{"id":2631,"date":"2025-08-25T13:25:57","date_gmt":"2025-08-25T11:25:57","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2631"},"modified":"2025-08-31T23:09:42","modified_gmt":"2025-08-31T21:09:42","slug":"106-hartes-brot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/106-hartes-brot\/","title":{"rendered":"106: Hartes Brot"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"899399bbb5bb56105e82d64c7f13ae16\">Die Kreaturen hatten von ihnen abgelassen, zumindest f\u00fcr den Moment. Aber sie umkreisten weiterhin den Tisch, wie aasfressende Tiere, die darauf lauerten, dass eine todwunde Beute die Kr\u00e4fte verlie\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"faa193ba42c8604a62cc55f5138f77f6\">Manj\u00e9v hockte zusammengekauert mitten auf dem schwarzsilbernen Holz und f\u00fchlte sich leer. Sie zuckte zusammen, wann immer \u00fcberraschend eines der Monster aus dem Sand herausschoss, aber sie hatte keine Angst mehr. Es war besser, keine Angst zu haben. Die Wesen w\u00fcrden sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter erwischen, vielleicht mochte das noch viele Tage dauern, aber es w\u00fcrde unweigerlich geschehen. Vielleicht war es vern\u00fcnftiger, das mit Gleichg\u00fcltigkeit zu erwarten. Die Erwachsenen w\u00fcrden sie nicht retten. Wenn ihnen das m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, l\u00e4ngst h\u00e4tten sie es getan.<\/p>\n<p data-p-id=\"a49a18ffcaca81518cc846871ecc7cf9\">Das M\u00e4dchen fragte sich, ob sie vielleicht auf dem Weg hinter die Tr\u00e4ume waren, in einer Art Zwischenwelt, in einem \u00dcbergang zwischen dem, was heute Vormittag noch ihr Alltag gewesen war, und einer, zu denen sie Zugang finden w\u00fcrden, sobald die Monster das Interesse an ihnen verloren. Ob das hier \u00fcberhaupt ein Ort war? Oder doch eher so etwas wie ein Korridor mit lauter verschlossenen T\u00fcren?<\/p>\n<p data-p-id=\"346e366b86531db9d02fa2eac53f874d\">Sie sp\u00e4hte bedr\u00fcckt zu Merrit Althopian hin\u00fcber, der zusehends ersch\u00f6pfter wirkte. Der Junge strich unerm\u00fcdlich, viel zu nah an der Tischkante, um sie herum, seinen fiebrig flackernden Blick auf den Sand gerichtet. Wo immer er eine Bewegung wahrnahm, die auf das Auftauchen eines Monsters hindeutete, lie\u00df er seine Waffe drohend kreisen, ab und zu auch auf eine besonders dreiste Kreatur niedersausen. Er hielt sie auf Abstand. Aber er war auch nur ein Junge, ein Kind wie sie selbst, ermattet und sicher ver\u00e4ngstigter, als sie es sich ausmalen konnte. Aber im Gegensatz zu ihr schien er nicht aufgeben zu wollen. W\u00fcrde ein Erwachsener mit ebensolcher Beharrlichkeit handeln? H\u00e4tte ihr Vater, h\u00e4tte eine der <em>yarlay<\/em>, sich so \u00fcber seine eigenen Kr\u00e4fte und M\u00f6glichkeiten hinaus gewagt? Was mochte es sein, woraus Merrit Althopian seine Kraft sch\u00f6pfte?<\/p>\n<p data-p-id=\"226a9af392d38442d1eb05ff9d67cba8\">Osse stand nicht ganz so nah an der Tischkante, aber er hielt ebenso wachsam Ausschau auf das Sandmeer, auf dem der Tisch d\u00fcmpelte. Er war seltsam gebeugt und griff sich immer wieder an seine Schulter. Ob das Wesen, das ihn gepackt hatte, wohl doch verletzt hatte? Doch falls dem so war, lie\u00df er es sich nicht anmerken. Furchtlos war er auf das h\u00f6chste Dach weit und breit gestiegen, um seinem Freund zu helfen, einem Jungen, der er erst wenige Tage zuvor kennengelernt hatte. Manj\u00e9v dachte dar\u00fcber nach. L\u00e1as und J\u00e1ndris, die unzertrennlich waren, aber schon als kleine Wiegenkinder miteinander gespielt hatten, erschienen ihr \u00e4hnlich vertraut miteinander wie diese beiden hier. Kinder, die die M\u00e4chte in ihr Leben geworfen hatten und die sie selbst, die <em>teirandanja, <\/em>in diese schlimme Lage gebracht hatte. Wahrscheinlich h\u00e4tte die beiden \u00e4lteren Jungen ebenso gehandelt und f\u00fcreinander eingestanden, nur, dass sie auf der falschen Seite der T\u00fcr gelandet waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"1fd916f506d88abe85cc458af597756a\">Die <em>teirandanja<\/em> schniefte, bedacht, dass die Jungen sie nicht h\u00f6rten. Wenn sie doch wenigstens T\u00edjnje noch einmal h\u00e4tte sprechen k\u00f6nnen. Wie sehr schmerzte es, dass sie auf die vertraute Anwesenheit des anderen M\u00e4dchens verzichten musste. Andererseits \u2013 die Kleine war in Sicherheit, bei ihrer Mutter, ihrem Onkel, ihrem Gro\u00dfvater. T\u00edjnje w\u00fcrde leben. Kein abscheuliches Monster w\u00fcrde versuchen, sie zu fressen.<\/p>\n<p data-p-id=\"c76995f4066b82ef3cd6ed83ae3a1650\">Merrit schlug erneut zu und br\u00fcllte den Kreaturen unschickliche Beschimpfungen entgegen. Wo er solche Worte wohl hergenommen hatte? Ob Wa\u00fdreth Althopian zuweilen so sprach, wenn er glaubte, niemand h\u00f6re ihm zu?<\/p>\n<p data-p-id=\"1744b156911ad8bfbb9fb73c89e4993e\">Manj\u00e9v seufzte und vergrub das Gesicht in den H\u00e4nden. Warum nur f\u00fchlte sich die Gegenwart von Merrit Althopian so <em>schrecklich <\/em>an? Etwas in ihr dr\u00e4ngte sie dazu, sich dem Jungen anzuvertrauen, der doch so offensichtlich in aller Unschuld und Besorgnis und ohne sich Schw\u00e4che zu erlauben vor sie zu stellen, sie zu besch\u00fctzen. Je l\u00e4nger sie dar\u00fcber nachdachte, glaubte sie, dass es mit den sonderbaren Dingen zusammenh\u00e4ngen konnte, die hier geschahen. Sie versp\u00fcrte in diesen Augenblicken, die die letzten ihres Lebens sein w\u00fcrden, das Bed\u00fcrfnis, mit diesem Jungen ihren Frieden zu machen. Sie musste sich \u00fcberwinden.<\/p>\n<p data-p-id=\"8d1a7198fcf7417c919d1aa68a7de4de\">\u201eMerrit Althopian&#8221;, sagte sie leise, \u201edu kannst diese Dinger nicht besiegen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2637b61e54214e15b30c5e818bc634d1\">\u201eIch kann sie so lange aufhalten, wie ich durchhalte&#8221;, sagte er, ohne sich zu ihr umzuwenden. \u201eMein Vater und die anderen sind doch auf dem Weg zu uns! Unsere Eltern werden uns retten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d164b9e53f9631b42d194ce9d57c5d89\">\u201eMerrit &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2605c5f4eee412fde303fd22b91c726f\">\u201eEltern versuchen immer, ihre Kinder zu retten!&#8221;, beharrte er. \u201eIch bin sicher, sie tun alles, was ihnen dazu einf\u00e4llt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88dc40b393b43c3ad5a4fbb41b531583\">\u201eUnd wenn wir an einem Ort sind, an den sie gar nicht gelangen k\u00f6nnen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40b5605f4a0ae6d30c31bfe5d1631f20\">\u201eDas B\u00f6tchen ist auch zu uns gelangt&#8221;, mischte sich Osse Emberbey ein. \u201eEs gibt Wege hierher! Sicher finden sie hierher!&#8221; Und, als w\u00e4re ihm bewusst geworden, dass er seiner <em>teirandanja<\/em> ein Widerwort gab, f\u00fcgte er hinzu: \u201eVerzagt nicht, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c8a7b94646a4d9249cb75dc1908e4881\">\u201eJa&#8221;, schloss sich Merrit an und verscheuchte ein weiteres Monster mit einem warnenden Hieb. \u201eWir besch\u00fctzen Euch so lange, bis Euer Vater und Eure Mutter Euch wieder in den Armen halten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"99992f845c130bba7a8f39a80ef1c80a\">Darauf hatte sie keine Antwort. Die Jungen hatten wohl nicht vor, zu akzeptieren, dass sie schon aufgeben wollte. Vielleicht, rief sie sich zur Ordnung, geziemte sich das nicht f\u00fcr eine <em>teirandanja<\/em>. Vielleicht w\u00fcrde sie die beiden entt\u00e4uschen, wenn sie durchblicken lie\u00df, wie hoffnungslos sie sich w\u00e4hnte. Vielleicht w\u00fcrden sie aufgeben, wenn sie aufgab.<\/p>\n<p data-p-id=\"25eb0de5bc2089905595dd32e3e7de4f\">\u201eWenn wir gerettet werden&#8221;, fragte sie, \u201ewas dann? Was &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e774b483f1a3ef9a95a85dd774c3ae5\">\u201eRedet weiter, Majest\u00e4t. Sprecht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3fa51108b749f83cad9bd89441fa4481\">Sie schaute auf. Die Jungen umkreisten sie, so wie die Monster im Sand es mit dem Tisch taten. F\u00fcr einen bizarren Moment glaubte Manj\u00e9v, sie f\u00fchrten einen stummen Reigentanz um sie herum auf. Das erschien ihr noch unheimlicher, als alles \u00fcbrige ohnehin war.<\/p>\n<p data-p-id=\"96551ae1e021da734563fb024dd30b09\">\u201eIch will zu meiner Mama&#8221;, gestand sie. \u201eIch will, dass mein Papa mir t\u00f6richte Geschichten erz\u00e4hlt. Ich will mit T\u00edjnje vor dem Kamin sitzen und mit meinen Puppen spielen. Ich will mit L\u00e1as und J\u00e1ndris \u00fcber die Fr\u00fchlingswiesen reiten. Aber das ist &#8230; das wird nie wieder sein, nicht wahr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a10fb71c1a62579d223ec4899594b32b\">\u201eIch habe Euch ein sch\u00f6nes Pferd ausgesucht&#8221;, entgegnete Merrit Althopian, ohne sich zu ihr umzuwenden. \u201eMein Vater wollte, dass ich es selbst ausw\u00e4hle. Habt Ihr es Euch schon angeschaut, Majest\u00e4t? Ein feines Schimmelst\u00fctchen, das so sanft l\u00e4uft, als s\u00e4\u00dfe man auf einem Sessel?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cf3c67d49c1d8c0e0bf1cc169da436c4\">\u201eNein&#8221;, gestand Manj\u00e9v und sch\u00e4mte sich. Aus purem Trotz hatte sie der kostbaren Gabe noch gar keinen Blick geschenkt.<\/p>\n<p data-p-id=\"0c392cd6886c089212d8f14802db644d\">\u201eWas denkt Ihr, Majest\u00e4t, wie viel Freude Ihr daran haben werdet, mit diesem Pferd im Fr\u00fchling \u00fcber die Wiesen zu galoppieren! Wie die anderen Damen Euch bewundern werden, wenn ihr darauf die gro\u00dfen Ausritte anf\u00fchrt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9b0965b087f22b7343ba3834c1e70e76\">Warum sagte er das? Wollte er erreichen, dass sie ihre Zuversicht an der Verlockung des Pferdes festmachte, wenn schon nicht an ihm selbst? Wof\u00fcr wollte er befreit werden, weiterleben, die Monster besiegen?<\/p>\n<p data-p-id=\"b7c65785cf38b613702bf817eea31cef\">\u201eWas m\u00f6chtest du, Merrit Althopian? Was willst du tun, wenn sie uns erst gerettet haben?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aba2e16e9ea43e757328f253385bfff1\">\u201eIch? Ich will zu meinem Vater zur\u00fcck! Ich will nach Hause und bei ihm sein und ihn nie wieder allein lassen. Und dann will ich ein Ritter werden und stark und gerecht und tapfer sein wie er! Ich will gut und geliebt sein und machen, dass Frieden ist und bleibt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e3db5a73eadf867ec504cb2cd5fcd2f2\">Was k\u00f6nnte gef\u00e4hrlicher sein als das, was er ohnehin gerade eben schon bek\u00e4mpfte? \u201eUnd du, Osse Emberbey?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2a3d20677444b96d0ddcdf45673b21cb\">\u201eMein Vater hat mir versprochen, dass ich in Virhav\u00e9t und Iva\u00e1l lernen darf&#8221;, antwortete der Junge. \u201eIch will alles lernen, das in meinen Kopf hinein passt. Und dann will ich daheim sein und auf Ra\u00fdneta und Truda achtgeben, bis die beiden alt genug sind, um es allein zu tun. Und wenn sie mich nicht mehr brauchen, dann will ich ein kluger Gelehrter sein und den Ruhm meiner Familie fortf\u00fchren.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8e1d5bb25f5f87c17a87f63f133ad6cb\">Manj\u00e9v war <em>beeindruckt<\/em>. Die beiden schienen besessen von dem zu sein, was sie als Erwachsene h\u00e4tten erreichen wollen, dass es ihnen die Kraft gab, sich dem unweigerlichen Ende zu widersetzen und sich an der Hoffnung festzuhalten, dass jemand sie retten w\u00fcrde. Sie dachten an das, was sein <em>w\u00fcrde<\/em>. Nicht an etwas, an das sie sich erinnerten und viel zu gering gesch\u00e4tzt hatten. Wenn sie etwas zum jammern versp\u00fcrten, dann wollten sie davon nichts wissen.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f3251fb7eb90ec494999c24f0eac025\">Sie nahm das Spielzeugboot in die Hand und betrachtete es nachdenklich. Welches Kind mochte es gebaut und an den Sand verloren haben?<\/p>\n<p data-p-id=\"715f878efb7b82c165c5c3c4d6763618\">\u201eMajest\u00e4t.&#8221; Merrit Althopian lie\u00df seinen Streitflegel noch einmal drohend auf den Sand niederklatschen, holte die Metallkugel ein und kniete dann halb in ihre Richtung gewandt nieder. \u201eVielleicht bringt Euch das hier auf andere Gedanken.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d572c9f20620a92790d0db98b051c0df\">Er zog etwas unter seinem Hemd hervor und reichte ihr ein Tuch, in das etwas eingeschlagen war. Sie nahm es und l\u00fcftete die H\u00fclle. Es war ein rot schimmernder Edelstein von beachtlicher Gr\u00f6\u00dfe und einer glatt gl\u00e4nzenden Oberfl\u00e4che.<\/p>\n<p data-p-id=\"5b5b7c8bf7f67bf5f1d3ee370ca6b0bf\">\u201eWas ist das?&#8221;, fragte sie, w\u00e4hrend er sich schon wieder erhob, um die Monster zu vertreiben.<\/p>\n<p data-p-id=\"a110e526b13049dff016df2a867115bb\">\u201eEs war in dem Zimmer, in das ich einst hinein ging. Ich wollte es als Beweis mitnehmen, dass ich hier war. Ich denke, daran zweifelt Ihr nicht mehr.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"274bb3475a45fee9d744a7738c62219d\">Manj\u00e9v schaute ratlos den faustgro\u00dfen Stein an. Wenn das tats\u00e4chlich ein gro\u00dfer Karfunkel, war, dann war er enorm wertvoll. Aber was sollte sie hier und jetzt damit anfangen?<\/p>\n<p data-p-id=\"0376fc98e9c811489c8a1a889a60a51e\">\u201eDanke&#8221;, sagte sie und griff an ihren samtenen G\u00fcrtelbeutel, um den Edelstein zu verstauen. Aber zu ihrer \u00dcberraschung fand sie darin viel zu wenig Platz. Es war ein altbackener Wecken, der ihr unter die Finger geriet. Am Vormittag, so fiel ihr ein, hatte sie den kleinen Fr\u00fchst\u00fccksbrotlaib achtlos eingesteckt. Das war gewesen, bevor der Regen gekommen war, als sie mit T\u00edjnje das Fr\u00fchst\u00fcck geholt hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"924e9f753430280fb162c79301c692bd\">Die <em>teirandanja<\/em> betrachtete das Brot einen Moment lang verwirrt, holte es hervor und wollte gerade den gl\u00e4nzenden Stein in den Beutel hineinlegen, als sie, ganz fl\u00fcchtig nur, etwas sah, dass sich in dem Karfunkel widerspiegelte. F\u00fcr einen Wimpernschlag erkannte sie die Spiegelbilder der beiden Kinder, die links und rechts dicht neben ihr standen und ihr den R\u00fccken zuwandten, um den Sand zu beobachten. Aber es waren nicht der abgek\u00e4mpfte blonde Knabe mit dem Streitflegel, nicht der magere Junge mit der h\u00e4ngenden Schulter. Da waren zwei erwachsene M\u00e4nner zu ihrer Seite, einer in R\u00fcstzeug, einer mit vornehmer Robe, beide von ihr abgewandt.<\/p>\n<p data-p-id=\"f47b5142db88f6e9ab4098494a363a51\"><em>Willst du das, kleine <\/em>teirandanja<em>, <\/em>klang etwas in ihrem Verstand, etwas, das definitiv nicht das schreckliche Wesen war, das den Sand hierher gebracht hatte. Es war etwas anderes, fremd, freundlich und vertraut zugleich. Und es war &#8230; weiblich. <em>Willst du, dass das wahr wird? Willst du ihnen das gew\u00e4hren? <\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"12ca6bb284416c67cbc885d9ab1c2e9d\">Und dann war es vorbei. Die <em>teirandanja<\/em> schaute von einem zum anderen und wieder zur\u00fcck in den nun stumpfen Stein, ging sogar soweit, diesen zu sch\u00fctteln, woraufhin sich nat\u00fcrlich nichts tat. Was war das gewesen? Spielte ihr ihre Ersch\u00f6pfung und Hoffnungslosigkeit einen Streich?<\/p>\n<p data-p-id=\"e40c101b638e164f5cd7c85dae11f977\">Sie strich \u00fcber den Karfunkel. Er zeigte ihr kein Bild mehr, doch er f\u00fchlte sich auf eine ganz sonderbare Weise angenehm an. Von dem gerade noch k\u00fchlen Stein ging eine W\u00e4rme aus, etwa so, als l\u00e4ge ein Sonnenstrahl auf ihrer Hand. Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor war so fasziniert, dass sie f\u00fcr einen Moment ganz verga\u00df, dass sie umzingelt von Monstern in einer sanderf\u00fcllten Leere sa\u00df. Wer &#8230; oder <em>was<\/em> war das gewesen, das da zu ihr geredet hatte? War da etwa doch noch etwas anderes bei ihnen, etwas, das ihnen wohlgesonnen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"237a65386bce25b4776d1f06b66dd0a3\">Dieser rote Stein &#8230; das war kein schn\u00f6der teurer Karfunkel. Das war ein Geschenk. Eine Botschaft. Ein <em>Versprechen<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"1670386c74c110c4c91b66358dcf0450\">\u201eIch&#8221;, murmelte sie, \u201ewill dabei sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"24e22e447d5511bc60fd07a54d3bbb83\">\u201eMajest\u00e4t?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ca19a6cea941af78a9139df6895aaf6\">\u201eOsse &#8230; Merrit. Lasst die Monster. Kommt zu mir. Kniet nieder.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b92fe272aaa868c7c8468736a5d935f7\">Sie selbst erhob sich, stellte den Stein und das Boot zwischen ihren F\u00fc\u00dfen ab, von denen einer keinen Schuh mehr trug. Die Jungen wechselten einen verwirrten Blick miteinander.<\/p>\n<p data-p-id=\"4db0651d6d64363d5104261e792fc702\">\u201eBeeilt Euch! Schnell! Entscheidet Euch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a02e04a5fd05f2ea950c06752896e78b\">Die beiden Jungen gehorchten. Nat\u00fcrlich. Wie h\u00e4tten sie ihr widersprechen sollen?<\/p>\n<p data-p-id=\"d98cc7d4d82106bdd3d5afc89e44c350\">Manj\u00e9v brach von dem dr\u00f6gen, z\u00e4h gewordenen Brot ab, einen Brocken f\u00fcr jeden.<\/p>\n<p data-p-id=\"e4f0f8ef32b733d4faac909d5d5ca286\">\u201eLass es uns noch einmal <em>richtig<\/em> machen&#8221;, sagte die <em>teirandanja<\/em>, steckte den Rest des Br\u00f6tchens ein. \u201eOhne Erwachsene, die es <em>niedlich <\/em>finden. Ich glaube, hier und jetzt und nur wir drei, so muss es sein.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b66632ae7e0a6c8aa73f79695f77a082\">\u201eOhne Erwachsene, die es bezeugen?&#8221;, fragte Osse stirnrunzelnd. \u201eIst es dann g\u00fcltig?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0cc8568dda67caee7129917f2603c46a\">\u201eNat\u00fcrlich. Es reicht doch, wenn wir es wissen. Es ist nur f\u00fcr uns, f\u00fcr euch beide und mich.&#8221; Die <em>teirandanja<\/em> schaute von einem zum anderen und dann auf den Sand ringsum. Dessen Oberfl\u00e4che war spiegelglatt. Die Kreaturen hielten den Atem an.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c6a1310b7eadd89fc5247bae4e28dfd\"><em>Wie possierlich, <\/em>spottete das andere, das Schlimme in Manj\u00e9vs Verstand. <em>Was soll es \u00e4ndern? Es wird nie geschehen! Es wird nie passiert sein!<\/em><\/p>\n<p data-p-id=\"85d02e81fbcd3927fdba281bc1e44628\">Das M\u00e4dchen erschrak still. Aber es hatte keine Angst.<\/p>\n<p data-p-id=\"4c4d353eb529154f9277f921b220f71d\">\u201eMerrit Althopian&#8221;, sagte sie und gab ihm das St\u00fcckchen altes Brot. \u201eWillst du der erste unter meinen <em>yarlay<\/em> sein? Willst du den M\u00e4chten gef\u00e4llig handeln und der W\u00e4chter des <em>teirandon<\/em> sein? Wirst du mich, die Menschen und das Weltenspiel besch\u00fctzen, so wie du es hier und jetzt getan hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6afbee4345d7890b52e96b93b890864\">Er schaute sie einen Augenblick lang stumm an. Der Fieberglanz in seinen so unwirklich hellen Augen war verglommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5ad90df823b27b16bbd047d1f3a75c69\">\u201eMeine <em>teiranda<\/em>&#8220;, sagte er leise und streckte die Hand aus. Als ihre Finger die seinen ber\u00fchrten, schauderte sie. Was war das nur?<\/p>\n<p data-p-id=\"05819d7d37982d89a7fbd0da35364c97\">Gern h\u00e4tte sie ihn gefragt, ob auch er etwas gef\u00fchlt hatte, aber das war nicht der richtige Moment.<\/p>\n<p data-p-id=\"74d600543bff673a283638804b89ca0f\">\u201eOsse Emberbey. Willt du mein <em>mynstir<\/em> und treuer Ratgeber sein? Willst du das Wissen und die Weisheit, die du zusammentragen wirst, mit mir teilen, mir beistehen, eine den M\u00e4chten gef\u00e4llige <em>teiranda<\/em> zu sein und f\u00fcr mich handeln, wenn ich es nicht kann?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"44fbd5536c68deb89a41dc3da2ffbaa1\">Er verneigte sich und nahm das Brot. \u201eMeine <em>teiranda<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d51208968662ef44c318a8462b096acc\">\u201eDann soll es so sein&#8221;, fl\u00fcsterte sie. Und bevor sie sich klar machte, was sie tat, noch bevor die beiden begonnen hatten, zu kauen, kniete sie bei ihnen und umschlang sie innig mit ihren Armen. Das war ganz gewiss nicht Teil des Rituals, nicht statthaft und nichts, was ein Zeuge jemals h\u00e4tte sehen d\u00fcrfen. Sie sp\u00fcrte, wie die Jungen erstarrten, nat\u00fcrlich, denn es war nicht angemessen, dass sie einander so nahekamen. Und sie glaubte, zu f\u00fchlen, wie die Herzen der beiden und ihr eigenes schlugen, so heftig, dass es den Tisch und den Sand zum Vibrieren brachte. Aber waren das wirklich ihre Herzen? Oder war es das Krachen von Axtschl\u00e4gen, in weiter, weiter Ferne, das leise erklang? Das n\u00e4her herankam wie eine anrollende Welle, den Sand aufst\u00f6rte wie Wasser in der Brandung und sie mit ohrenbet\u00e4ubender Gewalt niederriss, w\u00e4hrend der Tisch emporgehoben wurde, geradezu sprang und das Kn\u00e4uel aus Kindern davontrug? W\u00e4hrend irgendwo in der fernen Welt uralte Holzdielen unter der Last brachen und zugleich Wassermassen emporschossen, so als ob ein Korken aus einem \u00fcbervollen Fass sprang, w\u00e4hrend ringsum Menschen um ihr Leben schrien?<\/p>\n<p data-p-id=\"7ba9c5787a42a1396206b415c232364b\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"723961aa31395dbc23ba5bdfbb2d2b62\">Ohne sich abgesprochen zu haben, hieben Wa\u00fdreth Althopian oben und Andr\u00eder Altabete unten im Turm zugleich mit den vergoldeten \u00c4xten auf die beiden versperrten T\u00fcren ein. Die Menschen unten im Turm hatten beschlossen, diesem <em>yarl<\/em> den Versuch zu \u00fcberlassen. <em>Yarl<\/em> Emberbey war nicht mehr stark genug, um mit der n\u00f6tigen Gewalt eine Axt zu schwingen, <em>yarl<\/em> Grootplen h\u00e4tte es wohl getan, fand es aber sinnvoller, sich um seine Enkeltochter zu k\u00fcmmern, eine gute Entscheidung, wie sich unmittelbar im Anschluss erwies. T\u00edjnje war tapfer und weit davon entfernt, sich wie ein \u00e4ngstliches Wiegenkind zu geben. Aber sie war von allen Anwesenden die kleinste und zerbrechlichste, die er mit seinem stattlichen K\u00f6rper beschirmen wollte, f\u00fcr den Fall, dass weitere Sandmassen niederst\u00fcrzten. Der <em>teirand<\/em> f\u00fchlte sich einen Moment lang verpflichtet, selbst den entscheidenden Schlag zu tun, aber er hatte sich nie als geschickter K\u00e4mpfer versucht und die Axt sicher nicht richtig gef\u00fchrt. Und da es der Dame und den beiden Jungen hierzu an Kraft mangelte, blieb die Sache nun ohne gro\u00dfe Diskussion in Altabetes Hand.<\/p>\n<p data-p-id=\"1d45ccd0e78f3429629dca4b9033d1aa\">Andr\u00eder Altabete fixierte die T\u00fcr mit eben dem unnachgiebigen, respekteinfl\u00f6\u00dfendem Blick, mit dem er bei so manchem Turnier seinen Gegner verunsichert hatte. Doch die T\u00fcr k\u00fcmmerte sich nicht darum.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0cae753d4e1d39eedf2cc4cce096ee0\">\u201eSchlag das Schloss heraus, Vater&#8221;, empfahl J\u00e1ndris. \u201eDas ist die schw\u00e4chste Stelle.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ead995795269b52fbd8dcc6e6c2cfbe4\">\u201eWas du nicht sagst&#8221;, knurrte Altabete. \u201eMehr Licht hierher, dass ich das verfluchte Ding auch sehen kann!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6921f88843ec3f8a3b7be2891db3cf3\">Asga\u00fd von Spagor hielt seine Laterne n\u00e4her an die T\u00fcr und sch\u00fctzte sie zugleich mit einem der Schilde gegen den von oben rieselnden Sand. \u201eSeht Ihr so besser?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06d8751c7d824efbf2cf5830f63e2fa2\">\u201eWie kann es so rasch so finster geworden sein?&#8221;, murmelte die <em>teiranda<\/em>. \u201eIst es drau\u00dfen denn schon Nacht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3c8de73afd7e517b7b61446042f99f7b\">\u201eDas werden wir gleich wissen.&#8221; Emberbey leuchtete seinerseits mit einer Flamme, die sie aus ihrem Ofen genommen hatten. \u201eSeid bedacht, Herr Andr\u00eder. Das Gold wird nicht lange halten.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1f0b60d5aab3a466775b561a028bcbfd\">Altabete tat einen unwilligen Laut und schwang die Axt, noch bevor jemand anderes ihm weitere schlaue Ratschl\u00e4ge erteilen konnte. Das vergoldete Blatt drang krachend in das Holz. Tats\u00e4chlich. Es drang hinein und Splitter brachen aus dem Holz.<\/p>\n<p data-p-id=\"ba40cc7c8b6734e00ce75478c2311a58\">\u201eEs gl\u00fcckt!&#8221;, rief L\u00e1as entz\u00fcckt aus. Die Brandwunde unter seinem Auge sah \u00fcbel aus, doch der Junge strahlte \u00fcbers ganze Gesicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc878458ae99ed1afcc204bacf941f94\">\u201eVorsicht!&#8221;, mahnte Grootplen. \u201eDass das Gold sich nicht absprengt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ec33cfb5ae98cbb6b840301060dacae8\">Altabete l\u00f6ste die Axt vorsichtig ruckend aus der T\u00fcr. Die Vergoldung schien weitgehend intakt zu sein. Er holte erneut aus, diesmal mit etwas mehr Zuversicht im Blick.<\/p>\n<p data-p-id=\"b603126ad8d597edb96987628146b217\">Im selben Moment traf oben im Turm die kleine Axtklinge die T\u00fcr des Turmgemachs, und Wa\u00fdreth Althopian brach der Boden unter den F\u00fc\u00dfen weg.<\/p>\n<p data-p-id=\"49e9756bb447d4692198541dbcafce52\">Die schweren Balken und Dielen splitterten unter dem Gewicht von weit mehr Sand, als in das Gemach gepasst h\u00e4tte, und alles zusammen, Holz, Sand und der Ritter st\u00fcrzten in den Abgrund, der sich unter ihm auftat, und den entgeisterten Menschen im Erdgeschoss entgegen. Aber obgleich all das Gewicht im Bruchteil eines Herzschlags h\u00e4tte fallen und sie alle umgehend h\u00e4tte erschlagen m\u00fcssen, geschah das nicht. Stattdessen schien alles, der Sand und die Tr\u00fcmmer, nicht schwerer zu sein als ein zerfetztes Federbett, zumindest, was die Fallgeschwindigkeit betraf. Der Sand fiel wie eine Wolke, wie sich senkender Nebel, und begann etwas auf halber H\u00f6he des Turmes zu stocken, sich zu formieren, zu rieseln wie das Innere einer Sanduhr. Was immer es mit diesem Sand auf sich hatte, es war nicht darauf aus, die Menschen zu erschlagen.<\/p>\n<p data-p-id=\"6d1bf4933b260eb23d9ccd59a904dbfc\">Geistesgegenw\u00e4rtig schwang Asga\u00fd von Spagor seinen Schild und stie\u00df seine <em>h\u00fdardora<\/em> so nah an die Wand, wie m\u00f6glich. Der Sandregen ging auf das arg ramponierte Holz nieder und rutschte beiseite. Die \u00fcberraschten Schreie der anderen wurden von dem prasselnden Ger\u00e4usch \u00fcbert\u00f6nt. Dann wurde es f\u00fcr einen Augenblick ganz still. Und dunkel, denn keines der Lichter und Feuer hatte das, was soeben geschehen war, \u00fcberstanden.<\/p>\n<p data-p-id=\"38eb489d5e5bbd1d27c2eb8b00cfee25\">\u201eOpa&#8221;, beschwerte T\u00edjnje sich mit kleinem Stimmchen, \u201edu erdr\u00fcckst mich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c547e2d5ed081df4e4c61bfd35bca6c\">\u201eAlthopian!&#8221; Das war Emberbey. \u201eAlthopian! Seid Ihr das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"da9b16ac1a4883e787424d5527e6f611\">\u201eWas ist geschehen?&#8221;, kam es irgendwo, ganz in der N\u00e4he matt zur Antwort. Tats\u00e4chlich, es war die Stimme von Wa\u00fdreth Althopian.<\/p>\n<p data-p-id=\"9a60e384ef15611118d353c09f46053c\">\u201eWo sind wir?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"715e5f6cdf8d57720a23115a8253f036\">\u201eDas m\u00f6gen die M\u00e4chte wissen&#8221;, sagte der <em>teirand<\/em>. \u201eWo seid ihr? Sind alle wohlauf?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"42eaa419767560f587c7251a74861ca5\">\u201eL\u00e1as? J\u00e1ndris?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"afe5caf2f134a0597f353c3a53b0a1a4\">Sie riefen einen Moment einander bei den Namen, bis jeder in dem Stimmengewirr geantwortet hatte, aber sie fanden nicht gleich zueinander, denn um sie herum war nichts als Finsternis und Sand, hei\u00dfer, loser Sand, der sie begraben hatte und zum Teil wie eine schwere Last, zum Teil leicht wie Pulverschnee auf ihnen lag. S\u00e4mtliche Fackeln und Lampen, die sie bei sich gef\u00fchrt hatten, waren erloschen.<\/p>\n<p data-p-id=\"296ceb11ef0752a3b31c309d7ddfa721\">\u201eDas ist wie ein Moor!&#8221;, rief L\u00e1as erschrocken. \u201eEtwas zieht mich hinab!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ed5f93857dffbcdeefc5663a98ebb96e\">\u201eBewahrt die Ruhe&#8221;, versuchte Altabete, sich Geh\u00f6r zu verschaffen. \u201eWir m\u00fcssen an die Oberfl\u00e4che. Versucht, Euch empor zu graben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3df2fc9d7b1405991fcea376a1026602\">\u201eEs geht nicht! Etwas zieht an mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b3384c5961ded379f6db2c4c509bda88\">\u201eNicht strampeln!&#8221;, rief Althopian. \u201eGanz ruhig! Rede mit mir, L\u00e1as! Wo bist du? Ich komme zu dir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"64e19d325f491cae2d7435c24d5c2ffa\">\u201eNein!&#8221;, keuchte der Junge. \u201eNicht! Dann zieht es Euch auch herab!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0abf2e6faf9225f3c5d52e8feb0ea5a1\">\u201eK\u00edan\u00e1!&#8221; Der <em>teirand<\/em> war in Aufruhr. \u201eK\u00edan\u00e1! Wo bist du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9c4a99994d7df8559e7b9dd69d6e225e\">\u201eHier&#8221;, antwortete die Dame, viel weiter fort, als sie gerade noch von ihm entfernt gestanden hatte. \u201eIch &#8230; ich schwebe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96831c7dd5ea6975a6e963a104cb926c\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a67e81b6205b27801e7a41bc1056b1a3\">\u201eDer Sand, er &#8230; tr\u00e4gt mich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a8f3d9c556636f75034b75afd7d3658a\">\u201eVerflucht!&#8221;, entfuhr es Altabete. \u201eWir brauchen Licht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4356ab83428dc3d9f987f1ec1ab7548\">\u201eHerr Andri\u00e9r! Habt Ihr noch die Axt in H\u00e4nden?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d2e8769c4ee5bf7a0bd05845faaadde\">\u201eJa! Was soll ich damit, Emberbey?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a2c9cb42a2eccb8773df77c1afa13c97\">\u201eFesthalten! Lasst sie nicht los!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ac9646515de0ca3b15cbab9a075349b\">\u201eIst jemand versch\u00fcttet? Ist jemand in Not?&#8221; Grootplen klang, als sei sein Mund voller Staub, er hustete, und T\u00edjnje in seinem Arm wimmerte auf.<\/p>\n<p data-p-id=\"00251c031c072b66108d0eff7c833eaa\">\u201eJa, ich!&#8221;, kam es von L\u00e1as. \u201eDer Sand &#8230; er rieselt unter mir weg!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8277d949d7d61d10ed9c80c63b664150\">\u201eHier! Hier, L\u00e1as, ich h\u00f6re dich. Ich hab ein St\u00fcck Holz! Halt dich daran fest!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dc8c78554de598959170a78b19e2057d\">Sie h\u00f6rten, wie J\u00e1ndris seinem Freund ein Tr\u00fcmmerst\u00fcck der Holzbohlen zuschob. Asga\u00fd von Spagor hatte sich an die Oberfl\u00e4che gearbeitet und stapfte unbeholfen auf die Stimme seiner <em>h\u00fdardora<\/em> zu.<\/p>\n<p data-p-id=\"19f58db2988aa417611da8b7eee30179\">\u201eWo sind wir?&#8221;, wiederholte er. \u201eBei den M\u00e4chten, was ist das nun wieder f\u00fcr ein verfluchter Zauberort?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"28a7e07097abb6876ca8161fc3a7ff2c\">Denn dass sie sich nicht mehr im Turm befanden, das war offensichtlich. Keine Mauern, keine steinernen Tr\u00fcmmer waren um sie herum. Doch nach und nach gew\u00f6hnten sich ihre Augen an die Dunkelheit, denn nun waren wieder Schemen zu erkennen. So, als ginge eine unendlich weit entfernte Sonne \u00fcber ihnen auf, ged\u00e4mpft durch eine dicke Schicht aus Nebel oder Wolken.<\/p>\n<p data-p-id=\"49729640b31643b7c51e0375a7c09087\">\u201eWo sind wir?&#8221;, beharrte der <em>teirand<\/em>, doch niemand konnte ihm eine Antwort darauf geben. Nach und nach kamen sie alle auf mehr oder minder festem Boden zu stehen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5c7756c3d9f6009908d048a9b4577646\">\u201eBemerkt ihr das?&#8221;, fragte Wa\u00fdreth Althopian.<\/p>\n<p data-p-id=\"826782ea1fbddff8588e3f7335f62894\">\u201eWas meint Ihr?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c164226d0c7356da52cdd888caf1879\">\u201eDer Sand. Er wird &#8230; nun, fester.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d6dda2a0320c32a34439caa68baf1b11\">\u201eWahrhaftig. Er wird <em>feucht<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef53ebe9d5af59d1b818c66a1fc0fd9d\">\u201eWas sagt ihr da, Emberbey?&#8221;, fragte Grootplen und nahm T\u00edjnje auf den Arm.<\/p>\n<p data-p-id=\"65c04f26069007feec5198ad22cea9ed\">\u201eEs zieht Wasser hinein&#8221;, antwortete der alte <em>yarl<\/em>. \u201eF\u00fchlt Ihr es, Majest\u00e4t? Es ist wie daheim am Meer, wenn die Flut aus dem Boden kommt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"786e7b2ba07e513e737930589046759a\">\u201eAlthopian&#8221;, fragte K\u00edan\u00e1 von Wijdlant und stapfte schwankend heran. \u201eAlthopian? Wo ist Manj\u00e9v? Wo ist meine Tochter? War sie nicht mit Euch?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1fd0f87fd9d207dffa0bc282181981bd\">Der Ritter wandte sich seiner Gebieterin zu. Auch der <em>teirand<\/em> schaute ihm gespannt entgegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"7ca189e4e430817ba33b1ae79319476b\">\u201eIch wei\u00df es nicht&#8221;, gestand er dann. \u201eIch wei\u00df nicht, wohin sie und Osse geraten sind. Ich hoffe, sie sind bei meinem Sohn.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0d5dd46a276e1183702c3291eb378d61\">\u201eBei den M\u00e4chten&#8221;, wisperte Asga\u00fd von Spagor. \u201eIhr habt Manj\u00e9v aus den Augen gelassen? Wie k\u00f6nnt Ihr wagen &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"212da4ecd6cd92e6f7b3ee82ab07fc48\">Althopian senkte besch\u00e4mt den Kopf. \u201eIch habe versagt, Majest\u00e4t.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40fac4b0e28ddf31275443268a03b169\">\u201eSie werden doch wohl nicht im Sand untergegangen sein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"125a5af3563695d3971d6ed50245cb75\">\u201eOsse!&#8221; Das war <em>yarl<\/em> Emberbey. Er rief nicht besorgt, nicht verst\u00f6rt nach seinem Sohn. Er rief mit einer solchen Strenge, dass der Junge sich ganz gewiss auch nicht in der Tiefe des Sandes zu verbergen <em>gewagt <\/em>h\u00e4tte. \u201eOsse Emberbey! Antworte mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d289c95204b4aa0ce164256f519d02a8\">\u201eEmberbey!&#8221;, mahnte Grootplen und versuchte, den <em>yarl<\/em> zu beschwichtigen. \u201eSo beruhigt Euch!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"40303381b0a1785abb9aad8506c1d297\">\u201eBeruhigen? Wovon redet Ihr, Herr Daap? Osse! Osse Emberbey! Wenn du mich h\u00f6rst, dann zeig dich! Zeige dich <em>augenblicklich<\/em>! <em>Gehorche<\/em> deinem Vater!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0dd626ad1c6d6abf9eec235b9dfaf02\">\u201eHerr Alsg\u00f6r!&#8221; K\u00edan\u00e1 von Wijdlant z\u00f6gerte, den Ritter zu ber\u00fchren. \u201eHar Alsg\u00f6r, seid ruhig! Es hat keinen Zweck!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f9ef154f1ff818ce2956f10edef94b6f\">\u201eKeinen Zweck? Wo soll er denn sein, mein Sohn? Er kann doch nicht&#8230; hier im Sand &#8230; mein Sohn &#8230;&#8221; Seine Stimme wurde immer leiser, verwirrter. Dann entfuhr dem alten Ritter ein zitterndes Seufzen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a649f0607d13fe120e688a1d8b8dc966\">\u201eManj\u00e9v!&#8221;, rief da pl\u00f6tzlich auch T\u00edjnje und strampelte sich vom Arm ihres Gro\u00dfvaters los. \u201eManj\u00e9v! Komm zu uns! Nicht verstecken! Wir spielen ein andermal weiter, ja?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6794953852d4fc0d82670b26eb2aa0d5\">\u201eT\u00edjnje!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"34dc9286df22522dad09ec5a56e0c967\">Doch das kleine M\u00e4dchen lie\u00df die anderen stehen und rannte leichtf\u00fc\u00dfig davon, so schnell, dass L\u00e1as und J\u00e1ndris M\u00fche hatten, ihr zu folgen. \u201eManj\u00e9v! Manj\u00e9v!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3b2d9219fd5f832fa2e3758229653071\">\u201eT\u00edjnje! Komm zur\u00fcck! Wo willst du denn hin?&#8221; J\u00e1ndris erwischte das M\u00e4dchen beim Sch\u00fcrzchen und brachte es zu Fall. T\u00edjnje wehrte ihn unwillig ab.<\/p>\n<p data-p-id=\"1cc1c2acd3214e690c9796d51b550b04\">\u201eIch h\u00f6re sie doch! H\u00f6rt ihr sie etwa nicht?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e431389d1d5ca07bc9e416f7c305a85d\">\u201eWas?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ced52403541741fc00349140e4e4bde8\">\u201ePst! Seid doch leise!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b74457e4870f871ff52dd08711bf47b2\">Die Erwachsenen hatten die Kinder eingeholt und lauschten. Ringsum rieselte der Sand, und aus der Tiefe klang etwas wie ein ersticktes Blubbern und Rauschen. Und ganz entfernt, weit, weit weg, rief ein kleines M\u00e4dchen nach ihren Eltern.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2631","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2631"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2631\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3711,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2631\/revisions\/3711"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}