte aus dem Brunnenraum unter dem Palast hervor, so heftig und stark und unaufhaltsam, als sei ein Damm tief unter der Erde gebrochen. Zu allen Seiten str\u00f6mte das Wasser den H\u00fcgel hinab und hinunter in die Stadt.<\/p>\n<p data-p-id=\"097d366c23a383f3d59a4bf4c21fe8a0\">Und so verschwanden die Knechte von \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 auf gestohlenen R\u00f6ssern unter dem gespenstischen Gewitter aus Aur\u00f3p\u00e9a, um nie wieder dorthin zur\u00fcckzukehren. Mit ihnen verschwand ein wenig Silber, das einstmals von Schattens\u00e4ngern f\u00fcr kleine Zauber und profane Alltagsdinge verwendet wurde. Mit ihnen verschwand desgleichen ein Buch, das niemals h\u00e4tte geschrieben werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2656","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2656","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2656"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2656\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3270,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2656\/revisions\/3270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2656"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2656"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2656"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}