{"id":2632,"date":"2025-08-25T13:25:25","date_gmt":"2025-08-25T11:25:25","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2632"},"modified":"2025-08-31T23:10:11","modified_gmt":"2025-08-31T21:10:11","slug":"105-magischer-muell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/105-magischer-muell\/","title":{"rendered":"105: Magischer M\u00fcll"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"be970b925d934f815dfc5d8592276cc7\">Der Violette war durch den einsetzenden Regen gerannt, so schnell er nur konnte. Von der Burg bis zu den G\u00e4rten, wo sich die Weide f\u00fcr die Einh\u00f6rner befand, war es nicht allzu weit, aber der Regen schien den Boden aufzuweichen und zu einer z\u00e4hen Masse zu machen, wo immer sich eine Pf\u00fctze bildete. Das Leuchten und Flimmern in den Wolken war unheimlich, und dem Ritter wurde immer klarer, dass es unter gar keinen Umst\u00e4nden mit diesem Wetter mit rechten Dingen zuging. Etwas hatte sich \u00fcber dem Ciel\u00e1stel zusammengebraut und war in solcher Eile riesig geworden, dass es ihn entsetzte, ungeachtet all dessen, was er bereits an Gefahren bestanden, bek\u00e4mpft und niedergerungen hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"46ce923988041e406ca1085843f252ce\">Es w\u00fcrde schlimm werden. Und sicherlich hatte es etwas damit zu tun, dass die Schattens\u00e4nger die f\u00fcrchterliche Waffe herbeigebracht hatten, wenn auch sicher nicht aus b\u00f6sem Willen. <em>Arcaval&#8217;ay<\/em> konnten Seelen lesen, und die der sch\u00fcchternen Schattens\u00e4ngerin w\u00e4re nicht dazu imstande gewesen, etwas Feindseliges zu tun, im Gegenteil. Diese Frau hasste Unfrieden und Gewalt.<\/p>\n<p data-p-id=\"30c27690beb339abb514e90119b634c5\">Aber die Einh\u00f6rner, die brauchten sie nun, schnell und dringend in ihrer N\u00e4he. Wenn es schlimm w\u00fcrde, wenn es n\u00f6tig w\u00fcrde, den Ciel\u00e1stel, Aur\u00f3p\u00e9a und das Weltenspiel zu besch\u00fctzen, vor was auch immer sich da gerade seine Bahn brach, dann <em>brauchten<\/em> sie ihre R\u00f6sser.<\/p>\n<p data-p-id=\"6bcb240791bb6027793644a6023eb69d\">Die Einh\u00f6rner standen eng beieinander unter den Steinpalmen am Rande der Weide. Die Tiere blickten ihm vorwurfsvoll entgegen, als er sich n\u00e4herte. Sie waren nass und trugen ihre Schwingen so fest geschlossen am K\u00f6rper, wie es nur m\u00f6glich war. Keines von ihnen sch\u00e4tzte es, im Regen zu stehen: schon gar nicht in Regen, der sich so unangenehm anf\u00fchlte. Farbenspiel war nicht bei ihnen. Der Plan, das entflogene Einhorn einzufangen, indem man ihm die Herde pr\u00e4sentierte, war also nicht aufgegangen. Bedauerlich, aber nicht zu \u00e4ndern. Wahrscheinlich war der junge Hengst doch in die W\u00fcste hinausgeflogen, oder er verw\u00fcstete gerade einen Obstgarten.<\/p>\n<p data-p-id=\"b666c2411e853058cd8f5e19483217e7\">Und der Junge? Ob der Goldene wenigstens seinen Sohn hatte aufsp\u00fcren k\u00f6nnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"494562c49e53f2875783495bf2845f96\">So viel Missgeschick und Sorge, und alles zur gleichen Zeit! Ganz so, als sei es einer unbekannten Macht in den Sinn gekommen, so viel Unordnung und Hektik als m\u00f6glich zu veranstalten.<\/p>\n<p data-p-id=\"adbafe975b9434c412e27c67f49839de\">Der<em> arcaval&#8217;ay <\/em>lockte sein eigenes Reittier an. An einem sch\u00f6nen, sonnigen Tag h\u00e4tte ihn das einige Zeit gekostet, denn in der Regel versuchten die Einh\u00f6rner, ihre Weidezeit trickreich auszudehnen. Aber diesmal setzte sich das amethystfarbene Einhorn bereits in Gang, noch bevor er danach rufen musste. Unaufgefordert schlossen sich die sieben anderen an. Der Violette versuchte einen kleinen Bannzauber, der funktionieren sollte, als f\u00fchre er jedes einzelne an einem Halfter, aber zu seiner Beunruhigung brachte er nicht mehr zustande als ein d\u00fcnnes, substanzloses B\u00e4ndchen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e9877b7d90f27651e486480ba415a65d\">Der verfluchte Regen. Das Wasser. Es versuchte, die <em>maghiscal<\/em> aufzul\u00f6sen, die Patagh\u00edu ihnen gegeben hatte, um in diesem Weltenspiel zu bestehen. Wie ein Br\u00f6ckchen Salz in einer siedenden Suppe.<\/p>\n<p data-p-id=\"d4062b6a716655806e0e04de43db90fa\">Nun, die Einh\u00f6rner w\u00e4ren brav. Trockenheit, weiches Stroh und gutes Futter w\u00fcrde sie eher \u00fcberzeugen als ein magisches Zaumzeug. Der Ritter erklomm sein Ross, versuchte, sich damit zu beruhigen, dass ihm schlimmstenfalls die ganze Herde auseinander preschen und hernach m\u00fchsam aus den Obstg\u00e4rten zu entfernen w\u00e4re, und trieb es in die Luft. Es galt, keine Zeit zu verlieren. Es war ihm nicht wohl dabei, die <em>faj\u00eda<\/em> allein mit der <em>camatay&#8217;ra<\/em> und dem <em>sinor<\/em> zu lassen, der sich so ungew\u00f6hnlich verhielt. Die Gro\u00dfmeisterin w\u00fcrde ihren Beistand ben\u00f6tigen, den aller <em>arcaval&#8217;ay<\/em>. Auch den des Gro\u00dfmeisters, mochten die M\u00e4chte ihn in diesem Sturm besch\u00fctzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"f4b6c678abc31627e8310e1ca1859c2f\">W\u00e4hrend er auf seinem violetten Einhorn voran galoppierte, die anderen wie einen ungeordneten Regenbogen im Schlepp, wurde das Flimmern in der grauen Wolkendecke immer heller. Aber es machte die tr\u00fcbe Welt unter dem Regen nicht bunter.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"5ac384ec562ed433c894890c847d9fcb\">Der <em>sinor<\/em> \u00daldaise betrat Patagh\u00edus Halle mit einer solchen Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass es meinen Verdacht noch mehr best\u00e4rkte. Mit diesem alten Mann, diesem W\u00fcrdentr\u00fcger aus der gro\u00dfen Stadt, stimmte etwas nicht. Lag es an meiner Unwissenheit, dass ich dem Greis mit solchen Vorbehalten begegnete? War diese an Arroganz grenzende Selbstverst\u00e4ndlichkeit, diese Hochn\u00e4sigkeit gegen\u00fcber den Magiern normal bei den Einwohnern von Aur\u00f3p\u00e9a, oder zumindest unter den M\u00e4chtigen unter ihnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"09243e99b0bcb2c3fa823093750e179f\">Yalomiro hatte mir einmal erz\u00e4hlt, dass in all der Zeit nur wenigen Unkundigen das Privileg zuteilgeworden war, den Eta\u00edmalon, beziehungsweise Nokt\u00e1mas Saal zu betreten, und das war \u00fcblicherweise in Verbindung mit Notsituationen oder unter ganz au\u00dfergew\u00f6hnlichen Umst\u00e4nden geschehen. Doch selbst wenn die Regenbogenritter es mit ihrem Heiligtum anders hielten, erschien es mir respektlos, wie der alte Mann eintrat, mit seinem Gehstock auf den schimmernden Boden klopfte und sich so steif vor Elos\u00e1l verneigte, dass es fast gelangweilt wirkte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6f7e4f40950dbe6ddd6e99a59d762744\">Sie neigte h\u00f6flich den Kopf vor ihm, hielt es ihrerseits aber nicht f\u00fcr n\u00f6tig, sich zu erheben.Ich schaute mir das interessiert an. Vielleicht w\u00fcrde ich aus dem lernen, was und wie sie es nicht sagte und tat.<\/p>\n<p data-p-id=\"f768e41e0d766c31ac4082f8f7782b3c\">\u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 richtete sich wieder auf. Dabei fiel sein Blick auf den Stab zu Elos\u00e1ls F\u00fc\u00dfen und blieb f\u00fcr einen etwas zu langen Augenblick daran h\u00e4ngen.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc67fb09a284f9e5f932f37b739ff443\">\u201eIch bin hocherfreut&#8221;, behauptete die <em>faj\u00eda<\/em>, \u201edass Ihr unsere Einladung angenommen habt, ehrenwerter <em>sinor<\/em>. Und ich bin untr\u00f6stlich, dass gerade heute dieses \u00fcberaus seltsame Wetter Eure Reise erschwert haben mag. Wisset, dass Ihr hier unter unserem Dach sicher seid.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00f96a50fd70ea64f3e5bcc87c16edb1\">\u201eIch hoffe&#8221;, sagte er und lie\u00df seine Blicke wie suchend durch den Raum schweifen, \u201edass ich Aufkl\u00e4rung in das bringen kann, was immer Ihr von mir erfahren wollt. Das Wetter kam wirklich sehr \u00fcberraschend und heftig.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"02963a2b8ea0957dce570d11208146ef\">\u201eSetzt Euch&#8221;, forderte Elos\u00e1l ihn auf, w\u00e4hrend der Indigofarbene mit einem prachtvollen Klappsessel herbeikam, ein Kissen in der anderen Hand. Wo mochte er das so schnell hergenommen haben? Obwohl &#8230; vielleicht war die alte Frau regelm\u00e4\u00dfig in diesen R\u00e4umlichkeiten zugegen gewesen und man hatte sich bem\u00fcht, auch f\u00fcr ihre Bequemlichkeit zu sorgen. W\u00e4hrend der Magier die Sitzgelegenheit besorgt hatte, waren nach und nach auch die \u00fcbrigen Ritter, mit Ausnahme des Violetten, wieder erschienen. Offenbar waren sie bei ihrer Suche nach der Alten erfolglos geblieben. Wie sonderbar, dachte ich. Die Greisin konnte sich in dieser kurzen Zeit schlie\u00dflich nicht in Luft aufgel\u00f6st oder so weit von der Burg entfernt haben, dass die Magier sie aus ihren Sinnen verloren h\u00e4tten.<\/p>\n<p data-p-id=\"2c068baded27bbcb16b28670d73e8c40\">Ich wusste nicht so recht, wohin mit mir und stellte mich an die Seite des Indigofarbenen, wo ansonsten wohl der Violette Stellung bezogen h\u00e4tte. Von dort aus konnte ich das Gesicht des Alten unter meinem Schleier unauff\u00e4llig betrachten.<\/p>\n<p data-p-id=\"299bec4bf5b8b8db76023c81b8a74ce3\">Ich sp\u00fcrte aber auch die Unruhe, die die f\u00fcnf hinzugekommenen Ritter zu packen schien, als sie den Stab bemerkten. Das war unheimlich und mir zutiefst unangenehm. Und doch lie\u00df keiner von ihnen sich anmerken, wie entsetzt sie waren. Ich versuchte, mir vorzustellen, was sie f\u00fchlen mochten. Vielleicht war es f\u00fcr sie, als betrachte man etwas, das einem Angst machte, aus der N\u00e4he, aber hinter dem Schutz einer dicken Glasscheibe. Eine giftige Spinne, zum Beispiel.<\/p>\n<p data-p-id=\"94610b272d745065f4c5917a8aa71e80\">W\u00e4hrend ich dar\u00fcber nachdachte, fiel mir aber zugleich noch etwas ganz anderes auf. Das unangenehme, hei\u00dfe, schwindelerregende Gef\u00fchl von Gold und Heller Magie in Patagh\u00edus Halle erschien mir deutlich abgek\u00fchlt zu sein. Ich sp\u00fcrte nach wie vor das Gold und die <em>maghiscal<\/em> der Ritter, aber es war fast ertr\u00e4glich geworden. <em>Gew\u00f6hnte<\/em> ich mich so sehr daran? Oder d\u00e4mpfte etwas die unangenehmen Gef\u00fchle?<\/p>\n<p data-p-id=\"5c573d91debcddb654c0216d7567c0cd\">\u201eWo ist der Gro\u00dfmeister?&#8221;, fragte der <em>sinor<\/em> mit Blick auf den leeren Thron.<\/p>\n<p data-p-id=\"90d4e044f5e0d0ac436153c02ea6fd48\">\u201eEr wird bald hier sein. Er ist kurz vor Eurer Ankunft mit einer wichtigen Sache ausgeritten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d64d1c9d3164edeb41c4ee2a0aceda9a\">\u201eSo? Obwohl ich angek\u00fcndigt war, hat er das Haus verlassen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"925267cefc289c257a8d110751f50bf6\">\u201eDas Wetter wird ihn \u00fcberrascht und aufgehalten haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"35017b057e0e292a26809e02e01f8901\">\u201eGut. Und was macht Eure unkundige G\u00e4stin hier unter Euersgleichen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a62628c11782f1b991ff98e0e55003f8\">\u201eIch <em>will<\/em>, dass sie hierbleibt&#8221;, sagte Elos\u00e1l. \u201eSt\u00f6rt euch nicht daran.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6af28cc2bb9182a97cda67455316d655\">\u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 lie\u00df sich in dem Sessel nieder, stellte seinen Gehstock mit einem so scharfen Klacken zwischen seinen F\u00fc\u00dfen ab, dass ich bef\u00fcrchtete, die hauchd\u00fcnne Kristallfliese darunter n\u00e4hme Schaden, und st\u00fctzte sich auf den Knauf. Sein grauer Blick richtete sich fest auf die <em>faj\u00eda<\/em>, nicht ohne zuvor eine Winzigkeit zu lange an dem Stab haften zu bleiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"56d6073e058d357a4646a21425b8d19e\">Warum fragt er nicht danach?, dachte ich. Das Artefakt lag so offensichtlich vor Elos\u00e1l auf dem Fu\u00dfboden, dass es geradezu danach schrie, beachtet zu werden. Es zum Anlass f\u00fcr h\u00f6fliches Vorgepl\u00e4nkel zu nehmen w\u00e4re nicht unversch\u00e4mter gewesen, als sich \u00fcber meine Anwesenheit zu wundern.<\/p>\n<p data-p-id=\"400a96ec132296983413f63198461afb\">\u201eIch habe nach Euch schicken lassen, weil ich mit Euch \u00fcber die Vorkommnisse in Eurem Garten reden m\u00f6chte&#8221;, begann Elos\u00e1l.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c6e9c877c34e1a5b21e7964f76233f8\">\u201eBei den M\u00e4chten! Was ist es, das euch an diesem unbedeutenden kleinen Vorfall so fasziniert? Es sind ein paar alte taube B\u00e4ume abgebrannt, eure Ritter haben dankenswerterweise ein \u00dcbergreifen des Feuers verhindert und der Brandstifter ist nach Gesetz und Gerechtigkeit verurteilt und gerichtet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3d6945dc137dffe83f44d78f9b6c3e16\">\u201eNun&#8221;, sagte Elos\u00e1l, \u201ehabt Ihr herausfinden k\u00f6nnen, mit Gesetz und Gerechtigkeit, warum man Euren Garten verbrannt hat?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"59f3cbd3ce5a938f3a3b9339e9eec26a\">\u201eIch kann es mir denken. Ich wei\u00df, dass das Pack in Aur\u00f3p\u00e9a mich nicht sch\u00e4tzt. Wir bem\u00fchen uns mit harter Hand, den Frieden und die Ordnung in der Stadt aufrecht zu erhalten, und doch flammen immer wieder kleinere Akte des Aufruhrs auf. Nichts, was Euch in Eurer Burg beunruhigen w\u00fcrde.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d46e0f41642a3348105eb8519e8a864\">Elos\u00e1l seufzte lautlos. Ich war \u00fcberrascht \u00fcber den Ton, den der alte Mann anschlug und der keinen Zweifel daran lie\u00df, dass er sich jegliche Einmischung der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> verbat. Die Ritter schienen bemerkenswerterweise weder emp\u00f6rt noch \u00fcberrascht zu sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"2f6e0a03e7fbb7084bbf8e8b25963d39\">\u201eWir haben uns erlaubt&#8221;, sagte Elos\u00e1l, \u201edie Brandstelle zu untersuchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3a06f1457541dc7bbed6583fad827159\">\u201eDas stand Euch nicht zu. Das ist eine Angelegenheit, die allenfalls den <em>konsej<\/em> betrifft.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ae3da8318076e45d664d85b4d5736fa\">\u201eDer <em>Brand<\/em> interessiert uns nicht!&#8221; Nun erhob Elos\u00e1l sich so unvermittelt und energisch, dass \u00daldaise unwillk\u00fcrlich zur\u00fcckzuckte. \u201eAber Euer Garten birgt ein Geheimnis, das meinesgleichen sehr wohl etwas angeht. Habt Ihr von der H\u00f6hle auf dem Grundst\u00fcck gewusst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"05a2ff8fa5fa248aa01e2307f09fb436\">Der Alte seufzte. \u00dcberrascht war er nicht. \u201eSelbstverst\u00e4ndlich&#8221;, sagte er gelangweilt. \u201eEine uralte nat\u00fcrliche Zisterne. Als das Wasser darin noch h\u00f6her stand, war der Garten ausgesprochen fruchtbar.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb90c323c13b4e6efd81a720bd765873\">\u201eDann wisst ihr auch, dass in dieser Zisterne Menschen ums Leben gekommen sind?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"65299731346d370eecdec4aa503f0d4b\">Was? Das war f\u00fcr mich eine neue Information. Ich warf der <em>faj\u00eda<\/em> einen fragenden Blick zu, den sie jedoch unter meinem Schleier wohl kaum wahrnehmen konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd5fa9eae4cb9291080d14f3a123d98c\">\u201eWann soll das geschehen sein?&#8221;, fragte der <em>sinor<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"8f0f75e7b54833efcb9028366c4866d0\">\u201eDem Zustand ihrer sterblichen \u00dcberreste zufolge&#8221;, sagte einer der Ritter, der Gr\u00fcne, \u201evor vielen Dutzenden Wintern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4b39031bf77c9e34f4c8e798e6348e28\">\u201eIch werde veranlassen, dass man diese &#8230; \u00dcberreste birgt und formell bestattet. Sonst noch etwas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d688dfc3a6c2d7ba5189449d71b7b9b8\">\u201eJa. \u00dcberreste, die sich nicht bergen lassen. <em>Magische<\/em> \u00dcberreste.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"42b12b6fc0bdcf8a3dce06ebe0faa134\">\u201eMagische <em>\u00dcberreste<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fd9d341141bb4f75752bacbe9a5c80d8\">\u201eWir glauben&#8221;, sagte Elos\u00e1l ruhig, \u201edass wir nach all der Zeit den Ort gefunden haben, an dem der Mann das Weltenspiel verlassen hat, der seinerzeit das Chaos zu entfesseln wagte.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2b42387872397a3a9940b537708ccc37\">Nun hatte ich es ganz deutlich gesehen. \u00daldaises Blick war zu dem Stab zu ihren F\u00fc\u00dfen hin gezuckt.<\/p>\n<p data-p-id=\"794c83dbffabc6854e3f6c4bd42d296c\">\u201eEs steht Euch frei&#8221;, sagte der alte Mann gelangweilt, \u201ediesen Leichnam zu nehmen und zu vernichten, wenn Euch danach ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4e711f872d9c9917b6a12f868404328\">\u201eDas&#8221;, sagte Elos\u00e1l ruhig, \u201eh\u00e4tten wir augenblicklich getan, w\u00e4re da einer gewesen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2acfc08520fd176fcde2752b6c9e2658\">Nun erhob sich auch \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 und wandte sich zu mir und den sechs Rittern um. Er grinste \u00fcber sein ganzes verrunzeltes Gesicht, etwa so, als habe ihm gerade jemand einen ganz ausgezeichneten Witz erz\u00e4hlt. \u201eAch nein! Ihr dringt unbefugt auf mein Grundst\u00fcck ein, findet dort ein paar alte Knochen, aber die falschen, und denkt nun, ich h\u00e4tte mit Dingen zu tun, die einmal geschehen sind, als ich noch ein Knabe war? Was denkt Ihr, was ich mit dem K\u00f6rper des Verfluchten gemacht haben k\u00f6nnte? Glaubt ihr, ich hortete ihn daheim in einem geheimen Schrein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa8e481a0881f6341914322fe946b7ef\">\u201eEs erscheint mir interessant, dass Ihr denkt, dass wir denken, Ihr k\u00f6nntet etwas \u00fcber den Verbleib des K\u00f6rpers wissen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"308e5ba0ca27b12c5e176b6db1c38be9\">\u201eDas ist nicht interessant. Es ist l\u00e4cherlich.&#8221; Er drehte sich wieder zu ihr um. \u201eJa, ich wusste von der H\u00f6hle, und es wundert mich nicht, dass m\u00f6glicherweise irgendwelche unvorsichtigen Unbefugten sich beim Herumstromern dort den Hals gebrochen haben oder dort von Dritten beseitigt wurden. Es ist nicht ungew\u00f6hnlich, dass in Aur\u00f3p\u00e9a Leute verschwinden und verschwunden bleiben. Ich habe nichts dazu getan. Den Garten habe ich vor vielen Wintern gekauft, eine Samtapfelplantage hatte ich im Sinn, aber ich fand niemanden, der sich darum h\u00e4tte k\u00fcmmern wollen, und dann war ich im <em>konsej<\/em> mit wichtigeren Dingen besch\u00e4ftigt und verga\u00df es dar\u00fcber.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"16b6d28c52dec578f82f1813abb2d0dc\">\u201eIhr m\u00fcsst Euch nicht rechtfertigen&#8221;, sagte Elos\u00e1l geduldig. Sie stand, den R\u00fccken einem der Fenster zugewandt. Hinter ihr flimmerten die Wolken, und etwas zog \u00fcber den Himmel vorbei. Mein Schleier tr\u00fcbte den Blick auf diese Entfernung, sodass ich es zun\u00e4chst f\u00fcr einen Schwarm riesiger grauer V\u00f6gel hielt, aber dann wurde mir klar, dass es die Einh\u00f6rner waren, die der Violette von ihrer Weide geholt haben musste und sie nun zur\u00fcckf\u00fchrte. Aber h\u00e4tten die Tiere nicht strahlend bunt und leuchtend aussehen m\u00fcssen?<\/p>\n<p data-p-id=\"c607a67c4939aa3be479b4009b8737f8\">\u201eDoch selbst wenn&#8221;, fuhr Elos\u00e1l fort, \u201eund irgendjemand auf den l\u00e4sterlichen Gedanken gekommen sein sollte, die Gebeine des Verfluchten an einen anderen Ort zu bringen, um sie zu verehren, so wird es doch nichts bringen und nichts \u00e4ndern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7a9b3473d15c54ba0580055d06b76716\">\u201eWer&#8221;, sagte \u00daldaise mit unvermindertem, nun aber eisigem L\u00e4cheln, \u201esollte auf die Idee kommen, den Verfluchten zu verehren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d2faea9fdf365d8b202135e11b0cace6\">\u201eNun&#8221;, sagte Elos\u00e1l, \u201ees sind hier Dinge geschehen, die weit seltsamere Verd\u00e4chte nahelegen. Seid Ihr vertraut mit einer Frau namens Sileda\u00fa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c5ee72ebb4ab9e0f601d98429ecb3b8e\">Der <em>sinor<\/em> z\u00f6gerte, sehr kurz.<\/p>\n<p data-p-id=\"4eaa15820065c41212891a8c26b23606\">\u201eWar das diejenige, die den Brief \u00fcberbracht hat?&#8221;, fragte er dann. \u201eIch habe das Schreiben an mich genommen, mehr nicht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c8bb693018710eaa57a579ab0c0d222\">\u201eDas, hochedler <em>sinor<\/em>, f\u00e4llt uns schwer zu glauben. Die ehrenwerte Alte schien \u00fcber Dinge im Bilde zu sein, die ihr unm\u00f6glich zu wissen waren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc3d3a01b172eaff572a66eb041aabca\">Nun runzelte er die Stirn, was noch mehr Falten auf sein Gesicht malte, als ich es f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte.<\/p>\n<p data-p-id=\"c7ff40f5f7b531b2640720cebdf8e80d\">\u201eIst das ein Verh\u00f6r?&#8221;, fragte er. \u201eMit welchem Recht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f35395fe9320250fdd3922b9aa6370d4\">\u201eMit <em>unserem<\/em> Recht. Denn es betrifft nicht die Gesch\u00e4fte der Unkundigen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bf42a5c060c5bcfdbfdfa8ec2592f360\">\u201eNun gut&#8221;, sagte der alte Mann. \u201eIch habe nichts zu verbergen. Bringt sie her, die alte Frau, und ich werde es vor Euren Augen mit ihr kl\u00e4ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3dcc99911d8018ec51fa6d38f618f0ba\">Die <em>faj\u00eda<\/em> wandte sich an ihre Ritter, aber noch bevor sie etwas sagen konnte, sch\u00fcttelte der Rote den Kopf. \u201eWir haben sie in der Schnelle nicht gefunden&#8221;, sagte er.<\/p>\n<p data-p-id=\"3c3fa9ed932ae2c5e68001b845821b66\">\u201eSie ist nicht hier. Nicht in einem Umkreis, der ihr zu Fu\u00df erreichbar gewesen w\u00e4re&#8221;, f\u00fcgte der Blaue hinzu.<\/p>\n<p data-p-id=\"fcc9bc8d135ec61ffb0257764c4c3af5\">\u201eEs ist unverst\u00e4ndlich&#8221;, erg\u00e4nzte der Gelbe. \u201eAls habe sie gelernt, sich in Luft aufzul\u00f6sen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"014f08908828951cce04db2f5adcb1ea\">\u201eVielleicht&#8221;, versuchte der Gr\u00fcne einen Scherz, \u201ehat sie aus ihren B\u00fcchern doch noch gelernt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7846e815f717f4a7cd5603a28b5c6d44\">Sicherlich hatte er mit dieser Bemerkung die Stimmung etwas lockern wollen, einen absurden Scherz gemacht. Elos\u00e1ls Mundwinkel zuckten. Aber \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9s Gesicht war wie erstarrt. Offenbar fand er so wenig Spa\u00dfiges daran, dass er nicht einmal versuchte, der H\u00f6flichkeit halber mitzulachen.<\/p>\n<p data-p-id=\"9bc6092f3fc9ea34246e1b7e2ba1c3c2\">\u201eSchade ist es schon&#8221;, sagte Elos\u00e1l. \u201eSicherlich h\u00e4tte sie sehr gern einen Blick auf die Kostbarkeit geworfen, die Ihr hergebracht habe, Meisterin Salghi\u00e1ra. Welchen Wert muss das Objekt in den Augen der armen verwirrten Alten gehabt haben, bei allem Grauen, das damit in Verbindung steht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2c6847597afdfc3c27098404c2e86f0e\">Die Regenbogenritter schauderten, so subtil, dass es kaum zu sp\u00fcren war. Elos\u00e1l schaute eindringlich in meine Richtung. Sie hatte etwas vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"29021886fd0bc124a34c1965f2e07cde\">\u201e<em>Meisterin<\/em> Salghi\u00e1ra?&#8221;, fragte der <em>sinor <\/em>\u00fcberrascht.<\/p>\n<p data-p-id=\"b007d4c947403e43e1b58c241401546a\">\u201eSalghi\u00e1ra Lagoscyre&#8221;, sagte ich.<\/p>\n<p data-p-id=\"144bca1abf772841402deb87b74a0114\">\u201eAh. Lagoscyre. Nun, das erkl\u00e4rt, warum man Euch hier duldet.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7183048dbde61968afb5862c8566bbfd\">Was wollte er damit sagen? H\u00e4tte er nicht viel eher fragen m\u00fcssen, was es mit dem Stab auf sich hatte? Oder war es m\u00f6glich, dass er es wusste? Hatten die Ritter und die <em>faj\u00eda<\/em> das auch bemerkt?<\/p>\n<p data-p-id=\"7f871b5b07841fa1106026ba42e7411e\">\u201eDie Meisterin war so freundlich&#8221;, sagte Elos\u00e1l ruhig, \u201euns nach all der Zeit endlich das Artefakt zu \u00fcbergeben, mit dessen Hilfe der Verfluchte damals wirkte. Ihr werdet einem gro\u00dfen und ehrenvollen Ereignis beiwohnen, \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9, sobald der Letzte meiner Ritter wieder bei uns ist. Mir ist, als h\u00e4tte ich ihn soeben einfliegen h\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5f0ddcbc1250ba2685e2942b1f323280\">\u201eWas f\u00fcr ein Ereignis?&#8221;, fragte der Alte misstrauisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e2a6134d9a17b6d37de7b3caaa0fb00\">\u201eDamals, in jenen schrecklichen Tagen, als die gro\u00dfe Schlacht um Aur\u00f3p\u00e9a tobte und die H\u00fcgel von Pf\u00fctzen aus Menschenblut getr\u00e4nkt waren&#8221;, begann die <em>faj\u00eda<\/em> und nickte ihren Rittern zu, \u201eda fochten die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> einen verzweifelten Kampf gegen die Ausgeburten des Chaos, die Kreaturen, die das Widerwesen aus den \u00fcbrig gebliebenen Dingen des ersten und wahren Weltenspiels erschaffen hatte. Unz\u00e4hlige <em>arcaval&#8217;ay<\/em> fielen, und meine geliebten Schwestern lie\u00dfen ihr Leben beim Versuch, die Unkundigen zu besch\u00fctzen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f728fea960b40f8509b5fecb1f396651\">\u201eDas ist mir wohlbekannt&#8221;, sagte \u00daldaise, nicht direkt gelangweilt, aber mit geringem Interesse. \u201eWas hat das mit mir und meinem Garten zu tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e356cfce74a04444e1e9d11eeb348bfa\">\u201eMeinesgleichen hat bei alledem, was der Verfluchte gewirkt hat, bei allem Leid, das er \u00fcber uns gebracht hat, durchaus erkannt, dass seinesgleichen mit allem, was sie an Kr\u00e4ften aufzubieten hatten, so wenig es war, so schwach und gering sie waren, versucht hat, den Wahnsinnigen zu stoppen und zur Strecke zu bringen. Nun, ich will Euch nicht mit Dingen langweilen, die Ihr ohnehin schon wisst.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da185f74b34edaa131b0e5119cb577f9\">Schade, dachte ich. Vielleicht h\u00e4tte ich hier mehr \u00fcber das gro\u00dfe Geheimnis, \u00fcber die Schande erfahren, die Yalomiro, die alle Schattens\u00e4nger seit jenen Tagen zu tragen gehabt hatten.<\/p>\n<p data-p-id=\"ccdae6b972eb51834675c5d170cf345c\">\u201eIhr wisst, wie es endete. Den <em>camata&#8217;ay<\/em>, den Schwarzgewandeten, deren Gemeinschaft das Monster hervorgebracht hat, gelang es, den Verfluchten zu <em>entwaffnen<\/em>.&#8221; Sie blickte auf den Stab hinab, auf dieses St\u00fcck magischen Sperrm\u00fcll mit dem zerschmetterten Eiskristall an der Spitze.<\/p>\n<p data-p-id=\"297639188eb40618f08cf1d6bb985e17\">\u201eW\u00e4re es einem der unseren gelungen, dieses Artefakt zu erobern&#8221;, schloss Elos\u00e1l, \u201ewir h\u00e4tten es g\u00e4nzlich zerst\u00f6rt. Nun, da Meisterin Salghi\u00e1ra uns das Artefakt aus freien St\u00fccken \u00fcberlassen hat, werden wir dies hier und jetzt vollenden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d20df3729bed59e2d73474d51cca459\">\u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 lie\u00df die Schultern h\u00e4ngen, als sei er &#8230; verbl\u00fcfft.<\/p>\n<p data-p-id=\"eddae965d98d6ed087549ceb7916fb3b\">\u201eVollenden?&#8221;, fragte er, nun ganz und gar nicht mehr ange\u00f6det, sondern, wie es mir vorkam, fast ein wenig beunruhigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"cc84783737a91529401bd2042e81a236\">\u201eDie <em>camat&#8217;ay<\/em> hielten den Stab f\u00fcr unzerst\u00f6rbar. Nun, f\u00fcr die Kr\u00e4fte Nokt\u00e1mas mag das zutreffen, und ich habe keinen Grund, an den Beteuerungen des ehrenwerten Meisters zu zweifeln, der mir dies damals darlegte. Allerdings haben wir ganz andere M\u00f6glichkeiten und h\u00e4tten nicht die <em>camat&#8217;ay<\/em>, sondern die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> damals die Waffe erbeutet, w\u00e4re das umgehend geschehen. Hier, im Ciel\u00e1stel. In dieser Halle. Mit Patagh\u00edus Feuer.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c466a80474d26b9dd64c7b2f1613cb5\">Die Stille in der Halle war k\u00f6rperlich zu sp\u00fcren, sie dr\u00f6hnte in meinen Ohren, war intensiver als das Brennen des Goldes und die Spannung, die von all den hellen <em>maghiscal<\/em> ausging. Die Ritter waren <em>entsetzt<\/em>! Und ich erfuhr sogleich, warum.<\/p>\n<p data-p-id=\"9d90e1c03319273940cff342ced64c4d\">\u201eDas&#8221;, sagte \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9, \u201ewird den Ciel\u00e1stel zerst\u00f6ren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e126d58991f64818bf0b5e909d976eb8\">Elos\u00e1l nickte. \u201eIch wei\u00df.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ed29cb0958867489ebed1d06a4acff2\">\u201eUnd der Gro\u00dfmeister?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"afb1dbe15657e4fc64fbd3cf070b02ce\">\u201eDen&#8221;, sagte Elos\u00e1l, \u201eben\u00f6tigen wir f\u00fcr diese Sache nicht. Kein Menschenwesen darf sich im Heiligtum aufhalten, wenn wir das Feuer entfesseln. Sobald das Wetter sich beruhigt hat, werdet Ihr und Meisterin Salghi\u00e1ra die Burg verlassen. Und da die Stadt uns nicht mehr braucht, wird es wohl niemanden st\u00f6ren, wenn wir verschwinden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c173f262f4e294ca2df8c10dcff6b379\">Ich schaute verwirrt in die Runde. Was erz\u00e4hlte die <em>faj\u00eda<\/em> da pl\u00f6tzlich? Und warum waren auch alle <em>arcaval&#8217;ay<\/em> pl\u00f6tzlich so still, so gefasst? Das Licht flimmerte und ein sehr heller Blitz ohne Donner erhellte die Halle. Die Ritter wirkten immer noch \u00fcbermenschlich, gro\u00df, w\u00fcrdevoll und magisch. Aber ihre Farben schienen zu verblassen, als erbleichte ihre ganze <em>maghiscal<\/em>. Sogar der Violette, der gerade in diesem Moment hinzukam, unterschied sich kaum noch von dem Blauen oder dem Indigofarbenen. Wusste er, wovon gesprochen worden war? Hatte die <em>faj\u00eda<\/em> eine lautlose Verbindung mit ihren Leuten? Was geschah mit ihnen \u2013 und ging es von ihnen selbst aus?<\/p>\n<p data-p-id=\"da7397905d46221990165a69f752d50a\">Ich fr\u00f6stelte. \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 schaute einen Ritter nach dem anderen mit gesenkten Brauen an.<\/p>\n<p data-p-id=\"d4239e1b7fa2847cfcdc000a966c1353\">\u201eUnd das Kind?&#8221;, fragte er die <em>faj\u00eda<\/em>. \u201eWas ist mit Eurem Sohn?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"74ed436fa4b1a7a462fad98365512385\">Sie l\u00e4chelte und b\u00fcckte sich, um den Stab aufzuheben. Die Ritter kommentierten das mit entsetztem \u00c4chzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"606c1225ef0ec8c37e0a1255c2004549\">\u201eMein Sohn&#8221;, sagte sie ruhig, \u201eist unkundig. Er wird mit seinem Vater einen anderen Ort finden. Sein Vater wird einen Ort fern von alledem finden, hier im Weltenspiel oder anderswo.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0a2c4f8c81f0ad4be3c955c890ad151e\">Ihre Fingerspitzen hatten den Stab beinahe erreicht. Ich sah das wie in Zeitlupe und mit gro\u00dfem Schrecken. Was tat sie da? Wollte sie \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 zu irgendeiner Reaktion bewegen? W\u00fcrde irgendetwas Unkontrollierbares geschehen, wenn sie den Stab ber\u00fchrte, kaputt oder nicht? Wenn das Ding ihre Schwestern vernichtet hatte, konnte sie es denn dann gefahrlos anfassen? Bluffte sie?<\/p>\n<p data-p-id=\"c4cf263df6af566e04eed4b05c0399cd\">Nein. Das war eine ernste Sache. Die Ritter waren viel zu erschrocken, um einen schlauen Plan ihrer Anf\u00fchrerin zu durchschauen. Das Entsetzen der hellen Magier war echt.<\/p>\n<p data-p-id=\"d31aa2f8354ea233cf018e8f754e8a03\">Ebenso echt wie die kopflose Panik, die urpl\u00f6tzlich in \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 zu fahren schien. Der alte Mann lie\u00df seinen Gehstab fallen und bewegte sich pl\u00f6tzlich, wie von einer Bogensehne schnellend, auf die <em>faj\u00eda<\/em> zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"26501998769dea6efb9117bf44adfd3e\">Ich \u00fcberlegte nicht lange. Wenn Elos\u00e1l sich etwas ausgedacht hatte, dann begab sie sich m\u00f6glicherweise in Gefahr.<\/p>\n<p data-p-id=\"ee042d50d11b753430a261d1b36cdc31\">\u201eNicht!&#8221;, rief ich aus, warf mich in den Weg das Alten, sp\u00fcrte gerade noch, wie der Indigofarbene im Reflex nach mir griff, um mich aufzuhalten, aber nur meinen Schleier in die Finger bekam. Im n\u00e4chsten Moment fand ich mich, halb auf dem Stab liegend, halb sitzend auf dem immer farbloser werdenden Boden wieder und schaute, vermutlich ziemlich bel\u00e4mmert, in \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9s Gesicht, ohne den d\u00fcnnen, seinen Verstand sch\u00fctzenden Stoff dazwischen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3e62e47717c857bb8bb825fb5021de24\">Die Ritter gerieten alle zugleich in Bewegung, Schwerter wurden gezogen, Metall klang, und endlich erschallte von drau\u00dfen der Donner, den ich die ganze Zeit vermisst hatte. Welche unglaubliche Entfernung musste das Ger\u00e4usch \u00fcberwunden haben?<\/p>\n<p data-p-id=\"50bb6bbd8518301e6ba74d1334f96a28\">\u201eNicht&#8221;, sagte ich und starrte dem Alten in seine grauen Augen, konnte einfach nicht anders. \u201eNicht, Meisterin. Tut nichts Unbedachtes! Ihr d\u00fcrft den Ciel\u00e1stel und die Euren nicht opfern!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"918933570b875b6c745025cf201716a4\">\u201eWarum?&#8221;, fragte Elos\u00e1l und trat einen Schritt zur\u00fcck. Auch der Alte richtete sich auf, ohne seinen Blick von mir zu nehmen. \u201eWarum habt Ihr das getan?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ab4ae67e1c6e2aa884edc966451be9b\">Ich rappelte mich auf, aber es war mir unm\u00f6glich, den Augenkontakt zu dem alten Mann zu unterbrechen. Ich umklammerte den Stab, hob ihn auf und hielt ihn halbherzig so vor mich, dass ich etwas Abstand gewann.<\/p>\n<p data-p-id=\"8db42274092341cc43a82ded42096aa7\">\u201eWarum&#8221;, fragte ich in die Richtung des von gez\u00fcckten goldenen Schwertern umringten Greises, \u201ewolltet Ihr die Gro\u00dfmeisterin daran hindern, den Stab zu ber\u00fchren?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f3f5fd8d218a806e8ea824ad929d85ef\">\u201eWollte ich das?&#8221;, fragte er ruhig.<\/p>\n<p data-p-id=\"f0c594c7b8fc840df795b523e1db3017\">\u201eJa&#8221;, behauptete ich. \u201eIhr seid genauso hinter dem Stab her wie die verschwundene alte Frau. Aber das ist kein Schatz, kein kurioses Andenken an eine schreckliche Zeit! Das ist nichts, was Unkundige ber\u00fchren d\u00fcrfen. Das ist &#8230; gef\u00e4hrlich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"493e710bf7ca2de50809d2c83293bb48\">\u201eDeswegen&#8221;, sagte Elos\u00e1l und winkte den Rittern, sich zu beruhigen, \u201ewill ich es vernichten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d63ea940e062d0425e69a528fbd2a028\">\u201eDas respektiere ich&#8221;, versicherte ich. \u201eAber nicht \u00fcberst\u00fcrzt und auf Eure Kosten. Versteht doch! Das ist das, was <em>es<\/em> will! Wenn Ihr Euch und selbst opfert, dann &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"225e79e1b8250cff06ca74ad20e0933b\">\u201eEs wird nichts geschehen&#8221;, unterbrach mich \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 gelassen. Er l\u00e4chelte, und je tiefer ich in seine Augen sah, je heftiger es in den Wolken rings um den Turm flimmerte, desto mehr schien sich der tr\u00fcbe Glanz aufzuhellen, auf eine bizarr vertraute Weise, die mich in Furcht versetzte und zugleich auf eine seltsame Weise nicht im Geringsten erstaunte. \u201eNichts wird in Patagh\u00edus Feuer aufgehen, nichts wird zerst\u00f6rt. Trotzdem w\u00e4re es \u00e4u\u00dferst unklug, wenn Ihr Euch an dem Stab vergreift, oder versucht, ihn zu demolieren. Geradezu t\u00f6richt w\u00e4re das. F\u00fcr Euch und f\u00fcr das Weltenspiel, das ihr doch so gern besch\u00fctzen wollt, der Schatten ebenso wie die Farben und vielleicht sogar das Licht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7eb236a3822189099cd1a160645afa37\">\u201eWas soll das hei\u00dfen?&#8221;, fragte der Indigofarbene.<\/p>\n<p data-p-id=\"51bb5c8b6d671ca93bf375116e94703f\">\u201eIch&#8221;, sagte \u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9, \u201ewerde den Stab nun an mich nehmen. Ich bin derjenige, dem er rechtm\u00e4\u00dfig geh\u00f6rt. Und keiner von euch wird mich daran hindern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"222de917d61d5b920d31b54d3cc83490\">\u201eSeid Ihr nun wahnsinnig geworden?&#8221;, erz\u00fcrnte sich der Rote, und der Blaue f\u00fcgte hinzu: \u201eWas erlaubt Ihr Euch? Wenn Ihr das Ding in die Hand nehmt, werdet ihr es keinen Wimpernschlag lang festhalten k\u00f6nnen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"903ad85a19abe6c3df0a1fa4250d6703\">\u00daldaise Ti\u00e1ramal\u00e9 zuckte die Achseln und streckte mir auffordernd die Hand entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3a27fa89cfd8e49eedbda9946930eb3e\">\u201eHabt ihr eigentlich schon bemerkt&#8221;, fragte er, \u201edass es regnet?&#8221;<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2632","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2632","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2632"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2632\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3712,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2632\/revisions\/3712"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2632"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2632"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2632"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}