{"id":2634,"date":"2025-08-25T13:24:19","date_gmt":"2025-08-25T11:24:19","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2634"},"modified":"2025-08-31T23:10:52","modified_gmt":"2025-08-31T21:10:52","slug":"103-die-erde-wird-nass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/103-die-erde-wird-nass\/","title":{"rendered":"103: Die Erde wird nass"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"86d6ab40b1d3fd56b1fa71340c4c2edd\">Bereits am fr\u00fchen Nachmittag war der <em>yarlara<\/em> von Mor\u00e9aval aufgefallen, dass ihre kleine Tochter nicht aufzufinden war.<\/p>\n<p data-p-id=\"dae54bd5d094207d7fd0dffc3c1c45c4\">Die junge Frau hatte sich zun\u00e4chst keine Gedanken dar\u00fcber gemacht. Es war vollkommen normal, dass das kleine M\u00e4dchen sich in der N\u00e4he der <em>teirandanja<\/em> aufhielt, und da die beiden bei dem ungem\u00fctlichen Wetter nicht im Freien spielen konnten, w\u00e4hnte sie T\u00edjnje und die etwas \u00e4ltere Gef\u00e4hrtin in der Obhut der <em>opayra<\/em>. Sicherlich, so dachte die Dame sich, vergn\u00fcgten die beiden sich brav beim Spiel in den Gem\u00e4chern der hochedlen Familie. Die <em>yarlara<\/em> hatte die Gelegenheit dazu genutzt, in Ruhe ihre Korrespondenz zu erledigen und lange Briefe an ihre eigene und die Mutter ihres <em>h\u00fdardor<\/em> zu verfassen, die auf dessen Burg die Dinge in Ordnung hielt, solange der Sohn den Hofdienst versah. Und so hatte die Edeldame eine geraume Zeit in ihrer Stube verbracht, bis das Tageslicht nicht mehr zum Schreiben ausreichte und sie eine Lampe entz\u00fcnden musste. Vermutlich besch\u00e4ftigte sich die <em>teiranda<\/em> ebenfalls mit privaten Dingen, denn sie schickte w\u00e4hrend all der Zeit nicht ein einziges Mal nach der Hofdame.<\/p>\n<p data-p-id=\"f076653286861c4e386912e2374373fa\">Das kam der <em>yarlara<\/em> schlie\u00dflich doch sonderbar vor, und so schickte sie sich an, nachzuschauen, ob sie m\u00f6glicherweise etwas vers\u00e4umte. Vielleicht hatte das schlechte Wetter die Burggemeinschaft in der Halle versammelt und es ging dort etwas kurzweiliger zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"f73323916fd79e5c3b6996000fd204a0\">Tats\u00e4chlich hatte sich der gr\u00f6\u00dfte Teil der Schutzbefohlenen dort zusammengefunden, zumindest all jene, die nicht in der K\u00fcche mit den Vorbereitungen f\u00fcr die Abendmahlzeit oder in den St\u00e4llen mit der Versorgung der Tiere unabk\u00f6mmlich waren. Die Leute sa\u00dfen in Gr\u00fcppchen beieinander, schwatzten und scherzten miteinander, einige besch\u00e4ftigten sich in angemessener Lautst\u00e4rke mit Karten- und W\u00fcrfelspielen. Der Dauerregen bot eine hochwillkommene Ablenkung, einen guten Grund daf\u00fcr, die Arbeit ruhen zu lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ef7fa5ae7d3ced441da5c51076c6cfe1\">Nur ein Tisch an einem der Au\u00dfenfenster war verwaist. Eine angefangene Partie eines Steinespiels stand dort. Dass niemand das Brett wegger\u00e4umt hatte und der Tisch nicht beansprucht wurde, konnte nur bedeuten, dass er von hochgestellten Burgbewohnern so hinterlassen worden war, die nicht offiziell fortgegangen waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"c8cd48a13ae223b5249b9accb4eb2baf\">Auf der Bank lag ein Kinderbuch. Die <em>yarlara<\/em> warf einen Blick darauf und runzelte die Stirn. Hatte T\u00edjnje hier mit den anderen Kindern gesessen? Hatte L\u00e1as seiner kleinen Nichte vorgelesen? Das passte so gar nicht zu dem wohlerzogenen, aber stets etwas raubeinigen Jungen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2b1c4fc0e3f68a5ecb82c43094ddc56d\">Sie schaute sich in der Halle um, entdeckte aber weder ihren j\u00fcngeren Bruder noch dessen Kumpan J\u00e1ndris, mit dem er unzertrennlich war. Auch ihren Vater konnte die junge Frau nirgends sehen, nicht ihn und keinen der anderen <em>yarlay<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"6baeea2fc2916d7cf34f30af7ddf9b03\">Nat\u00fcrlich nicht. Die M\u00e4nner waren vermutlich immer noch auf der Suche nach dem Sohn von <em>yarl<\/em> Althopian, dem armen, vom Schicksal gebeutelten Mann. Die <em>yarlara<\/em> mochte sich nicht vorstellen, wie es sich anf\u00fchlen mochte, wenn das eigene Kind einfach so mitten in einer belebten Burg verschwand. Der Umstand, dass der Junge immer noch nicht wieder aufgetaucht war, lie\u00df nach all der verstrichenen Zeit fast nur noch die Vermutung zu, dass der Knabe sich willentlich und mit gro\u00dfem Geschick versteckt hielt. Mochten die M\u00e4chte geben, dass der Junge m\u00f6glicherweise nur etwas angestellt hatte und sich so lange als m\u00f6glich vor der strengen Hand seines Vaters verbarg. Auch L\u00e1as hatte, als er noch j\u00fcnger war, so manchen Unfug ver\u00fcbt, der die Eltern und die \u00e4lteren Schwestern nicht immer am\u00fcsiert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6fe63f166ff814ff3800595477a75599\">Nun, vermutlich hatte sich das nicht gebessert, anders war nunmehr nur, dass J\u00e1ndris sich wesentlich gescheiter anstellte, wenn es galt, Spuren zu beseitigen. Doch wo konnten die Jungen nur sein? Der Schwertmeister sa\u00df dort hinten am Tisch und war mit seinen Freunden in die W\u00fcrfel vertieft. Der schien die Jungen nicht zu vermissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5710ad1322c0ca200d9c656d44c3cf2f\">Die <em>yarlara<\/em> nahm das Buch an sich und kehrte zur\u00fcck in ihre Stube. Die Sache kam ihr sonderbar vor. Ob die Kinder Verstecken spielten? Ob T\u00edjnje sich in die Stube geschlichen und verborgen hatte, als sie mit den Briefen abgelenkt gewesen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"1c1a1707021fdf7f43e56531ca768029\">\u201eT\u00edjnje?&#8221;, rief die junge Frau. \u201eT\u00edjnje, bist du hier? Zeig dich, wenn ich dich rufe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7ae89b46fbdeb27ad238f0897d1cc8fb\">Aber das kleine M\u00e4dchen schien tats\u00e4chlich nicht anwesend zu sein. Die <em>yarlara <\/em>warf einen Blick hinter die Vorh\u00e4nge und dann, von einem panischen Gedanken aufgeschreckt, in die gro\u00dfe Kleidertruhe. Doch den M\u00e4chten sei Dank, hatte das kleine M\u00e4dchen sich nicht in eine solche Falle begeben.<\/p>\n<p data-p-id=\"6fe39ca877d180d4db42fdcb5e5aec01\">Daf\u00fcr entdeckte die <em>yarlara<\/em> ein Fu\u00dfb\u00e4nkchen an einer Stelle, an die es nicht geh\u00f6rte, unterhalb eines Regals, auf dem sie einige pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde griffbereit hielt. Die kleine silberbeschlagene Schmuckschatulle stand verd\u00e4chtig nahe am Rand, und als die Dame misstrauisch hineinschaute, fand sie ihren Verdacht best\u00e4tigt. \u00c4rger \u00fcberkam sie, denn ganz zweifellos hatte T\u00edjnje unerlaubterweise in ihrer Unbek\u00fcmmertheit etwas von dem Geschmeide ausgeliehen. Das war dem Kind streng verboten, und so war die <em>yarlara<\/em> f\u00fcr einen Moment mehr ungehalten als besorgt, denn es erkl\u00e4rte, warum das Kind sich m\u00f6glicherweise versteckt hielt. Wahrscheinlich war den M\u00e4dchen in der regenbedingten Langeweile nichts Besseres eingefallen, als mit dem Schmuck ihrer M\u00fctter zu spielen. Es stand zu hoffen, dass T\u00edjnje die wertvollen St\u00fccke nicht verbummelte. Wenn er wieder daheim w\u00e4re, beschloss sie, musste J\u00f3ndere dringlich ein ernstes Wort mit seiner Tochter reden. Andererseits wurde es h\u00f6chste Zeit, dass T\u00edjnje eine Gef\u00e4hrtin ihres Alters bekam und sich nicht l\u00e4nger gen\u00f6tigt f\u00fchlte, mit der \u00e4lteren <em>teirandanja<\/em> gleichziehen zu m\u00fcssen. Wenn Truda Emberbey sich als \u00e4hnlich wohlerzogen und bescheiden erwies wie ihr \u00e4lterer Bruder, dann w\u00fcrde das wohl einen guten Einfluss auf die Kinder haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"8cc716931f75031f2ea18ca459d6d5cc\">Und dennoch &#8230; h\u00e4tte T\u00edjnje, um vor der <em>teirandanja <\/em>mit Geschmeide gro\u00dfzutun, nicht die altmodische Halskette mit den Karfunkeln gemaust anstelle des schlichten Goldschmucks, der stattdessen fehlte? Die <em>yarlara<\/em> warf einen nachdenklichen Blick auf das Bilderbuch und machte sich auf den Weg hinauf zu den R\u00e4umen der <em>teiranday, <\/em>um die kleine Diebin zu stellen. Doch auch hier oben war es ungew\u00f6hnlich still. Der Regen, der vor die kostbaren Glasfensterscheiben trommelte, war fast das Einzige, was zu h\u00f6ren war. Die T\u00fcr zum Audienzzimmer war nicht einmal bewacht, nur die Zugangst\u00fcr zum Trakt der Familiengem\u00e4cher wurde von einem W\u00e4chter beaufsichtigt, der angesichts des monotonen Prasselns schl\u00e4frig geworden zu sein schien. Nat\u00fcrlich lie\u00df er die <em>yarlara<\/em> einfach passieren, denn die Vertrauten der <em>teiranda <\/em>hatten hier freien Zutritt.<\/p>\n<p data-p-id=\"72b3f85ec8c88cd7e41f279bd9feaa78\">Die Edeldame klopfte nach Gewohnheit an die T\u00fcr zum Vorzimmer des Audienzgemachs, wo die Kinder zu spielen pflegten. Wie sich zeigte, war es gut, nicht einfach unangemeldet einzutreten, denn im Zimmer waren zwar weder die M\u00e4dchen noch ihre Herrin, K\u00edan\u00e1 von Wijdlant, noch Asga\u00fd von Spagor anwesend. Aber die <em>opayra<\/em> und der <em>mestar<\/em> sa\u00dfen in so geziemlichem Abstand beieinander in der Fensternische, dass es verd\u00e4chtig wirkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"457eeffe08fd19dde35406591bf4c5ec\">\u201eIch mag Euch nicht st\u00f6ren&#8221;, sagte die <em>yarlara<\/em> taktvoll. \u201eIch fragte mich lediglich, ob meine Tochter hier zu finden sei.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1b297079b444c7a3aba7e0b8ae4de644\">\u201eNicht, dass ich sie gesehen h\u00e4tte&#8221;, antwortete der <em>mestar<\/em>, erhob und verneigte sich eilig. \u201eNicht seit gestern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f2e5f173494dc2b486d0a303ead0c27b\">\u201eAm Morgen&#8221;, sagte die <em>opayra<\/em> und nestelte gesch\u00e4ftig an ihrem Schultertuch. \u201eDa war sie hier und wollte eine Geschichte erz\u00e4hlt haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ba460ed535710c579b4ed8636c942d01\">\u201eDie hier?&#8221;, fragte die <em>yarlara<\/em> und zeigte das Buch vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd470bc15922e96b5ffc077c50041673\">\u201eNicht genau diese. Aber es ging um eine \u00e4hnliche Sache.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d3a05e3fd1c7381f626101d5f0e28fed\">\u201eDie Kinder scheinen heute ein auff\u00e4lliges Interesse daran zu haben, was es mit mystischen Metallen auf sich hat&#8221;, sagte der <em>mestar <\/em>wohlwollend. \u201eDie jungen <em>yalandoray<\/em> baten mich meinerseits um eine Lektion \u00fcber das Ungleichgewicht von Silber und Gold in der \u00dcberlieferung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b4a98d1047ac92a77263cde7252e640\">\u201eWahrscheinlich hat der <em>teirand<\/em> ein M\u00e4rchen erz\u00e4hlt, das die Phantasie der Kinder entfacht hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"472b08888234100bd7db75ba0041ab95\">Kurz \u00fcberlegte die Dame, ob sie den verschwundenen Schmuck erw\u00e4hnen sollte, entschied sich aber, T\u00edjnje nicht blo\u00dfzustellen. \u201eWo ist der <em>teirand<\/em>?&#8221;, fragte sie stattdessen. \u201eUnd die <em>teiranda<\/em>? Vielleicht ist T\u00edjnje mit der <em>teirandanja<\/em> unterwegs?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"587108fbbe66ed19b717046f674a1381\">\u201eIch muss zugeben, dass ich beide M\u00e4dchen nun schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen habe. Ich nahm an, sie seien mit den <em>teiranday<\/em> in der Halle.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"df1c611edf3d3b99536e0da3f410dd26\">\u201eDa sind sie nicht. Ich komme gerade von dort. Die Majest\u00e4ten und die Kinder sind nicht bei den anderen in der Halle. Es ist auch keiner der <em>yarlay<\/em> anwesend.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f7941dc34714f9d344b66984096e0bc\">Die <em>opayra<\/em> erhob sich stirnrunzelnd. \u201eKeiner von den Herrschaften ist zugegen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"828afa6116f160d3dc2b26f0681636d3\">\u201eNein, kein einziger. Weder mein Vater noch einer der anderen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"20c5e4030f6c9c5f23ff32dc9da5a3c7\">\u201eDas ist ungew\u00f6hnlich&#8221;, stimmte der <em>mestar<\/em> zu. \u201eHier ist auch niemand. Ich habe mich, \u00e4hm, vergewissert, als ich herkam.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"476fee9121013186a69a9a365f3ded4f\">\u201eWas tut Ihr eigentlich hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"69d98e0bd6d2fec4d7b498da7bc070b2\">Die <em>opayra<\/em> err\u00f6tete. \u201eErbauliche Konversation&#8221;, behauptete der <em>mestar<\/em> eilig. Die <em>yarlara<\/em> h\u00e4tte geschmunzelt, w\u00e4ren die Umst\u00e4nde nicht so merkw\u00fcrdig gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2dfd487fe87d827554215ecc0aaec973\">\u201eSollten wir nach ihnen suchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3f71c2d11a7949a031992fa6316d8b89\">\u201eNun, es kann nicht schaden. Wenn sie alle beieinander sind, k\u00f6nnen sie nicht weit fort sein. Bei diesem Wetter werden sie das Geb\u00e4ude nicht verlassen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e8f452592d099872f526bcede6d175f\">\u201eMerkw\u00fcrdig, dass die Kinder verschwunden sind&#8221;, sorgte sich die <em>opayra<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"ca5d959326e72b0eae58b58203aa3037\">\u201eDie werden nicht verschwunden sein, im Gegenteil. Die Eltern werden sie nicht aus den Augen lassen, nach dem, was dem jungen Althopian zugesto\u00dfen sein muss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cb3758d5174cfd8f4b7f046e20e0ed7b\">Nun schaute die <em>yarlara<\/em> besch\u00e4mt zu Boden. Was mochte es f\u00fcr einen Eindruck machen, wenn sie als einzige ihre Tochter so lange unbesorgt nicht gesucht hatte. Was mochte ihr Vater, T\u00edjnjes Gro\u00dfvater dazu sagen, dass sie das Kind schon nicht viel fr\u00fcher vermisst hatte? War sie eine so gedankenlose Mutter?<\/p>\n<p data-p-id=\"ca72856a736a245b968477444339234b\">\u201eVielleicht sind sie in den Amtsgem\u00e4chern des <em>teirand<\/em>&#8220;, schlug die <em>opayra<\/em> vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"d295d8fe7436c10891b9d801dd09a7a6\">\u201eWarum sollten sie dort sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f074327a95a9515997350ea345c31bb5\">\u201eHier im Geb\u00e4ude scheinen sie nicht zu sein, wie Ihr gerade selbst sagtet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d56e0772d6dc36a3ad5249db8dd6053\">\u201eSollten wir in der Halle Bescheid sagen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"131fba8334d6880ada0b7afd0e425ecb\">\u201eNein&#8221;, entschied der <em>mestar<\/em>. \u201eLasst uns zuerst allein Ausschau halten, bevor wir jemanden beunruhigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d1082d548cf85f941e7b7fff5d7e9c22\">Die Damen nickten zustimmend. Die <em>yarlara<\/em>, die keine Ahnung hatte, woher das Bilderbuch genommen worden sein mochte, legte es sorgf\u00e4ltig auf der Puppenburg ab, wo es nicht \u00fcbersehen werden konnte. Zerstreut betrachtete sie noch einen Moment die darum verstreuten Figuren am Boden. Es war ein gro\u00dfes, aufw\u00e4ndiges Spielzeug, und doch wirkte es so schlicht und \u00fcbersichtlich, die P\u00fcppchen im Verh\u00e4ltnis viel zu gro\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ddca05cdda20ca7a00e4a351bb2edcf\">So viele Menschen konnten doch in einer Burg nicht verloren gehen!<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"f84f7049a539fc413355ffba4af8e7dc\">Der Regen erreichte sie, als sie die W\u00fcste hinter sich gelassen und die \u00e4u\u00dfersten H\u00fcgel erreicht hatten. Advon h\u00e4tte es nicht zugegeben, aber es erleichterte ihn, dass die leere Weite sie wieder freigegeben hatte und die Chaosgeister ihnen nicht gefolgt waren. Andererseits war der Anblick der Obstg\u00e4rten und der kleinen Geh\u00f6fte darin weniger beruhigend, als er ihn im ersten Augenblick empfunden hatte. Der Regensturm hing \u00fcber ihren K\u00f6pfen fest und tauchte die Umgebung in ein seltsames, schmutziggraugelbes Licht, wie der Junge es noch nie zuvor gesehen hatte. Auch D\u00fdamir\u00e9e schien es unbehaglich zu finden. Die ersten Tropfen, die hinab fielen, waren seltsam, gro\u00df und warm und verdampften auf dem hei\u00dfen Boden, kaum dass sie ihn erreichten. Es war unangenehm schw\u00fcl.<\/p>\n<p data-p-id=\"f5d3d08ee75a2b56774638ee7a044143\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> legte den Kopf in den Nacken, versuchte wohl, sein hei\u00dfes Gesicht zu k\u00fchlen. Aber das brachte offenbar nicht die gew\u00fcnschte Linderung. Er verrieb den Regen mit seinen zerschundenen H\u00e4nden und versuchte dann, seine wilden Locken zur\u00fcckzustreichen, die ihm in die Stirn fielen.<\/p>\n<p data-p-id=\"034d88d17930a086945e5e53baf5c0a9\">\u201eIst Regen hier immer so?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e.<\/p>\n<p data-p-id=\"42bdbeecf0178206e2f2f0014adb8cbd\">\u201eWas meinst du mit <em>so<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9dbebe3d22f10690d43e65e5347186f9\">\u201eEr f\u00fchlt sich an, als k\u00e4me er aus einer ganz alten Pf\u00fctze&#8221;, erkl\u00e4rte das M\u00e4dchen. \u201eUnd er duftet nicht. Regen muss duften, wenn er auf dem warmen Boden landet. Der hier erfrischt \u00fcberhaupt nicht. Der ist nur nass.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bb1f658544a9d1f4ffe4eb48cfef5c57\">\u201eDu hast recht, D\u00fdamir\u00e9e Lagoscyre&#8221;, best\u00e4tigte der <em>b\u00e1chorkor<\/em>. \u201eDas ist kein gesunder Regen. Hoffen wir, dass er schnell abzieht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc9be83702cf1bb0d686f4c626324531\">Advon lenkte Farbenspiel gen Westen. \u201eWir sind bald wieder im Ciel\u00e1stel. Da haben wir ein Dach. In Patagh\u00edus Halle kommt der Regen nicht hinein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eb75c36d9c5331fbc8de15d9926a5786\">\u201eWas machen wir&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e, \u201ewenn der b\u00f6se alte Mann schon in der Burg ist?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5b126d61f75adb36efae53334beda9f2\">\u201eWenn es m\u00f6glich w\u00e4re&#8221;, f\u00fcgte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> hinzu, \u201ew\u00fcrde ich mich gern zun\u00e4chst verborgen halten, Advon Ir\u00edsolor.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e78de49b9b4d15f8318e6815b4b5132\">\u201eWozu? Der <em>sinor<\/em> kann dir nichts zuleide tun. Wir besch\u00fctzen dich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a893829e88d9b8fad7b6a70e94225cb5\">\u201eIch wei\u00df. Ich w\u00fcrde ihn trotzdem gern zu gegebener Zeit damit \u00fcberraschen, dass ich noch lebe und die Chaosgeister mich nicht mit sich genommen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c59fcc71f96829465a8f48114a17c3c\">\u201eDann versteckst du dich am besten im Stall bei Farbenspiel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fc84d4d67e586b1731faf9c953ab9c75\">\u201eSoll ich mich auch verstecken? Sonst wei\u00df die alte Frau doch, dass die dummen M\u00e4nner mich nicht in das Loch geworfen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9eb68ab25b85ee5a7a658c6bfa9df40a\">Der Junge dachte nach. Das war ein guter Einwand. Solange sie sich nicht erkl\u00e4ren konnten, welche Rolle Sileda\u00fa in den Machenschaften des alten <em>sinor<\/em> spielte, war es wohl das Vern\u00fcnftigste, D\u00fdamir\u00e9e so lange versteckt zu halten, bis er entweder mit seiner Mutter oder seinem Vater allein w\u00fcrde reden k\u00f6nnen. Oder &#8230; nein. Nicht mit seinem Vater. Nicht, solange er sich nicht erkl\u00e4ren konnte, warum der das M\u00e4dchen aus dem fernen Wald mit dem gro\u00dfen See verschleppt hatte. Daf\u00fcr, dachte Advon verbittert, musste es eine sehr gute Entschuldigung geben, eine, die das nicht Nachvollziehbare auf eine Weise erkl\u00e4rte, die er akzeptieren konnte. Es durfte ganz einfach nicht sein, dass sein Vater, der geliebte, der, zu dem er aufsah und grenzenloses Vertrauen hatte, sich von den Launen einer alten dummen Frau lenken lie\u00df.<\/p>\n<p data-p-id=\"7ec4c983b095499173649d413618251c\">\u201eGal\u00e9on&#8221;, fragte er, \u201ekannst du auf D\u00fdamir\u00e9e aufpassen, bis ich meine Mutter eingeweiht habe?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e7f12861b792a709ea22f05e5178b0f\">\u201eIch brauche niemanden, der auf mich aufpasst!&#8221;, begehrte D\u00fdamir\u00e9e auf. \u201eIch bin doch schon gro\u00df!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b64651f45e95ab7c7a241e8cd0e20aa\">\u201eAber ich <em>darf<\/em> auf dich aufpassen?&#8221;, fragte der <em>b\u00e1chorkor<\/em> diplomatisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"826b0bb76771e62fefa21b410f40b23d\">Sie \u00fcberlegte einen Moment. Dann seufzte sie tief.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff501ba3bc20031b6102e0cd6e115f71\">\u201eIch will zu meiner Mama&#8221;, gestand sie dann. \u201eUnd zu meinem Papa. Ich mag hier nicht sein. Das hier f\u00fchlt sich <em>ekelig<\/em> an. Der Regen macht uns schmutzig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"23e3857ccef9ef3e2cf1f32adfcae014\">Advon trieb Farbenspiel an. Das Einhorn schnaubte und trabte weiter. Besonders gro\u00dfe Lust, im Regen zu sein, hatte der Hengst nicht. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schwankte und hielt sich mit einer Hand an Farbenspiels unterem Fl\u00fcgelknochen, w\u00e4hrend er mit der anderen das M\u00e4dchen an sich dr\u00fcckte. F\u00fcr einen Unkundigen, der mit Sicherheit nie zuvor auf einem Einhorn geritten war, gelang ihm das bemerkenswert gut.<\/p>\n<p data-p-id=\"e080adf7a48536d2304ae908530b2a24\">\u201eWoher kommst du eigentlich, Gal\u00e9on?&#8221;, fragte der Junge. \u201eBist du aus Aur\u00f3p\u00e9a?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"629ae0b373a330582a49e2fc615f3e8d\">\u201eNein. Ich bin weiter n\u00f6rdlich geboren worden. Aber ich habe lange Zeit in Aur\u00f3p\u00e9a verbracht. Ich denke, ich bin schon \u00fcberall gewesen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3098960c7fd0f0cfa01c92f15043ef65\">\u201eAuch am gro\u00dfen Meer?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e begierig.<\/p>\n<p data-p-id=\"f352f34d132f6909099d6e561b08becb\">\u201eIch war sogar auf den Inseln des <em>teirandon<\/em> Ov\u00e9stola.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e7f4d335027d0951f33a2fd16b8cbcff\">\u201eDavon musst du uns unbedingt erz\u00e4hlen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"17da042c606ad8bfeb5c83bed04227de\">\u201eSp\u00e4ter. Im Trockenen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c31be9a465688212381235102f4c46d6\">\u201eWarst du auch schon einmal im Boscarg\u00e9n?&#8221;, wollte D\u00fdamir\u00e9e wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"037e9272066d368951739553feef57e1\">\u201eJa, auch da bin ich gewesen. Es ist wundersch\u00f6n dort!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a4a6ca2c0a7ce9559316dfc4204d8e8e\">\u201eWann denn?&#8221;, fragte das Schattens\u00e4ngerm\u00e4dchen gespannt. \u201eWann bist du bei uns im Wald gewesen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9b86a77c64dcf593a6991847858f713\">\u201eDas &#8230; ist schon ein paar Sommer her. Sicherlich noch bevor du geboren wurdest,&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e1fb56caf59d1c754ec67a9ac4f82a0a\">\u201eAha.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0145dec581b4adf0e89511e2e86b61c8\">Advon horchte auf. Etwas in ihrer der Stimme erregte seine Aufmerksamkeit. In dem einen kurzen Wort lag eine lange, unausgesprochene Frage. Aber er kam nicht dazu, nachzuhorchen, denn Farbenspiel schlug pl\u00f6tzlich aufgeregt mit den Fl\u00fcgeln und wurde noch schneller. Er setzte wieder zu seinem flatternden Gleitflug von H\u00fcgel zu H\u00fcgel an. Der Regen verst\u00e4rkte sich derweil, und was als einzelne Wassertropfen begonnen hatte, wurde in wenigen Atemz\u00fcgen zu einem stetigen Fluss. Wie d\u00fcnne F\u00e4den, wie Wasserstrahlen aus einer Gie\u00dfkanne st\u00fcrzte das Wasser nieder. Advon hatte in seinem Leben zwar schon einige Male starke Regenf\u00e4lle erlebt, jedoch niemals in dieser Art und Weise. Der Junge kniff die Augen zusammen. Die Sicht wurde schlechter, und immer, wenn Farbenspiel nach einem Satz von H\u00fcgel zu H\u00fcgel auf dem Boden aufsetzte, platschte er in schlierige Pf\u00fctzen hinein.<\/p>\n<p data-p-id=\"c6ccc588e48ab5f0bfcec50e586cae86\">Dem Ciel\u00e1stel kamen sie dabei schnell n\u00e4her, aber das sonst in allen Regenbogenfarben blitzende und schillernde Geb\u00e4ude hatte vor der massiven Wolkendecke seinen magischen Glanz eingeb\u00fc\u00dft. Durch den Regen hindurch erschien die Burg farblos und trist, fast transparent und kaum noch auszumachen vor dem Himmel, an dem Patagh\u00edu derzeit keine Macht hatte. Der Junge schauderte. Klatschnass war er zwischenzeitlich, seine Kleidung klebte schwer an seinem Leib. Vor ein paar Gongschl\u00e4gen war von diesem Unwetter noch nichts zu ahnen gewesen. Und nun begann es in den Wolken auch noch, zu flimmern und gespenstisch zu flackern.<\/p>\n<p data-p-id=\"12ad9ac38ba1070b772d09381e0b2ad7\">Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> blickte auf und betrachtete das Wetterleuchten mit unverhohlener Besorgnis.<\/p>\n<p data-p-id=\"424dc10f00b2b26166197a80f9e1efd2\">\u201eEs hat mit den Chaosgeistern zu tun, nicht wahr?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e. Ihre schwarzblauen Haare klebten ihr nass im Gesicht. \u201eDu wei\u00dft, was das ist, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f68724254f5adef9dc7f47343810dcf1\">\u201eNein. Ich wei\u00df es nicht. Aber ich denke mir, was es sein <em>k\u00f6nnte<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d62a258e3df5f4a3d0e8a7fcc63d35db\">\u201eSind wir im Ciel\u00e1stel sicher, Gal\u00e9on?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75140616c77fb45173bec3dc8a3452a7\">\u201eEs gibt derzeit keinen sichereren Ort.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bbe1a833fd41f9a639486e8455b8fcc9\">Advon seufzte. Es w\u00e4re ihm lieber gewesen, wenn der <em>b\u00e1chorkor<\/em> das anders formuliert h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"0605bfc55545e5609e12daab0761b06e\">\u201eLos, Farbenspiel! Gib alles, was du hast! Und ihr zwei, haltet euch fest!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01bd71d170df88a158a34591318adcc3\">Farbenspiel streckte sich und stie\u00df sich kr\u00e4ftig mit beiden Schwingen ab. Nun schlug ihnen der rinnende Regen scharf ins Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b290272c90d1c283b283b09e0146643\">\u201eIch sehe nichts mehr!&#8221;, beschwerte D\u00fdamir\u00e9e sich.<\/p>\n<p data-p-id=\"6690bb7386f9a2c6b6ab63be7a9f334e\">\u201eDann lass die Augen zu. Farbenspiel kann blind fliegen. Wir sind bald da! Wir &#8230;&#8221; Er unterbrach sich und kniff die Lider zusammen. Dort unten, schwer zu erkennen durch die Wasserschleier, bewegte sich etwas auf der Stra\u00dfe. Oder, besser gesagt, ein ganzes St\u00fcck <em>neben<\/em> der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p data-p-id=\"12dfb7f72c1ba08ae0ddd7f99de3b693\">\u201eDa sind Leute unterwegs!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a83a93c99244f959bcff46b0239c3722\">\u201eHier? Jetzt?&#8221; Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> nahm das M\u00e4dchen fest in den Arm und neigte sich an Advon vorbei, um sehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"17ca94b024d2ca45db8f151585492c52\">\u201eJa. Die wollen wohl zum Ciel\u00e1stel.&#8221; Advon zupfte Farbenspiel an der M\u00e4hne, die nun schwer und verklumpt seitlich an dessen Hals pappte. \u201eHe, Farbenspiel! Runter. Die Unkundigen laufen direkt in den Matsch hinein und bleiben stecken!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4e958730443e5851ab0f8860c65b87e7\">Das Einhorn schnaubte unwillig, tat aber brav, wie ihm gehei\u00dfen wurde.<\/p>\n<p data-p-id=\"05200df8d106d2209a0a89d0f9254f3b\">\u201eUnd wenn das der b\u00f6se alte Mann ist?&#8221;, gab D\u00fdamir\u00e9e zu bedenken.<\/p>\n<p data-p-id=\"dd83aae492177aa208229f8005ae9d6e\">\u201eIst er nicht. Ich hab den <em>sinor<\/em> schon einmal gesehen. Da reist jemand in einer vornehmen S\u00e4nfte, mit einem Reiter dabei. Wahrscheinlich k\u00f6nnen sie vom Erdboden aus kaum noch sehen, wohin sie laufen. Wir m\u00fcssen ihnen helfen, bevor sie in die W\u00fcste abkommen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c33b84f100dda34b688ed7e257b0265\">Farbenspiel segelte dem Erdboden entgegen, preschte durch die Wasserlachen, die sich im Sand gebildet hatten, und erschreckte das Pferd, das einen bis auf die Knochen durchn\u00e4ssten jungen Mann trug. Die Maultiere, die die S\u00e4nfte trugen, scheuten, aber der Knecht, der sie f\u00fchrte, hatte sie schnell wieder unter Kontrolle.<\/p>\n<p data-p-id=\"a1dd4165d472d992a8a5f13d9a85f8ee\">Der Vorhang, der die Insassen der S\u00e4nfte vor neugierigen Blicken sch\u00fctzte, aber die Feuchtigkeit nicht abhalten konnte, wurde ein St\u00fcck weit aufgeschoben. \u201eWas ist hier los?&#8221;, rief eine alte M\u00e4nnerstimme.<\/p>\n<p data-p-id=\"0d2172cf0821695a50ec3deebcfcd99e\">Der junge Reiter brachte sein Pferd zum Stehen und schob sich seinen Hut aus der Stirn.<\/p>\n<p data-p-id=\"7b7ed952f54ac62403c5b4f558af61a7\">\u201eHe!&#8221; Advon z\u00fcgelte sein Reittier. \u201eIhr kommt vom Weg ab. Wollt ihr zum Ciel\u00e1stel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"525e74e0ce91a3c7547bbd002bb8ac15\">\u201eJa&#8221;, rief der Reiter ihm entgegen. \u201eDer Gro\u00dfmeister schickt uns, um dort Schutz vor dem Unwetter zu suchen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bdfe70749d26a8bf9370cda3e9885911\">\u201eIhr kommt vom Weg ab und strebt zur W\u00fcste! Folgt uns! Wir wollen auch schnell in die Burg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cd9064297682a9f0a76c0664e5c47058\">Der Reiter z\u00f6gerte. Dann trabte er zur S\u00e4nfte hin\u00fcber, neigte sich herab und wechselte einige Worte mit den Personen darin.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c3a387df55b58d5f587a7e2fd6874aa\">\u201eWer sind die?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e neugierig.<\/p>\n<p data-p-id=\"d37df47dbee8f1289a3f037bd3a85a53\">\u201eDas ist ein <em>maedlor<\/em>&#8220;, fl\u00fcsterte Gal\u00e9on. \u201eEin Bediensteter des <em>konsej<\/em>. Und diese S\u00e4nfte kommt mir bekannt vor. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"4addecaa1d0d69dcf6023631de27e369\">\u201eMusst du dich vor denen auch verstecken?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e ernsthaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"dad1a6acdaae1594d05b84b138441161\">\u201eNein. Ich hoffe, dass sich diese Geschichte gekl\u00e4rt hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"612642b3c5986174b5b2a2571a052055\">Der Reiter hatte sich seine Anweisungen geholt und kam, die S\u00e4nfte dicht hinter sich, zu ihnen. Advon warf einen neugierigen Blick in das Innere und erblickte dort zwei uralte Leute, einen Mann und eine Frau, beide m\u00f6glicherweise betagter, als Sileda\u00fa es war. Die Frau sah erschreckend aus, aber wie er auf den zweiten Blick erkannte, lag das daran, dass die aufw\u00e4ndige Schminke, die sie im Gesicht getragen hatte, durch den Regen v\u00f6llig zerlaufen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"72a2840f13aa963a7f47258e02529a29\">Der alte Mann schaute mit tr\u00fcben, aber aufmerksamen Augen zu dem Kind auf dem Einhorn auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"9ac2edf50b77fa83e93da6ba415c2b1b\">\u201eBist du etwa der Sohn des Gro\u00dfmeisters?&#8221;, fragte der Alte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c9b49abf4d91e717d6457fb89eda7658\">\u201eIch bin Advon Ir\u00edsolor. Wollt Ihr mit uns bis zur Burg reisen? Wir haben es aber wirklich sehr eilig!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6aa2063f0f6b245b4a2b86df217e3fe2\">\u201eNat\u00fcrlich bist du der Junge&#8221;, sagte die alte Dame mit warmer Stimme. \u201eM\u00f6ge es den M\u00e4chten gedankt sein, dass du wohlbehalten bist! Dein Vater war so sehr in Sorge!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a83017cc068467503431e88fbeecf4ea\">\u201eMein Vater?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3011863c5296b66e17b65e6826f4161e\">\u201eIn die W\u00fcste ist er geflogen, um dich zu suchen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"050978d16708e347dd8ede7edaa2fc21\">Advons Herz hob sich. Sein Vater war auf der Suche nach ihm? Jetzt? Im Regen? Angesichts des drohenden Sturms? \u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, murmelte er entsetzt.<\/p>\n<p data-p-id=\"5aff2c6888c5c8ea9df70befcb0b8675\">Der Alte neigte sich hinaus, um besser sehen zu k\u00f6nnen. Als er den <em>b\u00e1chorkor<\/em> erblickte, schien er ernsthaft betroffen. Dann l\u00e4chelte er \u00fcber sein von tiefen Falten gezeichnetes Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"a9be423195709735daa69281ba25ef03\">\u201eDa haben die Kinder dich also gerettet&#8221;, sagte er ruhig.<\/p>\n<p data-p-id=\"50790bdf732026810873e4d4026e7e10\">\u201eHabt Ihr meine Botschaft entschl\u00fcsselt?&#8221;, fragte Gal\u00e9on r\u00e4tselhaft.<\/p>\n<p data-p-id=\"727518285dd93517fcef6cfd80c6726b\">\u201eDeshalb sind wir auf dem Weg zu den <em>arcaval&#8217;ay<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a3fbe441a4c9d0e5e6f2093824463a6\">\u201eMit einem Anliegen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"495417974baf72716bd2b4fc37c91054\">\u201eMit einer Warnung.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1a532f0f55d8cb1d27974a23846844cd\">Advon verstand nicht, wovon gesprochen wurde, aber da der <em>b\u00e1chorkor<\/em> erleichtert nickte, schien es zumindest etwas Erfreuliches zu sein, \u201eNun, da ich meine Sprache zur\u00fcck habe&#8221;, antwortete der junge Mann ruhig, \u201eschw\u00f6re ich Euch bei allen M\u00e4chten, dass ich nichts mit dem Diebstahl zu tun habe, ehrenwerter <em>sinor<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d6e9b56b0e91f56f624c34bca52473e\">Noch ein <em>sinor<\/em>? Aber was f\u00fcr ein Diebstahl? Advon warf einen verwirrten Blick \u00fcber die Schulter, doch Gal\u00e9on sah nicht so aus, als wolle er noch etwas hinzuf\u00fcgen. Ganz abgesehen davon, dass er triefnass war, bot der junge Mann ein Bild des Jammers.<\/p>\n<p data-p-id=\"180ccb9a62df54a1902b6e1dfcd1b0b3\">\u201eWirst du als Zeuge gegen \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 sprechen?&#8221;, fragte der <em>sinor<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"bccc36556611703cd7796a4c7acc777f\">\u201eMit Freuden, Herr. Nachdem die <em>arcavala&#8217;ay <\/em>ihr Urteil gesprochen haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fb8fb7219e85be5bb8d6516b3eb800c\">\u201eUnd du&#8221;, sagte die alte Frau mit sanftem Blick auf D\u00fdamir\u00e9e, \u201edu bist das T\u00f6chterchen des Schattens\u00e4ngers, nicht wahr? Den M\u00e4chten sei es gedankt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a0e891702075165e03c83fc68414fc9c\">\u201eWoher wisst ihr das?&#8221;, fragte D\u00fdamir\u00e9e \u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"efb5c7fd465ca25b7aea72f5f065ddae\">\u201eEr ist in Sorge um dich, Kleines! Er sucht nach dir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7b6e69cb59e47e2750bf639205d353d4\">\u201eIhr habt meinen Papa gesehen?&#8221; D\u00fdamir\u00e9e begann aufgeregt, in Gal\u00e9ons Armen zu zappeln. \u201eWo ist er? Wo ist mein Papa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64e0a82627f676c0ccda75a644ecb9df\">\u201eEr ist in die W\u00fcste gelaufen&#8221;, sagte der <em>maedlor<\/em>, der sich vielleicht in Erinnerung bringen wollte. Er klang recht unwillig, geradezu ver\u00e4rgert. \u201eEr schickte uns auf den Weg und war dann hinter den Gro\u00dfmeister her, als sei ihm ein Chaosgeist auf den Fersen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e27bc89857506236a6ef802d1a982968\">Die Kinder wechselten betroffene Blicke miteinander. Der <em>b\u00e1chorkor<\/em> schloss m\u00fcde die Augen.<\/p>\n<p data-p-id=\"40b4e1612f57d47450ff1177926d7384\">\u201eKeine Angst&#8221;, sagte D\u00fdamir\u00e9e schlie\u00dflich. Advon f\u00fchlte ihre kleine Hand tr\u00f6stend auf seiner Schulter. \u201eMein Papa wird deinen besch\u00fctzen.&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2634","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2634","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2634"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2634\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3714,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2634\/revisions\/3714"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2634"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2634"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2634"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}