{"id":2616,"date":"2025-08-25T13:15:20","date_gmt":"2025-08-25T11:15:20","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2616"},"modified":"2025-08-31T23:15:19","modified_gmt":"2025-08-31T21:15:19","slug":"091-salghiara-kann-warten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/091-salghiara-kann-warten\/","title":{"rendered":"091: Salghi\u00e1ra kann warten"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"f18de95b77e208c2c057a27be027557b\">In dem Stall war es angenehm schummrig und im Gegensatz zu der sengenden Sonne drau\u00dfen auch ertr\u00e4glich k\u00fchl. Yalomiro hatte mich gebeten, hier hinein zu gehen und einfach auf ihn zu warten. Nachdem die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> ihre Reittiere irgendwo anders hingebracht hatten, erkl\u00e4rte er, hielt er es f\u00fcr unwahrscheinlich, dass einer von ihnen in der n\u00e4chsten Zeit dieses Geb\u00e4ude betreten w\u00fcrde. Er wolle sich nur kurz umschauen, aber jemand m\u00fcsse auf den Stab und die Tasche mit seinen Utensilien aufpassen. Schlie\u00dflich konnte er das Zeug nicht mit sich herumschleppen, wenn er sich unauff\u00e4llig verhalten musste.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b4bf1e388d4bbbf2beb26fa667b2f75\">Ich hatte protestiert, denn unter gar keinen Umst\u00e4nden wollte ich ohne ihn allein in dieser fremden Burg, in diesem Heiligtum fremder Magier stehen. Jeden Moment k\u00f6nnte schlie\u00dflich einer durch die T\u00fcr treten, dem ich dann irgendwie meine Anwesenheit erkl\u00e4ren m\u00fcsste und dabei j\u00e4mmerlich versagen w\u00fcrde.<\/p>\n<p data-p-id=\"bb77e9ddfff73ec6ad019a3d195218c9\">Es w\u00fcrde gen\u00fcgen, hatte er erwidert, wenn sie ihn erwischen w\u00fcrden, denn das, was er vorhatte, war waghalsig und ganz bestimmt gegen die Regeln.<\/p>\n<p data-p-id=\"8742fe15582fb8ed8a83fd496af15039\">Und was mache ich, wenn sie dich erwischen?, hatte ich entsetzt gefragt.<\/p>\n<p data-p-id=\"7f1ceda8cf498d29fbe8e555e065bcf1\">Du k\u00f6nntest versuchen, mich zu retten, hatte er v\u00f6llig ernsthaft geantwortet. Es sei n\u00f6tig, dass ich mich weiterhin der Suche nach D\u00fdamir\u00e9e widmen konnte, falls er daran gehindert werde. Mir zu sagen, dass ich sein Vorhaben gef\u00e4hrden w\u00fcrde, weil ich unbeholfen und begriffsstutzig war, das brachte er wohl nicht \u00fcbers Herz.<\/p>\n<p data-p-id=\"3393a95f0e1a1c5f7a5f3ee31dc76bcf\">Ich lasse dich nicht l\u00e4nger allein als n\u00f6tig, hatte er versprochen, seine Stirn z\u00e4rtlich an der meinen. Dann hatte er mir seine Tasche und diesen schrecklichen Zauberstab in die Hand gedr\u00fcckt, D\u00fdamir\u00e9es Stofftier an sich genommen und war quer \u00fcber den Hof hin\u00fcber zu dem Eingang gehuscht, den die alte Frau und C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor benutzt hatten, den zu dem m\u00e4chtigen mittigen Turm, der sich hoch \u00fcber die Mauern erhob, glitzerte und gl\u00e4nzte und trotz seiner Dimensionen befremdlich schwerelos wirkte. Aber Yalomiro benutzte nicht die T\u00fcr. Ich hatte erwartet, dass er einen Schattenwurf nutzen und darin verschwinden w\u00fcrde, aber das war ihm wohl zu unsicher. Stattdessen glitt er in seine Rabengestalt und flog hinauf bis zu einem offenen Fenster auf halber H\u00f6he des Geb\u00e4udes. Das war riskant, aber wohl das Ungef\u00e4hrlichste, was er tun konnte. Magie, die er an sich selbst wirkte, war wahrscheinlich das diskreteste und Unauff\u00e4lligste, was in einem fremden Heiligtum unentdeckt bleiben w\u00fcrde. Doch bereits das mochte ein gro\u00dfes Wagnis gewesen sein.<\/p>\n<p data-p-id=\"de1f3ca1304e441f62ed030288c2f250\">Und jetzt stand ich hier und war nerv\u00f6s. Nat\u00fcrlich hatte er recht. Ich war nicht bereit f\u00fcr elegante Geheimmissionen. Andererseits war auch sein Flug etwas unbeholfen, denn das Kuscheltier im Schnabel zu transportieren war nicht einfach. Was mochte er damit vorhaben? War es tats\u00e4chlich ein Talisman?<\/p>\n<p data-p-id=\"aa3bfe14bdf802db3a64baba1f73f3ed\">Ich schaute mir den Stab aus der N\u00e4he an und war erstaunt dar\u00fcber, dass er sich in meiner Hand nicht viel anders anf\u00fchlte als ein Besenstiel. Wenn dieses schreckliche Ding jemals unheilvolle Magie in sich getragen hatte, dann hatte die sich l\u00e4ngst verfl\u00fcchtigt.<\/p>\n<p data-p-id=\"4a47dbb757297bbb38e7f836420febe5\">In tat also vorsichtig einen Schritt in den Stall hinein. Die Regenbogenritter waren s\u00e4mtlich mit der <em>faj\u00eda<\/em> in der Burg, und wenn es stimmte, dass au\u00dfer ihnen niemand in diesem riesigen Geb\u00e4ude weilte, w\u00fcrde ich mich hier wohl eine Weile unbehelligt aufhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a154d676c2e99bb0d5a0386b9bb7e5e2\">Der Stall hatte einen Vorraum direkt hinter dem Eingang, von dem aus eine T\u00fcr in eine gro\u00dfe Sattelkammer f\u00fchrte. Es roch angenehm sauber nach Lederseife und Metall. Daneben ging es in einen breiten Gang, wo sich auf beiden Seiten golden vergitterte Abteile aneinanderreihten. Ich konnte das Metall sp\u00fcren wie Gluthitze, aber solange ich nichts anfasste, lie\u00df es sich ertragen. Da ich nicht mitten im Eingangsbereich stehen bleiben wollte, ging ich neugierig ein paar Schritte in den Gang mit den Gittern hinein.<\/p>\n<p data-p-id=\"82e7ad8de4107522722f580b679f89e1\">Das, was wohl die Stallabteile f\u00fcr die Einh\u00f6rner darstellen sollte, glich Raubtierk\u00e4figen mit armdicken Gitterst\u00e4ben. Es roch nach Stroh und den Ausd\u00fcnstungen von Tieren, allerdings nicht so sehr nach Pferd, wie ich erwartet hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"df350226f000204a10c82f761d1c875a\">In einem der K\u00e4fige bewegte sich ein Tier. Ich schlich vorsichtig hin und erkannte das urspr\u00fcngliche Reittier des Goldenen, den Schimmel mit dem warmen L\u00fcsterglanz auf seinem Fell. Wie gro\u00df und einsch\u00fcchternd er war, und wie sonderbar sch\u00f6n! Das Tier wandte mir den Kopf mit dem Horn auf der Stirn zu. Seine M\u00e4hne umspielte schwerelos seinen Kopf und Hals wie eine \u00fcppige Federboa und seine gro\u00dfen mandelf\u00f6rmigen Augen leuchteten strahlend gelb wie Citrin. Die \u00fcbergro\u00dfen Fl\u00fcgel trug das Tier leicht gel\u00fcpft zusammengelegt am K\u00f6rper. Es war ganz anders, viel geheimnisvoller und gef\u00e4hrlicher, als ich mir fr\u00fcher in meinem alten Leben solche M\u00e4rchenkreaturen vorgestellt hatte. Das Tier schnaubte und wandte sich um.<\/p>\n<p data-p-id=\"dc00bfce88c3e3c598502d045b755203\">\u201eHe! Was machst du da?&#8221;, sprach mich so unerwartet jemand an, dass ich zusammenzuckte. Ich war so gefesselt von dem Anblick dieses &#8230; ja, dieses <em>absurden<\/em> Fabelwesens gewesen, dass ich gar nicht darauf geachtet hatte, dass am anderen Ende der Stallgasse jemand aus einer T\u00fcr hervorgekommen war. Kein <em>arcaval&#8217;ay<\/em>. Ein ganz normaler Mensch.<\/p>\n<p data-p-id=\"eac03b7d4c24109e9765dc6f8d653ca2\">\u201eIch &#8230;&#8221;, stammelte ich wirr, \u201e&#8230; Verzeihung. Es &#8230; ja, es ist so hei\u00df drau\u00dfen, und es war niemand da, und &#8230; da dachte ich, ich schaue, ob hier jemand ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7265b39168a656b4191e710ec9aef3af\">Der Ank\u00f6mmling kam n\u00e4her. Es war ein derber Mann, den ich auf mehr als f\u00fcnfzig Jahre sch\u00e4tzte. Er trug praktische, mit viel Leder besetzte Kleidung und eine ebensolche Weste, einen leicht nachl\u00e4ssig gestutzten Vollbart und eine Kappe, die wohl dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen sollte, dass er kaum noch Haare hatte. Er stapfte eilig und etwas O-beinig heran.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec69ef7f82933a91c5ee8279fe5dfd45\">Im wirklich allerletzten Moment fiel mir ein, weshalb zu meiner Kleidung dieser silberbestickte dunkle Schleier geh\u00f6rte, den ich \u00fcblicherweise als Schultertuch trug. Ich lehnte den Stab an das Gitter neben mir und legte ihn mir rasch \u00fcber den Kopf.<\/p>\n<p data-p-id=\"87d95d137e175a7d587dc8bf18320d0a\">Der Mann runzelte die Stirn als er das sah und kam n\u00e4her. Ich versuchte, ihn zu ersp\u00fcren, und entspannte mich ein wenig. Wer immer das war, er war nicht gef\u00e4hrlich. Nur recht irritiert und etwas ver\u00e4rgert \u00fcber mein Auftauchen und unbefugtes Eindringen.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2f188ee3a025bfae2ad0746bf50e87b\">\u201eWer bist du?&#8221;, erkundigte er sich m\u00fcrrisch. \u201eWas willste im Stall?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e5f0a412655777c1defe551c7351c3a5\">Irgendetwas nicht allzu weit Hergeholtes musste mir einfallen. Eine plumpe L\u00fcge w\u00fcrde mir nicht \u00fcber die Lippen kommen.<\/p>\n<p data-p-id=\"0fabdf1bf0f88e955ddda2a2f8ef1946\">\u201eIch &#8230; suche jemanden. Wir &#8230; ich will hier etwas &#8230; abliefern.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"18ad1fc4bb4fd9fce265f38ced8e860b\">\u201eDas da?&#8221;, fragte er und deutete auf den Zauberstab, der nun einmal das auff\u00e4lligste Objekt war, das ich mit mir herumschleppte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e7a43816af0c9315b3360417d45c098d\">\u201eGewisserma\u00dfen&#8221;, sagte ich vage.<\/p>\n<p data-p-id=\"1a536ead654f43c2dc9e1a3df98dc726\">\u201eSileda\u00fa ist bei den Meistern. Kann wohl &#8216;ne Weile dauern, bis sie wieder hier ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"690185268a7c9ed271e64d065ab0dd82\">Zum Gl\u00fcck tarnte der Schleier mein Gesicht. Ich konnte mir denken, wie konsterniert ich wohl dreinschaute. \u201eSo?&#8221;, fragte ich unbestimmt. \u201eSileda\u00fa?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01e1355f50797991751072f98d5a209d\">\u201eWar wirklich keiner am Tor?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a5f85aea07b8f61930442986d5dc91ac\">\u201eIch habe niemanden gesehen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"06a80c9864462fc1bbe16dae7f31520d\">Er schnaufte unwillig. Vorgestellt hatte er sich immer noch nicht, aber ich ging nun davon aus, dass es sich um eine Art Stallknecht handeln musste, zumindest jemand, der hier das Sagen und die Verantwortng hatte. Das Einhorn jedenfalls schien vertraut mit ihm zu sein. Es streckte ihm die Schnauze durch das Gitter entgegen. Er t\u00e4tschelte sie beil\u00e4ufig und musterte mich mit misstrauischem Blick. Es war offensichtlich, dass es ihm auf der Zunge lag, mich zu fragen, weshalb ich mir den Schleier \u00fcbergezogen hatte, aber er war wohl zu taktvoll, danach zu fragen.<\/p>\n<p data-p-id=\"49a23fa698135bb0f3022805fde318fe\">\u201eIch vertrage die Sonne nicht gut&#8221;, erkl\u00e4rte ich vorsorglich. \u201eMeine Haut ist schon ganz wund. Sieht scheu\u00dflich aus. Ich bin nicht von hier.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ad554c74d92a0012016be86440285ed9\">\u201eAus For\u00e9tern, was?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d2d98a431261d37d205a8efe149f90f\">\u201eNein. Noch viel weiter n\u00f6rdlich. Aus der N\u00e4he von Hethrom.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"100099f53818456e0564617cb20214ff\">Das schien ihm nichts zu sagen, aber als Erkl\u00e4rung auszureichen. Er entspannte sich. Vielleicht war es ihm ganz recht, jemanden zum Reden zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"633470356bdeee93b85b82a4ff70d7cd\">\u201eVerr\u00fcckte Zeiten, die letzten Tage&#8221;, knurrte er. \u201eAll dieses Hin und Her, als w\u00fcssten sie nicht so recht, was sie denn nun wollten. Erst weg mit dem Krempel, jetzt wieder neu dazu &#8230;&#8221; Er tippte den Stab respektlos an. \u201eIch denk&#8217;, das kannste gleich wieder einpacken. Wird die Meisterin nicht im Haus haben wollen. War sehr erbost wegen dem anderen Krempel.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f61a8de7bd23755b1890b39bc5c33105\">Ich nahm den Stab hastig wieder in die Hand. Ich wollte nicht riskieren, dass er ihn anfasste und damit m\u00f6glicherweise noch irgendetwas ausl\u00f6ste. \u201eDas wird &#8230; Sileda\u00fa mir wohl selbst sagen. Im Ciel\u00e1stel ist sie, sagst du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"309836a968e9e538b9ca8b22f9ed5c07\">\u201eHab gesehen, wie sie r\u00fcber gegangen sind.&#8221; Er z\u00f6gerte. \u201eSoll ich sie holen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0831a7d9503c431557f582d6abba95b0\">\u201eNein, das ist nicht n\u00f6tig&#8221;, beeilte ich mich. \u201eIch will auf keinen Fall st\u00f6ren. Es eilt nicht zu sehr. Darf ich hier drinnen im Schatten warten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4f8f0a41611d7e69a9a7ca3e0f57adee\">Er zuckte gleichg\u00fcltig die Achseln. \u201eMeinetwegen. Geht hier drin ohnehin heute zu wie auf dem Marktplatz. Erst das Kind, dann die Burschen vom <em>sinor <\/em>&#8230; bin froh, wenn ich nachher in die Stadt gehe. Ist doch alles nicht mehr normal hier. Ich werd&#8217; zu alt f\u00fcr so was.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3be33e52f063d35a3c9688f14fc6d39a\">\u201eKind?&#8221; Ich horchte auf. Er wirkte ertappt.<\/p>\n<p data-p-id=\"485d8c19b9c2c295a8e39a597480bbad\">\u201eDarf ich nicht dr\u00fcber reden&#8221;, behauptete er. \u201eIst <em>geheim<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0738b838748bc8450cb7d7a9d2dd641\">Das war mir egal. \u201eEin kleines schwarzhaariges M\u00e4dchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"88a8ae49ad3e046e03239f5713503903\">\u201eFrag Sileda\u00fa. Ich halt mich da raus. Hab nix gesehen.&#8221; Der Stallknecht wandte sich ab und wollte sich entfernen, stutzte dann aber. \u201eWoher wei\u00dft <em>du<\/em> das?&#8221;, fragte er misstrauisch.<\/p>\n<p data-p-id=\"16008eea84fb2790053c736ddfde7045\">\u201eWo ist sie?&#8221;, rief ich aus, ohne daran zu denken, wie dumm das war.<\/p>\n<p data-p-id=\"82ab382337e1b532513c81e6fe58d276\">\u201eGeht mich nichts an&#8221;, raunzte er und wollte an mir vorbei. Ich dachte nicht nach und senkte den Stab vor ihm, wie ein Torw\u00e4chter seine Hellebarde. Nicht, dass das auf der Breite der Stallgasse etwas genutzt h\u00e4tte, denn er h\u00e4tte einfach an mir vorbeigehen k\u00f6nnen. Aber es schien ihn ausreichend zu beeindrucken.<\/p>\n<p data-p-id=\"f7986b7d91d6def0135667d6a3fb13cf\">\u201eWo ist das Kind?&#8221;, wiederholte ich hartn\u00e4ckig.<\/p>\n<p data-p-id=\"92e0bcdb7b199be199f6b955fa82d932\">\u201eWei\u00df nicht. Die d\u00e4mlichen Knechte von <em>sinor<\/em> \u00daldaise haben sie woanders hingebracht. Geht nur Sileda\u00fa was an. Soll mich raushalten!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"00dd4c579e635cbe38f4bb2d0659ece6\">Ich z\u00f6gerte. Wer war dieser <em>sinor<\/em> \u00daldaise denn nun schon wieder? Offensichtlich jemand Wichtiges, von dem er ganz selbstverst\u00e4ndlich annehmen musste, dass ich im Bilde war. Mit Nachfragen w\u00fcrde ich mich verd\u00e4chtig machen. Meine Gedanken rasten. Ich war allein mit diesem Unkundigen, und er wusste offenbar N\u00e4heres \u00fcber D\u00fdamir\u00e9es Verbleib. Er sollte offenkundig dar\u00fcber schweigen, hatte sich aber schon heillos verplappert. Wer immer die Alte war, es war wohl nichts Ungew\u00f6hnliches, dass sie kuriose Gegenst\u00e4nde ihr Eigen nannte und aufkaufte. Sonst h\u00e4tte der Stab doch wesentlich mehr Verwirrung hervorgerufen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ec60165cfc8bd94f46d9f4f10c935631\">Mit einem Alleingang w\u00fcrde ich m\u00f6glicherweise Yalomiros Aktionen sabotieren. Aber die Gelegenheit war zu verrlockend.<\/p>\n<p data-p-id=\"919f86aae4cb82dc73cc503c38bab47a\">\u201eWenn wir von demselben Kind reden&#8221;, begann ich bedacht, \u201edann w\u00fcsste ich doch gern, was Sileda\u00fa damit zu tun hat.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f3ff676ee589786ca7a6a7563eb8a866\">\u201eWas hast&#8217;n <em>du <\/em>damit zu tun?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39c9421a892687c1744722aa6a3a6d17\">Sollte ich ihm sagen, wie viel es mich anging? Dass ich die Mutter war?<\/p>\n<p data-p-id=\"a798a384fdb363296791d64e2b7a967c\">\u201eDavon h\u00e4ngt ab&#8221;, sagte ich, indem ich mich im letzten Moment zur Vorsicht entschied, \u201ewas Sileda\u00fa f\u00fcr diesen Stab bezahlen muss.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"61de3d3a9e2ed5cc986c73a05880033f\">\u201eVersteh ich nicht&#8221;, sagte er unwirsch. \u201eGeht mich nichts an. Bin froh, dass das Kind weg ist. Hat nur \u00c4rger gemacht. Erst das Einhorn aufscheuchen, dann all das Durcheinander &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"22016c9f16d437886fbfd0e9466895a5\">\u201eWo ist sie?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b31853c5b41ae41967c5449ee1f9cde7\">\u201eIch wei\u00df es nicht! Die Knechte vom <em>sinor<\/em> haben sie weggeschafft. Den M\u00e4chten sei Dank! So sind wir hier den \u00c4rger los. Sollen Sileda\u00fa und der Meister das unter sich ausmachen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ef860300134494dd187e5e08dbc8ece6\">So kam ich nicht weiter und wurde auch nicht schlau daraus. Es klang jedenfalls, als h\u00e4tte D\u00fdamir\u00e9e es fertiggebracht, binnen kurzer Zeit f\u00fcr reichlich Durcheinander zu sorgen. Wahrscheinlich war mit dem aufgescheuchten Einhorn das Reittier des Sohnes von C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor gemeint. Das hie\u00df dann aber auch wohl, dass die Kinder <em>nicht<\/em> miteinander unterwegs waren und f\u00fchrte zu der Frage: Wo war der Junge? Und wie war er der alten Frau aus dem Turmzimmer entwischt, was sie offenbar nicht gewusst hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"53e779639925b5d71a1ab91fe2c15c4f\">Warum <em>belog<\/em> die Alte C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor? Und warum war D\u00fdamir\u00e9e in der Gewalt von Handlangern eines mysteri\u00f6sen Fremden, der mit dieser unheimlichen alten Frau zusammenarbeitete? War es vollkommen m\u00fc\u00dfig, sie hier im Ciel\u00e1stel zu suchen? Vergeudeten Yalomiro und ich hier kostbare Zeit, w\u00e4hrend D\u00fdamir\u00e9e sonst wo in Gefahr schwebte?<\/p>\n<p data-p-id=\"97b2054f6f0a0855c4c057d64cc23a80\">\u201eNun&#8221;, improvisierte ich, nachdem sein Blick immer misstrauischer und ungeduldiger wurde, \u201eich bin mir sicher, dass sich das alles aufkl\u00e4ren wird, sobald &#8230; Sileda\u00fa Zeit f\u00fcr mich hat. Ich werde hier auf sie warten, wenn das f\u00fcr dich in Ordnung w\u00e4re.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d11d4b95787220c3871ba24f6a22bb26\">\u201eWenn <em>dir<\/em>&#8216;s recht w\u00e4re&#8221;, entgegnete er, \u201ehab ich dich hier gar nicht gesehen. Bis nach Aur\u00f3p\u00e9a ist ein ganzes St\u00fcck zu laufen, und ich will noch bei Tageslicht ankommen. Hab ohnehin selten mal einen freien Tag. Lauf nur nicht in die Burg hinein. Da haben Fremde nichts zu suchen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"eba7bfeaa93ef6d12641d39f47b76a6d\">\u201eNat\u00fcrlich&#8221;, sagte ich und meinte das durchaus ernst, denn ich hatte verstanden, dass ich D\u00fdamir\u00e9e hier nicht gar mehr zu suchen brauchte. Au\u00dferdem war es unn\u00f6tig, dass Yalomiro stattdessen nach <em>mir <\/em>suchen musste, sobald er von seinem Erkundungsflug zur\u00fcckkam.<\/p>\n<p data-p-id=\"13c2992c9af0b00f52ff050d0e000de1\">\u201eIch hoffe, du kriegst&#8217;n guten Preis f\u00fcr das h\u00e4ssliche Ding&#8221;, sagte er auffordernd. Ich begriff und schwenkte den Stab wieder in die Senkrechte, damit er weitergehen konnte. Er nickte mir zu und ging aus dem Stall hinaus, quer \u00fcber den Platz und steuerte auf das gegen\u00fcberliegende Tor mit der gesenkten Zugbr\u00fccke zu. Ich schaute ihm vom Stalleingang aus hinterher, indem ich vorsichtig um die Ecke lugte. Von hier aus w\u00fcrde ich rechtzeitig sehen, wenn jemand aus dem mittigen Turm herauskam.<\/p>\n<p data-p-id=\"4b18f837817cb166fd2eafd89746127a\">So wie just die alte Frau, die soeben die Treppe vom Hocheingang hinabstieg, mit zittrigem, unsicheren Schritt. Der Stallknecht erblickte sie auch, blieb stehen und sprach sie an. Die beiden wechselten einige Worte miteinander, der Mann deutete in Richtung Stall, und der Blick der Alten zuckte ruckartig zu mir hin\u00fcber. Hatte sie mich gesehen?<\/p>\n<p data-p-id=\"94fd3d96c52eb094bccbdb8e417eac45\">Konnte ich mich verstecken?<\/p>\n<p data-p-id=\"9e6f8481e2ad36d3a5834712c56e8339\">Ich hatte keine Zeit, dar\u00fcber nachzudenken. Sie schob den Stallknecht beiseite und begann, auf das Tor zuzuschlurfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"54ddee3c594a593db9c86f179f4048e1\"><em>Verflucht<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"8ce2538bcb4a828a5870c51d106807d9\">Sie landeten verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig weich, aber der Untergrund bewegte sich, so als w\u00e4re darunter Wellengang. Weit, <em>absurd <\/em>weit \u00fcber ihnen, vollkommen unerreichbar wie Nokt\u00e1mas Juwel am Himmel, war ein winziges Loch, durch das tr\u00fcbes, graues Licht auf sie hinabfiel, viel zu viel, zu hell angesichts der Entfernung. Und dann sanken sie beide ein, denn der Sand gab unter ihnen nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"1b450cb44b5c74794882f4d8805a7be0\">Manj\u00e9v von Wijdlant und Spagor kreischte, schrill wie ein panischer Greifvogel. Osse h\u00f6rte sie neben sich und haschte nach ihr. \u00dcberall war Sand, warmer, trockener Sand, aber nicht wie am Strand als fester Boden. Es war, als sei der Abstand zwischen den K\u00f6rnchen zu gro\u00df und sie wogten durcheinander wie die Staubpartikel auf dem Dachboden im Sonnenlicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"b2b900b27e11518d892f4951a4658537\">Die <em>teirandanja<\/em> griff zu, klammerte sich an seinen Hals und drohte, ihn in die Tiefe zu rei\u00dfen.<\/p>\n<p data-p-id=\"38596f832af77262b97db5309beb988c\">\u201eNicht&#8221;, rief er verst\u00f6rt. \u201eHaltet still!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f5bcedcc3a1af57d3f690d84c916a474\">\u201eOsse! Osse, was ist das?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"daadb3981f5d17e9dcc0a95c26ebfdbd\">\u201eHaltet still! Es zieht uns sonst in die Tiefe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"531da63c38ad9d27d187b03377ae3d10\">\u201eOsse!&#8221; Eine andere Stimme, hinter ihm, ganz nahe. Und so klar, als st\u00fcnde er neben ihm, nicht mehr ged\u00e4mpft durch eine T\u00fcr. Aber ohne seine Brille verschwamm alles um ihn herum zu einem tr\u00fcben Gemisch aus Sandwogen und Regenlicht.<\/p>\n<p data-p-id=\"45f6a521eca73f9cca743567e62c3176\">\u201eMerrit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0ce34ff14ffe51d7f8532596f93ad09d\">Etwas schlug heftig direkt neben seinem Kopf dumpf auf den Sand. \u201eHalt dich fest!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fce8d9f1d318d0db8e16d22845cd223e\">Osse haschte nach dem, was sich neben ihm in den Sand gegraben hatte, und riss sich die Hand darin auf. Es war die stachelbewehrte Kugel eines Streitflegels.<\/p>\n<p data-p-id=\"76e5db73292b623dd01168ef742ec8ca\">\u201eHalt fest! Pack die <em>teirandanja<\/em>! Ich ziehe euch her!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"96b2829c62c71f06f1f1d3950c3b1301\">Doch das M\u00e4dchen, seine <em>teirandanja<\/em> war v\u00f6llig au\u00dfer sich. Durch ihr Gezappel grub sie sich nur noch tiefer in den seltsam flie\u00dfenden, hellen Sand.<\/p>\n<p data-p-id=\"35fd9b09462b8160bf1f8f1954588fdf\">Es war unstatthaft, aber sie mochte es ihm verzeihen. Er packte sie energisch am Oberarm und erreichte damit, dass sie, von der groben Ber\u00fchrung aufgeschreckt, abrupt verstummte und tats\u00e4chlich ruhig hielt.<\/p>\n<p data-p-id=\"f7134d001ec41f7634def1b21f6a7118\">Ein Ruck ging durch die Kette, die die Kugel hielt, und Osse f\u00fchlte sich gezogen wie ein B\u00f6tchen, das ein Fischer an Land schleppte. Das verwaschene Bild vor seinen Augen sch\u00e4rfte sich ein wenig und zeigte einen massiven Streifen Holz, ein Balken zwischen Sand und Grau. Merrit Althopian kauerte darauf und zog aus Leibeskr\u00e4ften mit beiden H\u00e4nden an der Kette.<\/p>\n<p data-p-id=\"fcc04fb521a54cd3460b68b91eca7fb0\">Als er nahe genug heran war, lie\u00df er los und packte zu. Ohne ein weiteres Wort zog der eine Junge den anderen in Sicherheit, dann hatte sie beide M\u00fche, die Schockstarre <em>teirandanja<\/em> dem Sand zu entrei\u00dfen. Doch schlie\u00dflich hockten sie alle drei auf der schwarzsilbernen Tischplatte, wie Schiffbr\u00fcchige auf einem Flo\u00df. Kein Wasser ringsum, doch \u00fcberall der wirbelnde Sand.<\/p>\n<p data-p-id=\"900d7963d758bb7f44c384ded680e7ad\">\u201eMajest\u00e4t&#8221;, wisperte Merrit best\u00fcrzt. Sie schaute zu ihm auf, aber ob sie ihn erkannte, das blieb unklar.<\/p>\n<p data-p-id=\"bfa947b001c06c82587b6b8a4f9faf93\">\u201eWo sind wir?&#8221;, fragte Osse verst\u00f6rt. \u201eWas ist das hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d534c2cd59fe06e57ca832501cf7722\">\u201eWo kommst du her?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9cf9eb51d58f8fb4014592df3f48fb51\">\u201eIch glaube, ich bin durch das Dach gefallen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7d09c9270397544a9c928c05c54dd17f\">\u201eWarum <em>warst<\/em> du auf dem Dach?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fba74eb83fc9f5b9d7f50b7faee33a07\">Osse \u00e4chzte. Ihm war eiskalt, obwohl der Sand diese unnat\u00fcrliche W\u00e4rme abstrahlte. Die <em>teirandanja<\/em> starrte weiterhin in die Leere.<\/p>\n<p data-p-id=\"62ff5ebc1e978705465f6efa5ef66e2d\">\u201eIch wollte nicht, dass dein Vater auch noch stirbt&#8221;, sagte Osse.<\/p>\n<p data-p-id=\"c924a265496fd00aa7dd11711d6c8bb9\">\u201eEs h\u00e4tte ihn vom Dach gesto\u00dfen.&#8221; Merrit schien nicht erstaunt zu sein. \u201eStattdessen hat es nun dich geholt. Vielleicht bist du <em>wichtiger<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb5c81ef51b492cac848edeb4c7de9b0\">\u201eEs hat einfach die Stimme meine Mutter benutzt&#8221;, brachte Osse w\u00fctend hervor. \u201eEs hat es <em>gewagt<\/em>, ihre Stimme zu nehmen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe34ad7675bf9c5d9ae9e5504a03a830\">Merrit Althopian z\u00f6gerte nur kurz. Dann umarmte er den anderen Jungen, und Osses W\u00fcrde brach ein wie ein durchweichter Damm aus Pappe. Herzzerrei\u00dfend begann er, zu weinen. Einen Moment lang klammerten die Jungen sich aneinander und ergaben sich ihrer Angst, ihrem Schmerz und ihrer Wut.<\/p>\n<p data-p-id=\"230e35c7f4dab525ad2a816ee71aad3e\">Dann kam Bewegung in das M\u00e4dchen. Einen Moment schaute sie verwundert zu dem tr\u00fcbgrellen Regenwetterlicht in der Ferne hoch. Dann setzte Manj\u00e9v sich auf. Die Holzplatte unter ihr d\u00fcmpelte auf dem Sand. In ihrer verkrampften Hand hielt sie immer noch die Brille. Zaghaft tastete sie den schluchzenden Osse an und gab sie ihm zur\u00fcck. Dann wandte sie sich dem anderen Jungen zu, dem, den sie zuletzt gesehen hatte, als er von ihrem Fensterbrett gest\u00fcrzt war. Sie schauderte vor dem seltsamen Gef\u00fchl, so nahe bei ihm.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd41a2f903b26b32e967b9d17de38f5e\">\u201eMerrit Althopian&#8221;, fragte sie tonlos. \u201eWar das alles hier in dem <em>Zimmer<\/em>?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"831adeaab7bc4cc3f9599a7b1bd990c2\">\u201eNein, Majest\u00e4t&#8221;, sagte er. \u201eUnd das hier ist nicht das Zimmer. Nicht mehr. Das ist ein anderer Ort.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c0a8dbad06758df7daf0a6575cc04c77\">\u201eUnd was ist das hier?&#8221;, fragte Osse und setzte sich die Brille vor die rotgeweinten Augen. \u201eWorauf sitzen wir hier?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1d5e1f1e3edb2557122591141b523a2a\">\u201eDas ist ein Tisch, der dort stand. Es scheint, dass der Tisch sicher ist. Der ist &#8230; echt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1905733bb5082790cd14ad8df345963b\">\u201eIch hab Angst&#8221;, sagte Manj\u00e9v von Wijdlant von Spagor. \u201eK\u00f6nnen die Erwachsenen uns hier finden und retten?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"435b6942cc0c9a1bec65031b4e28d908\">\u201eNein. Diesen Ort k\u00f6nnen sie nicht erreichen. Ich glaube, wir sind <em>in<\/em> den Tr\u00e4umen. &#8220;<\/p>\n<p data-p-id=\"8c8b5cfa5e6e6e15212b09a0b27c1f96\">\u201eWenn so in den Tr\u00e4umen ist&#8221;, wisperte Manj\u00e9v, \u201edann will ich nie wieder schlafen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"d242912fef71a939f4310105425226a6\">Und dann dr\u00f6hnte es \u00fcberlaut, versetzte den Sand in wilde Schwingungen, dass das Tischplattenflo\u00df zu h\u00fcpfen begann. Ein Riese trommelte mit gewaltigen F\u00e4usten gegen ein haushohes Tor.<\/p>\n<p data-p-id=\"1c017c155b1b02c67120d6f70db64cfd\">\u201eMerrit!&#8221;, schallte Wa\u00fdreth Althopians Stimme von allen Seiten zugleich \u00fcber das in alle Richtungen endlose Sandmeer. \u201eMerrit! Kannst du mich h\u00f6ren!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f686abc527727e36001a6d202b663da9\">\u201eIst er das wirklich?&#8221;, fragte Merrit bang. \u201eSteht er immer noch vor der T\u00fcr und kann nicht rein?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9d93f896bf885b28cf87051231838abf\">\u201eM\u00f6glich&#8221;, sagte die <em>teirandanja<\/em>. \u201eGerade eben war er noch bei mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"0b077a60745be5f3a58b41892191ec58\">\u201eWas hattet Ihr eigentlich auf dem Dach zu suchen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2ac9cac4e3f5f3b243de5e1439a08c12\">\u201eNa ja, ich wollte Osse zur\u00fcckholen. Er schien mir nicht recht bei Sinnen.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"92037384df38ccd3f4471796e0560e1f\">\u201eMerrit! Bei den M\u00e4chten, bei Patagh\u00edu, Nokt\u00e1ma und dem Licht selbst, wenn du mich h\u00f6ren kannst, antworte mir!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a88da4fb4edb066996192cbd979da2ff\">\u201eEr ist es&#8221;, sagte Osse. \u201eEr w\u00fcrde dich niemals aufgeben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3744e78d969ec7e706de070aad86aedb\">Merrit z\u00f6gerte. \u201eVater! Vater!&#8221;, rief er dann. \u201eDer <em>teirandanja<\/em> und Osse ist nichts geschehen. Wir &#8230; sind &#8230; sicher!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2f28ca35ed30c83c963b0354c38f71fd\">\u201eIch hole euch da heraus, Merrit! Ich schlage das Loch gro\u00df genug f\u00fcr mich. Ich &#8230;&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"f4c5a67eb8528ec8eee25eaedf385528\">Das Flo\u00df machte eine ruckartige Drehung, so als geriete es f\u00fcr einen kurzen Augenblick in einen Strudel. Manj\u00e9v keuchte erschrocken und griff instinktiv nach Merrit neben sich. Als sie gewahr wurde, was sie getan hatte, zog sie die Hand rasch wieder zur\u00fcck. Die Luft um sie herum schien zu erzittern und ein metallenes \u00c4chzen ert\u00f6nte.<\/p>\n<p data-p-id=\"ba9346ca74d75f14aa0c6f98524a4746\">\u201eVater?&#8221;, rief der Junge bang, als das grausige Ger\u00e4usch verklang.<\/p>\n<p data-p-id=\"9e5b95da3f8424955bdd8896422a5110\">\u201eIch hole Euch heraus!&#8221;, kam es zur\u00fcck. In der \u00fcberlaut schallenden und gespenstisch echoenden Stimme des Ritters schwang Entsetzen und Verwirrung mit.<\/p>\n<p data-p-id=\"c4c1abae3019bda7c31cae66e9e197d9\">\u201eHerr Wa\u00fdreth!&#8221;, rief Osse aus. \u201eWenn Ihr mich h\u00f6ren k\u00f6nnt: Lasst ab vom Dach! Das Dach ist eine Falle! Versucht die T\u00fcr! Versucht es mit Gold! Versucht, was ihr k\u00f6nnt, aber bleibt fort vom Dach! Das Dach ist eine Falle!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"8b494480410411f35e8206092017a0cc\">Doch der Ritter antwortete nicht mehr. Der Tisch kreiselte tr\u00e4ge voran. Das Licht von oben war immer noch viel zu hell. Die Kinder konnten einander darunter betrachten. Alle drei waren bleich vor Angst. Merrit versuchte, tapfer zu sein. Osse bem\u00fchte sich, W\u00fcrde zu bewahren. Die <em>teirandanja<\/em> vergrub das Gesicht in ihren H\u00e4nden.<\/p>\n<p data-p-id=\"d48ed031cdde4d2d6dfe2de789163d02\">\u201eEs tut mir leid&#8221;, sagte sie ersch\u00f6pft. \u201eMerrit Althopian, es tut mir so leid. Das ist alles ganz allein meine Schuld.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7039d8970233e3b4413a669e1c0e65cb\">\u201eWas immer es ist, Majest\u00e4t&#8221;, antwortete er, \u201edas hier ist sicher nichts, was <em>Ihr<\/em> bewirkt habt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e25b62db7d957940441be43ec2bbbcee\">\u201eSeht&#8221;, unterbrach Osse die beiden. \u201eWas ist das? Was ist das da, was da gleitet?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b981b73d56671f95c71a11a5e08282bb\">Sie folgten seinem Fingerzeig. Ein kleines Ding trieb nahe an ihnen vorbei, ein echtes, ein wirkliches Objekt in diesem alptraumhaften Nichts, so schnell, als wollte es ihnen entkommen. Aber Merrit neigte sich waghalsig vor und erhaschte es gerade noch rechtzeitig.<\/p>\n<p data-p-id=\"02aeed4d762488954944fb4b65b0a629\">\u201eWo kommt das her?&#8221;, fragte die <em>teirandanja<\/em> \u00fcberrascht, als er es zwischen ihnen auf den Tisch stellte.<\/p>\n<p data-p-id=\"8b50e75e4b98b21f813994b7ef02b692\">\u201eKeine Ahnung, Majest\u00e4t. Es war ganz gewiss zuvor nicht im Zimmer. Das h\u00e4tte ich bemerkt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5ca70b3a904ffa88b32a56604039d8b2\">Wieder metallenes \u00c4chzen, wieder ruckte das Flo\u00df auf einem Strudel, der kam und verging. Aber diesmal war es nicht ganz so furchterregend wie zuvor. Zu sehr faszinierte die Kinder das, was da zu ihnen gekommen war.<\/p>\n<p data-p-id=\"cd68b7afe9be352546deb49703a82475\">Ein handlanges St\u00fcck silbergraue Borke, ein St\u00f6ckchen und ein gro\u00dfes Blatt. Ein sachter Silberschimmer schien darauf zu glimmen und sich auf den Tisch zu \u00fcbertragen. Ein Spielzeug, geschaffen von Kinderh\u00e4nden wie den ihren.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2616","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2616","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2616"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2616\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3725,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2616\/revisions\/3725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2616"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2616"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2616"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}