{"id":2613,"date":"2025-08-25T13:17:01","date_gmt":"2025-08-25T11:17:01","guid":{"rendered":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/?p=2613"},"modified":"2025-08-31T23:14:23","modified_gmt":"2025-08-31T21:14:23","slug":"094-auf-und-abgang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/2025\/08\/25\/094-auf-und-abgang\/","title":{"rendered":"094: Auf- und Abgang"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container has-pattern-background has-mask-background nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1144px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_4 1_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-color:#RRGGBBAA;--awb-bg-color-hover:#RRGGBBAA;--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:25%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:7.68%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:7.68%;--awb-width-medium:25%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:7.68%;--awb-spacing-left-medium:7.68%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\" data-scroll-devices=\"small-visibility,medium-visibility,large-visibility\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-image-element \" style=\"--awb-caption-title-font-family:var(--h2_typography-font-family);--awb-caption-title-font-weight:var(--h2_typography-font-weight);--awb-caption-title-font-style:var(--h2_typography-font-style);--awb-caption-title-size:var(--h2_typography-font-size);--awb-caption-title-transform:var(--h2_typography-text-transform);--awb-caption-title-line-height:var(--h2_typography-line-height);--awb-caption-title-letter-spacing:var(--h2_typography-letter-spacing);\"><span class=\" fusion-imageframe imageframe-none imageframe-1 hover-type-none\"><img decoding=\"async\" width=\"384\" height=\"600\" title=\"MK_Thiumb\" src=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp\" alt class=\"img-responsive wp-image-1987\" srcset=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-192x300.webp 192w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb-200x313.webp 200w, https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/MK_Thiumb.webp 384w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 384px\" \/><\/span><\/div><\/div><\/div><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-1 fusion_builder_column_3_4 3_4 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:75%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:2.56%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:2.56%;--awb-width-medium:75%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:2.56%;--awb-spacing-left-medium:2.56%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-column\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-text-transform:none;\"><p data-p-id=\"a4f2febc4a6f49425b5ca499ab7c51e4\">Mir war auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen, als mich vom Eingangstor weg zu bewegen und in durch jene T\u00fcr zu gehen, durch die der vermeintliche Stallbedienstete gekommen war. Zuvor hatte ich noch die Geistesgegenwart besessen, den Stab verschwinden zu lassen. C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolors Einhorn hatte ein wenig verdutzt gewirkt, aber nicht dagegen protestiert, als ich das schreckliche Ding rasch durch die Gitterst\u00e4be unter die weiche Einstreu geschoben hatte. Ich hatte vor, der alten Frau aus dem Weg zu gehen, zu warten, bis die Luft wieder rein war, und dann nach Yalomiro zu suchen. Notfalls w\u00fcrde ich mich auf den Hof stellen und lauthals nach ihm schreien.<\/p>\n<p data-p-id=\"54fac2f763980acb510610af43afeef6\">\u201eVerrat mich nicht&#8221;, fl\u00fcsterte ich dem Einhorn zu. Das Tier war furchteinfl\u00f6\u00dfend, so riesig und wuchtig, viel gr\u00f6\u00dfer als Mor\u00e9avals Pferd, vor dem ich auch schon bereits gro\u00dfen Respekt gehabt hatte. Ich glaube, es waren die Augen, die mandelf\u00f6rmigen Reptilienaugen mit der geschlitzten Pupille, die so verst\u00f6rend wirkten. Tiere mit Fell sollten keine Augen haben, die zu einem mit Schuppen gepasst h\u00e4tten.<\/p>\n<p data-p-id=\"818936c47694d4b73c1f76176562e2fc\">Aber das war ein dummer Gedanke. C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolors Reittier schnaubte unverbindlich, wandte sich dann aber wieder seinem Futtertrog zu und kehrte mir seinen duftigen Schweif zu. Das duftende Heu interessierte es wesentlich mehr als ein unbedeutender Mensch jenseits der Gitter.<\/p>\n<p data-p-id=\"22d1ac575e9eae40416d7f9eacb30e72\">Ich meinerseits huschte indes zu der T\u00fcr am anderen Ende der Stallgasse, biss die Z\u00e4hne zusammen, als ich durch den mit Gold verst\u00e4rkten T\u00fcrrahmen schl\u00fcpfte und mich auf einem fenster- und t\u00fcrlosen Korridor wiederfand, der zur einen Seite zu einer weiteren Gittert\u00fcr f\u00fchrte, hinter der ich dank meiner gl\u00fccklicherweise nachtsichtigen Augen Zeug ausmachen konnte, das sicher mit der Pflege der Einh\u00f6rner zu tun hatte, verschlossene Eimer, Stallwerkzeuge, grob gewirkte Decken aus buntem Stoff. In der anderen Richtung f\u00fchrte der Gang auf einen Durchlass zu, der m\u00f6glicherweise direkt in ein Nebengeb\u00e4ude des Ciel\u00e1stel f\u00fchrte. Im Durchgangsbereich war noch zu bemerken, dass nebenan ein Stall war, denn Wind und Schritte trugen sicherlich st\u00e4ndig Stallstaub und kleine Einstreufetzen hindurch. Doch der Gang selber bestand aus demselben schillernden, vielfarbigen, gl\u00e4nzenden Material, das ich nach wie vor nicht eindeutig als Glas oder Stein identifizieren konnte.<\/p>\n<p data-p-id=\"a6066e272873631968a966465e7c6dcd\">\u201eHe!&#8221;, h\u00f6rte ich diese unangenehme, kr\u00e4chzende Stimme der alten Frau im Stall. \u201eWo bist du?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"593c84084a99c72a5879bdbef2cd9142\">Ich huschte vor ihr davon und entschied mich, so leichtsinnig es sein mochte, dem Gang zu folgen und in die andere Richtung zu laufen, hinein in die Burg. Zum Gl\u00fcck trug ich anschmiegsame Schuhe mit Sohlen, durch die ich daheim im Eta\u00edmalon so gut den weichen Waldboden sp\u00fcren konnte. Das erlaubte mir, relativ ger\u00e4uschlos \u00fcber den bunt gefliesten Boden zu hasten.<\/p>\n<p data-p-id=\"28077ba0f15405ef4d1f206e93aa2c9a\">\u201eHeda!&#8221;, h\u00f6rte ich sie. \u201eWo bist du? Zeig dich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"ab00af5669b13da8371f4cda1b8f53e6\">Ich schl\u00fcpfte durch den Durchgang und fand mich in einem Treppenhaus wieder, unmittelbar vor einer in weiten geschwungenen B\u00f6gen hinauff\u00fchrenden Wendeltreppe in zarten Pastellfarben. Hier glichen die W\u00e4nde weniger farbenpr\u00e4chtigem venezianischen Glas, sondern erinnerten mich eher an die Perlmutterschicht in einer Abalone-Muschel. Meine Oma hatte so etwas besessen, ein kitschiges Urlaubsouvenir, das ich als Kind immer fasziniert angeschaut hatte. Ich fragte mich, wie die <em>arcavala&#8217;ay<\/em> sich in dieser Umgebung aus ineinanderflie\u00dfenden, verschmelzenden Farben orientieren konnten und begriff mehr und mehr, dass Patagh\u00edus Wirken nicht einfach nur das Tageslicht sein mochte, genauso wenig wie Nokt\u00e1ma nur von Dunkelheit umgeben war. Patagh\u00edus Dom\u00e4ne waren die bunten Farben, die es hier im verwirrenden \u00dcberfluss gab.<\/p>\n<p data-p-id=\"593c154ff3d58e2b4b81aedbb8033928\">Ich h\u00f6rte die Schritte der Alten. Nat\u00fcrlich kam sie hinter mir her. Sie konnte sich ja wohl denken, wohin ich laufen w\u00fcrde. Zumindest w\u00fcrde sie das wissen, solange ich hier in diesem Bereich blieb, schlie\u00dflich war sie im Gegensatz zu mir ortskundig. Ich musste weiter und mich irgendwo verstecken, wo es mehrere Wegm\u00f6glichkeiten gab. Also die Treppe herauf.<\/p>\n<p data-p-id=\"428a649f5eecad5bfb94204d83c65356\">Ich dachte nicht weiter nach und eilte die Wendeltreppe ein St\u00fcck aufw\u00e4rts. Den n\u00e4chsten Abzweig, nahm ich mir vor, w\u00fcrde ich <em>nicht<\/em> nehmen. Ich w\u00fcrde mindestens zwei Etagen hinauf laufen, dort in einem Gang verschwinden, abwarten, ob sie mir nachkam und sobald sie auf der ersten Etage suchte, sofort wieder die Treppe hinab st\u00fcrmen und so schnell es nur ging, durch den Stall wieder ins Freie fliehen. Das konnte doch nicht so schwer sein. Das war eine alte, gebrechliche Frau. Spielend w\u00fcrde ich sie abh\u00e4ngen k\u00f6nnen. Wenn alles Stricke rissen, musste ich sie eben umschubsen, wenn sie sie mi in den Weg zu stellen versuchte.<\/p>\n<p data-p-id=\"33dc890cac31c4cc5f18a40ca201ca7d\">Aber je weiter ich nach oben lief, desto mehr \u00fcberkam mich die erschreckende Erkenntnis, dass es hier keine Treppenabs\u00e4tze <em>gab<\/em>. Das hier war lediglich eine Treppe, die sich in verschwenderisch gro\u00dfz\u00fcgigen Windungen, mit flachen Stufen, in die H\u00f6he schraubte, gut beleuchtet von Tageslicht, das aus hohem versetzten Fensterb\u00f6gen von allen Seiten einfiel. Eine Konstruktion, wie ich sie in einem Turm erwartet h\u00e4tte. Ich schaute hinauf und erkannte, dass es erst sehr weit oben, wahrscheinlich auf H\u00f6he des Wehrgangs au\u00dfen an der Burg, so etwas wie eine Zwischenetage geben mochte.<\/p>\n<p data-p-id=\"e0f018ec4129a99fb599e29a97981df3\">Wer hatte sich eine so unpraktische, verschwenderische Treppe an genau dieser Stelle einfallen lassen? Eine Leiter h\u00e4tte den gleichen Zweck erf\u00fcllt!<\/p>\n<p data-p-id=\"7b63cbc61e3b2d613fb7016a1d41bcec\">Nun, dachte ich, das hier ist keine von Menschenhand errichtete Festung. Das ist ein Heiligtum. Vielleicht hat Patagh\u00edu selbst dieses Geb\u00e4ude entworfen. Aber warum hatte er derma\u00dfen mit den Dimensionen \u00fcbertrieben? Zu neunt, nein, zu zehnt waren sie, rechnete man das Kind mit, das offenbar ausgerissen war. Wozu diese riesige Burg?<\/p>\n<p data-p-id=\"a96d003bc75c61ca7f9f051d680a9c4e\">Angenommen, sie w\u00e4ren tats\u00e4chlich einmal &#8230;. mehr gewesen. Angenommen, w\u00e4hrend der Chaoskriege w\u00e4ren viele von ihnen vielleicht nicht umgekommen, aber irgendwie &#8230; verschwunden. H\u00e4tte dann nicht auch der Stall viel mehr Einh\u00f6rnern Platz geboten? Ach, was machte ich mir gerade jetzt, auf der Flucht, diese gr\u00e4ssliche alte Frau auf den Fersen, solche Gedanken? Wer sagte denn, dass es nur diesen einen Stall gab?<\/p>\n<p data-p-id=\"bdc1eac81b3eb7b65925d1e743a3cdfe\">\u201eIch wei\u00df, wo du bist!&#8221;, rief die alte Frau, unten an der Treppe. \u201eWas hast du hier zu schaffen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"cc096b91b08078f8f880ef89de7105fc\">Warum, \u00fcberlegte ich, lief ich eigentlich vor ihr weg? Sollte ich nicht vielmehr versuchen, mit ihr ins Gespr\u00e4ch zu kommen?<\/p>\n<p data-p-id=\"0e92a65b0bcf598445f605d7103a35f5\">Nein. Meine Intuition war dagegen. Mit dieser alten Frau <em>stimmte<\/em> etwas nicht. Sie hatte mit D\u00fdamir\u00e9es Entf\u00fchrung zu tun, und sie schien den goldenen Ritter auf irgendeine Weise unter Kontrolle zu halten. Alles in meinen Instinkten versicherte mir, dass es besser w\u00e4re, der alten Frau auszuweichen. Aber ich durfte nicht zulassen, dass sie es irgendwie fertig brachte, mich tiefer in den Ciel\u00e1stel hineinzutreiben, wo ich mich unweigerlich verlaufen w\u00fcrde. Ob Yalomiro mich in diesem fremden Heiligtum jemanls w\u00fcrde finden k\u00f6nnen? W\u00fcrde er im Notfall kommen, um mich zu retten, wie er es schon so oft getan hatte?<\/p>\n<p data-p-id=\"585ed8a3ec5c0607992eda426cd928bb\">\u201eBist du die Mutter?&#8221;, rief die alte Frau die Treppe hinauf, und ich erstarrte.<\/p>\n<p data-p-id=\"7c5aaa26225e35db4641283da226ee24\">\u201eEs hat keinen Zweck, sich zu verstecken&#8221;, rief sie. Ihre Stimme war bereits n\u00e4her, als ich f\u00fcr m\u00f6glich gehalten h\u00e4tte, aber ich konnte sie von hier oben nicht sehen. Vorsichtshalber ging ich in die Hocke und versuchte, durch die St\u00fctzstreben des Handlaufs zu sp\u00e4hen, die kunstvoll geschraubt waren wie die H\u00f6rner mancher Antilopen.<\/p>\n<p data-p-id=\"a56b422743b5d08a1b9b09c7759bf41a\">\u201eIch wei\u00df, dass du dort oben bist,&#8221; sagte sie. \u201eDu musst nicht vor mir fliehen. Ich bin dir wohlgesonnen! Wenn du weiter l\u00e4ufst und in die Burg ger\u00e4tst, dann werden die Ritter dich t\u00f6ten. Komm besser zu mir, <em>Liebes<\/em>!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5204823df08eac2e2056b656e390da72\">Ich schwieg ratlos. Vielleicht hatte sie recht. Wenn ich mich unvorsichtig im Heiligtum der Regenbogenritter weiter bewegte, ohne dass Yalomiro mich besch\u00fctzte, war ich f\u00fcr die Ritter nichts weiter als ein Eindringling. Wie w\u00fcrde ich reagieren, wenn mir ein Eindringling im Eta\u00edmalon gegen\u00fcber st\u00fcnde? Wie nerv\u00f6s waren die Bewohner dieses Heiligtums, nach alldem, was hier durch Verschulden eines Schattens\u00e4ngers geschehen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"8080ae8a47d63eb11a50cb7ad3cdd634\">\u201eHast du mitgebracht, was deine Tochter befreit?&#8221;, fragte die Alte. In ihrer Stimme lag ein gesch\u00e4ftst\u00fcchtiges Interesse. \u201eKomm zu mir! Zeig dich! Lass uns verhandeln!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"aa0bf4395fca39f541cdf1ef2463c0fc\">Sie hatte den Fu\u00df der Treppe erreicht. Bis zum oberen Ende war es weit. Sie w\u00fcrde mich weiter nach oben treiben, wenn ich vor ihr weg lief. Aber hatte ich keine andere Wahl, als vor ihr zu fl\u00fcchten? W\u00fcrde Yalomiro weglaufen? Nein, w\u00fcrde er nicht. Er w\u00fcrde sich ihr zeigen und es irgendwie fertig bringen, sie in ein Gespr\u00e4ch zu verwickeln, das ihm die Oberhand verschaffte. Immerhin war das doch nichts weiter als eine unkundige, unsympathische alte Frau!<\/p>\n<p data-p-id=\"f03441b645ddc6f964cabe45a06d03f0\">\u201eDu willst deine Tochter doch zur\u00fcckhaben, nicht wahr? Willst du nicht wissen, wo du sie finden kannst?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b64753e3347bdcc2aa67cd195f79c6cd\">Was sollte ich tun? Was sollte ich <em>entscheiden<\/em>, ohne Yalomiro bei mir, der gewiss nicht nur genau gewusst h\u00e4tte, was hier zu antworten war, sondern auch, wie man diese unheimliche alte Frau h\u00e4tte \u00fcberlisten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p data-p-id=\"715e3b4e6120defa7ccaf1c98b29c289\">\u201eWarum z\u00f6gerst du?&#8221;, fragte sie, und ich h\u00f6rte wieder diese vertrauten, schlurfenden Treppensteigger\u00e4usche. \u201eIch kann dir sagen, wo du deine Tochter findest. Ich kann dir zeigen, wie du sie befreist. Bist du denn nicht gekommen, um sie zu holen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c590b0c55a285962556e558eb255129c\">Yalomiro, dachte ich. Wenn ich nun eine riesige Dummheit begehe, bitte sehe es mir nach.<\/p>\n<p data-p-id=\"53f4eb23aec41381e1dd4049e7b5f260\">Ich erhob mich und streckte ihr abwehrend die Hand entgegen. Nicht, dass ich in Erw\u00e4gung gezogen h\u00e4tte, einen Zauber zu wirken. Aber ich hoffte, die M\u00f6glichkeit, ich k\u00f6nnte es tun, w\u00fcrde sie auf Abstand halten.<\/p>\n<p data-p-id=\"1ae02f1a8e6787fc3c88accf427a8148\">Und dann sah ich sie erstmals aus der N\u00e4he. Sie schlurfte mir unbeeindruckt entgegen. Klein, gebeugt, mager war sie, ihr Gesicht verrunzelter als eine Trockenpflaume. Sie trug dieses graue, flatternde Gewand mit einer weiten Kapuze \u00fcber dem Kopf, mit dem sie ganz und gar nicht in diese farbenfrohe, pr\u00e4chtige Umgebung passte. Die Augen, die mich darunter anblitzten, waren dunkelgrau, wie angelaufenes Silber, aber von erschreckender Sch\u00e4rfe.<\/p>\n<p data-p-id=\"fd3bb945a6cd45d8e1099a9f5a891bca\">\u201eZur\u00fcck!&#8221;, sagte ich, und versuchte meine Stimme so fest klingen zu lassen wie m\u00f6glich. \u201eBleib mir vom Leibe.,&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5c405a54855baae6f32d988a8c7b4126\">\u201eIch komme dir nicht n\u00e4her als n\u00f6tig. Aber ich will wissen, wer du bist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"084b1ce79ce0bbf0237706dd4fc00289\">Warum sollte ich l\u00fcgen? \u201eIch bin Salghi\u00e1ra Lagoscyre. Wo ist meine Tochter?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30e7582fa3e48b65316c28277693fb55\">Sie l\u00e4chelte. In ihrem Mund fehlte mehr als ein Zahn, und trotzdem sah ihr Grinsen irgendwie &#8230; bissig aus.<\/p>\n<p data-p-id=\"9c458ae802660dd60c8dc77212e0696b\">\u201eLagoscyre &#8230; Ich kenne diesen Namen, obwohl ich lange nichts mehr davon geh\u00f6rt habe.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c0515a6340edda14b9448a3dbb2e0cf\">\u201eWo ist meine Tochter? Warum hat C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor sie entf\u00fchrt?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9946fc1d0bec7d7c52f1736ef2cedce1\">\u201eWo ist das, was er urspr\u00fcnglich mitbringen sollte? Du hast es bei dir, wie ich h\u00f6re!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"873a7656a640f47537a783b18996aafc\">Redete sie nun von dem Stab? Hatte Yalomiro tats\u00e4chlich richtig geraten, als er annahm, dass es dem Regenbogenritter um das alte, kaputte Artefakt des Verfluchten gegangen war?<\/p>\n<p data-p-id=\"68943739dc1505900b8e1c6b2bfe0ded\">\u201eIch will erst wissen, wo meine Tochter ist!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3e9335b057f853b5afe55585674c7e9a\">Die alte Frau schlurfte n\u00e4her. Ich hielt es aus, bis sie ein paar Schritte vor mir war. Dann \u00fcberkam mich ein so gro\u00dfes Unwohlsein, dass ich schaudernd zur\u00fcckwich. Irgendwas in meiner Mitte verdrehte sich so unangenehm, dass es sich anf\u00fchlte, als m\u00fcsse ich mich unweigerlich \u00fcbergeben, genau hier, auf dieser sch\u00f6nen bunten Perlmutttreppe.<\/p>\n<p data-p-id=\"da57d7b8f129736b8f3e0dd348d1b461\">\u201eWelcher Meister hat <em>dich<\/em> geweiht?&#8221;, fragte sie interessiert. \u201eWie kann es sein, dass du ein Kind hervorgebracht hast?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"308f6d9580facc6bd28e8c227fdc423b\">\u201eWie bitte?&#8221;, brachte ich vor.<\/p>\n<p data-p-id=\"e8a974d1c1b50864cf611761ca3498d8\">\u201eLiebes&#8221;, sagte sie, aber es war alles andere als W\u00e4rme in ihrer Stimme, \u201eNokt\u00e1ma hat es ganz sicher nicht gut gehei\u00dfen, dass du dich fleischlichen Vergn\u00fcgungen mit deinesgleichen hingegeben hast. Wie verderbt, wie sittenlos seid ihr geworden in all dieser Zeit? Wo ist der Vater?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e65f5a4e221a0eab994a48c97e091226\">\u201eEr ist &#8230; nicht weit weg.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a387e689f304d63c1ff1dad76fc1c03e\">\u201eDas denke ich mir. Ich werde ihn wohl noch finden. Wo ist der Stab?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fb5afccddeebf2897f684b52f098935c\">Ich konnte nicht anders. Ich musste Abstand zwischen sie und mich bringen, bevor der Ekel mich \u00fcberw\u00e4ltigte. Ich ging r\u00fcckw\u00e4rts, Stufe um Stufe, weiter die Treppe empor. Zum Gl\u00fcck waren die Stufen so flach, dass ich nicht strauchelte.<\/p>\n<p data-p-id=\"b73ce23dfe3bc99cb9de61826e380882\">\u201eWo ist meine Tochter?&#8221;, hielt ich dagegen. \u201eSag du mir das zuerst!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6af161eb2bb924d68ab8f0395e2051ee\">\u201eDeine Tochter&#8221;, sagte die Alte grinsend, \u201eist ein <em>Monster<\/em>. Ein Unget\u00fcm. Ein die M\u00e4chte l\u00e4sterndes, <em>widernat\u00fcrliches Unding<\/em>.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30f4e7a19be9b3cfad1e50abcc4408b2\">\u201eMag sein&#8221;, sagte ich, meinen Zorn und \u00dcbelkeit schluckend, aber nicht willens, mit dieser widerlichen Alten zu diskutieren. \u201eIch h\u00e4tte sie trotzdem gern zur\u00fcck.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6edaf86313f120b3ec24a08c15d4a9d4\">\u201eWir k\u00f6nnten dar\u00fcber reden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e0118f629d894591c221e80bb71b8d6e\">\u201eGern. Sag mir, wo sie ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4d12b07df58b47d5a74fb3afe823d012\">\u201eNur gegen das, was du hoffentlich mitgebracht hast!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6ea5735408e572e98f7fddde5d561986\">Nun fixierten ihre unheimlichen Augen mich auf eine Art, die mich auf ganz absonderliche Weise beunruhigte. Es war &#8230; nun ja. Yalomiro konnte jemanden auf ganz \u00e4hnliche Weise ansehen, so eindringlich, abwartend, auffordernd, so, dass man ihm einfach antworten <em>musste<\/em>. Ich <em>kannte<\/em> diese Art von Blick, die sich mit einem Schweigen nicht zufrieden gab. Aber was bei Yalomiro empathisch wirkte, war in ihren Augen bedrohlich, fordernd, inquisitiv.<\/p>\n<p data-p-id=\"619f4195843ca798c32690e915036c98\">\u201eIch &#8230;&#8221;, brachte ich hervor und war au\u00dferstande, den Blickkontakt mit ihr zu unterbrechen. \u201eIch will einen <em>Beweis<\/em> daf\u00fcr, dass D\u00fdamir\u00e9e lebt. Dass es ihr gut geht!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d6f9ebeff822696394b28faa97eeb5d\">\u201eUnd ich&#8221;, hielt sie dagegen, \u201ewill wissen, wo das &#8230; <em>Tauschobjekt<\/em> ist.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"15e0e7068ef40a394a3b7e3ce8076298\">\u201eDas&#8221;, sagte ich verst\u00f6rt, einem ganz absurden Gedankenblitz folgend, \u201ewerde ich nur C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor allein sagen. Schlie\u00dflich wollte er es rauben!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"91d0cc452e9e3e445e25c9d695b49ed2\">\u201eSeltsam&#8221;, entgegnete sie und kam erneut einen Schritt n\u00e4her. \u201eIch hatte einen Moment lang gedacht, dass du vielleicht so etwas wie <em>Liebe<\/em> zu deinem Kind empfindest.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"dfedb02c6f513f0505e8f8befc761abe\">\u201eNat\u00fcrlich!&#8221;, protestierte ich. \u201eNat\u00fcrlich liebe ich sie!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b2858d3c156614c83c0f8102983ad6e2\">\u201eWie kann das sein?&#8221;, fragte sie lauernd. \u201eLiebe? Liebe unter Schattens\u00e4ngern? L\u00e4cherlich!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"024caa9dad3aa0d62812ffd6dddd2b22\">\u201eVielleicht&#8221;, hielt ich verwirrt dagegen, denn ich wusste nat\u00fcrlich, auf was sie anspielte \u201ehat Nokt\u00e1ma uns neu gest\u00e4rkt.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"7c0b8bc894e3404da435a269b097bffa\">\u201eDas&#8221;, sagte sie am\u00fcsiert, \u201esoll sich zeigen. Was habt ihr hervorgebracht? Unmagisch, unkundig, schwach. Das Kind ist nutzlos, wertlos f\u00fcr Nokt\u00e1ma. Schmutz und Makel im Eta\u00edmalon.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"78e87d02210eba1aa997370d48011cf8\">\u201eDann gib sie mir zur\u00fcck!&#8221;, brach es aus mir heraus. \u201eGib sie mir zur\u00fcck! Sag, wo sie ist! F\u00fcr uns ist sie nicht nutzlos!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b0f4bb0ab9cdb8a49e80f5381e2a3570\">\u201eErst das Artefakt!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b0490f0e0c1dc333309ab66be60004a9\">\u201eWas willst du mit dem Artefakt? Wenn \u00fcberhaupt, dann steht es Meister C\u00fdel\u00fa und der <em>faj\u00eda<\/em> zu!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"3ec98feed5a1e5f712d250ba96d5f9b0\">\u201eDas&#8221;, sagte sie kalt, \u201e\u00fcberlasse getrost mir. Ich bin die ergebene Dienerin der Meister. Was ich verlange, ist ihr Wille. Ich werde das alles zum Rechten regeln.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"4c764272262e7091919e7c66fa3194cb\">Ich wich Stufe um Stufe weiter die Treppe hinauf. Sie kam mir entgegen, ohne ihren angelaufenen Blick von mir zu lassen.<\/p>\n<p data-p-id=\"91dd8230cb21b24d6c6581a7500b227c\">\u201eBitte&#8221;, bat ich. \u201eWir wollen nichts weiter als unser Kind zur\u00fcck.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b6aa3c7f23eb9abdad4441c88c403512\">\u201eUnd ich&#8221;, sagte sie, \u201ewill nichts weiter als den Stab. So einfach ist das.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"a6e2d861aca4d3d9c6dadd34dd57140b\">Ich blieb stehen. Sie verharrte ebenso abrupt.<\/p>\n<p data-p-id=\"fad77140cc8bd52cae66bdbe175e3150\">\u201eWas willst du damit?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"bca80e5d553c0e8d75a2c2ac03302809\">\u201eSileda\u00fa! Gib acht!&#8221;, rief da pl\u00f6tzlich jemand hinter mir.<\/p>\n<p data-p-id=\"deb271a09df86d57e78da94089e65394\">Ich schrak herum und sah, ganz oben an dem Treppenabsatz, der in die Burg f\u00fchrte, einen <em>arcaval&#8217;ay<\/em> stehen. Sein Gewand unter dem goldenen R\u00fcstzeug war orange, und er richtete eine energische Geste auf mich.<\/p>\n<p data-p-id=\"9b65aec0909946ff20495ad131d0d48b\">Die Greisin namens Sileda\u00fa geriet augenblicklich in hektische Bewegung.<\/p>\n<p data-p-id=\"3f0e55583da92454f21da4e5ea9987a8\">\u201ePackt sie!&#8221;, schnappte sie. \u201eDa ist die Schwarzm\u00e4ntelin! Frevel! Frevel! Eingedrungen in Patagh\u00edus Haus!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"5819305a7aa497ce8217dea7121f272b\">Ich schaute erschrocken zwischen der zeternden Alten und dem ein paar Stufen \u00fcber mir stehenden Regenbogenritter hin und her. Der Ritter war alarmiert, wachsam, kampfbereit. Aber, im Gegensatz zu der gebrechlichen alten Frau wirkte der Magier &#8230; nun. Er war die <em>bessere Wahl<\/em>.<\/p>\n<p data-p-id=\"e97b36605a4f459b8f81dd1244d9e4f0\">Ich erinnerte mich an die Geste, die Yalomiro mir einmal beigebracht hatte, die in dieser Welt jeder verstehen und akzeptieren w\u00fcrde. Ich verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust und kehrte ihm meine Handfl\u00e4chen zu. Ich h\u00e4tte noch etwas sagen sollen, aber dazu war ich in diesem Moment zu eingesch\u00fcchtert. Der Ritter war so viel m\u00e4chtiger als ich mit meiner kleinen geerbten Magie, das sp\u00fcrte ich bis hierher.<\/p>\n<p data-p-id=\"4d0a41b683790fddd49ff53f8f7162d8\">\u201eSchwarzm\u00e4ntel&#8221;, keifte die Alte. \u201eSchattens\u00e4ngerbrut! Packt sie! Macht sie nieder.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"45d3b8c6a98d40892062c294f3764a69\">Der Regenbogenritter warf ihr einen \u00fcberraschten Blick zu, beachtete sie aber nicht weiter, richtete eine abwehrende, aber zu meiner \u00dcberraschung nicht allzu aggressive Geste auf mich und kam langsam auf mich zu..<\/p>\n<p data-p-id=\"9de0be62d7b4b78d91ab5ccba4762903\">\u201eDein Meister Yalomiro hat dich verraten&#8221;, sagte er. \u201eBegleite mich.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6cb02723cc0ae14bcdd298b875081a54\">\u201eVerraten?&#8221;, fragte ich verst\u00f6rt. \u201eWas habt ihr ihm angetan?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2207ad453aed96044447b5d448748398\">Der Orangene stutzte. Dann \u00fcberflog ein L\u00e4cheln sein ebenso geschlechts- wie alterloses Gesicht. Tats\u00e4chlich &#8230; nun, da ich ihn aus der N\u00e4he sah, war ich nicht imstande zu sagen, ob er ein J\u00fcngling oder ein gestandener Mann war. Oder <em>\u00fcberhaupt<\/em> ein Mann. Nein. Kein &#8230; <em>Mann<\/em>. Er war <em>unwirklich<\/em>, stand nun vor mir, war doch nicht greifbar und ebenso phantastisch und fern vom rational fassbaren wie die bunten Fl\u00fcgeleinh\u00f6rner. Wenn es nicht so furchtbar abgedroschen und kitschig geklungen h\u00e4tte &#8230; der <em>arcaval&#8217;ay<\/em> schien mir ein fleischgewordenes <em>M\u00e4rchenwesen<\/em> zu sein, das sich irgendwie in der Wirklichkeit dieses Weltenspiels manifestiert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"423ee5a652a5fff15fa46ab287951462\">\u201eF\u00fcrchte dich nicht, <em>camat&#8217;ayra<\/em>&#8220;, sagte er ruhig. \u201eDeinem Meister ist kein Leid geschehen. Aber mit mir kommen musst du. Keine Angst. Wenn du friedlich bist, bin ich es auch.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"39f47ac4d1da4dd354912b4d98dad603\">Ich schaute zwischen ihm und der Alten hin und her. Ihr Gesichtsausdruck war pl\u00f6tzlich so verkniffen, als sei sie extrem ver\u00e4rgert. Er l\u00e4chelte, selbstsicher und belustigt. Ich war \u00fcberrascht. Er schien sich zu freuen, ihr ihren Fang weggeschnappt zu haben.<\/p>\n<p data-p-id=\"f214e2960066f61304d9290de2bf8cc4\">Sie wusste, wo D\u00fdamir\u00e9e war. Wusste er das auch?<\/p>\n<p data-p-id=\"8788cc5c45d0b298f2f13a051fbe34e8\">\u201eKomm&#8221;, sagte er. \u201eKomm mit mir. Ich bringe dich zur Meisterin&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"9758a27d6714959e89eef467ed4d75b2\">Mit ihm zu gehen war eindeutig die bessere Idee. Ich nickte ihm zu und stieg vorsichtig zu ihm hoch.<\/p>\n<p data-p-id=\"6b1d4b4ed7eb564112be7327194e63d4\">\u201eWolltest du nicht nach Advon suchen?&#8221;, fragte er derweil zu der Alten hinab.<\/p>\n<p data-p-id=\"95243a7752af4b79690ac6a51c29ca34\">\u201eIch habe Euch eine Schwarzm\u00e4ntelin gefangen! Was erwartet ihr denn noch?&#8221;, keifte sie.<\/p>\n<p data-p-id=\"ed161b5450d6ca03c39906efde909af4\">\u201eDie Meisterin wird es dir danken&#8221;, sagte der orange Ritter. \u201eAber nun solltest du gehen und den Jungen suchen. Hier in der Burg wird es gef\u00e4hrlich. Der Gro\u00dfmeister der Schwarzm\u00e4ntel hat sich der Meisterin und dem Meister bereits ergeben. Wir kommen zurecht.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"e9b5ac1408a2922bcdab2f3eb64a7f85\">Mich \u00fcberlief es eiskalt. Die alte Frau z\u00f6gerte.<\/p>\n<p data-p-id=\"18e5dd291a6266b511889a9b251af9ae\">\u201eGeh&#8221;, sagte er. \u201e\u00dcberlass die Magier uns&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"2d4ec3236cf829b4a39368036f66050c\">Dabei streckte er mir ebenso galant wie nachdr\u00fccklich seine Hand entgegen. Ich zuckte zur\u00fcck.<\/p>\n<p data-p-id=\"c04bfb2050d9719d49a415696abf8bfe\">\u201eVerzeiht&#8221;, fl\u00fcsterte ich. \u201eIch wei\u00df nicht, was passiert, wenn ich Euch ber\u00fchre.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"6cf2c522acb4021f7705194fedba1bfe\">Nun l\u00e4chelte er. \u201eDu bist wohl diejenige, die nicht erfahren ist in der Magie?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"1bdbc941b5a5ef7d3ad8d50243e08d1b\">Ich nickte besch\u00e4mt. Warum sollte ich ihm etwas vormachen.<\/p>\n<p data-p-id=\"66a6969a1578b138b8ae599440d5a238\">\u201eKomm mit mir&#8221;, sagte er. \u201eEs ist uns wohler, euch im Blick zu haben.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"75825d9a8c00c0d159a836cf1e4bb409\">Ich schaute \u00fcber meine Schulter zu der alten Frau hin. Der schien es ganz und gar nicht zu passen, dass der Regenbogenritter keine Anstalten machte, mich zu bedrohen. Aber aus irgendeinem Grund hatte sie es pl\u00f6tzlich sehr eilig. Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und rauschte die Treppe hinab, viel schneller und beh\u00e4nder, als es mit ihrem gebrechlichen alten K\u00f6rper h\u00e4tte m\u00f6glich sein sollen.<\/p>\n<p data-p-id=\"64b9d2e88f4f1e735862dd43c08b01a5\">***<\/p>\n<p data-p-id=\"55d6ee7c8069cf3dd1698fe8ac61ff0e\">Verflucht! Verflucht! So nahe war sie daran gewesen! So dumm und leichtsinnig hatte dieses Monster, diese <em>camat&#8217;ayra<\/em>, die es vollbracht hatte, ein Kind zu geb\u00e4ren, sich direkt vor ihre Nase begeben. Hatte der Orangene ausgerechnet in diesem Moment die Treppe betreten m\u00fcssen?<\/p>\n<p data-p-id=\"7ec12b03bd665fefd0e6dc63d7a6a98f\">Sileda\u00fa eilte zur\u00fcck in den Stall. Was nun? Der Stallmeister, dieser tumbe, nutzlose Unkundige, hatte von einer <em>vendyra<\/em> im Stall gesprochen, die einen Wanderstab feilbieten wollte. Den hatte dieses gleichzeitig so erfreulich angstschlotternde und impertinente Weibsst\u00fcck im Treppenhaus nicht bei sich gehabt. Sie musste das Artefakt also irgendwo unterwegs versteckt haben. Wie schwer konnte es sein, einen mannslangen Stab in diesem begrenzten Gebiet zu verbergen? Er konnte nur im Stall sein. Es war ausgeschlossen, dass sie ihn weggezaubert hatte.<\/p>\n<p data-p-id=\"6dfb283788774de93233a48118e4ad8b\">Sileda\u00fa eilte durch den r\u00fcckw\u00e4rtigen Eingang zur\u00fcck in den Stall, wollte gerade um die Ecke biegen und sah gerade noch rechtzeitig, wie der Goldene von der Hofseite aus das Geb\u00e4ude betrat. Eine Wolke von unb\u00e4ndiger Wut brandete sp\u00fcrbar von ihm aus. Im Vorbeigehen riss er das Zaumzeug seines Einhorns an sich, das der Stalldiener im Vorraum an einem Haken zur\u00fcckgelassen hatte, um es sp\u00e4ter zu warten und auf Sch\u00e4den von der Reise \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"ff588b83155c1f8024ecfc817733775a\">Dann stapfte er mit zornumw\u00f6lkter Miene auf den Verschlag seines Einhorns zu, des einzigen, das sich zurzeit im Stall aufhielt, nachdem Farbenspiel entlaufen und die anderen auf die Weiden gebracht worden waren.<\/p>\n<p data-p-id=\"ea44ac1972e6f4c3fb23ad0ed04c100c\">Sileda\u00fa z\u00f6gerte. Es w\u00e4re eine perfekte Gelegenheit gewesen, ihm von den Eindringlingen zu erz\u00e4hlen und ihn auszufragen, denn wenn es stimmte, dass die <em>arcaval&#8217;ay<\/em> den Anf\u00fchrer der Schwarzm\u00e4ntel bereits gepackt und besiegt hatten, war er vielleicht dabei gewesen.<\/p>\n<p data-p-id=\"2046d55a0f13b7cd74d2254249940110\">Aber was wollte er nun im Stall?<\/p>\n<p data-p-id=\"c9f2aa97f8cd94959eaea333be03b224\">Die Alte entschied sich, abzuwarten und huschte in den Schatten in der Ger\u00fcmpelecke, von wo aus sie auf die Stallgasse sp\u00e4hen konnte. Mit ihrem grauen Gewand verschwand sie im D\u00e4mmerlicht zwischen all dem Zeug, keinen Moment zu fr\u00fch. Denn kaum war C\u00fdel\u00fa im Verschlag seines Rosses verschwunden, kam ihm im Gleitflug ein gro\u00dfer schwarzer Vogel nach, segelte elegant durch die offene T\u00fcr die Stallgasse entlang, landete und schl\u00fcpfte aus einem sanft aufleuchtenden Silberschimmer zur\u00fcck in seine eigentliche Gestalt. Sileda\u00fa unterdr\u00fcckte mit M\u00fche ein \u00fcberraschtes Einatmen.<\/p>\n<p data-p-id=\"5dbcc125671b95e1838d988c87a3d013\">Er brachte es fertig, im Ciel\u00e1stel zu zaubern, wenn auch offensichtlich unter gro\u00dfer Anstrengung! Wie <em>m\u00e4chtig<\/em> musste dieser Mann sein! Und mehr noch \u2013 C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor, der Dummkopf, lie\u00df sich davon nicht beeindrucken. Er versuchte mit der Schulter, Perlenglanz&#8217; Schnauze aus der Heuraufe zu dr\u00e4ngen, um ihm das Zaumzeug anlegen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p data-p-id=\"4d3c8a8a47be08c350135a778f7427a9\">\u201eGehen wir zusammen?&#8221;, fragte der Schattens\u00e4nger, indem er sicheren Abstand zu den goldenen Gitterst\u00e4ben hielt, \u201eoder wollt Ihr Euch allein in Gefahr bringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"30d7119e3ea0d653eefb7120dda2014a\">\u201eAch&#8221;, kam es \u00e4rgerlich aus dem Verschlag. \u201eLasst mich einfach in Ruhe!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"b311fd6b25bdfeebb21f3d134cb8a8b6\">\u201eIch kann mir gut vorstellen&#8221;, fuhr der Schattens\u00e4nger fort und blickte sich pr\u00fcfend im Stall um, \u201edass die Kinder miteinander unterwegs sind. Oder neigt Euer Sohn dazu, kleine M\u00e4dchen zu plagen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"55a352e7360863a826a283db2742c950\">\u201eMeinen Sohn&#8221;, schnaubte C\u00fdel\u00fa Ir\u00edsolor, \u201ehabe ich dazu erzogen, ein ritterlicher und geb\u00fchrlicher Junge zu werden.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"104c7a0a2187a616d3389be61d2f4aaf\">\u201eNun, dann sollten die beiden miteinander auskommen, denn meine Tochter ist freundlich und sanft wie die Blumen im Schatten des Boscarg\u00e9n.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"356ec9efa7f607eb552aae3a959636bc\">\u201eIch wei\u00df&#8221;, gab C\u00fdel\u00fa zur\u00fcck. \u201eIch hatte die Freude, die Kleine kennenzulernen!&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"01da6f4ad07fbdd4d29498c72714dbeb\">Der Schattens\u00e4nger schaute sich mit schwach silbern schimmernden Augen um, als suche er etwas. Nat\u00fcrlich. Wahrscheinlich hatte er selbst das Weibsst\u00fcck hergeschickt und erwartet, sie hier vorzufinden..<\/p>\n<p data-p-id=\"3d96690417928a028262f89aa8e60fce\">Sileda\u00fa versuchte aus ihrem Versteck, einen besseren Blick auf ihn zu erhaschen. Gro\u00df, schlank und elegant war er, aber sein Haar begann, zu ergrauen. Seine <em>maghiscal<\/em> war, ungeachtet des vielen Goldes im Ciel\u00e1stel, beinahe so deutlich zu sp\u00fcren wie die des Goldenen. Das war &#8230; beunruhigend. Und &#8230; gef\u00e4hrlich. Dieser Schattens\u00e4nger war m\u00e4chtiger, als es Sileda\u00fa geheuer war. Mit ihm zu verhandeln w\u00fcrde ein hartes St\u00fcck Arbeit sein. Das musste sie sich sparen. Diesen Schattens\u00e4nger musste ihr jemand aus dem Weg r\u00e4umen.<\/p>\n<p data-p-id=\"e317083525af3dca4c0f9c47d825402b\">Und es war sicher keine gute Idee, gerade jetzt an diesem Ort zu sein. Wie leicht konnte einer der beiden auf die Idee kommen, einen Blick in die Abstellecke zu werfen! Es war nicht auszuschlie\u00dfen, dann der Schattens\u00e4nger ihre Anwesenheit sp\u00fcren konnte, ungeachtet all der goldenen Gitterst\u00e4be ringsum, die seine Wahrnehmung empfindlich st\u00f6ren mussten. Sileda\u00fa seufzte lautlos. Wie gern h\u00e4tte sie die beiden M\u00e4nner l\u00e4nger belauscht, um herauszufinden, warum sie sachlich miteinander redeten, statt einander wutentbrannt umzubringen. Aber sie durfte nicht riskieren, entdeckt zu werden. Noch nicht. Das w\u00fcrde die ganze sch\u00f6ne \u00dcberraschung verderben.<\/p>\n<p data-p-id=\"62985fe6e6b410cb9fa9919326098835\">Den Stab suchen, oder vielleicht noch bequemer: abholen konnte sie immer noch. Nun aber &#8230;<\/p>\n<p data-p-id=\"1e9c08fba16c2321b93fd2bfef6ef810\">\u201eWenn wir Sileda\u00fa finden&#8221;, sagte C\u00fdel\u00fa und zog Perlenglanz am Z\u00fcgel auf die Stallgasse hinaus, \u201e\u00fcberlasst sie mir.&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"fe6448e8911cc1d8c6e8a3beec9e488c\">\u201eSelbstverst\u00e4ndlich. Haben meines- und euresgleichen einander nicht geschworen, sich nicht in die Angelegenheiten des anderen einzubringen?&#8221;<\/p>\n<p data-p-id=\"c9146fab5a625d95453f00913ebb8289\">Der massige K\u00f6rper des Einhorns mit den aufgestellten Fl\u00fcgeln nahm die gesamte Breite der Stallgasse ein, als C\u00fdel\u00fa versuchte, es davon abzuhalten, st\u00f6rrisch wieder zur Heuraufe zur\u00fcckzukehren. Dieser Moment oder nie! Es blieb keine Zeit zum \u00dcberlegen.<\/p>\n<p data-p-id=\"bc23aa25a7d356b6f8e795443d62e8be\">Sileda\u00fa glitt in einer schattenflie\u00dfenden Bewegung zwischen dem Ger\u00fcmpel hervor, hindurch durch die Hintert\u00fcr und verschwand lautlos im Korridor dahinter.<\/p>\n<\/div><div ><a class=\"fusion-button button-flat fusion-button-default-size button-default fusion-button-default button-1 fusion-button-default-span fusion-button-default-type\" target=\"_self\" href=\"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/morgenkind-oder-die-grenzen-des-dunklen-band-2\/\"><span class=\"fusion-button-text awb-button__text awb-button__text--default\">Zur\u00fcck zum Buch<\/span><\/a><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><!-- \/wp:post-content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-2613","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-02_morgenkind"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2613"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2613\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3723,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2613\/revisions\/3723"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sandra-bloh.de\/lamaga\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}